Im Wald mit Tom und dem Waldschrat

Letzte Woche habe ich mit der ganzen Familie der Edition Pastorplatz im Rahmen des Tags des offenen Ateliers einen Besuch abgestattet. Es war sehr interessant, wie Bücherwürmchen die ausgestellten Illustrationen betrachtet hat und das er auch an der einen oder anderen Stelle etwas nachgefragt hat. Am liebsten hat er jedoch in den Büchern geblättert, die er noch nicht kannte, wobei er sich besonders intensiv dem Buch „Tom und der Waldschrat“ widmete. Als erstes fiel ihm auf, dass das Logo des Verlags, die Kastanie, direkt auf der ersten Doppelseite zu sehen war, was ihn sehr erfreute. Dann fing er jedoch an, mich bei jedem einzelnen Bild zu fragen, was dort zu sehen sei, warum der Waldschrat so wütend herum springe, was hier und was dort passiere. Anfangs habe ich noch mit einem schnellen Blick auf den Text versucht, die Antwort herauszufinden und ihm zu geben, doch nach einer Weile habe ich es mir etwas einfacher gemacht: Ich habe beschlossen, dass Bücherwürmchen das Buch kaufen darf. Stolz hat er das Buch nach Hause getragen, wo es natürlich sofort gelesen werden musste. Bücherwürmchen hat mir ganz gespannt gelauscht und ist bei der Geschichte richtig mitgegangen.

Der Ärger des Waldschrats und der Tiere

Gegen seinen Willen muss Tom mit seinen Eltern im Wald spazieren gehen. Er findet den Wald einfach nur langweilig. Was gibt es dort schon groß spannendes zu entdecken? Es stehen dort ja doch nur Bäume herum. Tom spielt also lieber heimlich auf seinem Smartphone herum (was Bücherwürmchen natürlich nie machen möchte…). Leider hat er so überhaupt keinen Blick für den Wald und den Weg, den er nimmt, so dass er sich auf einmal ganz alleine im Wald widerfindet und nicht weiß, was er nun tun soll. Zum Glück kümmert sich der Waldschrat, ein kleines Wesen mit Beinen und Armen aus Ästen und einem schrumpeligen Gesicht, um ihn. Tom darf mit ihm in eine Höhle kommen. In dem dort befindlichen Zauberraum trifft Tom auf verschiedene Tiere des Waldes, deren Sprache er an diesem Ort verstehen kann. Doch die Tiere und grundsätzlich auch der Waldschrat sind nicht gut auf die Menschen zu sprechen, denn allzu oft haben sie schon erlebt, dass Menschen ihren Müll im Wald abladen, dort herumlärmen und alles kaputt machen. Tom hat Verständnis für die Tiere, mit denen er Freundschaft schließt, und möchte ihnen helfen. Er hat da auch schon so eine Idee…

Aktives Zuhören beim Vorlesen

Bücherwürmchen hat der Geschichte sehr aktiv gelauscht, was sich durch Kommentare und seine Körperhaltung bemerkbar machte. Während es im Text heißt, dass die Augen am Waldschrat besonders auffällig sind, fand Bücherwürmchen die Kastanienpantoffeln noch viel merkwürdiger. Große Augen bekam er beim Anblick der großen Höhle. Die gefiel ihm richtig gut. Ich hatte das Gefühl, dass er sich an dieser Stelle völlig in die Geschichte hineinversetzt hat. Als Tom sich dann nach der Nacht im Wald zu Hause im Bett ausschläft, wird Bücherwürmchen ganz aufgeregt, denn schließlich hat Tom doch versprochen, dass er sofort zu den Tieren zurück kommen würde. Hoffentlich hält er sein Versprechen ein! Und dann fragt Tom sich auch noch, ob er wohl alles nur geträumt hat. Da muss ihm Bücherwürmchen ganz entschieden widersprechen. Ihm gefällt es gut, dass die Tiere und Tom es gemeinsam schaffen, die Menschen aus dem Wald zu halten, und er freut sich über das letzte Bild, auf dem der Waldschrat etwas vorwitzig winkt und „Bis bald!“ sagt.

Ja, „Tom und der Waldschrat“ ist auf jeden Fall eine Geschichte, die Kinder stark in ihren Bann zieht. Mir gab es im Text manchmal etwas große Sprünge, da immer wieder zwischen verschiedenen Situationen hin und her geschwenkt wurde und ich mich dann erst einmal ein wenig orientieren musste, aber Bücherwürmchen hatte damit scheinbar keine Probleme.

Die Illustrationen lassen uns noch intensiver an der Geschichte teilhaben. Sie sind einerseits amüsant, teilweise eindrucksvoll, vor allem aber genial. Gerade die Gesichtsausdrücke und die Bewegungen des Waldschrats sind einfach klasse und absolut passend. Ja, so wie Mele Brink den Waldschrat malt, so könnte man ihn sich tatsächlich vorstellen.

Erwachsene Sicht

Die Thematik des Umweltschutzes und des Verhaltens im Wald finde ich wichtig und sie wird in dem Buch auch deutlich, genauso übrigens auch wie die Botschaft, dass der Wald durchaus etwas zu bieten hat und es dort keineswegs langweilig ist. Ab und zu hatte ich das Gefühl, dass es in dem Buch zu deutlich darum geht, auf das richtige Verhalten im Wald hinzuweisen, aber letztendlich kommt das Buch dann doch einfach als spannende Geschichte im Wald bei den Kindern an. Da ist mein Blick vielleicht etwas zu kritisch. Auch die Lösung mit der vorgetäuschten Tollwut fand ich nicht optimal (vor allem da ich eine vermehrte Jagd auf die Tiere fürchtete und für realistisch hielt, insbesondere da ich noch die Information vom Förster beim Waldspaziergang im Kopf hatte, dass in Deutschland vor längerer Zeit viele Dachse gestorben sind, da man die Tollwut besiegen wollte, indem man Fuchsbauten vergaste und Füchse durchaus auch Dachsbauten bewohnen). Es erscheint mir etwas einfach, dass es sich so verhindern lässt, dass die Menschen, die sich im Wald nicht korrekt verhalten, dem Wald nun fern bleiben, während die rücksichtsvollen Menschen weiterhin auf den Wegen spazieren gehen. Grundsätzlich hätte ich es schöner gefunden, wenn nicht versucht worden wäre, die Menschen aus dem Wald zu bekommen, sondern wenn die Menschen zur Einsicht gebracht worden wären. Aber wie gesagt, das ist wieder nur meine erwachsene Sichtweise. Bücherwürmchen fand auch die an die Geschichte anschließenden Informationen zur Tollwut spannend und er lachte darüber, dass sich das Kaninchen immer wieder die Sprühsahne, die als Schaum herhalten sollte, mit Genuss abschleckte.

Insgesamt können wir „Tom und der Waldschrat“, ein intensiv illustriertes Kinderbuch für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren,  absolut empfehlen. Wir haben es direkt und mit großer Freude in einem Rutsch durchgelesen und Bücherwürmchen berichtete anschließend dem Papa sofort von den witzigsten und spannendsten Szenen.

Tom und der Waldschrat von Claudia Mende und Mele Brink, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3-943833-10-2, 17,50€

 

Im Wald gibt es das ganze Jahr über viel zu entdecken

Zwölf Seiten – für jeden Monat eine – beinhaltet das Wimmelbuch „Ein Jahr im Wald“, zwölf wunderbar gestaltete, wimmelige Seiten, auf denen man sehen kann, was die Tiere so das ganze Jahr über im Wald treiben. Die Bilder sind sehr liebevoll gestaltet. Die Tiere kann man sehr gut erkennen, auch wenn sie nicht ganz realistisch und etwas verniedlicht und teils vermenschlicht (z.B. hat die Ameisenkönigin eine Krone auf dem Kopf) dargestellt werden. Mir gefallen die Bilder jedenfalls sehr gut und ich könnte sie mir stundenlang ansehen. Auf jedem einzelnen Bild gibt es unheimlich viel zu entdecken. Das Leben im Wald wird sowohl informativ, als auch humorvoll dargestellt. So ist es beispielsweise richtig, dass dem Elch im Januar sein Geweih fehlt. Dies kann man gut auf dem Bild erfahren. Gleichzeitig kommt durch die Gedankenblase, in der sich der Elch über das fehlende Geweih wundert, ein wenig Spaß dazu. So gibt es mehrere kleine Szenen über die man schmunzeln kann und man wird beim wiederholten Anschauen noch oft etwas neues entdecken. Besonders spannend wird das Buch dadurch, dass man nun das Leben vieler Waldtiere von Monat zu Monat verfolgen kann. Dem Elch wachsen natürlich nach und nach Schaufeln, der Fuchs ist froh, wenn er in den wärmeren Monaten endlich wieder leichter Futter finden kann, der Bär schlägt sich im Frühjahr den Bauch mit Honig voll, während der Förster einen Monat vorher noch einen eher unangenehmen Zusammenstoß mit den Bienen hatte, man kann die Arbeit der Biber an ihrer Burg hervorragend verfolgen, Tierjunge wachsen heran und Blätter verfärben sich und fallen schließlich zu Boden. Hier gibt es einfach unglaublich viele kleine Tiergeschichten zu entdecken, über die es natürlich auch jede Menge zu erzählen gibt. Auch Kinder können hier schon viel sehen und auch lernen. Sie können sehr lange in den einzelnen Bildern versinken, aber besonders schön ist es dennoch, wenn man sich dieses Buch gemeinsam mit ihnen anschaut und über das Leben im Wald mit ihnen spricht. Dabei kann man dann darüber Staunen, wieviel Kinder aus den Bildern bereits herauslesen können und wie gut sie Zusammenhänge erkennen, man kann den Kindern zuhören, ihnen selbst Informationen geben und etwas erzählen und sich gemeinsam an den schönen Bildern erfreuen.

Witzig und humorvoll, aber gleichzeitig informativ (so wie das ganze Buch eben) sind die Vorstellungen der Tiere des Waldes sowie des Försters auf dem vorderen Vorsatzpapier. Allein damit kann man schon eine Weile verbringen und die Texte finden auch größere Kinder noch spannend. Auf dem hinteren Vorsatzpapier können Kinder selbst ein wenig aktiv werden und die Wege einiger Tiere in einem Labyrinth unter der Erde verfolgen. Diese beiden Doppelseiten runden das Buch toll ab.

Ein Jahr im Wald“ ist ein tolles Bilderbuch, welches sehr viel Spaß macht, sensibel für das Leben im Wald macht und bei dem man einiges über den Wald und seine Bewohner lernen kann.

9783845813240

Ein Jahr im Wald von Emilia Dziubak, übersetzt von Victoria Lach, arsEdition, ISBN: 978-3-8458-1324-0, 12,99€

Ganz normal: Menschen und Pilzolotten haben Angst vor Neuem

Kommt euer Kind vielleicht dieses Jahr nach den Sommerferien in die Schule und ist deswegen ein wenig aufgeregt oder hat sogar vor der einen oder anderen Situation ein kleines bisschen Angst? Das ist natürlich ganz normal. So geht es wohl den meisten Kindern und tatsächlich geht es nicht nur den Menschenkindern so, sondern auch den Pilzolottenkindern und zwar ganz besonders der kleinen Myka, die im Wald Eikibufi lebt – so erzählt es das Buch „Myka und die Versteckschule„. Im Herbst, wenn die Pilzolotten nach drei verschlafenen Jahreszeiten wieder aufwachen, wird sie zur Versteckschule kommen. Dort gibt es für Pilzolotten viel zu lernen, denn sie müssen genau wissen, wie sie sich im Wald verhalten und verstecken müssen um nicht von Pilzsammlern oder Tieren mit Pilzen verwechselt zu werden. Auf den ersten Blick könnte man sie tatsächlich für Pilze halten, aber Pilzolotten bleiben nicht so wie die „Stillpilze“ einfach still und stumm auf ihrem Platz stehen, denn sie können sich mit ihren Beinfäden (zusätzlich haben sie übrigens auch Armfäden) bewegen. Es gibt also einiges für Pilzolotten zu lernen und dafür gibt es in der Versteckschule Unterrichtsfächer wie Weglaufologie oder Tarnmalerei. Myka weiß natürlich noch nicht, wie es in der Versteckschule so zu geht und genau das bereitet ihr Unbehagen. Ja, sie bekommt davon sogar so starke Bauchschmerzen, dass sie vor allen anderen Pilzolotten noch vor dem Herbst aufwacht und sich schließlich auf den Weg macht um die Versteckschule zu finden. Die Versteckschule findet sie zwar nicht, aber dafür erlebt sie so einige Abenteuer. Sie trifft auf Frau Steinkauz, auf die hungrige Spinne Aranja und auf den grummeligen Fliegenpilz Venedict. Und ihr könnt euch schon mal merken, dass Fliegenpilze keine Kappe, sondern einen Hut tragen. Aber Bücherwürmchen wies mich daraufhin, dass ich, wenn wir draußen mal einen Fliegenpilz sehen sollten, ruhig „Kappe“ sagen dürfe, denn ein Fliegenpilz könne ja nicht wirklich sprechen. Das ginge ja nur in Geschichten… Egal, die Geschichte wirkt auch nach dem Vorlesen noch in uns weiter und immer wenn wir nun Pilze aus dem Gras sprießen sehen, überlegen wir gemeinsam, ob es nicht vielleicht doch Pilzolotten sind…

Die Namen der Figuren passen irgendwie so richtig zu Pilzolotten, aber beim Vorlesen wusste ich nie so richtig, ob man das „y“ eher wie ein „i“ oder wie ein „ü“ lesen soll. Bei der „i“-Aussprache erinnert der Name zu sehr an den Jungennamen Mika und Myka hat sich doch in der Geschichte dazu entschieden ein Mädchen zu sein, so dass das für Kinder dann schwer verständlich ist, aber wenn ich es mit der „y“-Aussprache probierte, kam ich mir irgendwie komisch vor. Hm, nun ja, das ist alles natürlich nicht so schlimm und man muss sich einfach für eine Variante entscheiden oder eben das ganze ein wenig verschwommen aussprechen. Das ist wahrscheinlich das beste und sicherlich einer Pilzolotte würdig. Immerhin können sich die Pilzolotten irgendwann selber für ein Geschlecht entscheiden, da ist es doch auch wahrscheinlich, dass der Name nicht ganz so klar und eindeutig ausgesprochen wird. Trotz meiner Ausspracheprobleme war mir Myka, auch auf Grund des Namens, von Anfang an sympathisch. Der Name klingt interessant und wirkt durch das „y“ ein wenig geheimnisvoll. Myka selbst stellt sich dann als neugierig, freundlich, etwas ängstlich, aber auch mutig dar. Sie ist eben ein ganz normales, aufgewecktes Pilozolottenkind, welches ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Bruder Myrko hat und sich über neue Freunde freut.

Die Geschichte hat ein recht ruhiges Tempo. Sie liest sich fließend, man ist gespannt, was Myka so alles erlebt, aber man fürchtet sich nicht groß vor gefährlichen Erlebnissen – genau das richtige also für eine Gute-Nacht-Geschichte. Bücherwürmchen hat sich das Buch sehr gerne vorlesen lassen, obwohl ich anfangs befürchtete, dass er es vielleicht ein wenig langweilig finden würde, aber er hat sich gerne in die Geschichte im Eikibufi-Wald führen lassen. Und je länger ich vorgelesen habe, desto mehr hat auch mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und mich begeistert, denn es ist eine einfache, klare Geschichte mit sympathischen und interessanten Figuren. Das Wichtigste ist aber, dass sie ein Thema beinhaltet, welches für viele Kinder wichtig ist. Angst vor etwas Neuem, Angst vor Fehlern, Angst davor etwas nicht gut zu können, Angst vor der Schule – das ist vielen Kindern überhaupt nicht fremd. Und in dem Buch werden zu diesem Thema viele wichtige Aussagen getroffen, die sich bei den Kindern hoffentlich festsetzen: „Es sind gerade die Fehler, aus denen man lernt. Und das Gute an der Schule ist, dass alle Fehler machen.“ Besonders gut gefällt mir, dass diese Geschichte zwar ein Thema aus der Welt der Kinder behandelt, dass sie aber in einer anderen Welt spielt. So können die Kinder sich zwar einerseits mit Myka identifizieren, das Ganze aber auch von einer etwas distanzierteren Außenposition betrachten. Die Identifikation wird ihnen nicht direkt übergestülpt, so dass sie die Möglichkeit haben, vor sich selbst nicht direkt zugeben zu müssen, dass es eben auch ein Thema für sie selbst ist, sich aber dennoch einfach mal anhören können, wie es denn Myka so ergeht. Ausgehend von dem Buch kann man dann natürlich dennoch gemeinsam mit dem Kind überlegen, was denn wohl in der Menschenschule alles auf einen zukommt, was man dort so lernen wird, wen man dort alles kennen lernt, was einen vielleicht ein wenig beunruhigt, worauf man sich freut etc.

Nun möchte ich aber natürlich auch noch erwähnen, was das Buch neben der Geschichte so besonders macht: Das Buch ist wunderschön gestaltet. Das Format ist größer als ein normales Kinderbuch und es enthält tolle, liebevolle bunte Zeichnungen, die sich auf jeder Seite finden. Teilweise zieht sich der Hintergrund der Bilder über die ganze Seite und verbreitet so wunderbar die passende Stimmung. Aber auch beim Text wurde sich viel Mühe gegeben, so dass die wörtliche Rede stets rot hervor gehoben wird. Das ganze Buch fühlt sich von vorne bis hinten einfach sehr wertig an, was meines Erachtens das Leseerlebnis noch mal steigert.

Myka und die Versteckschule“ ist ein sehr schönes Vorlesebuch, insbesondere für Kinder, die im letzten Kindergartenjahr sind. Uns hat es gut gefallen und wie gesagt, wir schauen nun sehr genau, ob wir nicht vielleicht doch mal einer Pilzolotte begegnen…

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Myka und die Versteckschule von Asja Bonitz, illustriert von Mele Brink, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3-943833-13-3, 17,50€