Tagebücher: Es gibt viele besondere Momente im Leben eines Kindes

Habt ihr für eure Kinder auch Erinnerungsalben vom ersten Lebensjahr ausgefüllt? Ich mache so etwas ja mit großem Eifer und ich finde solche Erinnerungen unbezahlbar und wertvoll. Leider ist es ja so, dass man sich als Erwachsene an vieles aus der eigenen Kindheit nicht mehr oder nur noch mit Hilfe von Fotos erinnern kann. Dazu zählt natürlich nicht nur die eigene Babyzeit, sondern auch die Zeit im Kindergarten oder in der Grundschule. Es ist eigentlich sehr schade, dass man davon nur noch einzelne Erinnerungen hat, denn wenn man diese Zeit nun mit seinen eigenen Kindern wieder erlebt, merkt man doch, wie viele spannende Dinge in dieser Zeit passieren. Dinge, die es mindestens genauso wert sind, wie das erste Lebensjahr, in Erinnerung zu bleiben. Deshalb habe ich mich natürlich sehr gefreut, als ich festgestellt habe, dass es tatsächlich neben den vielen, vielen Babyalben, die zurecht sehr beliebt sind, auch Tagebücher für die Kindergartenzeit und den Schulstart gibt: „Meine Kindergartenzeit“ und „Meine 1. Klasse“ vom familia koch Verlag.

Das DIN-A4 große Kindergartentagebuch mit Ringbindung beginnt sogar mit einer Doppelseite für die Kinder, die vor dem Kindergarten in einer Krippe oder Tagesmutter untergebracht waren. Anschließend können Seiten zu vier Kindergartenjahren plus ein Jahr Vorschule ausgefüllt werden. Es gibt viel Platz für Eintragungen, Fotos und Bilder. An einigen Stellen können die Kinder sogar selbst aktiv werden und z.B. Formen in ihrer aktuellen Lieblingsfarbe anmalen. Die Fragen wiederholen sich von Kindergartenjahr zu Kindergartenjahr, aber das finde ich eigentlich sogar ganz gut, denn so kann man später schön vergleichen, was sich geändert hat und wie sich das Kind beim Malen weiterentwickelt hat. Und gerade die Geburtstagsfeiern sind es natürlich Jahr für Jahr wert, erinnert zu werden.

Was kann in einem Kindergartentagebuch alles eingetragen werden? Natürlich werden Erzieherinnen und Freunde benannt. Lieblingsspiele drinnen und draußen, Ausflüge und Geburtstagsfeiern finden genauso Erwähnung wie die Mahlzeiten, die im Kindergarten eingenommen werden. Auch dem Lieblingsbuch wird in jedem Kindergartenjahr eine ganze Seite gewidmet, was mir persönlich natürlich sehr gut gefällt. Allerdings wird leider nicht in jedem Kindergarten so regelmäßig vorgelesen, dass sich Lieblingsbücher im Kindergarten herauskristallisieren würden. Bücherwürmchen hat so gut wie nie von bestimmten Büchern aus dem Kindergarten erzählt.

Die Seite zum Spielzeugtag finde ich recht speziell, denn ein solcher Tag findet wohl nicht in jedem Kindergarten statt.

Ab dem zweiten Kindergartenjahr dürfen die Kinder dann auch schon ihr Können im Bereich von Buchstaben, Zahlen und Formen präsentieren.

Im Vorschulteil können die Kinder auf mehreren Seiten aktiv werden und kleinere Übungen machen. Das ist ganz nett, allerdings hätte ich mir hier etwas mehr Seiten dazu gewünscht, mit Eintragungen zu den Dingen und Themen, die in der Vorschule gemacht werden. In dem Buch wird davon ausgegangen, dass man zur Vorschule in eine Schule geht. Dies ist bei uns aber nicht so. Die Vorschulkinder gehen ganz normal in den Kindergarten, aber machen besondere Übungen, Ausflüge etc. Aber auch wenn die Vorschularbeit im Kindergarten stattfindet, kann man die Seiten in dem Tagebuch ohne Probleme ausfüllen.

Insgesamt gefällt mir dieses Tagebuch sehr gut. Es ist schön, wenn man eine solche Erinnerung an die Kindergartenzeit hat. Allerdings sind hier die Eltern natürlich ganz schön gefordert. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nichtdiszipliniert genug ist, das Tagebuch Kindergartenjahr für Kindergartenjahr zu führen. Auch müssen Kinder und Eltern hier gut zusammenarbeiten. Die Eltern müssen aktiv werden, Eintragungen vornehmen und die Kinder dazu auffordern, zu malen und die Übungen zu machen. Außerdem sind die Eltern auf die Angaben von den Kindern angewiesen. Wenn dies alles aber gut klappt, so hat man eine tolle Erinnerung an die Kindergartenzeit. Besonders ausgefallen sind die Fragen etc. in dem Buch nicht, aber sie umfassen letztendlich ganz gut den Kindergartenalltag. Der Umfang ist auch gut zu bewältigen. Die Ringbindung erleichtert das Einkleben von Fotos und Bildern und ist somit gut gewählt.

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Auch beim Tagebuch über das erste Schuljahr (ebenfalls mit Ringbindung, allerdings im DIN A5-Format) müssen Eltern die Kinder beim Eintragen begleiten. Ansonsten wird es sicherlich schwierig, das Buch auszufüllen. Vor allem können Kinder ja auch zu Beginn des ersten Schuljahres noch nicht lesen und schreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fragen in dem Buch in einer verbundenen Schrift geschrieben sind, die Kinder heute meistens erst in der zweiten Klasse lernen. Die Seiten in dem Buch sind recht glatt, allerdings kann man doch halbwegs vernünftig mit Bleistift in dem Buch schreiben. Das habe ich mir problematischer vorgestellt.

Nachdem sich das Kind in dem Buch vorgestellt hat, startet das Buch natürlich mit der Einschulung, wobei sogar dem Einschulungsgottesdienst eine Doppelseite eingeräumt wird. Aber auch den Schulranzen und die Schultüte können die Kinder in dem Buch verewigen. Weiter geht es dann zunächst mit allgemeinen Informationen: Stundenplan, Sitzplan, Ablauf des Schultages etc. Danach können Eintragungen zu den einzelnen Fächern vorgenommen werden. Was wurde im Sportunterricht gemacht? Welches Lied hat man besonders gerne gesungen? Etwas komisch ist, dass die sogenannten Hauptfächer wie Deutsch und Mathe fehlen. Das finde ich doch etwas schade, denn auch dazu hätte man ja gut Eintragungen machen können. Auch der Englischunterricht fehlt in diesem Buch.

Auch die Feierlichkeiten, die natürlich mit zur Schule gehören, werden nicht vergessen: Ausflug, Schulfest, Weihnachten, Karneval…

Dem Tagebuchteil schließt sich eine Art Freundebuch an. Zunächst können sich hier die Freunde des Kindes verewigen und anschließend gibt es noch jede Menge Seiten für die Lehrer. Ich muss sagen, dass mir die Verbindung von Tagebuch und Freundebuch nicht so gut gefällt. Zwar gehört beides für das Kind zur Schule dazu, aber ich würde das Tagebuch über das erste Schuljahr meines Kindes nicht gerne seinen Freunden mitgeben. Dabei geht es mir nicht darum, dass die Eintragungen persönlich sind, sondern vielmehr darum, dass ich befürchten würde, dass das Buch abhanden kommt. Leider hört man immer wieder von verschwundenen Freundebüchern, was immer sehr ärgerlich ist. Noch ärgerlich fände ich es aber, wenn damit dann auch die wertvollen Erinnerungen an die erste Schulzeit verschwinden würden. Vielleicht interviewt man seine Freunde einfach und trägt die Antworten dann selber ein.

Das Tagebuch der ersten Klasse hat ein paar kleinere Mängel, die ich oben angesprochen habe, dennoch freue ich mich schon darauf, das Buch meinem Sohn nächstes Jahr zu geben. Auch hier können tolle Erinnerungen festgehalten werden. Es ist schön, dass sich ein Buch dieser aufregenden Zeit eines Kindes widmet. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Buch eine nette Sache für die Schultüte ist.

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Meine Kindergartenzeit – Das Tagebuch für Kindergartenkinder und ihre Eltern. Erinnerungen von der Krippe bis zur Vorschule, familia koch Verlag, ISBN: 978-3-9814723-7-0, 10,90€

Meine 1. Klasse – Das Tagebuch meines ersten Schuljahres, familia koch Verlag, ISBN: 978-3-943987-00-3, 9,90€

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Leserunde: Mein Kind hat deine Läuse

Ich habe nun zum zweiten Mal an einer Leserunde bei Lovelybooks teilgenommen. Dieses Mal ging es um das Buch „Mein Kind hat deine Läuse“, indem man die Mailwechsel verschiedener Kindergarten- und Schuleltern zu den merkwürdigsten Themen verfolgen kann. Es geht um das immer wiederkehrende Thema Läuse, um Geschenke für Lehrerinnen oder den Kindergarten, um Prügeleien zwischen Kindern, um das Verhalten bestimmter Kinder, um das Gartenkonzept eines Kindergartens, um Schließungszeiten, um das Essen im Kindergarten, um gemeinsames Grillen und um einen Ausflug an einen See und vieles mehr. Ja, sogar darüber, ob die Lehrerin im Unterricht Stempel zur Motivation einsetzen sollte oder nicht, wird gestritten. Und jedes Mal werden die absurdesten Dinge in die Diskussion eingeworfen, erwachsene Menschen sind beleidigt und sehr emotional und ständig gibt es ein ewiges Hin und Her. Das geht einem auf Dauer ganz schön auf die Nerven! Aber ich fühle mich weniger betroffen, als ich befürchtet hatte. Oft finde ich solche Bücher sehr anstrengend, denn ich rege mich dann schnell auf oder fühle mich teilweise sogar angegriffen, obwohl es ja gar nicht um mich persönlich geht. Das war hier gar nicht der Fall. Ich habe mich nur darüber aufgeregt, dass manche Eltern meinen entscheiden zu können, ob es Hausaufgaben in der ersten Klasse gibt oder nicht und dann auch noch lang und breit darüber diskutieren… Oder auch die Diskussion über die Motivationsstempel! Lächerlich! Naja, egal, es war trotzdem nett, das Buch innerhalb einer Leserunde zu lesen und sich mit anderen über diese Themen auszutauschen. Der Austausch blieb sehr neutral, was bei der Buchvorlage ja nicht unbedingt selbstverständlich ist. Leider wird es, wenn es um die eigenen Kinder geht, schnell emotional und man wird, was andere Meinungen angeht, sehr intolerant. Andere Meinungen heißen oft für einen selbst übersetzt, dass man selbst kritisiert wird und so geht man sofort in eine Verteidigungshaltung. Und das kann dann gerade bei schriftlichen Diskussionen sehr anstrengend werden. Mails sind hier auch meist der falsche Weg, wie dieses Buch auch gut aufzeigt.

An der Leserunde hatte ich viel Spaß. Das Buch war schnell durchgelesen, ich habe ein paar Mal geschmunzelt, oft den Kopf geschüttelt und am Ende das Buch mit der Frage zur Seite gelegt: „Und was bringt mir dieses Buch nun?“ Wozu muss man ein Buch über Dinge lesen, die man im Alltag selbst erleben kann? Wobei ich hier sagen muss, dass ich die teils sehr sinnentleerten Diskussionen bzw. die gegenseitigen Anschuldigungen in dieser Weise zum Glück noch nicht erlebt habe, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in Elternschaften dazu kommt. Eltern im Allgemeinen können schon sehr anstrengend sein. 🙂

Also, mein Fazit ist: Amüsant zu lesen, worüber Eltern sich teilweise Gedanken machen und zu welchen Diskussionen, das dann führt, aber nach einigen Mails hat man genug Einblicke in die Welt der übereifrigen Eltern, die sich zu allem lang und breit und gerne auch unterhalb des akzeptablen Niveaus äußern müssen, bekommen. Besser wäre es, wenn man das Buch nicht an einem Stück liest, sondern vielleicht als Klolektüre ab und zu mal hinein blättert.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine nette Anregung für Rollenspiele ist oder um über bestimmte Themen ins Gespräch zu kommen… 😉

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Mein Kind hat deine Läuse – Wie sich engagierte Eltern um Kopf und Kragen schreiben von Isabel Völker, Berlin Verlag, ISBN: 978-3827012197, 14,99 €