Lesen lernen mit Logicals

Beim Lesen lernen steigt die Motivation enorm, wenn die Aufgaben spannend sind. Ganz besonders gut geeignet sind hier die Lese-Logicals. Auch Bücherwürmchen hat schon viel Spaß an den Logicals aus dem Heft „Lesen, knobeln, logisch denken – Leseförderung mit Logicals“. Hier steht für die Kinder nicht das Lesenüben im Vordergrund, sondern das Rätseln und Knobeln.

Logicals in zwei Schwierigkeitsgraden

In dem Heft sind 16 Logicals jeweils in zwei Schwierigkeitsgraden vorhanden. Grundsätzlich geht es immer darum, herauszubekommen, wie bestimmte Figuren heißen, wer welche Kleidung trägt etc. Diese Informationen müssen den Sätzen entnommen werden. Bei der einfachen Variante können die erlesenen Informationen direkt umgesetzt werden, während bei der schwierigeren Variante erst alles gelesen werden muss, um dann nach und nach die Lösung herauszufinden.

Beim Logical „Hexen“ heißt beispielsweise der erste Satz des einfachen Logicals „Die Hexe mit der grünen Schürze fliegt auf dem Besen“. Da nur eine Hexe auf einem Besen fliegt, kann man nun direkt ihre Schürze grün anmalen. Bei der schwierigeren Variante lautet der erste Satz: „Xenia hat eine Warze auf der Nase und eine rote Schürze“. Da es jedoch zwei Hexen mit Warze auf der Nase gibt, braucht  man zunächst weitere Informationen um die Schürze anzumalen.

Die Kinder müssen hier genau lesen und jedes Wort verstehen, da manchmal kleine Wörter wichtig für die Lösung sind. Sie müssen Aussagen in Verbindung zueinander setzen und logisch denken. Außerdem müssen gelesene Sätze im Gedächtnis bleiben bzw. müssen die Sätze mehrfach gelesen werden. Es wird also eine ganze Menge gleichzeitig gefördert und vor allem ist es ein Aufgabentyp, der dabei noch viel Spaß macht – eine perfekte Kombination!

Bunte Themenmischung

Thematisch sind die Logicals bunt gemischt: Hexen, Ritterburgen, Weltraumwesen, Tiere, Clowns, Torten usw. Da dürfte für jedes Kind, egal ob Mädchen oder Junge, etwas dabei sein. Pro Logical sind 4-8 Informationen zu lesen. Die Sätze sind an sich nicht schwierig, aber die Informationen müssen dann ja noch richtig verarbeitet werden. Die Logicals sind alle gut und eindeutig gemacht und die Kinder finden meist ohne großen Frust die richtige Lösung heraus.

aus: Lesen, knobeln, logisch denken, BVK

In erster Linie ist das Heft für die Grundschule (1./2. Schuljahr) gedacht, aber man kann es auch prima zu Hause verwenden. Bücherwürmchen darf sich selber aussuchen, welche Logicals er gerne machen möchte. Bisher haben Hexen, Dinos, Räuber, Weltraumwesen, Vampire, Ritterburgen und Leuchttürme sein Interesse geweckt. Da es bei uns nicht um Schulaufgaben geht, bestehe ich auch nicht auf ordentliches Ausmalen. Es geht nur darum die Logicals erfolgreich zu lösen, was bereits sehr gut klappt. Wichtig ist, dass man nicht direkt eingreift und die Kinder selber knobeln lässt, was Eltern manchmal schwer fällt. Wenn ein Kind es dann aber alleine geschafft hat, ist die Freude umso größer und gerade bei Logicals können Eltern mal sehen, was die Kinder schon alles können.

Lesen, knobeln, logisch denken – Leseförderung mit Logicals (1./2. Klasse) von Barbara Peters und Katharina Joanowitsch, BVK (Buch Verlag Kempen), ISBN: 978-3-86740-138-8

Lesen üben mit Vorlesegeschichte

Kinder haben meist Spaß daran lesen zu lernen, aber noch mehr Spaß macht ihnen das Ganze, wenn man sie bei diesem Prozess begleitet und vor allem, wenn man aus dem Lesen keine einsame Sache macht, sondern weiterhin dem Kind vorliest.

Aus diesem Grund gefällt mir das Konzept des Übungsheftes „Mit Paul ins Abenteuer Schule – Erstes Lesen“ grundsätzlich sehr gut. Denn hier werden kleine Leseaufgaben in Vorlesegeschichten integriert und Eltern und Kinder beschäftigen sich gemeinsam mit dem Lesen. Das finde ich wirklich gut. Die Eltern zeigen somit nicht nur Interesse an dem, was das Kind tut, sondern sie bringen sich auch selber mit ein, unterstützen das Kind und beschäftigen sich mit ihm.

Die handelnden Figuren in dem Heft sind Tiere, die vermenschlicht dargestellt werden. Die Bilder sind beinahe zu kindlich, aber sie sprechen Kinder im Grundschulalter durchaus noch an. Hauptfigur ist der Hase Paul, der gemeinsam mit seinen Freunden kleine Abenteuer erlebt. Er gerät in ein Gewitter, er versteckt Ostereier und muss sich selbst auf die Suche nach einer Überraschung machen, er badet in den Ostereierfarben, er führt mit seiner Klasse ein Theaterstück auf und er klettert einfach auf ein Pferd auf einer Wiese.

Abwechselnd zuhören und Aufgaben lösen

Die  Geschichten machen Kindern Spaß, auch wenn sie recht kurz sind, aber sie enthalten einen kleinen Spannungsbogen. Am liebsten würden die Kinder wohl nur die Geschichten hören, aber letztendlich erledigen sie auch die Aufgaben motiviert. Allerdings ist es nicht so einfach bei diesem Konzept eine schöne Vorleseatmosphäre zu schaffen. Nach etwa fünf vorgelesenen Zeilen folgt bereits eine Aufgabe. Soll man dafür etwa immer das gemütliche Sofa verlassen um die Aufgaben, bei denen man unter anderem etwas malen oder schreiben muss, vernünftig an einem Tisch zu erledigen oder liest man direkt am Küchentisch vor? Hm, beides ist irgendwie nicht so optimal. Wir haben es so gemacht, dass Bücherwürmchen die Aufgaben mündlich gelöst hat und ich die Wörter, die er z.B. aus zusammengesetzten Silben gefunden hat, aufgeschrieben habe. Die Aufgabe, bei der man den Kaffeetisch mit den gelesenen Dingen ergänzen soll, hat er dann anschließend am Tisch gelöst. Für Bücherwürmchen geht es in diesem Heft um Geschichten von Paul, zu denen man halt immer wieder Aufgaben lösen soll, aber die Geschichten stehen für ihn im Vordergrund und nicht das Üben und so hatte er auch keine Lust die doppelseitige Übungsecke, die sich an jede Geschichte anschließt, zu bearbeiten. Und da das Heft eine freiwillige Sache zu Hause ist, sollte man Kinder meines Erachtens auch nicht dazu drängen. Wir machen gemeinsam das, was uns Spaß macht und der Rest wird dann entweder zu einem anderen Zeitpunkt gemacht oder eben auch nicht.

Verschiedene Übungen

Die Aufgaben haben meines Erachtens einen recht unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. Mal muss man nur hören, an welcher Stelle eines Wortes ein bestimmter Laut vorkommt, der Anfangslaut von verschiedenen Dingen soll gehört werden, Silben müssen miteinander verbunden werden und ein fehlender Buchstabe soll gefunden werden. Dafür muss an einer anderen Stelle ein kleiner Text gelesen werden, Wörter in Spiegelschrift müssen entziffert werden, Sätze sollen in die richtige Reihenfolge gebracht werden und in anderen Sätzen ist jeweils ein Wort zu viel, welches gefunden werden soll. Insgesamt sind aber alle Aufgaben gut für Erstklässler im zweiten Halbjahr zu lösen. Die einfacheren Aufgaben auch bereits zu einem früheren Zeitpunkt. Allerdings macht es schon Sinn, wenn die Kinder in der Lage sind alle Aufgaben lösen zu können, da sie ja sicherlich die Geschichten gerne direkt komplett hören möchten. Man wird ja kaum einzelne Aufgaben erst nach mehreren Wochen lösen.

Das Heft beinhaltet als kleines Extra auch Sticker der Hauptfiguren, welche hier jedoch nicht als Belohnung oder ähnliches eingesetzt werden, sondern für die Kinder zur freien Verfügung stehen.

DUDEN: Mit Paul ins Abenteuer Schule – Erstes Lesen; Dein Übungsheft mit Vorlesegeschichten, 1. Klasse, von Annette Weber, illustriert von Antje Hagemann, Dudenverlag, ISBN: 978-3-411-75502-8, 9,99€

Spannende Zeitreise in die Zeit von Goethe

Nach den Büchern „Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit“ und „Mit der Saubohne zu den Wikingern“ gibt es nun endlich ein neues Abenteuer von Mette und Theo mit dem magischen Tulpenbaum: Mit dem Schinkenwurz zu Goethe

Mette und Theo helfen wieder die Samen alter Gemüsesorten für Almas geheimen Garten zu finden. Dieses Mal reisen sie nach Weimar um dort die Samen der Nachtkerze zu finden. Dabei laufen sie nicht nur Gustel über den Weg, sondern begegnen auch seinem Vater Goethe. Es geht auch in diesem Abenteuer wieder spannend zu. In der heutigen Zeit begegnet ihnen ein unheimlicher Mann, der scheinbar etwas über das Geheimnis des Tulpenbaums weiß und in der Goethezeit haben Mette und Theo nicht nur Schwierigkeiten die Samen, die sie zur Rückreise benötigen, zu finden, sondern müssen auch um den Tulpenbaum bangen, der von der Esplanade entfernt werden soll um die Herzogin nicht zu stören…

Eine seltene Epoche im Kinderbuch

Auf den ersten Blick scheinen die Rahmenbedingungen der Geschichte vielleicht nicht sonderlich spannend zu sein, aber ich finde es gerade toll, dass hier mal nicht ein übliches geschichtliches Thema für Kinder verwendet wird. Klar, erst einmal werden Kinder zu Themen wie Steinzeit und Wikinger und ähnliches greifen. Goethe und seine Zeit wird ihnen nicht unbedingt etwas sagen. Aber wenn Kinder bereits die ersten zwei Bücher aus der Reihe „Almas geheimer Garten“ gelesen haben, werden sie auch neugierig sein, wie es mit Mette und Theo weitergeht und wohin sie der Tulpenbaum beim nächsten Mal bringt und schwupps befinden sie sich im Weimar der Goethezeit. Hier können Kinder mal eine andere Epoche als sonst kennen lernen. Und gerade weil es zu dieser Thematik kaum vergleichbare Bücher gibt, war ich auf den Inhalt sehr gespannt. Das Buch hat knapp 80 Seiten – was kann man da überhaupt verständlich hineinpacken?

Viele historische Hintergründe eingebaut

An dieser Stelle muss ich ein großes Lob an die Autorin Birgit Hedemann aussprechen. In diesem Buch steckt unglaublich viel drin, was man zunächst vielleicht gar nicht so annehmen würde. Natürlich kann alles nur kurz angerissen werden, aber man bekommt beim Lesen dennoch einen Eindruck der Zeit und man wird neugierig auf die Hintergründe, die man im besten Falle gemeinsam mit den Eltern oder in der Schulklasse ein wenig ergründet. Selbst ich als erwachsene Leserin habe mir zu dem einen oder anderen angesprochenen Punkt in diesem Buch noch einmal ein paar weitere Informationen geholt. In dem Buch ist einfach nichts dem Zufall überlassen worden. Hier steckt unheimlich viel Wissen drin, welches einen aber nicht überfordert, sondern in kindgerechter Form passgenau in die Geschichte mit eingebunden wird. Das ist wurde wieder einmal richtig gut gemacht.

Allein die Reise zu Goethe ist genial ausgewählt. Sie führt uns nicht nur nach Weimar, sondern auch zu einem echten Pflanzenkenner, denn Goethe hat sich in seinem Leben intensiv mit Botanik beschäftigt. Er kommt also nicht nur als wichtige geschichtliche Persönlichkeit in diesem Buch vor, sondern er passt auch hervorragend zu dieser Bücherreihe, in der es neben den Reisen in die Vergangenheit ja auch um alte Pflanzen geht.

Der Leser erfährt in dem Buch direkt ein wenig aus dem Leben Goethes. So treffen Mette und Theo hier auf seinen Sohn Gustel (August) und sie dürfen auch das Gartenhaus im Weimarer Ilmpark besuchen.

Alte Berufe wie der Putzmacher sowie der Verkauf des Fleischs in einer Fleischbank werden genannt, wir begegnen der Herzogin Anna Amalia, erleben wie beschwerlich und gefährlich das Reisen in Postkutschen war und hören alte Worte wie „schlampampen“ (schlemmen) oder „Eisenkuchen“ (Waffeln). Natürlich tragen Mette und Theo auch bei diesem Abenteuer die übliche Kleidung der Zeit.

All dies sind Dinge, die neugierig auf mehr machen. Auch die Pflanze (Nachtkerze oder Schinkenwurz), um die es in diesem Buch geht, regt zu eigenen Nachforschungen an, denn sie hat spannende Eigenschaften und ist vermutlich den meisten Lesern erst einmal nicht bekannt. Sie hat aber auf jeden Fall wieder einen interessanten Namen.

Ein Buch zum Vorlesen und Selberlesen

Das Buch gehört zur Reihe „Die Bücher für geübte Erstleser“. Das Wort „geübte“ sollte man hier keinesfalls überlesen, denn für die allerersten eigenen Bucherfahrungen beim Lesen ist der Text noch zu umfangreich. Ansonsten bietet das Buch aber eine tolle Lektüre für Kinder, die dabei sind die Welt der Bücher lesend zu entdecken. Es gibt hier schon eine Geschichte mit mehreren Kapiteln in ordentlicher Länge, aber auf jeder Doppelseite befindet sich auch noch eine (schwarz-weiß) Illustration, was Kindern in diesem Alter noch sehr wichtig ist. Interessant sind hier die lebendigen Gesichtsausdrücke der Figuren, die die Gefühle und Gedanken sehr gut widerspiegeln.

Jüngeren Kindern ab circa fünf Jahren kann man das Buch auch schon prima vorlesen.

Insgesamt kann ich auch dieses Buch der Reihe wieder vollständig empfehlen: Spannend, interessant und gut zu lesen, einfach eine fesselnde und informative Lektüre, die die Neugier weckt!

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Almas geheimer Garten: Mit dem Schinkenwurz zu Goethe von Birgit Hedemann, illustriert von Maria Ernicke, Südpol Verlag, ISBN: 978-3-943086-39-3, 8,99€

Tolle Fortsetzung von Almas geheimen Garten

Bereits vom ersten Band der Reihe „Almas geheimer Garten“ war ich begeistert. „Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit“ erzählt eine spannende Zeitreise, die sich sehr gut lesen lässt und nicht nur geübte Erstleser schnell in ihren Bann zieht. So erhielt dieses Buch aus dem Südpol Verlag dann auch den letzten verliehenen Buchkönig.

Obwohl es sich um ein Kinderbuch handelt, das ein erwachsener Leser in aller Kürze durchgelesen hat, habe ich tatsächlich dem zweiten Band entgegengefiebert. Als nun „Mit der Saubohne zu den Wikingern“ bei mir eingetroffen ist, habe ich mich richtig auf die Lektüre gefreut und war gespannt, ob es genauso spannend weiter geht. Und ein kleines Fazit schicke ich schon einmal vorweg: Diese Reihe ist wirklich eine besondere Buchperle! Es sind wirklich ganz tolle Bücher für Grundschulkinder und zwar egal, ob für Jungen oder für Mädchen. Hier werden keine geschlechtertypischen Klischees erfüllt. Es geht nicht um Ponys oder Fußball, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch Kinder, die ansonsten zu solchen Büchern greifen, Spaß an den Zeitreisen haben. Es sind einfach Bücher, die gut zu lesen sind und die einen fesseln, egal, welche Interessen man hat. Und es ist natürlich schön, dass historisch und botanisch interessierte Kinder hier auch mal auf ihre Kosten kommen.

Nun reisen Mette und ihr Cousin Theo also zu den Wikingern um die Saubohne, auch Dicke Bohne genannt, zu retten. Ja, dieses Mal spielt also Theo tatsächlich eine aktivere Rolle, wie ich es bereits nach dem ersten Buch vermutet habe. Er kennt sich mit historischen Begebenheiten ein wenig aus und unterstützt Mette dabei nach Haithabu, ins Handelszentrum der Wikinger, zu gelangen, wo sie hoffen die Saubohne zu finden. In diesem Buch begegnen sich die Kinder auf Augenhöhe. Selbstverständlich ist auch dieses Abenteuer nicht ganz ungefährlich. Vor allem aber gibt es Probleme bei den Samen der Bohne, denn den Kindern ist zunächst nicht klar, dass sie getrocknete Bohnen benötigen und so verschwenden sie ihre kostbare Zeit mit der Suche nach frischen Bohnen. Aber sie dürfen nicht zu spät zurück zum Tulpenbaum kommen, denn ansonsten hat er keine Kraft mehr mit ihnen gemeinsam zurück in Almas Garten zu reisen…

Auf der Suche nach der Saubohne – wieder so ein spannender Name für eine Gemüsesorte – bekommen die Kinder und somit wir Leser einen Einblick in das Leben der Wikinger bzw. der Händler in dieser Zeit. Kleidung, Essen, Boote, der Handel, Häuser und vieles mehr findet Erwähnung. Auch ich als Erwachsene habe hier noch ein paar Sachen gelernt, wobei alles sehr verständlich geschildert wird und man gar nicht das Gefühl hat, dass hier auch Wissen vermittelt wird. Prima gemacht!

Auch in diesem Buch bleibt noch einiges offen. Alma, für deren Garten Mette und Theo die Samen der Urpflanzen besorgen, benimmt sich geheimnisvoll, und wir erfahren nicht, wer der Besucher ist, von dem sie noch nichts erzählen möchte. Ob es dann also in einem dritten Band, so wie es sich Theo wünscht, ins alte Rom geht? Man darf gespannt sein… Ich bin es jedenfalls!

Insgesamt gefällt mir dieser Band genauso gut wie der erste. Er lässt sich sehr gut lesen und man ist sofort in der Geschichte drin. Die Sätze sind übersichtlich, wirken aber nie monoton oder langweilig. Auch ohne den ersten Band zu kennen, kann man das Buch gut lesen, aber es wäre natürlich schade, wenn man das erste Buch nicht kennen lernt, denn wenn einem ein Buch dieser Reihe gefällt, dann sicherlich auch das andere!

Ich habe übrigens nun auch die Bücher meinem Sohn vorgelesen. Warum hat er sich erst jetzt kennen gelernt?  Weil es schließlich auch noch schöne Bücher geben muss, die er entdecken kann, wenn er irgendwann seine ersten Lesefertigkeiten anwendet. Aber diese Bücher kann man dann sicherlich auch ohne Probleme noch einmal lesen. Beide Bände haben ihm sehr gut gefallen. Wir haben sie direkt nacheinander an einem Abend gelesen und ich habe an seiner Körperhaltung gemerkt, wie spannend er sie fand. Am liebsten hätte er im Anschluss gleich ein drittes Buch aus dieser Reihe gelesen und er konnte gar nicht verstehen, warum es das noch gar nicht gibt…

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Almas geheimer Garten: Mit der Saubohne zu den Wikingern von Birgit Hedemann, illustriert von Maria Ernicke, Südpol Verlag, ISBN: 978-3-943086-27-0, 8,99€

Taschenbücher für Erstleser (Teil 2)

Wie bereits angekündigt, geht es heute mit zwei Büchern aus der Clubreihe für Erstleser des Obelisk-Verlags weiter. Ich beginne heute mit „Bunte und Frieder“, von dem ich direkt sagten kann, dass es mir gut gefällt. Die Geschichte ist toll gemacht, denn sie ist so spannend und offen, dass man einfach immer weiter lesen muss. Allein den Anfang kann man nicht einfach so stehen lassen: „Keiner wusste warum. Bunte schon gar nicht.“ Worum geht es hier? Wer ist Bunte? Was ist passiert? Also weiterlesen! Auch auf der nächsten Seite gibt es noch keine Auflösung, sondern es wird nur erzählt, wie alles begann. Also weiterlesen! Nun sagt Bunte, dass sie nicht krank sei, sondern sich freut, aber was eigentlich passiert ist, weiß man immer noch nicht. Also weiterlesen! Ah, darum geht es: Bunte, ein Kaninchen, ist auf einmal rot, rot wie eine Hagebutte. Ui, das klingt aber merkwürdig. Wie es ihr mit dieser Fellfarbe wohl ergeht? Also weiterlesen! Sie bekommt selbst einen Schrecken und wird weiß, bei Trauer blau, bei Ärger gelb usw. Immer wieder wechselt sie die Farben und wächst währenddessen zu einer Kaninchen-Dame heran. Auf einmal wird sie von den Kaninchenmännern umschwärmt, was den anderen Frauen natürlich nicht gefällt, so dass sie sich etwas überlegen… (Okay, dass Bunte eine Frau wird und sich die Männer für sie interessieren, ist schon ein wenig merkwürdig in einem Kinderbuch und hat mich auch beim ersten Lesen etwas irritiert, aber später rückte es dann in den Hintergrund.)

Es bleibt also spannend rund um Bunte und für den Leser heißt dies weiterlesen und lesen. Und warum heißt das Buch „Bunte und Frieder“? Auch das erfährt man, wenn man immer weiter liest. Ja, diese Geschichte gefällt mir. Sie lässt sich gut lesen, allerdings werden Leseanfänger sie vielleicht nicht direkt an einem Stück schaffen. Die bunten Bilder illustrieren die Geschichte schön. Sie zeigen ohne ablenkende Details die Kaninchen und natürlich vor allem Bunte.

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Das letzte Buch, welches ich vorstellen möchte, ist für Leserinnen ab der zweiten Schulstufe: „Das Orakel – Ein Kumpel kommt selten allein“. Auch wenn es hier überall bunte Illustrationen gibt, (die übrigens klasse sind), dominiert hier so langsam der Text, welcher bereits in acht Kapitel eingeteilt ist. Auf diese Weise können Kinder beim Lesen gut eine Pause einlegen, bevor sie sich an den nächsten Absatz heranwagen. Der Text an sich lässt sich prima lesen. Er erzählt die Geschichte in einem flüssigen und angenehmen Ton. Richtig toll ist aber auch die Geschichte selbst. Sie macht Spaß und sie ist gleichzeitig witzig als auch herzlich.

Der Bär macht sich auf die Suche nach einem besten Freund, aber wo findet man einen solchen? Die Eule kann ihm nicht weiterhelfen. Schließlich ist sie kein Orakel. „Orakel“ – davon hat der Bär noch nichts gehört, aber wenn einem dieses die entscheidende Antwort geben kann, dann möchte er es gerne aufsuchen. Auf dem Weg dorthin trifft er auf den Pfau, der ebenfalls einen Freund sucht. Nein, die beiden werden natürlich nicht direkt die besten Freunde, denn sie sind sich nicht gerade sympathisch. Auf der einen Seite der Bär – groß, schwer, etwas tollpatschig und aus Sicht des Pfaus etwas begriffsstutzig, und auf der anderen Seite der Pfau – elegant, hübsch, klein und aus Sicht des Bären eher eingebildet. Sie wollen nicht länger zusammenbleiben als notwendig, doch das Orakel sagt ihnen, dass sie sich gemeinsam auf Freundesuche begeben sollen. Ja, wir ahnen natürlich wie dies ausgehen wird, aber es macht dennoch Spaß diese Geschichte der Freundschaft, die sich langsam und von den Figuren unbemerkt anbahnt, zu lesen.

Ein ganz tolles Buch für Leseanfänger und alle anderen, die gerne eine Geschichte über das wertvolle Gut Freundschaft hören.

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Wie sieht nun mein Fazit zu der Reihe aus? Ganz einfach: Hier gibt es wirklich anspruchsvolle, gute Literatur für Leseanfänger. Nicht jede Geschichte ist dabei Top und nicht jede Geschichte wird jedem gefallen, was bei vielen unterschiedlichen Geschmäckern ja auch gar nicht möglich ist, aber das Konzept der Reihe (pfiffige, witzige und interessante Geschichten illustriert mit bunten Bildern) kann auf jeden Fall überzeugen.

 

Bunte und Frieder von Christine Rettl und Maria Blazejovski, Obelsik Verlag, ISBN: 9783851976915, 5,50€

Das Orakel – Ein Kumpel kommt selten allein von Chantal Schreiber und Susanne Wechdorn, Obelisk Verlag, ISBN: 9783851976922, 5,50€

Taschenbücher für Erstleser (Teil 1)

Vor fast einem Jahr habe ich euch ganz begeistert von dem Buch „Ein verrückter Tag für Hexe Nudelzopf“ erzählt. Endlich ein tolles Buch für Leseanfänger! Nun hat der Obelisk-Verlag natürlich nicht nur dieses Buch im Programm und vor allem hat er eine ganze Liste an Büchern für Leseanfänger verschiedener Stufen. Pro Programm werden fünf solcher Bücher innerhalb der Clubreihe „Die Kinderbibliothek“ (bzw. in Österreich: „Österreichische Kinderbibliothek“) veröffentlicht, die preisgünstig zu erwerben sind. Ein paar davon habe ich mir mal näher angeschaut, um heraus zu finden, ob die Bücher aus der Reihe die hohen Erwartungen erfüllen können, die durch Hexe Nudelzopf geweckt wurden.

Zunächst habe ich mit einem weiteren Buch der ulkigen Hexe begonnen: „Die Hexe Nudelzopf und die Prinzenfrösche“. Dieses Mal möchte sie aus einem der vielen Frösche im Garten einen Prinz zaubern. Natürlich werden ihre Zauberversuche auch wieder von dem Geräusch begleitet, das Kindern beim ersten Lesen vermutlich ein paar Schwierigkeiten bereitet: Prutzelknax! Und genauso ist es auch klar, dass die Zauberversuche zunächst misslingen. Aber auch der Prinz, der ihr letztendlich ins Haus folgt, ist nicht ganz so wie die Hexe Nudelzopf sich das vorgestellt hat. Erst als sie die Hexe Zitterhaar von ihrem Frosch-Dasein erlöst hat, ist die Hexe Nudelzopf zufrieden und die Frösche haben endlich wieder ihre Ruhe.

Hexe Nudelzopf steht für witzige, skurrile Geschichten mit ebenso verrückten Bildern. Das macht Kindern viel Spaß. Auch Bücherwürmchen mag Hexe Nudelzopf. Er lässt sich das Buch gerne vorlesen. Größere Kinder, die bereits lesen können, müssen hier ihre ganzen Lesefähigkeiten abrufen. Der Text ist groß geschrieben. Pro Seite sind nur wenige Zeilen zu erlesen, während auf der gegenüberliegenden Seite ein großes Bild zu sehen ist. Dies wirkt motivierend. Kinder werden nicht vom Text erschlagen und wagen sich mutig an die Sätze heran. Hier warten allerdings einige Schwierigkeiten auf sie. Der Text enthält einige Wörter, die Kinder nicht auf Anhieb erlesen werden. Hier ist ein wenig Ausdauer gefragt, aber dank der Geschichte werden sich Kinder wohl nicht von „Schmetterlingsflügeln“ und „fünfhundertsiebenundzwanzig Fröschen“ abhalten lassen.

Spaß macht Kindern darüber hinaus das angehängte Kreuzworträtsel, welches alle aufmerksamen Leser erfolgreich lösen werden.

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Auch „Krok bleibt am Ball“ testet das Leseverständnis mit einem Kreuzworträtsel, was mir gut gefällt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder große Freude daran haben, Fragen zu einer Geschichte spielerisch beantworten zu können. Selbst Bücherwürmchen lässt sich diese Fragen immer vorlesen und er gibt dann ganz stolz die Antworten.

Den Text finde ich hier nicht ganz so gut eingeteilt wie bei Hexe Nudelzopf. Er ist etwas kleiner geschrieben. Außerdem zieht er sich teilweise über ganze Doppelseiten (mit kleinen fußballspielenden Krokodilen in den Ecken), während es im Gegenzug auch Doppelseiten mit Bildern gibt. Auch ist hier insgesamt bereits eine längere Geschichte zu bewältigen, welche mich leider nicht wirklich überzeugen kann. Das Thema des Buches wird viele Kinder, vor allem Jungen, ansprechen: Fußball. Hinzu kommt Krok, das Krokodil. Eine Mischung, die viel Spaß verspricht. Vor alle, wenn sich das Krokodil höchstpersönlich auf dem Fußballfeld befindet. Allerdings wird hieraus nicht all zu viel gemacht. Zwar wundert sich Krok über so einige Dinge (z.B. über die Kästen mit Fischernetzen = Tore), aber es ist doch mehr als merkwürdig, dass sich niemand vor dem Krokodil fürchtet bzw. dass niemand dieses überhaupt auf dem Spielfeld identifiziert. Dies tut ganz am Rande nur die Tochter des Tierwärters. Noch mehr stören mich allerdings die Sprünge in der Geschichte, die es gerade Leseanfängern schwer machen, dem Ganzen zu folgen. Krok zieht sich ein Trikot an und schaut den Kindern im Zoo beim Fußball spielen zu. Das nächste, was man von Krok erfährt ist folgendes: „Vor dem Zoo traf Krok eine Menge Menschen.“ Da fragt man sich doch, ob man etwas nicht mitbekommen oder nicht richtig gelesen hat. Hm, schade, dieses Buch ist für mich jedenfalls kein Treffer innerhalb dieser Reihe, wenn auch Kinder vermutlich über die Beschreibungen Kroks lachen werden. Hier sind sie mal diejenigen, die etwas besser und korrekter benennen können als jemand anderes.

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Nach zwei weiteren Büchern kann man sicherlich noch nicht wirklich etwas über diese Reihe sagen. Ein Buch hat mir gut gefallen, eins weniger, aber es gibt ja noch mehr Bücher und gleich in meinem nächsten Beitrag geht es mit zwei weiteren Büchern weiter. Und so viel sei bereits verraten: Auch wenn sie keine Kreuzworträtsel enthalten, sie gefallen mir gut!

Die Hexe Nudelzopf und die Prinzenfrösche von Friederike Wagner, Obelisk Verlag, ISBN: 9783851977073, 5,50€

Krok bleibt am Ball von Georg Bydlinski und Piotr Stolarczyk, Obelisk Verlag, ISBN: 9783851977325, 5,50€

Valentinstag mit Franz

Der Franz liebt viele Menschen“ und ich liebe den Franz, naja, oder besser gesagt die Bücher über Franz von Christine Nöstlinger.

Bei meinen Eltern wurde die Gemeindebücherei aufgelöst, in der ich als Kind auch häufig war. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, einigen Büchern aus der Bücherei ein neues zu Hause zu geben. Unter anderem nahm ich einen ganzen Stapel „Sonne, Mond und Sterne“-Erstlesebücher mit (mittlerweile heißt diese Reihe bei Oetinger „Büchersterne) und, ihr ahnt es natürlich schon, dabei waren auch einige „Franz-Bücher“. Passend zum Valentinstag möchte ich euch heute „Liebesgeschichten vom Franz“ vorstellen, welches 1991 erschien, aber in neuer Auflage immer noch erhältlich ist.

Ja, der kleine Franz lernt in diesem Buch, dass die Sache mit der Liebe gar nicht so einfach ist. Zunächst bekommt er dies alles anhand der Liebesprobleme seines Bruders mit. Erst interessiert sich Anna-Liese nicht für Josef und als dieser durch Franz‘ Intervention dann doch für sie spannend wird, hat Josef bereits ein anderes Mädchen ins Auge gefasst. Ganz schön kompliziert, die Sache mit der Liebe. Da hält Franz sich zukünftig lieber raus. Er liebt ja sowieso seine Freundin Gabi aus der Wohnung nebenan. Doof nur, dass diese auf einmal eine neue Freundin, Sandra, hat, mit der sie nun ständig spielt. Dass passt Franz gar nicht und er zeigt Gabi die kalte Schulter. Eifersuchtsdramen spielen sich ab, bei denen ehrliche und tiefste Gefühle eine Rolle spielen. Letztendlich klärt sich bei den Kindern aber doch alles recht schnell.

Zu einem späteren Zeitpunkt verliebt sich Franz bei einem Urlaubsaufenthalt bei den Tanten in das Nachbarmädchen Elfe und muss dabei die Erfahrung machen, dass man einerseits nicht vom Äußeren auf das Innere schließen kann und dass man andererseits in Liebesdingen auch ganz schön enttäuscht werden kann.

Das Buch behandelt gleich mehrere Aspekte der Liebe (Verliebtheit, Eifersucht, Enttäuschung, etwas für andere tun…) und nimmt dabei Kinder und ihre Gefühle ernst. Man fühlt mit dem sympathischen Franz mit und zweifelt nie daran, dass Liebe auch ein Thema für Kinder ist. Natürlich gehen sie diese Dinge anders an als Erwachsene, aber dennoch sind die Gefühle und der Wund auf Erwiderung der Zuneigung nicht weniger ernst zu nehmen. Wie gut kann man es nachvollziehen, dass Franz schrecklich leidet, als Gabi ihn auf einmal kaum noch beachtet, da sie nun mit Sandra befreundet ist und auch als er die schlechten Erfahrungen mit Elfe macht, die ihn einfach stehen lässt, möchte man ihn in den Arm nehmen. Dennoch ist es kein trauriges Buch, denn insgesamt sind die Franz-Geschichten einfach sehr erfrischend geschrieben. Franz ist kein großer Held, sondern ein kleiner, lieber Junge, von dem man gerne liest. Es ist eine Welt, in die man sich gerne einfindet. Man kann mit Franz mitfiebern und sich mit ihm identifizieren. Es geht um alltägliche Probleme, um Dinge, die einem selbst bekannt vorkommen und da macht es auch nichts aus, dass das Buch schon älter ist.

Ich habe ja schon oft geschrieben, dass mir viele Erstlesebücher nicht gefallen, da sie inhaltlich nicht sonderlich viel bieten. Aber auch das kann man natürlich nicht so pauschal sagen. Man muss eben nur genau hinschauen. Der Vorteil an der Oetinger-Reihe ist, dass die Bücher von namhaften Autoren stammen (Paul Maar, Astrid Lindgren, Kirsten Boie, Erhard Dietl etc.) und so durchaus jede Menge Lesespaß bieten. Dafür muss man dann eben auch schon ganze Seiten (ohne Bilder) lesen, was aber für Kinder, die Spaß am Lesen und Lust auf Geschichten haben, gut zu bewältigen ist.

Ich habe nun natürlich die alte Ausgabe von „Liebesgeschichten vom Franz“, bei der z.B. in der Schriftart noch nicht das Fibel-a (so wie es eben auch mit der Hand geschrieben wird) benutzt wird, aber ein Blick auf die neuen Cover zeigt mir, dass sich das geändert hat. Die Illustrationen scheinen darüber hinaus mittlerweile farbig zu sein. Sie stammen übrigens von Erhard Dietl, der u.a. die Olchis geschrieben hat.

Alles in allem ist „Liebesgeschichten vom Franz“ ein tolles Buch für Kinder der zweiten und dritten Klasse. Ja, auch heute noch, denn die ersten Erfahrungen mit der Liebe belieben wohl immer die gleichen. Zunächst kam mir zwar die Sprache in dem Buch ein wenig alt vor, aber ich glaube, das liegt auch daran, dass Christine Nöstlinger Österreicherin ist und somit eben Begriffe wie „Buben“ etc. verwendet, die für Menschen in Nordrhein-Westfalen wenig gebräuchlich erscheinen. Auch der Artikel vor jedem Namen ist gewöhnungsbedürftig, andererseits erzeugen gerade diese Eigenarten sofort ein bekanntes „Franz-Buch-Gefühl“.

Nun wünsche ich euch allen einen wunderbaren Valentinstag mit schönen Liebesgeschichten!

Übrigens: In den nächsten Tagen stelle ich euch den Franz noch einmal kurz vor, damit auch jeder weiß, um welche Kinderbuchfigur es hier geht.

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Liebesgeschichten vom Franz von Christine Nöstlinger, illustriert von Erhard Dietl, Oetinger Verlag, ISBN: 78-3-7891-2402-0, 7,99€ (Angaben und Bild zur neuen Ausgabe)

Paul Maars Klabautermann mit Leseunterstützung

Lesen lernen ist ein ziemlich komplexer Vorgang, der nicht allen Kindern gleich leicht fällt. Kinder, die beim Lesen Schwierigkeiten haben, haben häufig selbst an Büchern für Erstleser wenig Freude, denn abgesehen von einfachen Worten und einer geeigneten Schriftart wird ihnen meist keine weitere Hilfe geboten. Ein bissen anders sieht es bei dem Institut für sprachliche Bildung aus, welches gerade diese Kinder im Blick hat, und so wurde hier im letzten Jahr das Buch „Klabautermann an Bord“ von Paul Maar neu gesetzt herausgebracht (die Originalausgabe erschien im Oetinger Verlag). Es ist aufgrund der Länge des Textes zwar kein Buch für die ersten Leseversuche, aber fortgeschrittene Leseanfänger können sicherlich etwas mit diesem Buch anfangen.

Was ist das Besondere an der Umsetzung? Zunächst handelt es sich natürlich um eine große Schrift, aber die haben eigentlich alle Erstlesebücher gemeinsam. Doch das Schriftbild beinhaltet hier eine weitere Hilfe und zwar werden die Laute hervorgehoben. In der deutschen Sprache entsprechen die Laute nicht einzelnen Buchstaben. Viele Laute werden durch mehrere Buchstaben gebildet, z.B. ergeben die Buchstaben s, c und ha einen Laut (sch). In diesem Buch wurden nun Buchstaben, die gemeinsam einen Laut bilden, ein wenig enger gesetzt. Das fällt auf den ersten Blick kaum auf, wird aber sicherlich unbewusst das Lesen unterstützen. Schwierige Wörter werden in einer Fußnote zudem erläutert, wobei längere zusammengesetzte Worte zusätzlich aufgegliedert werden (z.B. Speise+saal). Bei den Worterklärungen ist mir allerdings nicht ganz klar, wer die Zielgruppe des Buches ist (im Klappentext heißt es „Für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, bei LRS, Legasthenie). Einige erklärte Wörter (z.B. normalerweise, Tablett, Geschirr) kommen mir ziemlich einfach vor, was aber vielleicht aus Sicht von Fremdsprachlern anders aussieht. Möchte man ihnen aber das Lesen erleichtern, so wäre es sicherlich auch sinnvoll Ausdrücke wie „über den Haufen reden“ oder „du tickst nicht ganz richtig“ zu erklären. Auch einige Wörter, die Kindern allgemein nicht unbedingt geläufig sind (z.B. „pausbäckig“ oder „senkrecht“) wurden in den Erklärungen nicht beachtet. Grundsätzlich finde ich den Ansatz aber sehr gut und natürlich werden auch viele Wörter erläutert, die ich ebenfalls dafür ausgesucht hätte (z.B. herum drucksen, Passagiere, Horizont, seekrank. Reling).

Gut gefallen mir auch die Fragen zu jedem Kapitel. Wer den Text gut gelesen und verstanden hat, kann durch die Antwortemöglichkeiten die Aufgaben problemlos lösen. Ansonsten lässt sich durch ein Punktesystem die aktuelle Lesekompetenz differenziert bestimmen, da die falschen Antworten in ihrer Fehlerhaftigkeit unterschiedlich bewertet werden. Das heißt, dass es beispielsweise bei korrekter Beantwortung einer Frage nach einem bestimmten Datum einen Punkt gibt. In diesem Fall geht es um den 22. Februar. Wählt ein Kind die Antwort 29. Februar bleibt es bei 0 Punkte, denn immerhin hat es sich den richtigen Monat gemerkt. Antwortet es aber mit „1. April“ so gibt es einen Minuspunkt. Die Fragen selbst finde ich sinnvoll und auch die Antwortemöglichkeiten gefallen mir in ihrer qualitativen Abstufung und Sinnhaftigkeit gut. Man kann bei Kindern, die gut mit dem Text klar kommen, natürlich auch ausprobieren, ob sie die Aufgaben ohne Antwortemöglichkeiten lösen können.

Das Buch ist farbig und ansprechend illustriert, wobei die Kinder teilweise auch zwei Doppelseiten nacheinander ohne Bilder bewältigen müssen.

Insgesamt gefällt mir die Umsetzung, die das Lesen unterstützen soll, sehr gut. Und die Geschichte, die hier verwendet wird, ist natürlich, wie bei dem bekannten Autor erwartet, ebenfalls klasse.

Auch mein Sohn (4 1/2) lässt sich die Geschichte von dem Klabautermann gerne vorlesen (im Übrigen löst er auch die Aufgaben sehr gerne und problemlos):

Auf einer Schiffsreise begegnen die Kinder Martin und Lara einem echten Klabautermann. Naja, eigentlich ist er noch ein Klabauterlehrling, denn um sich Klabautermann nennen zu dürfen, muss er noch drei Aufgaben erledigen. Das ist auf so einem modernen Schiff jedoch gar nicht so einfach, doch der Klabauterlehrling kann sich natürlich auf die Kinder verlassen, die ein Abenteuer wittern und dem Männchen nur zu gerne helfen…

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Klabautermann an Bord von Paul Maar, neu gesetzt für neue Leser, Illustrationen von Franziska Harvey, didaktisch bearbeitet von Günther Thomé, isb – Institut für sprachliche Bildung Oldenburg, ISBN: 978-3-942122-18-4, 9,80€

Tolle Abenteuer mit Cowboys und Piraten für Grundschüler

Heute möchte ich euch dann nun zwei Bücher vorstellen, die prima für Kinder im Grundschulalter und erstem Lesealter geeignet sind und die auch mir als Erwachsene wirklich gut gefallen (das Verkaufsargument ist hier nicht mehr so spürbar). Natürlich kann man beide Bücher aber kleineren Kindern auch schon sehr gut vorlesen. Zumindest Bücherwürmchen hatte sehr viel Spaß an „Cowboy Klaus und die wüste Wanda“ und an „Käpt’n Donnerpaule jagt die Limodiebe“.

Das Buch „Cowboy Klaus und die wüste Wanda“ gehört zur Reihe Tulipan ABC, die tolle Bücher für Leseanfänger herausbringt. Die Cowboy Klaus-Bücher passen hervorragend in diese Reihe. Die Geschichten machen richtig viel Spaß, lassen sich aber schon gut selber lesen. Die Schrift ist leicht lesbar und die Sätze sind recht kurz und überschaubar. Die einzelnen Wörter sind nicht alle sooo einfach zu lesen für Kinder, so dass es eher ein Buch für Kinder ist, die nicht mehr allzu viel Mühe mit jedem einzelnen Wort haben. Aber allen, die ihre ersten Lesefähigkeiten ein wenig weiter ausbauen möchten, sei Cowboy Klaus ans Herz gelegt. Es sind wahnsinnig schräge Cowboy-Geschichten, bei denen alles ein wenig anders ist als man es vielleicht sonst von Cowboys gewöhnt ist, wobei Cowboy Klaus natürlich nichts lieber sein möchte als ein richtiger Cowboy. Und dazu braucht er ein Pony. Er hofft beim Pferdehändler Hänk Hafersack, bei dem sich im Übrigen die gesprochenen Sätze reimen, fündig zu werden, doch Cowboy Klaus ist eben ein besonderer Cowboy und so passt es auch prima, dass er am Ende statt mit einem Pony den Stall des Pferdehändlers mit einem Kamel verlässt… Passend zur Geschichte finden sich in dem Buch auf jeder Seite große, farbige Illustrationen, die die Komik und den Humor des Buches unterstreichen. Ich finde, jedes Schulkind, welches Spaß an Cowboy- und Abenteuergeschichten hat, sollte die Cowboy Klaus-Bücher mal in der Hand gehabt haben. Nicht alle Episoden eignen sich gleichermaßen auch schon für kleinere Kinder, aber gerade die Erzählung mit dem Kamel ist auch schon für Kindergartenkinder recht gut verständlich.

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Cowboy Klaus und die wüste Wanda von Eva Muszynski und Karsten Teich, Tulipan Verlag, ISBN: 978-3-86429-233-0, 8,95€

 

Das Buch „Käpt’n Donnerpaule jagt die Limodiebe“ richtet sich an etwas ältere Grundschulkinder, so dass auch nicht mehr alle Seiten von Illustrationen (in schwarz-weiß) geziert werden. Aber auch dieses Buch beinhaltet ein großes Lesevergnügen. Es kommt nicht ganz so komisch daher wie die Cowboy-Klaus-Bücher, aber auch hier ist einiges anders als auf einem gewöhnlichen Piratenschiff. Der Kapitän ist eine Robbe und seine Matrosin ist die Möwe Antonia. Gemeinsam sind sie auf der Polly unterwegs um herauszufinden, was mit dem Limoschiff passiert ist. Für Käpt’n Donnerpaule ist es nämlich ganz furchtbar, dass es keine Limo mehr zu kaufen gibt, denn nichts trinken Piratenrobben lieber als Zitronenlimo. Da muss man also auch mal ein kleines Abenteuer wagen und den Limodieben hinterherjagen. Hilfe erhalten sie ausgerechnet von den Heringen, die eigentlich auch auf der Speisekarte von Käpt’n Donnerpaule stehen. Aber in einer solchen Situation muss man offen für neues sein und so stellt der Käpt’n fest, dass so eine gemischte Fischplatte auch nicht schlecht ist. Gemeinsam mit alten und neuen Freunden gelingt es Käpt’n Donnerpaule und Antonia schließlich die Limo zurückzuerobern und ihrem eigentlichen Eigentümer zurück zu bringen.

Das Buch lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Es ist locker geschrieben und die Geschichte, in die man sich direkt hinein findet, geht flott voran. Mir gefällt, dass hier eine etwas andere Piratengeschichte (ohne Gewalt etc.) erzählt wird, die aber dennoch spannend ist und insbesondere durch die außergewöhnliche Besatzung viel Spaß macht. Auch die Namen der Figuren sind humorvoll gewählt. Bücherwürmchen hatte sehr viel Spaß an diesem Buch. Ich musste es ihm in einem Rutsch vorlesen und da er momentan immer Bücher von gleichen Autoren oder Verlagen identifiziert, mussten wir anschließend auch noch die Bücher von dem kleinen Ritter Apfelmus lesen (ebenfalls empfehlenswerte Lektüren für Grundschulkinder). Übrigens lässt sich das Buch auch im Schulunterricht gut einsetzen. Ein entsprechendes Schülerheft ist ebenfalls lieferbar. Und bei wem Käpt’n Donnerpaule nicht auf dem Stundenplan steht, dem empfehle ich es als tolle Lektüre für den Nachmittag oder als gemütliche Lesestunden abends im Bett.

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Käpt’n Donnerpaule jagt die Limodiebe von Stefan Schwinn, Edition Zweihorn, ISBN: 978-3-943199-10-9, 5,95€

Zur Vorstellung von Bilderbüchern mit echten Abenteuern geht es hier.

 

Auch schon für Kinder ein Thema: Die Frage nach Gott

Kinder machen sich über vieles Gedanken, unter anderem auch über Gott. Bücherwürmchen fragt auch immer mal wieder nach ihm und möchte zum Beispiel wissen, in welchem Land er denn im Himmel ist und wie er dann lachen könne, da er doch keinen Mund habe. Das Buch „Lieber Gott, wo steckst denn du?“ greift eine wichtige Frage von Kindern auf. Wie sieht Gott eigentlich aus und wo ist er? Dass da jemand sein soll, den man nicht sieht, ist für sie immer wieder Anlass zum Grübeln und Aufstellen verschiedener Thesen. Es ist sehr interessant solche Fragen mit Kindern zu besprechen und das Buch kann dazu ein guter Einstieg sein. Hier machen sich zwei Hamster, Kalle und Friedrich, auf den Weg um den lieben Gott zu suchen. Ganz genau wissen sie nicht, wie er aussieht, aber jedes Tier und jeder Mensch hat einen Tipp für sie, so dass sich so langsam ein Bild zusammenfügt: Gott hat auf jeden Fall einen langen Bart, krumme Beine und ist langsam. Im Schäfer meinen sie den richtigen gefunden zu haben, doch warum interessiert er sich nicht für sie? Zwar begegnen die beiden Hamsterfreunde Gott nicht leibhaftig, aber eine Antwort finden sie am Ende trotzdem.

Das Buch ist wirklich nett gemacht und auch 4-Jährige Kinder hören der Geschichte schon gerne zu. Es gibt ein paar Zeichnungen der Hamster, welche jedoch vielleicht ein bisschen häufiger und größer sein könnten. Gerade für kleinere Kinder sind Bilder in einem Buch noch enorm wichtig.

Die Geschichte ist gut erzählt und vor allem gefällt mir, wie sie sich am Ende auflöst. Die Sehnsucht den lieben Gott kennen zu lernen, werden Kinder kennen und so sind sie auch gespannt, wie die Suche der Hamster ausgeht. Während des Lesens können sie sich immer wieder ihre eigenen Vorstellungen und Antworten zu der Fragestellung überlegen. Bücherwürmchen ist jedenfalls überzeugt davon, dass Gott im Himmel ist und für ihn ist direkt klar, dass der Schäfer nicht Gott sein kann. Seiner Vorstellung nach hat Gott keinen Körper, denn sonst würde er ja vom Himmel runter fallen.

Auch sprachlich kann das Buch überzeugen. Mich persönlich nervt nur, dass vor Gott meistens das Adjektiv „lieb“ gesetzt wird. Das wird meiner Meinung nach hier ein wenig übertrieben. Manchmal muss man sich sehr konzentrieren um genau zu verstehen, was jetzt Kalle und was Friedrich macht, aber insgesamt kann man der Geschichte gut folgen. Dadurch dass eine recht große Schriftart gewählt und die Geschichte in Kapitel eingeteilt wurde, können sich auch Erstleser schon an dieses Buch heranwagen. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass man das Buch in einer Gruppe einsetzt, z.B. im Kindergarten oder in der Schule, in der man über Gott und Gottesvorstellungen sprechen möchte.

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Lieber Gott, wo steckst denn du? von Pebby Art, Amazon Distribution 2014, ISBN: 978-1497545847, 5,95€