Schöner Winterklassiker: Es klopft bei Wanja in der Nacht

Eisige Kälte, Schnee und Sturm – wer möchte da wohl gerne draußen sein? Niemand, weder Tier noch Mensch. Bei Wanja im Haus brennt das Feuer im Ofen, ein warmer Zufluchtsort für manch ungewöhnlichen Gast. Zunächst bittet der Hase um Gastfreundschaft, dann kommt der Fuchs und später noch ein Bär. Das klingt nach viel Konfliktpotential, doch alle versprechen den anderen nichts zu tun. In der Not muss man zusammenhalten. Doch sobald es draußen wieder heller wird und man durch den Schlaf in dem warmen Haus wieder zu Kräften gekommen ist, schwindet auch das Vertrauen so langsam und die Tiere schleichen sich wieder davon. Der Hase traut dem Fuchs nicht mehr, der Fuchs weiß, dass der Bär sich über ihn geärgert hat und der Bär erblickt im Zimmer das Gewehr des Jägers. So ist das Haus bereits wieder leer, als Wanja erwacht. Ganz verwirrt fragt er sich, ob er das alles wohl nur geträumt hat, doch die Spuren im Schnee zeugen von dieser besonderen, friedlichen Nacht.

Die Geschichte „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ hat nicht nur einen wunderbaren Inhalt, sondern ist auchwirklich toll gereimt. Es macht richtig viel Spaß sie zu lesen. Auch die Bilder sind mit ihren feinen Strichen sehr schön anzusehen. Sie vermitteln einem das richtige Gefühl für die Situation, in der sich die Tiere und Wanja befinden. Der Hase streckt sich gemütlich auf dem Sessel aus, dem Bär hängen Eiszapfen im Fell und man spürt förmlich die geschmeidige Bewegung mit der sich der Fuchs davon schleicht.

Über den Inhalt kann man sicherlich einiges sagen, aber vor allem vermittelt er ganz intuitiv, dass es Situationen gibt, in denen man sich gegenseitig helfen muss, auch wenn man sich normalerweise vielleicht nicht gut gesinnt ist. Aber es ist dabei auch wichtig, dass man einander vertraut und dass man sich an Versprechen hält. Vielleicht darf man eine solche Situation nicht überstrapazieren und sobald die größte Not und Gefahr vorbei ist, ist es dann auch sinnvoll diese Gemeinschaft wieder aufzulösen, aber für den Moment funktioniert sie. Dieser Frieden hat etwas zauberhaftes, was fasziniert, so dass man diese Geschichte einfach lieben muss und sie nicht oft genug hören kann.

Das Buch eignet sich übrigens auch wunderbar für eine Aufführung im Kindergarten oder in den ersten Grundschuljahren. Man muss die Kinder noch nicht einmal die Texte auswendig lernen lassen, sondern kann sie auch (von verschiedenen Kindern) vorlesen und die Tiere sowie Wanja dabei pantomimisch spielen lassen. So gehen auch die Reime nicht verloren. Ich habe sogar für eine Aufführung einer zweiten Klasse mal ein paar Lieder nach bekannten Melodien dazu gedichtet. Hier ein Beispiel:

 

Melodie: Leise rieselt der Schnee

1 Leise rieselt der Schnee,

still und starr liegt der See.

Überall ist alles weiß,

nichts als Schnee und Eis.

 

2 Ein Sturm kommt noch hinzu,

keiner findet hier Ruh‘.

Tier und Mensch ist kalt,

dunkel ist es im Wald.

 

Dieses Buch ist zu Recht ein Kinderbuchklassiker geworden, welcher seit Jahren in vielen Kindergärten und Schulen in der Weihnachts- und Winterzeit vorgelesen und gespielt wird. Aber deswegen ist es noch lange keine „Schullektüre“, auch in Familien wird dieses Buch heiß geliebt und immer wieder gelesen. Bei uns ist es leider fast unter unserem großen Stapel an Weihnachtsbüchern verschwunden, aber nun, wo die Weihnachtsbücher wieder zurück geräumt wurden, der Winter aber noch andauert, ist die Zeit für dieses Buch gekommen.

9783770757374

Es klopft bei Wanja in der Nacht von Tilde Michels und Reinhard Michl, Ellermann Verlag, ISBN: 978-3-7707-5737-4, 12€

Willi Wiberg erreicht auch heute noch die Kinder

Vor etwa einem Jahr hatte ich ein Interview mit der Autorin Gunilla Bergström gesehen und mir anschließend ein paar Gedanken über ihre erfolgreiche Autorenschaft gemacht (siehe Beitrag). Unter anderem habe ich behauptet, dass sie „über das wahre Leben, über existenzielle Dinge, über echte Probleme und Gefühle“ schreibt, was natürlich zur Folge hat, dass ihre LeserInnen davon berührt werden. Es geht einen selbst etwas an. Und genauso ist es. Oh ja, das durfte ich ganz aktuell feststellen. Ich habe mir zwei Sammelausgaben von Willi Wiberg besorgt, da ich denke, dass Bücherwürmchen langsam bereit ist für diese Bilderbücher: „Die schönsten Geschichten von Willi Wiberg“ und „Die besten Geschichten von Willi Wiberg“. Es gibt ein paar einfachere Bilderbücher von Willi Wiberg, aber die meisten sind eigentlich eher für Vorschulkinder und Grundschulkinder geeignet, was auch dem Alter von Willi Wiberg entspricht, welches übrigens von Buch zu Buch variiert. Ich glaube, als jüngstes Alter werden 4 Jahre genannt, ansonsten ist er in den Sammelausgaben zwischen fünf und sieben Jahre alt. Die Situationen in den Büchern sind ganz unterschiedlich. Es kann um alltägliche Situationen gehen, aber auch um Konflikte und Probleme. Mal möchte Willi Wiberg abends absolut noch nicht schlafen und lässt sich lauter neue Dinge einfallen, die diesen Prozess verzögern, dann baut er sich mit Papas Werkzeugkasten was tolles zum Spielen, was sogar seinen Papa hinter der Zeitung hervorlockt und wieder ein anderes Mal ist er ganz nervös vor seinem ersten Schultag. All dies lässt sich gut lesen und nachvollziehen. Richtig ergriffen hat Bücherwürmchen aber die Geschichte „Willi Wiberg und das Ungeheuer“. Dass ihn eine Geschichte so mitgenommen hat, habe ich selten erlebt. Worum geht es überhaupt? Willi Wiberg hat einen kleineren Jungen geschlagen, weil er sich darüber ärgerte, dass dieser seinen Ball, den er selbst weggeschossen hat, nicht gefunden hat. Anschließend quält ihn das schlechte Gewissen. Er wird erst wieder richtig fröhlich, als er den kleinen Jungen Tage später gesund und munter trifft und er ihm sagen kann, dass er ihm gar nicht mehr böse ist, da er nun weiß, dass der Junge nichts dafür kann.

Bücherwürmchen blätterte nach der Lektüre immer wieder die Seiten durch und ich merkte schon, dass irgendetwas nicht stimmte. Dann schaute er grimmig auf das Bild von Willi Wibergs Faust und meinte: „Dummer Willi Wiberg!“ Als ich dann aber nickte, wurde er wütend und verneinte auf einmal seine eigene Aussage. Er konnte den Inhalt der Geschichte gar nicht richtig einordnen. Etwas später sagte er, dass er traurig sei und fing auch an zu weinen. Ich nahm ihn in den Arm und wollte wissen, warum er denn genau traurig sei, was er mir jedoch nicht sagen konnte. Er wisse es auch nicht, wegen der Geschichte eben. Präziser wurde er nicht. Ich glaube, das war alles noch nicht so ganz greifbar für ihn. Verstört haben ihn auch die Überlegungen und Gedanken Willi Wibergs, der, geplagt vom schlechten Gewissen, sich die Situation immer dramatischer ausmalt. Für Bücherwürmchen war es schwer zwischen der Aktion und den Gedanken zu unterscheiden.

9783789177729

An Willi Wiberg habe ich mich noch aus meiner eigenen Kindheit erinnert. Es waren einfach Bilderbücher für mich, von denen ich einige gesehen hatte und die ich positiv in Erinnerung hatte. Jetzt weiß ich, dass es nicht flächendeckend nur irgendwelche netten Bilderbücher sind, die man sich mal eben anschaut. Ja, mit manchen, wie „Gute Nacht, Willi Wiberg“ geht dies sicherlich, aber andere von ihnen beinhalten Themen, die nach der Lektüre nicht einfach so abgehakt werden können. Nicht immer sind es gleich Geschichten zu einem großen oder dramatischen Thema, aber es sind häufig Geschichten, die Kinder berühren, da es ihr eigenes Leben betrifft und eigene Gefühle thematisiert werden. Darauf sollte man als erwachsener Vorleser gefasst sein und das Kind beim Lesen mit Gesprächen begleiten. Zu dem Buch „Willi Wiberg spielt doch nicht mit Mädchen“ kann man beispielsweise gemeinsam überlegen, was man denn eigentlich alles schönes mit Mädchen schon mal gespielt hat, „Jetzt wird gefeiert, Willi Wiberg“ bietet einen guten Gesprächsanlass zu eigenen Geburtstagsvorstellungen und natürlich kann man das Kind bei „Nur Mut, Willi Wiberg“ fragen, was es denn selbst in Bezug auf einen nahenden Schulbesuch denkt. Immer wieder geht es in den Willi Wiberg-Büchern darüber Ängste zu überwinden, zu sich selbst und seiner Meinung zu stehen und sich im Leben mit anderen zurecht zu finden. All dies sind Dinge, mit denen Kinder Tag für Tag konfrontiert werden und genau deshalb kommen die Willi Wiberg-Bücher auch heute noch bei ihnen gut an. Die Bücher kommen lebendig und ansprechend daher und wirken zunächst keineswegs wie schwere Lektüre, aber sie beinhalten bei näherem Hinschauen sehr viel. Ich kann sie nur empfehlen. Allerdings sollte man schon ein wenig auf die Themen achten, denn nicht jedes Buch eignet sich für jedes Alter und für jedes Kind.

9783789163487

Die schönsten Geschichten von Willi Wiberg von Gunilla Bergström, Oetinger, ISBN: 978-3-7891-6348-7, 12,90€ (beinhaltet folgende Einzelbände: Willi und sein heimlicher Freund; Ganz schön schlau, Willi Wiberg; Pass auf, Willi Wiberg; Gute Nacht, Willi Wiberg)

Die besten Geschichten von Willi Wiberg von Gunilla Bergström, Oetinger, ISBN: 978-3-7891-7772-9, 12,95€ (beinhaltet folgende Einzelbände: Nur Mut, Willi Wiberg!; Willii Wiberg und das Ungeheuer; Willi Wiberg spielt doch nicht mit Mädchen; Jetzt wird gefeiert, Willi Wiberg)

Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie

Seid ihr noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Und am besten sollen es Geschenke sein, die gleich die ganze Familie glücklich machen? Da habe ich zwei ganz unterschiedliche Tipps für euch. Gerne möchte ich euch sowohl eine DVD-Sammlung als auch ein Buch ans Herz legen.

Die DVD-Sammlung richtet sich ausdrücklich an die ganze Familie: „Die Zeit-Edition – Die schönsten Familienfilme“. Hier hat wirklich jeder (ab 5 Jahren) etwas von. Nicht jeder Film ist schon etwas für die kleinsten Familienmitglieder, aber da die Sammlung ganze zehn Filme enthält, kann man sich ganz individuell die passenden Filme heraus suchen. Auf einem beiliegenden Leitfaden kann man auf einen Blick sehen, welche Filme ab welchem Alter (unabhängig von der FSK-Freigabe) empfohlen sind.

Nun seid ihr sicherlich neugierig, welche Filme man mit dieser Sammlung überhaupt bekommt. Das möchte ich euch gerne verraten:

Die Abenteuer des Huck Finn

Mein Freund Knerten

Wallace & Gromit

Ernest & Celestine

Alfie, der kleine Werwolf

Der Räuber Hotzenplotz

Pettersson & Findus

Wir Kinder aus Bullerbü

Der Mondmann

Ella und das große Rennen

Eine tolle Auswahl, oder? Da bekommt man doch direkt Lust darauf, eine DVD nach der anderen in den DVD-Player zu schieben und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. Mir gefällt vor allem sehr gut, dass sowohl ältere als auch neuere Filme sowie Filme für Jungen und Filme für Mädchen dabei sind. Manche Filme haben eine sehr ruhige Handlung, während es in anderen auch schon mal etwas spannender wird. Auch die Art der Filme ist unterschiedlich. Vom Realfilm über den Trickfilm bis hin zum Animationsfilm ist alles dabei. Sehr gut gemacht sind auch die Informationen zu den Filmen auf der jeweiligen Hülle. Hier erfährt man kurz etwas zum Inhalt und zu der Art des Films. Auch eine kurze Einordnung in die Filmwelt sowie Charakteristika des Films werden genannt.

Die meisten Filme basieren übrigens auf Büchern. Etwas schade ist es, dass sich auf den DVDs leider nicht die Originalsprache befindet, aber das ist bei Kinderfilmen leider häufig so.

Alle Filme sind sowohl kindgerecht als auch familiengerecht. Kindern werden wichtige Werte wie z.B. Freundschaft und Zusammenhalt aufgezeigt. Sie dürfen bei Abenteuer mitfiebern und mitlachen und sich einfach gut unterhalten lassen und die Eltern können sich ohne sich langweilen zu müssen mit vor den Fernseher setzen. Das ist längst nicht bei allen Kinderfilmen so, aber bei diesen ganz bestimmt.

4260173781434

Die Zeit-Edition – Die schönsten Familienfilme – 10 DVDs ausgewählt von der Zeit, Oetinger kino und terre des hommes e.V.

 

Das Buch „Die Welt der wilden Tiere im Norden“ ist kein ausdrückliches Familienbuch, aber es ist dennoch ein Buch, an dem sowohl die Kleinen, die Mittleren als auch die Großen ihre Freude haben werden. Dafür sorgen allein die beeindruckenden Bilder in dem Buch, die einen einfach immer weiter blättern lassen. In einer genialen Zeichentechnik, die an Collagen erinnert, mit ausdrucksstarken Farben und Details werden die Tiere der Nordhalbkugel dargestellt. Man sieht dem Wolf direkt in die Augen, die Bewegung des heranschleichenden Pumas ist klar erkennbar und man meint beinahe die donnernde Erde unter den Bisons zu spüren. Einfach nur beeindruckend! Bei jedem Tier steht sowohl die deutsche als auch die lateinische Bezeichnung dabei. Darüber hinaus stehen bei manchen Tieren weitergehende Informationen zu Besonderheiten, ihrem Lebensraum, Nahrung, Feinden etc. Diese Texte sind gut verständlich, in lockerem Umgangston geschrieben und lassen sich auch Kindern gut vorlesen. Etwas schade ist es, dass es sie nicht zu jedem Tier gibt. Auch Bücherwürmchen war etwas enttäuscht, dass es nicht zu allen Tieren etwas erfahren konnte. Dennoch ist dies ein Buch, welches man gerne anschaut. Allein die Dicke des Buches lässt es als etwas Besonderes erscheinen. Ja, es ist ein Buch, in das man gut mit der ganzen Familie hineinschauen kann, welches im Wohnzimmer im Bücherregal steht und in welches auch Gäste gerne mal einen Blick hinein werfen dürfen.

9783868738223

Die Welt der wilden Tiere im Norden von Dieter Braun, Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-822-3, 29,95€

Weihnachten mit Astrid Lindgren: Dieses Mal als Hörbuch

Habt ihr schon einmal ein Originalhörspiel von Astrid Lindgren gehört, eines bei dem Astrid Lindgren ihre Geschichten selber vorliest? Vermutlich eher nicht, denn natürlich ist nicht jeder der schwedischen Sprache mächtig, aber ich kann euch versichern, dass es ein absoluter Genuss ist. Es ist auch ganz klar, dass keine anderen Hörspiele ihrer Geschichten an diese Versionen heranreichen, aber dennoch ist die CD-Box „Die schönsten Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren“ eine Bereicherung in unserem Haushalt. Ich bin nämlich die einzige, die die schwedischen CDs versteht und so ist es schön, dass ich auch mal mit den anderen zusammen den schönen, weihnachtlichen Geschichten Astrid Lindgrens lauschen kann.

Auf den drei CDs befinden sich einige der bekanntesten weihnachtlichen Geschichten. Mit dabei sind natürlich die zwei Geschichten von Tomte Tummetott, Michel und Pippi fehlen selbstverständlich ebenfalls nicht, aber auch die Geschichten von Polly, von den Kindern aus Bullerbü und die Weihnachtsfeste von Madita sowie den Kindern aus der Krachmacherstraße sind auf den CDs enthalten. Ja, vielleicht vermisst man die eine oder andere Geschichte, z.B. die von Pelle, der nach Herzhausen zieht oder die Geschichte von Michel aus Lönneberga, in der Michel den Leuten aus dem Armenhaus ein Weihnachtsessen bereitet, aber dennoch ist die Auswahl gelungen. Es geht weihnachtlich und winterlich zu und verschiedene beliebte Charaktere stehen im Mittelpunkt der Geschichten.

Eigentlich lese ich ja lieber selber, aber diese CDs höre ich mir auch wirklich gerne an. Sie passen gut zur ruhigen, gemütlichen Advents- und Kerzenstimmung. Als ich eine CD beim Kaffeetrinken am Adventskranz eingelegt habe, wurden alle ganz still und haben der Geschichte gelauscht. Das war richtig schön. Man muss allerdings auch sagen, dass die Geschichten richtig toll gelesen werden. Die Vorleser erzählen unaufgeregt, aber mit passenden Betonungen und einer sehr angenehmen Vorlesestimme. Toll ist auch, dass die Geschichten die aus Kinderperspektive erzählt werden, z.B. „Weihnachten in Bullerbü“, von Carla Sachse, Jahrgang 1998, gelesen werden, so dass alles sehr authentisch wirkt. Hier wurde wirklich an alles gedacht und gut umgesetzt, ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

9783837308709

Audio-CDs: Die schönsten Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren, 3 CD, ca. 140 min, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-8373-0870-9

Brauchen Kinder Kinderbuchklassiker?

Seit einem Jahr habe ich die Zeitschrift „Eselsohr“, eine Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien, im Abo. Ich freue mich jedes Mal, wenn die neue Ausgabe im Briefkasten liegt und blättere sie immer direkt neugierig durch. Dieses Mal hat mich ein Artikel aber überdurchschnittlich lang beschäftigt. Sigrid Tinz schreibt über Kinderbuchklassiker und stellt Überlegungen an, inwiefern Kinder diese überhaupt „brauchen“. Liebt man sie nicht deshalb so sehr, weil sie einem von der Oma vorgelesen wurden? Darüber musste ich wirklich lange nachdenken und so richtig bin ich auch jetzt noch nicht zu einem abschließendem Ergebnis gekommen. Ich weiß, dass ich schnell nostalgisch bin und dass bei mir vieles seinen Wert durch das Erleben in der eigenen Kindheit bekommen hat, aber sind dies die einzigen Gründe dafür, dass ich bestimmte Bücher meinen Kindern unbedingt vorlesen möchte? Warum werden Bücher zu Klassikern? Hat dies nicht auch mit ihrer Qualität zu tun? Welche Bücher sind es, die immer wieder verkauft werden – über Jahre hinweg? Längst nicht jedes Buch, welches man in der eigenen Kindheit geliebt hat, spielt auch heute noch eine Rolle in der Bücherwelt. Manche Bücher trafen die eigenen Interessen, wurden aber längst nicht von allen geliebt, andere Bücher kennen viele Leute, die in einem ähnlichen Alter sind, aber sie sprechen die heutigen Kinder weniger an und dann gibt es eben die Bücher, die Kindern früher und heute gleichermaßen gefallen, die geliebt und weitergegeben werden möchten. Aber brauchen Kinder diese Bücher oder reicht es aus, wenn man ihnen die aktuellen guten Kinderbücher vorliest? Tja, was braucht man schon, aber ich finde, dass Kinder schon bestimmte Bücher kennen lernen sollten. Warum sollte man ihnen gute Bücher vorenthalten, nur weil sie älter sind? Warum muss das Rad immer neu erfunden werden? Häufig wird doch sogar darüber geklagt, wie viele Neuerscheinungen es im Kinder- und Jugendbuchbereich jedes Jahr gibt und wie schnell diese Bücher dann auch wieder aus den Regalen verschwinden. Da ist es doch schön, wenn es Bücher gibt, die Jahr für Jahr zuverlässig wieder gekauft werden. Vielleicht gibt es keinen Kanon guter Kinderliteratur und längst nicht jeder Klassiker ist aus literarischen oder pädagogischen Gründen empfehlenswert, aber irgendwie gehört es doch auch ein wenig zur Bildung dazu, bestimmte Bücher zu kennen, in die Geschichten und die Zeit früherer Autoren einzutauchen und teilweise eine andere Sprache auf sich wirken zu lassen. Die Kinderliteratur hat sich entwickelt und verändert. Es gab immer mal wieder Autoren, die etwas neues gewagt und ausprobiert haben, die besonders gut erzählen konnten, die auf besondere Art und Weise mit der Sprache umgingen, die außergewöhnliches geschaffen haben und meiner Meinung nach, sollten Kinder diesen Werken durchaus mal begegnen. Natürlich nicht ausschließlich, aber bei mir gehören diese Bücher auf jeden Fall dazu. Ganz aktuell habe ich gerade den „Räuber Hotzenplotz“ vorgelesen und zwar das ganze Buch innerhalb von zwei Tagen. Bücherwürmchen wollte immer wissen, wie es weitergeht. Er war von dieser Geschichte ganz eingenommen. Wie schade wäre es doch, wenn Kinder eine Figur wie den Räuber Hotzenplotz nicht mehr kennen würden! Die Geschichte ist einfach toll erzählt, sie enthält Witz und ist spannend, aber immer kindgerecht. Otfried Preußler hat wunderbare Geschichten erzählt, die einfach zeitlos sind. Was ist mit einem Buch wie „Momo“ von Michael Ende? Meines Erachtens ebenfalls ein Buch, welches man zu jeder Zeit lesen kann (und dies sage ich im Übrigen, obwohl ich dieses Buch gar nicht als Kind kennen gelernt habe, sondern erst später gelesen habe). Und natürlich muss ich als Fan auch Astrid Lindgren an dieser Stelle nennen. Ihre Art zu schreiben, ist einfach besonders und kann nicht einfach von einem anderen Autor ersetzt werden. Klar, inhaltlich sprechen vielleicht die Geschichten aus dem Holunderweg heutige Kinder mehr an als die Kinder aus Bullerbü, aber ein Michel aus Lönneberga spielte bereits beim Erscheinen in einer anderen Zeit genauso wie Ronja Räubertochter.

Mein Sohn mag im Übrigen auch „Max und Moritz“ sehr gerne. Dies ist ein Buch, welches man sicherlich als Klassiker bezeichnen würde, welches aber vom Inhalt her nicht unbedingt empfehlenswert ist. Bücherwürmchen ist dennoch fasziniert von diesem Buch und will die Geschichte immer wieder mal hören. Dieses Buch hat einfach etwas, was Kinder immer wieder fesselt. Einerseits ist es sicherlich die Faszination an den Streichen und an der Bestrafung Max‘ und Moritz‘ und andererseits spielt sicherlich auch die gereimte, eingängige Sprache hier eine große Rolle.

Grundsätzlich gibt es sehr viele Bücher, die ich gerne mag, weil ich sie in meiner Kindheit kennen gelernt habe. Aber nicht alle davon „müssen“ meine Kinder kennen lernen und ich merke auch bei einigen (z.B. bei alten Fotobilderbüchern), dass sie nicht so gut ankommen. Ich unterscheide durchaus zwischen Büchern, die ich liebe, weil sie mir vorgelesen wurden, und Büchern, die ich liebe und die mir vorgelesen wurden, welche ich als „gut“ und vorlesenswert betrachte. Bücher, die meines Erachtens zu Recht Klassiker sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden sollten. Genauso gehören aber auch neue Bücher zum Vorlesen dazu, denn natürlich sollen Kinder auch mit modernen Geschichten, modernen Erzählstilen und modernen Bildern konfrontiert werden. Auch hier gibt es viele tolle Bücher zu entdecken und das eine oder andere Buch setzt sich hoffentlich als Klassiker durch und wird dann den Enkeln und Urenkeln ebenfalls vorgelesen.

Letztendlich gibt es natürlich beim Lesen überhaupt kein Muss. Man liest das, was den Kindern und einem selbst gefällt, aber wenn man viel liest und man sich ein wenig Gedanken darüber macht, welche Geschichten Kinder kennen lernen sollten, dann würde ich immer auch ein paar ältere Bücher nennen, egal ob sie nun offiziell als Klassiker gelten oder nicht.

Wie steht ihr zu Kinderbuchklassikern? Gehören sie ins Kinderzimmer oder kann man gut auf sie verzichten?

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Ich habe den Artikel von Sigrid Tinz nur als Gedankenanregung genutzt. Es soll hier nicht um ihre Darstellung und Meinung gehen oder inwiefern ich ihr zustimme oder nicht. Ich fand einfach die Überlegungen zu diesem Thema sehr spannend.

Nostalgie zur Weihnachtszeit

Die Advents- und Weihnachtszeit ist genau die richtige Zeit für Märchen und Wichtelgeschichten. In dieser Zeit ist man in der passenden Stimmung dafür. Vielleicht auch für die Geschichte „Michael im Zauberwald“ aus dem Jahre 1956? Dieses Wichtelmärchen wurde dieses Jahr neuaufgelegt und zwar mit den altbekannten Bildern von Fritz Baumgarten, den man direkt mit Wichtelbildern in Verbindung bringt. Es sind Bilder, die allein durch die Art der Gesichtszüge und dem pausbackigen Kindergesicht alt wirken und somit nostalgische Gefühle wecken. Nicht jeder mag sicherlich diesen Bilderstil, der wenig modern ist, aber meines Erachtens passen sie sehr gut zur gemütlichen Weihnachtsatmosphäre. Insbesondere die Bilder aus diesem Buch lassen eine feierliche Weihnachtsstimmung aufkommen, denn die Geschichte spielt im verschneiten Winter. Selbst mein Sohn sagte beim Anblick des leuchtenden Weihnachtsbaumes im Winterwald: „Schön, oder?!“

Ja, auch der Geschichte selbst merkt man ihr Alter an. Sie trägt viele märchenhafte Züge, was natürlich unter anderem der Tatsache geschuldet ist, dass Michael Zugang zur Welt der Wichtel bekommt, aber sie wirkt auch recht pädagogisch und moralisch. Wer sich im Wald nicht gut benimmt, wird dafür von den Wichteln gestraft, wer aber „fleißig und rechtschaffen“ ist, der erhält am Ende seinen Lohn für sein gutes Verhalten. Hm, davon bin ich ja nicht so der Freund, aber wenn man mal so ein Buch liest, ist das schon in Ordnung. Immerhin ist Michael ja auch ein armes Waisenkind, welches ein wenig Zuwendung und Hilfe verdient hat. Die Wichtel nehmen ihn nur zu gerne den Winter über bei sich auf, denn Michael ist freundlich und hilfsbereit. Er unterstützt die Wichtel dort wo er nur kann und lernt im Gegenzug dafür einiges vom Bergwerkhandwerk. Alle Tiere des Waldes lieben natürlich den Jungen, der ihnen so fürsorglich das Futter hinstellt. Ja, es ist irgendwie eine typische Bilderbuchgeschichte früherer Generationen. Viel passiert eigentlich nicht. In erster Linie geht es um den Weg Michaels vom armen Waisenjungen zum fleißigen, angesehenen Arbeiter, der von seinem Aufenthalt im Zauberwald stark geprägt wird. Besonders schön sind einfach die winterliche Landschaft und die friedliche Weihnachtsfeier in dieser Umgebung, so dass das Buch durchaus eine schöne Lektüre bei Kerzenschein sein kann.

9783480401093

Michael im Zauberwald von Erich Heinemann und Fritz Baumgarten, Alfred Hahn’s Verlag/Esslinger, ISBN: 978-3-480-40109-3, 12,99€

Blogparade – Astrid Lindgren

Blogparade_Astrid Lindgren_zpsekrp35rl

Oh, was habe ich denn da gerade entdeckt?! Eine Blogparade zu Astrid Lindgren bzw. zu der Bedeutung ihrer Bücher für einen selbst, veranstaltet vom Blog Kielfeder. Na, wenn ich da nicht mitmache, wer dann? 😉 Ich habe nämlich eine riesige Astrid Lindgren-Sammlung, außer ein paar Bilderbüchern fehlt da kaum etwas. Viele Bücher habe ich sogar doppelt und dreifach, denn nachdem ich manche Bücher bereits auf Deutsch und auf Schwedisch besessen habe, kam der wunderschöne Astrid Lindgren-Schuber heraus, der bei einem echten Astrid Lindgren-Fan natürlich im Regal stehen muss und so habe ich ihn zu meinem zweiten Staatsexamen bekommen, obwohl mir fast kein Buch aus diesem Schuber in meiner Sammlung noch fehlte…

IMG_1215

So, nun aber mal ein wenig der Reihe nach, denn natürlich ist mir Astrid Lindgren bereits in meiner Kindheit begegnet. Viele Bücher, die wir hatten, gehörten sogar schon meinem Vater und seinen Geschwistern als Kinder. So hatten wir alte Pippi Langstrumpf-, Karlsson vom Dach– und Wir Kinder aus Bullerbü-Ausgaben im Haus. Karlsson mochte ich allerdings nicht so und auch Pippi Langstrumpf war nie mein allerliebster Favourit. Die Kinder aus Bullerbü dahingegen kamen bei uns gut an. Auch Madita, die Kinder aus der Krachmacherstraße und Michel aus Lönneberga mochte ich sehr gerne. Das erste Buch, welches ich als Erstklässlerin selbst gelesen habe, war „Als Klein-Ida auch mal Unfug machen wollte“ und somit war mein Astrid Lindgren-Favourit schnell festgelegt: Michel aus Lönneberga mag ich ganz besonders gerne. Ich hatte auch eine dicke Ausgabe mit ganz vielen Geschichten davon und da man bei uns auch gut von der Küche ins Wohnzimmer und wieder zurück laufen konnte, haben wir auch gerne Michels „Kickse Kickse Hu“-Spiel übernommen. Neben den Michel-Büchern besaß ich ein Buch von den Kindern aus der Krachmacherstraße, ein Buch über Astrid Lindgren für Kinder („Besuch bei Astrid Lindgren“) und „Mio mein Mio“, welches ich allerdings als Kind dennoch nicht gelesen habe. Nachdem ich gehört hatte, dass ein anderes Kind beim Lesen dieses Buches Angst hatte, war dies Grund genug für mich, die sich angeblich schon bei der Sesamstraße gruselte, dieses Buch nicht zu lesen… Sehr gut kann ich mich noch an die Leseerlebnisse von „Ronja Räubertochter“ und „Ferien auf Saltkrokan“ erinnern, welche ich mit einem Urlaub auf der Insel Bornholm in Verbindung bringe.

Tomte Tummetott“ hat uns im Winter meine Mutter vorgelesen und ich höre noch heute ihre Betonung bei den Worten „Geduld, nur Geduld“.

Lustigerweise hatten wir sogar Astrid Lindgren-Bücher, bei denen ich lange Zeit gar nicht wusste, dass sie von Astrid Lindgren sind. Von meinem Vater gab es ein paar Fotobilderbücher (Matti aus Finnland“, „Noriko-San aus Japan“ und „Japi aus Holland), bei denen Astrid Lindgren die Texte geschrieben hat.

IMG_0649

Einige Bücher von Astrid Lindgren habe ich erst als Erwachsene kennen gelernt, darunter „Kalle Blomquist“, „Die Brüder Löwenherz“, („Mio mein Mio“), „Rasmus und der Landstreicher“, die Mädchenbücher, z.B. „Kati in Amerika“ und einige der Märchen und Erzählungen.

IMG_1202   IMG_1200   IMG_1210   IMG_1201

Beeinflusst durch die Bücher von Astrid Lindgren bin ich nach dem Abitur für ein Jahr nach Schweden gegangen (Soziales Jahr) und seitdem bin ich eine richtige Sammlerin geworden. Von da an musste ich alles mögliche haben, was mit Astrid Lindgren zu tun hat: Postkarten, Bücher von und über sie (sowohl auf Deutsch als auch auf Schwedisch, außerdem besitze ich eine finnische Michel-Ausgabe und eine niederländische Pippi-Ausgabe, da ich beide Sprachen mal gelernt habe), DVDs, Musik-CDs, Plakate, Pippi-Schlüsselanhänger, Michel-Briefpapier, Lottas Teddy, Michels Büsse und Müsse… Ich war sogar in der „Astrid Lindgren-Sällskapet„, bei der man regelmäßig Informationen und Texte gesandt bekam. Allerdings wurden mir dann die Einzugsgebühren von einem deutschen Konto doch zu hoch…

IMG_1212   IMG_1204   IMG_1216    

Verschiedensprachige Ausgaben:

IMG_1211

Wenn ich mal keine gute Laune habe, helfen diese CD und dieses Video immer:

IMG_1206   IMG_1205

Natürlich war ich auch in Astrid Lindgrens Värld und in Junibacken, ich habe hier in Deutschland Ausstellungen und Veranstaltungen zu Astrid Lindgren besucht, war bei der Beerdigung in Stockholm und kam sogar in die Zeitung Expressen, die die Leute befragte, warum sie dort waren um Astrid Lindgren zu ehren und bei den Namen meiner Kinder habe ich mich ebenfalls an ihren Büchern orientiert. Sowohl meine erste Examensarbeit als auch meine Prüfungsstunde im Fach Deutsch (ich bin Grundschullehrerin) hatten Astrid Lindgren zum Thema und wenn es irgendwie passt, dann ist sie auch stets mein Thema bei Projektwochen.

IMG_1207   IMG_1208

Bilder von der Prüfungsstunde und einem Projekttag (alle Ausstellungsstücke sind mein Eigentum :-)):

IMG_0108   IMG_0102  

IMG_5233   IMG_5240   IMG_5237 

IMG_5251   IMG_5246

Nun kann ich die Bücher so langsam für meinen älteren Sohn wieder hervor holen, was ich natürlich mit großer Freude tue. Letztes Jahr zur Weihnachtszeit haben wir viele weihnachtliche Geschichten von Astrid Lindgren gelesen. Außerdem kommen Lotta, Michel aus Lönneberga und Pippi Langstrumpf bei ihm gut an. Gerade haben wir sehr viel Spaß mit dem Pippi Langstrumpf-Comic. Aber viele, viele Geschichten warten auch noch darauf von ihm entdeckt zu werden und ich freue mich schon sehr darauf, sie ihm so nach und nach vorzulesen.

9783789141904

Ganz viele Pippi-Bilder: Pippi Langstrumpf – Der Comic

Ich bin kein Comic-Fan, aber einen bestimmten Comic musste ich dann natürlich trotzdem unbedingt haben: Pippi Langstrumpf – Der Comic. Naja, im ersten Moment war ich schon etwas skeptisch. Pippi Langstrumpf in einem Comic? Muss das denn sein? Aber dann kam das entscheidende Argument für dieses Buch: Es handelt sich nicht um neue Comics, sondern um Comic-Episoden aus den 50ern und 60ern mit den Original Pippi-Zeichnungen von Ingrid Vang Nyman (vorsichtig farblich überarbeitet und restauriert). Und das finde ich dann wiederum großartig! Denn auch wenn es vielleicht angebracht ist, Pippi (und andere Lindgren-Helden) zeichnerisch zu modernisieren, ziehe ich persönlich die Originale vor. Im Übrigen hat auch Bücherwürmchen nichts gegen diese Bilder! Er findet Pippi Langstrumpf einfach klasse und lässt sich den dicken Comicband, der auf den bekannten Pippi Langstrumpf-Geschichten basiert (es gibt hier also keine völlig neuen Geschichten), immer wieder sehr gerne vorlesen. Einerseits freue ich mich darüber, denn für mich ist es ein Muss meine Kinder mit Pippi Langstrumpf bekannt zu machen, andererseits frage ich mich, ob ich das Buch nicht noch eine Weile hätte zurück halten sollen, denn eigentlich ist Pippi Langstrumpf noch nichts für Kindergartenkinder. Klar, auch Kindergartenkinder sind von Pippi Langstrumpf und ihrer Stärke fasziniert, aber vieles was Pippi Langstrumpf sagt, können sie noch gar nicht richtig verstehen. Pippi Langstrumpf bedient sich oft an Ironie und Sprachwitz, was kleinere Kinder meist noch nicht nachvollziehen können. Sie haben Spaß an Pippis Fangspielen mit der Polizei, daran, dass die Diebe auf dem Schrank landen oder dass sie mit Bürsten an den Füßen den Boden putzt, aber der tiefergehende Witz und das absurde einiger Situationen bleibt ihnen noch verborgen, was eigentlich doch sehr schade ist, da es viel von Pippi und dem Besonderen der Geschichte ausmacht.

Aber okay, Bücherwürmchen kennt nun Pippi Langstrumpf und er hat viel Spaß an ihr. Den Comic kann man eigentlich recht gut vorlesen, wobei man ein wenig darauf achten muss, in welcher Reihenfolge die Kinder/Figuren etwas sagen, da nicht immer alles der Links-nach-rechts-Abfolge entspricht. Zunächst hatte ich ein wenig das Gefühl, dass durch den verkürzten Text ein wenig das Besondere von Astrid Lindgrens-Stil verloren geht, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und viele Dialoge kommen einem aus den Büchern sehr bekannt vor. Möchte man also doch schon Kindergartenkinder an Pippi Langstrumpf heranführen, eignet sich der Comic dann doch ganz gut dafür, da die Kinder hier noch keinen langen Texten ohne Bilder folgen müssen. Die Texte sind auf das Nötigste reduziert und werden von vielen, vielen Comicbildern illustriert. Das ist das wirklich tolle an diesem Buch! Endlich hat man mal richtig viele bunte Pippi-Bilder! Allein dafür lohnt sich der Kauf.

Die Geschichten enden manchmal etwas plötzlich und offen, aber damit kann man leben. Mich irritiert das jedenfalls mehr als Bücherwürmchen.

Auch wenn Bücherwürmchen einige Stellen noch nicht ganz versteht, so gibt es einiges worüber er herzhaft lachen muss (und diese Lesemomente liebe ich!): Witzig findet er die Stelle, an der Pippi als Sachensucher den Mann, der auf der Erde liegt, mitnehmen möchte, er lacht über die rot angelaufenen Polizisten, die Pippi einfach nicht fangen können und über Pippi, die den Zirkus („Surkus“) kaufen möchte (das ganze Zirkus-Kapitel ist sein persönliches Highlight). Gerne zitiert er auch den Satz „Hier kommen die Schweden mit Krach und Radau“ und Pippis langen Namen kann er auch fast fehlerfrei aufsagen. Ja, Pippi Langstrumpf kommt gut bei ihm an – egal, ob er nun alles versteht oder nicht. Und damit Kinder etwas Neues lernen, muss man ihnen ja auch Unbekanntes und Schwieriges mal zumuten, nicht wahr? Bücherwürmchen und ich haben letztendlich genug Argumente um uns auch weiterhin gemeinsam Pippi Langstrumpf (in diesem Fall als Comic) anzuschauen!

9783789141904

Pippi Langstrumpf – Der Comic von Astrid Lindgren und Ingrid Vang Nyman, übersetzt von Silke von Hacht, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-4190-4, 14,99

Pettersson und Findus zum Hören

Pettersson und Findus gehören ja schon seit langem zu unseren Lieblingsbuchfiguren. Nun haben wir endlich auch ein bzw. gleich drei Hörspiele von ihnen. Endlich, denn als ich mir „Die neue große Hörspielbox“ angeschaut habe, habe ich festgestellt, dass es ja auch bereits „Die große Hörspielbox“ gibt. Wie gesagt, bei uns hat gerade erst die Hörspielzeit so richtig begonnen, aber nun wissen wir jedenfalls was bei uns wohl auf den Wunschzettel gehört…

Pettersson und Findus sind nämlich immer toll – egal, ob als Buch oder als Hörbuch. Klar, beim Buch hat man noch die herrlichen Bilder dabei, aber wenn man die Bücher in- und auswendig kennt, hat man den alten Pettersson und den quirligen Kater auch beim Hören stets vor Augen.

Die neue große Hörspielbox“ enthält die Geschichten „Findus zieht um“, „Pettersson zeltet“ und „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“.

Wer die Bücher kennt, dem sind die Inhalte und auch der Wortlaut bekannt, denn hier werden die Bücher lebendig durch mehrere Personen vorgetragen. Jede Figur hat ihren eigenen Sprecher, so dass das Zuhören viel Spaß macht. Irgendwie hat es mich am Anfang ein wenig irritiert, dass der Text von einer Frau und nicht von einem Mann erzählt wird. Unbewusst hatte ich hier eine Männerstimme erwartet. Vielleicht weil die Bücher von einem Mann geschrieben worden sind und im Haushalt von Pettersson keine Frau vorkommt? Ich weiß es nicht. Nach einer Weile habe ich mich dann aber natürlich auch an Laura Maire als Erzählerin gewöhnt, denn man kann ihr gut folgen und auch Pettersson und Findus sind mit Fred Maire und Jens Wawrczeck gut besetzt.

Neben dem Text gibt es in der ersten und letzten Geschichte noch das „Findus und Pettersson“-Lied und „Pettersson zeltet“ beinhaltet natürlich sowohl das Lied der Hühner („Nein! Nein – oh nein!“), die die Freunde nicht alleine zelten gehen lassen wollen, als auch „Findus allein im Zelt“, welches davon erzählt, wie unheimlich es Findus auf einmal im Zelt ist.

Ein paar Worte zu den Inhalten:

Findus zieht um – Katzen können morgens nicht leise sein, nein, sie müssen sich bewegen. Das muss Pettersson doch verstehen. Aber irgendwie kann Pettersson das „Quie-bong“ auf dem Bett von Findus um vier Uhr morgens nicht sonderlich gut leiden. Aber was wäre, wenn Findus sein eigenes Häuschen hätte? Sofort wird das alte Plumpsklo wohnlich eingerichtet, doch richtig glücklich ist am Ende keiner mit dieser Lösung, denn irgendwie ist es so doch recht einsam…

Pettersson zeltet – Als Findus auf dem Dachboden eine komische Rolle entdeckt, wird seine Neugier entfacht. Was ist das und was kann man damit machen? Die grüne Wurst entpuppt sich als Zelt, welches natürlich sofort ausprobiert werden muss. Doch so eine Wanderung ist gar nicht so einfach, zumindest dann nicht, wenn einen lauter Hühner dabei begleiten wollen, und der riesige Hecht, der es sogar schafft sich von der Angel wieder loszureißen, ist Findus auch nicht ganz geheuer…

Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch – Ausgerechnet einen Tag vor Weihnachten verstaucht Pettersson sich seinen Fuß und dabei wollten Pettersson und Findus doch gerade alles weihnachtlich vorbereiten. Muss Weihnachten nun ausfallen? Findus bangt jedenfalls um die Tanne, leckeres Essen, Pfefferkuchen und alles, was Weihnachten eben ausmacht, denn Pettersson kommt jedenfalls nicht mehr von der Stelle und die Vorräte im Haus sind so ziemlich aufgebraucht. Zum Glück haben die beiden dann doch sehr liebe Nachbarn, die Pettersson und Findus schöne Weihnachten bescheren…

Jede CD ist um die 30 Minuten lang, so lang eben ungefähr wie man auch zum Vorlesen eines Buches braucht. Bücherwürmchen hat sich die Geschichten in aller Ruhe auf dem Sofa angehört, sogar mehrere nacheinander und im Nachhinein habe ich mich gefragt, warum man sich eigentlich so gerne Hörbücher von Geschichten kauft, die man sowieso schon kennt? Warum braucht man zusätzlich zu den Büchern, die gleichen Geschichten noch einmal als Hörspiel und warum hört man sie sich auch tatsächlich gerne an? Zumindest Bücherwürmchen hat sich riesig über die Hörspielbox gefreut und sie sich sehr gerne angehört. Ich glaube, es ist einfach entspannend, etwas Bekanntem noch einmal in Ruhe zu lauschen. Man kann sich dabei entspannen, vielleicht legt man sich sogar hin und macht mal einen Moment die Augen zu. Bei Büchern sind dann ja doch mehr Sinne auf einmal gefragt. Kinder müssen nicht nur dem Vorleser folgen, sondern sie konzentrieren sich auch auf die Bilder und all das, was es dort zu entdecken gibt. Hören sie sich dann die CD an, rufen sie sich die bekannten Geschichten einfach noch mal in Erinnerung. Sie wissen genau, was sie erwartet und somit ist es auch nicht schlimm, wenn sie zwischendurch mal einen Augenblick nicht so genau zu hören und sich später wieder von der Geschichte einfangen lassen. Sicherlich ist es auch mal angenehm eine andere Erzählstimme als immer nur die Eltern zu hören und natürlich haben die CDs den großen Vorteil, dass man sie auch im Auto hören kann. Nun können wir also endlich die Lieder-CD von Pettersson und Findus ab und zu mal mit einer Geschichte abwechseln und zwar mit Geschichten, die auch wir gerne hören und die nicht so nervig sind, wie so manches andere Hörspiel…

9783837308693

Pettersson und Findus – Die neue große Hörspielbox, 3 CD von Sven Nordqvist, Oetinger Audio, ISBN:978-3-8373-0869-3, 14,99€

Hier könnt ihr noch mehr über unsere Lieblingsfiguren und über ein Pettersson und Findus-Buch für die ganz Kleinen lesen.

Ein toller Klassiker: Kater Mikesch

Ist es nicht eigentlich merkwürdig, dass man manche Bücher positiv in Erinnerung hat, obwohl man sich außer an den Titel und das Cover an nichts mehr erinnern kann? Die positiven Erinnerungen haben vermutlich nicht nur etwas mit der Geschichte an sich, sondern auch mit den Umständen, unter denen man die Geschichte gelesen hat, zusammenhängen. Mir geht es jedenfalls bei dem Buch „Kater Mikesch“ so. Dieses Buch weckt direkt ein gutes Gefühl in mir, aber eigentlich sehe ich nur das Cover vor mir, weiß, dass das Buch meiner Schwester gehörte und dass es um einen sprechenden Kater ging, der in meiner Erinnerung mit dem gestiefelten Kater verschmilzt. Als ich nun eine recht neue Ausgabe dieses Buches entdeckt habe, schlug mein Herz direkt ein wenig höher und ich freute mich darauf, die Geschichte wieder zu lesen. Warum aber freute ich mich auf diese Geschichte, obwohl ich von ihrem Inhalt so gut wie nichts mehr wusste? Vermutlich wurde dieses Buch meinen Schwestern und mir in gemütlicher Atmosphäre vorgelesen. Irgendetwas klingelt da bei mir… Aber egal, warum ich mich mit diesem Buch verbunden fühle, war ich nun neugierig auf die Geschichte und nun kann ich mit meinen frischen Eindrücken sagen: Die positiven Gefühle diesem Buch gegenüber sind durchaus gerechtfertigt! Es ist zu Recht ein Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur.

Besonders gut gefällt mir, das Tempo dieses Buches. Alles geht recht ruhig vor sich und es wird ganz viel erzählt. Hier kann man ansatzweise etwas von der alten Erzähltradition erfahren. Man sitzt beisammen und es werden Geschichten erzählt. Manchmal mag ich es nicht, wenn die eigentliche Geschichte von Märchen und anderen Erzählungen unterbrochen wird. Hier macht dies aber einen großen Teil des Buches aus und das Zurückbesinnen auf diese Art des Zusammenseins gefällt mir sehr gut. Insgesamt macht der altmodische Touch dieses Buches eine Menge seines Charmes aus.

Neben dem sprechenden Kater Mikesch gibt es noch seine Freunde Schusters Pepik, der ihm das Sprechen beigebracht hat, sowie das Schwein Paschik und der Ziegenbock Bobesch, die ebenfalls der Menschensprache mächtig sind. Gemeinsam erleben sie kleine, recht harmlose Abenteuer und Jungenstreiche. Egal, was sie auch tun, nie meinen sie es böse und ihr gutes Herz setzt sich am Ende immer durch. Richtig abenteuerlich wird es für Mikesch, als er in die weite Welt hinaus wandert, da er Großmutters guten Rahmtopf zerbrochen hat. Zu Hause aber trauert man dem guten Mikesch hinterher. Zwar gewinnen sie auch das neue Kätzchen Maunzerle lieb, aber an Mikesch heranreichen kann es natürlich nicht. Hier tut mir Maunzerle immer etwas leid, denn er kann ja auch nichts dafür, dass er Mikesch nicht ersetzen kann und irgendwie kommt er mir wie ein Kater zweiter Klasse vor. Aber am Ende gehört er dennoch irgendwie mit dazu und auch dem Leser wächst der kleine Kater mit Sprachfehler immer mehr ans Herzen. Auch Mikesch steht bei seiner Rückkehr dem Neuen positiv gegenüber und natürlich kommt er nicht nur mit Geschenken beladen zurück, sondern er hat auch jede Menge zu erzählen und so kommen abends wieder alle zu seinen Reiseerzählungen zusammen und auch wir als Leser können uns eingeladen fühlen, diesen Geschichten zu „lauschen“.

Nicht ganz so gut finde ich es, dass der ungezogene und teilweise gemeine Junge Tonda immer mit dem Adjektiv „böse“ belegt wird. Kommt er ins Spiel, so wird vom „bösen Tonda“ gesprochen, aber dies ist sicherlich auch der Entstehungszeit des Buches zuzusprechen. Immerhin wird die Prügelstrafe in diesem Buch auch nicht in Frage gestellt, was natürlich heute ebenfalls unakzeptabel wäre. Diese Dinge kommen aber nur am Rande des Buches vor und prägen es keineswegs. Im Vordergrund stehen Mikesch und seine Freunde, die gemeinsam erlebten Abenteuer und das gegenseitige Erzählen von Geschichten.

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass auch heute noch vielen Kindern dieser schöne Klassiker vorgelesen wird. Bücherwürmchen wird auf jeden Fall eines dieser Kinder sein!

 u1_978-3-7373-6277-1

Kater Mikesch von Josef Lada, nacherzählt von Otfried Preußler, Sauerländer Verlag, ISBN: 978-3-7373-6277-1, 13,90€