Sankt Martin: Ich geh mit meiner Laterne…

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass es kaum ein Fest gibt, welches Kinder so sehr beeindruckt wie Sankt Martin, zumindest dann, wenn es im Ort einen Sankt Martins Umzug mit einem Sankt Martin und Pferd gibt. Selbst Weihnachtslieder werden nicht so lange in den Sommer hinein gesungen, wie das Sankt Martins-Lied. Aber ich muss auch zugeben, dass die Atmosphäre dieses Festes eine besondere ist. Es ist dunkel, die Laternen, die vorher gebastelt wurden leuchten, die Kinder singen, ein Feuer brennt und dann ist da auch noch dieser Sankt Martin auf dem Pferd – genauso wie die Kinder es aus der Geschichte kennen.

Schön, wenn diesem wichtigen Thema auch ein Bilderbuch gewidmet wird: „Mein erstes Laternenfest“.

Zwar hört dieses Buch ein wenig abrupt auf, aber ansonsten kann es mich voll und ganz überzeugen. Besonders gut gefällt mir, dass hier alle wichtigen Aspekte zur Sprache kommen: Im Kindergarten wird das Fest vorbereitet. Die Kinder basteln nicht nur Laternen, sondern sie hören auch die Geschichte von Sankt Martin, die in dem Buch kindgerecht wiedergegeben wurde. Anschließend üben sie schon mal das Sankt Martin-Lied, welches hier genauso wie „Laterne, Laterne“, abgedruckt ist – sogar mit Noten und Akkorden. Schließlich findet dann auch der Laternenumzug statt und am Ende verteilt der Sankt Martin auf dem Bild, so wie es die kleinen Leser selber kennen, Weckmänner oder Stutenkerle (welche Bezeichnungen gibt es noch für dieses Gebäck?). Toll, wie hier alles miteinander vereint wurde. Das findet man auf diese Art und Weise selten, denn ansonsten geht es häufig allein um das Laternen Basteln oder um die Geschichte vom heiligen Martin.

Die Bilder in dem Buch sind ebenfalls klasse und sehr ansprechend. Allein die glitzernde Laterne auf dem Cover ist für Kinder schon sehr anziehend. Die Kinder in dem Buch sind ganz im Stile von Outi Kaden gezeichnet: Sehr niedlich, lebendig und lebhaft und wenn die dann draußen mit ihren Mützen und Winterjacken stehen, erinnern sie doch ein bisschen an kleine Wichtel, für die Outi Kaden eine gewisse Schwäche hat. Es ist Outi Kaden gut gelungen, die Bilder, die sie auf den heiligen Martin beziehen, ein wenig von den anderen abzusetzen und ihnen den notwendigen Ernst zukommen zu lassen. Natürlich bleibt sie auch hier ihrem Stil treu, aber dennoch sind diese Bilder nicht ganz so verspielt wie die anderen und die Kälte des Wintertags sowie die Situation des armen Mannes kommen gut herüber.

Alles in allem ist „Mein erstes Laternenfest“ ein gelungenes Buch, welches Kinder sicherlich ebenso gerne das ganze Jahr anschauen werden wie sie auch das entsprechende Lied singen…

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Mein erstes Laternenfest von Outi Kaden, Coppenrath Verlag, ISBN: 978-3-649-66980-7, 7,99€

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Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind…

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Sankt Martin ist für kleine Kinder sehr faszinierend. Nachdem Bücherwürmchen mit 1 ½ Jahren seinen ersten Martinszug erlebt hat, hat er wochenlag von Sankt Martin und Weckmännern gesprochen. Außerdem mussten wir uns lange Zeit jeden Morgen, wenn Bücherwürmchen bei uns im Bett war, das Buch „Mein erstes Buch von Sankt Martin“ anschauen und vor allem auch das Sankt Martins-Lied singen, alle Stropen und mehrfach hintereinander. Ich bin jetzt jedenfalls eine der wenigen Erwachsenen, die beim Martinszug das Lied komplett mitsingen kann.

Das Buch schaut Bücherwürmchen sich immer noch gerne an und Sankt Martin hat auch noch nichts von seiner Attraktivität verloren. Karneval hatte sich Bücherwürmchen dieses Jahr als Ritter verkleidet. Dazu hat er ein Holzschwert geliehen bekommen. Das erste was ihm einfiel, was man damit spielen könnte, war Sankt Martin. Bücherwürmchen war übrigens immer ein sehr netter Sankt Martin, der besonders großzügig war. Wenn ich der Bettler war, bekam ich zu dem Mantel meist auch noch Geld, damit ich mir ein Pferd kaufen konnte. Durch Sankt Martin konnte man ihm auch das Teilen immer schmackhaft machen. Man musste nur diesen Vergleich bringen und schon gab Bücherwürmchen gerne etwas ab: „Ich teile – so wie Sankt Martin!“ Kurz nach dem Sankt Martinszug war der Mantel als Gabe zwar ein wenig in Vergessenheit geraten („Sankt Martin teilt Weckmänner und Mandarinen“), aber spätestens beim Rollenspiel tauchte er dann in Form einer Decke wieder auf.

Ich persönlich finde die Bilder in dem Buch gar nicht so besonders schön, aber da allein das Thema so faszinierend ist, schaut Bücherwürmchen sich dieses Buch gerne an. Der Bettler ist gut zu erkennen. Er trägt zerrissene Kleidung und man sieht richtig, wie er friert. Das ist auch für die Kleinsten, an die sich dieses Buch ja richtet, ganz eindeutig. Den Text werden sie zu Beginn nicht ganz verstehen, da natürlich auch Begriffe wie „römische Soldaten“, „Heerlager“ etc. vorkommen, doch das macht den Kindern eigentlich wenig aus. Hauptsache „Marti“, wie Bücherwürmchen ihn mit seinen 1 ½ Jahren genannt hatte, kommt in dem Buch drin vor. Das Buch erzählt auch nicht nur die bekannte Szene, die in dem Lied besungen wird, sondern auch wie Martin von Jesus träumt, sich taufen lässt und schließlich Bischof wurde. Die Seite, auf der Martin schläft und träumt, hat Bücherwürmchen sich irgendwie auch immer gerne angeschaut. Zum Glück sieht man auch das Zelt, in dem die Pferde untergebracht sind, denn Bücherwürmchen achtete besonders auf die Dinge, die man vorher auf den Bildern gesehen hat und die jetzt anders sind: „Welches ist das Pferd von Sankt Martin? Warum hat der jetzt keine Schuhe an? Schläft das Pferd auch?“

Auf der Seite, auf der Martin sich bei den Gänsen im Gänsestall versteckt, hat Bücherwürmchen ihn zunächst nicht erkannt. Er hat dort etwas anderes an, das Pferd und der rote Mantel fehlen. Wahrscheinlich hat ihn deswegen diese Seite nie sonderlich interessiert.

Am Ende ist dann noch das Sankt Martins-Lied inklusive Noten abgedruckt.

Ich weiß nicht, ob es bessere und schönere Bücher über Sankt Martin gibt, wahrscheinlich schon, aber dieses ist jetzt unser Sankt Martins-Buch geworden. Es begleitet uns jetzt schon seit zwei Jahren sehr intensiv und gehört bei uns einfach zu Sankt Martin dazu. Ich finde, dass man zu diesem schönen Fest, an dem Kinder jedes Jahr wieder ihre Freude haben, einfach ein passendes Bilderbuch braucht und unseres ist „Mein erstes Buch von Sankt Martin“.

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Mein erstes Buch von Sankt Martin von Sylvia Müller und Magdalene Hanke-Basfeld, Herder, ISBN: 978-3-451-29079-4, gebraucht erhältlich