Leipziger Lesekompass: Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz

Könnt ihr gut Zungenbrecher sprechen? Also ich nicht. Ich habe gerade sogar beim ersten Mal „Zungensprecher“ geschrieben… Trotzdem mag ich diese kleinen Sätzen, bei denen man beim Lesen oder Sprechen immer wieder ins Stolpern kommt, denn es macht Spaß sie zu sprechen und häufig sind es auch noch ganz witzige Sprüche.

Das nimmt man vor allem dann wahr, wenn man sie sich mal verbildlicht, wie es in dem kleinen Bilderbuch „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“ gemacht wurde. Das Buch ist einfach herrlich! Viele Kinder und Erwachsene haben Spaß an den schwierigen Sätzen und dazu kommen dann noch die humorvollen und sehr ansprechenden Illustrationen von Philip Waechter.

Ja, die Sätze sind nicht einfach auszusprechen, aber trotzdem können sich auch Leseanfänger bereits an sie heranwagen, denn es ist nie viel Text auf einmal zu bewältigen. Jeder Zungenbrecher erhält eine ganze Doppelseite für sich. Links steht der Satz und rechts wird er illustriert.

Ich habe es auch schon erlebt, dass Kinder dazu angeregt werden, anschließend selbst Zungenbrecher zu erfinden. Da kommt zwar meist nur irgendein Quatsch heraus, aber das Spiel mit der Sprache wird angeregt. Oder man bekommt Lust einen anderen bekannten Zungenbrecher mal selbst zu zeichnen? Aus diesem kleinen Büchlein lässt sich auf jeden Fall viel heraus holen, zumindest aber beschert es viel Lesespaß!

Auszeichnung Leipziger Lesekompass

Das Buch „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“ wurde 2018 mit dem Leipziger Lesekompass in der Kategorie 6-10 Jahre  ausgezeichnet. Der Preis zeichnet Bücher aus, die sich durch ihren Lesespaß und durch kreative Ansätze besonders gut zur Leseförderung eignen. Eine Übersicht aller Preisträger der Kategorie 6-10 Jahre findet ihr auf meiner Seite. Dort verlinke ich nach und nach auch die weiteren Rezensionen zu den preisgekrönten Büchern.

Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz – Schnellsprecher und Zungenbrecher von Moni Port und Philip Waechter, Klett Kinderbuch, ISBN: 978-3-95470-177-3, 10€

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

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Rezension: Lehrbuch Literaturpädagogik

Ich bin momentan in Elternzeit und lebe hier, soweit es möglich ist, meine Kinderbuchleidenschaft aus. Ich rezensiere, lese vor, stelle Bücher vor, gebe Seminare zum Vorlesen und leite Schreibwerkstätten und das alles  macht mir unglaublich viel Spaß. Am liebsten würde ich mich zur Literaturpädagogin weiterbilden lassen, aber momentan schaffe ich das mit den Kindern zeitlich noch nicht.

Dafür habe ich jetzt aber schon einmal das „Lehrbuch Literaturpädagogik – Eine Einführung in Theorie und Praxis der Literaturvermittlung“ gelesen. Das ist wirklich ein Buch, welches man haben muss, wenn man etwas im Bereich der Literaturpädagogik machen möchte. Ein Buch, in dem man nicht nur in das Thema eingeführt wird und man etwas darüber erfährt, was die Arbeit von Literaturpädagogen sein könnte, sondern auch ein Buch, in dem man immer mal wieder gerne etwas nachliest. Meines Erachtens ist es aber nicht nur ein Buch für alle, die in der Literaturpädagogik arbeiten, sondern ein Buch für alle, die Interesse daran haben, mit Kindern zu lesen und immer auf der Suche nach neuen Ideen und Impulsen sind.

Verständliches Fachbuch

Ja, es ist ein Fachbuch. Hier bekommt man nicht nur Ideen für die Praxis, nein, hier werden Thesen und Methoden wisssenschaftlich untermauert und fachlich (auch mit entsprechenden Begriffen) dargestellt. Wer sich aber ein wenig für diesen Bereich interessiert, der wird mit dem Buch gut klar kommen.

Das Buch hat einen theoretischen und einen praktischen Teil, aber beide Teile sind sehr interessant zu lesen und für den, der sich mit dem Thema intensiv und ernsthaft beschäftigen möchte, sind auch beide Teile wichtig. Denn wer nicht nur einfach mal ein nettes Buch vorlesen möchte, sondern wer eine bewusste Entscheidung für Bücher treffen möchte und Kindern in ihrer literarischen Bildung weiterhelfen möchte, der muss auch die Hintergründe kennen.

Literarische Bildung und Geschichte der Kinderliteratur

So wird im theoretischen Teil auf die Entwicklung von Kindern im sprachlichen Bereich eingegangen und inwiefern sich Sprache, Bücher, Schrift und Erzählen in ihrem Leben auswirken. Bezug wird dabei immer auf die möglichen Handlungsfelder der Literaturpädagogik genommen.

Im Weiteren geht es um die Geschichte sowie um Gattungen in der Kinder- und Jugendliteratur. Dabei erfährt der Leser auch, wie man Sprache und Bilder eines Buches beurteilen und analysieren kann. Dies ist natürlich wiederum für die Praxis wichtig.

Methoden und Beispiele für die Praxis

Der Praxisteil ist in fünf Altersklassen sortiert, die jeweils gleich aufgebaut sind. Auch hier wird noch einmal kurz auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen eingegangen, bevor dann zu übergeleitet wird, mit welchen Methoden ein Literaturpädagoge in der jeweiligen Altersklasse arbeiten kann. Zum Abschluss wird das Ganze dann immer beispielhaft und ausführlich an einem Buch gezeigt.

In diesem Teil bekommt man ganz viele tolle Ideen, die man zum Teil sicherlich auch in abgespeckter Form als Vorlesepate oder ähnliches umsetzen kann. Alleine für diese Zusammenstellung lohnt sich dieses Buch für alle interessierten Vorleser, die sich gerne ein wenig weiterbilden möchten. Schön ist hier aber eben auch, dass es nicht nur Ideen für Kindergartenkinder sind, sondern dass man hier auch etwas darüber erfährt, wie man Jugendliche für Bücher begeistern kann oder wie man sie in ihrem Interesse für Literatur unterstützt.

Am Ende hält das Buch dann noch unter anderem einen möglichen Evaluationsbogen sowie Ausführungen zu rechtlichen Fragen bereit. Es werden also alle interessanten und wichtigen Bereiche der Literaturpädagogik angesprochen:

Man bekommt Einblicke in die Arbeit von Literaturpädagogen, man bekommt Wissen vermittelt und man erhält viele praktische Ideen, die man am liebsten direkt umsetzen würde. Also, ich liebe dieses Buch bereits und es ist nach einmal lesen voller Klebezettel, Markierungen und Anmerkungen!

Lehrbuch Literaturpädagogik – Eine Einführung in Theorie und Praxis der Literaturvermittlung von Stephanie Jentgens, Beltz Juventa, ISBN: 978-3-7799-3330-4, 24,95€

Leseförderung mit Sammelalben

Wie bekommt man Lesemuffel zum Lesen? Ich habe neulich mal den Tipp gelesen, dass man die Sammelleidenschaft vieler Kinder dafür nutzen könnte. Häufig gibt es beim Einkaufen Sammelalben mit Sammelbildern, die die Kinder mit großer Begeisterung sammeln und einkleben, während die Eltern sich innerlich dagegen wehren, auf Grund der Aufkleber in ein bestimmtes Geschäft zu fahren. Viel Text gibt es bei diesen Sammelalben nicht, aber dennoch kommen die Kinder zum lesen: Überschriften, Fußballernamen, Vereinsnamen, Geburtsorte etc.

Nun habe ich keinen Lesemuffel  zu Hause, aber dennoch kann ich gerade mal wieder miterleben, wie sehr ein solches Album Kinder fesseln kann. Zur Zeit kann  man bei Aldi-Süd Sticker mit Fußballern aus der Bundesliga sammeln. Da ist mein Sohn natürlich mit dabei und dieses Heft, was noch längst nicht gefüllt ist, wird täglich mehrfach durchgeblättert – auch wenn an den Tagen keine neuen Aufkleber dazu gekommen sind. Aber es ist ganz eindeutig im Moment sein „Lieblingsbuch“ und die ganze Familie weiß vermutlich mittlerweile, welche Fußballer er merkwürdig findet, welche er doppelt hat und welche er unbedingt noch braucht. Alle gelesenen Informationen werden immer wieder an alle weitergegeben. Okay, Fußballernamen sind nicht unbedingt immer so einfach zu lesen, aber wenn Kinder etwas interessiert, dann schaffen sie es auch diese zu entziffern (ob die Aussprache dabei stimmt ist zweitrangig). Vor allem macht so ein Heft, in dem es hauptsächlich um Aufkleber geht, nicht den Eindruck als müsse man hier lesen. So werden auch Kinder, die nicht gerne lesen, das Heft ohne negative Gefühle öffnen und ohne dass sie es merken, werden sie hier und dort anfangen erste Informationen zu lesen. Ja,  wenn ich mir anschaue, wie beliebt dieses Heft hier ist, dann kann ich mir tatsächlich gut vorstellen, dass auch kleine Lesemuffel mit diesem Trick zum Lesen verführt werden können. Natürlich geht es hier nicht um literarisches Lesen oder den Lesegenuss, aber um gerne zu lesen, muss die Technik immer wieder geübt werden, damit die Anstrengung beim Lesen irgendwann nachlässt und dazu sind eben auch einzelne Worthäppchen geeignet.