Zählen mit Paddington

Mögt ihr Paddington Bär auch so gerne? Das erste Bilderbuch, welches ich von ihm las, war mir zunächst etwas zu unspektakulär, aber mittlerweile finde ich Paddington einfach klasse und knuddelig. Und ich finde es auch schön, dass es Pappbilderbücher für die Kleinen von ihm gibt.

Wir haben „Paddington der Strandkönig“ – ein Pappbilderbuch von Paddington mit dem Kinder Zählen lernen sollen. Sehr gut gefällt mir, dass man nicht einfach nur auf den Bildern die Möwen, die von Seite zu Seite mehr werden, zählen soll, sondern dass es auch eine Geschichte gibt.

Paddington erlebt einen Strandtag

Paddington geht an den Strand, um dort einen schönen Tag zu verbringen. Er baut eine Sandburg, er lässt seinen Drachen steigen, er beobachtet das Meer und möchte natürlich auch etwas in seinem Liegestuhl essen. Doch es kommen immer mehr Möwen an den Strand, die genau beobachten, was Paddington macht. Und dann passiert das, was passieren muss, wenn Möwen und Essen gleichzeitig am Strand sind. Die Möwen schnappen sich Paddingtons Brötchen. Das Tolle ist, dass hier noch nicht Schluss ist und es noch eine kleine Pointe gibt. Paddington hat nämlich unter dem Hut noch ein Marmeladenbrot für Notfälle.

Die Geschichte ist gut nachvollziehbar und mit wenigen Worten erzählt. Die Bilder sind ansprechend und machen Lust auf Strand und Meer.

Möwe Nummer 1, Möwe Nummer 2…

Das Einzige, was ich zu bemängeln habe, ist das Thema Zählen in dem Buch. Ja, man kann die Möwen zählen, aber das drängt sich nicht automatisch auf, denn hier werden die Zahlen nicht als Menge, sondern als Ordnungszahlen dargestellt. Es wird nicht gesagt, dass jetzt schon vier oder fünf Möwen am Strand sind, sondern Möwe Nummer fünf kreischt etwas. Das finde ich nicht so ganz glücklich. Gut finde ich dahingegen, dass das Lernthema nicht im Vordergrund steht.

Insgesamt ist das Buch „Paddington der Strandkönig“ ein schönes Buch für kleine Kinder. Es ist ein Buch, welches man sich gerne anschaut und an dem die Kinder viel Spaß haben. Zunächst schimpfen sie über die frechen Möwen, die Paddington etwas mopsen, aber dann freuen sie sich darüber, dass Paddington letztendlich die Möwen ausgetrickst hat.

Paddington der Strandkönig – Zählen lernen mit Paddington von Michael Bond, illustriert von R.W. Alley, übersetzt von Tatjana Kröll, Knesebeck Verlag, ISBN: 978-3-86873-997-8, 8,95€

Poesie für Kinder: Knecht Ruprecht

Weihnachten ist zwar vorbei, aber ich stelle euch dennoch heute noch ein Buch vor, welches in diese Zeit gehört: „Knecht Ruprecht“. Ja, genau, es geht um das Gedicht von Theodor Storm von Knecht Ruprecht, was wohl die meisten irgendwie kennen, auch wenn nur wenige den langen Text auswendig aufsagen können.

Ich habe dieses Buch gerade erst selber kennen gelernt und konnte es euch deswegen noch nicht so vorstellen, dass ihr es gemütlich am Weihnachtsbaum lesen könnt. Nun könnte ich mit der Vorstellung natürlich noch bis zur nächsten Adventszeit warten, aber ich möchte es euch gerne jetzt schon vorstellen, denn so einen Klassiker kann man zum einen jetzt schon mal auf seine Wunschliste setzen und zum anderen macht er euch, so wie mich, vielleicht auch neugierig auf weitere Bücher aus dem Verlag.

Der Kindermann Verlag feiert zwar schon seinen 23. Geburtstag, aber dennoch ist er an mir fast unbemerkt vorbei gegangen. Mit dem Buch „Knecht Ruprecht“ habe ich mich auch ein wenig mit dem Verlagsprogramm beschäftigt und bin dabei auf ganz viele Bücher neugierig geworden, denn dieser Verlag bringt Poesie und Weltliteratur für Kinder heraus. Und der Blick auf die Cover ist sehr viel versprechend.

Detailreiche Illustrationen

Ich kann euch heute nur „Knecht Ruprecht“ vorstellen, denn die anderen Bücher kenne ich nicht, aber sie werden sicherlich zum Teil ähnlich gestaltet sein, da bei einigen der gleiche Illustrator tätig wurde. Ja, und gerade bei Knecht Ruprecht, dem Gedicht, welches man schon kennt und für das man eigentlich kein eigenes Buch bräuchte, kommt es natürlich auf die Illustrationen an. Mir gefiel direkt das Cover. Das Buch sieht unter anderem durch den Leinenrücken hochwertig aus, hinzu kommt eine Zeichnung, in der jede Menge drin steckt und die man gerne betrachtet, wobei man über die vielen kleinen Striche staunt, die man z.B. im Fell der Rentiere entdecken kann und die ihr Fellmuster nachzeichnen. Auch in dem Buch beeindrucken mich besonders die Tierzeichnungen. Noch bevor es mit dem Titel im Buch richtig los geht, dürfen wir schon in einen winterlichen Wald voller Tiere blicken und erst zwei Seiten weiter, sehen wir dann Knecht Ruprecht auf dem Weg in die Stadt. Auch hier wieder: Die Häuser sind ganz ausdifferenziert gezeichnet. Man kann jeden Backstein genau sehen. Die Häuserfassaden wirken wie auf alten Postkarten. Hinzu kommen dann jede Menge Menschen auf dem Weihnachtsmarkt. Sie haben sehr spezifische, beinahe übertriebene Gesichtsausdrücke, was bei den Kindern meines Erachtens grotesk und wenig schön wirkt. Die Kinder haben sehr erwachsene Gesichter, was mich persönlich stört und ich verstehe auch nicht, warum sie wie Erwachsene mit hässlichen Gesichtsausdrücken in Kindergröße dargestellt werden. Ansonsten finde ich die Bilder aber toll und es gibt unglaublich viel zu entdecken, auch in Bezug auf den Text. Wie brav sind wohl die Menschen dieser Stadt? Die eine oder andere Unartigkeit kann man sicherlich auf den Bildern finden.

Bücherwürmchen fragte übrigens, ob das ein altes Buch sei. Ihm kamen die Zeichnungen nämlich von der Art her so vor, was ja letztendlich gut zu dem alten Gedicht passt.

Unbekannter Teil des Gedichts

Ich mag das Gedicht von Knecht Ruprecht ja sehr gerne und sage es auch immer mal wieder auf: „Von drauß vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr…“ Nun durfte ich aber feststellen, dass ich gar nicht das komplette Gedicht kannte. Es gibt auch noch einen Dialog zwischen Knecht Ruprecht und dem Vater in ihm, in dem man sich über das Verhalten der Kinder austauscht und auch die Prügel nicht ausgelassen werden. Ich weiß nicht, ob man diesen Teil unbedingt mitlesen muss. Mir gefällt er nicht so, aber man kann dies ja zum Anlass nehmen um über die Kindererziehung früher zu sprechen. Etwas ungewöhnlich ist die Textaufteilung hier im Buch. Auf der linken Seite sind die Redeanteile von Knecht Ruprecht und auf der rechten die vom Vater. Passend dazu ist auch links Knecht Ruprecht zu sehen und rechts ein Mann, der wohl der Vater sein soll. Beim ersten lesen, habe ich dies allerdings nicht verstanden und ganz normal von oben nach unten gelesen, was natürlich wenig Sinn machte. Erst als ich das Gedicht, welches am Ende noch einmal komplett abgedruckt ist, noch einmal gelesen habe, habe ich die Aufteilung verstanden. Wenn man es einmal durchschaut hat, ist es eigentlich gut gemacht.

Mir gefällt es gut, das bekannte Gedicht in einem schönen Buch zu haben, welches von nun an sicherlich zur Weihnachtslektüre gehört und ich werde bestimmt bei meinem nächsten Besuch in einer Buchhandlung mal nach weiteren Titeln des Verlags Ausschau halten.

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Poesie für Kinder: Knecht Ruprecht von Theodor Storm, illustriert von Klaus Ensikat, Kindermann Verlag, ISBN: 978-3-934029-69-9, 15,90€

 

Vorlesen für Erwachsene

In der Regel denkt man beim Vorlesen an das Vorlesen von Büchern für kleine Kinder, aber Vorlesen beschränkt sich nicht auf diese Personengruppe. So gibt es zum Beispiel immer mehr Vorleseaktionen für Senioren, aber auch in einer Partnerschaft kann man sich gegenseitig vorlesen. Ja, am Anfang mag es sich etwas merkwürdig anfühlen, wenn man es sich gemeinsam auf dem Sofa gemütlich macht und der eine dem anderen etwas vorliest, aber ist erst einmal die erste Unsicherheit überwunden, dann wird man schnell feststellen, dass dies ein wunderschönes Ritual sein kann. Auch in hektischen, stressigen Zeiten macht man auf diese Weise zumindest für 10 Minuten etwas gemeinsam, man kommt zur Ruhe und hört einander zu. Die Geschichte verbindet einen miteinander. Beide kennen den gleichen Text, der Grundlage für Gespräche und Gedankenanstöße sein kann.

Aber welche Bücher eignen sich dafür, um sie sich als Erwachsene gegenseitig vorzulesen? Im Prinzip natürlich alles, was beiden gefällt. Wir haben für uns festgestellt, dass sich besonders alte Kinderbuchklassiker und Krimis gut eignen. Man braucht etwas, was einen ein wenig fesselt, ein Buch, bei dem man wissen möchte, wie es weiter geht, denn ansonsten lässt man das Ritual schnell Abend für Abend ausfallen bis man gar keine Lust mehr auf das Buch hat. Schwierig sind Bücher, bei denen die Sätze sehr lang und verschachtelt sind. Das kann für den Zuhörenden anstrengend werden und man wünscht nur, dass der Vorlesende bald zum Ende kommt.

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Mein Mann und ich haben uns vor sechs Jahren das erste Mal in der Adventszeit „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder vorgelesen. Damit hat es bei uns begonnen. Zunächst hat es über ein halbes Jahr gedauert bis wird das nächste Buch gemeinsam gelesen haben, aber seitdem lesen wir uns nun Abends, wenn die Kinder im Bett sind, abwechselnd ein Buch vor. Und im Advent kommt jedes Jahr „Das Weihnachtsgeheimnis“ dran.

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Vielleicht wollt ihr es auch mal ausprobieren, euch gegenseitig vorzulesen? Vielleicht ist dies ja sogar eine gute Idee für das neue Jahr. Dann könnt ihr hier mal einen Blick auf die Bücher werfen, die wir bereits gelesen haben. Ich staune gerade selber darüber, wieviel da mittlerweile zusammen gekommen ist und bin mir auch nicht ganz sicher, ob die Liste vollständig ist:

  • Das Weihnachtsgeheimnis von Jostein Gaarder
  • Bibbi Bokkens magische Bibliothek von Jostein Gaarder
  • Glenkill: Ein Schafskrimi von Leonie Swann
  • Garou: Ein Schaf-Thriller von Leonie Swann
  • Momo von Michael Ende
  • Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien
  • Nils Holgersson von Selma Lagerlöf
  • Peter Pan von James Matthew Barrie
  • Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher-Stowe
  • Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne
  • Tom Sawyers Abenteuer von Mark Twain
  • Huckleberry Finns Abenteuer von Mark Twain
  • Tintenherz von Cornelia Funke
  • Mord im Orientexpress von Agatha Christie
  • Die Tote im Götakanal von Maj Sjöwall und Per Wahlöö
  • Der Mann, der sich in Luft auflöste von Maj Sjöwall und Per Wahlöö
  • Endstation für neun von Maj Sjöwall und Per Wahlöö
  • Alarm in Sköldgatan von Maj Sjöwall und Per Wahlöö
  • Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson
  • Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson

Für die ganze Familie: Jede Menge Vorlesestoff

Sehr schön für die ganze Familie sind Vorlesebücher. Sie eignen sich auch gut als Lektüre für den Urlaub, denn so hat man mit einem einzigen Buch gleich viele verschiedene Geschichten eingepackt. Allerdings gibt es auch einige Bücher mit langweiligen, nichtssagenden Geschichten und so lohnt es sich bei der Auswahl genauer hinzuschauen.

Ein paar Bücher, die sich natürlich auch gut als Geschenk für Weihnachten eignen, möchte ich heute vorstellen.

Ein ganz besonderes Vorlesebuch ist sicherlich „Im Affenzahn mit der Bimmelbahn – Das große James Krüss Vorlesebuch“, denn hier finden sich neben normalen Geschichten, viele in gereimte Gedichte verpackte Geschichten. Ich bin nicht unbedingt ein Gedichte-Fan, aber ich mag James Krüss unheimlich gerne. Vor allem sind es nicht einfach nur Gedichte, die schön gereimt sind und sich nett anhören, sondern sie erzählen ganze Geschichten. Bei James Krüss geht es lustig und fantasievoll zu und man bekommt Spaß an der Sprache und am Reimen.

Ich gebe zu, dass mir bei „Henriette Bimmelbahn“ die Bilder von Lisl Stich ein wenig fehlen, aber ansonsten bin ich mit großer Freude auf Entdeckungstour quer durch das Buch gegangen. Besonders spannend fand ich es, dass ich einige Texte gefunden habe, die mir aus der Kindheit bekannt waren, von denen ich aber nicht wusste, dass sie von James Krüss waren. Ich bin mir ganz sicher, dass meine Mutter uns „Die Weihnachtsmaus“ früher aus einem Weihnachtsbuch vorgelesen hat und die „Hundertzwei Gespensterchen“ soll ich angeblich bei der musikalischen Früherziehung kennen gelernt haben. Ich kann mich daran und auch an den Text nicht mehr erinnern, aber ich war dennoch hoch erfreut, dass ich dieses Gedicht nun James Krüss zuordnen kann und ich den ganzen Text noch einmal lesen konnte. Die bekannte Geschichte von „Ladislaus und Annabella“ findet man hier natürlich auch, wie so viele, viele andere Geschichten und Gedichte.

In diesem Buch kann man wirklich stundenlang blättern, selber lesen, vorlesen und es immer wieder hervor holen. Dieses Buch gehört einfach in jede Familie.

Die Seiten sind farbig und mit Illustrationen gestaltet. Auch auf diese Weise wird deutlich, wie bunt diese Vielfalt, die Sprache und Fantasie von James Krüss sind. Hier kann einfach nichts weiß bleiben.

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Im Affenzahn mit der Bimmelbahn – Das große James Krüss Vorlesebuch, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-0372-8, 16,99€

Liest du  mir was vor?“ fällt alleine durch das „Vorleseglücksrad“ auf dem Cover positiv auf. Kinder haben einfach großen Spaß daran, das Glücksrad zu drehen und zu schauen, wo der Pfeil stehen bleibt, wobei sie da ganz schnell ein wenig nachhelfen und so der Pfeil immer wieder bei den Lieblingsgeschichten landet. Die Bilder, die jeweils für eine Geschichte stehen, verraten noch nicht all zu viel von dem Inhalt, was es einerseits spannend macht, aber andererseits sind manche Bilder Kindern erst einmal zu langweilig oder nichtssagend, so dass sie die Geschichte nicht auswählen möchten. Dies muss im Umkehrschluss jedoch nicht heißen, dass sie die Geschichte selbst nicht spannend fänden.

Die Geschichten selber können auf jeden Fall überzeugen. Sie sind sehr kindgerecht und stammen einerseits aus dem Alltag der Kinder und andererseits gibt es Piraten-, Räuber- und Marsmännchengeschichten – insgesamt eine schöne Mischung. Es geht einfach um Dinge, die Kinder bewegen: Es werden Pommes angebaut und mit Ketchup gedüngt, der Papa zeigt dem Sohn ein paar Fußballtricks, es geht um Streit und Spaß zwischen Geschwistern, im Traum läuft das Karussellpferd über Wiesen und Felder und vieles mehr. Bücherwürmchen möchte jedenfalls eine Geschichte nach der anderen hören.

Illustriert ist das Buch natürlich auch. Die Bilder sind frisch und fröhlich.

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Liest du mir was vor? von Maren von Klitzing, illustriert von Barbara Korthues, ellermann im Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7707-4296-7, 14,99€

Ebenfalls überzeugen kann das Buch „Die Welt bei uns zu Hause – Vorlesegeschichten über andere Kulturen“. Kinder können hier spielerisch und ganz nebenbei etwas über Traditionen und Bräuche aus anderen Ländern erfahren. Besonders gut gefällt mir, dass das alles ohne erhobenen Zeigefinger geschieht. Sie wirken nicht angestrengt und man hat nicht das Gefühl, dass hier unbedingt etwas vermittelt werden soll. Im Gegenteil, die Geschichten kommen ganz natürlich daher, sie greifen kindliche Erlebnisse auf und lassen sich gut lesen. Die Begegnungen mit Sprachen, Traditionen und Menschen aus anderen Ländern finden im deutschen Alltag statt, z.B. im Kindergarten oder beim besten Freund zu Hause. So lernt Tim beim Kindergeburtstag seiner Freundin Lupita die mit Süßigkeiten gefüllte Pinata kennen und mit Samba aus dem Senegal dürfen die Kinder aus dem Kindergarten einmal in der Woche trommeln. Außerdem lernen die Kinder im Kindergarten das schwedische Luciafest kennen, Lilly darf bei ihrer chinesischen Freundin An das Essen mit Stäbchen ausprobieren und Lena darf sich mit ihrer Oma eine Aufführung von „Schwanensee“ anschauen. Sinterklaas, das kurdische Neujahrsfest, italienisches Essen, eine finnische Sauna spielen in diesem Buch neben einigen anderen Ländern und Bräuchen ebenfalls eine Rolle. Insgesamt gibt es 20 Geschichten aus ganz unterschiedlichen Kulturen in dem Buch, welches ebenfalls mit bunten Bildern illustriert ist.

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Die Welt bei uns zu Hause – Vorlesegeschichten über andere Kulturen von Susanne Orosz, illustriert von Stefanie Scharnberg, ellermann im Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7707-3423-8, 14,99€

Vielleicht wirken sie auf den ersten Blick etwas unspektakulär, aber zum Vorlesen und insbesondere abends eignen sich die Geschichten aus dem Buch „Wunderbare Gute-Nacht-Geschichten“ dennoch sehr gut. Die Geschichten verlaufen insgesamt sehr ruhig und sie sind meist auch kaum länger als 1 ½ Seiten, aber gerade deswegen sind sie als Gute-Nacht-Geschichte genau das richtige. Denn abends brauchen Kinder nichts aufregendes mehr, was sie dann nicht schlafen lässt. Besonders schön ist es für Kinder, dass es hier stets ein Bild zu jeder Geschichte gibt, welches über eine ganze Seite geht. Der Stil von Erwin Moser ist in den Bildern klar erkennbar und macht sie so unwiderstehlich. Das Buch lässt uns durch Texte und Bilder in eine warme, zu meist freundliche und fantasievolle Welt eintreten, in der sich Mäuse um den kranken Elefanten Bolo kümmern, die Maus Aline ihren Freund, den Dachs Norbert, in seiner eingeschneiten Blockhütte besucht, der lärmgeplagte Uhu Erwin sich ein neues Zuhause sucht, damit die Mäuseeltern ihre Kinder nicht mühsam immer wieder zur Ruhe bringen zu müssen und Katzen bei den Maulwürfen ins Notquartier ziehen.

Ganze 77 kurze Geschichten findet man in diesem Buch, doch allzu lange wird dieses Vorlesebuch sicherlich dennoch nicht als Gute-Nacht-Geschichten-Buch her halten können, denn schon bald werden die Kinder fordern, dass mehr als eine Geschichte gelesen wird oder das man sich während des Tages noch einmal mit diesem Buch hinsetzt.

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Wunderbare Gute-Nacht-Geschichten von Erwin Moser, Beltz & Gelberg, ISBN: 978-3-407-82168-3, 14,95€

Das ist was für Jungs: Räubergeschichten!

Ich bleibe dabei: Räubergeschichten kommen bei Kindern, insbesondere bei Jungs, immer gut an. Egal, ob es sich um ältere Geschichten handelt oder um neuere und deswegen lohnt es sich auch aus erfolgreichen Räuberbüchern ein entsprechendes Bilderbuch zu machen. Oder? Ich muss sagen, dass ich mich mit der Bilderbuchausgabe von „Räuber Grapsch“ zunächst etwas schwer tat. Zu sehr hatten bereits die Bilder von Rolf Rettich mein Bild von Räuber Grapsch und seiner Olli geprägt, wobei ich mittlerweile erfahren habe, dass auch der Nachfolgeband bereits mit anderen Bildern ausgestattet wurde. Das Bilderbuch „Räuber Grapsch“ wurde jedenfalls von Dominik Rupp illustriert. Die Bilder sind farbkräftig, es gibt viel auf ihnen zu entdecken und Räuber Grapsch ist groß, kräftig und struppig – ein richtiger Räuber, nur eben nicht mein Räuber Grapsch. Die Kaffeemühle auf dem Vorsatzpapier erinnert übrigens an einen anderen berühmten Räuber. Ich jedenfalls habe sie direkt mit Räuber Hotzenplotz in Verbindung gebracht.

Im Bilderbuch wird in erster Linie erzählt, wie der Räuber Grapsch, der eigentlich sehr gutmütig ist, die kleine Frau Olli kennen lernt, die auf den Bildern eher wie ein Kind wirkt. Obwohl Grapsch so groß und stark und ganz eindeutig ein Räuber ist, fürchtet Olli sich nicht vor ihm. Gewitter machen ihr viel mehr Angst und so ist sie froh, dass Grapsch sie bei einem Unwetter mit in seine Höhl nimmt. Gestank und Dreck dort sind ihr unangenehm, aber nichts hält sie davon ab, am nächsten Tag wieder zu kommen um einen Großputz zu machen. Grapsch gefällt ihr und Olli gefällt Grapsch. Aber ob Tante Hedwig mit dieser Beziehung einverstanden ist? Grapsch kann sie nicht von sich überzeugen und so raubt er Olli einfach. Nun müssen sich die beiden aneinander gewöhnen. Vor allem möchte Olli, dass Grapsch die Räuberei sein lässt. Sie will nicht, dass er ins Gefängnis muss und die Polizei sucht ständig nach Grapsch. Aber durch den Sumpf kommen sie nicht bis zu seiner Höhle. Einmal fällt sogar ein Feuerwehrmann von den anderen unbemerkt in den Sumpf und muss von Grapsch gerettet werden.

Ja, bei Grapsch ist immer etwas los und so muss sich Olli an das wilde Leben gewöhnen und Grapsch übt immer weniger zu rauben.

Das Bilderbuch ist eine schöne Räubergeschichte, aber meines Erachtens reicht es nicht an die Erzählung heran. Es muss viel weggelassen werden, die Handlung wird nur kurz und schnell erzählt und es endet auch recht plötzlich. Als Bilderbuch kann es nicht mehr leisten als es tut, denn sonst würde es zu umfangreich werden, aber wenn die Kinder groß genug sind um bei einem Buch auf bunte Bilder verzichten zu können, würde ich ganz klar zum Vorlesebuch raten. (Hier die Buchvorstellung zu „Das große Buch von Räuber Grapsch“)

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Räuber Grapsch von Gudrun Pausewang und Dominik Rupp, Ravensburger Verlag, ISBN: 978-3-473-44683-4, 12,99€

Neben alten Räubergeschichten gibt es aber auch ganz neue. So beginnt im Coppenrath Verlag die Reihe vom wilden Räuber Donnerpups mit dem Titel „Die Räuberprüfung“. Auch dieses Bilderbuch ist von den Bildern her ein richtiges Räuberbuch: Bunt und wild spielt es im Wald. Die Räuber sehen verwegen und abenteuerlich aus, vor allem natürlich der Hauptmann Donnerpups, wobei auch seine Bande, bestehend aus dem Esel Muliboy, Moni Zitroni, dem Waschbär der schweigsame Heino und Tscharli Brumm, schön räuberisch wirken. Dieses Buch spricht Kinder direkt an. Die Bilder machen Vorfreude auf die Geschichte und der Name des Räubers sorgt natürlich für viel Gekicher.

Ja, hier geht es auch ums Pupsen und ich als Mutter bin natürlich nicht unbedingt begeistert davon, wenn dieses Lieblingsthema eines fünfjährigen Jungen auch noch in Büchern, die noch dazu mit einem Furzkissen ausgestattet verkauft werden, aufgegriffen wird. Aber andererseits, warum nicht? Dies ist eben wirklich mal ein Buch für die Kinder, an dem sie einfach Spaß haben. Im Übrigen habe ich bereits von  einigen Müttern gehört, dass sie davon überzeugt sind, dass sie mit diesem Buch nicht nur ihren Kindern eine Freude machen könnten, sondern auch den Vätern…

Die Geschichte ist nett, vor allem werden Kinder sich darüber freuen, dass das Kind die Räuber überlistet.

Robin wagt sich in den Wald hinein, denn er möchte wissen, ob dort wirklich die Räuber leben und ein lustiges Leben führen. Und tatsächlich findet er sie. Allerdings wird er auch von ihnen entdeckt und festgehalten. Erst bekommt Robin Angst, doch dann behauptet er, dass er selbst Räuber sei und in ihre Bande wolle, aber nachdem er sie nun gesehen habe, sei sie ihm viel zu langweilig. Das können die Räuber nicht auf sich sitzen lassen und so kommt es zu einem großen Wettstreit. Leider sieht es dabei für Robin nicht so gut aus und niemand hält ihn für einen Räuber, doch wie kommt Robin dann plötzlich und unbemerkt an die Wertgegenstände der Räuber? Jetzt hat Robin eine gute Verhandlungsgrundlage und die Räuberbande bekommt einen schlauen Kopf dazu.

Welcher Junge möchte nicht einmal Abenteuer mit Räubern, die wild und frei im Wald leben, erleben? Mit Robin dürfen sie in diese Welt eintreten und werden dies wohl auch gerne tun. Bücherwürmchen jedenfalls fordert mich auf zu schreiben, dass das Buch sehr gut sei, weil der Räuber immer pupst. Es war ja so klar, dass er diesen Aspekt besonders hervorheben muss, aber vielleicht ist diese Phase mit einem solchen Buch ja etwas schneller vorbei? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Der wilde Räuber Donnerpups – Die Räuberprüfung von Walko, Copppenrath Verlag, ISBN: 978-3-649-61744-0, 14,95€

Michel war ein Lausejunge aus nem Dorf in Schweden…

Endlich kommt Bücherwürmchen in ein Alter, in dem ich ihm meine geliebten Astrid Lindgren-Bücher vorlesen kann. Vor kurzem haben wir mein altes, dickes Michel aus Lönneberga-Buch („Immer dieser Michel“) beendet, welches mehrere Michel-Bücher beinhaltet. Und ja, ich finde Michel aus Lönneberga immer noch toll und ich freue mich sehr, dass es Bücherwürmchen genauso geht.

Warum mag ich Michel aus Lönneberga? Weil alles so schön schwedisch ist (rote Holzhäuser etc.), weil Alfred so ein netter Kerl ist, weil ich Astrid Lindgrens Sprachstil mag und natürlich weil Michel so ein aufgewecktes, lebensfrohes Bürschchen ist, welches mir von Grund auf sympathisch ist. Warum mag Bücherwürmchen Michel aus Lönneberga? Weil er so viel Unfug macht! Klar, das gefällt einem Kind und am liebsten würde Bücherwürmchen Michel mit seinem Unfug noch übertrumpfen. Nächstes Karneval möchte er sich als Michel verkleiden und dann im Kindergarten jede Menge Unfug anstellen… Büsse und Müsse dazu haben wir sogar schon und das spitzbübische Aussehen mit wolligem blonden Haar bringt Bücherwürmchen selber mit.

Anmerkung: Im Original heißt Michel Emil, aber da es bereits Erich Kästners "Emil und die Detektive" gab, wurde Emil in Deutschland in Michel umbenannt.

Anmerkung: Im Original heißt Michel Emil, aber da es bereits Erich Kästners „Emil und die Detektive“ gab, wurde Emil in Deutschland in Michel umbenannt.

Ja, Michel aus Lönneberga macht viel Unfug, aber er plant keinesfalls so viel anzustellen. Es passiert einfach. Eigentlich ist Michel nur so wie Kinder sein sollen: Neugierig, experimentierfreudig, hilfsbereit, aufgeweckt, spielfreudig etc. Michel steckt einfach voller Ideen, die ausprobiert werden müssen. Dafür, dass dann vieles nicht so endet wie es seinen Eltern, vor allem seinem Vater, gefallen würde, kann er doch nichts. Hm, na gut, er hätte vielleicht ausprobieren sollen, ob die Straußenfedern auf dem Hut von Frau Pastor durch Lichteinfall durch die Lupe brennen und dass es nicht so eine gute Idee ist mit einem Pferd mitten ins Esszimmer des Bürgermeisters zu reiten, könnte man sich eigentlich auch denken. Aber als er seine Schwester Klein-Ida an der Fahnenstange hochzieht, tut er ihr doch nur einen Gefallen, und dass der Vater seinen Fuß genau in die gut platzierte Rattenfalle steckt – dafür kann doch Michel nichts! Er wollte nur die Ratte fangen, die nicht ins Haus gehört. Dem Vater sind die Gründe jedoch egal und Michel landet, wie bei jedem Unfug, mal wieder im Tischlerschuppen. Dort hat er dann wenigstens seine  Ruhe und kann ein weiteres Holzmännchen schnitzen.

Ist jemand bei uns frech so heißt es immer mal wieder aus Spaß: „Ab in den Tischlerschuppen!“ Ein kleines rotes Holzspielhaus stünde tatsächlich bereit, aber bis jetzt musste dann doch noch niemand dort Holzmännchen schnitzen.

Aber Michel ist nicht nur ein Lausbub, er ist zudem ein Kind mit dem Herz auf dem rechten Fleck und gerade die Geschichten, in denen er seine Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit zeigt, bringen ihm viele Sympathiepunkte. Auch die jungen Leser sind hier ganz auf Michels Seite, egal ob es um den Weihnachtsschmaus für die Menschen aus dem Armenhaus geht oder um die Rettung Alfreds, der unbedingt bei Schnee und Sturm so schnell wie möglich zum Arzt muss. Hier wird der Atem angehalten und mitgefiebert, dass alles gut geht.

Das Buch „Immer dieser Michel“ beinhaltet die Bücher „Michel in der Suppenschüssel“, „Michel muss mehr Männchen machen“ und „Michel bringt die Welt in Ordnung“. In allen Einzelbänden findet man tolle Geschichten. Für kleinere Kinder bietet es sich an mit „Michel in der Suppenschüssel“ zu beginnen.

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Insbesondere die Geschichte mit der Suppenschüssel und die Geschichte, in der Ida an der Fahnenstange hochgezogen wird und Michel aus dem Tischlerschuppen ausbüxt und die Wurst aus der Vorratskammer verspeist, sind recht einfach zu verstehen und dabei harmlos und witzig. Auch die Geschichte, in der Michel dreimal an einem Tag eingesperrt wird da er u.a. die Rattenfalle aufgestellt und dem Vater Teig ins Gesicht gekippt hat, passt ganz gut in diese Reihe. Sie befindet sich allerdings im zweiten Einzelband, der ebenfalls die Weihnachtsgeschichte mit den Menschen aus dem Armenhaus enthält. Diese ist schon auf einem anderen Niveau. Einerseits ist so ein Armenhaus bedrückend und andererseits ist die Geschichte auch etwas spannend, denn im Armenhaus kommandiert die boshafte Maduskan, die nur an sich selbst denkt und den anderen kein Vergnügen gönnt. Jüngere Kinder fürchten sich durchaus vor der Maduskan und davor, dass die armen Menschen, die Michels Gäste sein sollen, von dieser erwischt werden. Doch da ist ja auch noch die Wolfsgrube, ebenfalls ein Detail, das ein wenig Angst einjagen kann, und darin landet natürlich letztendlich diejenige, die es verdient hat: Die Maduskan.

Auch der dritte Einzelband ist ein tolles Buch, allerdings nicht unbedingt schon für die Kleinsten geeignet. In diesem Buch befindet sich die Geschichte, in der Michel, der Hahn und Knirpsschweinchen nichtsahnend vergorene Kirschen essen. Außerdem erfordert die Geschichte rund um Alfreds Blutvergiftung und Michels heldenhafte Rettung einige Nerven. Dahingegen ist die Geschichte, in der der Vater in der Trissebude, dem Plumpsklo, stecken bleibt, sehr spaßig – auch schon für die Jüngeren.

Hat man natürlich das dicke Michel-Buch, so hat man beim Lesen die freie Wahl. Wir haben direkt mal das ganze Buch gelesen, wobei wir Bücherwürmchen bei manch einer Geschichte vorab verraten mussten, dass sie gut endet…

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Immer dieser Michel von Astrid Lindgren, illustriert von Björn Berg, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-2946-9, 16,90€

Zupf mich an der Schwanzfeder – es gibt ein neues Mama Muh Abenteuer!

Ich freue mich ja so, dass es nun ein neues Mama Muh-Buch gibt, denn so kann ich endlich auf meinem Blog ein bisschen mehr über Mama Muh schreiben, die ich richtig gerne vorlese. Klar, ich könnte auch mal die ganzen alten Bücher von ihr vorstellen, würde ich auch eigentlich gerne machen, aber es fällt mir schwer über Bücher zu schreiben, die für mich so selbstverständlich sind, dass ich gar nicht weiß, was man über sie überhaupt noch interessantes erzählen könnte. Nun gibt es aber ein neues Buch, welches ihr vielleicht noch nicht kennt und so stelle ich es euch gerne vor: „Mama Muh fährt Boot“.

Der Titel ist ein wenig irreführend, denn in der ganzen Geschichte besteigt Mama Muh kein Boot. Sie spielt aber am Wasser. Erst taucht sie mit Lillebrors Taucherbrille und später spielt sie mit den Bötchen, die die Kinder selbst gebaut haben. Mama Muh ist ganz beeindruckt von den schönen Booten und zieht sie mit Begeisterung durch das Wasser. Die Krähe ist davon natürlich nicht sonderlich fasziniert. Sie findet es langweilig, aber trotzdem lassen sie die Boote nicht los und so plant sie ihr eigenes, rasantes Rennboot. Selbstverständlich setzt sie ihre Planungen auch in die Tat um und leiht sich dabei ebenso selbstverständlich ohne zu fragen Mama Muhs Fahrradschlauch aus. Die gutmütige Mama Muh lässt die Krähe gewähren und schaut ihr am Ende dabei zu, wie sie nicht nur wie eine Rakete in die Luft schießt, sondern auch elendig auf dem Steg aufschlägt…

Es geht hier also genauso zu, wie es bei Mama Muh und der Krähe  immer zu geht. Mama Muh hat eine Idee, die die Krähe erst einmal komplett ablehnt, aber natürlich ist die Krähe neugierig geworden und möchte alles besser und spannender machen als ihre Freundin. Sie werkelt, baut und tut und am Ende ist es dann doch Mama Muh, die besser aussieht als die Krähe, denn die Krähe hat es mal wieder übertrieben und so endet ihre Idee recht schmerzhaft. Eine typische Mama Muh-Geschichte eben. Und genau so wollen wir sie ja auch haben. Mama Muh und die Krähe bilden ein tolles Gegensatzpaar, was man auch beim Vorlesen sehr schön ausdrücken kann. Mama Muh lese ich immer ganz ruhig, aber positiv und begeisterungsfähig, während man bei der Krähe schön frech und beleidigt krächzen kann. Das macht so viel Spaß! Mama Muh ist ein perfektes Buch zum  Vorlesen.

Die Bilder können ebenfalls wieder überzeugen. Einerseits ist da Mama Muh: Fröhlich, aufgeweckt, offen für neues, aber auch einfach lieb und treu. Herrlich sind auch die Bilder mit der Taucherbrille. Andererseits ist da die Krähe: Beleidigt, wuselig, in Bewegung, immer in Aktion, zerzaust. Den Sturz auf den Steg kann man auf den Bildern regelrecht mitfühlen.

Mir gefällt Mama Muhs neues Abenteuer gut. Auch Bücherwürmchen hat es gefallen, wobei er dieses Mal das erste Mal gesagt hat, dass die Krähe immer so doof und nur Mama Muh nett sei. Das hat er vorher bisher noch gar nicht so realisiert. Hier findet er es gemein, dass sie Mama Muhs Freude an den Booten schlecht redet und so scheint er es als verdient anzusehen, dass ihre eigenen Pläne schief gehen. Über ihre wilden Flüge, mit denen sie den Bauern erschreckt, musste er herzhaft lachen. Ich finde den Einbezug des Bauern in diesem Buch etwas überflüssig, aber er schmälert den Spaß an dem Buch auch nicht.

Nachdem wir nun „Mama Muh fährt Boot“ gelesen haben und wieder gemerkt haben, wieviel Spaß uns diese Bücher machen, kann ich mir gut vorstellen, dass wir auch die anderen Bücher demnächst wieder häufiger lesen und bald kommen ja sowieso die Winterbücher („Mama Muh fährt Schlitten“ und „Mama Muh feiert Weihnachten“) wieder in unsere Weihnachtsbuchkiste!

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Mama Muh fährt Boot von Jujja Wieslander und Sven Nordqvist, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-0430-5, 12,99€

Auch alte Bücher kommen heute noch gut an

Am liebsten würde Bücherwürmchen alle unsere Bücher behalten, was ich nur zu gut verstehen kann, aber manchmal muss trotzdem einfach wieder Platz für neue Bücher gemacht werden und so haben wir neulich gemeinsam ein paar Bücher für den Kindergarten aussortiert, die wir uns kaum anschauen. Später an diesem Tag hatten wir dann ein wenig Zeit um zu lesen und Bücherwürmchen suchte sich das Buch „DIE HASEN und der Wilddieb Waldemar“ mit folgenden Worten aus: „Das Buch ist so toll. Das geben wir nie weg!“

Es ist doch erstaunlich, dass Bücher, die nicht nur alt sind (es erschien erstmals im Jahre 1974), sondern auch auf den ersten Blick alt wirken, bei Kindern heute noch gut ankommen. Manchmal denkt man, dass Kinder Bücher mit modernen Bildern haben möchten und dass man selbst nur an den alten Büchern hängt, aber das ist nicht der Fall, zumindest dann nicht, wenn es in der Geschichte um etwas geht, was die Kinder interessiert. In diesem Fall ist es bei Bücherwürmchen ganz eindeutig der Wilddieb Waldemar. Er sagte mir nämlich neulich auch, dass er Bücher mit Räubern gerne möge.

Übrigens hatte ich bei einem Blick in eine dänische Buchhandlung das Gefühl, dass es dort noch sehr viele Bilderbücher mit älteren, klassischen Bildern gab. Es fiel allerdings auch direkt auf.

Zurück zu dem Buch „DIE HASEN und der Wilddieb Waldemar“. Ich glaube, dass dieses Buch auch heute noch Potential hat, da es, abgesehen von den Bildern, eine recht zeitlose Geschichte ist. In erster Linie geht es um eine Hasenfamilie, die in einen Park umsiedelt um vor den Gefahren im Wald zu fliehen. Im Wald waren sie vor dem Fuchs, dem Milan, dem Hund Prinz und vor allem dem gemeinen Wilddieb Waldemar nicht sicher. Im Park geht es ihnen gut, auch wenn der Vater seine geliebte Petersillie vermisst. Doch dafür finden sie hier bei Tieren und Menschen Freunde und das kleine Mümmelchen entdeckt schließlich beim Grünkramhändler sogar Petersilie. Leider findet der Wilddieb Waldemar eine Tages dann doch den Weg in den Park. Mit den Schlingen in der Hand möchte er sich an die armen Hasen heranschleichen, welche jedoch – dank der Hilfe ihrer neuen Freunde – keinen Schaden annehmen, so dass Kinder und Hasen fröhlich im Park Ostern feiern können.

Auch wenn es in diesem Buch eine Art Freundschaft zwischen den Hasen und ein paar Menschen gibt, so kommunizieren sie nicht direkt miteinander. Zwar können sich die Hasen untereinander unterhalten, aber ihre Beziehung zu den Menschen bleibt natürlich. Der Parkwächter freut sich über die Hasen im Park und beschützt sie somit z.B. vor kläffenden Hunden. Das gefällt mir gut. Verniedlicht wird hier nichts, was unter anderem auch dadurch deutlich wird, dass Mämmelchens Geschwister Mümmelbein und Mümmelklein von Milan und Bulldogge Prinz geholt und nie wieder zurück gebracht werden.

Die Geschichte ist schön und enthält für Kinder durchaus kleinere Spannungsmomente. Besonders große Freude hat Bücherwürmchen an Waldemars Fall auf die Igelstacheln. Da kann er dann ganz befreit und auch ein wenig schadenfreudig auflachen.

Die Bilder haben ihren eigenen Charme und aus ihnen sprechen die 70er-Jahre, aber ich mag solche Bilder ja. Teilweise wirken die Bilder etwas skizzenhaft.

Auch sprachlich merkt man, dass dies kein Buch von heute ist. Wörter wie „Grünkramhändler“ oder „Einholetasche“ würde ich nicht verwenden, aber genauso wie bei alten Märchen macht es auch in diesem Buch nichts aus, wenn Kinder nicht alle Wörter kennen. Der Zusammenhang erschließt sich ihnen auch so und man kann ja auch über Wortbedeutungen sprechen.

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DIE HASEN und der Wilddieb Waldemar von Fred Rodrian, illustriert von Gertrud Zucker, Beltz – Der KinderbuchVerlag, ISBN: 978-3-407-77206-0, 9,95€

 

Zählend geht es auf Weihnachten zu

Gerade hatten wir tagsüber noch richtig sommerliche Temperaturen, aber die Zeit vergeht schnell und bald steht schon wieder Weihnachten vor der Tür. Ja, bei mir stapeln sich so langsam die Weihnachtsbilderbücher. Schon ein etwas merkwürdiges Gefühl, denn für mich heißt es noch nicht „1 2 3 … bald ist Weihnachten“, aber einen Blick in das Buch mit diesem Titel habe ich bereits geworfen.

Es ist ein Buch mit der kleinen Raupe Nimmersatt, in dem man sich zählend Weihnachten nähert. Erst sitzt die Raupe bei einem Weihnachtsmann auf der Hand, dann krabbelt sie über einem der zwei Weihnachtsbäume um als nächstes sich einen der drei Schneemänner genauer anzuschauen. So geht es dann bis zu zehn Geschenken weiter. Nun heißt es „Frohe Weihnachten“ und ein Schmetterling flattert über die Seite.

An sich ist dies ein schönes Zählbüchlein für die Kleinen. Die Bilder sind im typischen Stil von Eric Carle und sind auf weißem Hintergrund gut erkennbar. Stechpalmenblätter sind zwar für die Kinder nicht unbedingt bekannt und die Mengenerfassung funktioniert auf dieser Seite aufgrund der Unsymmetrie leider nicht so gut (Bücherwürmchen denkt auf den ersten Blick jedes Mal, dass hier drei statt vier Blätter zu sehen sind und ich muss zugeben, dass es mir beim ersten Mal genauso ging), aber bei mehrfachem Gucken übernehmen sie die neuen Wörter zumeist schnell in ihren Wortschatz. Die Pinguine haben nichts direkt mit Weihnachten zu tun und der Weihnachtskuchen ist zumindest in Deutschland nicht unbedingt verbreitet, aber das ist alles soweit in Ordnung. Das Einzige, was mich an diesem Buch stört, ist die Verbindung mit der Raupe Nimmersatt, die hier keine besondere Rolle hat und einfach zusätzlich auf jeder Seite zu sehen ist. Die Kleinen freuen sich zwar, wenn sie die Raupe auf den Seiten entdecken, aber es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Raupe und den zu zählenden Dingen. Sie frisst sich nicht einmal durch ein Stechpalmenblatt oder durch einen Weihnachtskuchen und die Verwandlung in den Schmetterling passiert recht unwillkürlich. Schade, wenn man schon die Raupe Nimmersatt als Verkaufsargument benutzen möchte, hätte man sie besser in die Bilder integrieren können.

Betrachtet man „1 2 3 … bald ist Weihnachten“ als Zählbuch, so erhält man ein nettes Büchlein, erwartet man jedoch ein Buch über die kleine Raupe Nimmersatt, so wird man hier möglicherweise enttäuscht. Mehr als eine kleine Nebenrolle hat die Raupe in diesem Buch nicht.

InDesign PDF Preset: Penguin_PDF_Translation_Black

InDesign PDF Preset: Penguin_PDF_Translation_Black

Die kleine Raupe Nimmersatt – 1 2 3 … bald ist Weihnachten von Eric Carle, Gerstenberg Verlag, ISBN 978-3-8369-5929-2, 8,95€

Kinderbuchklassiker als Comic – Das doppelte Lottchen

Irgendwie sind Zwillings-Geschichten ja immer wieder reizvoll. Neben den Hanni und Nanni-Büchern habe ich besonders ein Buch geleibt: Das doppelte Lottchen! Ich finde Erich Kästners Geschichte von Luise und Lotte, die sich völlig ahnungslos in den Ferien im Kinderheim in Seebühl am Bühlsee treffen und herausfinden, dass sie Zwillinge sind, herrlich.

Die Zwillinge tauschen ihre Rollen. Luise fährt als Lotte zur Mutter nach München und Lotte als Luise zum Vater, dem Herrn Kapellmeister, nach Wien. Nun ist es natürlich spannend und witzig zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Aber es steckt auch ganz viel Zuneigung, Sehnsucht und der kindliche Wunsch nach einer heilen Familie in dieser Geschichte, was viel von ihrem Charme ausmacht.

Klar, dass am Ende das Täuschungsmanöver auffliegt und Mutter und Luise eilen besorgt nach Wien, wo Lotte, getarnt als Luise, krank im Bett liegt, so dass die Familie nach vielen Jahren das erste Mal wieder komplett zusammentrifft. Nun muss nur noch Irene Gerlach, die zu viel Interesse am Vater zeigt, gestoppt werden und die Eltern müssen einsehen, dass sie es zusammen doch viel schöner haben…

Diese Geschichte geht einem zu Herzen. Allerdings bestehen durchaus Zweifel, ob sich heutige Kinder von diesem „alten Kram“ noch begeistern lassen, wobei es zu schade wäre, wenn „Das doppelte Lottchen“ nicht mehr vorgelesen würde.

Vielleicht ist es also eine gute Idee, dass der Dressler Verlag das Buch als Comic von Isabel Kreitz heraus gebracht hat, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder sehr gerne zu Comics greifen. Ein guter Schachzug also? Ich gebe zu, dass ich im ersten Moment etwas schlucken musste und es mir merkwürdig vorkam, dass ein solcher Klassiker auf einmal als Comic daherkommt. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich persönlich Comics nie so reizvoll fand.

Aber dieses Buch kann mich tatsächlich überzeugen. Dies liegt vor allem an folgenden Sachen: Zwar wurde die auch heute beliebte Form des Comics gewählt, was den Griff zum Buch sicherlich erleichtert, andererseits wurde der Inhalt selbst nicht modernisiert. Die Bilder selbst lassen es zu, dass man sich schnell in der alten Geschichte wiederfindet, denn beispielsweise wurden Kleidung und Figuren altmodisch gezeichnet. Alles ist farbig, aber auch die Farbgebung passt zu dieser älteren Geschichte. Die Gesichter fand ich auf den ersten Blick teilweise etwas hässlich, aber nach ein paar Seiten hat man sich daran gewöhnt und irgendwie sind genau diese Bilder „Das doppelte Lottchen“. Es passt alles perfekt zueinander. Die Gesichtsausdrücke spiegeln im Übrigen klar das Geschehen wider. Auch der Text wird originalgetreu wiedergegeben. Kenner des doppelten Lottchens werden viele Ausrufe und Dialoge wiedererkennen. Letztendlich fragt man sich beinahe, was denn in dem Roman noch, neben den Dialogen, an zusätzlichem Text steht, denn hier liegt eine rundum gelungene Adaption vor. Die Geschichte wird in Bildern und mit Dialogen erzählt und man vermisst nichts. Im Gegenteil, man hat das Gefühl, dass man die alte, oft gelesene Geschichte ein weiteres Mal liest.

Hoffentlich haben nun viele Kinder Spaß an diesem Comic, so dass sie sich ebenfalls an der Geschichte von Lotte und Luise erfreuen können. Es wäre dem Buch sehr zu wünschen und ich glaube, dass auch heutige Kinder die Geschichte mögen werden, wenn sie sich einmal auf sie einlassen.

9783791511719

Das doppelte Lottchen – Ein Comic von Isabel Kreitz von Erich Kästner, Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7915-1171-9, 19,99€