DIE eine Familie gibt es nicht

Was ist eine Familie und wie entsteht sie? Eine harmlose, einfache Frage, die aber gar nicht so einfach zu beantworten ist, denn DIE Familie gibt es nicht. Es gibt viele unterschiedliche Formen von Familien und längst nicht jede Familie entsteht auf die gleiche Art und Weise. Viele Kinder werden von Mann und Frau auf natürliche Weise gezeugt und leben gemeinsam mit ihren leiblichen Eltern in einem Haushalt, aber es gibt auch Kinder, die nur zum Teil mit leiblichen Verwandten zusammen leben (Stichwort Patchworkfamilie), wieder andere Kinder haben zwei Papas oder zwei Mamas, manche Kinder leben nur bei einem Elternteil, einige Kinder wurden adoptiert und manche Kinder leben zwar bei ihren leiblichen Eltern, entstanden aber durch eine künstliche Befruchtung. All dies sind Konstruktionen, die berechtigt für sich den Begriff „Familie“ beanspruchen. Wichtig ist nicht, wie eine Familie entstanden ist, sondern dass man zusammenaufwächst und sich gegenseitig liebt.

Das Buch „Das Familienbuch“ möchte über viele verschiedene Familienkonstellationen informieren und ich finde, dass es das sehr gut macht. Besonders beeindruckt bin ich davon, wie umfassend hier verschiedene Familien und ihre Entstehungsgeschichten vorgestellt werden. Auf dem Buchmarkt gibt es zum Thema Adoption nicht allzu viele Kinder- und Bilderbücher und wenn es welche gibt, dann geht es meist um einen Mann und eine Frau, die gemeinsam ein Kind adoptieren. Hier werden zum Beispiel auch gleichgeschlechtliche Paare thematisiert. Auch dass bei Büchern zu verschiedenen Familienkonstellationen oder bei Büchern zur Aufklärung die künstliche Befruchtung oder die Samenspende ein Thema sind, ist mir nicht bekannt. Hier sind dies eine von mehreren Möglichkeiten eine Familie zu werden. So bietet dieses Buch einen guten Gesprächseinstieg zu dem Thema Familie. Es zeigt auf, dass eine Familie eben nicht automatisch aus Mama, Papa, Kind bestehen muss und dass nicht jedes Kind, bei der Frau, bei der es lebt, auch im Bauch war. Gerade für Familien, die nicht dem klassischen Modell entsprechen, kann dieses Buch eine große Bereicherung sein.

Da es in dem Buch auch darum geht, wie ein Mensch entstehen kann (durch Geschlechtsverkehr oder eben auch durch eine Reagenzglasbefruchtung), ist es auch ein Aufklärungsbuch. Sehr unaufgeregt, aber gut verständlich und aufklärend, wird hier vom Sex (sowohl als Fortpflanzungsmöglichkeit als auch als schöne Sache zwischen erwachsenen Menschen) geschrieben. Dieser Teil ist eher noch nicht so für kleinere Kinder geeignet. Ich denke, das Buch richtet sich eher an Grundschulkinder. Bei kleineren Kindern muss man noch nicht so sehr ins Detail gehen, wobei auch das hier recht behutsam gemacht wird.

Auch wenn ich für eine Gleichberechtigung von Frau und Mann bin, muss ich leider sagen, dass mich einfach dieses korrekte Schriftbild nervt, z.B. Freund_innen. Das stört meinen Lesefluss, aber das ist letztendlich nur ein kleines Detail am Rande. Die Bilder von den vielen verschiedenen Menschen sind humorvoll gezeichnet. Ich würde sie nicht unbedingt als „schön“ bezeichnen, aber sie illustrieren das Buch sehr passend. Auf jeder Doppelseite befinden sich bunte Bilder. Auch die Seiten selbst sind farbig.

Insgesamt ist das Buch „Das Familienbuch“ sehr empfehlenswert, denn es zeigt verständlich und ohne Wertung auf, welche Familienkonstellationen in der Realität vorkommen, wobei die sogenannte Patchworkfamilie hier ein wenig in den Hintergrund tritt, während Adoption und künstliche Befruchtung hier einen größeren Rahmen erhalten.

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Das Familienbuch von Edward Summanen und Johanna Arpiainen, übersetzt aus dem Schwedischen von Eno R. Liedtke, Alibri Verlag, ISBN: 978-3-86569-250-4, 12€

Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie

Seid ihr noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Und am besten sollen es Geschenke sein, die gleich die ganze Familie glücklich machen? Da habe ich zwei ganz unterschiedliche Tipps für euch. Gerne möchte ich euch sowohl eine DVD-Sammlung als auch ein Buch ans Herz legen.

Die DVD-Sammlung richtet sich ausdrücklich an die ganze Familie: „Die Zeit-Edition – Die schönsten Familienfilme“. Hier hat wirklich jeder (ab 5 Jahren) etwas von. Nicht jeder Film ist schon etwas für die kleinsten Familienmitglieder, aber da die Sammlung ganze zehn Filme enthält, kann man sich ganz individuell die passenden Filme heraus suchen. Auf einem beiliegenden Leitfaden kann man auf einen Blick sehen, welche Filme ab welchem Alter (unabhängig von der FSK-Freigabe) empfohlen sind.

Nun seid ihr sicherlich neugierig, welche Filme man mit dieser Sammlung überhaupt bekommt. Das möchte ich euch gerne verraten:

Die Abenteuer des Huck Finn

Mein Freund Knerten

Wallace & Gromit

Ernest & Celestine

Alfie, der kleine Werwolf

Der Räuber Hotzenplotz

Pettersson & Findus

Wir Kinder aus Bullerbü

Der Mondmann

Ella und das große Rennen

Eine tolle Auswahl, oder? Da bekommt man doch direkt Lust darauf, eine DVD nach der anderen in den DVD-Player zu schieben und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. Mir gefällt vor allem sehr gut, dass sowohl ältere als auch neuere Filme sowie Filme für Jungen und Filme für Mädchen dabei sind. Manche Filme haben eine sehr ruhige Handlung, während es in anderen auch schon mal etwas spannender wird. Auch die Art der Filme ist unterschiedlich. Vom Realfilm über den Trickfilm bis hin zum Animationsfilm ist alles dabei. Sehr gut gemacht sind auch die Informationen zu den Filmen auf der jeweiligen Hülle. Hier erfährt man kurz etwas zum Inhalt und zu der Art des Films. Auch eine kurze Einordnung in die Filmwelt sowie Charakteristika des Films werden genannt.

Die meisten Filme basieren übrigens auf Büchern. Etwas schade ist es, dass sich auf den DVDs leider nicht die Originalsprache befindet, aber das ist bei Kinderfilmen leider häufig so.

Alle Filme sind sowohl kindgerecht als auch familiengerecht. Kindern werden wichtige Werte wie z.B. Freundschaft und Zusammenhalt aufgezeigt. Sie dürfen bei Abenteuer mitfiebern und mitlachen und sich einfach gut unterhalten lassen und die Eltern können sich ohne sich langweilen zu müssen mit vor den Fernseher setzen. Das ist längst nicht bei allen Kinderfilmen so, aber bei diesen ganz bestimmt.

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Die Zeit-Edition – Die schönsten Familienfilme – 10 DVDs ausgewählt von der Zeit, Oetinger kino und terre des hommes e.V.

 

Das Buch „Die Welt der wilden Tiere im Norden“ ist kein ausdrückliches Familienbuch, aber es ist dennoch ein Buch, an dem sowohl die Kleinen, die Mittleren als auch die Großen ihre Freude haben werden. Dafür sorgen allein die beeindruckenden Bilder in dem Buch, die einen einfach immer weiter blättern lassen. In einer genialen Zeichentechnik, die an Collagen erinnert, mit ausdrucksstarken Farben und Details werden die Tiere der Nordhalbkugel dargestellt. Man sieht dem Wolf direkt in die Augen, die Bewegung des heranschleichenden Pumas ist klar erkennbar und man meint beinahe die donnernde Erde unter den Bisons zu spüren. Einfach nur beeindruckend! Bei jedem Tier steht sowohl die deutsche als auch die lateinische Bezeichnung dabei. Darüber hinaus stehen bei manchen Tieren weitergehende Informationen zu Besonderheiten, ihrem Lebensraum, Nahrung, Feinden etc. Diese Texte sind gut verständlich, in lockerem Umgangston geschrieben und lassen sich auch Kindern gut vorlesen. Etwas schade ist es, dass es sie nicht zu jedem Tier gibt. Auch Bücherwürmchen war etwas enttäuscht, dass es nicht zu allen Tieren etwas erfahren konnte. Dennoch ist dies ein Buch, welches man gerne anschaut. Allein die Dicke des Buches lässt es als etwas Besonderes erscheinen. Ja, es ist ein Buch, in das man gut mit der ganzen Familie hineinschauen kann, welches im Wohnzimmer im Bücherregal steht und in welches auch Gäste gerne mal einen Blick hinein werfen dürfen.

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Die Welt der wilden Tiere im Norden von Dieter Braun, Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-822-3, 29,95€

Paul & Papa – Geschichten aus dem Alltag

Im Alltag von Kindern passieren selten große, außergewöhnliche Dinge, aber dennoch ist fast jeder Tag spannend und es gibt viele kleine Erlebnisse, die letztendlich genauso erzählenswert sind wie beispielsweise der große Sommerurlaub. Genau diese Sichtweise macht sich das Buch „Paul & Papa – Vorlesegeschichten“ zu eigen. Im Vordergrund stehen Paul, ein Kindergartenkind, und sein Papa, die viel Zeit miteinander verbringen und zwar Zeit im ganz normalen Alltag, in dem der Bagger vor der Haustür und das Kochen des Abendessens zum Erlebnis werden können. Paul und Papa machen keine besonderen Dinge, aber dennoch gibt es genug von ihnen zu berichten, so dass man in dem Buch 20 kurze Geschichten findet. Paul und Papa unterhalten sich viel, sie schauen sich vom Dachfenster abends die Züge an, backen einen Kuchen für die Mama, räumen gemeinsam auf, gehen in den Zirkus, essen Eis und einiges mehr. Klingt langweilig? Ist es nicht, zumindest nicht bei Paul und Papa. Paul ist ein normales, aber aufgewecktes Kind mit einigen guten Ideen und Papa ist ein sehr geduldiger, liebevoller und verständnisvoller Papa, der auch schwierige Situationen spielerisch löst. Paul möchte nicht in den Kindergarten? Aber warum denn nicht, der Kindergarten ist doch so etwas wie ein Büro. Der Papa erzählt Paul, wie er im Kindergarten Büro spielen kann. Hm, klingt irgendwie nicht sonderlich spannende, da spielt Paul im Kindergarten lieber Feuerwehr, während der arme Papa Büro „spielen“ muss. So schnell ist die schlechte Laune von Paul vergessen und der erwachsene Leser staunt wie geschickt der Vater mit den Launen und Ideen des Sohnes umgeht.

Bücherwürmchen hat das Buch aber auch gut gefallen. Abend für Abend haben wir aus diesem Buch die Gute-Nacht-Geschichte gelesen, denn die Länge der einzelnen Geschichten passt dafür hervorragend!

Nicht auf jeder Doppelseite befinden sich Illustrationen, aber insgesamt ist das Buch recht reichlich mit bunten Bildern illustriert. Die Zeichnungen wirken erfrischend, bleiben dabei aber ebenfalls auf einer ruhigen Ebene. Es gibt keinen übertriebenen Witz oder ähnliches in ihnen zu entdecken. Sie begleiten die Geschichten unaufgeregt, aber sehr passend.

Insgesamt ist „Paul & Papa“ sehr zu empfehlen. Es werden tolle Geschichten aus der Welt von Kindern erzählt! In Paul wird man immer wieder seine eigenen Kinder widerentdecken und sein Papa ist einfach klasse! Paul & Papa sind ein super Gespann, an dem man Gefallen finden muss!

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Paul & Papa – Vorlesegeschichten von Susanne Weber und Susanne Göhlich, Mixtvision Verlag 2015, ISBN: 978-3-95854-027-9, 11,90€

Ein typisches Kinderbuchthema: Freundschaften in der Nachbarschaft

Es gibt Inhalte in Kinderbüchern, die immer wieder, wenn sie gut erzählt werden, gut ankommen. Dazu gehört die Freundschaft von Kindern, die in einer Straße wohnen und gemeinsam eine Menge erleben. Ein bekanntes Beispiel für diese Art von Geschichten sind natürlich „Die Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Eigentlich passiert hier nicht viel. Es werden nur die Erlebnisse der Kinder von den drei Bullerbü-Höfen im Verlauf des Jahres erzählt. Ähnlich ist dies bei den Kindern aus dem Möwenweg von Kirsten Boie und nun auch bei den Kindern aus dem Holunderweg. Alles letztendlich nichts neues, aber dennoch machen diese Bücher immer wieder viel Spaß. Warum? Weil es eben nah dran ist am Erleben der Kinder, weil viel aus ihrem Alltag erzählt wird bzw. weil man sich so ein Kinderleben einfach erträumt und gerne davon liest. „Die Kinder aus Bullerbü“ sind auch heute noch schön zu lesen und man bekommt durch diese Bücher einen verklärten Eindruck von Schweden und einer wunderbaren Kindheit, die es auf diese Art und Weise natürlich nicht (mehr) gibt. Von daher ist es gut, dass es auch Bücher gibt, die in einer ähnlichen Erzählstruktur näher an der heutigen Wirklichkeit dran sind. Ganz aktuell und auch noch jahreszeitlich passend ist das Buch „Herbst im Holunderweg“. Hier dürfen wir die Kinder Ida, Lennart, Ella, Malte und Bruno (und Klein-Olli und Lilly) durch den Herbst begleiten. Ich muss zugeben, dass es mir zunächst nicht so leicht fiel, die Kinder auseinander zu halten und in ihrer Art wieder zu erkennen, aber da muss man sich dann einfach einlesen. Ich glaube auch, dass Bücherwürmchen da tatsächlich schneller einen Durchblick hatte als ich. Jedenfalls ist diesem Buch deutlich anzumerken, dass es in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort als die Bullerbü-Bücher spielt: Auch wenn die Freunde alle aus Deutschland kommen, so spielen auch Menschen aus anderen Kulturen in dem Buch eine Rolle, um die Ecke gibt es einen Tätowierladen, im Fernsehen läuft der Tatort, Klein-Ollis Eltern leben getrennt voneinander, die Familien leben in Wohnungen eines Hauses und Altglas- und Papiercontainer gehören ebenfalls in diese Welt wie Baustellenlärm, aber dennoch wird auch hier eine tolle Kindheit geschildert. Eine Kindheit, die zwar nicht unberührt von traurigeren Momenten wie der Tod eines Haustiers einer Bekannten oder der Liebeskummer der Tante bleibt, in der Kinder aber all das erleben dürfen, was im Herbst zu einer Kindheit einfach dazugehört: Martinsumzug, Kastanien sammeln, sich um einen Igel kümmern, Gruselgeschichten erzählen, Drachen steigen lassen und einiges mehr. Letztendlich wird auch hier nur vom Alltag einiger Kinder erzählt, wobei es durchaus auch spannendere Momente gibt, so dass man die Geschichten nicht unbedingt kleineren Kindern abends vorlesen sollte, zumindest dann nicht, wenn man es nicht bis zum guten Ende der Geschichten schafft, denn ansonsten könnte die Geschichte vom kopflosen Edgar, die sich die Kinder im Buch erzählen für den einen oder anderen unruhigen Schlaf sorgen.

Die Kinder in dem Buch sind sehr erfrischend und aufgeweckt, verhalten sich aber auf jeden Fall typisch für Kinder, so dass es viel Spaß macht dieses Buch zu lesen. So nach und nach kann man dann auch bestimmte Eigenschaften den einzelnen Kindern zuordnen. Der Erzählstil ist flott und flüssig. Langeweile kommt nicht auf und man ist immer wieder gespannt darauf, wie eine Geschichte enden und wie sich ein Ereignis weiter entwickeln wird bzw. was für eine Wende alles nimmt. Lassen sich die Regenwürmer auf dem Hofflohmarkt tatsächlich verkaufen? Welche Geräusche hören die Kinder nachts? Können die Kinder durch eine Demonstration verhindern, dass die Ahornbäume gefällt werden?

In den Geschichten steckt zwar viel Alltag drin, aber es ist dennoch immer viel los. Das Erleben von Kindern wird hier sehr gut aufbereitet.

Gut gefällt mir auch, dass das Buch bunt illustriert ist, allerdings finde ich die Verteilung der Illustrationen nicht ganz so geglückt. Während manchmal von Seite zu Seite bunte Bilder zu sehen sind, gibt es dann auch wieder Teile, bei denen man eine ganze Weile blättern muss bis man zum nächsten Bild kommt. Aber da es sich um ein Kinderbuch und nicht um ein Bilderbuch handelt, ist dies letztendlich natürlich in Ordnung so. Ich war aber nach den ersten recht reichlich illustrierten Seiten ein wenig verwundert, dass im dritten Kapitel dann auf einmal drei Doppelseiten ausschließlich mit Text bedruckt waren.

Richtig erstaunlich finde ich es, was Bücherwürmchen alles aus so einem Buch mitnimmt. So ganz ist es eigentlich noch nichts für sein Alter. Eigentlich ist es mehr etwas für Schulkinder, also für Kinder, die in einem ähnlichen Alter wie die Freunde aus diesem Buch sind, aber dennoch hat sich Bücherwürmchen die Geschichten gerne vorlesen lassen und er hat erstaunlich viel von ihnen behalten und über einiges auch nach der Lektüre noch nachgedacht. Die ganzen Einzelheiten habe ich teilweise kaum wahrgenommen. So sagte er auf einmal, dass er mehr redet als ein Radio. Wir haben ihn ganz verwundert angeschaut und ihn gefragt, woher er denn diesen Satz hat. „Na, aus dem Buch mit den Kindern aus dem Holunderweg.“ Und wer redet da mehr als ein Radio? „Dieses Kind, das den ganzen Tag redet, das gerade sprechen gelernt hat.“ Okay… Stimmt… Wusste ich aber schon gar nicht mehr. Außerdem wollte Bücherwürmchen auf einmal wissen, was ein Einzelkind und was ein Erdgeschoss ist. In diesen Fällen wusste ich aber direkt, dass es Wörter aus diesem Buch waren, die er scheinbar behalten hat und die ihn irgendwie beschäftigt haben.

Ich kann „Herbst im Holunderweg“ nur empfehlen. Es ist ein schönes Buch, welches man auch toll vorlesen kann – am besten dann, wenn es draußen ein wenig herbstlich ist und drinnen das Feuer im Kamin brennt. Dann wird aus diesem Buch ein richtiges Vorleseereignis für die ganze Familie.

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Herbst im Holunderweg von Martina Baumbach, Gabriel Verlag, ISBN: 978-3-522-30403-0, 12,99€

Eltern haben viele Aufgaben: Vom Packesel bis zum Reittier

Der Titel klingt vielversprechend: „Mama, Papa, Ungeheuer – jeden Tag ein Abenteuer“. Dazu dann noch das Cover, auf dem drei kleine Cowboys auf dem Papa reiten. Was kann man mit Mama und Papa noch alles erleben? Manchmal hat man den Eindruck, dass sie nur zum Schimpfen und Herumkommandieren da sind, aber das stimmt natürlich nicht. Es gibt so einiges, bei dem man die Eltern gut gebrauchen kann: zum Klettern, als Packesel, zum Sachen reparieren, zum Sachen wieder finden und natürlich auch zum Kuscheln und ins Bett bringen. Eltern halten auch als Mülleimer her, wenn man das Essen nicht aufisst, man kann sie anmalen, mit Essen bespritzen und sich die dreckigen Finger an ihnen abwischen. Oh ja, all das stimmt. Für all diese Dinge halten wir Eltern her, aber manche Beispiele hätte ich in dem Buch lieber unerwähnt gelassen und mich stattdessen tatsächlich auf Abenteuer mit Eltern beschränkt. Merkwürdigerweise lacht Bücherwürmchen nicht über die Szenen in dem Buch. Dass Papa und Mama mit Ketchup und dem Wasserschlauch bespritzt werden, nimmt er ganz neutral zur Kenntnis. Allein die Szene, in der die Mama zum Packesel wird, findet er spannend: Erst trägt die Mutter nur die Einkaufstaschen, dann kommen Jacke und Teddy dazu und am Ende ist sie zusätzlich noch mit Mütze, Kind und Roller beladen. Außerdem möchte Bücherwürmchen wissen, warum Elternfinger zum Kitzeln gemacht sind, aber das kann ich ihm dann schnell und in der Praxis demonstrieren!

Der Text ist gereimt, mal mehr und man weniger gut. Bei manchen Versen finde ich leider einfach keinen passenden Rhythmus und manche Reime sind nicht ganz rein.

Die bunten Bilder sind skizzenhaft. So wurden die Farben teilweise einfach lässig verteilt, anstatt genau auszumalen. Auf diese Weise bekommen die Bilder allerdings eine gewisse Dynamik und Lebendigkeit. Richtig sympathisch wirken die Personen trotz der großen Augen nicht, aber irgendwie passt das zu dem Chaos, welches in dem Buch verbreitet wird.

An manchen Stellen fällt es mir schwer mich mit dem Buch anzufreunden und ich hoffe, dass mein Sohn den einen oder anderen Satz nicht als Aufforderung versteht und demnächst unsere Wände bemalt. Neulich hat er nach dem Essen bereits die dreckigen Hände an meiner Hose abgewischt und gemeint, dass die das in dem Buch schließlich auch machen würden… Immerhin endet das Buch aber ganz schön und versöhnlich: Die Eltern sind immer für einen da und helfen einem bei Problemen. Man muss sich nur vor den Kitzelfingern in Acht nehmen!

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Mama, Papa, Ungeheuer – jeden Tag ein Abenteuer von Peter Bently und Sara Ogilvie, übersetzt von Ingrid Ickler, Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-776-9, 12,95€

Minimax – Tolle Klassiker in kleinem Format

Ein Bilderbuch in einem großen, auffälligen Format zieht natürlich Aufmerksamkeit auf sich, auch meine! So ein Buch beeindruckt und es macht Spaß es anzufassen. Auf der anderen Seite lerne ich gerade die Bücher im kleinen, handlichen Format zu schätzen, z.B. Pixi-Bücher (bzw. ähnliche Bücher aus anderen Verlagen) oder die Minimax-Bücher. Sie sind einfach äußerst praktisch. Kinder können sie gut selbst halten und selbst im vollen Urlaubskoffer finden sie immer noch ein Plätzchen. Gerade bei der Minimax-Reihe kann ich beinahe blind zugreifen, denn hier erscheinen viele schöne (neuere) Bilderbucklassiker („Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“, „Freunde“, „Oh, wie schön ist Panama“, „Frederick“, „Adieu, Herr Muffin“ und einige andere). Zwei Bücher aus der Minimax-Reihe habe ich auch schon in diesem Blog vorgestellt: „Das große Gähnen“ und „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“: Beide Bücher sind hier sehr beliebt, insbesondere das Buch von Axel Scheffler und Julia Donaldson. Nun habe ich zwei weitere Bücher aus der Reihe vor mir legen, bei denen ich allerdings nicht so recht weiß, was ich von ihnen halten soll. Sowohl „Oscars Autos“ als auch „Mama, ich mag dich…“ erzählen eine tolle Geschichte, die jeweils die Sichtweise bzw. die Fantasie von Kindern gut darstellt, aber ich frage mich, wie die Geschichten von Kindern wahrgenommen werden.

In dem Buch „Oscars Autos“ wird das Spiel mit Autos zur erlebten Wirklichkeit. Es ist Nacht, aber das Telefon von Oscar steht nicht still. Alle brauchen Oscars Hilfe. Oscar soll das Feuerwehrauto fahren und er koordiniert die Lösung des Kioskbrands, anschließend fährt er das Abschleppauto und holt viele kaputte Autos von einer Straße. Das Genörgel der Menschen, denen es nicht schnell genug gehen kann, macht ihm jedoch keinen Spaß und so legt er sich ins Bett. Doch auch dort hat er keine Ruhe, denn wer soll den Lastkran am Hafen bedienen? Aber das hat Zeit bis zum nächsten Morgen…

Da staunen die Kinder beim Lesen: Oscar darf all die großen Autos fahren und er allein bestimmt, wie alles zugeht. Klasse, das möchte doch jedes Kind einmal! Aber warum kann nur Oscar das Feuerwehrauto fahren? Diese Frage stellt sich Bücherwürmchen natürlich. Warum soll Oscar allen helfen? Ja, ihm gefällt die Geschichte, in der es auf den Bildern große Fahrzeuge zu sehen gibt und bei der die Massenkarambolage überspitzt dargestellt wird, aber so richtig einordnen kann er sie nicht. Das Cover zeigt, worum es in der Geschichte eigentlich geht: Oscar spielt mit seinen Autos und natürlich bestimmt er, wie es dabei zugeht. Betrachtet man die Geschichte als Spiel eines Kindes, so kann man sicherlich viel von dem Spielverhalten des eigenen Kindes darin entdecken. Auch Bücherwürmchen lässt die Feuerwehr zu vielen Bränden fahren und bei einem Unfall fliegen die Autos schnell mal wild durch die Gegend. Das Buch erzählt das Spiel eines Kindes mit Autos sehr treffsicher und passend. Allerdings nehmen Kinder dieses Buch wie auch ihr eigenes Spiel ernst. Was in dem Buch passiert, geschieht für sie wirklich, aber es wundert sie, wieso es so ist. Warum kann nur ein Junge all diese großen Autos fahren? Und man sollte ihnen bloß nicht sagen, dass es sich hier „nur“ um Oscars Fantasie handelt, denn das würden sie erstens nicht akzeptieren und zweitens würden sie dagegen protestieren, wenn man ihr Spiel auf diese Wiese herabsetzen würde. So bleibt „Oscars Autos“ eine schöne Geschichte, die ein wenig in der Luft hängt.

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Mama, ich mag dich…“ finde ich persönlich wunderschön. Die Bilder sind niedlich und die Geschichte ist äußerst humorvoll, inklusive einer überraschenden Wendung. Hasensohn erzählt, warum er seine Mama, die er eigentlich sehr lieb hat, nicht mag. Dabei nennt er neben Argumenten wie dass sie ständig keine Zeit hat, auch ein unerwartetes Argument, über das man lachen muss, indem aber auch viel Wahrheit steckt.

Mir gefällt dieses Buch so gut, weil es einfach die Beziehung zwischen Mutter und Sohn so herrlich skizziert und auf den Punkt bringt. Wirklich klasse gemacht! Aber verstehen auch Kinder, die gerade selbst voller widersprüchlicher Gefühle ihrer Mutter gegenüber sind, den Witz dieses Buches? Ich glaube eher nicht. Bücherwürmchen kann sich jedenfalls nicht mit dem Hasenkind identifizieren und meint, dass das bei uns nicht so wäre. Irgendwie scheint er mich verteidigen zu wollen. Das Buch gefällt ihm trotzdem: „Ich das schön, weil da jemand so wütend ist. Das mag ich.“ Hm, ich glaube, das ist zwar eigentlich nicht die Aussage des Buches, aber schön, wenn ihm dieses Buch gefällt. Ich mag es nämlich wirklich, aber aus anderen Gründen…

Übrigens kann ich mir gut vorstellen, dass dies ein schönes Muttertagsgeschenk ist und wie sagt man doch so schön: „Muttertag ist an jedem Tag!“

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Oscars Autos von Carl Johan de Geer und Jan Lööf, übersetzt von Andrea Lüthi, Beltz & Gelberg 2015, Minimax, ISBN: 978-3-407-76152-1, 5,95€

Mama, ich mag dich… von Komako Sakai, übersetzt von Ursula Gräfe, Beltz & Gelberg 2015, Minimax, ISBN: 978-3-407-76153-8, 5,95€

Wohin wandern die Wörter von alten Menschen?

Manche Bücher überzeugen einen vom ersten Augenblick an. So ein Buch ist auch „Die Wörter fliegen“. Es ist einfach ein wunderschönes, poetisches Bilderbuch, welches mehrere Themen behutsam angeht. Vor allem aber der Schluss ist einfach sehr schön gemacht und lässt einen das Buch mit einem sehr guten, dankbaren Gefühl zuschlagen, selbst wenn einem die Thematik, die dieses Buch behandelt, im Alltag viele Sorgen und Probleme macht.

Aber auch wenn das Vergessen im Alter das Hauptthema dieses Buches ist, so schwingt auch viel anderes mit: Es geht um das Verhältnis und die Beziehung von Menschen aus verschiedenen Generationen sowie die Verbundenheit untereinander. Immer wird etwas von den Vorfahren in den Nachfahren weiter leben. Die älteren Generationen geben den jüngeren etwas mit, welches von diesen bewahrt wird. Das wurde in diesem Buch einfach wunderbar dargestellt.

Pia ist noch ein kleines Kind, aber ihre Oma kümmert sich gut um sie. Die Oma bringt der Enkeltochter viel bei und führt sie in die Welt ein, indem sie die Dinge beim Namen benennt. Irgendwann verändert sich die Beziehung zwischen den Generationen. Irgendwann ist die Oma auf ihre Enkeltochter bei der Suche nach den richtigen Wörtern angewiesen. Doch ihre Sorge, dass die Wörter davon fliegen könnten, ist unbegründet, denn die Wörter sind gut bei Pia aufgehoben.

Irgendwie hat mich dieses Ende unwahrscheinlich berührt. Das Buch übt einen besonderen Zauber auf einen aus und mir gefällt, wie dieses Thema so feinsinnig und positiv bearbeitet wurde. Natürlich sind mit einer solchen Aussage nicht alle Probleme bei Seite geschoben und die Problematik des Vergessens und der Demenz wird hier selbstverständlich nicht wirklich dargestellt, aber gerade für Kinder finde ich dieses Buch sehr gelungen. So kann eine erste Annäherung an die Thematik stattfinden ohne Kinder zu ängstigen. Kinder bekommen durch das Buch mit, dass ältere Menschen manchmal alles vergessen und sie hilflos auf andere angewiesen sind. Nicht nur der eigenen Oma geht es so, sondern auch anderen ergeht es so. Dieses Wissen kann für Kinder bereits ein Trost sein. Dass man sich natürlich auch noch anders mit der Thematik auseinandersetzen sollte, steht außer Frage, aber mir gefällt, dass es eben auch ein Bilderbuch dazu gibt, welches einfach verzaubert.

Auf den Bildern stechen die Oma und Pia farblich heraus. Der Rest des Bildes ist hauptsächlich in einem Farbton gehalten und Räumlichkeiten etc. werden durch einzelne Skizzen angedeutet. Die Beziehung und die Personen stehen im Vordergrund. Gedanken und Wörter fliegen in den Bildern durch Buchstaben und in Bildern über die Seite. Alles ist ein wenig diffus, passt aber hervorragend zu der Stimmung, die dieses Buch in einem auslöst.

Leider muss ich bei aller Begeisterung, die ich für dieses Buch habe, auch sagen, dass es Bücherwürmchen bisher nicht sonderlich angesprochen hat. Ja, er lässt es sich natürlich vorlesen, aber von selbst nimmt er es nicht in die Hand. Einerseits interessieren ihn ruhigere Bücher zur Zeit grundsätzlich eher weniger, und andererseits glaube ich auch, dass es in seinem Alter noch schwierig ist, sich vorzustellen, dass sich die Beziehung zu den Eltern und Großeltern irgendwann ändern wird. Noch ist es für ihn kaum vorstellbar, dass er selbst irgendwann mal erwachsen sein wird. Er weiß, dass es so ist. Er weiß auch, dass Oma und Opa die Eltern von seiner Mama/seinem Papa sind, aber trotzdem ist das für ihn alles sehr abstrakt und er wundert sich immer wieder darüber. Wie soll er es also verstehen, dass sich auf einmal das Kind, welches er selbst ja ebenfalls noch ist, irgendwann um die Oma kümmert (die momentan zu ihm kommt um mit ihm zu spielen)? Das ist nicht ganz einfach und vermutlich zu sehr aus der Erwachsenenperspektive herausgeschrieben. Die Zielgruppe wird also leider ein wenig aus dem Blick verloren, aber letztendlich ändert dies nichts daran, dass das Buch an sich sehr schön ist. Man muss nur eben schauen, inwiefern das Buch zur eigenen Situation und zum Verständnis des eigenen Kindes passt. Vielleicht wird das Buch von Kindern auch anders wahrgenommen, wenn sie mitbekommen, dass jemand in der Familie an Demenz erkrankt ist. Dazu kann ich allerdings keine Erfahrungswerte liefern.

Fazit: Ein wunderschönes Buch, welches berührt und verzaubert, welches jedoch für kleinere Kinder noch recht schwierig ist.

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Die Wörter fliegen von Jutta Treiber und Nanna Prieler, Nilpferd in Residenz, ISBN: 978-3-7017-2146-7, 14,90€

 

Viel Spaß mit dem besten Papa der Welt

Lange Zeit hat uns ja das Buch „Der liebste Papa der Welt“ begleitet. Nun gibt es ein ähnliches Buch, bei dem jedoch nicht von verschiedenen Papas die Rede ist, sondern es allein um den eigenen Papa geht, mit dem man jede Menge erlebt: „Mein PAPA ist der Allerbeste!“ (Natürlich gibt es auch das Pendant dazu: „Meine MAMA ist die Allerbeste!“). Es handelt sich hierbei um ein Pappbilderbuch, in dem in Reimen erzählt wird, warum der Papa der Beste ist. Warum ist er das? Das ist doch klar: Er ist groß, stark und schnell, kleckert beim Essen genauso wie das Kind, spielt gerne Pirat und mit Schaum in der Badewanne und bringt das Kind liebevoll ins Bett. So ein Papa ist natürlich toll! Besonders schön ist es, wenn das Kind, dem dieses Buch vorgelesen wird, seinen Papa in dem Buch wiedererkennen kann und ich denke, dafür sind die Beispiele in dem Buch ganz gut gewählt. Bücherwürmchen konnte an vielen Stellen feststellen, dass sein Papa ebenso lustig mit ihm spielt. Allerdings fand er die Vergleiche manchmal schwierig. Warum soll denn der Papa so groß wie eine Giraffe sein? Nein, so groß ist sein Papa doch gar nicht! Allerdings denken kleine Kinder tatsächlich, dass ihr Papa riesig ist und es auf jeden Fall kräftemäßig mit einem Löwen aufnehmen könnte. Das Buch richtet sich ja an 2-jährige und nicht an so große Kinder wie Bücherwürmchen (4 Jahre).

Die Reime sind weitestgehend in Ordnung, meinem persönlichen Sprachrhythmus entsprechen sie aber leider nicht so ganz.

Die Bilder sind nicht süß und niedlich, sondern einfach fröhlich und voller Leben – so wie das Leben mit Papa eben ist.

Insgesamt ein nettes, humorvolles Buch für kleine Kinder. Ich würde es allerdings nicht unserem geliebten „ Der liebste Papa der Welt“-Buch vorziehen…

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Mein PAPA ist der Allerbeste! von Sabine Frielinghaus und Susanne Weber, Oetinger, ISBN: 978-3-7891-7349-3, 5,99€

Das Buch macht Lust auf Frühling und Unternehmungen

Wir durften bereits ei ersten richtig warmen Tage in diesem Jahr erleben. Warme, frühlingshafte Tage, die Lust auf Aktivitäten draußen machen. Auch Familie Maus möchte da etwas unternehmen und so machen sich alle Mäuse direkt an die Vorbereitungen, als Papa Maus vorschlägt, ein Picknick zu machen. Und wie es dann zugeht, wenn 14 Mäuse durch Wald und Feld ziehen, können wir in dem Buch „Familie Maus macht Picknick“ sehen. Es gibt nicht nur viele Tiere und Pflanzen zu entdecken, sondern auch das eine oder andere kleine Abenteuer zu erleben. So klettern und springen die Mäuse um die Wette und einige versuchen selbst den Bach mit einem mutigen Sprung zu überwinden, was jedoch nicht allen gelingt, so dass einen Maus den weiteren Weg in Unterwäsche zurücklegen muss. Das Picknick im Gras ist dann natürlich besonders schmackhaft. Oh ja, da bekommt man selbst Lust darauf ein paar Leckereien in den Rucksack zu packen und in die Natur hinaus zu ziehen.

Die Geschichte von Familie Maus ist eine fröhliche, einfache Erzählung, die uns eine schöne Unternehmung innerhalb einer Familie zeigt. Hier wird kein großes, außergewöhnliches Abenteuer erzählt, sondern es geht um einen Ausflug, den jeder ohne aufwändige Vorbereitungen durchführen kann und der dennoch viele besondere Momente bereit hält. Und gerade das macht die Geschichte besonders. Aus einer kleinen Sache, einem Picknick im Grünen, wird ein fröhlicher Tag voller Lebensfreude und Entdeckungen, der mit Geld nicht zu bezahlen ist.

Hinzu kommt natürlich, dass die Bilder von Familie Maus wie immer äußerst bezaubernd sind und lange in einem nachwirken. Ich weiß, dass in meiner Kindheit meine Schwester mal ein Buch von Familie Maus hatte. An die Geschichte kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Bilder habe ich noch vor Augen und die Gefühle, die daran geknüpft sind, sind durchweg positiv.

Die vermenschlichten Mäuse sind niedlich und putzig dargestellt, passend zum Frühling herrschen auf vielen Seiten Grüntöne vor und Blüten und Blätter von Pflanzen sind recht ausdifferenziert. Auch wenn einzelne Bildelemente klar voneinander abgegrenzt sind, wirken die Bilder insgesamt sehr weich und die Mäuse heben sich teilweise nur leicht vor dem Wald und der Wiese ab.

Der kurze Text, der die Geschichte erzählt, ist in einer angenehmen Reimform geschrieben, aber die Seiten werden in erster Linie von den Bildern dominiert.

Ich freue mich jedenfalls, dass ich nun nach vielen Jahren mal wieder der Familie Maus begegnet bin! Vielleicht habt ihr ja auch Lust auf ein Frühlingspicknick – mit Familie Maus oder im nächsten Wald!

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Familie Maus macht Picknick von Kazuo Iwamura und Rose Pflock (Reime), NordSüd-Verlag, ISBN: 978-3-314-10266-0, 14,99€

Tulipan ABC – empfehlenswert für Erstleser

Es ist gar nicht so einfach gute Bücher für Erstleser zu finden, aber es gibt sie. Wenn man ein wenig abseits der Mainstream-Regale schaut, gibt es doch mehr gut gemachte Literatur für Leseanfänger, als ich zunächst dachte. Zum einen bringt beispielsweise der Obelisk Verlag aus Österreich gute Taschenbücher für diese Zielgruppe heraus, von denen ich euch demnächst noch ein paar vorstellen werde, und zum anderen habe ich nun auch ein Buch aus der Tulipan ABC-Reihe kennen gelernt, welches mich überzeugt hat: Neles kleine Schwester. Die Schrift ist gut lesbar und übersichtlich gestaltet. Die Leseabschnitte sind für die Zielgruppe gut zu bewältigen und es wurde eine Schriftart gewählt, in der die Buchstaben so geschrieben werden, wie die Kinder sie im ersten Schuljahr kennen lernen (abgesehen von Erstlesebüchern ist dies zum Beispiel beim kleinen „a“ ansonsten meist nicht der Fall). Die Sätze sind kurz und nicht verschachtelt, so dass Kinder am Ende eines Satzes auch noch wissen, was sie gelesen haben. Formell kann das Buch also schon einmal punkten. Nun aber zum Inhalt, der bei solchen Büchern leider oft etwas zu kurz kommt. Aber nicht so in dem Buch „Neles kleine Schwester“. Hier wird eine richtige Geschichte erzählt, eine Geschichte mit Gefühlen und einer authentischen Hauptperson.

Nele hat bei einer Schulveranstaltung das erste Mal einen Auftritt. Vor allen Zuschauern spielt sie etwas auf ihrer Flöte vor. Und dieses Stück, welches sie vorspielt, ist gar nicht so einfach. Beim Üben verspielt sie sich jedes Mal an der gleichen Stelle, aber bei ihrem Auftritt klappt es hervorragend. Nele ist ganz stolz und möchte ihre Freude mit ihren Eltern teilen. Doch diese sind gar nicht da, denn ausgerechnet an diesem Tag kommt Neles kleine Schwester Lena auf die Welt. Und Lena ist ja so süß. Alle haben nur noch Augen für Lena und niemand hat Zeit dafür, sich Neles Erzählungen von dem Auftritt anzuhören. Doch als am Abend dann der ganze Besuch gegangen ist, feiern Neles Eltern dann doch noch Neles großen Tag mit Kuchen und Eis. Jetzt findet sogar Nele Lena süß, denn die kleine Schwester muss ordentlich gähnen, als Nele zu Hause noch einmal ihr Flötenstück vorspielt.

Die Geschichte von Nele und ihrer kleinen Schwester ist eine Geschichte aus dem Leben. Sie bleibt nicht nur oberflächlich, sondern nimmt kindliche Gefühle behutsam auf und nimmt diese ernst. Es ist eine Geschichte, die sicherlich viele Kinder, bei denen auf einmal ein kleines Geschwisterkind dazu kommt, nachvollziehen können. Aber auch Bücherwürmchen, dem ich das Buch vorgelesen habe, hatte schon Spaß an der Geschichte und konnte den Inhalt am Ende gut zusammenfassen: „Die haben keine Zeit für Nele, weil das Baby da ist.“

Auffällig sind auch die Bilder in dem Buch, welche in erster Linie die Figuren zeigen. Hier sind die großen Köpfe und großen Augen besonders hervorstechend. Man fühlt sich direkt von den Blicken und den leuchtenden Augen, die von Wimpern umrahmt sind, angesprochen. Gerade durch die Reduzierung der Bilder auf die Figuren kommen die erlebten Gefühle Neles gut heraus und die Bilder bleiben einem im Gedächtnis. Text und Bilder harmonieren gut und bilden zusammen ein tolles Buch, welches sich gut für Erstleser eignet, aber auch allen anderen durchaus Spaß macht, was bei dieser Buchkategorie nicht selbstverständlich ist.

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Neles kleine Schwester von Anne Maar und Manuela Olten, Tulipan Verlag, ISBN: 978-3-86429-221-7, 8,95€