Tolle Fortsetzung von Almas geheimen Garten

Bereits vom ersten Band der Reihe „Almas geheimer Garten“ war ich begeistert. „Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit“ erzählt eine spannende Zeitreise, die sich sehr gut lesen lässt und nicht nur geübte Erstleser schnell in ihren Bann zieht. So erhielt dieses Buch aus dem Südpol Verlag dann auch den letzten verliehenen Buchkönig.

Obwohl es sich um ein Kinderbuch handelt, das ein erwachsener Leser in aller Kürze durchgelesen hat, habe ich tatsächlich dem zweiten Band entgegengefiebert. Als nun „Mit der Saubohne zu den Wikingern“ bei mir eingetroffen ist, habe ich mich richtig auf die Lektüre gefreut und war gespannt, ob es genauso spannend weiter geht. Und ein kleines Fazit schicke ich schon einmal vorweg: Diese Reihe ist wirklich eine besondere Buchperle! Es sind wirklich ganz tolle Bücher für Grundschulkinder und zwar egal, ob für Jungen oder für Mädchen. Hier werden keine geschlechtertypischen Klischees erfüllt. Es geht nicht um Ponys oder Fußball, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch Kinder, die ansonsten zu solchen Büchern greifen, Spaß an den Zeitreisen haben. Es sind einfach Bücher, die gut zu lesen sind und die einen fesseln, egal, welche Interessen man hat. Und es ist natürlich schön, dass historisch und botanisch interessierte Kinder hier auch mal auf ihre Kosten kommen.

Nun reisen Mette und ihr Cousin Theo also zu den Wikingern um die Saubohne, auch Dicke Bohne genannt, zu retten. Ja, dieses Mal spielt also Theo tatsächlich eine aktivere Rolle, wie ich es bereits nach dem ersten Buch vermutet habe. Er kennt sich mit historischen Begebenheiten ein wenig aus und unterstützt Mette dabei nach Haithabu, ins Handelszentrum der Wikinger, zu gelangen, wo sie hoffen die Saubohne zu finden. In diesem Buch begegnen sich die Kinder auf Augenhöhe. Selbstverständlich ist auch dieses Abenteuer nicht ganz ungefährlich. Vor allem aber gibt es Probleme bei den Samen der Bohne, denn den Kindern ist zunächst nicht klar, dass sie getrocknete Bohnen benötigen und so verschwenden sie ihre kostbare Zeit mit der Suche nach frischen Bohnen. Aber sie dürfen nicht zu spät zurück zum Tulpenbaum kommen, denn ansonsten hat er keine Kraft mehr mit ihnen gemeinsam zurück in Almas Garten zu reisen…

Auf der Suche nach der Saubohne – wieder so ein spannender Name für eine Gemüsesorte – bekommen die Kinder und somit wir Leser einen Einblick in das Leben der Wikinger bzw. der Händler in dieser Zeit. Kleidung, Essen, Boote, der Handel, Häuser und vieles mehr findet Erwähnung. Auch ich als Erwachsene habe hier noch ein paar Sachen gelernt, wobei alles sehr verständlich geschildert wird und man gar nicht das Gefühl hat, dass hier auch Wissen vermittelt wird. Prima gemacht!

Auch in diesem Buch bleibt noch einiges offen. Alma, für deren Garten Mette und Theo die Samen der Urpflanzen besorgen, benimmt sich geheimnisvoll, und wir erfahren nicht, wer der Besucher ist, von dem sie noch nichts erzählen möchte. Ob es dann also in einem dritten Band, so wie es sich Theo wünscht, ins alte Rom geht? Man darf gespannt sein… Ich bin es jedenfalls!

Insgesamt gefällt mir dieser Band genauso gut wie der erste. Er lässt sich sehr gut lesen und man ist sofort in der Geschichte drin. Die Sätze sind übersichtlich, wirken aber nie monoton oder langweilig. Auch ohne den ersten Band zu kennen, kann man das Buch gut lesen, aber es wäre natürlich schade, wenn man das erste Buch nicht kennen lernt, denn wenn einem ein Buch dieser Reihe gefällt, dann sicherlich auch das andere!

Ich habe übrigens nun auch die Bücher meinem Sohn vorgelesen. Warum hat er sich erst jetzt kennen gelernt?  Weil es schließlich auch noch schöne Bücher geben muss, die er entdecken kann, wenn er irgendwann seine ersten Lesefertigkeiten anwendet. Aber diese Bücher kann man dann sicherlich auch ohne Probleme noch einmal lesen. Beide Bände haben ihm sehr gut gefallen. Wir haben sie direkt nacheinander an einem Abend gelesen und ich habe an seiner Körperhaltung gemerkt, wie spannend er sie fand. Am liebsten hätte er im Anschluss gleich ein drittes Buch aus dieser Reihe gelesen und er konnte gar nicht verstehen, warum es das noch gar nicht gibt…

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Almas geheimer Garten: Mit der Saubohne zu den Wikingern von Birgit Hedemann, illustriert von Maria Ernicke, Südpol Verlag, ISBN: 978-3-943086-27-0, 8,99€

Erwartungen an bekannte Kinderbuchfiguren

Manchmal ist es mit Büchern, Erwartungen und Kindern schon merkwürdig. So gibt es Bücher, denen man, bevor man sie überhaupt kennt, eher skeptisch gegenüber steht. Wenn man sie dann kennen lernt, gefallen sie einem dann doch besser als man gedacht hätte und man wundert sich, warum das Kind dieses Buch nicht häufiger hervor nimmt. Genauso gibt es aber auch Bücher, auf die man neugierig ist, von denen man dann beim genaueren Hinschauen eher enttäuscht ist, während das Kind das Buch liebt. Beide Phänomene habe ich in letzter Zeit erlebt. In beiden Büchern, von denen ich spreche, geht es um bekannte Charaktere und zwar einmal um Käpt’n Sharky und einmal um den Bären Paddington.

Bei Käpt’n Sharky traf das erste Phänomen zu und bei Paddington das zweite, aber der Reihe nach…

Den Namen Käpt’n Sharky kenne ich schon seit Jahren – kein Wunder bei den vielen Merchandise Artikeln, die es überall zu kaufen gibt. Die Sachen waren ganz niedlich, aber dieser Hype um Käpt’n Sharky machte mich eher misstrauisch. Man hatte ein bisschen das Gefühl, dass es hier mehr um große Verkaufszahlen als um gute Geschichten ging. Irgendwann kannte sogar Bücherwürmchen Käpt’n Sharky aus dem Kindergarten und er erzählte uns wissend: „Der hat doch eine Ratte und einen Papagei, oder?“ So spielte er auch ganz gerne Käpt’n Sharky, während wir natürlich die Rollen der Ratte und des Papageis erhielten. Als ich dann auch noch Käpt’n Sharky im Stickeralbum „Meine Kinderbuchhelden“ entdeckt habe, wurde ich so langsam doch ein wenig neugierig auf diesen Piraten. Jetzt wollte ich mir doch mal gerne ein Buch von ihm anschauen und so zog „Käpt’n Sharky bei den Wikingern“ bei uns ein. Und ich musste feststellen, dass es wirklich ein schönes Bilderbuch ist. Klar, es gibt nun einige Menschen, die meinen, dass durch solche Bücher Piraten verklärt und die heutigen Probleme mit Piraten verharmlost werden. Zu einem gewissen Teil stimmt das sicherlich auch, andererseits wollen Kinder Abenteuer in Gestalt von spannenden Figuren erleben (sie lieben ja auch Ritter und Räuber) und gerade in Geschichten und Büchern können sie dies ohne negative Konsequenzen voll und ganz tun. Ich finde, dass sollte man ihnen ruhig gönnen, auch wenn man vielleicht in einem Gespräch darauf hinweisen kann, dass Piraten Räuber und eigentlich gar nicht lieb sind. Aber gerade die „bösen“ Gestalten faszinieren Kinder ja nun einmal… Und es ist für sie, wenn sie diese Fantasien im Buch ungestraft ausleben können.

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Zurück zum Buch über Käpt’n Sharky. Käpt’n Sharky und seine Freunde sind sehr sympathisch und überhaupt nicht furchteinflößend. Natürlich sehen sie das selbst völlig anders und so nehmen sie es auch mutig mit den Wikingern auf, mit denen sie sich rasch anfreunden. Übrigens sind auch diese in dem Buch eher friedlich, obwohl gegen Olof und seine Mannschaft selbstverständlich Seite an Seite mit Sharky und seinen Freunden unerbittlich gekämpft wird. In dem Buch steckt also jede Menge, was nach Abenteuer schmeckt: Piraten, bärtige, zerzauste Wikinger und der Kampf gegen eine verfeindete Mannschaft. Außerdem gibt es noch etwas, was dieses Buch spannend macht und vielleicht liegt hier auch der Grund, warum sich Bücherwürmchen das Buch nicht so gerne anschaut: Es gibt bei den Wikingern auch Wölfe! Den Satz „Wölfe sind hier die gefährlichsten Tiere“ hat Bücherwürmchen sich direkt gemerkt und tatsächlich stehen eines Tages bei den Wikingern hungrige Wölfe vor der Tür. Wölfe sind Bücherwürmchen irgendwie unheimlich und seitdem wir das Buch geschaut haben, spricht er wieder oft von Wölfen und fragt mich, ob es bei uns auch Wölfe, also die gefährlichsten Tiere, gibt. Ich habe mich schon gewundert, warum Bücherwürmchen dieses Buch nicht ständig hervorholt, obwohl er weiterhin gerne Käpt’n Sharky spielt. Die Wölfe könnten allerdings zum Teil ein Grund dafür sein…

Die Bilder in dem Buch sind bunt und passend zur Geschichte voller Action. Käpt’n Sharky ist so dargestellt, dass Kinder sich schnell mit ihm identifizieren können, was zumindest bei Bücherwürmchen gut funktioniert hat.

Innenansicht aus dem Buch "Käpt'n Sharky bei den Wikingern"

Innenansicht aus dem Buch „Käpt’n Sharky bei den Wikingern“

Nun zu dem anderen Buch, zu Paddington. Ich kannte Paddington bisher nicht, aber natürlich hatte ich den Namen sowie das Bild von dem Bären mit dem roten Hut und dem blauen Mantel schon mal gehört bzw. gesehen. Und irgendwie habe ich damit immer etwas Positives verbunden – ohne zu wissen, woher ich meine Vorstellungen genommen habe. Jedenfalls war ich auf Paddington sehr neugierig und habe mich richtig auf das Buch gefreut. Und ja, den Bären an sich finde ich auch weiterhin äußerst sympathisch und ansprechend. Die Geschichte, die dazu gehört, fand ich dahingegen eher etwas lasch. Klar, es ist schön, dass Paddington von Mr. und Mrs. Brown am Bahnhof aufgegabelt und mit nach Hause genommen wird, wo er von allen herzlich aufgenommen wird: Er darf erst einmal ausgiebig baden, nachdem er sich beim Imbissstand mit einem Sahnetörtchen eingesaut hat, und anschließend wird er mit Toast in gemütlicher Atmosphäre verwöhnt. Alles schön und gut, aber irgendwie auch nichts sonderlich Außergewöhnliches. Auf den Bildern sticht der süße Bär heraus, der Rest sind normale, mittelmäßige Zeichnungen. Mir gefällt es für Kindergartenkinder auch nicht, dass Mr. und Mrs. Brown nicht in Herr und Frau Brown (Braun) geändert wurden. Mit Mr. und Mrs. können Kinder in dem Alter doch noch gar nichts anfangen.

Soweit meine Meinung und Kritik, aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe dieses Buches und diese sieht das Buch völlig anders. Bücherwürmchen mochte Paddington von Anfang an und schaut sich das Buch auch gerne mehrfach hintereinander an. Er findet es spannend, dass der Bär den Namen eines Bahnhofs trägt, er lacht darüber, dass Paddington mit dreckiger Tatze dem Taxifahrer auf die Schulter tippt und er stimmt Mrs. Brown am Ende zu, dass es verständlich ist, dass Paddington nach so vielen Erlebnissen müde auf dem Sessel einschläft.

Bücherwürmchen hat Paddington ins Herz geschlossen und auch ich mag „diese Art von Bär“ – nur mit dem Buch muss ich mich noch ein wenig anfreunden.

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Käpt’n Sharky bei den Wikingern von Jutta Langreuter und Silvio Neuendorf, ISBN: 978-3649614722, 12,95€

Paddington von Michael Bond und R. W. Alley, Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-771-4, 12,95 €