Im Gewimmel europäischer Städte auf Verbrecherjagd gehen

Ich mag Wimmelbücher und ich mag Bücher über andere Länder. Das Buch „Mona Lisa ist weg“ ist also perfekt für mich. Und auch für Bücherwürmchen ist dies ein tolles Buch, denn wenn es darum geht, Diebe zu suchen und zu finden, ist er immer mit Begeisterung dabei.

Den Dieben Ente, Tutu (ein Schweinchen in Ballettröckchen), Bossi (ein Waschbär), Gigi (eine Giraffe) und Foxie (eine Füchsin mit blonder Mähne) ist es tatsächlich gelungen das berühmte Gemälde „Mona Lisa“ aus dem Louvre zu stehlen und so beginnt eine abenteuerliche Jagd durch Europa. Denn Kommissar Wolf und Kommissar Ratte sind den Dieben sofort auf den Fersen. Ganz nah kommen sie an die Diebe heran, doch jedes Mal entwischen diese ihnen im letzten Augenblick wieder und fliehen in die nächste große Stadt. Und so geht es auch für die Kommissare von Paris nach Berlin, Rom, London, Barcelona (warum hat man hier nicht die spanische Hauptstadt genommen?) und Amsterdam und wieder zurück nach Paris. Aber nicht nur die Bande und die Polizei ist in Europa unterwegs, auch andere Figuren begegnet man auf dieser Reise immer wieder. So nimmt auch eine Gruppe Touristen diese Strecke um ein paar Städte Europas kennen zu lernen, ein geheimnisvoller Künstler taucht überall auf und neben den Gemälde-Dieben treiben auch Bankräuber ihr Unwesen. Auf jeder Seite gibt es sehr viel zu entdecken: Neben den Geschichten und Szenen vieler tierischer Figuren kann man natürlich auch einige Gebäude und Sehenswürdigkeiten der genannten Städte auf den Bildern sehen. Maayken Koolen und Nickie Theunissen haben es wunderbar geschafft die Besonderheiten einer Stadt in einem Bild festzuhalten. Und gerade weil hier so viel miteinander vereint wird, was man sonst nicht auf einem realistischen Bild einer Stadt auf einem Blick sehen könnte, wirkt alles sehr lebendig. Gerade die Mischung aus Sehenswürdigkeiten, typischen Dingen (wie beispielsweise die rote Telefonzelle oder der rote Doppeldeckerbus in London) sowie auch Geschäften und Kneipen mit Aufschrift in der jeweiligen Landessprache machen die Atmosphäre in dem Buch aus. Dazu kommt natürlich noch, dass durch die Figuren, die mehr als bloße Statisten sind, jede Menge Leben in die Städte kommt. Am Ende des Buches werden einige der häufig vorkommenden Personen vorgestellt bzw. wird durch gezielte Fragen dazu angeregt nach bestimmten Ereignissen Ausschau zu halten. Ansonsten gibt es nur zu Beginn und am Ende des Buches einen kleinen einführenden bzw. abschließenden Text, so dass auf das Problem des Buches aufmerksam gemacht wird und die Kinder (und natürlich auch die Erwachsenen) dazu motiviert werden, dem Rätsel des Diebstahls auf den Grund zu gehen.

Bücherwürmchen hat die Diebe immer sehr gerne gesucht, wobei es gar nicht so einfach ist, diese auf jeder Seite zu finden, denn diese sind teilweise bei ihrem Versteckspiel sehr trickreich. Freude hatte er immer daran, wenn Kommissar Wolf und Kommissar Ratte entweder in einer ganz falschen Ecke unterwegs waren oder wenn sie im Prinzip direkt neben den Dieben standen, aber diese nicht sahen. Ich zeige meinem Sohn gerne Bücher über andere Länder, aber ich muss zugeben, dass ihn hier die Verbrecherjagd und vielleicht noch die Bankräuber mehr interessieren, als die Städte, in denen das ganze stattfindet. Die Gebäude und Sehenswürdigkeiten nimmt er wohl nur unbewusst wahr, aber ich denke, das reicht in seinem Alter auch. In Rom schaut er etwas genauer hin, da er Interesse an den Römern hat und er sich freut, wenn er etwas aus der Römerzeit entdecken kann. Auch die Gedächtniskirche in Berlin findet er spannend, da er es kaum verstehen kann, dass man ein kaputtes Gebäude so belassen möchte. Es gibt also doch ein paar Dinge, die ihn über das Geschehen hinaus interessieren. Außerdem lernen Kinder ja auch manche Sachen, ohne dass man sie groß thematisiert oder benennt, zum Beispiel steht in London die Diebin Ente an einer U-Bahnstation, so dass die U-Bahn für Kinder ganz schnell selbstverständlich zu London dazugehört. Und letztendlich ist es sowieso egal, ob Kinder etwas bei diesem Buch lernen oder nicht. Es ist nämlich einfach ein ganz tolles Wimmelbuch, welches nicht nur größeren Kindern, sondern auch ihren Eltern jede Menge Spaß macht.

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Mona Lisa ist weg von Maayken Koolen und Nickie Theunissen, mixtvision, ISBN: 978-3-95854-018-7, 14,90€

Weitere Wimmelbücher findet ihr HIER.

 

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Wer hätte das gedacht: In den Bildern großer Künstler ist das ABC versteckt!

ABC der Kunst – Ein Suchbilderbuch für Kinder“ – ein tolles Bilderbuch für Kinder, die sich gerade mit Buchstaben beschäftigen und dabei sind diese kennenzulernen. Noch kein Buch für einen dreijährigen Jungen, dachte ich zumindest und denke ich auch noch immer, aber Bücherwürmchen ließ sich auch von meiner Bemerkung, dass es da um Buchstaben geht, nicht stoppen. „Ich kenne schon Buchstaben, zum Beispiel ‚B wie Bücherwürmchen’“ meinte er nur und zog mich mitsamt dem Buch aufs Sofa. Na gut, schaden konnte das Buch ja auch nicht und so haben wir es uns eine Weile angeguckt. Selbstverständlich war es noch nichts für ihn, aber ein paar Buchstaben hat er dennoch in den Bildern bekannter Künstler wiederentdeckt. Lange hatte er daran jedoch keinen Spaß, denn es war noch zu schwierig für ihn, aber dafür haben wir uns dann die 26 Kunstwerke, die in diesem Buch zu finden sind, unabhängig von den Buchstaben, ganz in Ruhe angeschaut, woran er dann durchaus Spaß hatte. Allerdings war es für mich gar nicht so einfach, seine ganzen Fragen zu beantworten, denn leider kenne ich mich im Bereich der Kunst nur sehr rudimentär aus. Leider. Bücherwürmchen wollte aber immer ganz genau wissen, warum dies oder jenes auf dem Bild zu sehen war, ob der Maler noch lebte und vieles mehr (zum Glück sind im Anhang ein paar Informationen und Daten zu den Bildern und ihren Künstlern zu finden). Manche Bilder fand er lustig, die ich eher gruselig fand, andere sprachen ihn gar nicht an, und wieder andere regten zu längerem Erzählen an, z.B. das Bild „Der verlorene Sohn“ von Hireonymus Bosch. Wir konnten uns also auch ohne das Thema Buchstaben eine ganze Weile mit diesem Buch beschäftigen.

Nun aber erst einmal ein paar kurze Worte zu dem Buch und seinem Inhalt: Jeder Buchstabe des Alphabets ist hier in einem Bild eines großen Künstlers zu finden (eine Auflösung findet sich am Ende), mal mehr, mal weniger offensichtlich. Ich finde die Idee, Buchstaben in Bildern zu suchen, großartig. Was man dort so alles entdecken kann! Sehr spannend! Und vor allem kommen die Kinder hier, auch wenn es vielleicht zunächst nur ein Nebenaspekt ist, mit großer Kunst in Berührung. Diese spielerische Begegnung mit Kunst gefällt mir sehr gut. Leider habe ich selbst nie einen großen Zugang zu Bildern bekommen. Sie erreichen mich irgendwie nicht und ich könnte mir nicht stundenlang im Museum irgendwelche Bilder anschauen. Mein Nichtinteresse finde ich sehr schade und es würde mich freuen, wenn mein Sohn zumindest ein bisschen Spaß daran hätte, sich Kunstwerke anzuschauen und wenn es nur auf spielerische Art und Weise geschieht wie mit diesem Suchbilderbuch. Hier muss man genau hinschauen und wird so auch einiges, was nicht mit den Buchstaben zu tun hat, auf den Bildern entdecken. Und es dann vielleicht deuten, dazu Fragen stellen etc. Einen Anfang hat Bücherwürmchen ja schon gemacht und vielleicht bekomme ich auf diese Weise ja auch Spaß an der Welt der Kunst…

Nicht ganz so gut, finde ich es übrigens, wenn die Buchstaben verkehrt herum in dem Bild stecken. Besonders für Kinder, die gerade die Buchstaben lernen und sie vielleicht selbst noch nicht ganz richtig schreiben, ist dies verwirrend.

Das Buch regt auf jeden Fall dazu an, genauer hinzuschauen, vielleicht auf anderen Bildern auch noch Buchstaben oder sogar Zahlen zu entdecken, selber solche Bilder anzufertigen oder auch Buchstaben in anderen Zusammenhängen zu finden. Bücherwürmchen hat zum Beispiel festgestellt, dass der Wasserhahn wie ein „F“ aussieht oder die drei Handtuchhalter, die bei Oma und Opa im Badezimmer untereinander hängen, hat er als „E“ identifiziert. Vielleicht kann man die Buchstaben einfach so in seiner Umgebung entdecken oder macht dazu eine Sammlung mit Fotos auf. Hier gibt es sicherlich viele Möglichkeiten – sowohl privat als auch vielleicht im Unterricht.

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ABC der Kunst – Ein Suchbilderbuch für Kinder von Anne Guéry und Olivier Dussutour, Deutscher Kunstverlag, ISBN: 978-3422070950, 19,80 €

Und noch ein Such-Buch für die Adleraugen unter uns

Hatte ich nicht einmal von schönen Büchern geschrieben, die auch mal eine Weile im Regal stehen bleiben dürfen, da man ihre Rätsel ansonsten zu leicht löst und sie somit langweilig werden würden? (Link) Jetzt habe ich ein weiteres Buch dieser Art kennen gelernt und ich wage zu behaupten, dass man dieses Buch ruhig ein wenig häufiger aus dem Regal holen kann. Es handelt sich um das Buch „Manche sind anders“.

Ich bin durch die Zeitschrift Eselsohr auf das Buch und die Autorin/Illustratorin Britta Teckentrup aufmerksam geworden und wurde direkt von dem Stil positiv angesprochen. In dem Buch „Manche sind anders“ ist auf jeder Seite ein Tier, das aus der Reihe tanzt, welches vom Leser gesucht werden soll. Ein Kamel hat im Gegensatz zu allen anderen Tieren der Karawane nur einen Höcker und eine ängstliche Schildkröte hat sich in ihrem Panzer versteckt, während die restlichen Schildkröten unverdrossen umher wandern.

Manchmal muss man eine Seite lange anschauen um die Lösung zu entdecken. Das ein oder andere Mal musste ich sogar zwischendurch kurz mal blinzeln um vor lauter gleichaussehenden Tieren kein Flimmern vor den Augen zu bekommen. Aber gerade diese leichten Schwierigkeiten auf die man stößt, machen ein solches Buch erst interessant. Für Kinder kommt jedoch noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: Die Bilder enden nicht an einer bestimmten Stelle, sondern werden erst durch den Seitenrand beschnitten. Das ist für meinen Sohn schwer zu verstehen. Und so hat er z.B. gleich mehrere Pandas entdeckt, denen ein Stöckchen in der linken Hand fehlt. Auch die Aufgabe mit den Lemuren war nicht einfach für ihn, denn die Bedeutung von „schielen“ ist ihm noch nicht geläufig. Ansonsten guckt er das Buch aber ganz gerne und auch beim erneuten Lesen, zeigte er nicht direkt auf die Lösungen, sondern hörte sich zunächst den Text an. Ab und zu musste er sogar auch beim dritten oder vierten Mal gucken bestimmte Tiere erst eine Weile suchen.

Manche sind anders

Warum denke ich, dass dieses Buch über eine längere Zeit hinweg seinen Reiz behalten wird? Nun, zum einen sind natürlich die Bilder sehr schön anzuschauen. Sie sind einfach toll und künstlerisch gestaltet. Mit einer Collagetechnik lässt Britta Teckentrup wunderbare Farbeffekte entstehen, so dass die Bildkompositionen eine einnehmende Wirkung auf einen haben. Zum anderen wird in einem gereimten Text auf das zu suchende Tier hingewiesen. Das Buch ist also nicht nur schön anzuschauen, sondern auch nett zu lesen.

Ein wenig bleibt dennoch zu befürchten, dass Kinder trotz all dieser Aspekte dieses Buch nicht all zu häufig hervor nehmen und es mehr ein Buch ist, welches die Eltern anspricht, wie es leider bei schönen, künstlerischen Illustrationen manchmal der Fall ist. Aber letztendlich ist das auch egal. Dann ist es eben ein Buch, welches mir Freude macht und wenn ich es mir auf dem Sofa gemütlich mache und mir das Buch angucke, sitzt mein Sohn schneller neben mir als ich die erste Seite umblättern kann…

 

Manche sind anders… – Ein Such-Buch von Britta Teckentrup, Prestel Verlag, ISBN: 978-3791371795, 12, 99 €

Für Hundeliebhaber und Adleraugen

Mein Verhältnis zu Hunden ist ein wenig gespalten. Als Kind hatte ich vor dem Rauhaardackel meines Großvaters Angst. Trotzdem habe ich meinen Steif-Hund nach diesem Dackel Fussel genannt und wenn ich meinen braunen Nicki-Pullover anhatte, hatte ich immer gerne Hund gespielt. Den alten Hofhund Bruno, der auf demselben Hof lebte wie mein Pflegepony, mochte ich irgendwie auch. Er war zwar groß, aber immer lieb. Ein richtiger Hundeliebhaber wurde ich dennoch nie. Liegt vielleicht auch daran, dass wir zu Hause eine Katze hatten… Naja, jedenfalls finde ich trotzdem manche Hunde, zumindest auf Bildern ;-), ganz süß. Und auf jeden Fall trifft dies auf den Border Collie Momo zu, der Hauptfigur in dem Buch „Findet Momo“. Momo ist ein hübscher, freundlicher Hund, der es liebt sich zu verstecken und man sucht gerne seinen sympathischen, leicht schiefgelegten Kopf, der auf den Bildern hinter Steinen, Gras, Hausecken, Schnee und vielem mehr hervorlukt. Andrew Knapp hat Momos Versteckspiel auf Fotos festgehalten und wir dürfen nun auf sage und schreibe 85 Bildern Momo suchen. Manchmal sieht man ihn sofort, aber in anderen Fällen verschmilzt er geradezu mit der Landschaft und man muss schon ganz genau hinschauen um ihn zu entdecken. Aber Momo ist tatsächlich irgendwo auf jedem Bild zu finden (im Gegensatz wohl zu dem Wal bei „Ferdinand auf großer Fahrt“).

Findet Momo“ ist ein Buch für die ganze Familie. Das wird allein an den Reaktionen bei der ersten Begegnung mit diesem Werk deutlich:

Abends auf dem Sofa, ich: „Ich habe ein neues Buch.

Mein Mann wie immer bei dieser Mitteilung wenig interessiert: „Hm mh.“ (Oder alternativ: Leicht genervt und mit Sorge um unseren Kontostand: „Schon wieder???“)

Ich: „Da muss man überall den Hund suchen.

Nun schaut mein Mann doch mal zu mir rüber, schnappt sich das Buch und sucht auf jeder Seite und in jedem Bild Momo.

Auch Bücherwürmchen war direkt begeistert bei der Sache. Er meinte, niemand würde so gut den Hund entdecken wie er selbst und natürlich habe ich mitgespielt und jedes Mal ganz erstaunt reagiert, wenn er ihn mir gezeigt hat: „Oh ja, da ist er ja tatsächlich!

Im Übrigen hat unser Sohn, der tatsächlich in der Lage ist, einen Gegenstand, der direkt vor seiner Nase liegt und auf den man ihn hinweist, nicht zu finden und dabei orientierungslos in eine andere Richtung zu starren, Momo meist wirklich recht gut gefunden und bei jeder Entdeckung des Hundes ging ein Strahlen über sein Gesicht. Es war jedes Mal wieder ein Aha-Erlebnis. So macht Bücher gucken viel Spaß. Außerdem kann man sich bei diesem Buch auch sehr gut unterhalten, z.B. sprechen wir darüber, wo Momo sich versteckt, geben uns Tipps oder überlege, was Momo an einer bestimmten Stelle gerade macht. Besonders unser Sohn interpretiert gerne etwas in die Bilder hinein. Wenn Momo sich oben auf einer Treppe befindet, meint Bücherwürmchen, dass er dort runter springen möchte oder bei einem anderen Bild ist Bücherwürmchen davon überzeugt, dass Momo bellt, weil ein Mann mit seinem Akkordeon Musik macht.

Neben einer Menge Spaß bietet dieses Buch also auch einige Gesprächsanlässe und zwar sowohl auf der kreativen Fantasieebene als auch auf der sachlich beschreibenden Ebene. Die Sprachförderung bekommt man bei diesem Buch, wie auch bei Wimmelbüchern, also direkt ohne es zu merken mit dazu!

Findet Momo

Ich habe übrigens festgestellt, dass man aufpassen muss, dass man dieses Buch nicht zu lange anschaut. Nach den ersten positiven Reaktionen von Bücherwürmchen am Vormittag bot ich ihm das Buch am Nachmittag noch mal an. Da lehnte er es jedoch ab und zog „Findet Momo“ andere Bücher (mit einer Geschichte) vor. Die Luft war erst einmal raus. Dafür eignet sich das Buch aber gut für „zwischendurch“. Sehr gut kann man Momo auf zwei, drei Bildern suchen, während man z.B. darauf wartet, dass das Essen fertig wird.

Es gibt auch ein paar Texte in dem Buch, die uns Momo und die Arbeit mit ihm näher vorstellen. Ein paar Zusatzinfos zu dem Hund, den man Seite für Seite sucht, sind sicherlich ganz nett, aber ansonsten sprechen mich die Texte stilistisch nicht sonderlich an, da sie mir zu sehr im „Plauderton“ geschrieben sind. Aber das ist nicht weiter schlimm, da es in diesem Buch sowieso in erster Linie um die Bilder geht.

Hilfreich für einen ungeduldigen Blindfisch wie ich es manchmal bin, sind die Auflösungen am Ende des Buches. Außerdem gibt es zu manchen Bildern hilfreiche Tipps zum Suchen. Allerdings linse ich dann meist schon bevor ich mit dem Suchen angefangen habe, auf den Tipp… Aber wenn ich mir auf diese Weise den Aha-Effekt verderbe, bin ich ja selbst Schuld daran… Ja, das weiß ich, aber trotzdem kann ich es auch beim nächsten Mal nicht lassen und meine Augen werden wieder automatisch von dem Tipp angezogen. Egal, auch wenn man schon weiß, wo Momo ist, guckt man sich die Bilder trotzdem irgendwie gerne an und bewundert die Bildkompositionen. Nur zu oft darf man das nicht machen, denn dann ist, wie bereits gesagt, die Luft schnell raus…

 

Findet Momo von Andrew Knapp, FISCHER, ISBN: 978-3596030859, 14,99 €

Schöne Bücher, die auch mal im Regal bleiben dürfen

Es gibt ganz tolle Bilderbücher, die man sich jedoch nicht zu oft anschauen darf. Ein Widerspruch? Ja, eigentlich schon, in diesem Fall jedoch nicht, denn ansonsten hat man leider nicht all zu lange etwas von ihnen. Ich spreche von Büchern, in denen man etwas suchen muss. Keine klassischen Wimmelbücher, sondern Bücher, in denen man unter vielen ähnlichen Figuren Tiere mit einer bestimmten Eigenschaft finden soll. Wenn man dies zu oft tut, dann gelingt einem dies zu spielend.

Wir besitzen drei Bücher dieser Art: „Wer versteckt sich?“, „Wer ist dick und wer ist dünn?“ und „Wer sitzt oben und wer sitzt unten?

 

Wer versteckt sich?

Auf jeder Doppelseite sind die gleichen 18 Tiere abgebildet, doch manchmal verstecken sich welche, manchmal weint eines, mal ist jemand wütend oder einzelne Tiere zeigen dem Leser ihr Hinterteil. Der Leser soll nun genau hinschauen, um beantworten zu können, wer aus der Reihe tanzt. Beim ersten Schauen ist das teilweise gar nicht so einfach, doch anschließend hat man die Antworten schnell heraus. Trotzdem guckt sich mein Sohn dieses Buch hin und wieder gerne an. Er stellt sich dann selbst die Fragen und antwortet auch ganz gewissenhaft. Und die Seite im Dunkeln, auf der man nur die Augen der Tiere sieht, können wir immer noch nicht ganz korrekt beantworten. Wir müssen uns dieses Buch also doch noch einige Male anschauen, was aber auch Spaß macht, da die einfach gezeichneten Tiere irgendwie knuffig sind.

Es ist witzig, wie man ein ganzes Buch im Grunde mit denselben Bildern, die nur durch Kleinigkeiten verändert werden, gestalten kann. Ich finde diese Einfachheit so genial und faszinierend, dass ich dieses Buch allein deswegen mag.

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Wer ist dick und wer ist dünn? und Wer sitzt oben und wer sitzt unten?

Die Bücher sind beide von dem Autoren Guido van Genechten und auch nach dem selben Muster gestrickt. In dem einem Buch geht es um Gegensätze, im anderen um Präpositionen. Auf einer Doppelseite befinden sich immer viele Tiere einer Art, z.B. Eulen, und dann wird zunächst eine Frage wie „Wer schläft noch und wer ist schon wach?“ oder „Welche Schnecke krabbelt hinter der Mauer?“ gestellt. Also eine Frage, die auf die Gegensätze bzw. Präpositionen aufmerksam macht. Anschließend gibt es noch eine spezielle Frage, die zu dem Bild passt, und jede Seite in beiden Büchern endet mit der Frage „Und wer geht zu einer Party?“ Am Ende der Bücher kann man dann auch alle Tiere mit ihrem jeweiligen Schmuck, der sie als Partygänger auszeichnet, feiern sehen. Auch bei diesen Büchern liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass die Fragen mit der Zeit immer leichter zu beantworten sind, aber trotzdem machen die Bücher Spaß. Einige Fragen kann mein Sohn auf Anhieb beantworten, bei manchen weiß er auch nach mehrfachem Anschauen des Buches die Antwort nicht sicher und am liebsten sucht er sowieso das Tier, welches auf eine Party geht. Doch auch dafür muss man schon genau hinsehen. Lustig ist auch das Zebra, das einen Haufen macht. Anfangs dachte mein Sohn übrigens immer, dass die Zebras kaputt seien, denn die schwarzen und weißen Streifen wechseln sich ab ohne am Rand begrenzt zu sein.

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Die Fragen sind nicht alle auf dem gleichen Niveau, aber das ist auch ganz gut so. So kann man die schwierigeren Fragen zu Beginn überspringen und hat dann später noch mal etwas, was das Suchen auch nach einiger Zeit noch spannend macht.

Die Bücher regen zum Fragen und Begründen an. Wenn mein Sohn auf ein falsches Tier zeigt, dann frage ich schon mal nach, warum er das denn meint. Manchmal ist die Antwort dann auch gar nicht so falsch oder er kommt durch die Frage selbst darauf, dass er noch mal genauer hinsehen muss.

Auch wenn Kinder hier viel lernen können, bleibt alles spielerisch. Besonders durch die abschließende Partyfrage wird alles wieder aufgelockert. Und das ist auch gut so. Auch die jeweils zweite Frage auf der Seite hilft dabei, dass das Ganze nicht zu einem Lernbuch wird. Hier muss man einfach genau hinschauen, welches Krokodil keine Zähne hat oder welches Schwein Schokolade nascht. Dabei wundert sich mein sohn dann wie das Krokodil seine Zähne verlor und dass es ja jetzt nicht mehr beißen kann und er freut sich über das verschmierte Schweinemäulchen.

Ich bereue es jedenfalls nicht, dass wir diese Bücher gekauft haben. Man muss es nur aushalten können, dass manche Bücher auch mal für längere Zeit im Regal bleiben müssen.

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Wer versteckt sich? von Satoru Onishi, Moritz Verlag, ISBN: 978-3895652202, 12,95€

Wer ist dick und wer ist dünn? von Guido van Genechten, ars Edition, ISBN: 978-3845801872, 7,99€

Wer sitzt oben und wer sitzt unten? von Guido van Genechten, arsEdition, ISBN: 978-3845801865, 7,99€