Sieben kleine Hasenkinder im Versteck

Die sieben kleinen Hasen sind so unglaublich knuddelig und haben in dem Buch „Wenn sieben müde kleine Hasen abends in ihr Bettchen rasen“ direkt mein Herz erobert. Natürlich ist mit diesen quirligen Hasenkindern nicht nur das Zu-Bett-Gehen eine große Aufgabe. Nein, auch wenn man gemeinsam Kuchen essen möchte, muss man die Bande erst einmal zusammen kriegen. In dem Buch „Wenn sieben freche kleine Hasen schnell in die Verstecke rasen“ sind auf einmal alle Häschen – schwuppdiwupp – verschwunden, aber natürlich findet Hasenpapa eins nach dem anderen im Schuppen, in der Hängematte, unter einer Holzkiste, hinter der Wäsche und schlafend auf dem Kartoffelsack wieder.

Der Text ist wieder flott gereimt und somit strahlen sowohl der Text als auch die Bilder eine fröhliche Lebendigkeit aus. Und süß sind die Häschen ja sowieso.

Schön, dass es ein weiteres, gelungenes Pappbilderbuch von der Hasenfamilie gibt.

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Wenn sieben freche kleine Hasen schnell in die Verstecke rasen von Sabine Praml und Christiane Hansen, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-7010-2, 7,99€

Der Grüffelo – Ein beliebter Kinderbuchklassiker

Wer kennt ihn nicht, den Grüffelo? Ja, ich wage es mal wieder zu behaupten, dass diese Kinderbuchfigur wohl jedem bekannt ist, zumindest jedem, der Kinder hat. „Der Grüffelo“ – ein überaus beliebtes Bilderbuch, aber warum ist es so erfolgreich und beliebt? Was ist sein Geheimnis?

Es ist pfiffig und überraschend. Der Text ist toll gereimt und man kann ihn (zumindest in Teilen) schnell mitsprechen. Die Bilder stellen alles ansprechend dar und machen Spaß. Und vor allem gibt es ein „Monster“, welches ganz genau beschrieben wird und somit durchaus bedrohlich wirkt, aber letztendlich tut es keiner Seele etwas zu Leide, denn es wird von einer kleinen Maus, die eigentlich nur selber überleben möchte, an der Nase herum geführt. Hier kommen zwei Aspekte zum Tragen, die den Kindern gut gefallen. Die kleine Maus, die auf dem ersten Blick vielleicht etwas schwach und hilflos wirken könnte, ist am Ende diejenige, die sozusagen gewinnt. Kinder finden es immer toll, wenn die Kleinen sich als die Großen herausstellen. Der zweite Aspekt, der dieses Buch für Kinder so anziehend macht, ist der Gruselfaktor. Ja, irgendwie macht der Grüffelo schon auch ein wenig Angst. Immerhin hat er feurige Augen, eine giftige Warze, grässliche Tatzen und Stacheln am Rücken. Da läuft einem schon mal ein Schauer über den Rücken. Aber die Spannung ist auszuhalten, denn der Grüffelo, dessen Lieblingsschmaus ein Butterbrot mit kleiner Maus ist, flieht am Ende ohne irgendetwas böses oder gefährliches unternehmen zu können. Der gruselige Grüffelo tut niemandem etwas. Klugheit siegt über Kraft und Größe.

Das Buch wird bereits von kleinen Kindern ab zwei Jahren geliebt, auch wenn sie den Inhalt zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig verstehen können. Die Tricks der Maus werden Kindern erst viel später bewusst, aber das macht nichts. Auf diese Weise bleibt dieses Buch über einen langen Zeitraum interessant.

Zunächst wird die Maus eben einfach bei ihrem spannenden Abenteuer begleitet. Man trifft gemeinsam mit ihr Fuchs, Eule und Schlange, die noch nie etwas vom Grüffelo gehört haben, welcher der Maus als Ausrede dient um die gefährlichen Einladungen der hungrigen Tiere ausschlagen zu können. Da die Tiere noch nie etwas vom Grüffelo gehört haben, beschreibt die Maus den Grüffelo in allen Details und so lernen auch die kleinen Leser den Grüffelo so nach und nach kennen und fürchten. Die Tiere verschwinden bei einer solchen Gefahr lieber und die Kinder sehen den Grüffelo immer präziser vor sich. Die Maus dahingegen lacht über die ängstlichen Tiere, denn den Grüffelo gibt es doch gar nicht. Den gibt es nicht? Oh, doch! Auf einmal steht er direkt vor der Maus und behauptet, dass gerade sie sich am liebsten auf seinem Butterbrot befinden sollte… Zum Glück fasst sich die Maus schnell und behauptet kess, dass alle Tiere im Wald vor ihr Angst hätten, was sie ihm gerne beweisen würde und so dürfen wir noch einmal mit der Maus durch den Wald gehen. Dabei begegnen wir noch einmal allen Tieren, die beim Anblick des gefährlichen Grüffelos sofort Reißaus nehmen. Für Maus und Grüffelo ein Beweis, dass die Tiere Angst vor der Maus haben. Und auch die kleineren Kinder werden dies noch so auslegen, aber je älter sie dann werden, desto mehr kommen sie dahinter, was hier wirklich passiert. Aber egal, wie sie die Geschichte auslegen, die Maus ist der Held der Geschichte und das ist das Entscheidende, wobei mir auch gut gefällt, dass sich das Verständnis der Geschichte im Laufe der Jahre bei den Kindern verändert und „Der Grüffelo“ somit ein Buch zum Mitwachsen ist.

Mir persönlich gefallen die Reime in diesem Buch besonders gut. Sie lassen sich einfach toll sprechen und prägen sich gut ein. Ja, sie schleichen sich manchmal sogar an der einen oder anderen Stelle in die Alltagssprache mit ein. An dieser Stelle muss man der Übersetzerin ein großes Lob aussprechen!

Der Grüffelo“ ist ein Buch, welches oft vorgelesen werden muss und das bei den Kindern häufig nachwirkt. So habe ich schon bei dem Geräusch eines Flugzeugs Kinder rufen hören, dass der Grüffelo komme oder Bücherwürmchen hat vor ein paar Jahren beim weihnachtlichen Sauerbraten von „Grüffelofleisch“ gesprochen. Das Plakat vom Grüffelo durfte allerdings trotz der Begeisterung für die Geschichte eine ganze Weile nicht in seinem Zimmer hängen, da es ihm nachts Angst machte. Aber diese Zeiten sind mittlerweile auch vorbei und er schläft nun gerne in Grüffelo-Bettwäsche. Aber wir haben dieses Jahr ja auch einen Grüffelo-Geburtstag veranstaltet, von dem ich euch bald noch berichten werde…

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Der Grüffelo von Axel Scheffler und Julia Donaldson, übersetzt von Monika Osberghaus, Beltz & Gelberg, ISBN: 978-3-407-79291-4, 8,95€ (Ausgabe Pappbilderbuch)

Selbst das gefährliche Krokodil bekommt einen Kuss!

Was macht ein Prinz in einem Bilderbuch, der in einen Frosch verwandelt wurde? Ist doch ganz klar: Er bittet seine Leser um Hilfe und wie man einen Frosch in einen Prinzen zurück verwandelt, das weiß doch wohl jeder: Man küsst ihn. Also küsst der Leser ganz brav den Frosch im Buch. Leider hat die Verwandlung beim ersten Versuch noch nicht ganz geklappt. Aus dem Frosch ist ein Tiger geworden, es muss also noch einmal geküsst werden. Hm, anschließend steigt ein schmuddeliges Schweinchen aus dem Matsch… Das war also immer noch nicht richtig und so gibt es einen Schmatzer auf den Schweinerüssel. Bis der Prinz wieder erscheint, darf der Leser noch einige Male küssen, aber irgendwann ist es endlich geschafft: Der Prinz ist „von Kopf bis Fuß“ zurück und bedankt sich seinerseits beim Leser mit einem Kuss. Aber ob das so eine gute Idee war?

Das Buch „Sei kein Frosch und küss mich!“ ist ein Riesenspaß! Die Kinder haben große Freude am Küssen und Verwandeln der Tiere und als erwachsener Vorleser kann man sich gar nicht satt sehen an den niedlichen Szenen, wenn die Kinder, die Bilder in dem Buch küssen. Herrlich! Bücher, in denen Kinder aktiv werden können, gibt es ja einige, aber hier wird dieses Konzept einfach ganz wunderbar umgesetzt. Selbst mein fünfjähriger Sohn hat an diesem Pappbilderbuch für Kinder ab zwei Jahren noch sehr viel Spaß und es sich bereits mehrfach angeschaut. Natürlich stellt er erst einmal wissend klar, dass die Tiere sich beim Umblättern der Seite ja auch ohne die Küsse verändern, aber letztendlich lässt er sich dann doch gerne auf die lustige Küsserei ein. Nein, er lässt sich nicht komplett darauf ein, denn den Kuss vom Prinzen am Ende verweigerte er nach dem ersten Anschauen, denn nun wusste er ja, welches Unglück durch diesen Kuss passieren würde… Ja, so denken dann die großen Kinder eben schon sehr gut mit.

Die Bilder in dem Buch sind sehr fröhlich und humorvoll. Hinzu kommt ein gut gereimter Text. So ein Bilderbuch kann einfach nur gefallen, vor allem, wenn dann eben noch die feuchten Kinderküsse hineingedrückt werden.

Übrigens blättert auch Büchermäuschen schon gerne in diesem Buch mit den bunten Bildern. Er versteht natürlich noch nichts von dem Gesehen in dem Buch, aber man kann ihm natürlich bereits die Tiere, die sich gut hervorheben und gut zu erkennen sind, zeigen und benennen. So wird dieses Buch gleich ein Buch für alle Geschwisterkinder.

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Sei kein Frosch und küss mich! von Nastja Holtfreter, Magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-1518-8, 8,95€

Viele tolle Anregungen für Babys

In den ersten Tagen und Wochen im Leben eines Babys hat man manchmal den Eindruck, dass das Kleine ja wirklich noch gar nichts kann und so fragt man sich, wie man dieses kleine Wesen, das tagsüber immer weniger schläft, denn bloß den ganzen Tag über beschäftigen soll. Lieder und Fingerspiele kommen von Anfang an gut an und es gibt auch jede Menge Spiele und Anregungen für Babys im ersten Lebensjahr.

Eine gute Sammlung findet man in dem Buch „Zehn kleine Krabbelfinger“. Dieses Buch ist bereits ein richtiger Klassiker, immerhin ist es bereits über 25 Jahre alt. 2015 gab es eine neue und überarbeitete Auflage, doch der Inhalt ist gleich geblieben. Lediglich das Layout und die Fotos wurden erneuert und modernisiert, was gut gelungen ist. Warum sollte man auch den Inhalt ändern? Die Babys der heutigen Generation lieben schließlich die gleichen Lieder und Spiele wie die Babys in anderen Generationen. Was früher gut ankam, kommt auch heute noch gut an.

Der Inhalt des Buches wurde so ausgewählt, dass Babys in ihrer Entwicklung spielerisch gefördert werden. Das mag in einigen Ohren nach den häufig angesprochenen Förderwahn vieler Eltern klingen, ist aber letztendlich nur die theoretische Grundlage der Auswahl. Die Spiele passen also zu den Interessen von Babys. Sie lassen die Kinder neugierig und aktiv werden. In einigen kurzen Texten gibt es Hintergrundinformationen, aber die praktischen Ideen und Anregungen stehen ganz klar im Vordergrund. Dieses Buch beinhaltet wirklich eine wahre Fundgrube und das Schöne ist, dass man hier sowohl Lieder, Fingerspiele, Reime, aber auch Spiele und Anleitungen für selbst hergestelltes Spielzeug findet. Die Lieder sind mit Noten abgedruckt und es gibt Anregungen wie man die Lieder mit den Kindern singen und spielen kann. Durch die Vielzahl der unterschiedlichen Spiele werden alle Sinne der Babys angesprochen und die Kinder können verschiedene Materialien und Elemente kennen lernen. Mal darf im Wasser geplanscht werden, auch Laub ist für die Kleinen interessant (leider wandert er bei meinem Büchermäuschen regelmäßig in den Mund), einfache Instrumente werden eingesetzt, auf den elterlichen Knien wird geritten und im Spiegel dürfen sich die Kinder mit Staunen selber entdecken. Zu jeder Art von Spielen gibt es Verse und Lieder, wobei hier auf traditionelles Gut zurückgegriffen wird, z.B. „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“.  Teilweise wurden dann neue Strophen hinzugedichtet oder der gesamte Liedtext wurde geändert, so dass die Lieder zu bestimmten Bewegungen oder Spielen passen, aber die Melodien sind wohl den meisten bekannt.

Wer mit seinem Kind einen PEKiP-Kurs besucht, wird hier viel wieder erkennen (auch wenn Lieder eher nicht zum PEKiP-Programm (PEKiP = Prager-Eltern-Kind-Programm) gehören). Aber einige der selbstgebastelten Spielsachen hält die Kursleitung vielleicht ebenfalls bereit oder regt dazu an, sie zu Hause selbst herzu stellen. Die Autorinnen haben selbst PEKiP-Kurse abgehalten und die Ideen aus diesem Programm in ihrem Buch mit einfließen lassen.

Mir gefällt das Buch sehr gut. Man bekommt viele gute und abwechslungsreiche Ideen auf einmal, welche man ohne größere Probleme umsetzen kann. Und den Kindern machen die Lieder und Spiele Spaß – ganz egal, ob sie dabei nun in ihrer Entwicklung gefördert werden oder nicht.

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Zehn kleine Krabbelfinger. Spiel und Spaß mit unseren Kleinsten von Marianne Austermann und Gesa Wohlleben, Kösel Verlag 2015, ISBN: 978-3-466-31045-6, 15,99€

Wintergedicht: Die drei Spatzen

Im Großen und Ganzen bin ich nicht so der Lyrik-Fan. Gedichte sprechen mich selten an und sie sagen mir meist wenig. Es gibt aber dennoch einige Kindergedichte, die ich bereits ewig kenne und die ich auch gerne mag. Kindergedichte muss man nicht erst kompliziert analysieren und man kann sie meist mit toller Betonung sprechen. Eines dieser Gedichte, das ich auswendig aufsagen kann, ist „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern, der im Übrigen sowieso sehr tolle Kindergedichte geschrieben hat (s. auch „Der Nachtschelm und das Siebenschwein“). Es ist ein kleines, feines Gedicht, welches aber dennoch ein ganzes Pappbilderbuch füllt. Der Eulenspiegel Kinderbuchverlag widmet diesem Gedicht ein eigenes, gleichnamiges Buch. Seite für Seite liest man sich von einem gereimten Zweizeiler zum anderen. Auf diese Weise können auch Kinder den Text ganz schnell mitsprechen und schon können sie ihr erstes Gedicht aufsagen. Begleitet wird der Text natürlich von bunten Bildern. Die drei Vögel sitzen auf ihrem Haselstrauch im Vordergrund und sehen auf den Bildern nur minimal anders aus. Wer genau hinschaut, sieht, dass sie am Ende viel enger aneinandergekuschelt sind, als auf dem ersten Bild, auf dem die ersten Schneeflocken fallen. Und natürlich ist es der freche Hans in der Mitte, der als einziger bei diesem kalten Wetter, einmal kurz die Augen öffnet. Im Hintergrund dahingegen ist so einiges los. Je mehr Schnee fällt, desto mehr Kinder finden sich am Rodelberg ein, bauen Schneemänner und veranstalten eine Schneeballschlacht. Erst ganz am Ende wird es wieder ganz ruhig. Es wird Abend, dicker Schnee fällt, die Schlitten stehen verlassen im tiefen Schnee – nur das leise Pochen der Vogelherzen ist noch zu hören.

Die drei Spatzen“ ist ein wunderbares, kleines Bilderbuch, das sehr gut zum Winter passt und eine tolle winterliche Atmosphäre aufbaut. Dieses Jahr haben wir es leider bisher kaum gelesen, aber letztes Jahr hatten wir es oft hervorgeholt. Auf Grund des kurzen Textes eignet es sich bereits gut für Kinder ab drei Jahren, aber auch für ältere Kinder ist dies sicherlich noch ein schönes Buch. Immerhin wird dieses Gedicht auch noch gerne in der Grundschule behandelt.

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Die drei Spatzen von Christian Morgenstern, Bilder von Anke am Berg, Ekulenspiegel Kinderbuchverlag, ISBN: 978-3-359-02336-4, 5,95€

 

Kleine Kinder wollen Tiere in einem Buch auch fühlen

Was gehört bei einem Buch für die ganz Kleinen dazu? Etwas aus ihrer näheren Umgebung, ansprechende Bilder, die nicht überladen sind und vielleicht die ersten einfachen Texte. All dies beinhaltet das Buch „Auf dem Bauernhof“ von Sabine Nielsen und Barbara Jelenkovich. Und darüber hinaus gibt es hier sogar einige Fühlelemente – insgesamt also ein geeignetes Buch für Kinder ab einem Jahr. Und dieser erste Eindruck bestätigt sich grundsätzlich bei diesem Buch auch auf den zweiten Blick. Es ist alles nichts besonderes, aber durchaus ansprechend. Auf den Bildern gibt es Tiere vom Bauernhof zu sehen, wobei hier nicht mehr einzelne Tiere eine komplette Seite einnehmen, sondern diese bereits in eine Bauernhofumgebung mit Bauer, Trecker, kleinem Teich etc. gesetzt werden. Dies geschieht allerdings sehr zurückhaltend, so dass Bilderbuchanfänger hier nicht überfordert werden. Die Tiere schauen allesamt sehr freundlich. Begleitet werden die Bilder durch einen gereimten Text, der sich insgesamt gut lesen lässt und kindgerecht ist. Hier wird noch keine Geschichte erzählt, sondern jeweils auf die dargestellte Situation, die auf dem Bild zu sehen ist, eingegangen, was für die kleinen Kinder gut geeignet ist. Leider ist gerade das Extra des Buches für mich der Punkt, an dem ich das Buch ein wenig bemängeln muss. Es handelt sich bei diesem Buch um ein „Fühlbuch zum Streicheln und Staunen“. Gerade die Fühlelemente sind es, die ein Kind beim Betrachten des Buches als erstes interessieren. Oft verschwenden die Kinder beim ersten Anschauen kaum Zeit für die Bilder, sondern gehen zunächst von Seite zu Seite mit den Händen über die Streichelflächen. Und an dieser Stelle werden sie bei diesem Buch enttäuscht, denn es gibt zwar Fühlelemente, aber nicht auf jeder Seite, was ich sehr schade finde. Kinder suchen irritiert nach den fehlenden Fühlflächen und verstehen nicht, warum es nicht die Federn vom Huhn fühlen können, während man sogar über die „Schweinehaut“ streichen kann. Von einem „Fühlbuch“ hätte ich hier mehr erwartet. Als normales Pappbilderbuch und an den Stellen, an denen Fühlelemente eingefügt wurden, kann das Buch aber insgesamt überzeugten.

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Auf dem Bauernhof – Fühlbuch zum Streicheln und Staunen! von Sabine Nielsen und Barbara Jelenkovich, Schwager & Steinlien Verlag, ISBN: 978-3-8499-0601-6, 4,99€

 

 

Gecko Nummer 51

Ein ganzes Jahr bekommt Bücherwürmchen nun schon die Bilderbuchzeitschrift „Gecko“ und nun hat gerade das zweite Jahr mit ihr begonnen. Alle zwei Monate gibt es eine neue Ausgabe und so könnt ihr ab nun alle zwei Monate ein paar Worte von mir zur aktuellen Ausgabe (heute geht es um die Nummer 51) lesen.

Sehr gerne mochte Bücherwürmchen immer das Farbengedicht und so versuchte er in letzter Zeit herauszufinden, über welche Farbe gedichtet wurde. Auch dieses Mal schlug er die neue „Gecko“ mit dieser Absicht auf und vermutete, dass es dieses Mal um die Farbe „weiß“ ginge. Leider gibt es jedoch keine Farbgedichte mehr und er hatte nur eine Seite der ersten Geschichte, die im Schnee spielt aufgeschlagen. Das Huhn Gundel versucht durch selbst betriebenen Wintersport ihre menschliche Freundin auf sich aufmerksam zu machen, Herr Schmitz versucht im Konzert eine Maus daran zu hindern, die Musiker zu stören und Paul verkleidet sich zu Karneval als schleichender Indianer. Ich weiß nicht, ob Bücherwürmchen die Geschichte von Herrn Schmitz ganz versteht, denn sie ist von der Wortwahl her recht schwierig (dafür aber schön gereimt und auffallend illustriert), aber die anderen Geschichten haben ihm gut gefallen. Besonders hat er sich darüber gefreut, dass ihm eine Figur bereits bekannt war. Paul kennen wir bereits aus dem Buch „Paul & Papa“.

Den Wortsport mit ähnlich klingenden Wörtern versteht er immer besser und auch die meisten Fremdwörter konnte er mit Hilfe der genannten Multiple-Choice-Antworten richtig bestimmen.

Richtig viel Spaß hat er immer an den Missverständnissen von Horst und Helga, die durch Doppelbedeutungen von Wörtern aneinander vorbei reden. Dieses Mal konnte Bücherwürmchen sogar selbst zwei Assoziationen zu dem Wort „Wachsen“ nennen: „Wenn das Gras wächst“ und „der Wachs von einer Kerze“.

Die neue Kategorie „Das ausgelassen ABC“ ist noch etwas schwierig für ihn, aber trotzdem muss ich ihm bei jedem Durchschauen der Zeitschrift auch hier immer alles vorlesen. Was ruft wohl der Angler, der auf einmal eine Boje an der Angel hat, wenn das „B“ verschwunden ist?

Da Bücherwürmchen das Alphabet noch nicht aufsagen kann, machte auch das „Geckodicht“ „Schneegestöber von A bis Z“ für ihn nur wenig Sinn, aber er fand es dennoch lustig: „Das ist Quatsch, oder?“

Die Idee, ein Kunstwerk mit Hilfe von Spielzeugautos herzustellen, haben wir bisher noch nicht getestet.

Wir haben die aktuelle Ausgabe bereits ein paar Mal durchgelesen und freuen uns schon jetzt wieder auf die nächste!

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Die Bilderbuchzeitschrift Gecko, erscheint alle zwei Monate, Heft 6,50€, Jahresabo 36,90€

Ratzdifatz auf Mäusepfoten durchs Kinderzimmer

Ratzdifatz“, schnell das Buch aufgeschlagen, denn der Titel macht neugierig auf das Buch. Er klingt fröhlich und nach einer flotten Geschichte. Und genauso ist es dann auch. Die Mäusekinder Ratz und Fatz flitzen fröhlich durch die Gegend und spielen besonders gerne nachts in Peters Kinderzimmer. „Ratzdifatz, da sind wir schon.“ – „Ratzdifatz, ab ins Versteck.“ Nacht für Nacht huschen sie unbemerkt ins Zimmer und probieren all das schöne Spielzeug aus. So lange bis die Mäuse mit Peters neuen roten Flitzer im Mausloch verschwinden und Peter ausgerechnet dieses Auto vermisst. Da hilft alles nichts. Ratz und Fatz müssen das Auto zurückbringen und oh weh, dabei werden sie von Peter beobachtet. Hoffentlich geht es den beiden Mäusekindern nun nicht an den Kragen?! Wer will schon gerne Mäuse bei sich haben? Zum Glück endet dann doch alles glimpflich und die Mäusekinder haben einen neuen Freund gefunden…

Die Geschichte hat ordentlich Schwung und wird toll gereimt erzählt. Man hat viel Spaß an Ratz und Fatz und drückt ihnen die Daumen, dass sie die Sache mit dem Auto ohne Probleme in Ordnung bringen können, aber natürlich sieht man auch sofort das geöffnete Auge Peters, während sich die Mäuse darüber freuen, dass die Rückgabe anscheinend erfolgreich vonstatten ging…

Die Bilder in dem Buch sind übrigens auch klasse. Eigentlich sind sie recht einfach gezeichnet, aber sie haben dennoch viel Aussagekraft und kommen wirklich niedlich daher. Meist wird wenig von den Räumlichkeiten gezeigt, einzig die Mäuse und Peter stehen im Vordergrund. Bilder und Text ergänzen sich in dem Buch auf tolle Art und Weise und durch dieses Zusammenspiel bekommt der Leser teilweise bereits einen kleinen Vorsprung in der Geschichte. Das wurde hier wirklich sehr gut gemacht.

Insgesamt erhält man mit „Ratzdifatz“ ein sehr schönes, kleines Büchlein, das sich toll vorlesen lässt. Es ist keine große, bedeutungsschwere Geschichte, aber eine gute Unterhaltung für Kinder ab etwa drei Jahren.

Übrigens dachte Bücherwürmchen, als er das Buch aus der Kiste holte, dass es eine Geschichte vom Mond sei. Der kugelrunde Kopf Peters, der auf dem Titelbild zu sehen ist, erinnert tatsächlich ein wenig daran… Aber als ich ihm das Buch dann vorgelesen habe, war er dann auch zufrieden!

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Ratzdifatz von Katja Kauffeldt, ISBN: 978-3-00-050874-5, 11,50€

Sprachförderung kann sehr vielfältig sein

Es gibt tatsächlich ein Buch, welches ich gleichermaßen für Bücherwürmchen (4 Jahre) und Büchermäuschen (ein paar Monate) gebrauchen kann: „Duden – Das große Sprachspielbuch: Sprachförderdung mit Liedern, Spielen und Experimenten

Für 0-6-jährige Kinder werden hier vielfältige Möglichkeiten aufgezeigt, wie man Kinder spielerisch mit Sprach konfrontieren kann. Und genau dies sind die Stärken dieses Buches: Es spricht Kinder verschiedenen Alters an und ist nicht nur auch eine kleine Zielgruppe beschränkt und es wird klar wie groß die Bandbreite der Sprachförderung ist. Nicht nur Lieder, Reime und reine Sprachspiele fördern die Sprachentwicklung von Kindern, sondern beispielsweise auch Experimente, bei denen man etwas beobachten und benennen muss, oder das Befolgen einer Bastelanleitung. Das Buch liefert über 400 Ideen für die Praxis in Familien oder Kindergartengruppen, wobei mir nicht immer ganz klar ist, inwiefern manche Spiele etwas mit Sprache zu tun haben, z.B. bei dem Motorikspiel „Autorennen“, bei dem um die Wette eine Schnur, an der ein Auto hängt, aufgewickelt werden muss.

Meines Erachtens passt die Zuordnung der Spiele zu den Altersgruppen nicht immer optimal. Genauso scheint die Zuordnung zur Art des Spiels nicht komplett durchdacht zu sein. So gehört der „Hindernisparcours“ für mich eindeutig zu „Bewegen“ und ich frage mich, was er bei „Sprechen“ zu suchen hat.

Kneten, insbesondere das Kneten von Kugeln, ist für Kinder unter zwei Jahren noch sehr schwierig, so dass ich diese Anregung eher dem dritten Lebensjahr zugeteilt hätte. Die Idee Kindern zu einem Bild Fragen zu stellen, ist schön, aber Einheiten wie Kilo oder Liter sind für 2jährige noch wenig fassbar.

Je älter die Kinder werden desto mehr lässt leider der spielerische Anteil nach. Gerade für die Kinder im fünften/sechsten Lebensjahr werden viele Sprachspiele vorgeschlagen, die schon sehr schulisch anmuten: So sollen beispielsweise Verbformen gebildet werden. Das vorgeschlagene Spiel finde ich schon arg langweilig. Aber auch die Spiele zu Silben und zum Sätze bilden gehen in eine ähnliche Richtung.

Nicht ganz klar ist mir, wie die Entwicklungsphasen am Ende des Buches zu verstehen sind. Kann der Durchschnitt der Kinder die genannten Dinge bis zu einem bestimmten Alter oder „müssen“ Kinder diese Fähigkeiten bis dann erworben haben? Leider fehlt mir hier der Hinweis, dass Kinder in einem unterschiedlichen Tempo lernen und man sich nicht gleich Sorgen machen muss, wenn ein Kind etwas noch nicht kann. Auch wüsste ich gerne, auf welcher Grundlage diese Übersicht erstellt wurde, denn manches erscheint mir etwas merkwürdig. Einerseits soll ein Kind hier bis drei Jahren auf einem Bein hüpfen (was bei der Vorsorgeuntersuchung beim Arzt mit vier Jahren kontrolliert wird) und andererseits soll es erst Zweiwortäußerungen beherrschen.

Diese Übersicht macht zwar nur eine Doppelseite des dicken Buches aus und man kann sie letztendlich somit vernachlässigen, aber Übersichten zu Entwicklungsphasen, die an ein gewisses Alter geknüpft sind, können Eltern schnell verunsichern, so dass sie sehr sorgsam formuliert werden sollten.

Nun habe ich hier ein wenig gemeckert, da ich manches in dem Buch nicht ganz ausgereift finde, aber dennoch möchte ich nicht verschweigen, dass man mit dem Buch durchaus eine tolle und vielseitige Spielesammlung erhält. Mit den Altersangaben sollte man jedoch flexibel umgehen.

Man findet hier Fingerspiele und Reime, Zungenbrecher, Bewegungsspiele, Ideen zum Beobachten und Erforschen, Mitmachgeschichten, Ratespiele und einiges mehr.

Es macht Spaß sich mit dem Großen mal hinzusetzen und gemeinsam aus Bildern neue, zusammengesetzte Wörter zu bilden, Zungenbrecher zu sprechen oder Reimwörter zu finden. Ganz gut hat auch schon das Spiel mit den verdrehten Lauten (Plokapier = Klopapier) geklappt. Da hat Bücherwürmchen sich immer gefreut, wenn er die Lösung herausgefunden hat. Der Kleine fand dahingegen „Die Mau hat rote Röckchen an“ toll. Er lachte richtig, als ich ihn beim dem Spruch mit den Armen rudern ließ.

Wie gesagt, dieses Buch ist für beide Kinder gut geeignet und ich werde uns sicherlich noch das eine oder andere Spiel daraus heraus suchen.

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Duden – Das große Sprachspielbuch: Sprachförderdung mit Liedern, Spielen und Experimenten, Zusammenstellung Christina Braun, FISCHER Duden Kinderbuch, ISBN: 978-3-7373-3238-5, 14,99€

Mit Spaß und Spannung Mathe über Literatur vermitteln

Spätestens seit Harry Potter kennen wir uns alle bestens in einer Zauberschule aus. Wir alle? Nein, Harry Potter richtet sich erst an ältere Grundschulkinder (und darüber hinaus natürlich), jüngere Kinder dürften noch weniger Erfahrungen mit Zaubereien in Klassenzimmern, Nachforschungen in Bibliotheken u.ä. haben. Und das ist auch gut so, denn so dürften sie viel Spaß an dem Buch „Das magische Mal – Chaos in der Zauberschule“ haben. Ja, wir älteren Leser werden beim Lesen schnell an Harry Potter erinnert, aber das kann den Kindern, die in diesem Buch die Zauberschule Schloss Simbalablitz kennen lernen dürfen, ja ziemlich egal sein.

Die Zwillinge Marlon und Clarissa sind zusammen mit ihrem Freund Elmar in der zweiten Klasse der Zauberschule und im Unterricht wird gerade das 1×1 durchgenommen. Die Kinder müssen die 1×1 Zaubersprüche gut lernen, damit sie im Unterricht auch funktionieren und Kröte, Fledermäuse und andere Wesen den Sprüchen entsprechend hervorgezaubert werden. Besonders Marlon fällt es schwer, die Sprüche zu lernen, doch dann finden die Kinder in der Bibliothek etwas, was alles ändert. Das magische Mal, eine alte Steintafel, stellt den Kindern täglich ein Rätsel. Lösen sie es richtig, so wimmelt es am nächsten Tag im Unterricht beim 1×1-Zauberspruch von Minischweinen, Eulen, Knallfröschen und vielem mehr. Ein Riesenspaß für die Kinder und eine gute Motivation sich intensiv mit dem 1×1 auseinanderzusetzen. Doch der Spaß endet schnell als die Gefahr besteht, dass die Schule geschlossen wird… Was sollen die Kinder nun bloß tun? Einfach aufhören können sie nicht, denn das magische Mal droht mit einer Strafe, aber vielleicht kann ihnen ausgerechnet die strenge Direktorin Grimbaldi helfen…

Auch wenn von Kapitel zu Kapitel die Struktur der Geschichte recht gleich bleibt, ist die Geschichte dennoch spannend, da immer eine Steigerung stattfindet. Kinder, die größere Spannungen noch nicht so gut aushalten, können sich gut darauf einstellen, was sie erwartet. Gut gefällt mir die Verknüpfung von Mathematik mit einer Geschichte. Zum einen wird hier jede 1×1-Reihe als 1×1-Zauberspruch mit Reimen vorgestellt und zum anderen regen die Rätsel, die das magische Mal den Kindern stellt, zum Knobeln an.

Mir fiel es bei den 1×1-Zaubersprüchen manchmal schwer den richtigen Rhythmus mit den Reimen zu finden, aber es geht ganz gut, wenn man die Sprüche laut liest. Auch bei den Rätseln geht es immer um das 1×1, so dass die lesenden Kinder einen Anhaltspunkt haben wie sie die Rätsel lösen können. Dies kommt den vielen Kindern entgegen, denen es schwer fällt die richtige Rechenaufgabe zu einem Text zu finden. Die Lösungen werden verständlich durch Marlon, Elmar und Clarisse erörtert, wobei deutlich wird, dass man häufig auf verschiedenen Wegen zur Lösung kommen kann.

Die Geschichte wirkt nicht künstlich und angestrengt auf die Mathematik abgestimmt zu sein. Alles passt gut zusammen. Das 1×1 zieht sich durch das ganze Buch, aber dominiert es nicht in unangenehmer Art und Weise. Den erhobenen pädagogischen Zeigefinger merkt man nicht, obwohl das Anliegen Freude an der Mathematik zu vermitteln natürlich offensichtlich ist. Das ist gar nicht so einfach, aber der Autorin Ina Krabbe hier gut gelungen.

Toll, dass Schulwissen so schön in eine Geschichte eingebunden wurde, in der es eben nicht nur um das bloße Auswendig lernen geht. Hier brauchen die Kinder die Mathematik um der Strafe des magischen Mals zu entgehen.

Auch wenn die Parallelen zu Harry Potter nicht zu übersehen sind, so ist hier natürlich längst nicht alles so ausgefeilt wie bei diesem bekannten Buch, die Geschichte bleibt flacher und die Figuren haben kaum hervorstechende Charakterzüge, aber dieses Buch wendet sich auch an jüngere Leser, die vielleicht gerade selbst das 1×1 lernen, und die mit diesem Buch schon einmal ein wenig Zauberschulluft schnuppern dürfen. Und vielleicht wird durch diese Lektüre ja nicht nur die Lust auf weitere spannende Geschichten über Zauberer geweckt, sondern auch die Einsicht vermittelt, dass Mathe viel Spaß machen kann. Am besten wird das Buch direkt im Unterricht vorgelesen – ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!

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Das magische Mal – Chaos in der Zauberschule von Ina Krabbe, illustriert von Ina Krabbe, Südpol Verlag 2014, ISBN: 978-3-943086-11-9, 8,90€