Wut ist ein rotes Gefühl

In dem Buch „Balduin bleibt grün“ haben wir das Chamäleon Balduin bereits kennen gelernt. Balduin ist ein mutiges Chamäleon, welches nicht einfach alles so tut, nur weil Chamäleons das so machen. Er hinterfragt Verhalten und erst nachdem ihm der Sinn einer Verhaltensweise erklärt wurde, wendet er sie auch an. Am Beispiel von Balduin können Kinder also sehen, dass es wichtig ist, Fragen zu stellen, die Welt zu begreifen und ein aktiver Teil von ihr zu werden. Aber Balduin zeigt uns noch mehr und zwar in dem Buch „Balduin ist rot“. Hier geht es darum, wie Wut entsteht und wir man am besten mit ihr umgehen kann. Sicherlich ebenfalls ein Thema, welches Kindern aus ihrem eigenen Alltag nur allzu bekannt vorkommt.

Eines Tages läuft in der Schule bei Balduin einfach alles falsch. Erst wird er nicht dran genommen, als es darum geht das „B“, welches immerhin der erste Buchstabe seines Namens wird, an die Tafel zu schreiben, dann war er beim Klettern zu langsam, weil er Kalle, der hängen geblieben ist, geholfen hat und dann bekommt er auch noch Ärger, weil er beim Verstecken angeblich den Hof verlassen hat, dabei gehört doch der Zaun wohl zum Hof, oder etwa nicht?! Balduin wird knallrot und die anderen Chamäleons schauen ihn ganz verwundert an. Dies ist für die Lehrerin Frau Sogehtdas ein Anlass, mit den Chamäleonkindern über das Wütend-werden zu sprechen. Und auf einmal fällt allen Chamäleons ein eigenes Beispiel ein. Aber was kann man tun, wenn man wütend wird? Gemeinsam fällt den Kindern eine gute Möglichkeit ein: Für die Klasse wird ein Boxsack angeschafft. Und als sich Emilia bei Balduin für den Boxsack bedankt, stellt er fest, dass man auch aus anderen Gründen ganz rot werden kann…

Der Autorin ist eine weitere schöne Geschichte von Balduin gelungen. Auch hier geht es um ein wichtiges Thema, welches Kinder beschäftigt. Wie oft werden sie doch selber wütend und wissen nicht, wohin mit all ihrer Wut. Das Buch bietet einen guten Anlass um selbst Lösungen für dieses Problem zu finden. „Balduin bleibt grün“ gefällt mir allerdings noch ein bisschen besser als dieses Buch und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen hat dieses Buch einen anderen Illustrator und zum anderen kommt mir gerade die Szene im Klassenraum, in dem das Thema aufgearbeitet wird, doch ein wenig zu lehrhaft und pädagogisch herüber. Der Wechsel des Illustrators ist schade. Auf mich wirken die Bilder in dem ersten Balduin-Buch liebevoller. Im vorliegenden Buch sind mir die Bilder zu großflächig. Es fehlt an Details, so dass die Bilder nicht so lebendig sind wie in dem Buch „Balduin bleibt grün“.

Die Farbe rot ist hier natürlich gut gewählt und auch Kinder verstehen schon, was mit ihr ausgedrückt werden soll. Das Thema des Buches wird also nicht nur über den Text, sondern auch über die Bilder von den Kindern gut wahrgenommen. Mir gefällt gut, dass das Thema Gefühle, welches ja recht abstrakt ist, auf diesen verschiedenen Ebenen behandelt wird: Einmal geht es um die Symbolisierung durch die Farbe rot, dann geht es um das Gefühl im Bauch eines Kindes und letztendlich um das Ausbrechen des Gefühls nach Außen, was hier alles auch noch versprachlicht wird, so dass verschiedene Sinne des Kindes beim Lesen des Buches angesprochen werden.

Die Idee und die Geschichte von „Balduin sieht rot“ gefallen mir insgesamt gut, auch wenn das erste Buch mich noch ein bisschen mehr überzeugen konnte. Für mich steht aber auf jeden Fall fest, dass Balduin ein äußerst sympathisches Chamäleonkind ist, in welches man sich gut hineinversetzen kann.

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Balduin sieht rot von Fritzi Bender und Sebastian Niemann, Edition Oktopus 2014, ISBN: 978-3-95645-374-8, 14,95€

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