Jugendrezension zu „Sommernachtsfunkeln“

Copyright: Arena Verlag

Der Roman „Sommernachtsfunkeln“ ist etwas für alle Leser, die gerne Liebesgeschichten mit mysteriösen Geheimnissen mögen.

In dem Buch geht es um die europäische Kati, die wegen eines Unfalls eine große Narbe auf der rechten Wange hat. Diese Narbe verändert ihr Leben und ihren großen Traum an die Royal Skakespeare Academy zu gehen. Kati geht als Aupair nach Los Angeles um dort neu zu starten und sie will ihren Vater finden, der laut ihrer Mutter ein Kriegsheld ist. Durch Jeff und Lucy, die Inhaber einer beliebten Bar, bekommt Kati ihr Selbstbewusstsein zurück und traut sich im Lived, der Bar von Lucy und Jeff, einen Shakespeare-Auftritt. Doch es scheint alles anders zu sein, als es aussieht. Das zeigt Luke Kati. Er ist ihr Ex-Freund und plötzlich in Los Angeles um Kati seine Liebe zu ihr zu gestehen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es gibt romantische Szenen, aber auch spannende Aufklärungsteile mit denen die Wahrheit ein Stück näher ans Licht kommt. Ebenfalls fand ich es gut, dass das Buch in der Perspektive von Kati und von Luke geschrieben wurde. So kann man wissen, was in Europa und was in Los Angeles gerade in diesem Moment geschieht. Außerdem erfährt man dadurch Katis und auch Lukes Gefühle, so dass man einen anderen Blick auf die Geschichte hat.

Ich kann das Buch „Sommernachtsfunkeln“ weiterempfehlen. Es war fesselnd bis zur letzten Seite.

Annika, 12 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Sommernachtsfunkeln von Beatrix Gurian, Arena, ISBN: 978-3-401-60322-3, 16,99€

Jugendrezension zu „Wir beide wussten, es war was passiert“

Der bereits mit dem Deutschen Jugendpreis nominierte Roman „Wir beide wussten, es war was passiert“ ist abwechslungsreich, ungewohnt und mit wertvollen Botschaften zwischen den Zeilen gesegnet, einfach nur toll.

Das Buch besteht aus ein bis drei Seiten langen Texten, die aussehen wie Gedichte. Reimen tut sich hier jedoch nichts, die einzelnen Texte aus mehreren Erzählperspektiven sind kurz, knackig und schlichtweg ergreifend. Sobald man sich erst mal an den Schreibstil gewöhnt hat, liest sich der Roman flüssig und man will ihn kaum noch aus der Hand legen. Zwei der drei Personen, aus dessen Perspektiven geschrieben wird, sind äußerst charakterstark und treffen aufeinander. Die beiden verleihen dem Buch an manchen Stellen Pfeffer, Hoffnung, aber auch tiefschürfende Melancholie. Durch die dritte Perspektive, ein Mädchen, wird für alle potenziellen Leser, egal welchen Geschlechts, der Roman interessant und lesenswert.

Nach der bereits erwähnten kurzen Eingewöhnungszeit habe ich das Buch mit Freude und tiefem Ergreifen gelesen. Die verschiedenen Charaktere und ihre Geschichten haben mich begeistert und teilweise innerlich verstummen lassen. Ich empfehle das Buch jedem ab 14 Jahren und dem Zeitpunkt, an dem man bereit ist, Neues einzugehen und für kurze Zeit in eine andere Seite unserer doch so schönen Welt einzutauchen.

Lisa, 14 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Wir beide wussten, es war was passiert von Steven Herrick, übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, Thienemann Verlag, ISBN: 978-3-522-20219-0, 14,99€

Mehr über den Inhalt des Buches findet ihr in meiner Rezension zu dem Buch.

Poetischer Jugendroman: Wir beide wussten, es war was passiert

Drei völlig unterschiedliche Personen und doch finden sie auf wundersame Wege zusammen. Billy, ein Junge, der von seinem alkoholkranken und gewalttätigen Vater davon gelaufen ist, Caitlin, ein Mädchen, das von seinen reichen Eltern auf eine Privatschule geschickt wird und Old Bill, ein scheinbar obdachloser Mann, der in seinem Leben viel Leid ertragen musste.

In dem Buch „Wir beide wussten, es war was passiert“ wird die Geschichte bzw. das Zusammentreffen dieser drei Figuren erzählt. Im Mittelpunkt steht Billy, der anfängt seine Geschichte zu erzählen, doch im Verlauf des Buches übernehmen auch Caitlin und Old Bill die Erzählerrolle. Auf seiner Flucht von zu Hause kommt Billy nach Bendarat, wo er in einem stillgelegten Eisenbahnwaggon Unterschlupf findet und so zum Nachbarn von Old Bill wird, der ebenfalls in einem alten Waggon untergekommen ist. Seinen Hunger stillt Billy mit den Resten, die andere Gäste bei McDonald’s liegen gelassen haben. Auf diese Weise lernt er Caitlin kennen, die sein Verhalten beobachtet hat, es aber beim Wischen des Bodens – und einem freundlichen Lächeln – belässt. Und obwohl alle drei Personen aus ganz anderen Welten kommen, so ist zwischen ihnen sofort eine Verbindung da, zwischen Billy und Old Bill und zwischen Billy und Caitlin. Verbindungen, die zu besonderen Beziehungen heranwachsen.

Außergewöhnliche Form eines Romans

Das Buch „Wir beide wussten, es war was passiert“ ist ein leises Buch. Die Geschehnisse werden von verschiedenen Personen in sehr kurzen Kapiteln erzählt, so dass kaum wörtliche Rede vorkommt. Jedes Kapitel ist in der Form eines Gedichtes niedergeschrieben, so dass alles eine poetische Form mit schönem Sprachklang annimmt, aber dennoch wird in aller Knappheit eine fortlaufende Geschichte erzählt. Die gewählte Form, die für den Text an sich nicht zwingend notwendig ist, macht das Buch zu etwas Besonderem. Es ist keine Geschichte, die einen direkt überwältigt, dafür ist alles zu knapp und ruhig geschrieben, aber dennoch beschäftigt man sich mit ihr auch über das Lesen hinaus.

Kommt es bei der Zielgruppe an?

Mir hat das Buch insgesamt gefallen, aber ich befürchte, dass die Versform der Erzählung ein Problem sein könnte. Das Cover des Buches, das nichts verrät, macht in Zusammenhang mit dem Titel „Wir beide wussten, es war was passiert“ neugierig und lässt Jugendliche nach diesem Buch greifen. Auch der Klappentext klingt verheißungsvoll. Er ist genau in der gleichen Form abgedruckt, wie er auch im Buch erscheint, aber diese besondere Form nimmt man an dieser Stelle nicht wahr. Dann aber schaut man in das Buch und sieht nur kurze Texte in Versform. Hm! Nicht unbedingt das, worauf man sich beim Lesen eines Buches freut. Und schon wird das Buch wieder zur Seite gelegt. Schade! Trotzdem hoffe ich, dass dieses Buch bei dem einen oder anderen Jugendlichen ab 13 Jahren eine Chance bekommt. Es ist eine schöne, kleine Geschichte über Liebe, Freundschaft und das Überwinden von Grenzen.

Und mein Wunsch erfüllt sich tatsächlich, denn eine Teilnehmerin der Schreibwerkstatt hat sich für dieses Buch entschieden. Morgen dürft ihr von ihren Eindrücken dazu lesen.

Wir beide wussten, es war was passiert von Steven Herrick, übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, Thienemann Verlag, ISBN: 978-3-522-20219-0, 14,99€

 

Jugendrezension zu „Kuromori – Das Schwert des Schicksals“

Interessierst du dich für die japanischen Götter, für epische Kämpfe oder sonderbare Fabelwesen? Dann kann ich dir das Fantasy-Action-Buch „Kuromori – Das Schwert des Schicksals“ nur empfehlen.

In diesem Buch geht es um Kenny, welcher eigentlich nur zu seinem Vater in die Metropole Tokio flog, von dem jedoch plötzlich das Leben von 50 Millionen Menschen abhängt. Um diese aus der Gefahrenzone herauszubringen, muss er sich Göttern stellen und einen riesigen Drachen bekämpfen.

Meiner Meinung nach ist dieses sehr gut geschriebene, witzige und abenteuerreiche Buch eine Pflichtlektüre für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, welche einen Geschmack für Action besitzen. Mich selbst fesselte das Buch so sehr, dass ich es innerhalb 4 Tagen gänzlich las. Das Ende rundete die Geschichte gut ab und übertraf meine Erwartungen haushoch.

Richard, 12 Jahre, Teilnehmer der Schreibwerkstatt zu:

Kuromori – Das Schwert des Schicksals von Jason Rohan, Ravensburger Verlag, ISBN: 978-3-473-36953-9, 14,99€

Traurig und berührend: Ein Comic zum Thema Holocaust

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Wieder einmal wandert ein Buch durch den Campus Libris, wieder einmal ist es ein wichtiges Buch und wieder einmal ist es ein Buch für alle (so wie bereits „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar„): „Das versteckte Kind“. Auch wenn die eigentliche Zielgruppe dieses Buches ältere Kinder und Jugendliche sind, so vermag es genauso Erwachsene zu berühren. Mich jedenfalls hat dieses Buch tief bewegt und sein Inhalt und seine Bilder bleiben auch weit nach dem Lesen noch in meinen Gedanken.

Ich kann nur jedem raten: Lest dieses Buch und schaut es euch mit Jugendlichen an. Es könnte dazu beitragen, dass junge Menschen alles dafür tun möchten, damit nie wieder Menschen unter den Schrecken und den ideologischen Wahnsinn wie in der Zeit des Nationalsozialismus im Dritten Reich.

Das versteckte Kind“ ist ein Comic zum Thema Holocaust und gerade weil hier ein Kind im Vordergrund steht, macht dieses Buch so betroffen. Man fühlt und leidet mit, man spürt die Ungerechtigkeit beinahe körperlich, man wird traurig und bekommt vielleicht sogar Angst, wenn man sich so manch eine Entwicklung in der Gesellschaft anschaut, aber aus diesem Gefühl der Betroffenheit kann auch der Wunsch und der Mut entstehen, sich stark zu machen, für Menschen, die unterdrückt und ausgegrenzt werden, sich stark für ein gleichberechtigtes Menschenbild zu machen, Nächstenliebe zu leben und ideologischem Wahnsinn entschieden entgegen zu treten.

Ob die Geschichte von Dounia Cohen, dem versteckten Kind, dazu beitragen kann? Ich denke schon, denn Dounia Cohen lässt in dem Buch ihre Enkelin Elsa sowie alle Leser sehr nah an die Geschehnisse damals herankommen. Es bleibt nicht bei einer bloßen Geschichtsstunde, nein, es geht um das Erleben eines Kindes, um die Gefühle und vor allem die Ängste, die ein kleines jüdisches Mädchen, ausstehen musste.

Elsa merkt, dass ihre Großmutter Dounia Cohen traurig ist und möchte gerne den Grund erfahren. Die Großmutter, die sich an ihre Vergangenheit erinnert hat, lässt die Enkelin an ihren Gedanken und ihrer Geschichte teilhaben. Sie erzählt. Ja, es handelt sich hier wirklich um die Erzählung einer Großmutter, auch wenn die erlebten Szenen wie in einer Geschichte dargestellt werden. Aber stets hört man die Stimme der Großmutter, ihre Überlegungen, ihre Erklärungen, ihre Gefühle. Eigentlich hatte Dounia eine schöne Kindheit. Sie hatte liebevolle Eltern, sie ging gerne zur Schule und sie hatte Freunde. Doch dann kam der Tag, an dem der Vater erklärte, dass jeder in der Familie von nun an einen Stern zu tragen habe. Der Papa nannte den Stern einen Sheriff-Stern, aber als Dounia mit ihm stolz in die Schule ging, wurde sie auf einmal von allen anders behandelt. Sie wurde ausgegrenzt und gar nicht mehr nett behandelt. In der Schule musste sie sich in die letzte Reihe setzen und zum Unterricht beisteuern durfte sie auch nichts mehr.

Irgendwann wagte sich die Familie kaum noch nach draußen und die Lage wurde immer schlimmer. Ja, auch Dounias Familie blieb das Schicksal der Deportation und des Konzentrationslager nicht erspart. Nur ein kleines Mädchen konnte dem entgehen: Dounia. Ihre Eltern konnten sie gerade noch rechtzeitig im Schrank verstecken. Zum Glück gab es auch in dieser schlimmen Zeit gute Menschen und davon brauchte es einige, um Dounia, die nun ihren Namen verändern musste, an einen sicheren Ort zu bringen. Dounia wurde gerettet, aber Angst und die Sehnsucht nach ihren Eltern begleiteten sie stets auf ihrem Weg. Auch als der Krieg beendet war, war das Leiden noch nicht vorbei, denn nun gingen Dounias Helfer und Dounia auf die Suche nach den Eltern, aber die Opferlisten sind sehr lang. Dounias Mama stand auf keiner. Sie hatte überlebt, aber bei ihrem Anblick zieht sich nicht nur Dounia das Herz zusammen. Und auch wenn man dann liest, dass Dounia nie aufgehört hat, auf die Rückkehr ihres Vaters zu warten, muss man noch einmal schlucken.

Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich kein Comic-Fan bin, aber dieses Buch, welches einem so nah geht, belehrt mich mal wieder eines besseren. Eigentlich sind auf den Bildern nicht viel mehr als die Figuren zu sehen, welche ebenfalls keine großen Details aufweisen. Aber die Gesichtsausdrücke sowie die Körperhaltungen in Kombination mit der Erzählung der Großmutter vermögen es auf unglaubliche Art und Weise einen zu berühren. Besonders die Momente der Ausgrenzung in der Schule und das Unverständnis bei dem kleinen Mädchen haben mich unglaublich traurig gemacht. Wie kann man Menschen, wie kann man Kindern so etwas nur antun? Lest dieses Buch, stellt euch diese unausweichliche Frage, weint mit Dounia und tretet dafür ein, dass dies nie wieder jemandem angetan wird.

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Das versteckte Kind von Loic Dauvillier, Marc Lizano, Greg Salsedo, übersetzt von Monja Reichert, Panini Comics, ISBN: 978-3-86201-774-4, 16,99€

Samia Yusuf Omar – Eine besondere Geschichte in einer Graphic Novel

Geht es euch auch so, dass euch schlimme Schicksale andere Menschen sehr nahe gehen, seitdem ihr eigene Kinder habt? Natürlich fand ich es schon immer schlimm und traurig, wenn Menschen, insbesondere Kinder, Krieg, Gewalt, Hunger o.ä. erleiden mussten, aber seit mein erster Sohn auf der Welt ist, kann ich solche Meldungen nur sehr schwer ertragen und ich lese auch keine Bücher mehr, die solche Schicksale thematisieren. Viele solcher Bücher sind aber wichtig, um die Menschen aufzurütteln und um die Augen und Herzen zu öffnen. Dies trifft umso mehr zu, wenn es um aktuelle Themen geht und man den Blick auf gewisse Dinge schärfen kann.

Auf AstroLibrium werden sehr viele wichtige Bücher vorgestellt. Hier denke ich vor allem an Bücher „Gegen das Vergessen“, zu denen auch Bücher gehören, die sich z.B. mit den Schicksalen von Flüchtlingen beschäftigen. Ja, oftmals werden in den vorgestellten Büchern Einzelschicksale vorgestellt, aber genau diese Bücher sind so unglaublich wichtig, denn durch sie blickt man nicht nur auf eine anonyme Masse von Menschen, sondern man sieht die einzelnen Menschen. Dann geht es nicht mehr um irgendwelche Zahlen, um „die Flüchtlinge“ oder „die Syrer“, nein, es geht um einzelne Menschenleben. Und so wird einem wieder bewusst, wie wertvoll jedes einzelne Leben ist und was für individuelle Geschichten hinter einer Flucht stehen. Empathie und Menschlichkeit können durch Bücher geweckt werden und unser Blick für die einzelnen Menschen wird geschärft. Nie dürfen wir vergessen, dass es in den Booten oder in den LKWs um Menschen geht, um Menschen, die alle ihre eigene Geschichte haben.

Erst von Arndt habe ich über AstroLibrium vom Schicksal Samias erfahren, die ihren Traum bei den Olympischen Spielen in London mit ihrem Leben bezahlen musste. Diese wahre Geschichte hat mich unglaublich betroffen gemacht. Wie bereits geschrieben, berühren mich solche Schicksale sehr und eigentlich mache ich zur Zeit einen Bogen um entsprechende Bücher, aber Arndt hat mich neugierig auf diese spezielle Geschichte gemacht. Außerdem ist es mir wichtig, den Blick auf die Menschen zu lenken, auf die die Menschen, die ihr Leben auf der Flucht und in den Booten riskieren, denn ich habe das Gefühl, dass sie viel zu oft nicht als einzelne Individuen wahrgenommen werden. Die Empathie geht zunehmend verloren. Man hört nur noch die Zahlen von den Menschen, die es nicht geschafft haben, und macht sich gar keine Gedanken mehr darüber, wer diese Menschen sind und was sie antreibt. Ich möchte aufmerksam machen auf das Schicksal von Samia Yusuf Omar, die den Traum bei Olympia 2012 zu starten nicht aus den Augen verlor und dafür ihr Leben lassen musste.

Bei AstroLibrium wurde ich aufmerksam auf das Jugendbuch „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“, welches Arndt nun auf die Wanderschaft geschickt hat. Verschiedene Bewohner des Campus Libris nähern sich in den nächsten Wochen dem Leben von Samia.

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2008 darf Samia für ihr Land Somalia bei den Olympischen Spielen in Peking starten. Sie strebt eine erneute Teilnahme bei den Olympischen Spielen in London an, doch in ihrem Heimatland kann sie im Prinzip nicht trainieren. Die radikalislamistische Miliz Al Shabaab verbietet es Frauen zu laufen. Samia sieht sich vielen Bedrohungen ausgesetzt. Um ihren Traum dennoch zu verwirklichen, muss sie ihr Zuhause verlassen, doch auch in Äthopien lässt man sie nicht trainieren. Ihr bleibt nur der Weg nach Europa, doch dieser ist schwierig und gefährlich. Samia wagt diesen Schritt trotz großer Angst dennoch. Ihre Flucht ist nicht einfach, immer wieder gilt es Gefahren zu überwinden. Doch dann sitzt sie in einem viel zu kleinem Schlauchboot, auf dem Weg zu ihrem Ziel, auf dem Weg nach Europa. Diese Überfahrt überlebt sie nicht. Sie ertrinkt im Mittelmeer.

Gerade hat das Buch „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“, eine Graphic Novel, bei mir Station gemacht. Ich muss zugeben, dass ich kein großer Comic-Fan bin und ich mich mit dem Genre der Graphic Novel bisher noch nicht auseinandergesetzt habe. Aber vielleicht war das in diesem Fall auch von Vorteil, denn dadurch konnte ich eine gewisse Distanz zu der Geschichte bewahren. Zunächst fiel es mir durch den Comic schwer, mich in die Geschichte Samias hineinzufühlen, aber am Ende des Buches hatte ich dennoch einen dicken Kloß im Hals. Das Buch drückt nicht auf die Tränendrüse, es agiert nicht nach dem Motto „schaut euch mal die armen Flüchtlinge an“, aber es zeigt in einer Abfolge verschiedener Szenen ganz klar auf, wie die Welt Samias aussieht. Und dabei kommt im ganzen Buch die Gefahr und das Bedrückende und Beklemmende ganz klar herüber, denn überall lauern Männer mit Waffen, die Strecke der Flucht ist unerträglich lang und die Angst spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen. Mir fällt es oft sehr schwer etwas aus Bildern heraus zu lesen, aber man bekommt in diesem Buch doch erstaunlich viel mit, insbesondere von den Gefühlen und der Atmosphäre.

Je länger man sich mit dem Buch beschäftigt, desto mehr fällt einem auf, wie viel in dem Buch und in der Geschichte steckt. Geradezu symbolisch wirkt die dünne Samia in dem weiten T-Shirt, in dem sie den Lauf bei den Olympischen Spielen absolviert. Sie hat nicht die gleichen Startbedingungen wie die anderen Athletinnen, nicht im Sport und nicht im Leben.

Nach der Lektüre des Buches möchte man mehr wissen und man würde die Welt so gerne ein bisschen besser machen. Beim Lesen des Buches kamen bei mir letztendlich recht wenige Emotionen auf, weniger als ich gedacht hätte, aber dafür bleibt das Buch bei einem hängen. Es lässt einen nicht los und auch im Nachhinein drängen sich einem die Bilder aus dem Buch immer wieder auf.

Der Traum von Olympia“ ist ein wichtiges Buch, auch dafür um sich selbst stark zu machen für Menschen die Hilfe brauchen und um auch andere davon zu überzeugen. Die gewählte Form macht es auch Jugendlichen möglich sich der Geschichte Samias zu nähern. In Begleitung mit einem Erwachsenen können auch ältere Kinder ab etwa 10/12 Jahren die Geschichte von Samia verarbeiten. Ich hoffe, dass sich viele Eltern mit ihren Kindern dieses Buch gemeinsam anschauen. Kinder bekommen schon viel von der Flüchtlingsthematik mit, sei es über die Nachrichten oder in der Schule. Aber um das Ganze emotional besser erfassen zu können, ist es für sie wichtig, das Thema nicht bei abstrakten Nachrichten zu belassen, sondern es mit konkreten Geschichten zu verbinden. Nur so haben sie die Möglichkeit sich mit den Menschen, die ehrlich Hilfe suchen, verbunden  zu fühlen, menschlich und auch im Gebot der Nächstenliebe zu handeln, dem neuen Flüchtlingskind in der Klasse die Hand zu reichen und sich Fragen wie „Was wäre, wenn mir so etwas passieren würde?“ zu stellen.

Man könnte nun natürlich sagen, dass es sich bei Samia, einer Sportlerin, um eine besondere Geschichte mit einem besonderen Ziel handelt. Ja, sicher, aber dennoch steht Samia letztendlich für die vielen hilfesuchenden Menschen mit ihren Hoffnungen, Träumen und Zielen, für die sie ihr eigenes Leben riskieren. Hinter jedem Menschen auf einem Boot steckt eine Geschichte voller Gefahren einerseits und Hoffnungen andererseits. So sitzen auch neben Samia viele weitere Menschen in dem Boot, Kinder, Frauen und Männer. Es sind kostbare Menschenleben, die es wert sind gerettet zu werden!

Das Buch „Der Traum von Olympia“ wird nun zur nächsten Bewohnerin des Campus Libris reisen, doch Samia und ihre Geschichte wird mich dennoch weiterhin begleiten.

Der Traum von Olympia

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar von Reinhard Kleist, Carlsen, ISBN: 978-3-551-73639-0, 17,90€

HIER findet ihr den Artikel zu dem Buch auf AstroLibrium.

Anja schreibt in Zwiebelchens Plauderecke ebenfalls über ihre Eindrücke zu dem Buch.