Pettersson im Pappbilderbuch suchen

Pettersson und Findus – oh ja, das waren lange Zeit die Lieblingsbuchhelden von uns. In letzter Zeit haben wir allerdings die Bücher von dem kauzigen Alten und seinem Kater Findus weniger in die Hand genommen. Da wirkt es überaus anregend, wenn ein neues Buch von den beiden ins Haus flattert. „Wo ist Pettersson?“ ist zwar nur ein kleines Pappbilderbuch, aber auch dieses Buch hat uns viel Spaß gemacht und uns wieder Lust auf Pettersson und Findus gemacht. Außerdem merkt man auch diesem Buch an, warum Pettersson und Findus so beliebt sind: Es steckt einfach unglaublich viel Humor in diesen Büchern. Der Text besteht in erster Linie aus Dialogen, was den Inhalt sehr lebendig macht. Pettersson und Findus sind Figuren, die man sofort liebgewinnt und zwar sowohl durch den Text als auch durch die Bilder, welche in diesem Buch etwas ruhiger gestaltet sind als in den anderen Bilderbüchern. Es gibt aber natürlich trotzdem noch genug zu entdecken, während es gleichzeitig kleineren Kindern erleichtert wird sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Das Buch ist für Kinder ab zwei Jahren und ich denke auch, dass Kinder ab diesem Alter Spaß an dem Buch und an der Geschichte haben, wobei sie sicherlich nicht jeden Witz verstehen werden. Der Schlagabtausch, den sich Findus mit den Hühnern und den Mucklas liefert, ist recht rasant und für kleinere Kinder sicherlich nur in Teilen verständlich, aber die Grundgeschichte ist gut zu verstehen:

Findus hat für Pettersson ein Bild gemalt, welches er nun Pettersson natürlich schenken möchte, doch der Alte ist nicht zu finden. Findus fragt die Hühner und verschiedene Muckla um Hilfe, die ihm jedoch wenig hilfreiche Antworten geben. Auch die Kühe sind in dieser Hinsicht nicht besser. Am Ende findet Findus Pettersson dann aber doch und dabei stellt sich heraus, dass auch Pettersson nach Findus gesucht hat, denn auch er hat eine Überraschung für den Kater.

Auch größere Kinder haben an dieser Geschichte noch viel Spaß. Sie lachen über die Witze und freuen sich darüber, dass Pettersson Findus so ein tolles Auto gebaut hat.

Insgesamt erzählt das Buch eine schöne runde Geschichte. Es lohnt sich auf jeden Fall die Pettersson und Findus-Sammlung mit diesem Buch zu erweitern.

Wo ist Pettersson? von Sven Nordqvist, übersetzt von Kerstin Behnken, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-0496-1, 7,99€

Onno und Ontje – eine herrliche Freundschaft

Kennt ihr schon die beiden Freunde Onno und Ontje? Die zwei sind einfach nur liebenswert! Mittlerweile ist bereits das zweite Buch von ihnen herausgekommen: „Onno & Ontje – Ein Freund hilft dem anderen. Immer!

Ein kranker Freund braucht Aufmerksamkeit

Nachdem im ersten Buch der kleine Otter Ontje bei dem kauzigen Fischer Onno ans Land gespült wurde und sich die beiden angefreundet haben, obwohl Onno eigentlich am liebsten alleine ist, verbringen die zwei nun ganz selbstverständlich die Tage auf der Insel gemeinsam. Seitdem Onno auf dem Meer seekrank wurde, fährt nun seine Frau Olga mit dem Bott zum Fischen hinaus und Onno putzt, kocht, mäht den Rasen und tut eben alles, was es so auf der Insel zu tun gibt. Dazu gehört auch die Draisine zu reparieren, mit der sie manchmal zum Festland fahren. Onno macht sich mit Feuereifer an die Arbeit, doch Ontje liegt nur schlapp daneben. Es geht ihm nicht gut. Er meint, dass er krank sei und Onno sich um ihn kümmern muss. Onno tut alles, was Ontje sich von ihm wünscht, aber nachdem er dem Otter einen Kräutertee gebracht hat, flitzt er direkt wieder zu seiner Draisine um weiter zu arbeiten. Das gefällt Ontje gar nicht. So geht das nicht. Ein Freund muss sich richtig um seinen kranken Freund kümmern, sich zu ihm ins Bett legen, etwas vorlesen und die ganze Zeit für einen da sein. Und Onno sieht das letztendlich auch ein und so wird Ontje blitzschnell wieder gesund, doch am nächsten Tag ist Onno krank und die Rollen kehren sich um.

Freundliche Bilder mit witzigen Details

Onno und Ontje sind toll, wobei mir das erste Buch noch ein bisschen besser gefallen hat als das zweite. Die Geschichte hatte noch etwas mehr Gehalt. Dennoch ist das Gesamtpaket absolut empfehlenswert. Beim zweiten Buch haben die zwei mich letztendlich auch an Pettersson und Findus erinnert: Auch hier gibt es schließlich einen kauzigen Mann und ein aufgewecktes, munteres und pfiffiges Tierchen, das genau weiß, wie es mit dem menschlichen Freund umgehen muss. Außerdem gibt es in den Onno & Ontje-Büchern auf den Bildern ebenfalls sehr viel zu entdecken, wenn der Stil auch ein ganz anderer ist als bei Pettersson und Findus.

Die Bilder bei Onno und Ontje sind einfach klasse. Es gibt viele witzige Details und aus ihnen spricht unglaublich viel Wärme und Lebensfreude. Hier findet man eine heile Welt, die aber nicht kitschig wirkt, sondern fröhlich und ansprechend.

Mir gefallen diese Bücher insbesondere auf Grund der Bilder sehr gut. Außerdem lassen sie sich gut lesen und machen Spaß. Das sind die Gründe, warum ich persönlich zu diesen Büchern greife, aber letztendlich vermitteln sie auch wichtige Botschaften, z.B. wie man sich in einer Freundschaft verhält und was im Leben wichtig ist. Sehr schön ist auch, dass sich hier mal der Mann ums Haus etc. kümmert und die Frau die Arbeit auf dem Meer übernommen hat. Meines Erachtens ist Olga allerdings ein wenig außen vor und sie passt nicht so ganz in die Geschichte, auch wenn sich Onno und Ontje über ihre Rückkehr freuen. Ich weiß jedoch von anderen Leserinnen, dass sie Olga nicht so wie ich als überflüssig wahrgenommen haben.

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Onno & Ontje – Ein Freund hilft dem anderen. Immer! Von Thomas Springer und Matthias Derenbach, Coppenrath Verlag, ISBN: 978-3-649-67154-1, 12,99€

 

25 Jahre Regenbogenfisch und ein neues Abenteuer

Ich glaube, jeder der Kinder hat oder mit ihnen zu tun hat, kennt ihn, den Regenbogenfisch. Und mittlerweile können viele sogar sagen, dass sie ihn noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, denn der Regenbogenfisch ist schon 25 Jahre alt. Eine Erfolgsgeschichte, die sich auch in einigen Folgebänden niederschlägt. Ganz aktuell ist das Buch „Der Regenbogenfisch lernt verlieren“ herausgekommen.

Ich muss sagen, dass ich dem Regenbogenfisch ein wenig skeptisch gegenüber stehe, da mir das Buch ein wenig zu lehrhaft herüber kommt. Ja, die Botschaften, die er vermittelt sind richtig und wichtig, aber diese Absicht kommt mir zu stark herüber. Dennoch wird der Regenbogenfisch gerade in Einrichtungen gerne eingesetzt und er hat dort sicherlich auch seinen berechtigten Platz. Kinder mögen den Regenbogenfisch, was sicherlich auch am Glitzer liegt. So etwas macht in einem Buch schon etwas her. Außerdem erlebt der Regenbogenfisch Situationen, die Kindern bekannt vorkommen.

Thema: Verlieren

Nun möchte ich mal einen Blick auf das neue Buch werfen: „Der Regenbogenfisch lernt verlieren“ Der Titel zeigt bereits, dass hier wieder eine Botschaft vermittelt werden soll, aber das kennt man ja vom Regenbogenfisch. Das Thema ist spannend. Es gibt viele Kinder (und auch Erwachsene, zu denen ich leider auch gehöre), die nicht gut verlieren können. Wie geht man damit um? Vielleicht präsentiert uns ja das Buch eine gute Lösung.

Die Fische spielen verstecken. Zuerst sucht der Regenbogenfisch, aber alle drei Fische haben sich so geschickt versteckt, dass er sie nicht finden kann, obwohl er doch die meisten Verstecke gut kennt. Und als dann der kleine Blaue mit suchen an der Reihe ist, findet er sofort den Regenbogenfisch. Das ist zu viel für ihn. Ärgerlich und schimpfend schwimmt er davon, was den kleinen Blauen traurig macht. Rotflosse schwimmt dem Regenbogenfisch hinterher und spricht mit ihm. Er zeigt Verständnis und erklärt dem Regenbogenfisch wie unfair er sich verhalten hat. Der Regenbogenfisch sieht das ein, entschuldigt sich und spielt wieder mit.

Auf den Bildern sieht man vor allem die Fische, umrahmt von ein paar Algen. Der Hintergrund ist mal weiß, mal farbig, wobei hier mehr Wert auf die Gefühle als auf Realität gelegt wurde. So ist der Hintergrund auf der Seite, auf der der Regenbogenfisch wütend wegschwimmt, in einem Rotton gehalten, was die Atmosphäre gut unterstreicht. Auch an den Gesichtsausdrücken der Fische kann man meistens gut ihre Gefühle ablesen. Ich finde allerdings, dass der Regenbogenfisch Rotflosse etwas sehr aufgeschlossen zuhört.

Realistisch gelöst?

Überhaupt muss ich sagen, dass mir die Lösung in dem Buch etwas zu einfach ist. Wenn mein Sohn sich ärgert, weil er verliert oder ein Spielzug nicht zu seinen Gunsten ausfällt, dann ist er längst nicht so einsichtig. Er bekommt dann seine Wut wieder in den Griff, da er gerne weiterspielen möchte, ich aber keine Lust habe nach seinen eigenen Regeln zu spielen, aber seine Mimik spiegelt dann weiterhin seinen Ärger wider. Ja klar, man kann mit ihm reden, ihm das alles erklären und vielleicht sieht er es sogar ein, aber es ändert nichts daran, dass er sich beim nächsten Mal wieder genauso ärgern wird. Die Lösung in dem Buch ist vernünftig, aber sie ist mir persönlich zu realitätsfern. Auch kommt sie ein wenig langweilig daher.

Schade, die Idee das Verlieren zu einem Regenbogenfisch-Thema zu machen, gefällt mir gut. Der Anfang des Buches ist vielversprechend, doch das Ende ist mir zu schwach.

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Der Regenbogenfisch lernt verlieren von Marcus Pfister, NordSüd Verlag, ISBN: 978-3-314-10381-0, 16€

Hilfe im kalten Winter erwärmt das Herz

Noch steht der Weihnachtsbaum und die Weihnachtsbücher werden durchaus noch gerne gelesen, aber bald verschwinden sie bis Ende November wieder im Regal. Aber auch wenn Weihnachten nun vorbei ist, so ist es der Winter noch lange nicht und natürlich gibt es für die diese Jahreszeit passende Bücher. Bücher, die bei uns zwar in der Nähe der Weihnachtsbücher stehen, welche aber unabhängig von Weihnachten noch eine ganze Weile gelesen werden können. Bücher, in denen Schnee, Eis und Kälte vorherrschen und in denen Schneemänner gebaut und mit dem Schlitten gerodelt wird. Und da es bei uns draußen gerade so richtig winterlich ist, werde ich euch heute, aber auch in den nächsten Wochen, passende Bücher vorstellen.

Zwei winterliche Bücher von Feridun Oral

Beginnen werde ich heute mit zwei schönen Büchern von Feridun Oral: „An einem kalten Wintermorgen…“ und „Ein Apfel für alle“. Bei beiden Büchern schneit es auf dem Cover und man kann die Kälte beinahe spüren.  Die Bücher kann man völlig unabhängig voneinander lesen, aber sie handeln von den gleichen vier Freunden: Hase, Maus, Fuchs und Bär.

Besonders überzeugend in den Büchern sind die Bilder, die einem einfach die Atmosphäre eines kalten, ungemütlichen Wintertages hervorragend vermitteln. Es sind Bilder, bei denen man ruhig wird, die man lange betrachten kann und die einen ganz mit in die Geschichte hinein nehmen. Natürlich sind die Bilder nicht schrill und bunt, sondern passenderweise sieht man viel weiß, bedeckte Bäume, verschneite Landschaften und eben die vier handelnden Tiere, die liebenswürdig dargestellt werden. Auch wenn sie hier vermenschlicht werden, indem sie unter anderem miteinander reden oder der Fuchs auf zwei Beinen läuft, wirken sie ziemlich realistisch.

Die Geschichten selbst verstärken einerseits ebenfalls den Eindruck des kalten Winters, sind aber andererseits auch Plädoyers für die Freundschaft und das Miteinander.

An einem kalten Wintermorgen

In „An einem kalten Wintermorgen…“ sucht die Maus Feuerholz für ihre Familie. Sie findet auch jede Menge Äste, die sie zusammenträgt, doch dann schafft sie es nicht den riesigen Haufen nach Hause zu schleppen. Sie fragt ihren Freund den Hasen, ob er ihr helfen kann. Das tut er gerne, aber selbst als sie es zu zweit versuchen, ist der Holzstapel noch zu schwer. Auch der Fuchs und sein Schlitten bekommen den Stapel nicht bewegt. Schließlich muss der Bär aus seinem Winterschlaf geweckt werden. Ganz langsam kommen die Tiere nun voran. Aber sie kommen nicht bis zum Mäusenest. Der Schlitten stößt gegen eine Baumwurzel, alles fällt zu Boden. Da der Schneesturm inzwischen immer schlimmer geworden ist, können die Tiere nicht mehr nach Hause zurückkehren, aber unter dem Holzstapel finden sie gemeinsam Schutz. Und als sich der Sturm dann gelegt hat, teilen sie die Äste untereinander auf und jeder schafft es nun problemlos seinen kleinen Haufen zu sich und seiner Familie zu tragen.

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Ein Apfel für alle

Auch in „Ein Apfel für alle“ ist alles unter einer Schneeschicht begraben. Es gibt kein Futter zu finden. Nur ein roter Apfel hängt an einem Baum. Der hungrige Hase hat ihn entdeckt und möchte ihn sich natürlich holen, doch er Apfel hängt viel zu hoch für ihn, so dass er Hilfe benötigt. Zunächst kommt die Maus, dann der Fuchs und schließlich der Bär. Was alleine nicht klappte, wird natürlich am Ende gemeinsam bewältigt und der mühsam heruntergeholte Apfel wird gerecht unter allen aufgeteilt.

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Gerade in dieser winterlichen Atmosphäre ist die Geschichte vom Zusammenhalt schön. Mich hatte zunächst irritiert, dass sich alle vier Tiere über den Apfel freuen und der Fuchs beispielsweise nicht lieber einen Hasenbraten hätte. Das passt natürlich nicht so ganz zur Natur der Tiere. Allerdings hatte ich auch erst das Buch „Ein Apfel für alle“ gelesen und anschließend das andere. Wenn man mit „An einem kalten Wintermorgen…“ beginnt, irritiert einen dies weniger. Dann ist eben einfach klar, dass es sich um vier Freunde handelt und man achtet weniger auf die Tierarten an sich.

Die Thematik der Bücher ist nicht neu und letztendlich ist es klar, worauf es jeweils hinausläuft. Dennoch gibt es im Verlauf der Geschichten kleine Spannungsmomente und man verfolgt durchaus interessiert, wie sich alles entwickelt. Und wie bereits geschrieben macht in diesen Büchern die Atmosphäre sehr viel aus. Sie passt zu den Geschichten und ihren Botschaften. Äußerlich ist alles kalt und wenig freundlich, aber die Tiere halten zueinander und helfen sich gegenseitig und erwärmen so auch unser Herz.

An einem kalten Wintermorgen… von Feridun Oral, übersetzt von Bruno Hächler, minedition, ISBN: 978-3-86566-304-7, 13,95€

Ein Apfel für alle von Feridun Oral, übersetzt von Christian Dreller, minedition, ISBN: 978-3-86566-344-3, 10,00€

Lasst uns dem Brückentroll freundlich begegnen!

Achtung, macht nicht den Fehler  und geht achtlos an kleinen Büchlein vorbei. Kleines Format ist keineswegs gleichbedeutend mit „kleinem“ bedeutungslosem Inhalt. Zumindest nicht bei dem Büchlein „Der Brückentroll“. „Der Brückentroll“ ist vielmehr ein rundum gelungenes Buch: Ein Troll klingt spannend und aufregend (Bücherwürmchen spricht von einem „coolen“ Buch), die Bilder sind sowohl humorvoll als auch berührend, die Geschichte lässt sich gut lesen und sie spricht zudem wichtige Themen wie beispielsweise Ausgrenzung, Angst vor Fremden, aber auch Toleranz und Freundschaft an.

Im Mittelpunkt des Buches stehen der Zugbrückenwärter (im Übrigen auch Ausgangspunkt einiger Kettenwörter) und natürlich der titelgebende Brückentroll. Als der Zugbrückenwärter den Brückentroll zum ersten Mal unter seiner Zugbrücke schlafend vorfindet, ist er gar nicht begeistert darüber. Doch als er dann erfährt, dass dies seit vorgestern das Zuhause des Trolls ist, ändert sich seine Sicht, denn man kann doch nicht einfach jemanden aus seinem Zuhause werfen. Er akzeptiert also den Troll unter der Brücker und mehr noch: Die beiden freunden sich an. Leider sind die Einwohner der näheren Umgebung weniger aufgeschlossen. Sie wollen den Troll los werden und beinahe gelingt es ihnen auch. Schweren Herzens schickt der Zugbrückenwärter den Troll fort, aber am Ende steht er dann doch zu seinem Freund und macht ihn sogar zu seinem Mitarbeiter.

Der Brückentroll“ ist ein hochaktuelles Buch, indem es zum Glück den vorbildlich handelnden Zugbrückenwärter gibt. Nein, er freut sich nicht darüber, dass auf einmal ein Brückentroll unter seiner Brücke schläft, aber er lässt diesen zu Wort kommen und fragt nach. Und auch wenn ihm beim Troll manches fremd vorkommt (wie z.B. sein lautes Rülpsen), so begegnet er ihm genauso höflich wie allen anderen auch. Auf diese Weise bekommt er einen neuen Freund, von dem auch er noch einiges lernt. Der Zugbrückenwärter ist menschlich. Der Druck von außen ist groß und er beugt sich diesem, aber am Ende gewinnt die wahre Freundschaft und Menschlichkeit. Die Freunde sind wieder zusammen und der Brückentroll bekommt sogar eine Arbeit. Er wird integriert.

Leider erinnert besonders das Bild der wütenden Menschenmasse, die ein Schild mit der Aufschrift „Trolle raus aus der Stadt!“ trägt, an aktuelle Ereignisse. Es ist ein Bild, welches viele verschiedene Emotionen weckt. Ich werde dabei gleichzeitig traurig und bedrückt, aber auch wütend. Überhaupt berühren einen die Bilder in diesem Buch sehr. Der Troll sieht zwar aus wie ein großer, rüpeliger Kerl, aber er sieht gleichzeitig sehr freundlich und herzensgut aus. Allein durch den Kuschelteddy unterm Arm gewinnt er einen gleich für sich. Auch Bücherwürmchen wird von den Bildern und der Geschichte stark angesprochen. Jedes Mal leidet er ganz schlimm mit dem weinenden fortziehenden Troll. Ja, Kinder haben ein großes Herz. Sie möchten helfen, sie sind offen, sie sind für Gerechtigkeit, Harmonie und Frieden und sie haben ein Gespür für Menschlichkeit und Freundschaft. Lasst uns ihnen ein Vorbild sind und nach diesen Prinzipien leben. Lasst uns ihnen Geschichten vorlesen, in denen es m diese Aspekte geht. Vielleicht bleiben ihnen diese kindlichen Eigenschaften dann ein Leben lang erhalten und die Welt kann ein Stückchen besser werden.

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Der Brückentroll von Thomas Hussung, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3943833157, 14,50€

Tolle Freunde: Kosmo und Klax

In der Kinderbuchwelt gibt es zwei neue, süße Helden: Kosmo & Klax! Kennt ihr die beiden schon? Wenn nicht, dann stelle ich sie euch schnell vor: Kosmo ist ein Eichhörnchen und Klax ist ein kleiner roter Ball. Das sollen Kinderbuchfiguren sein? Ja, klar, die beiden sind einfach knuffig und vor allem sind die beiden sehr gute Freunde und sie erleben gerne lauter spannende Dinge, am liebsten mit ihren anderen Freunden Herrn Mümmelmann, einem ängstlichen Hasen, der pfiffigen Lili Graumaus, der vornehmen Frau Gans, den reimenden Bibo Biber und Kosmos Cousin dem Siebenschläfer Knabba.

Mit den Freunden kann man literarisch ein ganzes Jahr mit Sommer, Herbst, Winter und Frühling in dem Buch „Kosmo & Klax – Jahreszeiten – Geschichten“ erleben. Immer erleben sie kleine Abenteuer. Es sind immer nur kurze Episoden rund ums Schwimmen, Äpfel pflücken, Drachen steigen lassen, Weihnachten und Silvester feiern, Aprilscherze und ähnliches und man könnte beinahe behaupten, dass nicht sonderlich viel passiert, aber in den Geschichten steckt viel mehr: Zum einen wachsen einem die Charaktere schnell ans Herzen. Jeder bleibt seiner Linie treu und hat somit einen hohen Wiedererkennungswert (wobei es ein wenig unlogisch ist, dass Bibo Biber zunächst den Freunden im Wald eine Tanne für Weihnachten abnagt und er sich ein paar Kapitel später Kosmo und Klax auf einmal vorstellt, aber da gehen Kinder großzügig drüber hinweg). Es macht Spaß die Freunde zu begleiten. Zum anderen kommen in den Geschichten viele Aspekte einer Freundschaft zum Tragen: Man scherzt miteinander, man hält zusammen, man streitet und verträgt sich, man unterstützt sich und macht sich gegenseitig Mut, Schwierigkeiten werden gelöst usw. Und dann kommen natürlich noch die farbkräftigen, lebensfrohen Bilder hinzu, die einem den Spaß der Tiere und des Balls ganz nahe bringen.

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Allerdings funktionieren die Geschichten auch gut ohne die Bilder, denn vom anderen Teil mit dem Titel „Gute-Nacht-Geschichten“ besitzen wir nur das Hörbuch, welches bei Bücherwürmchen ebenfalls gut ankommt. Hier werden dann die fröhlichen Bilder durch die passende Stimme zu den jeweiligen Tieren ersetzt – ebenfalls ein Vergnügen! Bücherwürmchen findet Kosmo und Klx einfach klasse, egal ob als Buch oder als CD. Ich muss zugeben, dass ich befürchtet habe, dass Bücherwürmchen Kosmo und Klax vielleicht ein wenig zu langweilig und lieblich finden würde, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Auf der CD gibt es auch ein paar Lieder, die direkt von Bücherwürmchen nachgesungen wurden. Die Geschichten selbst sind übrigens ebenfalls schön und es geht keinesfalls nur um Geschichten, die am Abend oder in der Nacht spielen, was ich gut finde, denn so ist genügend Abwechslung vorhanden.

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Übrigens haben alle Geschichten – egal, ob sie zu den Gute-Nacht-Geschichten oder zu den Jahreszeiten-Geschichten gehören – die perfekte Länge für eine Gute-Nacht-Geschichte. Bei den wenigen Seiten Text wird man immer fertig und kann vielleicht sogar noch eine zweite Geschichte hinten dran hängen.

Falls ihr Kosmo & Klax bisher noch nicht kanntet, schaut sie euch doch mal genauer an. Vielleicht macht es euch ja auch Spaß einem Eichhörnchen und einem kleinen roten Ball bei ihren Erlebnissen zu begleiten.

Kosmo & Klax – Jahreszeiten-Geschichten von Alexandra Helmig, illustriert von Timo Becker, Mixtvision Verlag, ISBN: 978-3-95854-062-0, 9,90€

CD: Kosmo & Klax – Gute-Nacht-Geschichten von Alexandra Helmig, Mixtvision Verlag, ISBN: 978-3-95854–087–3, 9,90€

Es gibt aber auch die Jahreszeiten-Geschichten als Hörbuch sowie die Gute-Nacht-Geschichten als gebundenes Buch!

Spannend: Bei Freunden übernachten

Die Übernachtung bei Freunden ist für Kinder immer ein großes Abenteuer. Das weiß man ja noch aus seiner eigenen Kindheit. Am liebsten wäre man ewig wach geblieben und hätte eine Mitternachtsparty gefeiert, was aber nie geklappt hat. Und nun sind die eigenen Kinder im Begriff, vielleicht bald das erste Mal woanders zu übernachten oder Freunde zu sich einzuladen. Auch sehr spannend!

So geht es natürlich auch den Figuren in dem Buch „Munkeln im Dunkeln“. Hier dürfen Hermine Hase und Ringo Regenwurm bei Baldo Bär übernachten. Da sind nicht nur die Kinder aufgeregt, sondern auch die Eltern und so bekommen die Bäreneltern sogar eine Blume als Gastgeschenk mitgebracht. Ob das so eine gute Idee war, ist allerdings fraglich, denn Blumen können in der Nacht ziemlich unheimliche Schatten werfen. Wer sich davor fürchtet? Natürlich keiner, zumindest nicht offiziell. Die drei Freunde haben jedenfalls viel Spaß gemeinsam, auch wenn nicht jede Situation für die Kinder einfach ist. Mal gruselt man sich ein wenig, mal ist einer schon ziemlich müde, aber so recht zugeben möchte man das natürlich nicht. Doch da Freunde zusammenhalten, meistern die drei die Nacht sehr gut und freuen sich am Ende über ein gutes Frühstück.

Die Geschichte ist recht einfach, aber sie erzählt genau das, was eben viele Kinder erleben, so dass sie gut ankommt. Besonders gefreut habe ich mich, als Bücherwürmchen meinte, dass in dem Buch schöne Bilder sind, denn auch ich mag die Bilder von Daniela Kulot immer wieder gerne, und Bücherwürmchen äußert sich nicht oft in irgendeiner Weise zu den Bildern in einem Buch.

Die Bilder sind einerseits niedlich und ansprechend, andererseits kann man auf ihnen auch einiges entdecken und auch der Humor kommt in ihnen nicht zu kurz – wirklich eine schöne Mischung.

Munkeln im Dunkeln“ macht Spaß! Wir haben die Geschichte sehr gerne gelesen und uns anschließend noch angeschaut, was es alles in dem Buch so zu entdecken gibt. Ein tolles Buch, welches von einem großen Abenteuer in der Kindheit erzählt!

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Munkeln im Dunkeln von Daniela Kulot, Thienemann Verlag, ISBN: 978-3-522-45825-2, 12,99€

Berührend: Der kleine Prinz und seine Fortsetzung

Manche Bücher verstehe ich zunächst nicht so ganz. Naja, vielleicht nicht direkt ganze Bücher, sondern nur einzelne Passagen. Wenn da nicht klipp und klar gesagt wird, was gemeint ist, dann bleiben die Aussagen auch in meinem Kopf diffus und lassen sich nicht in Worte fassen. Trotzdem heißt das nicht, dass ich ein solches Buch nicht mag, im Gegenteil, es gibt sogar Bücher, die mir sehr am Herzen liegen und die mich berühren, die für mich aber nicht so ganz greifbar werden. So ein Buch ist „Der kleine Prinz“.

Vor vielen Jahren habe ich dieses Buch gelesen und seitdem ist es in meinem Gedächtnis sowohl als schönes als auch als etwas unverständliches Buch verankert. Besonders die Stelle, an der die Bedeutung des Wortes „zähmen“ veranschaulicht wird, passte irgendwie nicht zu meinem Gefühl für dieses Wort. Viel mehr, abgesehen von Zitaten wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, ist mir, ehrlich gesagt, allerdings nicht in Erinnerung geblieben.

Aber nun habe ich das Buch „Das Sternenglöcken oder Die Blume des kleinen Prinzen“ bekommen. Nicht nur der Titel, sondern auch das Cover zeigen deutlich, dass dieses Buch auf den kleinen Prinzen Bezug nimmt. Also habe ich vor der Lektüre dieses neuen Buches mir noch einmal den kleinen Prinzen zu Gemüte geführt. Ich glaube, nun verstehe ich die Geschichte besser, aber ein wenig Unklarheit herrscht immer noch in mir. Die Geschichte berührt mich, insbesondere das Ende und so kann ich das Mädchen Elisa, die Hauptperson in „Das Sternenglöckchen“ sehr gut verstehen. Das Ende der Geschichte lässt sie einfach nicht los. Ist der kleine Prinz auf seinen Planeten zurückgekehrt? Was ist mit dem Schaf und der Rose passiert?

Mit Hilfe der Erfindung eines Professors, einer Silberkugel, die durch die Kraft der Gedanken fliegt, und in überraschender Begleitung eines Fuchses fliegt Elisa ins All und sucht den Planeten des kleinen Prinzen. Dabei muss sie sowohl einige Abenteuer überstehen als auch das Vertrauen des Fuchses gewinnen. Außerdem gelangen wir mit Elisa auf einige Planeten, die wir bereits mit dem kleinen Prinzen kennen gelernt haben. Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Büchern, nicht nur durch die Örtlichkeiten, sondern u.a. auch durch den Aufbau der Erzählung und die Illustrationen. Das Buch wird von einem Mann, einem Schiffsglockenverkäufer, erzählt, der Elisa bei einer Autopanne trifft und sich in seiner Hilflosigkeit nicht Weiterzukommen von Elisas Geschichte gefangen nehmen lässt – auch hier bleibt das Buch also auf der Linie des kleinen Prinzen.

Elisa ist ein gelungenes Pendant zum kleinen Prinzen. Dieses freundliche Mädchen schließt man direkt in sein Herz.

Es geht in dem Buch ebenfalls um Werte wie Freundschaft, Vertrauen und Treue, die in den einzelnen Kapiteln gut heraus kommen.

Auch in diesem Buch bleibt für mich manches im ersten Moment etwas unklar, zumindest was die klaren Aussagen angeht. Emotional kommen die Botschaften hier genauso an wie in dem Buch des kleinen Prinzen.

Mir gefällt das Buch „Das Sternenglöckchen“ sehr gut. Es ist eine würdige Fortsetzung des Klassikers und endet ebenso berührend. Ein Buch, welches nachdenklich macht und in dem man auch nach der Lektüre gedanklich noch eine Weile bleibt. Ich rate aber dazu, auf jeden Fall zunächst den kleinen Prinzen zu lesen, denn erst im Zusammenklang mit diesem Buch entfaltet das Buch seine Wirkung und seinen Zauber. Auch könnte ansonsten einiges nicht ganz verständlich sein, da „Das Sternenglöckchen“ ja auf dem kleinen Prinzen aufbaut.

Das Sternenglöckchen“ ist ein tolles Buch für Kinder ab 8 Jahren, aber auch für Erwachsene, die bereit dazu sind, sich von der besonderen Geschichte Elisas berühren zu lassen.

Darüber hinaus animiert das Buch dazu sich noch einmal ganz intensiv mit dem kleinen Prinzen zu beschäftigen, denn auch wenn man den kleinen Prinzen als Vorbereitung vor der Lektüre gelesen hat, so möchte man ihm im Anschluss direkt noch einmal lesen und dabei auf bestimmte Dinge achten…

 

Das Sternenglöckcen oder Die Blume des kleinen Prinzen von Karel Szesny, Abentheuer Verlag, ISBN: 978-3-940650-45-0, 19,80€ (Taschenbuch-Ausgabe: 11,95€)

Auf und ab einer Freundschaft

Zebra, Elefant und Vogel sind beste Freund, die drei allerbesten Freunde, und so verbringen sie natürlich jede Menge Zeit miteinander. Dabei kommt ihnen zu Gute, dass jeder von ihnen andere Eigenschaften hat: Elefant weiß viel, Vogel ist witzig und das fröhliche Zebra kennt die besten Spiele. Aber eines Tages treibt es Zebra all zu bunt. Er möchte gar nicht mehr aufhören zu rennen. Kein Zurufen der Freunde kann ihn stoppen und so steht er auf einmal alleine da. Elefant und Vogel wollen nicht mehr mit ihm spielen, dabei sind sie doch eigentlich seine besten Freunde. Kein Wunder, dass Zebra nun ganz traurig ist. Zum Glück lernt es Giraffe kennen, die gerne mit ihm fangen spielt. Sie werden gute Freunde, aber da sind ja auch noch Elefant und Vogel, die sich bei einem Sturm auf die Suche nach Zebra machen. Was nun? Alles kein Problem, niemand ist nachtragend, es gibt Entschuldigungen und am Ende gibt es nun vier allerbeste Freunde!

Zunächst wusste ich ehrlich gesagt nicht so recht, was ich von dem Bilderbuch „Das Zebra, das zu schnell rannte“ halten soll. Das Buch zeigt schön, wie wichtig es ist, dass man in einer Freundschaft aufeinander eingehen muss und dass man sich streiten und wieder vertragen kann. Die minimalistischen Bilder, die die Gefühle und die Aktionen toll darstellen, gefallen mir gut. Man spürt das aufgedrehte Zebra förmlich an sich vorbei rennen und man fühlt mit ihm mit, als es mit gebeugtem Hals alleine herum steht, während Elefant und Vogel in der Ferne sichtlich viel Spaß miteinander haben.

Nicht so gut gefällt mir allerdings die Stelle, an der Elefant und Vogel zu Zebra zurück kehren. Sie suchen Zebra nicht, weil er ein guter Freund von ihnen war und sie ihm noch einmal eine Chance geben wollen, sondern weil sie beim Sturm Angst haben. Sie wollen sich von Zebra aufmuntern lassen. Erst in diesem Moment vermissen sie Zebra und irgendwie kommt es mir so eigennützig vor, dass sie nur zu ihm zurück gehen, weil sie Angst haben. Da brauchen sie Zebra auf einmal wieder. Hätten sie ihn nicht auch einfach beim Spielen vermissen können? Schade, dass sie erst eine extreme Situation dazu bringt, sich an ihren Freund zu erinnern. Schön ist dann wiederum, dass sie sich bei Zebra dafür entschuldigen, ihn alleine gelassen haben, denn auch ihr Verhalten war nicht so ganz korrekt. Auch Zebra geht auf sie zu und verspricht ihnen, nicht mehr so schnell zu rennen. Von beiden Seiten wird aufeinander zu gegangen und so wird auch deutlich, dass an einem Streit nicht nur einer beteiligt ist und es auf jeden in einer Freundschaft ankommt. Selten handelt nur einer gut und der andere falsch, meist liegt es an allen Beteiligten wie eine Sache ausgeht. Zebra hätte auf seine Freunde und ihren Wunsch nicht so schnell zu rennen, hören sollen, aber Elefant und Vogel waren auch nicht sonderlich nett. Sie haben Zebra einfach ganz alleine gelassen und ihm die kalte Schulter gezeigt. Am Ende versuchen aber alle ihr Verhalten wieder gut zu machen und vermutlich geht die Freundschaft aus dieser kleinen Krise gestärkt hervor.

Das Buch regt sicherlich dazu an über Freundschaften zu sprechen und vielleicht auch mal zu reflektieren wie man sich selbst gegenüber seinen Freunden verhält. Was ist wichtig in einer Freundschaft? Was mag ich an meinen Freunden besonders? Wie ergänzen meine Freunde und ich uns? Kinder können anhand dieses Buches erfahren, dass Freundschaft nicht immer ganz einfach ist, dass sich Freundschaften ändern können und dass man an einer Freundschaft arbeiten muss. Es ist ein Thema, welches Kinder sehr bewegt. Auch sie sind immer wieder mal einem Auf und Ab bei ihren Beziehungen zu anderen Kindern ausgesetzt, was sie emotional sehr mitnimmt. Es ist wichtig mit Kindern über solche Themen zu sprechen und Bücher wie „Das Zebra, das zu schnell rannte“ können dabei helfen. Vor allem, wenn sie erst einmal so frisch und einfach wirken wie dieses Buch, aber letztendlich doch ziemlich in die Tiefe gehen.

Die Sätze in dem Buch sind kurz und auf das Wichtigste reduziert. Texte und Bilder passen somit auch stilistisch sehr gut zusammen. Gefühle und die Atmosphäre in dem Buch werden dennoch sehr intensiv vermittelt, aber trotzdem bliebt noch sehr viel Platz für eigene Gedanken und Interpretationen. In dem Buch wird das Verhalten der einzelnen Tiere nicht bewertet, der Ablauf wird nur kurz dargestellt, alles andere bleibt den Lesern überlassen, was mir gut gefällt, einem bei einem schnellen Durchblättern jedoch nicht direkt auffällt. Ich kann also nur raten, das Buch ein paar Mal anzuschauen und sich ein wenig damit auseinander zu setzen, denn dann ist es sicherlich ein wertvolles Bilderbuch, insbesondere auch für Kindergärten, in denen Freundschaften und Sätze wie „Du bist nicht mehr mein Freund“ oder die Androhung „Ich lade dich nicht zu meinem Geburtstag ein“ ja tagtäglich Thema sind.

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Das Zebra, das zu schnell rannte von Jenni Desmond, übersetzt von Anne Brauner, Magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-2018-2, 13,95€

 

20 Jahre Rabe Socke – Eine Erfolgsgeschichte

Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren Rabe Socke! Ja, dazu möchte ich ganz herzlich gratulieren, auch wenn mir der kleine, freche Rabe nicht nur sympathisch ist. Aber süß ist der Rabe mit der rot-weiß-geringelten Socke auf jeden Fall und ich kann gut verstehen, dass es über die vielen Bücher hinaus, die es mittlerweile von ihm gibt, auch einige andere Rabe Socke-Produkte gibt.

Bei Oma und Opa trinkt Bücherwürmchen immer aus der Rabe Socke-Tasse, die noch von meiner Schwester dort steht, und ich könnte mir einen Raben-Schlüsselanhänger sehr gut an meinem Schlüsselbund vorstellen. Die Kooperation mit Nici-Design, die nach dem großen Erfolg des ersten Bandes „Alles meins!“ eingegangen wurde, ist zwar natürlich einerseits Geldmacherei, aber es sind Produkte, die durchaus Eltern und Kindern gut gefallen – einschließlich mir.

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Allerdings wundere ich mich ein wenig über den Erfolg dieses ersten Bandes, den es, wie auch drei weitere Bilderbücher, zur Zeit als Jubiläumsausgabe zu kaufen gibt. Denn, ja, ich muss es zugeben, der kleine Rabe ist mir in dem Buch gar nicht sympathisch. Es ist doch wirklich ganz schön gemein, dass er allen Tieren mit verschiedenen Tricks Sachen abluchst, oder nicht? Aber wieso sehe eigentlich nur ich das so? Weder mein Sohn noch die Tiere im Buch regen sich über das Verhalten des Rabens auf. Die Tiere lassen ihn gewähren und stehen sogar gemeinsam vor seinem Nest um mit ihm zu spielen. Nun gerät der Rabe in Schwierigkeiten. Er kann doch seine Schätze nicht unbeaufsichtigt im Nest lassen! Aber wer immer nur alleine in seinem Nest bleibt, der hat irgendwann keine Freunde mehr und wird einsam. Also zeigt sich der kleine Rabe ganz großzügig und bietet den anderen an, ihnen mal seine neuen Spielsachen zu zeigen… An dieser Stelle endet das Buch etwas abrupt und man fragt sich verwundert, was denn der Rabe für ein egoistisches und gemeines Kerlchen ist. Also, ich frage mich das! Bücherwürmchen findet ihn klasse, auch wenn er natürlich weiß, dass man anderen nichts wegnimmt. Aber andere austricksen finden Kinder immer toll. Sie sind stolz darauf, wenn ihnen so etwas mal selbst gelingt und so freuen sie sich mit dem kleinen Raben, mit dem sie sich schnell identifizieren. In seiner Art ist der Rabe Kindern nicht unähnlich: Etwas egoistisch, frech, nicht immer angepasst, beleidigt, wenn ihm etwas nicht passt etc. Aber am Ende kann man ihm dann irgendwie doch nicht böse sein, denn er ist auch niedlich, raffiniert und charmant. Diese Eigenschaften kommen von Geschichte zu Geschichte mehr zum Vorschein. Allmählich lernt man den kleinen Raben und seine Freunde immer besser kennen: Nach drei Jahren bekommt der Rabe endlich seinen Namen und auch seine Freunde und ihre Charaktereigenschaften werden immer differenzierter dargestellt.

Gut, dass es den kleinen Raben Socke nun schon so lange gibt. Ich gebe zu, dass der erste Band mich nicht überzeugt hat, aber in dem neuen Pappbilderbuch „Alles Bitte-Danke!“ hat der kleine Rabe Socke auch mich mit seiner unwiderstehlichen Art um den Finger gewickelt:

Alle Freunde sollen etwas aus dem Paket bekommen, welches der kleine Dachs von seiner Tante bekommen hat. Oh, da sind lauter Leckereien drin. Der kleine Rabe Socke kann es gar nicht erwarten, etwas daraus zu bekommen, aber er muss sich anstellen. Zum Benehmen gehört aber auch noch das entsprechende Zauberwort dazu: Bitte oder Danke. Na, da will Rabe Socke direkt mal fleißig üben und er bedient sich immer wieder an dem Paket: Ein Schmatzewurm, bitte-danke, zwei Lollis, bitte-danke, einen Kullerkeks, bitte-danke… Da muss man doch einfach schmunzeln und man kann ihm absolut nicht böse sein, oder? Bücherwürmchen findet das Ende dieses Buches jedenfalls auch richtig klasse. Es macht Spaß und man muss lachen und ganz nebenbei sind Kinder im Anschluss an das Buch dazu motiviert die Wörter „Bitte“ und „Danke“ zu verwenden.

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Übrigens: Die Illustrationen in den Büchern gefallen mir sehr gut – auch schon im ersten Band! Sie sind einfach knuffig, fröhlich und bunt. Es gibt einiges zu entdecken, aber dennoch sind sie übersichtlich und keinesfalls überladen.

Rabe Socke hat die Kinder an seiner Seite und auch die Erwachsenen können ihm irgendwann nicht mehr widerstehen – die besten Voraussetzungen für viele weitere Jahre mit diesem frechen, neugierigen kleinen Raben!

 

Alles meins! Oder 10 Tricks, wie man alles kriegen kann von Nele Moost und Annet Rudolph, Esslinger Verlag, ISBN: 978-3-480-23278-9, 9,99€

Alles Bitte-Danke! von Nele Moost und Annet Rudolph, Esslinger Verlag, ISBN: 978-3-480-23287-1, 8,99€