Für die ganze Familie: Jede Menge Vorlesestoff

Sehr schön für die ganze Familie sind Vorlesebücher. Sie eignen sich auch gut als Lektüre für den Urlaub, denn so hat man mit einem einzigen Buch gleich viele verschiedene Geschichten eingepackt. Allerdings gibt es auch einige Bücher mit langweiligen, nichtssagenden Geschichten und so lohnt es sich bei der Auswahl genauer hinzuschauen.

Ein paar Bücher, die sich natürlich auch gut als Geschenk für Weihnachten eignen, möchte ich heute vorstellen.

Ein ganz besonderes Vorlesebuch ist sicherlich „Im Affenzahn mit der Bimmelbahn – Das große James Krüss Vorlesebuch“, denn hier finden sich neben normalen Geschichten, viele in gereimte Gedichte verpackte Geschichten. Ich bin nicht unbedingt ein Gedichte-Fan, aber ich mag James Krüss unheimlich gerne. Vor allem sind es nicht einfach nur Gedichte, die schön gereimt sind und sich nett anhören, sondern sie erzählen ganze Geschichten. Bei James Krüss geht es lustig und fantasievoll zu und man bekommt Spaß an der Sprache und am Reimen.

Ich gebe zu, dass mir bei „Henriette Bimmelbahn“ die Bilder von Lisl Stich ein wenig fehlen, aber ansonsten bin ich mit großer Freude auf Entdeckungstour quer durch das Buch gegangen. Besonders spannend fand ich es, dass ich einige Texte gefunden habe, die mir aus der Kindheit bekannt waren, von denen ich aber nicht wusste, dass sie von James Krüss waren. Ich bin mir ganz sicher, dass meine Mutter uns „Die Weihnachtsmaus“ früher aus einem Weihnachtsbuch vorgelesen hat und die „Hundertzwei Gespensterchen“ soll ich angeblich bei der musikalischen Früherziehung kennen gelernt haben. Ich kann mich daran und auch an den Text nicht mehr erinnern, aber ich war dennoch hoch erfreut, dass ich dieses Gedicht nun James Krüss zuordnen kann und ich den ganzen Text noch einmal lesen konnte. Die bekannte Geschichte von „Ladislaus und Annabella“ findet man hier natürlich auch, wie so viele, viele andere Geschichten und Gedichte.

In diesem Buch kann man wirklich stundenlang blättern, selber lesen, vorlesen und es immer wieder hervor holen. Dieses Buch gehört einfach in jede Familie.

Die Seiten sind farbig und mit Illustrationen gestaltet. Auch auf diese Weise wird deutlich, wie bunt diese Vielfalt, die Sprache und Fantasie von James Krüss sind. Hier kann einfach nichts weiß bleiben.

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Im Affenzahn mit der Bimmelbahn – Das große James Krüss Vorlesebuch, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-0372-8, 16,99€

Liest du  mir was vor?“ fällt alleine durch das „Vorleseglücksrad“ auf dem Cover positiv auf. Kinder haben einfach großen Spaß daran, das Glücksrad zu drehen und zu schauen, wo der Pfeil stehen bleibt, wobei sie da ganz schnell ein wenig nachhelfen und so der Pfeil immer wieder bei den Lieblingsgeschichten landet. Die Bilder, die jeweils für eine Geschichte stehen, verraten noch nicht all zu viel von dem Inhalt, was es einerseits spannend macht, aber andererseits sind manche Bilder Kindern erst einmal zu langweilig oder nichtssagend, so dass sie die Geschichte nicht auswählen möchten. Dies muss im Umkehrschluss jedoch nicht heißen, dass sie die Geschichte selbst nicht spannend fänden.

Die Geschichten selber können auf jeden Fall überzeugen. Sie sind sehr kindgerecht und stammen einerseits aus dem Alltag der Kinder und andererseits gibt es Piraten-, Räuber- und Marsmännchengeschichten – insgesamt eine schöne Mischung. Es geht einfach um Dinge, die Kinder bewegen: Es werden Pommes angebaut und mit Ketchup gedüngt, der Papa zeigt dem Sohn ein paar Fußballtricks, es geht um Streit und Spaß zwischen Geschwistern, im Traum läuft das Karussellpferd über Wiesen und Felder und vieles mehr. Bücherwürmchen möchte jedenfalls eine Geschichte nach der anderen hören.

Illustriert ist das Buch natürlich auch. Die Bilder sind frisch und fröhlich.

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Liest du mir was vor? von Maren von Klitzing, illustriert von Barbara Korthues, ellermann im Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7707-4296-7, 14,99€

Ebenfalls überzeugen kann das Buch „Die Welt bei uns zu Hause – Vorlesegeschichten über andere Kulturen“. Kinder können hier spielerisch und ganz nebenbei etwas über Traditionen und Bräuche aus anderen Ländern erfahren. Besonders gut gefällt mir, dass das alles ohne erhobenen Zeigefinger geschieht. Sie wirken nicht angestrengt und man hat nicht das Gefühl, dass hier unbedingt etwas vermittelt werden soll. Im Gegenteil, die Geschichten kommen ganz natürlich daher, sie greifen kindliche Erlebnisse auf und lassen sich gut lesen. Die Begegnungen mit Sprachen, Traditionen und Menschen aus anderen Ländern finden im deutschen Alltag statt, z.B. im Kindergarten oder beim besten Freund zu Hause. So lernt Tim beim Kindergeburtstag seiner Freundin Lupita die mit Süßigkeiten gefüllte Pinata kennen und mit Samba aus dem Senegal dürfen die Kinder aus dem Kindergarten einmal in der Woche trommeln. Außerdem lernen die Kinder im Kindergarten das schwedische Luciafest kennen, Lilly darf bei ihrer chinesischen Freundin An das Essen mit Stäbchen ausprobieren und Lena darf sich mit ihrer Oma eine Aufführung von „Schwanensee“ anschauen. Sinterklaas, das kurdische Neujahrsfest, italienisches Essen, eine finnische Sauna spielen in diesem Buch neben einigen anderen Ländern und Bräuchen ebenfalls eine Rolle. Insgesamt gibt es 20 Geschichten aus ganz unterschiedlichen Kulturen in dem Buch, welches ebenfalls mit bunten Bildern illustriert ist.

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Die Welt bei uns zu Hause – Vorlesegeschichten über andere Kulturen von Susanne Orosz, illustriert von Stefanie Scharnberg, ellermann im Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7707-3423-8, 14,99€

Vielleicht wirken sie auf den ersten Blick etwas unspektakulär, aber zum Vorlesen und insbesondere abends eignen sich die Geschichten aus dem Buch „Wunderbare Gute-Nacht-Geschichten“ dennoch sehr gut. Die Geschichten verlaufen insgesamt sehr ruhig und sie sind meist auch kaum länger als 1 ½ Seiten, aber gerade deswegen sind sie als Gute-Nacht-Geschichte genau das richtige. Denn abends brauchen Kinder nichts aufregendes mehr, was sie dann nicht schlafen lässt. Besonders schön ist es für Kinder, dass es hier stets ein Bild zu jeder Geschichte gibt, welches über eine ganze Seite geht. Der Stil von Erwin Moser ist in den Bildern klar erkennbar und macht sie so unwiderstehlich. Das Buch lässt uns durch Texte und Bilder in eine warme, zu meist freundliche und fantasievolle Welt eintreten, in der sich Mäuse um den kranken Elefanten Bolo kümmern, die Maus Aline ihren Freund, den Dachs Norbert, in seiner eingeschneiten Blockhütte besucht, der lärmgeplagte Uhu Erwin sich ein neues Zuhause sucht, damit die Mäuseeltern ihre Kinder nicht mühsam immer wieder zur Ruhe bringen zu müssen und Katzen bei den Maulwürfen ins Notquartier ziehen.

Ganze 77 kurze Geschichten findet man in diesem Buch, doch allzu lange wird dieses Vorlesebuch sicherlich dennoch nicht als Gute-Nacht-Geschichten-Buch her halten können, denn schon bald werden die Kinder fordern, dass mehr als eine Geschichte gelesen wird oder das man sich während des Tages noch einmal mit diesem Buch hinsetzt.

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Wunderbare Gute-Nacht-Geschichten von Erwin Moser, Beltz & Gelberg, ISBN: 978-3-407-82168-3, 14,95€

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Der Weihnachtsstern glitzert für die ganz Kleinen

Ich finde es gar nicht so einfach, Weihnachtsbücher für die ganz Kleinen zu finden. Ein nettes Pappbüchlein ist „Der klitzekleine Weihnachtsstern“, das verschiedene vorweihnachtliche Szenarien zeigt: Weihnachtsmarkt, Schlittenfahren, Musik machen, Plätzchen backen, Weihnachtsbaum aussuchen, Tiere im Schneewald, der Weihnachtsmann, der durch die Luft fliegt und Heiligabend. Die Bilder ziehen sich jeweils über die komplette Doppelseite und werden von einem kurzen gereimten Vierzeiler begleitet. Die ersten zwei Zeilen sind immer die gleichen: „Der klitzekleine Weihnachtsstern – ist gut zu sehen von nah und fern“. Und auch der Stern ist auf jeder Seite zu sehen. Rechts oben glitzert er wunderschön in goldenen Farben und zieht die Blicke der Kleinen auf sich. Selbst Büchermäuschen, das noch ein bisschen zu jung für dieses Buch ist, zeigt mit großer Begeisterung auf jeder Seite auf den Stern. Auch die gezeigten Szenen schaut es sich schon ganz gerne an, wobei es noch nicht alles in den Blick nimmt, sondern sich die bekannten Sachen wie Hund, Hase, Eichhörnchen etc. herauspickt. Aber das ist egal, wir können uns das Buch schon gut angucken. Die gereimten Texte werden dann später hinzu kommen. Nächstes Jahr ist er dann sicherlich im richtigen Alter für das Buch.

Grundsätzlich finde ich es schön, dass der Text in dem Buch gereimt ist. Die Reime sind allerdings nicht immer so ganz gelungen. Manchmal holpert der Rhythmus leider ein wenig.

Die Bilder sind ansprechend, freundlich und für die Kleinen nicht zu überladen.

Der klitzekleine Weihnachtsstern“ ist kein besonderes Buch, aber es ist ein schönes Buch für die Kleinen in der Advents- und Weihnachtszeit – insbesondere durch die Wiederholung der ersten zwei Zeilen und dem glitzernden Stern auf jeder Doppelseite.

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Der klitzekleine Weihnachtsstern, illustriert von Irmgard Paule, Coppenrath Verlag, ISBN: 978-3-649-67024-7, 5,99€

Welcher Trick hilft beim Schluckauf?

Ja, wir kennen ihn schon, den blauen Elefanten, der sich den Rüssel verbogen hat und in den See gefallen ist. Als Bücherwürmchen das Buch „Wie werd ich bloß den Hickauf los?“ gesehen hat, fragte er direkt, was der trottelige Elefant denn dieses Mal mache und wie bzw. wer ihm bei seinem Missgeschick helfe.

Tja, was passiert ihm dieses Mal? Klar, er stolpert mal wieder und bei der Landung bleibt ihm kurz der Atem weg. Eigentlich kommt er glimpflich davon, nur ein Schluckauf begleitet ihn von nun an. Um diesen wieder los zu werden, läuft er zum Wasserloch um etwas zu trinken. Der Schluck Wasser hilft ihm zwar nicht weiter, aber dafür trifft er am Wasserloch jede Menge Tiere und alle geben ihm gute Ratschläge: Lachen, Kopfstand, sich mit zählen ablenken, Luftanhalten… Der Elefant probiert alles aus, doch der Schluckauf – hick – bleibt. Bis der Affe eine Idee hat und den Elefanten ärgert…

Auch dieses Buch ist wieder richtig toll und macht sowohl dem Vorleser als auch den Zuhörern sehr viel Spaß. Der Text ist wunderbar gereimt und er ist vor allem typisch Barbara Schmidt. Ich kann gar nicht sagen, woran es liegt, aber man erkennt diesen Still und Rhythmus sofort wieder. Ich bin ganz erstaunt, was für einen großen Wiedererkennungswert dieser Sprachstil hat und wie sehr ein Text eben nicht einfach nur gereimt ist, sondern seinen ganz eigenen Rhythmus hat. Und ich finde es richtig toll, dass es so ist. Allein die Sprache macht mir hier sehr viel Spaß.

Auf den Bildern dominieren die Tiere, die teilweise, so wie der Elefant, keine natürlichen Farben haben. Alles ist sehr großflächig ohne Schattierungen oder ähnliches gemalt. Außer den Tieren gibt es auf den Bildern mit weißem Hintergrund kaum etwas zu sehen, aber dennoch gibt es genug zum Anschauen. Die Tiere sind stets alles dabei, wenn ein neuer Ratschlag ausprobiert wird und so sehen wir beispielsweise über 10 Tiere, die gleichzeitig einen Kopfstand machen, welcher unterschiedlich gut gelingt. Das Perlhuhn sieht dabei noch recht elegant aus, während der Löwe sich kaum in dieser Stellung halten kann. Es lohnt sich stets einen Blick auf die Gesichtsausdrücke der Tiere zu werfen, in denen sich einiges widerspiegelt. Die Bilder wurden wirklich humorvoll gestaltet.

Wie werd ich bloß den Hickauf los?“ ist ein klasse Buch und wir sind mittlerweile Fans des blauen, etwas ungeschickten Elefanten.

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Wie werd ich bloß den Hickauf los? von Dirk Schmidt und Barbara Schmidt, Antje Kunstmann Verlag, ISBN: 978-3-95614-117-1, 15€