Ein Treffen mit Karl der Kleine-Autor Alfred Neuwald

Weihnachten ist nun schon seit etwa einem Monat vorbei und die letzten Lebkuchen dürften wohl aufgegessen sein, aber in Aachen muss man dennoch nicht auf sie verzichten. Hier gibt es nämlich ein Gebäck namens Printe, welche das ganze Jahr in den Bäckereien erhältlich ist. Was eine Printe ist? Am besten erklärt man es wohl mit einem ganzjährigen Lebkuchen, was es tatsächlich ist, kann man nur durch einen eigenen Geschmackstest erfahren. Ich kenne viele Menschen, die Printen nicht wirklich mögen, aber es gibt auch welche, die dieses Gebäck lieben.

Im letzten Jahr traf ich Alfred Neuwald in Aachen und nicht nur er selbst isst sehr gerne Printen, sondern auch eine Figur aus einem seiner Bücher: Karl der Kleine. Im Herbst brachte Alfred Neuwald unter dem Namen Neufred den neusten Comic von Karl dem Kleinen heraus: Die Printe des Teufels.

Die Printe des Teufels

Damit es Karl dem Kleinen gut geht, braucht er unbedingt eine Printe, doch alle Printen sind ausverkauft. Da bietet ihm der Teufel die größte Printe der Welt an, wofür er natürlich Karls Seele haben möchte. Allerdings legt der Teufel Karl einen falschen Vertrag vor, so dass dieser in die Vergangenheit, ins 17. Jahrhundert verbannt wird. Nun hat er die Möglichkeit an das Rezept für die Printen zu gelangen, was der Teufel verhindern möchte, so dass er ein Feuer legt. Schon bald brennt beinahe die ganze Stadt…

Mein Sohn liebt die Comics von Karl dem Kleinen, auch wenn er vielleicht nicht alles darin versteht, wobei sich „Die Printe des Teufels“ auch schon gut für Grundschulkinder eignet. Die ersten Comics, die nur in Aachen erhältlich sind, enthalten deutlich mehr geschichtliche Bezüge. Den neuen Comic hat Alfred Neuwald im eigenen, neu gegründeten Verlag Granus herausgebracht. Das Buch, welches durch den Teufel märchenhafter als die vorherigen Bücher ist, ist in ganz Deutschland erhältlich, was ich toll finde.

Entstehung des Comics

In den Büchern steckt jede Menge Recherche, denn auch die Stadtgeschichte spielt in dem Buch eine Rolle. Alfred Neuwald berichtete, wie viel Spaß ihm die Recherchen machten, wobei der große Stadtbrand eher zufällig zum Thema des Buches wurde.

Alfred Neuwald hatte noch einige Comicstrips, aus denen er gerne ein Buch machen wollte. Dabei kam ihm die Idee eine Art Marshmallow-Man in Form einer Printe durch Aachen laufen zu lassen. Dann fiel im allerdings eine Broschüre mit dem Stadtbrand in die Hände, die er schon seit einigen Jahren besaß und er merkte schnell, dass man aus der Sache deutlich mehr machen konnte. Hinzu kommen dann noch ein, zwei Aachener Legenden.

Karl der Kleine ist momentan Alfred Neuwalds Lieblingsprojekt. Er hat schon früher an Comicprojekten gearbeitet, allerdings war er da nur für die Illustrationen zuständig. Nun schreibt er auch die Texte selber, was ihm noch mehr Spaß macht. Und ich finde, dass man es seinen Büchern auch anmerkt, welche Freude darin steckt – neben all der Arbeit natürlich. Das Buch enthält rund 200 Bilder, an denen er etwa ein Jahr saß. Normalerweise arbeitet er zunächst an den Bildern, die ihm besonders viel Spaß machen, doch dieses Mal ist Alfred Neuwald anders vorgegangen. Er wollte mit den schwierigen Sachen beginnen, wozu die Riesenprinte gehörte. Ich fand es jedenfalls sehr interessant zu hören, dass er bei dem Buch nicht der Reihe nach gegangen ist. Auch sehr spannend sind die Bilder, auf denen seine Töchter kurz zu sehen sind und dabei genau die von den Töchtern gewünschte Kleidung tragen. Das macht das Buch einerseits für die Familie besonders wertvoll, zeigt andererseits aber auch die Leidenschaft, die in diesem Buch steckt. Im Übrigen kamen von einer der Töchter auch entscheidende Hinweise zur Gestaltung der Riesenprinte. So konnte Alfred Neuwald das Problem dieses Bildes mit gutem Gefühl lösen und sich anschließend an die anderen Bilder machen.

Pixibücher von Alfred Neuwald

Alfred Neuwald produziert nicht nur tolle Comics, sondern er ist auch Pixibuchautor, wobei er in letzter Zeit deutlich weniger Pixibücher gemacht hat. Viele von euch kennen sicherlich Pixibücher von ihm. Eine seiner liebsten Projekte waren zum Beispiel die Pixibücher rund um Kapitän Sternhagel. Bücherwürmchen hat lange Zeit das Pixibuch „Der wilde Klaus“ geliebt – auch dieses ist von Alfred Neuwald. Eigentlich ist es doch schade, dass man bei Pixibüchern häufig gar nicht wahrnimmt, wer sie eigentlich geschrieben hat. Nun ja, mittlerweile achte ich immer mehr darauf und freue mich dann, wenn ich wieder einmal feststelle, dass ich ein Pixibuch von Alfred Neuwald in der Hand halte. Er erzählte auch, dass seine Pixibücher weltweit verkauft würden. Da die ausländischen Rechte oft auf der Buchmesse verhandelt werden, war dies dann immer ein nettes Weihnachtsgeld. Auch hier habe ich wieder etwas dazu gelernt. Dass es Pixibücher tatsächlich rund um die Welt gibt, war mir so nicht bewusst.

Karl der Kleine war im Übrigen auch zunächst eine Idee für ein Pixibuch. Dazu ist es nicht gekommen, aber dafür gibt es nun ganze Comics von ihm.

Vom Comicfan zum Comicautor

Im Gegensatz zu mir ist Alfred Neuwald ein richtiger Comicfan (insbesondere frankobelgische Comics), aber nun, wo ich ihn als Autor und Illustrator kennen gelernt habe, liegt mir sehr daran, zumindest seine Karl-Comics zu lesen. Vielleicht bekomme ich auf diese Weise doch noch einen Zugang zu Comics, wobei wir auch festgestellt haben, dass man das Comic lesen auch lernen muss. Nicht jeder kann einen Comic lesen und kommt mit der Gestaltung der Seiten klar. Wenn man nicht mit Comics aufgewachsen ist, beginnt man selten später damit Comics zu lesen. Das kann ich auf jeden Fall bestätigen. Es gibt einige Comics, die mich durchaus interessieren würden, aber eine richtige Leidenschaft entsteht bei mir nicht. Interessanterweise durfte Alfred Neuwald selbst als Kind keine Comics lesen und musste diese unter dem Pullover ins Haus schmuggeln, wurde dann letztendlich von seinem Vater aber doch sehr unterstützt, als er Trickfilme machen wollte. Welch ein Glück, denn so ist er letztendlich auch zum Comiczeichner geworden und wir dürfen nun seine tollen Bücher, die Spaß machen, gut zu lesen sind und Wissen vermitteln, in den Händen halten.

Hier findet ihr die Facebookseite von Karl dem Kleinen: https://www.facebook.com/KarlderKleineComic

Und dies ist die Internetseite von Alfred Neuwald: http://alfred-neuwald.com/

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Messe-Highlights: Kirsten Boie und Paul Maar

Der Oetinger Verlag hat mir zwei Highlights auf der Frankfurter Buchmesse (HIER geht es  zu meinem Bericht Teil 1) beschert:

Ich durfte mich in einem Gespräch mit drei anderen Bloggerinnen (Mom’s Favorites and more, KinderwärtsKleine Familienwelt) mit Kirsten Boie (u.a. Erstlesegeschichten über „King-Kong“, „Die Kinder aus dem Möwenweg“, „Seeräubermoses“, „Ritter Trenk“, „Thabo“) austauschen. Was für eine Gelegenheit und was für ein Erlebnis! Außerdem hat Paul Maar (u.a. „Das Sams“) zu Beginn des Oetinger Blogger-Events gesprochen. Wie schön, dass ich ihn auf diese Art kennen lernen durfte. Vielen Dank, lieber Oetinger Verlag, für diese beiden unglaublichen Erlebnisse, über die ich nun ein wenig berichten möchte.

Mit Kirsten Boie haben wir uns ganz locker über die verschiedensten Themen unterhalten: Lesen, Kinder heute und früher, Afrika, das Schreiben von Büchern und vieles mehr. Kirsten Boie ist nicht nur eine richtig gute Kinderbuchautorin, sondern auch eine überaus sympathische Frau. Und wieder einmal stelle ich fest, dass hinter guten Kinderbüchern, die die Kinder und auch die Erwachsenen richtig ansprechen und sie über Jahre hinweg begleiten, tolle Menschen stecken, die nicht einfach nur schreiben, sondern die etwas vermitteln möchten, die etwas zu sagen haben und die sich engagieren.

Möwenweg-Stiftung: Bälle für Afrika

Kirsten Boie hat eine Reihe über Thabo geschrieben, die in Afrika spielt. Ich habe euch den letzten Band der Reihe bereits vorgestellt. Es ist ein spannendes, mitreißendes Buch mit sympathischen Charakteren und es kommt nur deshalb so authentisch herüber, da Kirsten Boie selbst viel in Swasiland unterwegs ist und dort unter den Menschen lebt. Sie hat das Land und die Menschen dort richtig kennen gelernt und sie liegen ihr wirklich sehr am Herzen. Es ist toll zu spüren, mit welchem Engagement, sie sich für die Menschen und insbesondere die Kinder dort einsetzt. Mit der Möwenweg-Stiftung unterstützt sie in Swasiland die Neighbourhood Carepoints, in der Waisenkinder von ehrenamtlichen Frauen betreut werden. Diese Frauen leisten wunderbare Arbeit, wie uns Kirsten Boie auch in unterschiedlichen Videos zeigen konnte, aber leider mangelt es an vielen Materialien, die praktisch nicht vorhanden sind. Wenn die Frauen eine Wunschliste für ihre Arbeit schreiben dürften, dann ständen dort Zeichenpapier und Bälle drauf. Ja, Bälle sind eine große Kostbarkeit für die Kinder in Swasiland, was auch in dem dritten Thabo-Band sehr eindrücklich geschildert wird. Wäre es nicht toll, wenn alle Kinder wenigstens die Möglichkeit hätten mit Bällen zu spielen? Sollten wir, bei denen es keinen interessiert, wenn ein Ball mal über eine Hecke fliegt und nicht wieder auffindbar ist, nicht in der Lage sein, diesen Herzenswunsch der Kinder zu erfüllen? Dafür reicht es aus, wenn jeder nur eine kleine Spende unter dem Stichwort „Bälle für Afrika“ an die Möwenweg-Stiftung einreicht. Macht doch alle mit! (Möwenweg-Stiftung, IBAN: DE10700205005020204000, BIC: BFSWDE33MUE, Bank für Sozialwirtschaft).

Schreiben ohne nachzudenken

Das Projekt liegt Kirsten Boie sehr am Herzen, aber wir haben uns natürlich auch über andere Themen unterhalten, bei denen Lesen und Bücher im Vordergrund standen. Es war sehr interessant zu erfahren, wie Kirsten Boie ihre Bücher schreibt. Ich glaube, sie ist eine so gute Schriftstellerin, da sie beim Schreiben nicht nachdenken muss. Sie schilderte diesen Vorgang so, als würde sie den Text aus ihrem Kopf abschreiben. Er fliegt ihr also quasi zu. Und dies ist doch eigentlich ein Zeichen dafür, dass das Schreiben ihre Berufung ist.

Am liebsten arbeitet Kirsten Boie vormittags, aber nicht immer hat sie Lust dazu zu schreiben. Sie liest sich zunächst durch, was sie am Tag vorher geschrieben hat und dann rutscht sie in die Geschichte hinein.

Kinder und Bücher

Ich wollte gerne wissen, ob sich etwas bei den Kindern geändert hat bzw. ob Kinder heute anders bei Lesungen sind als früher. Natürlich kann man so etwas nicht verallgemeinern, aber Kirsten Boies Beobachtung ist, dass die Schere weiter auseinander geht. Auf der einen Seite gibt es mehr Kinder, die vom Vorlesen gar nicht genug bekommen und die stundenlang zuhören können und auf der anderen Seite gibt es leider auch Kinder, denen bis zur Schule kein Buch begegnet ist. Es ist wichtig, dass für diese Kinder etwas getan wird. Für Kinder, die gerne lesen und die schon früh in Kontakt mit Büchern gekommen sind, gibt es immer Bücher. Anders ist dies bei Kindern, für die der Einstieg schwer ist. Hier sind schnellere Handlungsschritte und mehr Handlung, wie sie es z.B. aus dem Fernsehen gewohnt sind, nötig.

Auch die Schwierigkeit gute Erstlesebücher zu schreiben wurde angesprochen. Diese sollen natürlich inhaltlich spannend sein, während sie dennoch leicht zu lesen sein müssen. Aber auch wenn es gute Erstlesebücher gibt, sollte man das Vorlesen auch bei Grundschülern nicht vernachlässigen. Es ist so wichtig, dass Kinder in Geschichten eintauchen können und mehrere Tage immer wieder eine Fortsetzung einer solchen Geschichte erfahren können. Hier sind Vorleser von Nöten, denn es dauert lange bis Kindern das Selberlesen, welches zunächst eine große Anstrengung ist, Spaß macht.

Das Gespräch war äußerst interessant und wirklich ein ganz tolles Erlebnis. Ich habe Kirsten Boie als einen sehr sympathischen und engagierten Menschen erlebt. Ihre Bücher habe ich schon immer sehr gerne gelesen, aber nun, wo ich den Menschen dahinter kenne, werden sie noch mehr zu kleinen Schätzen für mich.

Beim Blogger-Event vom Oetinger Verlag durften wir Paul Maar begrüßen. Und das war auch richtig toll, denn er war ebenfalls überaus sympathisch und hat herrlich mitreißend vom Sams und seiner Arbeit als Autor erzählt: Wie ist das Sams entstanden? Wie arbeitet er? Was hält er von den neuen Illustrationen? Paul Maar gab uns überall zu gerne und ausführlich Auskunft.

Nachts kommen die besten Ideen

Nachts gegen 3 Uhr wacht Paul Maar meistens auf und bleibt dann für eine halbe Stunde wach. In dieser Zeit kommen ihm die besten Ideen – so auch die vom Sams. Eigentlich ging es jedoch im ersten Band gar nicht um das Sams, sondern vielmehr um Herrn Taschenbeier. Als Kind kannte Paul Maar einen Mann, der so angepasst und unsicher war wie Herr Taschenbier zu Beginn der Reihe. Es war ein netter Mann, der gut mit Kindern reden konnte, der aber nicht richtig zufrieden war. Als Kind konnte Paul Maar ihm nicht mehr Lebensfreude schenken, aber als Erwachsener konnte er ihm einen witzigen Gegenpart geben: Das Sams!

Neue Sams-Illustrationen

Das Sams entstand bereits in den 70er Jahren. Damals war ein Farbdruck sehr teuer. Das hat sich mittlerweile geändert und die meisten Kinderbücher haben farbige Illustrationen. So kennen es die Kinder heute. Da wäre es vielleicht auch angebracht, in den Sams-Büchern farbige Bilder zu bringen. Es würde Paul Maar jedoch über ein Jahr Zeit kosten alle Bilder in Farbe neu anzufertigen, so dass er sich eine andere Illustratorin gewünscht hat. Ihm gefallen die Bilder von Nina Dulleck, aber dennoch ist es nicht so ganz „sein Sams“. Und genauso geht es wohl vielen Erwachsenen. Erwachsene greifen gerne noch nach den alten Ausgaben, die übrigens weiterhin erhältlich sind, während Kinder wohl die neuen Illustrationen schöner finden.

Sehr spannend fände ich es, mal in eine der vielen Übersetzungen des Sams hineinzuschauen. Es ist gar nicht so einfach, dass Sams zu übersetzen, dessen Name ja mit der Sprache spielt. Ich wüsste gerne mal, wie der Übersetzer ins Arabische das hinbekommen hat, denn Paul Maar erzählte uns, dass dort die Wochentage einfach „Erster Tag“, „Zweiter Tag“, „Dritter Tag“ etc. heißen.

Das Sams feiert Weihnachten“ ist das neuste Sams-Buch von Paul Maar, aber ist es auch sein letztes? Er sagt: „Das ist jetzt der letzte Band!“ Aber das hat er nach jedem Band gesagt…

Ich bin dem Oetinger Verlag sehr dankbar dafür, dass ich Paul Maar bei diesem Event hören durfte. Es war richtig interessant und ich finde auch Paul Maar unglaublich sympathisch! Natürlich haben wir uns auch gleich mal das neue Sams Buch gekauft und ein Autogramm von Paul Maar haben wir auch bekommen.

Mein Sohn hat übrigens auf seinem Blog bereits etwas über das erste Sams-Buch geschrieben.

Der Mensch hinter der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren

Wie ihr ja bereits wisst, bin ich ein großer Fan der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und ich lese nicht nur ihre Bücher, sondern auch vieles, was über sie und ihre Werke geschrieben wird. Besonders berührt hat mich ganz aktuell das Buch „Astrid Lindgren. Ihr Leben“, welches ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und in einem Rutsch durchlas. Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Person Astrid Lindgren. Es wird von ihrem Leben berichtet, welches von ihrer Arbeit und ihren Büchern flankiert wird. Natürlich stellt uns dieses Buch keine völlig neue Astrid Lindgren vor und viele Informationen kommen einem bekannt vor, aber hier werden häufig andere Quellen genutzt und andere Sichtweisen werden eingenommen, so dass sich dieses Buch auch für alle lohnt, die schon viel über Astrid Lindgren gelesen haben. Besonders gut gefällt mir, dass hier wirklich der Mensch Astrid Lindgren im Fokus steht. Man erfährt sehr viel privates, wobei der Blick nicht sensationslüstern ist, sondern immer respektvoll. Auch wenn man in dem Buch Schwächen von ihr kennen lernt, bleibt sie weiterhin oder vielleicht sogar erst rech ein wunderbarer Mensch mit besonderem Talent. In ihrer Art, die Sichtweise der Kinder einzunehmen, diese ernst zunehmen und sich auf Urbedürfnisse und –gefühle zu besinnen, liegt wohl ein Teil ihres Erfolgs begründet.

Das Buch stimmt allerdings auch traurig. Astrid Lindgren hat ihren Sohn, den sie unverheiratet mit 19 Jahren bekam, in den ersten Jahren zu einer Pflegemutter in Dänemark gegeben. Gerade diesem Thema wird in diesem Buch (im Gegensatz zu vielen früheren Büchern über Astrid Lindgren, in denen man kaum etwas zu diesem Lebensabschnitt erfährt) viel Raum gegeben. Beim Lesen wünscht man sich, dass Astrid Lindgren diese schmerzvollen Erfahrungen nicht hätte machen müssen. Gleichzeitig kommt dabei eine Botschaft ganz klar bei einem an: Gebt euren Kindern Liebe, schenkt ihnen Zeit und nehmt sie und ihre Gefühle ernst.

Das Buch rüttelt einen mehr auf, als es jeder Erziehungsratgeber könnte. Es berührt einen, denn für dieses Buch gilt das gleiche wie für die Werke der Autorin: Es spricht Emotionen und Bedürfnisse an, die das Leben ausmachen.

In dem Buch dürfen wir ein wenig vom Wesen Astrid Lindgrens lesen, ihre Menschlichkeit erleben, ihren Wunsch nach Ruhe und Einsamkeit spüren und ihre Sehnsucht nach ihrem abgegebenen Kind erleiden, eine Sehnsucht, die sich in dem Wunsch ausdrückt, dass alle Kinder ein liebevolles Zuhause haben.

Bei der Lektüre blutet wohl jeder liebenden Mutter das Herz, aber dennoch verurteilt man Astrid Lindgren nicht für ihre Handlungen, die sie selbst kritisch sah. Man liest von ihrer Notsituation, findet sie schrecklich und weint um Astrid Lindgren und ihren kleinen Sohn und wieder einmal wird einem bewusst, dass man Menschen, die nicht mit ihrem Kind zusammenleben können nicht einfach so verurteilen darf, auch wenn man eine solche Entscheidung in der eigenen Luxusposition nicht nachvollziehen kann. Viel mehr muss man alle Menschen bedauern, die sich scheinbar in einer aussichtslosen Situation befinden und hoffen, dass die Kinder dennoch Liebe erfahren und sie in einem geborgenen Zuhause aufwachsen dürfen. Astrid Lindgrens kleiner Lasse hat es immer gut gehabt, aber dennoch musste er oft Abschied nehmen, sich in ein neues Zuhause einfachen und die Angst verlassen zu werden überwinden. Nein, er hatte keinen einfachen Start ins Leben, aber auch mit der Mutter, die ihr Kind von Anfang an geliebt hat und keine andere Möglichkeit sah, leide ich von ganzem Herzen mit. Welch schlimme Stunden muss sie, die von sich selbst sagte, dass sie nur ihre Kinder geliebt hat, alleine in Stockholm, ohne ihren kleinen Lasse, erlebt haben? Man kann es nur erahnen.

Das Buch zeichnet ein sehr menschliches Bild von Astrid Lindgren. Ihr Talent und ihr Erfolg kommen zur Sprache, aber immer wieder wird vor allem auch hinter die Kulissen geschaut und man erfährt interessante Hintergründe und Motivationen zu ihren Werken. Darüber hinaus dürfen wir in viele persönliche Briefe an und von befreundeten Personen hineinschnuppern. Außerdem enthält das Buch viele schöne Bilder.

Etwas schade finde ich es, dass der Originaltitel geändert wurde, denn immerhin handelt es sich hier um ein Zitat, welches Astrid Lindgren viel bedeutete und welches sie im Buch „Ferien auf Saltkrokan“ verwendet hat: Dieser Tag, ein Leben. Leider wurden in dem Buch (zumindest in der ins deutsche übersetzten Ausgabe) ein paar Namen verwechselt, aber das ist letztendlich bei diesem großartigen Buch zu vernachlässigen. Ich kann es jedem, der sich ein kleines bisschen für Astrid Lindgren interessiert, nur empfehlen. Aber es ist auch ein Buch für jeden, der sich für Kinderliteratur, für die gesellschaftliche Entwicklung in Schweden und für Eltern-Kind-Themen interessiert.

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Astrid Lindgren. Ihr Leben von Jens Andersen, übersetzt von Ulrich Sonnenberg, Deutsch Verlags-Anstalt, ISBN: 978-3-421-04703-8, 26,99€

Was macht AutorInnen erfolgreich?

Vor ein paar Tagen habe ich mir im Internet auf der Seite vom schwedischen Fernsehen SVT ein Interview mit Gunilla Bergström, der Autorin von Willi Wiberg (bzw. Alfons Ǻberg wie er im Original heißt) angeschaut. Und dabei habe ich mich gefragt, warum es so viele tolle Kinder- und Bilderbücher aus Schweden gibt, die Kinder seit Jahren begeistern, wobei ich in erster Linie an die Bücher von Astrid Lindgren und an die von Gunilla Bergström gedacht habe. Hinzu kommen dann natürlich noch Autoren wie Sven Nordqvist, Elsa Beskow, Barbro Lindgren und einige andere… Auf die möchte ich jetzt jedoch nicht eingehen, da ich mich mit diesen Autoren bisher nicht beschäftigt habe. Zurück also zu Astrid Lindgren und in diesem Fall zu allem zu Gunilla Bergström . Für mich gibt es mehrere Gründe für ihren Erflog.

Astrid Lindgrens Persönlichkeit hat mich schon seit langem beeindruckt und auch Gunilla Bergström war mir in dem Interview überaus sympathisch. Man konnte gut heraus hören, dass sie das, worüber sie schreibt ernst nimmt. Auf die Frage, ob sie mit ihren Büchern eine gewisse Verantwortung hätte, antwortete sie, dass sie sich selbst gegenüber ehrlich bleiben wolle. Durch ihre Bücher und insbesondere durch das Zeichnen der Bilder beantworte sie sich selbst Fragen über das Leben, die sie bewegen würden. Sie schreibt also über das wahre Leben, über existenzielle Dinge, über echte Probleme und Gefühle. Für sie gibt es grundsätzlich keine Tabuthemen für Kinder, auch der Tod dürfe in einem Kinderbuch behandelt werden. Und genau das ist es, was Kinder auch spüren. Es geht um Dinge, die sie wirklich interessieren und die etwas mit ihnen und dem Leben zu tun haben. Die Bücher sind authentisch und glaubwürdig, u.a. sicherlich auch dadurch, dass eben nicht alles pädagogisch perfekt ist, was Kritiker Gunilla Bergström natürlich vorwerfen. Was ist das für ein Kinderbuch, in dem der Vater Pfeife raucht? So jemand kann doch kein Vorbild für kleine Leser sein. Und dann bekommt Willi auch noch nach dem Zähne putzen ein Glas Saft. Unerhört! So gehen doch die Zähne kaputt! Wenn das jetzt alle Kinder nachmachen würden!

Meine Güte, man kann sich scheinbar über alles aufregen. Der Vater soll laut Gunilla Bergström gar kein Vorbild, sondern eine glaubhafte Person sein und Personen sind nun mal nicht perfekt. Auch Erwachsene haben ihre Fehler. Und meine Meinung zu diesen Kritiken ist, dass Bilderbücher Kinder auch nicht erziehen, sondern Spaß machen sollen. Außerdem gucken sich Kinder diese Bücher gemeinsam mit einem Erwachsenen an, so dass man über diese Dinge mit seinem Kind ja auch reden kann.

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Übrigens war Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf natürlich noch viel mehr Kritik ausgesetzt. Nicht auszudenken auf was für Ideen Kinder durch so eine freche Göre kommen könnten! Zum Glück haben sich aber Eltern und vor allem die Kinder durchgesetzt – sie lesen was ihnen Spaß macht, was sie berührt und was sie etwas angeht! Und was irgendwelche Kritiker dazu sagen, ist ihnen dabei ganz egal.

Ähnlich wie Gunilla Bergström, die in ihren Büchern ihrer eigenen Suche nach dem, was das Leben ausmacht, nachgeht, schrieb auch Astrid Lindgren erst einmal für das Kind in sich. Vor ihr selbst mussten ihre Werke bestehen. Sie schrieben und schreiben für sich und erreichen damit ein großes Publikum, denn letztendlich haben alle Menschen ähnliche Fragen, Gefühle und Bedürfnisse.

Astrid Lindgren und Gunilla Bergström nehmen das Schreiben, die Menschen und die Kinder ernst. Sie sind neugierig auf das Leben und auf die Menschen. Gunilla Bergström sagt von sich selbst, dass sie sich für den Menschen interessiert. Sie möchte alles wissen, vor allem die Wahrheit, und das gibt sie an ihre Leser weiter.

Sowohl Astrid Lindgren als auch Gunilla Bergström haben aber auch die Schattenseiten des Lebens kennengelernt. Während Astrid Lindgrens Sohn in den ersten Jahren in einer Pflegefamilie aufwuchs und bereits viele Jahre vor ihr selbst verstarb, kämpft Gunilla Bergström mit Depressionen. Außerdem musste sie lernen, damit umzugehen, dass ihre Tochter eine Behinderung hat. Damals wusste man nur wenig über Autismus und Entwicklungsstörungen und so machte sie sich selbst Vorwürfe, wurde von anderen komisch angeguckt und konnte erst später einsehen, dass es das wichtigste ist, dass ihre Tochter glücklich ist und man die Dinge nicht nur von außen und nach irgendwelchen Normen beurteilen kann.

Solche Erfahrungen prägen. Sie prägen einen als Menschen, aber auch als Autoren, denn nur wer die verschiedenen Seiten des Lebens kennen gelernt hat, kann über das Leben auch authentisch schreiben.

Im Übrigen sagte Astrid Lindgren selbst, dass sie wohl auch ohne die Erlebnisse mit ihrem Sohn, eine Schriftstellerin geworden wäre, aber wohl keine berühmte…

Für mich steht jedenfalls fest, dass Astrid Lindgren und Gunilla Bergström interessante und sympathische Persönlichkeiten waren und sind und dass sie wunderbare Bücher für Kinder geschrieben haben, die nicht nur Generationen, sondern auch Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen miteinander verbinden. Denn sowohl die Bücher von Astrid Lindgren als auch die über Willi Wiberg werden schon seit vielen Jahren in den verschiedensten Sprachen und Ländern immer und immer wieder gelesen.

Jedem der schwedisch kann, kann ich das Interview mit Gunilla Bergström, welches noch bis nächstes Jahr im Internet verfügbar ist, empfehlen. Ich fand es jedenfalls sehr interessant.