Wie der Waldschrat zu seiner Unterhose kam – Interview mit Mele Brink

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Tom hat einen besonderen Freund: Es ist der Waldschrat, der im Wald lebt. Ihn und viele Tiere hat Tom in dem Buch „Tom und der Waldschrat“ kennen gelernt. Damals hat Tom den Tieren im Wald geholfen, aber nun braucht er ihre Hilfe. Dass sein Gummistiefel verschwunden ist und die Spur in den Wald führt, ist da nur das kleinere Übel. Schlimmer für Tom ist, dass seine Eltern in letzter Zeit ständig streiten. Schnell erfährt er von den Tieren, dass auch bei ihnen nicht alles immer so einfach ist, wie es auf den ersten Blick erscheint und es gar nicht so selbstverständlich ist, dass Mama, Papa und Kind immer zusammen leben. Ob das Tom weiterhelfen kann?

Blogtour zu „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“

Wenn ihr der Blogtour zu dem Buch „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“ gefolgt seid, dann habt ihr ja schon einiges über Tom und den Waldschrat gelesen. Ansonsten könnt ihr das aber jetzt natürlich auch noch nachholen. Hier eine Übersicht der Stationen:

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Interview mit Illustratorin Mele Brink

© Michael Mauer / Wir Frankenberger

Heute soll es aber um die Illustrationen gehen, die ja viel von dem Buch ausmachen. Und ihr dürft dazu heute ein wenig hinter die Kulissen blicken, denn ich habe der Illustratorin Mele Brink ein paar Fragen gestellt, die diese ausführlich beantwortet hat. Ich selbst fand ihre Antworten äußerst interessant und ich hoffe, dass ihr sie genauso gerne lest. Also, los geht’s:

„Der Rat der Tiere“ ist der zweite Band von „Tom und der Waldschrat“. Inwiefern macht es beim Illustrieren einen Unterschied, wenn einem die Figuren eines Buches bereits vertraut sind?

Ach, das ist im Vorfeld schon anders. Man ‚muss‘ ja nicht erst überlegen, wie die Figuren aussehen könnten. Man hat ja quasi schon das Personal. Natürlich gucke ich erst mal ziemlich genau, wie ich beim ersten Band was gemacht habe, überlege, was noch besser passen könnte, was ich jetzt anders machen würde und versuche dann ein Gleichgewicht zwischen Wiedererkennbarkeit und eben Veränderungen/Verbesserungen hin zu bekommen.

Bei mir gibt’s ein paar Figuren, die ich so oft zeichne, dass ich gar nicht gucken muss, wie ich das (vor Jahren) gemacht haben. Bei mir wären das z. B. der Rucky Reiselustig, den ich seit fast zwanzig Jahren durch die Kinderfastenaktion huschen lasse oder eben auch Tofuwürste und alle Anverwandten und Bekannten (die sind weniger aus dem Kinderbuchbereich 😉 )

Beim Waldschrat musste ich aber schon erstmal den ersten Band zur Hand nehmen und ganz viel gucken.

Die Illus mache ich analog, das heißt , es gibt keine Farbpalette, die ich im Rechner gespeichert habe. Natürlich habe ich meine ‚Lieblingsfarben‘, und trotzdem – viel gucken, welches grün, welches blau ….. Und trotzdem hat der Waldschrat im zweiten Band ein wenig mehr auf den Rippen als im ersten Band. Der gefiel mir so noch besser.

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Hast du bei Figuren, die bereits im ersten Band vorkommen, in den Illustrationen etwas verändert oder hältst du dich ganz streng an die ersten Illustrationen?

Die Figuren sind schon sehr ähnlich geblieben, vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas runder oder eckiger, vielleicht mal eine andere Perspektive. Die jungen LeserInnen sollen aber eindeutig schon den Schrat, das Kaninchen, Tom …. wieder erkennen.

Wirklich geändert oder dazugenommen haben wir (das mache ich nicht alleine, sondern zusammen mit dem Grafiker, der dann das Buch setzt) einen Fonds, der ab und zu eine Seite oder eine halbe tönt. Im ersten Band gibt es mehr ‚aquarellige‘ Hintergründe, im zweiten Band ist das ein wenig schlichter. Wir fanden das zu den cartoonigen/cleanen Zeichnungen noch passender.

Vom Waldschrat gibt es in den Büchern sehr genaue Beschreibungen im Text. Inwiefern findest du dies bei deiner Arbeit hilfreich bzw. inwiefern behindert dich dies?

Uh, das ist nicht so eindeutig zu beantworten. Auf der einen Seite ist das super, wenn ich weiß, was  die/der AutorIn an Vorstellungen im Kopf hat. Ob das im Text vorkommt, ist eigentlich nicht so wichtig. Dann hat man einfach gute Chancen ein ’stimmiges‘ Buch machen zu können. Natürlich gibt es auch Situationen, wo ich das völlig anders machen würde. Dann muss man halt ein bisschen quatschen …

Aufpassen muss man allerdings sehr, dass die Bilder exakt den Beschreibungen entsprechen – junge LeserInnen oder ZuhörerInnen sind da unglaublich aufmerksam und bekommen jeden Fehler mit ;-).

‚Interessant‘ wird es, wenn sich die Beschreibungen einfach nicht darstellen lassen. Beispiel wäre vielleicht eine geflügelte Fee, die auf ihrem Rücken eine ähnlich große Figur mit in die Lüfte nehmen soll. Die ist den Flügeln dann einfach schwer im Weg …. An der Stelle wird am Text etwas verändert/gefeilt oder eben die Figuren geändert.

Auf der anderen Seite finde ich es natürlich auch prächtig, wenn ich mich ohne weitere Beschreibungen komplett ‚austoben‘ kann. Nebenfiguren einfügen, Albernheiten, die im Text nicht vorkommen …. die Farben der Kleidung so wählen, wie ich sie ‚harmonisch‘ finde, und nicht zwingend so wie im Text.

Ich finde es da immer sehr spannend, wie die AutorInnen ticken – einige sind sehr ‚im Text‘ und haben auch gar nicht mal konkretere Bilder im Kopf (für mich die totale Freiheit 😉 ), andere denken und schreiben eher in Bildern. Das macht die Zusammenarbeit immer anders und eigen.

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Gehst du beim Illustrieren chronologisch vor? Also, bebilderst du ein Buch von vorne nach hinten oder suchst du dir erst bestimmte Bilder aus, mit denen du beginnst? Vielleicht kannst du uns ein bisschen erzählen, wie du bei deiner Arbeit vorgehst.

Als erstes müssen bei mir immer die Figuren ’stehen‘. Das war beim zweiten Waldschrat jetzt natürlich einfach. Bei ganz neuen Szenarien/Protagonisten gibt es erstmal einen Haufen Skizzen und Probezeichnungen. Ich bin immer ganz glücklich, wenn ich mich endlich entschieden habe, wie denn eine Figur aussehen soll, wie die gezeichnet wird, wie coloriert. Dann kann ich anfangen, mit denen ‚zu spielen‘. Unterschiedliche Geschichten verlangen ja unterschiedliche Figuren, unterschiedliche Szenen. Gibt es Outlines (deutliche Umrisslinien) oder nicht, braucht es einen vollflächigen Hintergrund, detailliert oder weniger, passen farbige aber nicht bunte Illustrationen oder soll es wirklich bunt und knallig werden? Ich habe ja nicht einen immer wieder erkennbaren, eindeutigen Stil. Natürlich haben meine Illustrationen eine ‚Familienähnlichkeit‘, ich versuche aber die Zeichenart (in meinen Grenzen … ) auch dem Text anzupassen.

Der Waldschrat ist da eher ‚clean‘ und cartoonig, passt einfach zum Text. 😉 Und er hat die Besonderheit, dass es zeichnerisch einmal die Geschichte um Tom und den Waldschrat gibt und einmal die Kleinzeichnungen, die z.B. ökologische oder familiäre Zusammenhänge darstellen. Claudia Mende ist Journalistin und da ist im jeden Halbsatz noch eine Info enthalten, die nicht zwingend zur eigentlichen Geschichte gehört. Und die sollen doch auch ein ‚Gesicht‘ bekommen. Die Zeichnungen über das Zusammenleben von Wildschweinen, Rehen, etc. wären ein Beispiel für diese ‚verkürzte‘ Darstellung.

Und jetzt endlich zur ‚Chronologie‘. Meist teile ich den Text zuerst in Doppelseiten ein. Was passt auf eine Doppelseite, was gehört zwingend zusammen, wo teilt man den Text, damit man auch Lust hat umzublättern? Dazu mache ich dann Scribbles und Notizen, was ich zeichnen will, vielleicht auch schon eine Notiz zur Seitenaufteilung. Wie viele Seiten soll das Buch am Ende haben, spielt auch eine Rolle.

Und dann zeichne ich schon eher das Buch von vorne bis hinten durch. Okay, die Umschlagillustration ist gerne schon mal vorher dran. 😉 Ich denke dann möglichst in Doppelseiten, zeichne ein bis vier DS vor, dann kommt (beim Waldschrat) die Tuschezeichnung und die wird dann coloriert. Meist mache ich immer ein kleines Paket von 2-4 Seiten fertig. Das liegt allerdings auch daran, dass bei uns Illustration und Grafik direkt nebeneinander sitzen und so nach und nach die Seiten auch schon gesetzt und Kleinigkeiten auch direkt korrigiert oder angepasst werden können. Für andere Kunden gibt es natürlich ein Komplettpaket an fertigen oder auch gescannten Zeichnungen.

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Ich habe immer Schwierigkeiten über Illustrationen in Büchern zu schreiben. Vielleicht könntest du uns ein wenig über deine Technik erzählen und wie man die Art deiner Illustrationen bezeichnet.

Ups, die Frage bzw. das Vokabular finde ich selbst immer schwierig. Das liegt zum einen daran, dass ich nicht Illustration studiert habe, sondern Architektur, mir also das akademische Vokabular fehlt. Zum anderen habe ich wohl zu viele Besprechungen und Einführungen zu Kunstausstellungen gehört – und da gibt es gelegentlich die Unart, sich minutenlang über den Duktus in der linken oberen Ecke auszulassen und Begriffe zu nutzen, die einem Großteil der durchaus kunstbeflissenen ZuhörerInnen nicht geläufig ist. Natürlich ist es unter Fachleuten sinnig, die verkürzte Form mit Fachbegriffen zu nutzen. Hier, zum Beispiel bei deinem Kinderbuchblog, finde ich es aber viel wichtiger, auch für Nichtfachsimpler verständlich zu reden/schreiben.

Lange Vorrede mit deutlicher Gefahr abzuschweifen 😉

Zur Technik:

Für den Waldschrat habe ich leichte Bleistiftzeichnungen auf dickes Aquarell/Acrylpapier gemacht. Danach wurden dann die Outlines /Umrisse mit Tusche und Pinsel sauber gezeichnet. Bleistiftreste vorsichtig wegradieren ist meist nötig. Dann wurden die Zeichnungen mit Aquarellfarbe und Pinsel coloriert. Zum Schluss gibt’s da immer ein paar Dinge, die noch mit Buntstiften oder auch mal Kreiden besonders betont werden. Danach wird gescannt und weiter geht’s zur Grafikabteilung.

Gerade beim Waldschrat sieht man meinen Zeichnungen an, dass ich aus der Cartoon-/Comicecke komme. Es gibt die schon genannten Outlines, Bewegungslinien, Schweissperlen. Auch Wortmalerei lässt sich finden.

Spannend fand ich die Spielerei mit den oben schon erwähnten ‚Kleinzeichnungen‘, Schildern, Strichmännchen oder ‚Strichtieren‘. Der Waldschrat ist ja für Kinder zwischen 5 und 10 gedacht. Bei jüngeren Kindern meine ich, müsste die Entzifferung von Symbolen (z. B. Straßenschildern ….) die ja nicht realistisch sind, sondern eben ein Symbol, wie eine Sprache erst gelernt werden. Spätestens ab 5 gibt es aber schon die Fähigkeit, Symbole, die für etwas Reales stehen und es nicht realistisch abbilden, deuten zu können. Und genau damit zu spielen – wie erkennbar muss es sein, wie verkürzt darf die Darstellung sein, langt ein Verbotsschild, funktionieren Herzen als Zeichen der Zuneigung …. hat wirklich Spaß gemacht.

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Augenmerk habe ich beim Waldschrat sehr auf die ‚Personen‘ gelegt, die bestimmen die Illustrationen, deren Gestik und Mimik. Stimmungsvolle Hintergründe gibt es beim Waldschrat ja (fast) gar nicht. Wichtiger war mir, dass ein überraschtes Kaninchen auch überrascht aussieht, ein wütender Papa wütend, ein genervter Fisch eben genervt. Grundidee ist beim Waldschrat, dass sich die jungen ZuhörerInnen (wenn sie noch nicht lesen können) auch anhand der Zeichnungen die Geschichte wieder (oder auch gerne eine ganz andere ….) ins Gedächtnis rufen können. Wieso versteckt sich noch mal der Fuchs unter seinem Schwanz? Weshalb läuft der über’s Blatt und hat einen ‚Mädchengummistiefel‘ im Maul? Wieso hat der Waldschrat den dann stolz an? Und so weiter und so weiter.

Soweit zu den Waldschrat-Zeichnungen. Andere Bücher, andere Prioritäten …. und die führe ich jetzt besser nicht auch noch aus. 😉

Welche Illustration in dem Buch gefällt dir selbst besonders gut und warum?

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Der ballonartig gefüllte Waldschrat hat mich sehr amüsiert. Bei einer Perspektive von schräg unten musste ich mir doch tatsächlich überlegen, ob er wohl Unterhosen trägt und wie das wohl aussehen könnte. 🙂 Dann mag ich auch die Zeichnung, in der Mama und Papa sich mit Worten (also im Bild mit Sprechblase) weh tun. Die Umsetzung find ich schlicht und treffend. Ja, und an sich albern/vermenschlicht bewegenden Tieren habe ich beim Machen auch sehr viel Spaß – tanzende Füchse, pantomimisch tätige Kaninchen. Aus dem ersten Waldschrat habe ich immer noch sehr das Tollwut spielende ‚zerschredderte‘ Eichhörnchen in Erinnerung.

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Gab es Szenen in dem Buch, die dir schwer fielen?

Die Szene mit Kuckuck, Zaunkönig und Rotschwanz. Vögel mit glaubhafter Mimik finde ich ohnehin nicht soooo einfach, und die Vogelarten sollten trotz eher comicartiger Umsetzung auch noch erkennbar sein. Also erstmal recherchieren, welcher Vogel wie groß ist, Gefieder, Schnabel …. und das dann wieder ‚Verfremden‘, also im Stil der anderen Tiere machen. Doch, da musste ich schon etwas knobeln.

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Ich  habe mal in einer Rezension geschrieben, dass ich das Gefühl hätte, dass du eine Vorliebe für Messlatten hast. In diesem Buch kommt ebenfalls eine Messlatte vor. Habe ich vielleicht Recht mit der Behauptung?

Mh, Vorliebe? Und ja, bei der genannten Rezension musste ich auch grinsen.

Das ist einfach eine sehr einfache, deutliche Möglichkeit die Größe von Tieren, Schraten oder auch Riesen darzustellen. Man stelle ein Maßband oder Zollstock daneben …

Gerade wenn z.B. Tiere sehr unterschiedlich groß sind kann man damit umgehen, ein Tier realistisch klein und das andere riesengroß zu zeichnen. Da gab’s doch mal ein kleines Erdhörnchen und ein wenn auch nicht sehr, aber deutlich größeres Pinselohrschwein bei mir auf dem Schreibtisch , vom Alpaka ganz zu schweigen …. 😉 Zur Größenangaben könnte man natürlich auch einen Tisch, einen Stuhl, Koffer … daneben zeichnen. Es gibt nur einfach unterschiedlich große Koffer, Kinderstühle …. Da ist ein Zollstock so herrlich definiert.

Das waren jetzt ein Haufen gar nicht mal so einfach zu beantwortender Fragen. Ich hoffe, ich hab‘ nicht zu viel geschwafelt und du/ihr habt Spaß an den Antworten.  Und lieben Dank für das Interesse.

Ich danke für die ausführlichen Antworten!

© Michael Mauer / Wir Frankenberger

Gewinnspiel zur Blogtour

Die Blogtour zu dem Buch „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“ ist jetzt fast zu Ende, aber noch nicht ganz, denn es gibt noch ein Gewinnspiel. Dazu müsst ihr auf allen teilnehmenden Blogs der Blogtour (siehe oben) eine Frage beantworten und morgen (14.4.) gibt es dann auf Facebook bei der Edition Pastorplatz ebenfalls eine Frage, die dort beantwortet werden muss.

Unter allen Mitspielern, die alle fünf Blogfragen sowie die Abschlussfrage auf der Facebookseite richtig beantwortet haben, werden tolle Preise verlost:

  1. Preis: signierte Ausgaben von „Tom und der Waldschrat“ und „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“ + eine Originalzeichnung
  2. Preis: signierte Ausgaben von Tom und der Waldschrat“ und „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“
  3.  Preis: Signierte Ausgabe von „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“
  4. + 5. Preis: je eine unsignierte Ausgabe von „Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere“

Teilnahmeschluss ist Montag, 16.04.2018 um 12 Uhr. Danach werden die Namen der Teilnehmer gesammelt und in den Lostopf geworfen. Der Gewinner / die Gewinnerin wird von der Edition Pastorplatz auf der Facebook-Seite am 20.04.2018 informiert.

Und hier noch das Kleingedruckte: Die Gewinner werden per Facebook informiert. Mit seiner Teilnahme willigt der Teilnehmer ein, dass seine übermittelten Daten ausschließlich zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels gespeichert werden. Nach Beendigung des Gewinnspiels werden die Daten gelöscht. Persönliche Daten werden nicht für kommerzielle Zwecke gespeichert. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Ansprechpartner und Verantwortlicher ist alleine der Veranstalter. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahren, die ihren Wohnsitz in Deutschland oder Österreich haben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Hier ist meine Gewinnspielfrage:

Stellt euch vor, ihr seid Illustrator/Illustratorin eines Kinderbuches und ihr dürft eine kleine Albernheit oder einen Nebendarsteller mit einbringen. Was oder wer wäre das? (Klar, das kommt natürlich auf die Geschichte an, aber lasst eure Fantasie einfach mal spielen ;-))

Antwort bitte als Kommentar!

Tom und der Waldschrat – Der Rat der Tiere (Band 2) von Claudia Mende und Mele Brink, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3-943833-20-1, 17€

Hier findet ihr übrigens noch die Kinderrezension meines Sohnes zu dem Buch.

 

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Ein Treffen mit Karl der Kleine-Autor Alfred Neuwald

Weihnachten ist nun schon seit etwa einem Monat vorbei und die letzten Lebkuchen dürften wohl aufgegessen sein, aber in Aachen muss man dennoch nicht auf sie verzichten. Hier gibt es nämlich ein Gebäck namens Printe, welche das ganze Jahr in den Bäckereien erhältlich ist. Was eine Printe ist? Am besten erklärt man es wohl mit einem ganzjährigen Lebkuchen, was es tatsächlich ist, kann man nur durch einen eigenen Geschmackstest erfahren. Ich kenne viele Menschen, die Printen nicht wirklich mögen, aber es gibt auch welche, die dieses Gebäck lieben.

Im letzten Jahr traf ich Alfred Neuwald in Aachen und nicht nur er selbst isst sehr gerne Printen, sondern auch eine Figur aus einem seiner Bücher: Karl der Kleine. Im Herbst brachte Alfred Neuwald unter dem Namen Neufred den neusten Comic von Karl dem Kleinen heraus: Die Printe des Teufels.

Die Printe des Teufels

Damit es Karl dem Kleinen gut geht, braucht er unbedingt eine Printe, doch alle Printen sind ausverkauft. Da bietet ihm der Teufel die größte Printe der Welt an, wofür er natürlich Karls Seele haben möchte. Allerdings legt der Teufel Karl einen falschen Vertrag vor, so dass dieser in die Vergangenheit, ins 17. Jahrhundert verbannt wird. Nun hat er die Möglichkeit an das Rezept für die Printen zu gelangen, was der Teufel verhindern möchte, so dass er ein Feuer legt. Schon bald brennt beinahe die ganze Stadt…

Mein Sohn liebt die Comics von Karl dem Kleinen, auch wenn er vielleicht nicht alles darin versteht, wobei sich „Die Printe des Teufels“ auch schon gut für Grundschulkinder eignet. Die ersten Comics, die nur in Aachen erhältlich sind, enthalten deutlich mehr geschichtliche Bezüge. Den neuen Comic hat Alfred Neuwald im eigenen, neu gegründeten Verlag Granus herausgebracht. Das Buch, welches durch den Teufel märchenhafter als die vorherigen Bücher ist, ist in ganz Deutschland erhältlich, was ich toll finde.

Entstehung des Comics

In den Büchern steckt jede Menge Recherche, denn auch die Stadtgeschichte spielt in dem Buch eine Rolle. Alfred Neuwald berichtete, wie viel Spaß ihm die Recherchen machten, wobei der große Stadtbrand eher zufällig zum Thema des Buches wurde.

Alfred Neuwald hatte noch einige Comicstrips, aus denen er gerne ein Buch machen wollte. Dabei kam ihm die Idee eine Art Marshmallow-Man in Form einer Printe durch Aachen laufen zu lassen. Dann fiel im allerdings eine Broschüre mit dem Stadtbrand in die Hände, die er schon seit einigen Jahren besaß und er merkte schnell, dass man aus der Sache deutlich mehr machen konnte. Hinzu kommen dann noch ein, zwei Aachener Legenden.

Karl der Kleine ist momentan Alfred Neuwalds Lieblingsprojekt. Er hat schon früher an Comicprojekten gearbeitet, allerdings war er da nur für die Illustrationen zuständig. Nun schreibt er auch die Texte selber, was ihm noch mehr Spaß macht. Und ich finde, dass man es seinen Büchern auch anmerkt, welche Freude darin steckt – neben all der Arbeit natürlich. Das Buch enthält rund 200 Bilder, an denen er etwa ein Jahr saß. Normalerweise arbeitet er zunächst an den Bildern, die ihm besonders viel Spaß machen, doch dieses Mal ist Alfred Neuwald anders vorgegangen. Er wollte mit den schwierigen Sachen beginnen, wozu die Riesenprinte gehörte. Ich fand es jedenfalls sehr interessant zu hören, dass er bei dem Buch nicht der Reihe nach gegangen ist. Auch sehr spannend sind die Bilder, auf denen seine Töchter kurz zu sehen sind und dabei genau die von den Töchtern gewünschte Kleidung tragen. Das macht das Buch einerseits für die Familie besonders wertvoll, zeigt andererseits aber auch die Leidenschaft, die in diesem Buch steckt. Im Übrigen kamen von einer der Töchter auch entscheidende Hinweise zur Gestaltung der Riesenprinte. So konnte Alfred Neuwald das Problem dieses Bildes mit gutem Gefühl lösen und sich anschließend an die anderen Bilder machen.

Pixibücher von Alfred Neuwald

Alfred Neuwald produziert nicht nur tolle Comics, sondern er ist auch Pixibuchautor, wobei er in letzter Zeit deutlich weniger Pixibücher gemacht hat. Viele von euch kennen sicherlich Pixibücher von ihm. Eine seiner liebsten Projekte waren zum Beispiel die Pixibücher rund um Kapitän Sternhagel. Bücherwürmchen hat lange Zeit das Pixibuch „Der wilde Klaus“ geliebt – auch dieses ist von Alfred Neuwald. Eigentlich ist es doch schade, dass man bei Pixibüchern häufig gar nicht wahrnimmt, wer sie eigentlich geschrieben hat. Nun ja, mittlerweile achte ich immer mehr darauf und freue mich dann, wenn ich wieder einmal feststelle, dass ich ein Pixibuch von Alfred Neuwald in der Hand halte. Er erzählte auch, dass seine Pixibücher weltweit verkauft würden. Da die ausländischen Rechte oft auf der Buchmesse verhandelt werden, war dies dann immer ein nettes Weihnachtsgeld. Auch hier habe ich wieder etwas dazu gelernt. Dass es Pixibücher tatsächlich rund um die Welt gibt, war mir so nicht bewusst.

Karl der Kleine war im Übrigen auch zunächst eine Idee für ein Pixibuch. Dazu ist es nicht gekommen, aber dafür gibt es nun ganze Comics von ihm.

Vom Comicfan zum Comicautor

Im Gegensatz zu mir ist Alfred Neuwald ein richtiger Comicfan (insbesondere frankobelgische Comics), aber nun, wo ich ihn als Autor und Illustrator kennen gelernt habe, liegt mir sehr daran, zumindest seine Karl-Comics zu lesen. Vielleicht bekomme ich auf diese Weise doch noch einen Zugang zu Comics, wobei wir auch festgestellt haben, dass man das Comic lesen auch lernen muss. Nicht jeder kann einen Comic lesen und kommt mit der Gestaltung der Seiten klar. Wenn man nicht mit Comics aufgewachsen ist, beginnt man selten später damit Comics zu lesen. Das kann ich auf jeden Fall bestätigen. Es gibt einige Comics, die mich durchaus interessieren würden, aber eine richtige Leidenschaft entsteht bei mir nicht. Interessanterweise durfte Alfred Neuwald selbst als Kind keine Comics lesen und musste diese unter dem Pullover ins Haus schmuggeln, wurde dann letztendlich von seinem Vater aber doch sehr unterstützt, als er Trickfilme machen wollte. Welch ein Glück, denn so ist er letztendlich auch zum Comiczeichner geworden und wir dürfen nun seine tollen Bücher, die Spaß machen, gut zu lesen sind und Wissen vermitteln, in den Händen halten.

Hier findet ihr die Facebookseite von Karl dem Kleinen: https://www.facebook.com/KarlderKleineComic

Und dies ist die Internetseite von Alfred Neuwald: http://alfred-neuwald.com/

Zu Besuch bei der Edition Pastorplatz

Letzte Woche habe ich dem Verlag Edition Pastorplatz in Aachen einen Besuch abgestattet. Die beiden Geschäftsführer Mele Brink und Bernd Held haben sich richtig viel Zeit für mich genommen und so haben wir ganze drei Stunden lang ein gemütliches und sehr interessantes Gespräch geführt. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für die Zeit und die Gesprächsbereitschaft bedanken. Da sowohl Mele Brink als auch Bernd Held äußerst sympathisch sind und mir sehr gerne Rede und Antwort standen, habe ich mich im Verlag sehr wohl gefühlt. Wir haben über alles Mögliche rund um Bücher, Verlage, Messen, Illustrationen und vieles mehr gesprochen und ich bin mit vielen neuen Informationen nach Hause gefahren.

Mele Brink und Bernd Held in den Räumlichkeiten der Edition Pastorplatz

Bücher aus dem Verlag

Auf meinem Blog habe ich aus dem Verlag bereits die Kinderbücher „Myka und die Versteckschule“ und „Der Brückentroll“ vorgestellt. Beide Bücher sind äußerst empfehlenswert, denn der Verlag legt größten  Wert auf eine hochwertige und ansprechende Gestaltung. Es sind aber nicht die einzigen empfehlenswerten Bücher der Edition Pastorplatz und so werde ich demnächst auch weitere Bücher aus dem Verlag vorstellen und ich hoffe, dass meine Empfehlungen bei vielen Lesern ankommen werden, denn diese Bücher haben es einfach verdient mehr Beachtung zu finden. Man merkt den Büchern des Verlags einfach an, dass hier besonders großen Wert auf die Illustrationen und die Gestaltung gelegt wird. Es macht schon Spaß die Bücher in die Hand zu nehmen. Der gute Eindruck setzt sich aber auch beim Aufschlagen der Bücher fort. Zum einen fallen einem sofort die Illustrationen auf und zum anderen ist der Text auf farbig unterschiedlich gesetzt, so dass man gut erkennen kann, welche Figur gerade spricht. Das ist auch beim lebendigen Vorlesen sehr hilfreich, so dass man direkt beim ersten Vorlesen eines Buches die unterschiedlichen Sprecher gut kennzeichnen kann.

    

Schwierigkeiten eines kleinen Verlags

Für einen kleinen, noch recht neuen Verlag, wie die Edition Pastorplatz ist es nicht einfach wahrgenommen zu werden. Gute Kinderbücher landen nicht automatisch in Buchhandlungen. Gerade in großen Buchhandlungen wird auf die Bücher großer Verlage gesetzt. Klassiker, Reihen und Bücher bekannter Autoren ziehen einfach immer. Eine Chance für die Bücher kleinerer Verlage sind gut sortierte, mit Herz geführte Buchhandlungen. Schön wäre es auch, wenn Büchereien auf gute Bücher aus kleineren Verlagen aufmerksam werden würden, denn hier haben Eltern und Großeltern die Chance in Bücher unbekannterer Autoren hinein zu schnuppern. Vielleicht ist als Anregung hier ein Blick in die Liste der Preisträger des Buchkönigs hilfreich. Hier werden zwar einzelne Bücher eines Verlags ausgezeichnet (u.a. übrigens auch „Myka und die Versteckschule“), aber letztendlich gilt der Preis gleichzeitig auch dem gesamten Programm eines kleineren Verlags, welches wir, die Jury, bestehend aus drei Kinderbuchbloggerinnen, als empfehlenswert ansehen.

Wir haben uns über so viele Aspekte von Büchern und deren Verbreitung unterhalten. Auch über die Erfahrungen auf Messen und bei Autorenlesungen habe ich einiges erfahren. Nicht alles klappt sofort und es gibt auch enttäuschende Momente, aber dafür gibt es auch Erlebnisse, die ermutigen: Kinder, die den Geschichten begeistert lauschen oder ein Mädchen, dass am liebsten alle Bücher des Verlages kaufen würde.

Welche Bücher kommen bei wem an?

Sehr interessant fand ich, was ich über Lizenzen erfahren habe, denn es ist gar nicht so einfach, ein Buch in einem anderen europäischen Land unterzubringen. Je nach Land ist eine andere Textlänge im Buch optimal und es werden verschiedene Gesichter bevorzugt. Auch die Gestaltung der Seiten in Bezug auf Text und Bild ist unterschiedlich und lässt sich nicht immer anpassen. Ich habe echt gestaunt, dass die Seh- und Lesegewohnheiten tatsächlich so verschieden sind.

Auch was Mädchen und Jungen bevorzugen ist nicht immer das Gleiche. Jungs finden z.B. den Brückentroll toll, während sich Mädchen auf das rosa Cover von „Anouk und Herr Bär“ stürzen. Aber letztendlich muss man auch immer daran denken, dass natürlich nicht die Kinder, die Bücher kaufen, sondern die Eltern, Tanten, Onkel, Großeltern etc. Diese müssen genauso erreicht werden, auch wenn die Zielgruppe eines Buches die Kinder sind. Dieser Spagat ist nicht ganz einfach. Wir haben auch festgestellt, dass Kinder auf andere Dinge achten als Erwachsene. Sie gehen unvoreingenommen an vieles heran, nehmen vieles einfach so hin und sind offen für neues, aber sie achten auch darauf, dass kleinste Details stimmen. Sie betrachten Bilder nicht so oberflächlich wie es Erwachsene häufig tun, aber irgendwann ändern sich meist auch ihre Sehgewohnheiten.

Mein erster Besuch bei einem Verlag

Vor dem Verlagsbesuch hatte ich mir ein paar Gedanken gemacht, was ich denn so alles sagen soll, was ich fragen soll, was andere interessiert etc. Ich habe mir zwar keine Fragen im Vorfeld notiert, aber dennoch ein Notizbuch eingesteckt und bin recht aufgeregt nach Aachen gefahren. Das Gespräch lief dann aber so interessant und von ganz alleine, dass ich mir überhaupt keine Notizen gemacht habe. Es hat einfach so viel Spaß gemacht, einen Blick hinter die Kulissen dieses speziellen Verlags zu werfen und auch ganz allgemein über Bücher und Verlage zu sprechen. So habe ich u.a. auch erfahren, dass in Aachen ebenfalls ein Pixibuch-Autor (Alfred Neuwald) lebt, dessen Comics von Karl dem Kleinen mir durchaus bekannt sind. Zu Hause habe ich dann festgestellt, dass er der Autor des Pixibuchs „Der wilde Klaus“ ist, welches ich meinem großen Sohn immer wieder vorlesen musste. Vielleicht ergibt sich hier ja demnächst mal ein Interview…

Zum Abschluss darf ich euch noch verraten, dass die Verleger weitere tolle Bücher für die Zukunft in Aussicht gestellt haben. Es lohnt sich also den Verlag im Blick zu behalten.

 

Interview mit Autor Rüdiger Paulsen

Wie versprochen kommt nun das Interview mit dem Autor Rüdiger Paulsen. Über zwei seiner Pixibücher („Billy Schwarzbart“ und „Freche Frieda Hütchenblau“) durftet ihr in meinem letzten Artikel etwas lesen und nun geht es um die Arbeit eines Pixibuch-Autors. Ich fand es sehr spannend etwas über diese Arbeit zu erfahren. Vielleicht geht es euch ja genauso, dann viel Spaß mit dem Interview!

Rüdiger Paulsen

Guten Tag, Herr Paulsen. Ich habe auf Ihrer Homepage gelesen, dass Sie weit mehr als Kinderbuchautor sind. Ihre Arbeit im Theaterbereich für Kinder klingt sehr spannend und abwechslungsreich, aber dennoch möchte ich gerne heute in erster Linie etwas zu Ihrer Arbeit als Autor erfahren.

Besonders interessant finde ich es, dass Sie Autor von Kinderbüchern besonderen Formats sind. Sie haben viele Pixi-Bücher geschrieben.

Wie sind Sie dazu gekommen ausgerechnet Pixi-Bücher zu schreiben?

Ich hatte das große Glück, auf einer Party die Pixi Cheflektorin vom Carlsen Verlag kennenzulernen. Sie wusste von meiner Theaterarbeit und schlug mir vor, doch auch einmal für Pixi zu schreiben. Sie brauchte gerade Geschichten zum Thema Indianer.

Ich hatte zu dieser Zeit (2011) absolut keine Ahnung, was es bedeutet zu schreiben und schon gar nicht, dass schreiben ein Handwerk ist.

Mach ich mit links, dachte ich nachts auf der Rückfahrt und habe gleich am nächsten Morgen zwei Texte geschrieben und an den Verlag gemailt. Kurz darauf rief mich die Lektorin an. Die Geschichten gefielen ihr, aber so würden sie nicht für Pixi gehen, weil …  und dann bekam ich in den nächsten Wochen und Monaten eine erstklassige Schulung im Pixi-Buch schreiben. Ideen für Geschichten habe ich immer. So hat es angefangen.

Jedes Pixibuch hat genau 24 Seiten. Inwiefern behindert oder beeinflusst dies Ihre Arbeit?

Genau genommen haben wir 11 Doppelseiten und eine Schlußseite. (24) So schreibe ich auch. Auf Seite 1 steht nur der Titel und wer geschrieben und illustriert hat. Auf 2/3

steigt man sofort in die Geschichte ein. Auch wenn man selbst nicht illustrieren kann, sollte man die Illustration immer im Kopf haben. Was über die Illustration vermittelt wird, muss nicht noch einmal im Text auftauchen. Am besten ist es, wenn man die Geschichte so schreibt, das jede Seite ein anderes Szenario ermöglicht. Eine Geschichte, die z.B. nur in der Küche spielt, ist, was die Illustrationen angeht, dann sehr eintönig und nicht abwechslungsreich genug. Man hat ca 3200 Zeichen für den Text inklusive der Leerzeichen. Mit etwas Übung spielt sich das automatisch ein. Hat man zu viel Text, wird es spannend. Jetzt muss gekürzt werden. »Trennt euch von euren Lieblingen« heißt es in vielen Schreibratgebern. Das ist nicht immer leicht, aber mir hat die Erfahrung gezeigt, dass die Geschichten nach dem Kürzen meistens besser sind. Nein, die 24 Seiten Vorgabe behindert mich nicht. Sie hat mich gelehrt, gezielt auf den Punkt zu kommen und alles Überflüssige wegzulassen. Direkter Einstieg, Handlung entwickeln, Höhepunkt und ein positives Ende finden.

Bekommen Sie Aufträge vom Verlag für ein neues Pixibuch oder geht die Initiative eines neues Buches von Ihnen aus?

Das ist unterschiedlich. Der Verlag braucht immer Geschichten zu bestimmten Themen und dann schreibe ich meistens 2-4 Texte, in der Hoffnung, dass wenigstens einer gefällt. Das klappt oft. Ich habe aber auch schon Geschichten geschrieben und verkauft, die für keinen bestimmten Themenkomplex vorgesehen waren, und konnte meine Lektorin überzeugen. Ich bekomme immer ein gutes Feedback für meine Texte, auch wenn der Carlsen Verlag sie gerade nicht unterbringen kann.

Viele meiner Geschichten, die abgelehnt wurden, veröffentliche ich in Familienmagazinen. 6-8 pro Jahr. Da ist es dann schon vorgekommen, dass sie später doch noch als Pixi erschienen sind.

Bekommen Sie als Pixibuchautor Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern? Ich muss zugeben, dass ich bei Pixibüchern selten auf den Autor achte (wenn es nicht gerade um einen Klassiker geht, der im Pixibuchformat erscheint). Haben Sie das Gefühl, dass Sie als eigenständiger Autor wahrgenommen werden?

Gute Frage! In meinem großen Freundeskreis wird natürlich jedes neue Pixi mit Begeisterung aufgenommen. Da ich ausschließlich in Cafés schreibe (habe ca. 20 Stammcafés) kommt auch von da viel Anerkennung und Interesse. Da ist sogar der eine oder andere Kaffee gratis drin. In einem Café hat man mir – bei der Neugestaltung der Gartenterrasse – sogar einen wunderschönen Autorenstammplatz unter einer Magnolie angelegt. Aber Sie haben natürlich recht. Die meisten Pixi-Buch Käufer*innen nehmen den Autor kaum war. Dann noch eher die Illustratorin. Seit Dezember 2016 arbeiten meine Frau und ich mit unseren neuen Vorleseprogramm: Geschichten aus der Pixi-Kiste. Wir lesen ausschließlich eigene Pixis und da kommt dann natürlich die direkte Rückmeldung von den Kindern, den Eltern und auch in der Presse.

Das ist schon sehr viel Bestätigung die ich/wir da bekommen.

Welche Themen liegen Ihnen besonders und an welche würden Sie sich eher nicht heranwagen?

Ich mag jedes Thema, mag Herausforderungen. Der Themenkreis bei Pixi ist überschaubar. Das Interessante ist eher, einen neuen Plot für eine Geschichte, ein Thema zu finden, den es so vorher noch nicht gegeben hat. Ein Beispiel: Es gibt unzählige Geschichten zum Thema Ostern. Vieles wiederholt sich. Da finde ich es sehr reizvoll eine neue Idee nach dem Schema »Was wäre wenn« zu entwickeln. Manchmal verbringe ich Stunden damit (sehr genüssliche Stunden), in dieser Richtung rumzuspinnen.

Dann füllt sich mein Schreibbuch um viele Seiten und plötzlich ist die zündende Idee da.

Gibt es Punkte, in denen sich die Arbeit eines Pixibuchautors von der eines anderen Kinderbuchautors unterscheidet?

Ja, die gibt es. An ein längeres Buch, eine längere Geschichte gehe ich anders ran. Bei Pixi fülle ich ein vorgegebenes Schema mit meinen Ideen, meiner Fantasie. Ich bin, was die Textlänge angeht, festgelegt, muss immer die Illustration im Hinterkopf haben, die Textmenge auf die Seiten aufteilen. Das schult natürlich die Fähigkeit, auf das absolut Wesentliche zu kommen. Bei einem längeren Buch entwickel ich im Vorfeld nur einen groben Plot. Ich mag es, meine Figuren einfach agieren zu lassen. Ich lebe dann in der Geschichte, bin mittendrin und schau mir an was passiert. Das ist spannend und macht das Schreiben für mich so genussvoll. Erst bei der Überarbeitung schalte ich den inneren Lektor ein. Mach ich bei Pixi eigentlich auch, aber im Laufe der Jahre hat es sich so verselbstständigt, dass ich kaum über die erlaubte Textmenge hinauskomme. Pixis überarbeite ich in der Regel 8 bis 10-mal, bevor meine Frau sie zu sehen bekommt. Dann wird weiter gefeilt und geschliffen und manchmal komme ich auf 20 Überarbeitungen, bevor der Text an meine Lektorin geht.

Auch beim Puppentheater oder als Märchenerzähler denken Sie sich Geschichten aus. Hier erleben Sie allerdings eine direkte Reaktion vom Publikum. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?

Ich habe meinen Kindern viele Jahre lang jeden Abend eine Geschichte erzählt. Spontan, frei erfunden. Das war eine gute Schulung und ein besonderer Genuss war es, wenn sie sich für das »Geschichte hören« entschieden haben und nicht für eine Sendung im Kinderfernsehen. Diese Wahl hatten sie. Beim Puppentheater bekomme ich viel Feedback von den Kindern und den Eltern. Das baut auf und spornt an. Vermutlich ist das auch der Grund, dass mir die Ideen bisher noch nicht ausgegangen sind.

Verraten Sie uns zum Abschluss noch, welche Bücher Sie als Kind gerne gelesen haben.

Es gab mal von der Zeitschrift »Hör zu« die Mecki-Bücher. Muss so in den 50er Jahren gewesen sein. Die habe ich verschlungen und besitze sie zum Teil heute noch. Dann die Comics: Tarzan, Tibor, Sigurd etc. Sehr früh tauchte auch Karl May. Ich habe das komplette Werk schon mehrfach gelesen und besitze verschiedene Ausgaben. Als ich 10 oder 11 war, so genau erinner ich das nicht mehrt, bekam ich Perry Rhodan in die Finger. Dadurch wurde meine bis heute anhaltende Leidenschaft für Science-Fiction geweckt. Mit Tolkien kam dann Ende der 60er noch die Fantasy dazu.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Paulsen!

Interview mit Nanna Neßhöver

Gestern habe ich euch zwei Gecko-Ausgaben vorgestellt. In Heft 54 konnte mich die Geschichte „Kuno, der Kugelfisch“ überzeugen. Heute stelle ich euch nun die Frau vor, die hinter dieser Geschichte steckt: Nanna Neßhöver.

Foto: Nanna Neßhöver

Foto: Nanna Neßhöver

Vielleicht kannst du dich zunächst einmal selbst kurz vorstellen und erzählen, was du so
machst.

Ich lebe mit meiner Familie am Rhein und arbeite hauptberuflich als Lehrerin für die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Nebenbei arbeite ich für verschiedene große Schulbuchverlage (Cornelsen, Westermann, Schroedel u.a.) und erstelle Lehr- und Lernmaterial.
Wie kommt es, dass du Kinderbuchautorin geworden bist? Wie sahen deine Anfänge aus?

Ich habe mir schon als kleines Mädchen Geschichten und Gedichte ausgedacht. Als Grundschulkind habe ich zum ersten Mal Tagebuch (Buch der 99 Kinder) geführt und kleine Begebenheiten aufgeschrieben. Schon früh fing ich an, meine Geschichten an Verlage zu schicken. Bis es zu einer Veröffentlichung kam, war ein langer Weg…
Du hast eine Geschichte in der Bilderbuchzeitschrift Gecko veröffentlicht. Wie kam es dazu?

In einem Bericht über die Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse, hörte ich von einer Bilderbuchzeitschrift, die auch neuen Talenten eine Chance gibt. Eine Zeitschrift, mit drei unterschiedlichen Geschichten und liebevoll gestaltet wie ein Bilderbuch – das weckte mein Interesse. Ich habe mich mit einer Reihe von Geschichten beworben und mit einer (Kuno, der Kugelfisch) hat es dann geklappt.
Was planst du schriftstellerisch für die Zukunft?

Geplant ist ein Buch mit Mutgeschichten zum Vorlesen. Darin erleben verrückte Tiefseefische allerhand Abenteuer. Aber auch die Arbeit mit dem Medium Bilderbuch ist spannend. So ist ein Projektheft für die Kita in Planung, die für die Geschichten beliebter Bilderbücher, motivierende Projekte anbietet.
Welchen Schwierigkeiten bist du als Kinderbuchautorin begegnet?

Viele Aufträge werden an bereits bekannte Autoren vergeben, die in einem Verlag schon ein Projekt gemacht haben. Ich kenne das aus der Arbeit mit den Schulbuchverlagen. Da bekommt man den Folgeauftrag fast automatisch. So ist es sehr schwierig, als Neuling Fuß zu fassen. Doch was für den einen Verlag nicht ins Programm passt, ist für den anderen gerade richtig. Da darf man nicht aufgeben!
Welche Kinderbücher mochtest du als Kind gerne?

Alle Bücher, die zur Orientierung starke Mädchen zum Vorbild hatten. Aber auch Bücher mit feiner Ironie, wie die von Erich Kästner.
Was ist dir bei deinen eigenen Geschichten wichtig? Worauf legst du beim Schreiben Wert?

Geschichten entstehen aus dem Unterbewusstsein. Erst nachher geht es an die bewusste Verfeinerung des Inhalts. Mit Geschichten Kinder stark und mutig machen, das möchte ich erreichen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung wird die Sprache immer mehr vereinfacht und massenkompatibel gemacht. Der Sprach-Schatz geht dabei verloren. Ein Bewusstsein zu schaffen, diesen wieder sichtbar zu machen, ist mir auch als Mutter ein Anliegen. Mein kleiner Sohn „sammelt“ besondere Wörter und lässt sie auf der Zunge zergehen, wie einen leckeren Nachtisch. So etwas macht mich glücklich.
Kommt dir dein Beruf als Lehrerin beim Schreiben auf irgendeine Art und Weise zu Gute?

Aus der Schulpraxis habe ich gelernt, dass ein Text ganz unterschiedlich aufgegriffen und verarbeitet werden kann. Es ist immer eine Herausforderung, spannende und lebensnahe Texte zu schreiben, die die Schüler motiviert, weiterzulesen. Und es gibt nichts Schöneres, wenn man sieht, wie Schüler angesteckt werden, selbst kleine Texte zu verfassen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für weitere Projekte! Ich bin gespannt, was wir von dir noch lesen dürfen!

Interview mit Mo Anders

Vor einiger Zeit habe ich euch das Buch „Die Reise der blauen Perle nach Schweden“ vorgestellt. Heute nun könnt ihr ein wenig mehr über die Hintergründe der Buchreihe „Die Reise der blauen Perle“ sowie einiges über die Autorin Mo Anders erfahren, denn netterweise hat Mo Anders sich bereit erklärt mir meine vielen Fragen ausführlich zu beantworten.

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Unterwegs in Arnarstapi, Island (Foto: privat)

Hallo Frau Anders, schön, dass Sie zu einem Interview bereit sind. Vielleicht könnten Sie sich kurz den Leserinnen und Lesern vorstellen. 

Gerne: Mo Anders ist mein Pseudonym als Kinderbuchautorin. Ich schmuggle interessante, nützliche, lustige und manchmal auch unnütze Informationen über verschiedene Länder in Abenteuergeschichten für Kinder. Das ist ein bisschen wie Gemüse in einer Spaghetti-Bolognese-Soße zu verstecken. Wie es dazu kam? Ich liebe es zu reisen und andere Länder mit deren vielfältigen Besonderheiten kennenzulernen. Schuld daran, dass ich jetzt Kinderbuchautorin bin, ist ein Hawaiiurlaub. Wir hatten damals keine Kinderbücher im Reisegepäck, doch unsere drei Töchter forderten ihre tägliche Gute-Nacht-Geschichte ein. Während ich eine Geschichte mit einem Kind und einem Delfin erfand, in die ich Wissenswertes über unsere wunderschöne Urlaubsumgebung packte, fiel mir auf, dass die Kinder das viel spannender fanden, als das aus dem Reiseführer Vorgelesene. Für mich ist es nicht nur unterhaltsam, sondern auch wichtig, mehr über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Die Abenteuerreihe ‚Die Reise der blauen Perle’ ist ein Herzensprojekt und ich freue mich, dass die Bücher bei Mädchen und Jungen so gut ankommen – obwohl (oder vielleicht weil?) so viel Wissen drin steckt.

Sie schreiben Bücher, die in vielen verschiedenen Ländern spielen. Aus welchen Gründen entscheiden Sie sich für ein bestimmtes Land?

Das Rennen für meinen ersten Band machte Hawaii, der 50. Bundesstaat der USA, weil auf Maui die Idee zur Serie entstanden ist. Österreich habe ich als zweites Reiseziel der blauen Perle gewählt, weil ich als gebürtige Bayerin sehr oft dort unterwegs war. Die faszinierende Khmer-Kultur mit den geheimnisvollen Tempeln von Angkor war ausschlaggebend für die Wahl von Kambodscha als Schauplatz des dritten Bandes. Der vierte Band spielt in Tunesien, ist allerdings noch nicht veröffentlicht. Die Entscheidung für Schweden als fünfte Station der blauen Perle ist nicht zuletzt durch meine geliebte schwedische Kindheitslektüre beeinflusst. Den Italienband, der noch 2015 erscheinen wird, habe ich vorgezogen, weil mehrere Eltern danach gefragt haben. Die Entscheidung über die Reiseziele der blauen Perle ist beeinflusst durch persönliche Emotionen, rationale Überlegungen – oder auch puren Zufall.

Wie gestaltet sich die Recherche für ein Buch?

Manchmal fahre ich bereits mit der Idee für eine Geschichte in das Land, manchmal lasse ich mich erst vor Ort inspirieren und schreibe die Geschichten aus der Erinnerung an eine Umgebung. Wenn möglich besuche ich Museen, frage Landeskundige, lese Bücher von Autoren des Landes oder Bücher über das Land. Viel Zeit verbringe ich auch im Internet auf der Suche nach verlässlichen Quellen für Fakten, die Kinder interessieren können. Und jedes Mal stelle ich fest, dass die Recherche meist deutlich mehr Zeit verschlingt als geplant, weil ich immer wieder auf Informationen und Zusammenhänge stoße, über die ich unbedingt mehr erfahren möchte. Dann muss ich mich entscheiden: Was kommt ins Buch und wie verpacke ich es am geschicktesten?

Was, meinen Sie, können Kinder mit dieser Buchreihe alles lernen und erfahren?

‚Das Buch macht Spaß und öffnet die Augen für die Welt’, hat ein Journalist in einer Rezension zu Band 3 geschrieben. Die Abenteuerreihe will für kulturelle und geografische Besonderheiten sensibilisieren. Selbstverständlich erheben die Bücher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür ist ein Land zu facettenreich und dynamisch. Und natürlich werden Kinder sich nicht alle Fakten in einem Band merken. Aber durch die Vielfalt und Vielzahl an eingebundenen Informationen kann jedes Mädchen oder jeder Junge sich das herauspicken, was jeweils interessant erscheint. Die Welt bietet so viel Spannendes, was nicht immer im Schulunterricht Platz findet: Zum Beispiel gibt es in Kambodscha einen großen See, dessen Fläche sich in der Regenzeit mehr als verdreifacht und der gleichzeitig ein Fluss ist, der jährlich seine Fließrichtung ändert. Und es ist nützlich zu wissen, dass uns vertraute Gesten wie ‚Daumen hoch’ in manchen Ländern als Beleidigung aufgefasst werden oder dass Kopfschütteln woanders Zustimmung bedeuten kann. ‚Die Reise der blauen Perle’ soll einen unterhaltsamen und spannenden Mix aus länderspezifischen Informationen bieten und zum eigenen Recherchieren und Nachdenken anregen.

Bei dem Buch über Schweden haben Sie ein paar schwedische Begriffe mit eingebracht. Haben Sie auch in den anderen Büchern Begriffe in der Landessprache verwendet und wie kommen Sie an diese typischen Begriffe? Sprechen Sie selbst verschiedene Sprachen? 

In jedem Buch sind einige Ausdrücke in der Landessprache zu finden, beispielsweise „wikiwiki“ (hawaiianisch) für „schnell, eifrig“ oder „Saubartl“ (österreichisches Deutsch) für „Schmutzfink“. Es fließen sprachliche Besonderheiten ein: In Kambodscha verwenden beispielsweise Männer und Frauen unterschiedliche Worte für „ja“, je nach Geschlecht sagen die Khmer „bat“ oder „djah“. In den Büchern erfährt man auch, dass das hawaiianische Alphabet gegenüber unserem nur die Hälfte der Buchstaben hat, das Khmer Alphabet hingegen mehr als das Doppelte. Die ausgewählten Begriffe stammen aus diversen Quellen: Gespräche, Bücher und Internet. Im Studium hatte ich auch mal Indonesisch gelernt, aber davon ist leider nicht mehr viel übrig. Neben Englisch spreche ich Spanisch.

Da ich selbst ein großer Schweden-Fan bin, würde es mich interessieren, wie Sie ausgerechnet auf Schweden gekommen sind?

Grundsätzlich reizt es mich, zu jedem Land einen ‚Die Reise der blauen Perle’-Band zu schreiben, um zu zeigen, dass es überall etwas Besonderes zu entdecken gibt. Bei der Anzahl der Länder habe ich natürlich ein Zeitproblem. Vermutlich ist Astrid Lindgren schuld daran, dass Schweden in der Reihenfolge weit nach vorne gerückt ist. Ihre Bücher haben mich als Kind sehr geprägt und für wunderbare Stunden nach Småland und Saltkrokan, einer fiktiven Stockholmer Schäreninsel, entführt.

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Was gefällt Ihnen persönlich an Schweden besonders?

Da gibt es vieles: Die Natur Schwedens begeistert mich mit den endlosen Wäldern mit dem duftenden Moos, den klaren Seen und den unzähligen Schären vor der Küste. Ich mag die einsamen falunroten Holzhäuser. Aber auch die Mentalität der Schweden, das Duzen und den Umgang miteinander finde ich sehr sympathisch.

Welche Kinderbücher fallen Ihnen neben den Büchern von Astrid Lindgren ein, wenn Sie an Schweden denken?

Wenn es um Kinderbücher geht, dann ist Schweden ja ganz vorne mit dabei. Ich denke vor allem an ‚Trolle, Wichtel, Königskinder’ mit den wunderbar magischen Zeichnungen von John Bauer, ‚Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen’ der Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf und an die ‚Petterson und Findus’-Bücher von Sven Nordqvist. Und oft musste ich die Willi Wiberg-Geschichten von Gunilla Bergström vorlesen. Bei unserer Schwedenreise wurde ich im Junibacken, dem Stockholmer Kinderbuchmuseum, ein bisschen in meine eigene Kindheit gebeamt.

Welche Bücher haben Sie selbst als Kind gerne gelesen? Waren da auch Bücher über andere Länder dabei?

Ich habe so ziemlich alles verschlungen, was zwischen zwei Buchdeckeln gepresst wurde, angefangen von den Internats- und Pferdeserien, über Fantasygeschichten und Krimis. Ich habe ein Faible für außergewöhnliche und skurrile Geschichten entwickelt. Einige Schauplätze der Bücher meiner Kindheit lagen auch in anderen Ländern, vor allem Schweden und Italien.

Was macht Ihnen beim Schreiben besonders viel Spaß und was ist das Besondere, wenn man für Kinder schreibt?

Es ist einfach schön, Figuren und Geschichten zu kreieren, um Leser für eine gewisse Zeit in eine andere Welt zu entführen und sie zu inspirieren. Für Kinder zu schreiben ist eine große Herausforderung, da junge Leser schnell spüren, ob ein Autor sich in ihre Gedankenwelt hineinversetzen kann oder von oben herab schreibt. Ich finde, dass Bücher für Kinder respektvoll und gleichzeitig liebevoll sein sollten. Zu den Highlights eines Kinderbuchautors zählen natürlich auch Lesungen und Leserpost.

In welche Länder möchten Sie gerne noch reisen?

Hier könnten so ziemlich alle Länder stehen, weil es überall (und immer wieder) etwas Spannendes zu entdecken gibt. Ich war in mehr als 30 Ländern unterwegs und es gibt keines, in das ich nicht mehr reisen würde. Aus Rücksicht auf meine Familie würde ich allerdings einige Länder aus Sicherheitsgründen von der aktuellen Reisewunschliste streichen.

Welches ist Ihr Lieblingsland und warum ist es Ihr Lieblingsland?

Natürlich gibt es unterschiedliche emotionale Verbindungen zu den Ländern, in denen ich bisher unterwegs war, doch ich habe kein Lieblingsland. Ich entdecke lieber etwas Neues, als dass mich meine Reisen wieder an die „alten“ Orte führen. Manchmal mache ich aber natürlich auch Ausnahmen, wie beispielsweise jetzt in den Sommerferien in Island, wo wir das traumhafte Ausreiten am Strand von Snæfellsnes unbedingt wiederholen wollten.

Welche Klischees würden Sie bei einem Buch über Deutschland mit einbringen?

Mein Ziel ist nicht, Klischees zu einem Land zu verstärken, sondern durch länderspezifische Informationen oder Beobachtungen die Neugierde der Kinder zu wecken, oder ein bisschen über unsere Landesgrenzen hinaus zu lenken. Deshalb finden junge Leser im Anhang immer kindgerechte Internetlinks für die eigene Recherche. Was ich alles in den Band zu Deutschland einbringen werde, das ist noch geheim. Auf jeden Fall will ich nicht, dass die Kinder nach dem Lesen denken, dass alle Menschen in Deutschland immer in Lederhosen und Dirndl herumlaufen. Darüber haben wir uns damals als Teenager Gedanken gemacht, als wir mit der Deutschen Sportjugend in Japan einen „Geierwally“-Tanz im „Blau-Weiß“-Rautenlook aufführten. Die Welt ist bunt und vielfältig und das will ich mit ‚Die Reise der blauen Perle’ zeigen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Schreiben weiterer Bände über die Reise der blauen Perle.

Herzlichen Dank! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg mit der Geschichtenwolke.

Interview mit Katie Grosser

Heute darf ich euch wieder eine junge Autorin vorstellen: Katie Grosser hat den Fantasyroman „Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt“ geschrieben. In dem Interview erzählt sie uns einiges über die Arbeit als Autorin.

Foto: Katie Grosser

Foto: Katie Grosser

Hallo Katie, vielleicht kannst du dich erst einmal kurz vorstellen und ein wenig erzählen, was für eine Art von Literatur du schreibst.

Gerne! Mein Name ist Katie Grosser und ich schreibe viele verschiedene Arten von Literatur. Hauptsächlich verfasse ich Romane – auch in verschiedenen Genres –, aber seit ich promoviere widme ich mich auch vermehrt Gedichten und Kurzgeschichten, weil die sich so schön zwischendurch schreiben lassen. Unabhängig davon, ob ich nun Romane, Gedichte oder Kurzgeschichten schreibe, verarbeite ich im Schreiben aber meist aktuelle Gedanken und Themen, die mich, mein Umfeld oder die Gesellschaft als Ganzes beschäftigen.

Für welche Kinder ist dein Buch „Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt“ besonders empfehlenswert?

Besonders empfehlenswert ist es für 8- bis 12-jährige Jungs und Mädels. Aber ich persönlich finde solche Altersempfehlungen auch immer etwas schwierig. Schließlich gibt es Kinder, die sind schon in der ersten Klasse sehr weit für ihr Alter und verschlingen Bücher, die für ältere Kinder „gedacht“ sind. Gleichzeitig gibt es sicher auch ältere Kinder an den weiterführenden Schulen, die sich gerne noch in Geschichten, die für jüngere Kinder „gedacht“ sind, entführen lassen.

Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt von Katie Grosser, Casimir Verlag

Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt von Katie Grosser, Casimir Verlag

Wie bist du dazu gekommen, ein Kinderbuch zu schreiben?

Eine gute Frage, denn sonst schreibe ich eher für Erwachsene. Als meine beiden jüngeren Schwestern 6 und 9 Jahre alt waren, haben sie mich gefragt, wann ich denn auch einmal etwas schreibe, was sie lesen können. Also habe ich mich 2011 entschlossen, einen Kinderroman zu schreiben. Die ganz groben Grundzüge waren schnell in meinem Kopf: Eine Fehde zwischen Feen und Trollen und mitten dazwischen die beiden Menschenkinder Rissa und Leander. Die Details der Geschichte sind nach und nach entstanden und meine Schwestern haben den ganzen Prozess als Leser begleitet.

Wie sieht ein Arbeitstag bei dir aus? 

Da ich hauptberuflich promoviere, beginnt mein Arbeitstag zunächst im Büro oder im Home Office am Schreibtisch. Auch in der Wissenschaft hat man viel mit dem Schreiben zu tun, allerdings handelt es sich dabei natürlich um wissenschaftliches Schreiben. Dort arbeite ich an meiner Dissertation, konzipiere Forschungsprojekte mit Kollegen oder beschäftige mich mit organisatorischen Aufgaben. Literarisch arbeite ich meist abends oder am Wochenende. Ich lese dann bei Romanen noch einmal mein letztes geschriebenes Kapitel durch und arbeite dann weiter. Bei Kurzgeschichten und Gedichten entstehen in jeder Arbeitseinheit – wenn man es so nennen will – etwas Neues.

Was bedeutet das Schreiben für dich?

Schreiben ist für mich mehr als Spaß oder Hobby, es ist eine Leidenschaft. Beim Schreiben kann ich all das verarbeiten, was mich beschäftigt. Es erfüllt mich mit unheimlich viel Glück, wenn ich den (in meinen Augen) perfekten Satz zu Papier bringe und ein Werk entsteht, das in sich geschlossen und interessant ist. Das Schreiben ist für mich ein Ausdruck meiner Kreativität, aber auch meines Organisationstalents. Denn man kann, gerade beim Schreiben von Romanen, nicht den Überblick verlieren.

Was fiel dir dabei leicht und wo sind vielleicht auch unerwartete Probleme aufgetaucht?

Probleme habe ich manchmal bekommen, als ich am zweiten und dritten Band meines Kinderromans gearbeitet und mit einem Mal festgestellt habe, dass ich den Regeln der Fabelwelt, die ich im ersten Band aufgestellt hatte, irgendwo widersprochen habe. Also habe ich schnell einen Regelkatalog aufgestellt, den ich immer schnell zur Hand nehmen kann. Natürlich gibt es auch Phasen, in denen ich mehr und in denen ich weniger schreibe. Aber Schreibblockaden kenne ich persönlich nicht. Wenn ich eine gute Idee, oftmals einen Geistesblitz habe, dann läuft es meist wie von selbst.

Wie hat sich die Suche nach einem Verlag gestaltet?

Die Suche hat sich ehrlich gesagt sehr schwer gestaltet. Ich habe viele Absagen von großen Verlagen bekommen, von manchen auch gar keine Antwort. Dass ich auf meinen jetzigen Verlag gekommen bin, war mehr Zufall. Ich bin über einen Zeitungsartikel darauf aufmerksam geworden. Da es sich um einen sehr kleinen Verlag handelt, der weit weniger Anfragen als die großen Publikumsverlage bekommt, hatte ich es dort natürlich leichter. Mein Tipp an angehende Autoren: Sich nicht von Absagen entmutigen lassen, nie aufgeben, immer weitermachen. Wenn man selbst an sein Buch glaubt, dann wird es sicher auch etwas werden.

Kannst du anderen jungen AutorInnen vielleicht Tipps geben, wie man sein Buch verbreitet und bekannt macht?

Indem sie zum Beispiel mit dir sprechen! 🙂 Im Ernst: Es ist wichtig, in der Presse präsent zu sein. Ich habe früher im Journalismus gearbeitet und hatte daher noch viele Kontakte zu Radio und Zeitung. Doch auch online darf nicht vernachlässigt werden. Ich führe seit der Veröffentlichung meines Romans regelmäßig Interviews, wodurch die Leser ja auch auf meinen Roman aufmerksam werden. Wichtig finde ich auch meine eigene Website und meine Facebook-Page, auf der meine Leser über mich und meine Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben können.

Was für Fragen stellen Kinder bei Lesungen an dich? Welche haben dich besonders amüsiert oder berührt?

Die Kinder sind sehr oft interessiert daran, wie so ein Buch überhaupt entsteht und wie viel ich beim Cover mitreden konnte. Immer wieder wollen sie auch wissen, wie viel man als Autor denn so verdient. Aber oft fragen sie auch nach Tipps und Tricks fürs Schreiben. Diese Fragen freuen mich immer besonders, denn ich finde es klasse, wenn man in so jungem Alter schon einen guten Weg findet, seiner eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Welche Bücher hast du selbst als Kind gerne gelesen?

Meine Mutter ist Amerikanerin, also bin ich zweisprachig aufgewachsen und habe ehrlich gesagt als Kinder viel Englisch gelesen. Ich war schon immer ein Fan von guten Serien. „Artemis Fowl“ habe ich gelesen, aber auch alte Klassiker wie „Anne of Green Gables“ oder „Nancy Drew“. Im Deutschen habe ich als Jugendliche viel von Kai Meyer und Rainer M. Schröder gelesen.

Welche Bücher anderer KinderbuchautorInnen gefallen dir?

Im Deutschen fand ich besonders die Merle-Trilogie von Kai Meyer sehr gelungen. Von Rainer M. Schröder habe ich die Abby Lynn-Saga häufig aus der Bücherei ausgeliehen. Sein bestes Einzelwerk war in meinen Augen „Das Geheimnis des Kartenmachers“.

Verrätst du uns noch, ob du schon weitere Projekte geplant hast bzw. an ihnen vielleicht sogar schon arbeitest?

Ich arbeite momentan an vielen verschiedenen Projekten! Zum einen schreibe ich eine Reihe englischer Gedichte für jüngere Kinder, die unter dem Namen „Marvelous Mary“ laufen, da sie sich alle mit dem Leben des kleinen Mädchens Mary beschäftigen. Ansonsten verfasse ich aktuell, wie gesagt, viele Gedichte und Kurzgeschichten. Im Sauerländer Magazin „WOLL“ erscheint dieses Jahr in jeder Ausgabe ein Gedicht von mir. Gerade erschien auch die aktuelle Ausgabe des Literaturmagazins „Am Erker“, die eine Kurzgeschichte von mir enthält. Einmal monatlich verfasse ich auch für die Westfalenpost Meschede eine Kolumne zum Thema „Lesenswerte Literatur auf Englisch“ und stelle dort gute englische Bücher vor. Und natürlich läuft auch die Arbeit an der „Rissa Filial“-Reihe immer weiter. Der zweite und dritte Band sind schon geschrieben und ich weiß auch, was im vierten und letzten Band geschehen soll. Ich muss nur noch dazu kommen, ihn zu schreiben.

Vielen Dank für dieses Interview, Katie Grosser!

Interview mit Nina Hundertschnee

Die Autorin Nina Hundertschnee habe ich auf besondere Art und Weise kennen gelernt, denn genauer gesagt hat erst sie mich bzw. meinen Blog entdeckt. Sie las auf meinem Blog mit und hat schließlich, als ich gerade einen kleinen, neuen Motivationsschub brauchte, sogar ein Interview mit mir geführt. Nun möchte ich aber auch euch gerne diese sympathische Kinderbuch-Autorin vorstellen. Ihr könnt natürlich auch gerne auf ihrer eigenen Seite im Internet nachschauen, aber hier bekommt ihr ein paar interessante Antworten darauf, was eine Kinderbuchautorin so bewegt, welche Schwierigkeiten beim Schreiben ergeben und wie man dennoch seinen eigenen Weg findet.

Foto: Nina Hundertschnee

Foto: Nina Hundertschnee

Bald erscheint dein erstes Bilderbuch „Knuddelfant und Lenny“. Vielleicht kannst du uns ein wenig über die Entstehung des Buches erzählen.

Da muss ich ziemlich weit ausholen und erst einmal in meine Kindheit zurückkehren. Die ursprüngliche Geschichte habe ich mir nämlich ausgedacht, da war ich ungefähr sieben Jahre alt. Unser Au-Pair hat damals die Bilder zur ersten Version gemalt und wir haben ein richtiges Buch gebastelt. Als Kind war ich mir ziemlich sicher: Ich werde mal Schriftstellerin. Dann kamen viele andere Dinge und das Schreiben geriet in den Hintergrund.

Irgendwann fand ich beim Aufräumen auf dem Dachboden das alte Manuskript wieder und erinnerte mich an diese wundervolle Zeit, als ich mir Geschichten ausdachte und mich das erfüllt und glücklich gemacht hat. Ich habe das Manuskript abgetippt und plötzlich war Knuddelfant da. Man kann sagen, Knuddelfant und Lenny haben meine Liebe zum Schreiben wiederbelebt. Aus diesem Grund bedeutet mir das Buch auch so viel.

Cover_Knuddelfantundlenny

Wie hat sich die Suche nach einem Verlag gestaltet?

Lang, seeeehr lang. Vielleicht hing das mit dem Arbeitstitel zusammen. Der war nämlich noch Lenny wartet lange. Und das hat er ja dann auch wirklich. Durch einen Zufall bin ich auf Nina Dulleck gestoßen und merkte sofort: Das passt wie die Faust aufs Auge.

Wir schickten dann Text und Probeillustrationen an mehrere große Verlage und es hagelte Absagen. Das war schon sehr hart. Doch wir haben nicht aufgegeben und immer an die Geschichte geglaubt. Ich habe Schreibkurse besucht und Knuddelfant und Lenny noch einmal überarbeitet. Nach fünf langen Jahren ist es nun endlich so weit. Und das ist einfach unglaublich.

Planst du noch weitere Bilderbücher?

Mit dem Planen ist das so eine Sache – die Geschichten kommen einfach so, völlig aus dem Nichts. Aber ja, ich habe Anfragen für weitere Bilderbücher. Und in meiner virtuellen Schublade schlummert auch noch die ein oder andere Geschichte, und wartet darauf jemanden zu finden, der sie gut findet. J

Warum schreibst du für Kinder?

Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Ich glaube, Schriftsteller suchen sich nicht aus, für wen sie schreiben. Sie schreiben über das, was aus ihnen heraus will. So geht es mir jedenfalls und das sind nicht nur, aber zum großen Teil Geschichten für Kinder. Ich hatte eine wunderschöne Kindheit und habe mir mein inneres Kind bis heute erhalten können. Vielleicht ist das der Grund, warum ich für Kinder schreibe.

Gibt es spezielle Schwierigkeiten, über die du gestolpert bist, beim Schreiben für Kinder?

Allerdings. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Verlage sich scheuen, außergewöhnliche Geschichten zu veröffentlichen, was Schreibstil als auch Thema angeht. Wenn man dann versucht, etwas kommerzieller zu schreiben, bekommt man wiederum zu hören: Das ist zu gewöhnlich, das gibt es schon.

Ich bin zum Schluss gekommen, dass man sich selbst immer treu bleiben sollte, auch wenn es dann vielleicht etwas länger dauert, bis man gelesen werden kann.

Kannst du ein paar Kriterien nennen, die ein gutes Kinder- oder Bilderbuch beinhalten sollte?

Man spürt glaube ich, wenn Geschichten aus dem Herzen kommen. Eine authentische Botschaft ist in meinen Augen ein sehr wichtiges Kriterium. Es kann auch nicht schaden, wenn man diese Botschaft mit einer Prise Humor würzt. Und natürlich gibt es stilistische Kriterien; man denke nur an Wolf Schneider, der die deutsche Sprache in seinen Veröffentlichungen ziemlich genau unter die Lupe nimmt.

Bei einem guten Bilderbuch besteht die Kunst darin, dass sowohl Text als auch Bilder für sich alleine stehen können, und doch mag man weder auf das eine, noch das andere verzichten.

Welche Eigenschaften haben für dich Kinder, die Erwachsene sich von ihnen abschauen könnten?

Durch meinen kleinen Sohn erlebe ich jeden Tag die Freude am Leben, diese grenzenlose Neugier und das unbedarfte und angstfreie Herangehen an die Dinge. Das sind alles Eigenschaften, die man durch den erwachsenen Alltag verlernt, die es aber wert sind, zurück erobert zu werden.

Welche Bilderbücher anderer AutorInnen magst du gerne?

Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann fällt mir spontan Willi Wiberg von Gunilla Bergström ein. Willis Geschichten haben einen ganz besonderen Charme. Außerdem mag ich Janosch sehr gerne und Freunde von Helme Heine ist auch ein Bilderbuch, das in jedes Kinderbuchregal gehört.

Das Bilderbuch, das mir am allermeisten in Erinnerung geblieben ist, ist Pony, Bär und Apfelbaum von Sigrid Heuck. Und zwar deshalb, weil es mir mit seinen Bildwörtern damals immer das Gefühl vermittelt hat, bereits lesen zu können, obwohl ich noch nicht einmal das Alphabet kannte. Was für eine großartige Erfahrung für ein kleines Kind, das unbedingt alleine lesen wollte!

Weshalb ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Kinder lesen bzw. dass ihnen vorgelesen wird?

Bücher sprechen unsere Fantasie unmittelbar an, durch sie werden wir in fremde Welten entführt und in andere Charaktere hinein versetzt. So tragen sie dazu bei, Verständnis und Mitgefühl zu entwickeln. Kinder erweitern durchs Lesen und Vorlesen nicht nur Wortschatz und Konzentrationsfähigkeit, sondern auch ihren Horizont. Außerdem gibt es wohl nichts Schöneres, als mit dem Kind auf dem Schoß in der Lieblingsleseecke in die Lieblingslesedecke eingekuschelt über einem Buch zu sitzen. Ein Tag ohne lesen ist wie ein Tag ohne lachen.

Vielen Dank für das Interview, Nina Hundertschnee!

 

 

Interview mit Stefan Schwinn

Vor einiger Zeit habe ich euch bereits zwei Bücher über den kleinen Ritter Apfelmus vorgestellt, welche sich im übrigen auch gut als Geschenk für Weihnachten für Kinder ab 6 Jahren eignen. Heute könnt ihr nun den Autor der beiden Bücher, Stefan Schwinn, in einem Interview, welches ich mit ihm geführt habe, näher kennen lernen.

Die Rechte des Bildes liegen bei Stefan Schwinn.

Die Rechte des Bildes liegen bei Stefan Schwinn.

Vielleicht können Sie sich zunächst kurz den Lesern ein wenig vorstellen. Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich lebe mit meiner Familie in Bielefeld, wo ich als Lehrer an einem Gymnasium arbeite. Schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich gern Geschichten geschrieben und mich in den letzten Jahren wieder verstärkter dieser Leidenschaft gewidmet. Und ich freue mich, dass die Geschichten vom Kleinen Ritter Apfelmus und Käpt’n Donnerpaule inzwischen als Bücher vorliegen und meinen Lesern Freude bereiten.

Der kleine Ritter Apfelmus und Alfons kochen gerne etwas mit Äpfeln. Was ist denn eigentlich Ihr Lieblingsessen?

Apfelmus – ist doch klar, oder? 🙂 Und außerdem liebe ich Pasta in jeder Form.

Was ist das Schöne daran, für Kinder zu schreiben?

Das Tollste daran ist das unmittelbare Feedback, das man von den Kindern in Briefen oder bei Lesungen erhält. Sie lassen sich offen auch auf spleenige Ideen ein und erzählen einem geradeheraus, was sie denken.

Können Sie uns von besonderen Reaktionen der Kinder bei Lesungen erzählen?

Ich bin bisher immer freudig aufgenommen worden. Wenn ich mit verschiedenen Stimmen meine Figuren lebendig werden lasse und durch die Reihen der Kinder hüpfe, haben die Kinder und ich viel Spaß miteinander. Letzte Woche fieberte ein Mädchen derartig mit dem Kleinen Ritter Apfelmus mit, dass sie mehrfach aufsprang und mich am Bein zog.

Ich habe häufig Kleinigkeiten von Klassen geschenkt bekommen, z.B. Bilder, Briefe usw. Besonders habe ich mich über eine selbstgestaltete Ritter Apfelmus – Playmobilfigur gefreut, die jetzt auch mein Profilbild auf Facebook ziert.

Zu Ihren Büchern gibt es auch Schülerhefte. Haben Sie die Bücher bewusst als Schullektüren geschrieben?

Keineswegs. Die Arbeitshefte für Grundschüler („Lesuan“-Hefte) gibt es zum Kleinen Ritter Apfelmus und Käpt’n Donnerpaule. Aber ich habe die Hefte zu den Büchern verfasst, nicht umgekehrt.

Gibt es bestimmtes Wissen oder Werte, die Sie  – neben Spaß an spannenden und lustigen Geschichten – durch Ihre Bücher vermitteln möchten?

Meine Geschichten sollen die Kinder amüsieren und erfreuen. Die kleinen Leser fiebern mit meinen Helden hoffentlich bis zum (guten!) Ende mit.

In den Geschichten gibt es jede Menge phantasievoller Figuren. Käpt’n Donnerpaule ist ein blaue Piratenrobbe, die gerne Zitronenlimo trinkt. Neben seiner Matrosin, der Möwe Antonia, lernen die Leser den Klabautermann und Müffelmaukes Bisamrattenbande kennen.

Und beim Kleinen Ritter Apfelmus? Da gibt es einen Jungen, der gerne Raubritterapfelmus kocht. Sein bester Freund ist Vittorio, die sprechende und singende Maus aus Italien, die auf Abenteuersuche ist. Nimmt man die Kunstfigur des Weihnachtsmanns und den knuffigen Brummbären im finsteren Wald hinzu, so wird deutlich, dass es mir nicht um Geschichtswissen geht.

Dass es beim Kleinen Ritter phantasievoll und z.T. historisch nicht ganz korrekt zugeht, nutze ich gern als Ausgangsfrage für die Kinder. Sie können etwa als „Geschichtsdetektive“ herausfinden, wo ich geflunkert habe (Dazu gibt es auch etwas im „Lesuan“).

Trotzdem gibt es eine Botschaft. Dass kleine Leute nicht aufgeben sollen und mit Köpfchen oft weiter kommen als die vermeintlich Starken, ist gewiss ein Zug an den Geschichten, der Kindern gefällt und Mut machen kann.

Ritter-Apfelmus-U-1-final

Gibt es bestimmte Szenen, Figuren oder Einfälle in Ihren Büchern, über die Sie sich selbst besonders freuen? Welche?

Ich bin ein Fan von Vittorio, dem Gernegroß. Mamma Mia! Und den Bären, den finde ich großartig!!!

Ihre Bücher handeln in humorvoller Art und Weise von Rittern und Piraten. Haben Sie sich bewusst für Themen entschieden, die Jungs besonders ansprechen? Wenn ja, warum?

In meiner Kindheit liebte ich spannende und humorvolle Geschichten. Und natürlich haben mich Abenteuer mit Rittern, Piraten, Cowboys und Indianern fasziniert.

Vielen Dank für das Interview.

Interview mit Brigitte Nalenz

Mein zweites Interview durfte ich mit Brigitte Nalenz führen. Ihr wunderschönes Künstler-Kinderbuch „Ulrich Schlupf und Friedrich Tümpel – Freunde“ habe ich euch bereits Anfang der Woche vorgestellt. Nun dürft ihr ein bisschen mehr über die Autorin und ihre Arbeit erfahren.

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Hallo Frau Nalenz. Vielleicht können Sie sich zunächst ein wenig den Lesern vorstellen. Wer sind Sie und was hat Sie zum Schreiben gebracht?

Ich bin verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Ich habe einen Sohn und eine Tochter, zwei Schwiegerkinder und bin Oma von drei Enkelkindern. Das Älteste ist ein Mädchen, sieben Jahre alt, das Zweite ebenfalls ein Mädchen ist vier Jahre alt und das Dritte Enkelkind, ein Junge, ist zweieinhalb Jahre alt. Ein viertes Enkelkind wird Anfang des nächsten Jahres zur Welt kommen.

Ich würde mich als sehr aktiven und interessierten Menschen beschreiben. Meine Familie steht in meinem Leben an erster Stelle. Zudem bin ich berufstätig, habe viel mit Menschen zu tun und alles was ich mache, tue ich sehr gerne und mit Überzeugung. Ich kümmere mich gerne um unser Haus und unseren Garten und gestalte seit einigen Jahren Bilder in Eitempera-Technik. Dabei verarbeite ich sehr viele reine Farbpigmente. In meinen Bildern geht es um Farbgestaltung. Farben machen das Leben noch lebendiger und können zu Wohlbefinden beitragen.

Für Kinderbücher interessiere ich mich seit vielen Jahren. Als junges Mädchen habe ich schon Geschichten und Gedichte geschrieben. Die Geschichte von Ulrich Schlupf existiert schon sehr lange. In einfacher Form habe ich sie einmal für meine Kinder geschrieben. Da unsere Enkelkinder jetzt in dem Alter sind, diese Geschichte zu lesen und zu verstehen, war mir die Veröffentlichung des Buches zu diesem Zeitpunkt (im April dieses Jahres) wichtig.

 

Haben Sie als Kind selbst gerne gelesen und vielleicht auch schon Geschichten verfasst?

Welche Bücher erinnern Sie an Ihre Kindheit?

Ich habe sehr gerne gelesen und war Mitglied in unserer Kirchenbibliothek.

Zum Einschlafen habe ich mir Geschichten ausgedacht und diese am nächsten Abend weiter gesponnen. Speziell Mädchenbücher habe ich gerne gelesen und besitze sogar noch einige.

 

Welche Bilderbücher von anderen Autoren gefallen Ihnen besonders gut?

Neben einigen anderen Kinderbüchern habe ich ein Kinderbuch von James Krüss auf meinem Nachtschränkchen liegen. „Ladislaus und Annabella“. Ich mag die Bilder und den Text und lese es sehr oft. Mir gefallen viele alte Kinderbücher, aber ich mag auch die neuen Bücher. Es ist so beeindruckend welche Ideen manchmal umgesetzt werden. Bei unseren Enkelkindern habe ich die Kuh „Lieselotte“ von Alexander Steffensmeier kennengelernt. Ich finde sie herrlich. „Der Elefantenpups“ von Heidi Leenen und Martin Bernhard ist auch so ein beeindruckendes Bilderbuch. Das neueste Kinderbuch, das ich gerade kennengelernt habe heißt „Stille Nacht“ von Deborah Underwood und Renata Liwska. Gute Kinderbücher sind wertvoll. Sie bereichern das Leben und Wissen von Kindern.

 

Wie sind Sie auf die Geschichte von „Ulrich Schlupf und Friedrich Tümpel“ gekommen?

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Ich weiß gar nicht mehr, wie sich diese Geschichte in meinem Kopf entwickelt hat.

Mir war bei meinen Kindern und in meinem eigenen Leben immer wichtig, dass es keine Unterschiede im Umgang mit Menschen gibt. Die Figuren in der Geschichte kann man ja gut mit Menschen unterschiedlicher Herkunft oder mit verschiedenen Eigenschaften vergleichen. Das war mein Anliegen.

In dem Kinderbuch geht es um Freundschaft und Toleranz und das Andersartige nicht böse sein müssen, nur weil sie zunächst fremd sind. Ulrich und Friedrich sind Freunde. Ob Theo ein weiterer Freund wird, ist ja noch offen. Aber man kann ihm gegenüber tolerant sein, Verständnis haben.

 

Warum legen Sie Wert darauf, dass „Ulrich Schlupf und Friedrich Tümpel“ ein Künstler-Kinderbuch ist? Welchen besonderen Wert sehen Sie darin?

Dass dieses Buch ein Künstler-Kinderbuch wurde, war nicht von Anfang an geplant. Aber das Leben ist voller Überraschungen und das macht es so spannend und interessant! Es hat sich plötzlich alles so entwickelt. Da ich sehr kunstinteressiert bin, fand ich die Idee, kleinen Kindern anhand eines Kinderbuches erste Kontakte zur Kunst zu vermitteln, sehr gut. Das Buch soll Interesse wecken. Dann ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder neugierig bleiben.

Anton Paul Kammerer ist ein anerkannter Künstler. Die Bilder zu meiner Geschichte lassen den Kindern ganz viel Freiraum für Phantasie. Ich finde jedes gute Buch ist ein kleines Kunstwerk.

 

Für wen schreiben Sie Ihre Bücher? Haben Sie eine besondere Zielgruppe im Auge?

Dies ist mein erstes Kinderbuch. Für Kinder würde ich auch weitere Geschichten schreiben.

Das Alter kann dabei variieren.

 

Was ist für Sie das Besondere, wenn man Bücher für Kinder schreibt?

Es bietet viel Freiraum. Kinder sind offen für fast alles. Ich kann Wissen vermitteln und Werte und kann alles schön verpacken, um das, was ich sagen möchte, für Kinder interessant zu gestalten. Selbst für die Gestaltung des Buches kann ich mir etwas Außergewöhnliches oder völlig Neues einfallen lassen.

Auf meiner Facebook-Seite habe ich einen Satz geschrieben, der eigentlich viel sagt:

„Um Kinder zu fördern, können wir nicht genug Ideen haben!“

 

Kennen Sie selbst außergewöhnliche Freundschaften? Was bedeuten Freunde für Sie?

Freundschaften sind sehr wertvoll und wichtig! Man sollte sehr sorgsam mit Ihnen umgehen.

Toleranz ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Freundschaft.

 

Haben Sie direkte Reaktionen von Kindern auf Ihr Buch erlebt, wenn ja, welche haben Sie besonders berührt oder erstaunt?

Beeindruckend finde ich, wenn Kinder von dem Buch erzählen und die Tiere bei ihrem Namen nennen, den ich ihnen gegeben habe. Diese Namen von Kindern zu hören, das berührt mich schon sehr. Wie zum Beispiel neulich von unserem jüngsten Enkel, der auf die abendliche Frage: „Was war denn heute schön?“ antwortete: “Ulrich Schlupf“. Die Tiere existieren plötzlich wirklich. Nicht nur in meinem Kopf oder auf Papier.

 

Planen Sie weitere Bücher?

Ich plane viel und gerne. Ich lasse mich aber auch gerne überraschen!

 

Vielen Dank für das Interview.