Leipziger Lesekompass: Sorum und Anders

Beim Peter Hammer Verlag ist mal wieder eine tolle Pappbilderbuch-Perle erschienen: Sorum und Anders!

Es ist ein Bilderbuch, welches einfach Spaß macht, ein Buch, welches man sich mit den Kleinen gerne immer wieder anschaut.

Der eine so, der andere so

In dem Buch geht es um Sorum und Anders und wie es der Titel und die Namen vermuten lassen, ist sind dies zwei völlig unterschiedliche Wesen. Sorum ist ein Mädchen und weich, aber durchaus groß, mutig und laut. Anders wiederum ist ein Junge aus Stein, aber er ist auch klein, ruhig und trägt ein Kleid.  Jeder von ihnen mag andere Dinge und geht anders durchs Leben, aber natürlich kommt am Ende heraus, dass es völlig okay ist sowohl Sorum als auch Anders zu sein.

Buntes und fröhliches Buch

Die Botschaft in dem Buch ist klar und wird auch am Ende deutlich ausgesprochen, dennoch ist es kein Buch mit erhobenem Zeigefinger und es wird auch überhaupt nicht so empfunden. Viel mehr steht der Spaß im Vordergrund. Die Bilder sind bunt und fröhlich gezeichnet, wobei ganz klar die beiden Hauptpersonen im Vordergrund stehen und auf unnötiges Beiwerk verzichtet wurde. Der Text ist fröhlich gereimt und als Leser freut man sich einfach in erster Linie auf die Gegensätze, die hier in Bild und Text amüsant dargestellt werden. Dass es hier auch um die Vielfalt der Menschen geht, ist erstmal zweitrangig, auch wenn diese Botschaft beim Lesen ankommt und natürlich auch weiter thematisiert werden kann.

Vielfalt macht Spaß

Schön ist, dass hier wirklich alles okay ist und zum Beispiel der Junge das Kleid trägt. Auch gefällt es mir, dass Sorum und Anders durch ihre Eigenschaften zwar an Menschen erinnern, es aber keine Menschen sind, sondern Figuren aus Watte und Stein, die erst einmal keine Merkmale wie Hautfarbe oder ähnliches tragen. Abgesehen davon, dass von ihnen als „sie“ und „er“ gesprochen wird, haben sie auch kein Geschlecht. Auf diese Weise kann sich wirklich jeder angesprochen fühlen und keine Eigenschaft, Vorliebe oder ähnliches wird von vorne herein einem bestimmten Menschentyp zugeordnet. Alles ist offen und alles ist möglich. Das Buch ist wirklich in jeder Hinsicht – wie es auch im Klappentext heißt – „ein Hoch auf die Vielfalt“.

Auszeichung Leipziger Lesekompass

Das Buch „Sorum und Anders“ wurde 2018 mit dem Leipziger Lesekompass in der Kategorie 2-6 Jahre  ausgezeichnet. Der Preis zeichnet Bücher aus, die sich durch ihren Lesespaß und durch kreative Ansätze besonders gut zur Leseförderung eignen. Eine Übersicht aller Preisträger der Kategorie 2-6 Jahre findet ihr auf meiner Seite. Dort verlinke ich nach und nach auch die weiteren Rezensionen zu den preisgekrönten Büchern.

Sorum und Anders von Yvonne Hergane und Christiane Pieper, Peter Hammer Verlag, ISBN: 978-3-7795-0579-2, 14€

 

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Wie aus einem langweiligen Haus, ein Haus voller Leben wird

Tolle Nachbarn“ – das ist scheinbar Interpretationssache. In Bezug auf das Buch mit diesem Titel würde ich dem Ich-Erzähler allerdings zustimmen, aber scheinbar gibt es auch Bewohner, denen das graue Mietshaus, welches man zu Beginn des Wimmelbuches sieht, besser gefällt, als ein Haus mit lauter verschiedenen, interessanten Bewohnern.

Zu Beginn des Buches wohnen ausschließlich Schafe in dem Haus. Eigentlich passiert nichts besonderes. Das einzige Erwähnenswerte ist das Geschimpfe von Frau Schopf über das Teppichausklopfen über ihrem Fenster. Das war es im Großen und Ganzen auch schon. Dass Frau Spätzle vor der Haustür fegt oder dass das eine Schaf ganz oben mal wieder Fernsehen guckt, ist nun wirklich eigentlich nicht aufregend genug, um es zu erzählen. Es geht also stinklangweilig zu in diesem Haus. Doch eines Tages passiert dann doch etwas. Die Wölfe kommen und ziehen ein. Der Erzähler ist begeistert, aber diese Begeisterung können nicht alle teilen. Manche Schafe sind sogar so verärgert, dass sie ausziehen. So  nach und nach kommen immer mehr neue Bewohner, während einige der alten das Haus verlassen. Das Haus leidet nicht darunter. Im Gegenteil – endlich ist hier mal Leben in der Bude, denn die neuen Bewohner sind alles andere als langweilig: Die Krokodile eröffnen eine Bar, die Wölfe machen Musik und fahren Motorrad, die Schweine greifen zu Pinsel und Maltopf und verändern die Fassade, die Störche bauen auf dem Dach ein Nest und alle machen mit bei Schneeballschlachten und Spielen auf der Straße. Im und um das Haus herum passiert etwas: Es wird bunt und fröhlich!  Und für  uns als Leser gibt es jede Menge zu entdecken: Was gibt es auf den Seiten alles zu sehen? Was hat sich getan  und verändert? Wo ist die Mütze des Polizisten? Wer wohnt jetzt alles in dem Haus? – Ein herrlicher Spaß!

Tolle Nachbarn“ ist ein tolles Wimmelbuch, welches bereits durch sein längliches Format auffällt. Die Bilder sind klasse und laden zum Anschauen ein.

Kurze Texte vom Ich-Erzähler leiten uns durch die Geschichte. Es ist also kein Wimmelbuch, welches ganz auf Text verzichtet, was manche Eltern zu schätzen wissen. Die Geschichte selbst erzählt sich aber auch recht gut durch die Bilder, wobei man dann vielleicht auf manche Dinge weniger achten würde.

Was sind also tolle Nachbarn? Schafe, die kaum Ideen haben, aber meckern, wenn ihnen etwas nicht passt, und die nur ihre täglichen, langweiligen Aufgaben vor Augen haben? Oder lauter verschiedene Tiere, die Spaß am Leben haben, etwas verändern und gemeinsam feiern? Die Antwort liegt wohl auf der Hand. Und natürlich lässt sich das ganze auch auf uns Menschen übertragen. Etwas schade finde ich es, dass kaum Schafe im Haus geblieben sind. Noch schöner wäre eine größere Akzeptanz, aber ganz am Ende sieht man dann doch wieder einige Schafe, die sogar aus den Fenstern des Hauses schauen. Sind sie vielleicht sogar zurück gekommen und haben eingesehen, dass das Leben im Haus zwar abwechslungsreicher, aber auch fröhlicher geworden ist? Es könnte sein…

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Tolle Nachbarn von Hélène Lasserre und Gilles Bonotaux, übersetzt von Edmund Jacoby, Jacoby & Stuart Verlag, ISBN: 978-3-946593-00-3, 14,95€