Zählend geht es auf Weihnachten zu

Gerade hatten wir tagsüber noch richtig sommerliche Temperaturen, aber die Zeit vergeht schnell und bald steht schon wieder Weihnachten vor der Tür. Ja, bei mir stapeln sich so langsam die Weihnachtsbilderbücher. Schon ein etwas merkwürdiges Gefühl, denn für mich heißt es noch nicht „1 2 3 … bald ist Weihnachten“, aber einen Blick in das Buch mit diesem Titel habe ich bereits geworfen.

Es ist ein Buch mit der kleinen Raupe Nimmersatt, in dem man sich zählend Weihnachten nähert. Erst sitzt die Raupe bei einem Weihnachtsmann auf der Hand, dann krabbelt sie über einem der zwei Weihnachtsbäume um als nächstes sich einen der drei Schneemänner genauer anzuschauen. So geht es dann bis zu zehn Geschenken weiter. Nun heißt es „Frohe Weihnachten“ und ein Schmetterling flattert über die Seite.

An sich ist dies ein schönes Zählbüchlein für die Kleinen. Die Bilder sind im typischen Stil von Eric Carle und sind auf weißem Hintergrund gut erkennbar. Stechpalmenblätter sind zwar für die Kinder nicht unbedingt bekannt und die Mengenerfassung funktioniert auf dieser Seite aufgrund der Unsymmetrie leider nicht so gut (Bücherwürmchen denkt auf den ersten Blick jedes Mal, dass hier drei statt vier Blätter zu sehen sind und ich muss zugeben, dass es mir beim ersten Mal genauso ging), aber bei mehrfachem Gucken übernehmen sie die neuen Wörter zumeist schnell in ihren Wortschatz. Die Pinguine haben nichts direkt mit Weihnachten zu tun und der Weihnachtskuchen ist zumindest in Deutschland nicht unbedingt verbreitet, aber das ist alles soweit in Ordnung. Das Einzige, was mich an diesem Buch stört, ist die Verbindung mit der Raupe Nimmersatt, die hier keine besondere Rolle hat und einfach zusätzlich auf jeder Seite zu sehen ist. Die Kleinen freuen sich zwar, wenn sie die Raupe auf den Seiten entdecken, aber es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Raupe und den zu zählenden Dingen. Sie frisst sich nicht einmal durch ein Stechpalmenblatt oder durch einen Weihnachtskuchen und die Verwandlung in den Schmetterling passiert recht unwillkürlich. Schade, wenn man schon die Raupe Nimmersatt als Verkaufsargument benutzen möchte, hätte man sie besser in die Bilder integrieren können.

Betrachtet man „1 2 3 … bald ist Weihnachten“ als Zählbuch, so erhält man ein nettes Büchlein, erwartet man jedoch ein Buch über die kleine Raupe Nimmersatt, so wird man hier möglicherweise enttäuscht. Mehr als eine kleine Nebenrolle hat die Raupe in diesem Buch nicht.

InDesign PDF Preset: Penguin_PDF_Translation_Black

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Die kleine Raupe Nimmersatt – 1 2 3 … bald ist Weihnachten von Eric Carle, Gerstenberg Verlag, ISBN 978-3-8369-5929-2, 8,95€

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Großer Zählspaß mit Charlie und Pia

Endlich lerne ich Charlie und Pia kennen. Das wurde aber auch wirklich höchste Zeit. Die beiden machen einfach unglaublich viel Spaß! Ich habe sie gerade in dem Bilderbuch „Eine Sache“ kennen gelernt und war direkt von ihnen und dem Buch begeistert.

Wenn man etwas mit Charlies kleiner Schwester Pia machen möchte, dann sollte man viel Zeit einplanen, denn Pia muss überall alles mögliche zählen. Das fängt bei den Punkten auf ihrem Kleid an, geht über die Marienkäferauf den Pflastersteinen und endet noch lange nicht bei den Enten und Vögeln auf der Feuchtwiese. Wie gut, dass Charlie ihr beim Zählen helfen kann, denn Pia weiß  noch nicht, welche Zahl nach zwölf kommt und sie verwendet auch gerne mal Eigenkreationen wie „siebzehnzwanzig“. Als Leser amüsiert man sich köstlich über Pias Zählversuche und fühlt sich an die vielen Spaziergänge erinnert, bei denen man selbst mit Kindern nicht so recht vorwärts kommen wollte, weil es überall etwas zu entdecken gibt. Darüber hinaus ist Pia aber auch ein pfiffiges, aufgewecktes Mädchen, das nichts unversucht lässt. Wenn Mama großzügigerweise verkündet, dass es beim Einkaufen für beide Kinder je „eine Sache“ gibt, hält Pia „drei Sachen“ dagegen. Doch bevor es dann heißt, dass es keine Sache gibt, schlägt sie dann lieber selber vor: „Wie wär’s mit einer Sache?“. Auch Charlie wickelt sie um den Finger. Nachdem sie sich im Geschäft zwölf Sticker ausgesucht hat, welche sie unterwegs an die verschiedensten Stellen klebt, so dass zu Hause null Stück davon übrig sind, bekommt sie einen von Charlies ausgesuchten Buttons. Ja, so läuft das unter Geschwistern eben ab. Aber Charlie ist auch wirklich ein sehr netter großer Bruder!

Meines Erachtens ist dieses Bilderbuch bestens für Vorschulkinder und Kinder im ersten Schuljahr geeignet, denn natürlich kann man in dem Buch herrlich mitzählen. Zählen Charlie und Pia immer richtig und was könnte man vielleicht zusätzlich noch zählen (z.B. die Pflastersteine)? Auch beim Addieren und Subtrahieren kann man die Kinder sehr gut mit ein beziehen. Und wenn das noch nicht auf Anhieb klappt, dann zählt man eben einfach noch mal nach. Aber Achtung, es ist gut möglich, dass die Kinder auf dem nächsten Weg zum Kindergarten anfangen Zaunlatten, parkende Autos, Blätter an einer Blume etc. zählen – wenn sie es nicht längst schon tun.

Neben der Geschichte an sich, sind aber auch die Bilder in dem Buch herrlich! Eigentlich sind sie ganz einfach gestaltet und man könnte fast meinen, dass die Figuren mit den großen Köpfen und den hingekritzelten Nasen nicht gut gezeichnet sind, aber gerade dieser Stil kommt unheimlich locker daher. Er macht Spaß und gute Laune. Man schaut sich das Buch einfach sehr gerne an. Es ist erstaunlich wie toll, solche einfachen Bilder wirken können. Das ist ganz große Kunst!

Ich kann für das Buch „Eine Sache“ nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Allerdings wäre es gut, wenn die Kinder schon ein wenig zählen können oder zumindest gerade Lust dazu haben. Bücherwürmchen jedenfalls war gerade nicht in Zähllaune und sein kurzer Kommentar zu dem Buch lautete deshalb leider: „Schlecht.“ Hm, naja, aber das ist ja häufig auch nur eine Momentaufnahme… Und ich finde das Buch trotzdem klasse!

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Eine Sache mit Charlie und Pia von Lauren Child, übersetzt von Sophie Birkenstädt, Aladin Verlag, ISBN: 978-3-8489-0113-5, 15,95€

Tiere im Meer finden und zählen

Bisher kannte ich den J.P. Bachem Verlag nur als Verlag für Wimmelbücher aus verschiedenen Städten bzw. zu bestimmten Einrichtungen wie z.B. bestimmte Kinderkrankenhäuser. In dieser Hinsicht ist er mir aber durchaus sehr positiv aufgefallen, denn die Wimmelbücher vom Kölner Zoo und vom Nationalpark Eifel haben wir schon unzählige Male angeschaut. Nun habe ich mit Staunen erfahren, dass dieser Verlag weitaus mehr Kinderbücher herausbringt. Ein Buch für die Kleinen (ab 2 Jahren), in dem es überhaupt nicht wimmelig zu geht, ist „Wo bist du kleines Seepferdchen?“. Die Seiten sind hier schön übersichtlich gestaltet. Es gibt wenig Details zu entdecken, aber dafür wird die ganze Aufmerksamkeit auf die bunten, klar strukturierten Tiere gelenkt. Klare Abgrenzungen von Flächen, das Spiel mit Mustern, Formen und Farben kommt den Sehfähigkeiten von kleinen Kindern entgegen. Alles wirkt freundlich und lebendig. Und dann gibt es natürlich durch die Klappen viel zu entdecken – sowohl für Papa Seepferdchen als auch für die jungen LeserInnen. Papa Seepferdchen ist nämlich auf der Suche nach seinem zehnten Baby. Also schwimmt er durch das Meer und fragt alle Tiere, die ihm dabei begegnen. Alle (im Übrigen alles Väter!) haben einen Tipp für ihn, doch hinter den Steinen, Muscheln, Korallen etc. findet er nur den Nachwuchs der anderen Tiere. Von Seite zu Seite ist immer ein Tier mehr versteckt. Der Wal hat nur ein Kind, der Kugelfisch zwei, die Schildkröte bereits drei und so weiter. Ganz am Ende hat dann Papa Garnele den richtigen Riecher: Das kleine Seepferdchen war die ganze Zeit viel näher beim Papa, als dieser es vermutet hat…

Das Bilderbuch ist schön anzugucken. Es enthält kurze Texte und hat einen logischen, wiederkehrenden Aufbau. Sehr schnell kommen die Kinder dahinter, dass sich in den Verstecken, die Babys des Hinweisgebers befinden. Und dennoch freuen sie sich jedes Mal wieder darüber, wenn sie feststellen, dass sie recht gehabt haben. Größere Kinder können die Tiere schon mitzählen und falls größere Geschwisterkinder mitschauen, so können sie selbst überlegen, wie viele Tiere wohl dieses mal zu finden sind (indem sie immer plus eins rechnen). Auf diese Weise kann man das Buch sehr gut gemeinsam mit Kindern verschiedenen Alters lesen. Das einzige, was vielleicht ein wenig schwierig ist, ist die Unterwasserwelt, in der die Geschichte spielt, denn auf diese Weise kommen in dem Text natürlich viele Wörter, die für zweijährige unbekannt sind, vor (Grotte, Seeanemone, Koralle, Garnele etc.). Aber für die meisten Kinder dürfte auch das kein Problem sein – im Gegenteil, so lernen sie ratzfatz viele neue Wörter kennen, die sie sich in der Regel schnell merken.

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Wo bist du kleines Seepferdchen? von Anita Bijsterbosch, aus dem Nierderländischen von Marion Ellen Plieger, J.P. Bachem Verlag, ISBN: 978-3-7616-2971-0, 12,95€