Stürmische Gefühle im Bilderbuch

Donnerwetter! Gefühle können einen manchmal so überfallen wie ein Gewitter. Aber zum Glück verschwinden die dunklen Wolken auch irgendwann wieder und auch der Ärger verdampft, wenn jemand da ist, der für einen da ist und er mit einem gemeinsam diesen Sturm übersteht.

Gefühle werden toll dargestellt

Gefühle können sich immer wieder verändern. Dies wird wunderbar in dem Bilderbuch „Donnerwetter! Ohne dich ist alles grau“ anhand eines Wettervergleiches aufgezeigt. Gefühle zu verarbeiten und zu erkennen, ist für kleine Kinder noch gar nicht so einfach. Dieses Buch schafft es die Gefühle sehr gut darzustellen und erfahrbar zu machen. Die strahlende Sonne ist ein Symbol, welches man sofort intuitiv erfasst. Aber dann passiert etwas und man ist traurig. Vielleicht weint man sogar. Aus den Wolken fallen nun Regentropfen. Die aufziehende Wut ist anhand der immer dunkler werdenden Wolken, dem aufkommenden Wind und schließlich dem Gewitter nachvollziehbar. Wettermäßig wird dieses Gefühl mit Donner und Blitz ausgedrückt, das Kind zeigt seine Gefühle vielleicht durch Schreien und Stampfen. Und wie kann dieses übermächtige Gefühl, welches zum Leben dazugehört, überwunden werden? Wenn jemand da ist, der einen in den Arm nimmt und bei einem bleibt, bis die Sonne wieder scheint.

Das Thema wurde hier sowohl in Text und Bild prima verarbeitet. Der Text ist relativ kurz, aber er reicht völlig aus. Die Bilder verdeutlichen, worum es geht und lassen es einen fühlen.

Sehr gut in dem Buch gefallen mir die klaren Illustrationen, die wie Collagen gestaltet sind. Die Gefühle werden hier prima widergegeben. Man spürt das Glück und die Wut.

Um wessen Gefühl geht es?

Für mich ist „Donnerwetter“ ein Buch, welches man intuitiv auffasst. Man spürt, worum es geht. Wer nun wirklich der Ich-Erzähler des Buches ist, ist mir nicht ganz klar. Geht es um den Hund auf dem Titelbild? Der ist allerdings auf den ersten Bildern im Buch nicht zu sehen und er stampft auch nicht auf den Boden auf, sondern er macht sich beim aufziehenden Gewitter ganz klein. Anfangs dachte ich, dass es um die kleine Wolke geht, die am Anfang so fröhlich lacht und dann immer mehr ihr Gesicht verzieht, aber auch das passt nicht überall. Ich vermute also, dass es um ein Kind geht, dass davon berichtet, wie es ihm bei wechselnden Gefühlen geht.

Etwas irreführender Titel

Mich hat dieses Buch als eine Reise durch die Gefühlwelt sofort interessiert. Ich muss zugeben, dass ich mir den Titel daraufhin nicht sonderlich aufmerksam angeschaut habe. „Donnerwetter!“ ist eine tolle, klare Aussage, die neugierig auf mehr macht. Allerdings ist der Untertitel „Ohne dich ist alles grau“ tatsächlich weniger gut gelungen. Mir persönlich ist dies gar nicht aufgefallen, aber als ich die Rezension zu diesem Buch auf Buchkind-Blog gelesen habe, konnte ich der Äußerung, dass dies eher auf ein Buch hindeutet, in dem es ums „liebhaben“ geht, direkt zustimmen. Es erinnert ja auch ein bisschen an Sheepworld: „Ohne dich ist alles doof“. Aber wie gesagt, von selbst wäre mir das so jetzt gar nicht aufgefallen.

Insgesamt gefällt mir das Buch wirklich gut. Ich finde einfach die Idee klasse, Gefühle mit dem Wetter zu vergleichen und dieser Vergleich ist durchgehend sehr gut gelungen.

Donnerwetter! Ohne dich ist alles grau von Kristina Damm-Volk und Katharina Staar, Oetinger34, ISBN: 978-3-95882-005-0, 9,99€

Erstaunlich, wie gut Fische Gefühle ausdrücken können

Das Buch „Heute bin ich“ ist sicherlich vielen bereits bekannt. Nun gibt es dieses Buch auch als Pappbilderbuch für die Kleinen.

In dem Buch verkörpern Fische verschiedene Gefühle und Stimmungen. In passenden bunten Farben werden die Fische dargestellt. Auch das dazugehörige Adjektiv, welches auf der gegenüberliegenden Seite zu lesen ist, spiegelt in der Art wie es geschrieben wird, die jeweilige Emotion wider.

Es ist unglaublich, wie treffend die Gefühle durch die recht einfachen Fischbilder dargestellt werden. Das kann man auch dadurch feststellen, wenn man größere Kinder die Gefühle benennen lässt ohne ihnen die Worte vorzulesen. Bei den meisten Bildern können die Kinder, die Emotionen tatsächlich sinngemäß richtig benennen. Auch man selbst kann die Stimmungen auf den Bildern beim bloßen Betrachten regelrecht spüren. So macht es viel Spaß mit Kindern über Gefühle zu sprechen.

Da die Bilder zwar genial gemacht sind, aber nicht allzu viel künstlerisches Talent voraussetzen, lassen sich die Bilder mit Kindern auch einfach nachmachen. Kinder könnten zum Beispiel einen Fisch malen, der ihre aktuelle Gefühlslage ausdrückt oder sie dürfen ihre eigene Vorstellung eines zornigen Fisches malen.

Ich finde dieses Buch wirklich toll, aber macht es Sinn dieses auch als Pappbilderbuch für die Kleinen herauszugeben? Können Kinder im Alter von ein bis drei Jahren überhaupt schon etwas mit diesem Thema anfangen? Als Bücherwürmchen in diesem Alter war, habe ich dieses Buch in der Bücherei gesehen, und es nicht ausgeliehen, da ich dachte, dass das noch etwas zu abstrakt für ihn ist, aber mittlerweile glaube ich, dass man hier ein wenig differenzieren muss. Einzelne Bilder und Begriffe kommen Kinder in diesem Alter natürlich erst einmal grundsätzlich entgegen und natürlich haben auch Kleinkinder schon viele verschiedene Emotionen. Sie können sie vielleicht noch nicht immer benennen, aber ich kann mir doch ganz gut vorstellen, dass sich hier viel im Unbewussten tut. Und genau hier setzt das Buch an. Man muss nicht alles komplett verstehen, es reicht wenn einem bestimmte Stimmungen vermittelt werden und Kinder dann nach und nach die Wörter dazu in ihrem Wortschatz aufnehmen. Vielleicht schaut man sich mit kleineren Kindern erst einmal die einfacheren Gefühle an, z.B. vergnügt (wobei ich hier für die Kleineren auch ein anderes Wort wählen würde). Begriffe wie z.B. stolz sind schon etwas schwieriger. Das ist selbst für Bücherwürmchen noch ein schwieriges Wort. Aber das Schöne ist ja, dass einem gerade diese einfachen Bilder irgendwie ein Gefühl für diese Wörter geben, ohne dass man das Wort erklären und in Worte fassen kann. Also, wie gesagt, ich glaube, man kann dieses Buch durchaus auch schon mit kleineren Kindern anschauen, aber vielleicht sollte man die Bilder dann erst einmal auf die Kinder wirken lassen ohne allzu viel zu erklären – es sei denn natürlich, die Kinder fragen nach. Um von der abstrakten Ebene ein wenig weg zu kommen, könnte man sich überlegen, was die Fische erlebt haben, was zu diesen Gefühlen geführt hat. Der verliebte Fisch ist vielleicht gerade an einem anderen Fisch vorbei geschwommen, den er ganz, ganz lieb hat und von dem er in den Arm genommen wurde. Deswegen ist er gerade so glücklich und am liebsten würde er noch ganz lange im Arm von dem anderen Fisch bleiben.

Ich selbst habe gerade kein Kind, das der Zielgruppe dieses Buches in der Pappausgabe entspricht, aber bald darf Bücherwürmchen dem Büchermäuschen erzählen, welcher Fisch erschrocken und welcher Fisch nervös ist.

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Heute bin ich von Mies van Hout, aracari Verlag, ISBN der Pappausgabe: 978-3-905945-56-0, 11,90€

 

Valentinstag mit Franz

Der Franz liebt viele Menschen“ und ich liebe den Franz, naja, oder besser gesagt die Bücher über Franz von Christine Nöstlinger.

Bei meinen Eltern wurde die Gemeindebücherei aufgelöst, in der ich als Kind auch häufig war. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, einigen Büchern aus der Bücherei ein neues zu Hause zu geben. Unter anderem nahm ich einen ganzen Stapel „Sonne, Mond und Sterne“-Erstlesebücher mit (mittlerweile heißt diese Reihe bei Oetinger „Büchersterne) und, ihr ahnt es natürlich schon, dabei waren auch einige „Franz-Bücher“. Passend zum Valentinstag möchte ich euch heute „Liebesgeschichten vom Franz“ vorstellen, welches 1991 erschien, aber in neuer Auflage immer noch erhältlich ist.

Ja, der kleine Franz lernt in diesem Buch, dass die Sache mit der Liebe gar nicht so einfach ist. Zunächst bekommt er dies alles anhand der Liebesprobleme seines Bruders mit. Erst interessiert sich Anna-Liese nicht für Josef und als dieser durch Franz‘ Intervention dann doch für sie spannend wird, hat Josef bereits ein anderes Mädchen ins Auge gefasst. Ganz schön kompliziert, die Sache mit der Liebe. Da hält Franz sich zukünftig lieber raus. Er liebt ja sowieso seine Freundin Gabi aus der Wohnung nebenan. Doof nur, dass diese auf einmal eine neue Freundin, Sandra, hat, mit der sie nun ständig spielt. Dass passt Franz gar nicht und er zeigt Gabi die kalte Schulter. Eifersuchtsdramen spielen sich ab, bei denen ehrliche und tiefste Gefühle eine Rolle spielen. Letztendlich klärt sich bei den Kindern aber doch alles recht schnell.

Zu einem späteren Zeitpunkt verliebt sich Franz bei einem Urlaubsaufenthalt bei den Tanten in das Nachbarmädchen Elfe und muss dabei die Erfahrung machen, dass man einerseits nicht vom Äußeren auf das Innere schließen kann und dass man andererseits in Liebesdingen auch ganz schön enttäuscht werden kann.

Das Buch behandelt gleich mehrere Aspekte der Liebe (Verliebtheit, Eifersucht, Enttäuschung, etwas für andere tun…) und nimmt dabei Kinder und ihre Gefühle ernst. Man fühlt mit dem sympathischen Franz mit und zweifelt nie daran, dass Liebe auch ein Thema für Kinder ist. Natürlich gehen sie diese Dinge anders an als Erwachsene, aber dennoch sind die Gefühle und der Wund auf Erwiderung der Zuneigung nicht weniger ernst zu nehmen. Wie gut kann man es nachvollziehen, dass Franz schrecklich leidet, als Gabi ihn auf einmal kaum noch beachtet, da sie nun mit Sandra befreundet ist und auch als er die schlechten Erfahrungen mit Elfe macht, die ihn einfach stehen lässt, möchte man ihn in den Arm nehmen. Dennoch ist es kein trauriges Buch, denn insgesamt sind die Franz-Geschichten einfach sehr erfrischend geschrieben. Franz ist kein großer Held, sondern ein kleiner, lieber Junge, von dem man gerne liest. Es ist eine Welt, in die man sich gerne einfindet. Man kann mit Franz mitfiebern und sich mit ihm identifizieren. Es geht um alltägliche Probleme, um Dinge, die einem selbst bekannt vorkommen und da macht es auch nichts aus, dass das Buch schon älter ist.

Ich habe ja schon oft geschrieben, dass mir viele Erstlesebücher nicht gefallen, da sie inhaltlich nicht sonderlich viel bieten. Aber auch das kann man natürlich nicht so pauschal sagen. Man muss eben nur genau hinschauen. Der Vorteil an der Oetinger-Reihe ist, dass die Bücher von namhaften Autoren stammen (Paul Maar, Astrid Lindgren, Kirsten Boie, Erhard Dietl etc.) und so durchaus jede Menge Lesespaß bieten. Dafür muss man dann eben auch schon ganze Seiten (ohne Bilder) lesen, was aber für Kinder, die Spaß am Lesen und Lust auf Geschichten haben, gut zu bewältigen ist.

Ich habe nun natürlich die alte Ausgabe von „Liebesgeschichten vom Franz“, bei der z.B. in der Schriftart noch nicht das Fibel-a (so wie es eben auch mit der Hand geschrieben wird) benutzt wird, aber ein Blick auf die neuen Cover zeigt mir, dass sich das geändert hat. Die Illustrationen scheinen darüber hinaus mittlerweile farbig zu sein. Sie stammen übrigens von Erhard Dietl, der u.a. die Olchis geschrieben hat.

Alles in allem ist „Liebesgeschichten vom Franz“ ein tolles Buch für Kinder der zweiten und dritten Klasse. Ja, auch heute noch, denn die ersten Erfahrungen mit der Liebe belieben wohl immer die gleichen. Zunächst kam mir zwar die Sprache in dem Buch ein wenig alt vor, aber ich glaube, das liegt auch daran, dass Christine Nöstlinger Österreicherin ist und somit eben Begriffe wie „Buben“ etc. verwendet, die für Menschen in Nordrhein-Westfalen wenig gebräuchlich erscheinen. Auch der Artikel vor jedem Namen ist gewöhnungsbedürftig, andererseits erzeugen gerade diese Eigenarten sofort ein bekanntes „Franz-Buch-Gefühl“.

Nun wünsche ich euch allen einen wunderbaren Valentinstag mit schönen Liebesgeschichten!

Übrigens: In den nächsten Tagen stelle ich euch den Franz noch einmal kurz vor, damit auch jeder weiß, um welche Kinderbuchfigur es hier geht.

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Liebesgeschichten vom Franz von Christine Nöstlinger, illustriert von Erhard Dietl, Oetinger Verlag, ISBN: 78-3-7891-2402-0, 7,99€ (Angaben und Bild zur neuen Ausgabe)

Wer ist Willi Wiberg?

In einer kleinen Reihe möchte ich von nun an, einige Kinderbuchfiguren auf meinem Blog vorstellen. Beginnen möchte ich mit Willi Wiberg, der, wie ich kürzlich erfahren habe, weniger bekannt ist, als ich angenommen habe:

Willi Wiberg ist ein schwedischer Junge zwischen vier und sieben Jahren (im Original: Alfons Ǻberg), der zusammen mit seinem Vater lebt. Von seiner Mutter erfährt man nichts. Dafür tritt manchmal seine Großmutter auf. Willis Freund heißt Viktor. Außerdem spielt Willi gerne mit Viktors Kusine Milla. Willi ist ein ausgesprochen lieber Junge, der zwar manchmal versucht seinen Vater ein wenig auszutricksen, damit er beispielsweise nicht ins Bett gehen muss, der aber auch etwas zurückhaltend ist und prügeln einfach nicht mag. Hat er sich mal nicht korrekt verhalten, dann quält ihn ein schlechtes Gewissen und er versucht es wieder gut zu machen. Mit Willi erlebt der Leser den ganz normalen Alltag eines Kindes mit all seinen Problemen und Besonderheiten. Einerseits taucht man mit Willi in Spielwelten mit großer Fantasie ein und man staunt über seine pfiffigen Ideen und andererseits werden Befindlichkeiten und Gedanken von Kindern zu verschiedenen Themen aufgegriffen: Wie bewältigt man den aufregenden ersten Schultag? Was macht man, wenn man gerne mit Milla spielt, aber alle Jungen sagen, dass Jungen nicht mit Mädchen spielen? Wann braucht man einen heimlichen Freund und wann kann man sich von ihm verabschieden?

Willi Wiberg ist einfach äußerst liebenswert. Er ist ein prima Kind, mit einem verständnisvollen, lieben Vater.

Auch die Bilder sind toll und haben einen großen Wiedererkennungswert. Besonders auffällig sind die großen Köpfe, insbesondere der ovale Kopf von Willi. Die Bilder selbst sind eine sehr interessante Mischung aus teils bunten Zeichnungen und collagenartigen Elementen.

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Vorgestellte Bücher auf diesem Blog Die besten Geschichten von Willi Wiberg“ und „Die schönsten Geschichten von Willi Wiberg“.

Gedanken zur Autorin von Willi Wiberg (Gunilla Bergström)

 

 

Willi Wiberg erreicht auch heute noch die Kinder

Vor etwa einem Jahr hatte ich ein Interview mit der Autorin Gunilla Bergström gesehen und mir anschließend ein paar Gedanken über ihre erfolgreiche Autorenschaft gemacht (siehe Beitrag). Unter anderem habe ich behauptet, dass sie „über das wahre Leben, über existenzielle Dinge, über echte Probleme und Gefühle“ schreibt, was natürlich zur Folge hat, dass ihre LeserInnen davon berührt werden. Es geht einen selbst etwas an. Und genauso ist es. Oh ja, das durfte ich ganz aktuell feststellen. Ich habe mir zwei Sammelausgaben von Willi Wiberg besorgt, da ich denke, dass Bücherwürmchen langsam bereit ist für diese Bilderbücher: „Die schönsten Geschichten von Willi Wiberg“ und „Die besten Geschichten von Willi Wiberg“. Es gibt ein paar einfachere Bilderbücher von Willi Wiberg, aber die meisten sind eigentlich eher für Vorschulkinder und Grundschulkinder geeignet, was auch dem Alter von Willi Wiberg entspricht, welches übrigens von Buch zu Buch variiert. Ich glaube, als jüngstes Alter werden 4 Jahre genannt, ansonsten ist er in den Sammelausgaben zwischen fünf und sieben Jahre alt. Die Situationen in den Büchern sind ganz unterschiedlich. Es kann um alltägliche Situationen gehen, aber auch um Konflikte und Probleme. Mal möchte Willi Wiberg abends absolut noch nicht schlafen und lässt sich lauter neue Dinge einfallen, die diesen Prozess verzögern, dann baut er sich mit Papas Werkzeugkasten was tolles zum Spielen, was sogar seinen Papa hinter der Zeitung hervorlockt und wieder ein anderes Mal ist er ganz nervös vor seinem ersten Schultag. All dies lässt sich gut lesen und nachvollziehen. Richtig ergriffen hat Bücherwürmchen aber die Geschichte „Willi Wiberg und das Ungeheuer“. Dass ihn eine Geschichte so mitgenommen hat, habe ich selten erlebt. Worum geht es überhaupt? Willi Wiberg hat einen kleineren Jungen geschlagen, weil er sich darüber ärgerte, dass dieser seinen Ball, den er selbst weggeschossen hat, nicht gefunden hat. Anschließend quält ihn das schlechte Gewissen. Er wird erst wieder richtig fröhlich, als er den kleinen Jungen Tage später gesund und munter trifft und er ihm sagen kann, dass er ihm gar nicht mehr böse ist, da er nun weiß, dass der Junge nichts dafür kann.

Bücherwürmchen blätterte nach der Lektüre immer wieder die Seiten durch und ich merkte schon, dass irgendetwas nicht stimmte. Dann schaute er grimmig auf das Bild von Willi Wibergs Faust und meinte: „Dummer Willi Wiberg!“ Als ich dann aber nickte, wurde er wütend und verneinte auf einmal seine eigene Aussage. Er konnte den Inhalt der Geschichte gar nicht richtig einordnen. Etwas später sagte er, dass er traurig sei und fing auch an zu weinen. Ich nahm ihn in den Arm und wollte wissen, warum er denn genau traurig sei, was er mir jedoch nicht sagen konnte. Er wisse es auch nicht, wegen der Geschichte eben. Präziser wurde er nicht. Ich glaube, das war alles noch nicht so ganz greifbar für ihn. Verstört haben ihn auch die Überlegungen und Gedanken Willi Wibergs, der, geplagt vom schlechten Gewissen, sich die Situation immer dramatischer ausmalt. Für Bücherwürmchen war es schwer zwischen der Aktion und den Gedanken zu unterscheiden.

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An Willi Wiberg habe ich mich noch aus meiner eigenen Kindheit erinnert. Es waren einfach Bilderbücher für mich, von denen ich einige gesehen hatte und die ich positiv in Erinnerung hatte. Jetzt weiß ich, dass es nicht flächendeckend nur irgendwelche netten Bilderbücher sind, die man sich mal eben anschaut. Ja, mit manchen, wie „Gute Nacht, Willi Wiberg“ geht dies sicherlich, aber andere von ihnen beinhalten Themen, die nach der Lektüre nicht einfach so abgehakt werden können. Nicht immer sind es gleich Geschichten zu einem großen oder dramatischen Thema, aber es sind häufig Geschichten, die Kinder berühren, da es ihr eigenes Leben betrifft und eigene Gefühle thematisiert werden. Darauf sollte man als erwachsener Vorleser gefasst sein und das Kind beim Lesen mit Gesprächen begleiten. Zu dem Buch „Willi Wiberg spielt doch nicht mit Mädchen“ kann man beispielsweise gemeinsam überlegen, was man denn eigentlich alles schönes mit Mädchen schon mal gespielt hat, „Jetzt wird gefeiert, Willi Wiberg“ bietet einen guten Gesprächsanlass zu eigenen Geburtstagsvorstellungen und natürlich kann man das Kind bei „Nur Mut, Willi Wiberg“ fragen, was es denn selbst in Bezug auf einen nahenden Schulbesuch denkt. Immer wieder geht es in den Willi Wiberg-Büchern darüber Ängste zu überwinden, zu sich selbst und seiner Meinung zu stehen und sich im Leben mit anderen zurecht zu finden. All dies sind Dinge, mit denen Kinder Tag für Tag konfrontiert werden und genau deshalb kommen die Willi Wiberg-Bücher auch heute noch bei ihnen gut an. Die Bücher kommen lebendig und ansprechend daher und wirken zunächst keineswegs wie schwere Lektüre, aber sie beinhalten bei näherem Hinschauen sehr viel. Ich kann sie nur empfehlen. Allerdings sollte man schon ein wenig auf die Themen achten, denn nicht jedes Buch eignet sich für jedes Alter und für jedes Kind.

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Die schönsten Geschichten von Willi Wiberg von Gunilla Bergström, Oetinger, ISBN: 978-3-7891-6348-7, 12,90€ (beinhaltet folgende Einzelbände: Willi und sein heimlicher Freund; Ganz schön schlau, Willi Wiberg; Pass auf, Willi Wiberg; Gute Nacht, Willi Wiberg)

Die besten Geschichten von Willi Wiberg von Gunilla Bergström, Oetinger, ISBN: 978-3-7891-7772-9, 12,95€ (beinhaltet folgende Einzelbände: Nur Mut, Willi Wiberg!; Willii Wiberg und das Ungeheuer; Willi Wiberg spielt doch nicht mit Mädchen; Jetzt wird gefeiert, Willi Wiberg)

Auch solche Tage gibt es: Der Dachs hat heute einfach Pech

Neulich kam Bücherwürmchen mit einem Buch und folgenden Worten zu mir: „Mama, du alte Mohrrübe, das Buch haben wir schon ganz lange und du hast immer noch nichts darüber geschrieben!“ Ja, Recht hat er… Seit Büchermäuschen bei uns ist, sind hier leider einige Bücher liegen geblieben, aber ich werde über jedes einzelne noch schreiben. Aber jetzt schiebe ich mal schnell das Buch dazwischen, welches Bücherwürmchen hervorgekramt hat: „Der Dachs hat heute einfach Pech“.

Der Dachs ist uns bereits aus dem Buch „Der Dachs hat heute schlechte Laune“ bekannt, wo er die Erfahrung macht, wie schnell schlechte Laune ansteckend wirkt und was man gemeinsam dagegen tun kann. Dieses Mal steigt der Dachs dahingegen mit deutlich besserer Laune aus dem Bett. Er möchte einfach nur Spaß haben, doch dann geht einfach alles schief. Die Lieblingstasse fällt herunter und zerbricht, er kann seine Buntstifte nicht finden und draußen stolpert er über den Spaten. So macht er sich auf den Weg um seinen Freunden von seinem Leid zu klagen, doch dazu kommt er gar nicht, denn seine Freunde haben auch alle gerade ein Problem: Dem Waschbär ist die Wäscheleine gerissen, der Ball des Hirschs ist verschwunden, die Angel des Kaninchens hat sich verknotet usw. Statt sich bei seinen Freunden auszuweinen, hilft der Dachs ihnen dabei ihre Probleme zu beseitigen und als er dann nach Hause kommt, erwartet ihn eine Überraschung. Die anderen Tiere sind bei ihm und haben dort einiges in Ordnung gebracht. Nun steht einem lustigen „Was für ein blöder Tag“-Spiel nichts mehr im Wege.

Das Buch hat es tatsächlich nicht verdient, so lange nicht von mir beachtet zu werden, denn uns allen gefällt dieses Buch: Papa, Mama und Bücherwürmchen. Es erzählt eine Geschichte, die zeigt, dass jedem mal ein Missgeschick passiert und wie schön es ist, wenn man sich in einem solchen Fall gegenseitig hilft. Dazu gibt es liebevoll illustrierte Bilder, die gerade auch die Kleinen gut ansprechen. Wir haben auch ein Plakat und eine Postkarte von diesem Buch und als Bücherwürmchen diese gesehen hat, hat er sich richtig gefreut: „Das ist doch von diesem Dachs, der immer Pech hat!“

Die Geschichten vom Dachs sind schon für kleinere Kinder gut nachvollziehbar. Es sind keine komplizierten Erzählungen und die S ätze sind klar und strukturiert. Man erhält schlicht und ergreifend sehr schöne Geschichten, die aus der Lebenswelt der Kinder stammen und gleichzeitig eine Botschaft vermitteln. Mehr kann man sich von einem Buch nicht wünschen.

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Der Dachs hat heute einfach Pech von Moritz Petz, illustriert von Amélie Jackowski, NordSüd Verlag 2015, ISBN: 978-3-314-10231-8, 13,99€

Freundschaft und Eifersucht im Besteckkasten

Es funktioniert immer wieder. Gibt es bei einem Buch oder einer Zeitschrift ein kleines Extra, so sind Kinder gleich Feuer und Flamme. Selbst bei einem Plastiklöffel geht diese Taktik auf. Bücherwürmchen war sofort begeistert von dem Löffel, der dem Buch „Löffel und seine Freunde“ beiliegt. Er freut sich jedes Mal, wenn er ihn aus der Schublade holt und wundert sich, warum es nicht auch ein Messer und eine Gabel gibt. Immerhin gehören die drei ja zusammen und sind gute Freunde. Gute Freunde? Wirklich? Am Anfang des Buches klingt das gar nicht danach. Da ist Löffel gerade ganz traurig, weil Messer und Gabel meinen, dass Löffel eigentlich gar nicht benötigt wird und sie von nun an nicht mehr seine Freunde sind. Wie ist es nur dazu gekommen? Früher haben die drei doch immer zusammen gespielt und auf einmal wird ständig gezankt? Tja, jeder will vor den anderen auftrumpfen und der Beste sein. Dabei müssen natürlich andere schlecht gemacht werden und am besten geht das, wenn man jemanden an seiner Seite hat, mit dem man gegen den anderen hetzt und so ist schnell eine Streiterei im Gang. Letztendlich geht es um Neid und Eifersucht, so dass die Freundschaft in Gefahr gerät. Doch zum Glück springt Messer, der es gar nicht ertragen kann, dass andere gelobt und die Stärken anderer hervorgehoben werden, über seinen Schatten und gesteht, dass er einfach nur eifersüchtig auf Löffel war und ihn deshalb ausschließen wollte. Und darüber freut sich auch Bücherwürmchen, denn er meint, dass man den Löffel doch bei einer Suppe braucht. Ja, man braucht sie alle drei – außer man lebte in der Ritterzeit, wie mein kleines neunmalkluges Kind anmerkte – und so ist es gut, wenn wieder Frieden herrscht.

Die Geschichte zeigt schön auf, wie ein Streit entsteht und wie er wieder beendet werden kann. Gefühle und Eitelkeiten werden fein herausgearbeitet und man kann hier gut erfahren, wie zerbrechlich eine Freundschaft ist. Ja, dieses Buch ist auch ohne den mitgelieferten Löffel äußerst empfehlenswert. Es erzählt eine Geschichte anhand des Bestecks, die aus dem Leben kommt, eine Geschichte, die sich so ähnlich sicherlich immer wieder im Kindergarten abspielt. Aber hier kommen mal ganz andere Protagonisten zur Sprache, was der Geschichte einen besonderen Schwung verleiht. Das Besteck wird lebendig und wächst einem dabei durch den Erzählstil, der einer mündlichen Erzählung nahe kommt, und die Bilder direkt ans Herzen. Das wird natürlich durch den echten Löffel, der einen immer wieder an die Geschichte erinnert, unterstützt.

Aufmerksamkeit erweckt das Buch durch den Löffel, aber die Geschichte wirkt auch für sich alleine genommen.

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Löffel und seine Freunde von Monika Hülshoff und Martina Matos (Illustrationen), Baumhaus Verlag, ISBN: 978-3-8339-0265-9, 14,99€

Fliegen wie ein Schmetterling

Hm, gerne würde ich das Bilderbuch „Trampolina“ gerne mögen, denn es handelt von einem wichtigen Thema: Es geht um Anderssein und dem Wunsch dazu zu gehören, ums Träumen und um die Verwirklichung von Träumen und somit dem Entdecken eigener positiver Eigenschaften. Und dabei wird nicht nur das Mädchen Polina, um die es in dieser Geschichte geht, in den Mittelpunkt des Buches gestellt, sondern eigentlich hat alles auch etwas mit ihrem Namen zu tun. Die Idee, den Namen als Dreh- und Angelpunkt zu benutzen gefällt mir gut: Polina ist zu trampelig und dick um im Ballettkurs zu bleiben, dabei klingt doch ihr Name ein wenig so wie Schmetterling auf französisch: Papillon. So leicht und zart wie ein Schmetterling wäre Polina gerne. Dann könnte sie einfach davon fliegen. Am Ende darf sie dieses Gefühl des Fliegens tatsächlich Erleben: Auf dem Trampolin springt Polina wie eine Feder in die Luft – sie wird zur glücklichen Trampolina und ist nicht mehr die Trampel-Polina über die alle nur lachen.

Das Grundgerüst der Geschichte ist also ganz schön, allerdings hat die Geschichte leider einige Haken und sie vermag es nicht mich in ihren Bann zu ziehen. Sie bezaubert mich nicht und Polina kann mich nicht für sich gewinnen. Ja, mir gefällt es nicht, dass einem Kind vermittelt wird, dass es zu dick und zu trampelig ist und ich kann nachvollziehen, dass sie traurig ist, aber dennoch ist Polina kein Kind, welches mir sympathisch ist und welches mich interessiert. Vieles bleibt einfach zu wage. Warum gibt es diese Verbindung zum Französischen? Was soll das Sprichwort vom französischen Nachbarn in dem Buch aussagen? Polina versteht es ja selber nicht und kann es nicht erklären. Am schlimmsten ist aber die Stelle, an der Polina einfach den Zirkusartisten zum Trampolin folgt. Erst kommt ihr noch in den Sinn, dass sie auf keinen Fall mitgehen darf, weil ihr die Artisten ja fremd sind. Aber dann sieht sie das Trampolin und geht doch mit. Gilt der wichtige Satz, dass man nie mit Fremden mitgehen soll, auf einmal nicht mehr, wenn es etwas gibt, was man gerne machen möchte? Was ist das nur für eine gefährliche Botschaft in einem Bilderbuch? Man versucht doch seinen Kindern gerade zu vermitteln, dass sie auch dann nicht mit fremden Menschen mitgehen dürfen, wenn sie ihnen ein verlockendes Angebot machen. Für mich disqualifiziert sich das Bilderbuch durch diese Szene völlig und ich möchte es meinem Kind gar nicht erst vorlesen. Schade, dabei hätte man doch Polina durch eine kurze Nachfrage bei den Eltern, die Polina vielleicht zu den Artisten begleiten, das Ganze umgehen können.

Auch die Bilder sprechen mich leider nicht sonderlich an. Sie versuchen Gefühle und Stimmungen zu transportieren, aber mir gefällt die Art der Zeichnungen, insbesondere die der Figuren nicht sonderlich. Es passt zum Selbstgefühl Polinas, wenn sie zu Beginn des Buches nicht besonders farbig herüber kommt, aber auch mir als Leser fehlt dabei etwas. Hier steckt für mich zu viel Botschaft hinter den Bildern. Es ist mir beim Anschauen der Bilder zu anstrengend hier so viel hineinzudeuten. Ich sehe zunächst nur die farblosen Bilder, die keine Energie ausstrahlen und werde dadurch nicht angesprochen. Zum Ende des Buches hin wird es dann besser, aber so richtig schön finde ich auch hier die Bilder nicht.

Hm, wie gesagt, die Idee, die hinter dem Buch steckt, ist schön, und die Aussage, dass auch Kinder, die nicht in jedes Schema hineinpassen, liebenswert sind und Talente haben, ist sehr wichtig, aber die Umsetzung kann mich nicht überzeugen.

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Trampolina von Soheyla Sadr vom Patmos Verlag 2015, ISBN: 978-3-8436-0628-8, 12,99€

Wut ist ein rotes Gefühl

In dem Buch „Balduin bleibt grün“ haben wir das Chamäleon Balduin bereits kennen gelernt. Balduin ist ein mutiges Chamäleon, welches nicht einfach alles so tut, nur weil Chamäleons das so machen. Er hinterfragt Verhalten und erst nachdem ihm der Sinn einer Verhaltensweise erklärt wurde, wendet er sie auch an. Am Beispiel von Balduin können Kinder also sehen, dass es wichtig ist, Fragen zu stellen, die Welt zu begreifen und ein aktiver Teil von ihr zu werden. Aber Balduin zeigt uns noch mehr und zwar in dem Buch „Balduin ist rot“. Hier geht es darum, wie Wut entsteht und wir man am besten mit ihr umgehen kann. Sicherlich ebenfalls ein Thema, welches Kindern aus ihrem eigenen Alltag nur allzu bekannt vorkommt.

Eines Tages läuft in der Schule bei Balduin einfach alles falsch. Erst wird er nicht dran genommen, als es darum geht das „B“, welches immerhin der erste Buchstabe seines Namens wird, an die Tafel zu schreiben, dann war er beim Klettern zu langsam, weil er Kalle, der hängen geblieben ist, geholfen hat und dann bekommt er auch noch Ärger, weil er beim Verstecken angeblich den Hof verlassen hat, dabei gehört doch der Zaun wohl zum Hof, oder etwa nicht?! Balduin wird knallrot und die anderen Chamäleons schauen ihn ganz verwundert an. Dies ist für die Lehrerin Frau Sogehtdas ein Anlass, mit den Chamäleonkindern über das Wütend-werden zu sprechen. Und auf einmal fällt allen Chamäleons ein eigenes Beispiel ein. Aber was kann man tun, wenn man wütend wird? Gemeinsam fällt den Kindern eine gute Möglichkeit ein: Für die Klasse wird ein Boxsack angeschafft. Und als sich Emilia bei Balduin für den Boxsack bedankt, stellt er fest, dass man auch aus anderen Gründen ganz rot werden kann…

Der Autorin ist eine weitere schöne Geschichte von Balduin gelungen. Auch hier geht es um ein wichtiges Thema, welches Kinder beschäftigt. Wie oft werden sie doch selber wütend und wissen nicht, wohin mit all ihrer Wut. Das Buch bietet einen guten Anlass um selbst Lösungen für dieses Problem zu finden. „Balduin bleibt grün“ gefällt mir allerdings noch ein bisschen besser als dieses Buch und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen hat dieses Buch einen anderen Illustrator und zum anderen kommt mir gerade die Szene im Klassenraum, in dem das Thema aufgearbeitet wird, doch ein wenig zu lehrhaft und pädagogisch herüber. Der Wechsel des Illustrators ist schade. Auf mich wirken die Bilder in dem ersten Balduin-Buch liebevoller. Im vorliegenden Buch sind mir die Bilder zu großflächig. Es fehlt an Details, so dass die Bilder nicht so lebendig sind wie in dem Buch „Balduin bleibt grün“.

Die Farbe rot ist hier natürlich gut gewählt und auch Kinder verstehen schon, was mit ihr ausgedrückt werden soll. Das Thema des Buches wird also nicht nur über den Text, sondern auch über die Bilder von den Kindern gut wahrgenommen. Mir gefällt gut, dass das Thema Gefühle, welches ja recht abstrakt ist, auf diesen verschiedenen Ebenen behandelt wird: Einmal geht es um die Symbolisierung durch die Farbe rot, dann geht es um das Gefühl im Bauch eines Kindes und letztendlich um das Ausbrechen des Gefühls nach Außen, was hier alles auch noch versprachlicht wird, so dass verschiedene Sinne des Kindes beim Lesen des Buches angesprochen werden.

Die Idee und die Geschichte von „Balduin sieht rot“ gefallen mir insgesamt gut, auch wenn das erste Buch mich noch ein bisschen mehr überzeugen konnte. Für mich steht aber auf jeden Fall fest, dass Balduin ein äußerst sympathisches Chamäleonkind ist, in welches man sich gut hineinversetzen kann.

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Balduin sieht rot von Fritzi Bender und Sebastian Niemann, Edition Oktopus 2014, ISBN: 978-3-95645-374-8, 14,95€

Minimax – Tolle Klassiker in kleinem Format

Ein Bilderbuch in einem großen, auffälligen Format zieht natürlich Aufmerksamkeit auf sich, auch meine! So ein Buch beeindruckt und es macht Spaß es anzufassen. Auf der anderen Seite lerne ich gerade die Bücher im kleinen, handlichen Format zu schätzen, z.B. Pixi-Bücher (bzw. ähnliche Bücher aus anderen Verlagen) oder die Minimax-Bücher. Sie sind einfach äußerst praktisch. Kinder können sie gut selbst halten und selbst im vollen Urlaubskoffer finden sie immer noch ein Plätzchen. Gerade bei der Minimax-Reihe kann ich beinahe blind zugreifen, denn hier erscheinen viele schöne (neuere) Bilderbucklassiker („Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“, „Freunde“, „Oh, wie schön ist Panama“, „Frederick“, „Adieu, Herr Muffin“ und einige andere). Zwei Bücher aus der Minimax-Reihe habe ich auch schon in diesem Blog vorgestellt: „Das große Gähnen“ und „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“: Beide Bücher sind hier sehr beliebt, insbesondere das Buch von Axel Scheffler und Julia Donaldson. Nun habe ich zwei weitere Bücher aus der Reihe vor mir legen, bei denen ich allerdings nicht so recht weiß, was ich von ihnen halten soll. Sowohl „Oscars Autos“ als auch „Mama, ich mag dich…“ erzählen eine tolle Geschichte, die jeweils die Sichtweise bzw. die Fantasie von Kindern gut darstellt, aber ich frage mich, wie die Geschichten von Kindern wahrgenommen werden.

In dem Buch „Oscars Autos“ wird das Spiel mit Autos zur erlebten Wirklichkeit. Es ist Nacht, aber das Telefon von Oscar steht nicht still. Alle brauchen Oscars Hilfe. Oscar soll das Feuerwehrauto fahren und er koordiniert die Lösung des Kioskbrands, anschließend fährt er das Abschleppauto und holt viele kaputte Autos von einer Straße. Das Genörgel der Menschen, denen es nicht schnell genug gehen kann, macht ihm jedoch keinen Spaß und so legt er sich ins Bett. Doch auch dort hat er keine Ruhe, denn wer soll den Lastkran am Hafen bedienen? Aber das hat Zeit bis zum nächsten Morgen…

Da staunen die Kinder beim Lesen: Oscar darf all die großen Autos fahren und er allein bestimmt, wie alles zugeht. Klasse, das möchte doch jedes Kind einmal! Aber warum kann nur Oscar das Feuerwehrauto fahren? Diese Frage stellt sich Bücherwürmchen natürlich. Warum soll Oscar allen helfen? Ja, ihm gefällt die Geschichte, in der es auf den Bildern große Fahrzeuge zu sehen gibt und bei der die Massenkarambolage überspitzt dargestellt wird, aber so richtig einordnen kann er sie nicht. Das Cover zeigt, worum es in der Geschichte eigentlich geht: Oscar spielt mit seinen Autos und natürlich bestimmt er, wie es dabei zugeht. Betrachtet man die Geschichte als Spiel eines Kindes, so kann man sicherlich viel von dem Spielverhalten des eigenen Kindes darin entdecken. Auch Bücherwürmchen lässt die Feuerwehr zu vielen Bränden fahren und bei einem Unfall fliegen die Autos schnell mal wild durch die Gegend. Das Buch erzählt das Spiel eines Kindes mit Autos sehr treffsicher und passend. Allerdings nehmen Kinder dieses Buch wie auch ihr eigenes Spiel ernst. Was in dem Buch passiert, geschieht für sie wirklich, aber es wundert sie, wieso es so ist. Warum kann nur ein Junge all diese großen Autos fahren? Und man sollte ihnen bloß nicht sagen, dass es sich hier „nur“ um Oscars Fantasie handelt, denn das würden sie erstens nicht akzeptieren und zweitens würden sie dagegen protestieren, wenn man ihr Spiel auf diese Wiese herabsetzen würde. So bleibt „Oscars Autos“ eine schöne Geschichte, die ein wenig in der Luft hängt.

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Mama, ich mag dich…“ finde ich persönlich wunderschön. Die Bilder sind niedlich und die Geschichte ist äußerst humorvoll, inklusive einer überraschenden Wendung. Hasensohn erzählt, warum er seine Mama, die er eigentlich sehr lieb hat, nicht mag. Dabei nennt er neben Argumenten wie dass sie ständig keine Zeit hat, auch ein unerwartetes Argument, über das man lachen muss, indem aber auch viel Wahrheit steckt.

Mir gefällt dieses Buch so gut, weil es einfach die Beziehung zwischen Mutter und Sohn so herrlich skizziert und auf den Punkt bringt. Wirklich klasse gemacht! Aber verstehen auch Kinder, die gerade selbst voller widersprüchlicher Gefühle ihrer Mutter gegenüber sind, den Witz dieses Buches? Ich glaube eher nicht. Bücherwürmchen kann sich jedenfalls nicht mit dem Hasenkind identifizieren und meint, dass das bei uns nicht so wäre. Irgendwie scheint er mich verteidigen zu wollen. Das Buch gefällt ihm trotzdem: „Ich das schön, weil da jemand so wütend ist. Das mag ich.“ Hm, ich glaube, das ist zwar eigentlich nicht die Aussage des Buches, aber schön, wenn ihm dieses Buch gefällt. Ich mag es nämlich wirklich, aber aus anderen Gründen…

Übrigens kann ich mir gut vorstellen, dass dies ein schönes Muttertagsgeschenk ist und wie sagt man doch so schön: „Muttertag ist an jedem Tag!“

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Oscars Autos von Carl Johan de Geer und Jan Lööf, übersetzt von Andrea Lüthi, Beltz & Gelberg 2015, Minimax, ISBN: 978-3-407-76152-1, 5,95€

Mama, ich mag dich… von Komako Sakai, übersetzt von Ursula Gräfe, Beltz & Gelberg 2015, Minimax, ISBN: 978-3-407-76153-8, 5,95€