Kuriose Bilder werden durch Trickfilme aufgeklärt

In der Bilderbuchwelt werden immer mehr die Möglichkeiten der neuen Medien entdeckt. Nachdem es audiodigitale Stifte zu Büchern gab, kommen nun die Apps, die eine Brücke zwischen den Büchern und den Smartphones schlagen. Einen sehr interessanten Einsatz des Smartphones haben sich die Autoren des Buches „Was ist denn hier passiert?“ überlegt, welches der Tulipan Verlag heraus gebracht hat.

Schlägt man das Buch auf, so sieht man zunächst auf zwölf Doppelseiten kuriose Bilder: Eine alte Frau sitzt neben ihrem Pudel im Auto, welches sich eindeutig nicht auf der Straße, sondern im Himmel befindet. Ein Mädchen hat einen aufgeblähten, fliegenden Hund an der Leine. Auf dem Friseurstuhl sitzt ein haariges Etwas neben einem Teddy und einer Schildkröte, denen ebenfalls merkwürdige Frisuren wachsen. Auf einer Insel ist ein Schiff gestrandet, dem mittendrin ein großes Stück fehlt. Bei all diesen Situationen fragt man sich unweigerlich: „Was ist denn hier passiert?“ Ja, was ist passiert, dass es zu diesen Szenen gekommen ist? Darüber kann man nun gemeinsam mit seinen Kindern nachdenken und selbst verrückte Geschichten entwickeln. Leider fällt dieser Teil dann in der Realität meistens weg, denn erstens fällt einem selbst oft erst einmal einfach gar nichts ein und zweitens gibt es eine andere Möglichkeit, die einem ganz einfach eine Lösung präsentiert. Mit dem Smartphone kann man (bei einer Internetverbindung) einen QR-Code einscannen und sich so einen kurzen Trickfilm anschauen, der genau mit der Szene im Bilderbuch endet. So erfährt man, wie beispielsweise die Frau im Auto im Himmel landet oder wie es dazu kam, dass der Friseur Besuch von den drei haarigen Wesen bekommen hat. Natürlich sind die Geschichten ebenso kurios und fantasievoll wie die Bilder selbst. Es sind witzige, kleine Anekdoten, die ganz ohne Worte gezeigt werden. Worte und Erzählungen dürfen die Leser selbst dazu erfinden.

Die Idee, die hinter diesem Buch steckt, gefällt mir insgesamt gut. Schade ist nur, dass Kinder sich kaum etwas selbst überlegen, sondern sich lieber die Trickfilme anschauen. Ganz selten hatte Bücherwürmchen mal eine eigene Idee, z.B. meinte er, dass das Auto in die Luft flog, weil die Erde so gewackelt hat. Leider ging er auch davon aus, dass man eine richtige Lösung finden sollte und fragte nach seinen eigenen Ideen, ob diese falsch seien. Hier muss man die Kinder natürlich unbedingt davon überzeugen, dass es an dieser Stelle kein richtig und falsch gibt. Bevor wir uns die Filme angeschaut haben, haben wir immer kurz darüber gesprochen, was denn auf dem Bild überhaupt sonderbar ist und welche Situation zu sehen ist. So war Bücherwürmchen gut auf die Filme vorbereitet und konnte ihnen gut folgen. Auf die Filme freute er sich immer. Wenn ich ihn fragte, wie es denn wohl zu einer bestimmten Situation gekommen ist, schlug er meist direkt vor: „Komm, wir schauen uns das mal im Handy an!“ Allerdings habe ich das Anschauen der Filme auf einmal pro Tag beschränkt (wobei ich mir schon recht großzügig vorkomme, da dies die einzigen Filmchen sind, die Bücherwürmchen bisher zu sehen bekam), beim zweiten Mal schauen haben wir dann zusammen nacherzählt, was passiert ist.

Das Buch kommt auf jeden Fall sehr gut an. Man kann es letztendlich auch ohne die Filme nutzen. Ich kann mir auch gut einen Einsatz im Kindergarten oder in der Schule bzw. in größeren Gruppen vorstellen. Dabei würden sicherlich auch tolle eigene Geschichten entstehen, insbesondere wenn die Kinder zunächst noch nichts von den Trickfilmen wissen.

Gut gefällt mir übrigens auch, dass man keine eigene App für das Buch benötigt, sondern nur einen QR-Code-Reader. Mein altes Smartphone hatte allerdings scheinbar ein zu altes Betriebssystem. Egal, was ich eingestellt habe – ich konnte mir die Filme nicht anschauen. Da war ich natürlich schon ziemlich enttäuscht und habe mich auch geärgert. Nun habe ich ein Smartphone mit einer neueren Android-Version (4.4) und da funktioniert das Ganze zum Glück ohne Probleme.

Eigentlich möchte ich noch gar nicht, dass mein Sohn mit Apps und Filmen in Berührung kommt, so dass ich das Buch vielleicht noch mal ohne große Worte im Bücherregal verstecken werde… Andererseits sind die Filme wirklich nett gemacht und das Konzept an sich gefällt mir gut. Hm… ich befinde mich in einem Gewissenskonflikt… Zurückstellen heißt ja aber auch nicht, dass er sich das Buch nie wieder anschauen darf… Das wäre auch wirklich zu schade, denn dafür ist es einfach zu liebevoll gemacht!

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Was ist denn hier passiert? Ein Bilderbuch mit zwölf Trickfilmen von Julia Neuhaus und Till Penzek, Tulipan Verlag, ISBN: 978-3-86429-214-9, 18€

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Musik und Sprachen muss man hören

Ihr habt gestern sicherlich schon gemerkt, dass ich von den TipToi-Büchern durchaus angetan bin und heute werdet ihr nun ein paar Bücher etwas genauer kennen lernen. Besonders gelungen finde ich die Bücher „Die Welt der Musik“ und „Entdecke Musik aus aller Welt“.

Das Buch „Die Welt der Musik“ führt einen wirklich ausführlich in verschiedene Themen innerhalb der Musik ein. So werden nicht nur die verschiedenen Instrumente vorgestellt und Informationen zu Tönen, Rhythmen und Komponisten bereit gestellt, sondern auch dem Thema Alltagsgeräusche sowie dem Musizieren mit dem Körper und verschiedenen Gegenständen werden mehrere Seiten gewidmet. Gerade die Geräusche aus Natur und Umwelt irritierten Bücherwürmchen zunächst und er wunderte sich, dass sie in einem Buch über Musik zu finden sind, aber auf diese Weise wird die Bandbreite von Musik gut verständlich und Kinder lernen ihre Umwelt bewusster wahrzunehmen. Toll und passend sind in diesem Buch natürlich auch die Geräusch- und Suchspiele. Einerseits muss man Töne oder Geräusche Instrumenten oder z.B. Tieren zuordnen und andererseits soll man durch Beschreibungen das richtige Instrument herausfinden.

Auch die Informationen, die man in diesem Buch erhalten kann, gefallen mir gut. Sie sind teilweise schon sehr detailliert und erklären jede Menge, z.B. wie genau ein Instrument funktioniert, aber es werden auch Geschichten rund um die Instrumente erzählt. So erfährt man beispielsweise bei den Posaunen die biblische Geschichte, bei der durch den Klang der Posaunen die Mauern von Jericho einstürzten.

Für kleinere Kinder, die sich bisher noch nicht so viel mit Musik beschäftigt haben, sind manche Informationen schon etwas sehr anspruchsvoll, aber auch für sie ist es sicherlich interessant herauszufinden, wie welches Instrument klingt. Für so etwas ist so ein Stift natürlich wirklich genial! Wenn man nur etwas über Instrumente liest, kann man sich nur schwer vorstellen wie ein Instrument klingt und auch Begriffe wie hoch und tief sind für Kinder wenig konkret. Durch die Geräusche werden sie aber greifbar und verständlich.

Ein besonderes Extra ist das farbige Glockenspiel im Buch, auf dem man mit dem Stift kleine Liedchen spielen kann. Entweder man erfindet eine eigene Melodie oder man versucht die Noten der zwei abgedruckten Lieder zu spielen. Das ist natürlich reizvoll.

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Um Musik geht es auch in dem Buch „Entdecke Musik aus aller Welt“. Hier lernt man nichts über die typischen Orchesterinstrumente kennen, sondern man kann sich anhören zu welcher Musik man in Griechenland tanzt, wie die afrikanischen Trommeln klingen und wie unterschiedlich in Nord- und Südamerika Musik gemacht wird. Dabei lernt man selbstverständlich auch ein paar Instrumente kennen, die selbst Erwachsenen nicht unbedingt bekannt sind. Rund um die Welt wurden die erstaunlichsten Instrumente erfunden. Schön für Kinder ist, dass bei diesen exotischen Instrumenten darauf hingewiesen wird, welchen europäischen Instrumenten sie ähneln, so dass die Kinder einen Bezug zu den Instrumenten bekommen.

Bücherwürmchen hört sich gerne den Dudelsack sowie den jodelnden Mann an. Ich höre gerne die fröhliche irische Musik, finde aber auch die fremden Klänge aus Afrika oder Asien spannend.

Auch hier gibt es natürlich passende Spiele, die ähnlich wie in dem zuvor beschriebenen Buch sind.

Insgesamt ebenfalls ein tolles Buch, welches Lust auf Musik aus anderen Ländern macht. Überall auf der Welt wird gesungen, musiziert und getanzt. Mit Musik wird ein Lebensgefühl ausgedrückt. Sie gehört bei allen Kulturen zum Leben dazu und egal wie fremd sie auch klingen mag, man versteht sie dennoch sofort, so dass Musik ein einfacher Weg zur Völkerverständigung und zum Überwinden von Grenzen darstellt. Schön, wenn Kinder mit Hilfe dieses Buches nicht nur etwas über Musik lernen und erfahren können, sondern auch über andere Länder und Kulturen.

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Hier schließt sich auch das letzte Buch aus dieser Reihe an, welches ich bisher kennen lernen durfte: „Wir reisen durch Europa“.

Auf den ersten Blick gefiel es mir nicht ganz so gut, denn hier werden keine Landkarten mit Symbolen und Bildchen gezeigt, sondern von jedem vorgestellten Land wird nur ein Ausschnitt einer Stadt oder einer Landschaftsszene gezeigt. England, Frankreich und Italien werden durch ihre Hauptstädte präsentiert, während für Spanien ein Strand, für Österreich die Berge, für die Niederlande ein Campingplatz und für Deutschland die Nordseeküste gezeigt werden. Ist es in Ordnung, wenn ein Land auf wenige Details reduziert wird? Erst war meine Antwort eher nein, aber nach längerer Überlegung lautet sie eher ja! Ja, es ist für Kinder im Alter von 4-7 Jahren in Ordnung, denn auf diese Weise wird die Begegnung mit einem anderen Land für sie viel konkreter als wenn sie eine Karte des Landes sehen. Hier reisen sie mit verschiedenen Familien in den Urlaub und im Urlaub nimmt man nur einen Teil des Landes wahr. Man trifft Menschen aus dem Land, sieht ein paar Sehenswürdigkeiten, hört die Sprache und isst landestypisches Essen. Genauso geht es Kindern, die sie mit diesem Buch beschäftigen. Urlaub kennen sie aus eigener Erfahrung und so können sie sich schnell in die jeweilige Situation versetzen und gemeinsam mit den Familien den Urlaubsort erforschen. Das Buch stellt somit authentische Situationen vor und die Kinder können in einem altersgerechten Rahmen so einiges über ein paar ausgewählte Länder Europas erfahren. Besonders gut gefällt mir, dass man sich sogar Sätze und Dialoge in der jeweiligen Landessprache (inkl. der Möglichkeit der deutschen Übersetzung) anhören kann. Teilweise sind die Dialoge recht lang, aber so hat man eine gute Chance den Klang einer Sprache wahrzunehmen. Das englische Klatschspiel hat sich Bücherwürmchen bestimmt fünf Mal nacheinander angehört. Allerdings fand er auch das alberne „Spaghetti“ für ein Familienfoto äußerst lustig.

Neben Infos zu den gezeigten Städten und ihren Sehenswürdigkeiten erfährt man natürlich auch ein paar allgemeine Sachen über die Länder, z.B. etwas über die Nachnamenregelung in Spanien, über Schuluniformen in England oder übers Vespa fahren in Italien. Dazu kommen auch in diesem Buch Such-, Merk- und Wissensspiele, an denen die Kinder Spaß haben, wobei man Bücherwürmchen noch recht viel helfen muss. Aber die eine oder andere Quizfrage konnte er am Ende des Buches auch schon selbst richtig beantworten und so waren sowohl er als auch ich beim Zuklappen des Buches völlig zufrieden.

Ja, ich gebe es zu: Ich mag die TipToi-Bücher wirklich gerne! Die audiodigitalen Möglichkeiten wurden sehr gut genutzt und alles ist aufwendig und detailliert gestaltet.

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Der Stift muss separat erworben werden!

Die Welt der Musik, Wieso? Weshalb? Warum?, TipToi, Ravensburger, ISBN: 978-3-473-32902-1, 19,95€

Entdecke Musik aus aller Welt, Wieso? Weshalb? Warum?, TipToi, Ravensburger, ISBN: 978-3-473-32915-1, 19,99€

Wir reisen durch Europa, Wieso? Weshalb? Warum?, TipToi, Ravensburger, ISBN: 978-3-473-32914-4, 19,99€

Nachdem der Ting-Stift hier schon heimisch ist, folgt nun der TipToi-Stift

Digitales in der Bücherwelt? Erst einmal regte sich in mir eine gewisse Abwehr, aber dann habe ich letztes Jahr das Ting-System anhand der „Was ist Was-junior“-Bücher getestet. Und nun geht es mit den TipToi-Büchern von Ravensburger weiter. Eigentlich wollte ich damit nichts zu tun haben, da ich es blöd finde, dass man dafür den TipToi-Stift benötigt, der einzig und allein mit Büchern und Spielen aus dem Ravensburger Verlag kompatibel ist. So etwas mag ich nicht. Aber dann hat Bücherwürmchen zu Weihnachten das TipToi-Buch „Entdecke die Ritter“ bekommen und da konnte ich dann doch nicht länger widerstehen. Ich war ja schon neugierig auf die Funktionen des Stiftes und nun hatte ich einen Anlass den Stift zu besorgen…

Als der Stift dann bei uns ankam, war ich begeistert! Bücherwürmchen hat sich richtig lange mit dem Stift beschäftigt, wobei man natürlich sagen muss, dass dieses Thema ihn auch sehr interessiert.

Die Texte sind zum Teil ziemlich lang, aber er hörte sie sich konzentriert und geduldig an. Wenn ihn etwas interessierte oder er etwas lustig fand, hörte er sich die Texte auch häufig mehrfach an. Toll, wie er nun den Stift benutzte! So intensiv hat er den Ting-Stift nur selten benutzt… Allerdings kann dies erstens am Thema liegen und zweitens hielt die Begeisterung für den Stift nur ein, zwei Tage an… Danach nutzte er den Stift nur nach Aufforderung bzw. zog das alte Buch mit den Klappen aus der „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe dem TipToi-Buch vor.

Schade eigentlich, denn mit dem Stift kann man wirklich jede Menge erfahren. Die Texte werden deutlich gesprochen und sind für Kinder im Vorschul- und Schulalter insgesamt gut verständlich. Toll ist auch die Mischung aus Wissen, Geschichten und Geräuschen. Für kleinere Kinder ist es allerdings nicht ganz einfach die Funktionen „Entdecken“, „Wissen“ und „Geschichten“ auseinander zu halten, wobei die Übergänge auch sehr fließend sind und manche Texte mehreren Funktionen zugeordnet sind und manches würde man selbst anders einteilen. Bücherwürmchen benutzt meist pro Seite auch nur eine der Funktionen. Alles andere beinhaltet für ihn noch zu viele Möglichkeiten und setzt mehr Übersicht und gezielteres Vorgehen voraus.

Gut gefällt mir, dass man häufig von einem Bild zum nächsten geleitet wird. Das hat gleich mehrere Vorteile: Erstens bilden einzelne Infos so nach und nach ein Ganzes und das neu erworbene Wissen wird miteinander verknüpft, zweitens schauen sich die Kinder die Seite intensiv an, denn sie müssen das nachfolgende Bild suchen, wobei sie sich auch einen neuen Wortschatz aneignen bzw. den bereits vorhandenen festigen, denn wenn sie dazu aufgefordert werden als nächstes den Schmied oder das Kloster anzutippen, müssen sie wissen was diese Worte bedeuten, und drittens tippen die Kinder nicht wild auf dem Bild herum um den Stift irgendwie zum Sprechen zu bringen, sondern gehen etwas strukturierter vor. Natürlich kann man auch spontan auf die Dinge tippen, die einen gerade interessieren, aber Bücherwürmchen nimmt die Vorschläge dankbar an.

Die Bilder der „Wieso? Weshalb? Warum?“-Bücher sind ebenso wie die der „Was ist was-junior“-Bücher überaus ansprechend. Man schaut wirklich gerne in die Bücher rein. Allerdings sind die TipToi-Bücher so gestaltet, dass sie auch nur mit Stift Sinn machen. Auf jeder Doppelseite gibt es nur einen kurzen, einführenden Text, alles Weitere erfährt man nur durch den Stift. Das ist bei den „Was ist was-junior“-Büchern anders. Auch ohne Stift bekommt man durch geschriebene Texte viele Informationen, die dann durch den Stift eben noch ergänzt werden.

Spiele innerhalb der Bücher gibt es übrigens auch bei beiden Systemen. Teilweise sind diese in den TipToi-Büchern schon ganz schön herausfordernd und eher für größere Kinder geeignet, aber gerade die Such- und Geräuschspiele machen auch den Kleineren schon viel Spaß.

Das Ritter-Buch ist für Bücherwürmchen das perfekte Buch und auch ich schaue es mir gerne mit ihm an und lerne dabei noch so einiges, allerdings ist dies an sich kein Thema, bei dem unbedingt ein audiodigitaler Stift benötigt wird. Klar, er kann sehr viele Informationen liefern, aber dies ginge grundsätzlich natürlich auch in geschriebener Form. Es gibt dahingegen aber Themen, bei denen eine auditive Komponente nicht nur nett, sondern äußerst hilfreich ist und dies ist immer dann der Fall, wenn es um Musik und Instrumente sowie um Sprachen geht. Und bei diesen Themen wird man innerhalb der TipToi-Reihe (in Bezug auf Musik im Gegensatz zur Was ist Was-Reihe) auch fündig. Morgen werde ich euch ein paar dieser TipToi-Bücher hier vorstellen.

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Entdecke die Ritter, Wieso? Weshalb? Warum?, TipToi, Ravensburger, ISBN: 978-3-473-32910-6, 19,99 €

Die digitalen Möglichkeiten in der Bücherwelt nehmen zu: LeYo!

Ihr wisst ja, dass ich bei allem, was mit digitalen Medien zu tun hat, in Bezug auf meinen Sohn eher skeptisch bin. Andererseits bin ich aber auch neugierig und mag selbst kleine Spielereien rund um das Buch.

Nun gibt es vom Carlsen Verlag LeYo!. Hier kann man mit einem Smartphone und einer entsprechenden App Bilder aus deinem Buch mit verschiedenen Sinnen wahrnehmen: Im Buch unsichtbares wir auf dem Display sichtbar, man kann sich Erzähltexte, Geräusche und Musik anhören und Geschichten in einem Spiel erleben.

Letztendlich scheint es im Großen und Ganzen um Funktionen zu gehen, die (abgesehen von der „Durchblick“-Funktion) auch ein Ting- oder ein TipToi-Stift leistet. So was Neues ist LeYo! also doch nicht. Der Vorteil ist natürlich, dass man sich nicht extra einen relativ teuren Stift kaufen und sich dabei für eines der beiden Systeme entscheiden muss. Man benötigt nur ein Smartphone und das hat mittlerweile ja fast jeder. Die App ist sogar mit meiner alten Android-Version kompatibel. Das ist schon mal positiv! Allerdings nimmt sie auch jede Menge Speicherplatz ein – vier mal so viel wie meine zweitgrößte App…

Ausprobiert habe ich dies alles anhand des Buches „Mein Atlas“ und ich muss sagen, einen großen Unterschied zu den digitalen Stiften sehe ich tatsächlich nicht. Allerdings lässt sich so ein Stift dann doch besser handhaben. Ich fand es ziemlich anstrengend, das Smartphone über das Buch zu halten. Bücherwürmchen war es mit dem Smartphone viel zu kompliziert und ihn langweilte das Ganze schnell. Er wollte, dass ich das „blöde Handy“ endlich zur Seite lege und wir uns das Buch so anschauen.

Die Informationen, die man durch die App bekommt, sind gar nicht schlecht, wenn auch nicht immer ganz einfach. So kann man ein bisschen etwas zu den Bildern auf den Landkarten erfahren. Mich persönlich reizt es schon, mit dem Smartphone über die Bilder zu gehen um zu erfahren, was mir die App dazu interessantes erzählen kann. Nur irgendwann tat mir dann der Arm weh und der Spaß ist schnell vorbei. Außerdem muss man darauf achten, dass man über dem Buch keine direkte Lichtquelle hat um Reflektionen zu vermeiden und zudem muss man das Handy relativ still über die Bilder halten…

Die Spiele finde ich im Gegensatz zu den Geräuschen und Informationen ziemlich langweilig. Man scannt ein bestimmtes Detail ein, welches dann zu einer Bewegung animiert wird. Naja, spannend und interaktiv ist was anderes…

Die Durchblick-Funktion lässt einen noch mehr erfahren, als man auf der Seite erahnen kann. Wenn man sie allerdings unabhängig von den anderen Funktionen nutzt, kann sie ziemlich verwirrend sein. Ich habe z.B. „Astrid Lindgren“ in Schweden eingefangen und was sehe ich auf einmal auf dem Display? Ein Bild zu Wilhelm Tell, einer Geschichte aus der Schweiz. Häh? Hat da jemand etwas durcheinander gebracht? Scheinbar nicht, denn in der Hör-Funktion wird man, nachdem man ein paar Bücher von Astrid Lindgren genannt bekommen hat, dazu ermuntert, die Durchblick-Funktion zu nutzen um etwas über andere europäische Geschichten zu hören. Na, jetzt ist alles klar, aber auch nur wenn man die nicht vorgeschriebene Reihenfolge einhält…

Das Buch an sich gefällt mir übrigens gut. Die Bildchen auf den Kontinenten sind ansprechend gezeichnet (Ich mag aber die Illustrationen von Yayo Kawamura sowieso gerne.)und laden dazu ein, sich alles genau anzuschauen, einiges zu entdecken und nach mehr Informationen zu fragen. Denn während ein Tier klar für die Fauna eine Landes oder Kontinentes steht, werden andere Dinge Kindern erst durch Gespräche oder eben die App verständlich sein.

Neben den Kontinenten findet man übrigens auch noch einen (ziemlich klein gedruckten) Infotext, der auch ein wenig Wissen übermittelt.

Natürlich werden die Länder hier nur stark vereinfacht dargestellt. Nur wenige Besonderheiten eines Landes werden hervorgehoben, aber dafür sind die Seiten auch nicht überladen. Meines Erachtens reichen diese wenigen Informationen für einen ersten Einblick in die Vielfalt der Welt auch aus. Kinder werden neugierig auf andere Länder und Kulturen gemacht, sie eignen sich spielerisch ein erstes Wissen an und können schon eine ganze Menge entdecken und über viel Unbekanntes staunen.

Insgesamt ist „Mein Atlas“ ein schönes Buch, welches für Kinder, die bereits gerne digitales Medien nutzen, durch die App vielleicht noch spannender wird. Ich persönlich lasse mein Smartphone lieber noch außerhalb der Reichweite von Bücherwürmchen und lasse ihn noch mal auf Ting -und TipToi-Stifte zurückgreifen. Den Umgang damit finde ich wesentlich einfacher… Aber wer noch keinen dieser Stifte besitzt, kann hier natürlich die digitalen Möglichkeiten innerhalb der Bücherwelt wesentlich günstiger testen.

 LeYo!_ Mein Atlas

Leyo!: Mein Atlas von Volker Präkelt und Yayo Kawamura, Carlsen, ISBN: 978-3-551-22180-3, 19,99 €