Humorvolle Szenen einer Familie: Wir mit dir sind vier

Eigentlich mag ich es ja gar nicht, wenn es in Rezensionen übertrieben oft heißt, dass ein Buch „soooo niedlich“ oder ähnliches sei. Diese Herzchenschwärmerei ist nicht unbedingt meine Sache, aber bei dem Buch „Wir mit dir sind vier“ kann man tatsächlich kaum anders. Ich war ja bereits von „Ich groß – du klein“ absolut begeistert und bin es nun bei diesem Buch wieder. Es zeigt einfach mit viel Humor die Realität einer Familie mit zwei Kindern.

In lustigen Bildern sieht man wie sich das Leben der Wieselfamilie gestaltet, wobei die kurzen beschreibenden und sich reimenden Wörter, einen Großteil des Witzes ausmachen. Es geht damit los, dass Mama und Papa („vornehm“ und „fesch“) mit Kind Nummer eins („ziemlich schick“) heiraten. Dann wird Mama „dick, dicker und ziemlich dick“ und Kind Nummer zwei kommt nach „Ohnmacht“ und „pressen“ mit einem „Schrei“ auf die Welt und ist „ab jetzt dabei“. Und von nun an ist das Leben noch bunter. Okay, Papa und Mama sind „müde“ und „müder“, aber das Große Geschwisterkind betrachtet neben den schlafenden Eltern „neugierig“ das „neue“ Geschwisterchen, welches nach und nach heranwächst. Schon bald wird das Einkaufen für die Eltern ziemlich anstrengend. Einer der Eltern geht noch recht gemütlich mit dem Einkaufswagen durch das Geschäft, während das große Kind herumflitzt und zum Eis möchte. Das kleine Kind krabbelt allerdings schon  und so muss der andere Elternteil schnell hinter ihm her rennen, damit nicht die ganze Dosenpyramide auf es  kippt. Beim Essen wird gegessen, geschlungen, geschmatzt und gematscht und während die Eltern beim Spaziergang „in Hektik“ und „in Eile“ sind, sind die Kinder „in Träumen“ und „in Pfütze“ – herrlich! Und wer kennt nicht die Situation, in der Alltagsdinge wie „kochen“ und „kehren“ erledigt werden, während sich die Kinder streiten und „klauen“ und „hauen“? Weiter geht es dann mit „schimpfen“, „schreien“, „schmollen“ und den elterlichen Gedanken „zu laut“.  Jede einzelne Seite in diesem Buch macht einfach unglaublich viel Spaß! Und erstaunlicherweise passt eigentlich jede Seite zum eigenen Leben.

Übrigens hat dieses Mal auch Bücherwürmchen richtig viel Spaß an dem Buch. Er kann die einzelnen Wörter, die die Situation von Mama, Papa, Kind eins und Kind zwei beschreiben nun schon selber lesen, und es fröhlich auf die eigene Familie beziehen. Als es bei der Kinderbuchchallenge auf Instagram um das Thema Familie ging, fiel ihm direkt dieses Buch ein.

Wir mit dir sind vier“ ist ein tolles Buch voller Liebe, Spaß, Leben und Chaos – so wie Familien nun einmal sind. Ein wunderbares Geschenk für alle, bei denen sich das zweite Kind angekündigt hat.

Wir mit dir sind vier von Lilli L’Arronge, Jacoby & Stuart, ISBN: 978-3-946593-16-4, 14,95€

Vom Einzelkind zum großen Bruder – nicht einfach!

Es ist für Kinder gar nicht so einfach, wenn auf einmal ein Geschwisterkind kommt, denn als Einzelkind kann man ja schon ein paar Privilegien genießen. Und so ist die Frage, die als Titel eines neuen Bilderbuchs herhält, „Bleibt der jetzt für immer?“ ganz normal.

In dem Bilderbuch ist es Elmore, der diese Frage stellt. Ihm ging es als Einzelkind einfach prächtig. Er hat ein eigenes Zimmer mit Fernseher, seine Spielsachen, die er selbst ordnen kann und Süßigkeiten, die er mit niemandem teilen muss. Und natürlich ist ihm die ganze Liebe und Aufmerksamkeit seiner Eltern gewiss. Aber dann kommt dieses kleine Wesen, welches Mama und Papa auch lieb haben. Vielleicht sogar lieber als Elmore?

Anfangen kann  man mit diesem Wesen überhaupt nichts. Das Einzige was es tut, ist, dass es Elmores Sachen durcheinander wirft und sogar seine Jelly Beans anlutscht. Und Elmore darf noch nicht mal böse mit ihm sein, weil es ja noch so klein ist. Als das Wesen dann größer wird, wird es auch nicht besser. Jetzt will es überall hin, wo Elmore auch ist und irgendwann zieht es sogar in seinem Zimmer ein. Darüber ist Elmore natürlich gar nicht begeistert, doch dann ändert sich alles. Bei einem schlechten Traum ist nun jemand da, der ihn in den Arm nimmt, beim Spielen ergänzen sich die Spielsachen der Kinder und es gibt jemanden, der mit ihm zusammen lacht. Aus dem kleinen Wesen ist Elmores Bruder Albert geworden.

Einfache Bilder und klarer Text

Das Bilderbuch thematisiert das Geschwisterkriegen auf tolle und humorvolle Art und Weise. Das Buch macht einfach Spaß und zwar sowohl durch den Text als auch die eigenwilligen Bilder von Lauren Child. Die Figuren mit den großen Gesichtern, bei denen die Proportionen nicht passen, sind eigentlich nicht als hübsch zu bezeichnen, aber sie haben etwas und sie drücken jede Menge aus. Die Hintergründe sind meist weiß und Räumlichkeiten fehlen. Man sieht hauptsächlich die Figuren, teilweise von ein paar ergänzenden Accessoires, um die es in dem Text geht.

Der Stil der Bilder passt zu dem Text. Auch dieser ist recht kurz und verzichtet auf besondere Schnörkeleien. Alles wird klar und direkt ausgedrückt.

Besonders gut gefällt mir, dass sich die Situation nicht direkt entschärft, wie dies in vielen Büchern der Fall ist. Nein, das Geschwisterkind bleibt erst einmal ein Störfaktor, was sicherlich durchaus realistisch ist, denn ein größeres Kind kann ja mit einem Baby wirklich noch nicht viel anfangen und erlebt zunächst erst einmal die negativen Auswirkungen. Die Eltern haben nicht mehr so viel Zeit für einen, man hört das Kleine ständig weinen, später macht es dann erst einmal alles kaputt und bringt alles durcheinander. Und es ist ja wohl auch nur all zu verständlich, dass es ziemlich nervt, wenn man ständig von einem Kleinkind, das noch nichts so richtig versteht, verfolgt wird. Schön, dass diese normalen, kindlichen Gefühle in diesem Bilderbuch thematisiert werden, aber es ist auch richtig und natürlich ebenfalls schön, dass Elmore am Ende eben dann doch noch erlebt, dass es toll ist, wenn man Geschwister hat.

Bücherwürmchen – ein stolzer großer Bruder

Ich hatte beim Vorlesen auch ein sehr schönes Erlebnis. Ich sprach Bücherwürmchen auf Elmores Situation an und erwartete, dass er aus der eigenen Erfahrung heraus, Verständnis für Elmore haben würde. Im Buch heißt es „Er wollte NICHT, dass ihm ein Kleinkind hinterherläuft“ und Bücherwürmchen sagte daraufhin: „Ich will, dass mir ein Kleinkind hinterherläuft und zwar genau dieses hier.“ Dabei zeigte er auf Büchermäuschen. Oh ja, Geschwisterliebe ist schon etwas sehr Schönes und die Mamaliebe blüht auf, wenn sie diese Geschwisterliebe erleben darf.

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Bleibt der jetzt für immer? von Lauren Child, Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-25297-4, 14,00€

In Büchern können Wünsche schnell in Erfüllung gehen

Manche Wünsche lassen sich nicht so einfach erfüllen. Zumindest in der Realität, in der Buchwelt ist schließlich alles möglich. Der kleine Peter braucht nur zu sagen „Ich will auch Geschwister haben“ und schon wird sein Wunsch in dem Bilderbuch „Ich will auch Geschwister haben“ von Astrid Lindgren erfüllt. Selbst Peter staunt darüber, wie schnell seine Mutter auf seinen Wunsch eingeht und ihm erzählt, dass das Baby in ihrem Bauch wächst. Als die kleine Lena dann auf der Welt ist, ist das aber erst einmal gar nicht so schön, wie Peter sich das vorgestellt hat. Lena ist ja nur ein kleines Bündel, welches immerzu schreit. Das schlimmste ist aber, dass Mama und Papa Lena so lieb haben und gar nicht mehr so viel Zeit für Peter haben. Aber seine Mama nimmt ihn ganz fest in den Arm und sagt ihm, dass sie nun den großen Peter ganz doll lieb hat. Und als Peter dann bei der Pflege der Schwester mithelfen darf, ist er dann doch stolz darauf ein großer Bruder zu sein.

Bücherwürmchen wünscht sich auch eine kleine Schwester und er fragte mich neulich, ob er eine bekommen würde und ob sie schon in meinem Bauch wachsen würde. Als ich dies verneinte, war er etwas enttäuscht darüber, dass ihm dieser Wunsch nicht so schnell erfüllt wurde wie Peter. Immerhin hatte er ja auch versprochen, dass er sie nicht – so wie Peter – hauen würde…

Auch wenn die Realität bei diesem Buch nicht ganz mithalten kann und ich einen Satz der Mutter zu Peter etwas komisch finde („Wir haben sie [die Schwester] für dich angeschafft.“), ist auch dieses Buch ein tolles Buch von Astrid Lindgren, welches schön aufzeigt, wie Kinder denken. Jans Freund hat ein Geschwisterchen bekommen, also möchte Peter auch eins haben. Doch eigentlich weiß Peter gar nicht, wie es mit einem Geschwisterkind ist und er muss lernen, damit umzugehen, dass die Eltern sich nun um zwei Kinder kümmern müssen, die sie natürlich beide sehr lieb haben. Eifersucht ist oft ein großes Thema, wenn das zweite Kind kommt. Hier wird dieses Thema kindgerecht aufgegriffen und nicht totgeschwiegen. Das gefällt mir gut. Eine einfache, kurze Geschichte, die aber viele Gefühle rund um ein Geschwisterkind zur Sprache bringt. Neben der Geschichte gefallen mir auch die Bilder sehr gut. Ich liebe ja die Bilder von Ilon Wikland, die mich immer an meine Kindheit erinnern. Sie sind bei mir untrennbar mit Astrid Lindgren verbunden. Ihren Stil erkennt man sofort. Natürlich ähneln sich manche Bücher dadurch auch, aber bei mir erhöht sich dann nur mein Herzschlag, weil ich sofort weiß, dass das ein schönes Buch für mich ist. Bücherwürmchen hat das allerdings ein wenig irritiert und er wunderte sich, dass dies kein Buch über Lotta aus der Krachmacherstraße ist. Gerade das Bild draußen, auf dem Peter seinen Freund Jan sieht, erinnert sehr an Lotta. Nicht nur die weißen Blüten, die vom Baum fallen, sorgen für diese Assoziation, sondern ganz besonders das kleine seilspringende Mädchen, welches Lotta tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sieht. Vielleicht ist sie das ja auch sogar? Kann doch sein, dass sie in der Nachbarschaft von Peter wohnt. Für Bücherwürmchen ist es jedenfalls ganz eindeutig Lotta.

 9783789160332

Ich will auch Geschwister haben von Astrid Lindgren und Ilon Wikland, Oetinger, ISBN: 978-3789160332, 12€