Rezension: Die Geschichte von Nathan dem Weisen

Ich mag es, wenn Kindern altersgerecht alte Geschichten und Klassiker vermittelt werden. Uns so war ich auch sehr neugierig auf das Bilderbuch „Die Geschichte von Nathan dem Weisen – Die Ringparabel neu erzählt“.

Hier geht es um die Begegnung von Nathan dem Weisen mit dem Sultan, bei der der Sultan Nathan nach der wahren Religion fragt. Statt einer Antwort erzählt Nathan die Ringparabel: Ein Vater mit drei Söhnen hat nur einen einzigen besonderen Ring zu vererben. Er fertigt Kopien an, so dass jeder Sohn einen Ring erhält von dem er annimmt, dass es der echte ist.

Die Ringparabel ist ein Aufruf zum Frieden und zur Toleranz und somit ein wichtiger Denkimpuls in der heutigen Zeit, in der Andersgläubigen häufig mit viel Skepsis und Argwohn und teils sogar mit Hass begegnet wird.

Die Geschichte ist nicht ganz einfach, kann aber von Kindern ab dem Grundschulalter gut verstanden werden. Ich denke aber, dass es wichtig ist, mit Kindern über den Inhalt zu sprechen und noch mal zusammenzufassen, worum es eigentlich geht.

Schön gestaltetes Bilderbuch

Sprachlich erinnert die Erzählung an ein Märchen. Sicherlich wird auch nicht jedes Wort von Kindern verstanden, aber das macht nichts, denn die Botschaft kommt am Ende an.

Durch die Sprache und die schönen Bilder, die einen in die Welt des Sultans entführen, ist das Bilderbuch sehr beeindruckend. Man spürt, dass es sich um eine besondere Geschichte handelt. Es ist ein Buch, welches man gerne in den Händen hält und mit dem man Kindern gerne die Ringparabel nahe bringt. Selbstverständlich ist dieses Buch auch gut für den Grundschulunterricht geeignet. Für deutlich jüngere Kinder ist es eher schwierig. Allein das Thema Religion ist für Kindergartenkinder nicht unbedingt greifbar und es ist schon recht viel verlangt, wenn sie den Transfer von der Ringparabel leisten müssen. Sollten sie jedoch bereits Interesse an diesem Thema zeigen und bereits viel Kontakt zu Menschen unterschiedlichen Glaubens haben, so kann man das Buch auch schon mit Vorschulkindern betrachten und über die Thematik sprechen.

Die Geschichte von Nathan dem Weisen – Die Ringparabel neu erzählt von Max Bolliger und Giuliano Ferri, Herder Verlag, ISBN: 978-3-451-71397-2, 14,99€

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Rezension: Pinipas Abenteuer

Kennt ihr schon die geheime Freundin von Greta? Sie heißt Pinipa und erlebt gerne Abenteuer. Im ersten Buch über sie reist sie als Seifenblasenpilotin und Papierschiffmatrosin einmal durch ganz Deutschland und lernt dabei einiges kennen.

Das Buch „Pinipas Abenteuer – Eine phantastische Deutschlandreise als Seifenblasenpilotin und Papierschiffmatrosin“ hat direkt einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht.  Es wirkt bereits beim ersten Durchblättern hochwertig und ansprechend. Die Bilder sind witzig, fröhlich und bunt, aber keineswegs kitschig oder billig. Die Farben wirken angenehm und man kann natürlich auch Orte und Gegenden aus Deutschland an Landschaften und Gebäuden gut erkennen. Die Bilder machen Lust darauf, das Buch genauer anzuschauen und auch das Thema Deutschlandreise klingt verlockend.

Für ein Bilderbuch enthält das Buch sehr viel Text, aber es ist ein Buch, welches man Grundschulkindern prima vorlesen kann. Die Überschriften sehen mit ihrer künstlerischen Schriftart nett aus, aber ich finde sie eher etwas irritierend, insbesondere weil sie Leseanfängern, die vielleicht schon mal die eine oder andere Stelle mitlesen möchten, das Lesen erschweren.

Informative und spannende Geschichten

Die Geschichte liest sich sehr gut. Auch hier merkt man die Qualität des Buches. In einer Seifenblase und später in einem Papierschiff reist Pinipa durch Deutschland und entdeckt dabei ein paar ausgewählte Orte Deutschlands über die man in dem Buch ein wenig erfährt. Es geht hier nicht in Details, aber dennoch bekommt man ein paar Informationen vermittelt. Vor allem verfolgt man auf der Reise einige Deutschlandrekorde: Unter anderem der größte Hafen, die größte Insel, die größte Stadt, der höchste Berg, der größte See und der längste Fluss. Ich vermute, dass dadurch die Reiseroute bestimmt wurde, aber ich weiß letztendlich nicht, nach welchen Gesichtspunkten die Reisestationen ausgesucht wurden. Es gibt auch Episoden, bei denen es sich mir gar nicht erschließt, warum sie in dem Abenteuer vorkommen. Neben diesen Fakten kommen aber auch Legenden und Sagen sowie Dialekte und Bräuche in dem Buch vor. Insgesamt erfährt man also doch einiges über Deutschland und man wird dazu angeregt sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Das Ganze ist in eine spannende Reise verpackt. Pinipa ist sympathisch und trifft auf ihrer Reise auf die unterschiedlichsten Figuren, mit denen sie sich gerne austauscht.

Uns hat das Buch gut gefallen. Ich habe es meinem Sohn in einem Rutsch vorgelesen und wir lesen gerade schon das zweite Abenteuer von Pinipa, welches ich euch natürlich auch noch vorstellen werde.

Pinipas Abenteuer – Eine phantastische Deutschlandreise als Seifenblasenpilotin und Papierschiffmatrosin von Martin Grolms und Annika Kuhn, Gruhnling Verlag, ISBN: 978-3-00-047832-1, 15,90€

Adventskalender – Jonathan auf dem Weg nach Bethlehem

Ich habe euch gerade den Pixi-Adventskalender mit 24 Pixi-Büchern vorgestellt und heute stelle ich euch noch eine andere Art von Adventskalender vor, denn ein Adventskalender zum Vorlesen gehört für mich in der Adventszeit auf jeden Fall dazu. Besonders schön finde ich hier die Kalender aus dem Kaufmann Verlag, denn sie beinhalten neben der Geschichte häufig noch ein Extra. Dies kann ein dazugehöriges Poster sein, ein Fensterbild, welches nach und nach entsteht oder auch Figuren zum Basteln.

Besonders schön finde ich es, wenn es in der Geschichte um die biblische Weihnachtsgeschichte geht und so werden wir dieses Jahr „Jonathan auf dem Weg nach Bethlehem“ vorlesen – „Ein Adventskalender zum Vorlesen und Basteln“. Das Schöne hier ist, dass man am Ende eine ganze Krippenszene gebastelt hat. Jeden Tag kommt eine Figur oder ein Gebäude hinzu, welches sich recht einfach basteln lässt. Andernfalls wäre einem das Ganze ja vielleicht auch lästig, denn immerhin soll die Lust daran 24 Tage erhalten bleiben. Im Prinzip muss immer nur die Vorder- und Rückseite einer Figur ausgeschnitten, zusammengefaltet und zusammengeklebt werden. Damit alles besser steht, gibt es zusätzlich eine Bodenverstärkung. Ab und zu müssen auch mehrere Teile verschiedener Tage zusammengefügt werden, aber dann erhält man eine weitere Anleitung.

In dieser Geschichte erleben wir die Weihnachtsgeschichte mit dem Hirtenjungen Jonathan, der in den Bergen von Galiläa die Schafe eines reichen Bauern hütet. Die Arbeit ist sehr hart und Jonathan träumt davon mehr von der Welt zu sehen als die Schafweiden oben in den Bergen. Doch Jonathan träumt nicht nur, er macht sich auf den Weg nach Jerusalem. Auf seinem Weg begegnet er verschiedenen Menschen, die ihm neue Dinge zeigen und ihm helfen, während er sich ebenfalls hilfsbereit zeigt. Dabei kommt es auch zu einer Begegnung mit dem Zimmermann Josef, dem er hilft ein Haus zu bauen. Schließlich gelangt er nach Jerusalem, wo er der Bote eines reichen Mannes wird. Auch wenn es durch Träume und Begegnungen bereits angedeutet wurde, kommt das Ende ein wenig plötzlich: Jonathan sieht den Königsstern und er geht zum Kind in dem Stall.

Es ist schön, dass es hier zwar um die biblische Weihnachtsgeschichte geht, dass aber erst einmal Jonathans Reise und seine Stationen, die zunächst gar nicht das Kind im Stall als Ziel haben, im Vordergrund stehen. So langweilen sich auch Kinder nicht, die die Weihnachtsgeschichte bereits gut kennen. Die einzelnen Kapitel sind ziemlich kurz. Möglicherweise werden Kinder, die lange Vorlesegeschichten enttäuscht sind, wenn täglich nur eine kurze Sequenz vorgelesen wird, aber so hat man auf jeden Fall gut die Möglichkeit auch den ganzen Kalender in der Adventszeit zu lesen – selbst wenn man mal einen Tag nicht zum Lesen kommen sollte. Und wer gerne mehr lesen möchte, greift dann eben zusätzlich noch zu anderen schönen Weihnachtsbüchern.

Mir gefällt es sehr gut, dass man anhand der Figuren und der anderen Teile die Geschichte die ganze Weihnachtszeit über nachvollziehen kann. Es ist schön, wenn die Geschichte die ganze Zeit über und nicht nur beim Vorlesen präsent ist. Auch an den Weihnachtstagen kann sie einen somit begleiten und die Kinder haben ihre eigene Weihnachtskrippe, die man natürlich auch in den nächsten Jahren noch aufstellen kann.

Jonathan auf dem Weg nach Bethlehem – Ein Adventskalender zum Vorlesen und Basteln von Renate Schupp und Milada Krautmann, Kaufmann Verlag, ISBN: 978-3-7806-0899-4, 14,95€

Rezension: Bummelkasten – Irgendwas Bestimmtes

Ihr habt keine Lust mehr auf Rolf Zuckowski und Co? Langweilige Kinderlieder mit immer gleichen Melodien und Texten nerven euch auf jeder Autofahrt? Dann hört doch mal in die CD „Irgendwas Bestimmtes“ von Bummelkasten hinein. Hier geht es etwas anders zu: Derber, witziger, schwungvoll. Absolut nicht für die Erziehung zu braven Kindern geeignet, aber genau das richtige für eine fröhliche Autofahrt für die ganze Familie, wobei die Texte eher für Kinder ab dem Grundschulalter geeignet sind. Für die Kleineren muss man dann vielleicht doch auf andere CDs zurückgreifen. Allerdings finden auch die Kleinen die Melodien auf dieser CD richtig klasse. Unser kleines Büchermäuschen wippt bei der CD immer direkt begeistert mit den Füßen im Takt.

Aber die Melodien machen auch wirklich richtig viel Spaß. Da bekommt man direkt gute Laune. Und besonders spannend finde ich wie diese Musik entstanden ist. Hinter Bummelkasten verbirgt sich ein Berliner Ein-Mann-Vokalensemble. Fast alles wird mit dem Mund kreiert – Laute und Gesang. Am Computer wird es dann zu dem speziellen Sound verarbeitet, der einfach etwas anderes ist, als die üblichen Kinderlieder-CDs.

Große Bandbreite an Themen

Die einzelnen Lieder sind ungewohnt lang. Thematisch geht es um alles Mögliche: Spannende Sachen werden bestellt und bereiten unterschiedlichen Personen Freude, Prinzessin Susi ist die härteste Prinzessin der Welt und statt Schmusi-schmusi „pullert“ sie in die Spree, aber es geht auch ums Wandern und der Suche nach dem WLAN, ums chronische euphorisch sein, das schon mal einen Salto aus dem ersten Stock mit sich bringt, einen Weltraumtrip von Shiny, der Lichterfee und das eigentlich traurige Schicksal des Schulhofschrecks Bulli Battmann. Hausmeister Klaus tritt auf und natürlich auch der Rolltreppenmax, der zu einem Youtube-Hit wurde. Witzig ist auch das Lied „Kommt ihr bitte“, in dem man das ständige Gerufe der Eltern hört. Poetisch und träumerisch geht es dann hingegen in dem Lied „Das Geheimnis“ zu. Eine schöne Abwechslung ganz verschiedener Lieder.

Nein, pädagogisch wertvoll ist diese CD nicht. Darum soll es auch nicht gehen. Aber es geht hier auch nicht so weit, dass man es als Eltern nicht verantworten kann seinen Kindern diese CD zu geben. Es ist doch schön, wenn die Kinder sich ganz erstaunt und mit großer Freude die Unsitten der Prinzessin Susi anhören. So etwas muss auch mal sein!

Diese 10 Lieder findet ihr auf der CD:

  • Rolltreppenmax
  • Bestellt
  • Prinzessin Susi
  • Wandern
  • Chronisch euphorisch
  • Shiny hat genug
  • Bulli Battmann
  • Hausmeister Klaus
  • Kommt ihr bitte
  • Das Geheimnis

Bummelkasten: Irgendwas Bestimmtes, Oetinger audio, UVP: 16,99€

In den Wald mit Peter Wohlleben

Dank des Oetinger Verlags durften wir ein ganz tolles Wochenende erleben. Wir sind ein bisschen weiter in die Eifel hineingefahren und haben nach einer Nacht im Hotel eine Waldführung mit Peter Wohlleben gemacht, der am 25. September sein erstes Kinderbuch „Hörst du, wie die Bäume sprechen?“ im Oetinger Verlag herausbringen wird.

Für die Kinder war ja bereits das Hotel ein Highlight. Wir übernachten nicht so oft in einem Hotel und so war natürlich alles aufregend – angefangen von der Übernachtung im Zimmer bis hin zu dem leckeren Frühstücksbüffet. Außerdem gab es bei dem Hotel auch noch ein besonderes Extra: Einen eigenen Wildpark, in dem Rot-, Dam- und Sikawild lebt, und in den man mit altem Brot hineingehen und die Tiere füttern darf. Toll! Das hat den Kindern richtig gut gefallen.

  

Peter Wohlleben – Förster und Naturschützer

Peter Wohlleben kennt sich aus im Wald, immerhin leitet er einen umweltfreundlichen Forstbetrieb. Aber er möchte sein Wissen nicht für sich allein behalten, sondern auch andere für den Wald und seine Bewohner begeistern und so berichtet er schon seit Längerem in TV-Sendungen, Vorträgen und Seminaren sowie in Büchern für Erwachsene über den Wald und den Naturschutz. Nun aber soll mit seinem ersten Kinderbuch die Neugier der Kinder geweckt werden. Und dass ihm dies gelingt – persönlich sowie über das Medium Buch – kann ich nur bestätigen.

Waldführung mit Peter Wohlleben

Wir haben ihn gemeinsam mit ein paar anderen Familien bei einer Führung in seinem Wald kennen gelernt und sofort war einem klar, dass man  hier keine staubtrockenen Fakten runter gebetet bekommt, sondern dass die Kinder mit Peter Wohlleben den Wald mit allen Sinnen und spielerisch kennen lernen dürfen. Den Unterschied zwischen verschiedenen Bäumen haben sie anhand ihrer Blätter geschmeckt, mit Hilfe von Blättern haben sie versucht die Rehrufe nachzumachen und bei einem Zapfen-Versteck-Spiel konnten sie erfahren, wie es einem hungrigen Eichhörnchen im Winter geht, dass sich vielleicht nicht mehr an seine Eichelverstecke erinnern kann.

Peter Wohlleben zeigt den Kindern, wie man das Rufen eines Rehs nachmachen kann

 

Bücherwürmchen sucht als Eichhörnchen ein Versteck für seine Zapfen

Die Kinder staunten über das „Internet“ des Waldes, welches sich unter dem Laub befindet: Überall wird der Boden mit Pilzfäden durchzogen, die Informationen weitergeben. Witzig fanden sie das „Klopapier“ im Wald, welches sie auch für ihre dreckigen Matschfinger gebrauchen konnten (=Moos), und dass die Bäume nur einmal im Jahr ihr „großes Geschäft“ erledigen: Alle Stoffe, die der Baum nicht benötigt, landen in den Blättern, die im Herbst von den Bäumen fallen.

Bei der Benutzung des „Wald-Klopapiers“ als Handtuch entdeckt Bücherwürmchen einen Teil des „Waldinternets“

Sehr viel Spaß hatten die Kinder auch, als Peter Wohlleben sie dazu aufforderte, einmal richtig laut zu brüllen. Ups, ist das im Wald überhaupt erlaubt? Dann bekommen doch alle Tiere Angst! Ja, es ist erlaubt, denn die Tiere bekommen gar keine Angst. Sie wissen, dass es nur harmlose Kinder sind und sie können ja auch genau hören, wo sich diese befinden.

Hinzu kamen noch ein paar weitere nette Waldspiele sowie immer wieder Informationen zu Bäumen oder Tieren. Die Kinder fanden es unglaublich spannend und waren richtig traurig, als die Führung dann zu Ende war, was ich gut verstehen kann, denn es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Peter Wohlleben

Kinderbuch von Peter Wohlleben

Zum Glück durften wir aber bereits das Buch „Hörst du, wie die Bäume sprechen?“ mit nach Hause nehmen, welches zu Hause direkt herausgenommen wurde. Bücherwürmchen war nun Feuer und Flamme und wollte zusammen mit mir ganz viel in dem Buch lesen. Und wisst ihr, was das Tolle ist? Das Buch ist genauso wie die Waldführung! Hier wird Wissen nicht langweilig präsentiert, sondern kindgerecht weitergegeben. Die Themen, die Kinder interessieren werden hier aufgegriffen und locker und lebendig verarbeitet. Hier findet man z.B. auch das „große Geschäft“ der Bäume sowie das Pilzinternet der Bäume wieder. Und auch Themen, über die man bei der Waldführung nichts gehört hat, werden ähnlich bearbeitet. Vieles wird mit dem Menschen verglichen, so dass alles gut verständlich ist. Kinder kommen ins Staunen und werden neugierig. Und wenn sie daraufhin so schnell wie möglich in den Wald möchten, dann liefert das Buch auch direkt noch ein paar Ausprobier-Ideen mit (z.B. auch das Nachmachen der Rehlaute), die sich leicht umsetzen lassen und den Waldbesuch ähnlich wie die Waldführung werden lassen.  Neben diesen Ideen bekommen die Kinder auch Tipps, worauf sie im Wald das nächste Mal achten können. Dies hilft ihnen, ihr neu erworbenes Wissen besser zu verstehen und in der Natur wiederzuerkennen.

Kinderfragen und interessante Antworten

Besonders schön ist, dass die Themen anhand von Kinderfragen behandelt werden: Was lernen Baumkinder in der Schule? Gibt es mutige Bäume? Wovor haben Bäume Angst? Was erzählen Vögel? Wer ist der beste Detektiv? Wie merken Bäume, dass der Frühling kommt? Wem gehört der Wald? Was machen Bäume nachts?

Das macht es für Kinder richtig spannend. Ich weiß nicht, ob ein anderes Naturbuch meinen Sohn genauso gefesselt hätte oder ob er grundsätzlich etwas über Bäume hätte erfahren wollen. Diese Fragen aber fand er fast alle so interessant, dass ich ihm Doppelseite für Doppelseite vorlesen musste (pro Doppelseite wird eine Frage behandelt). Das sind Fragen, die die Kinder interessieren. Vor allem, wenn sie dann auch merken, dass die Antworten ebenso spannend sind, was unter anderem daran liegt, dass kindgerecht auf sie eingegangen wird. Aber letztendlich macht dieses Buch auch Erwachsenen viel Freude und ich selbst lerne eigentlich bei jeder Frage noch etwas dazu.

Das Buch ist mit farbigen Fotos und Zeichnungen ausgestattet, so dass man direkt sehen kann, was mit den „Pickeln“ der Bäume oder der „Spechtflöte“ gemeint ist. Aber auch das Aussehen verschiedener Tiere und Bäume wird so veranschaulicht.

Hörst du, wie die Bäume sprechen?“ ist ein richtig tolles Buch und ich kann es einfach nur allen Familien mit Kindern ab etwa 6 Jahren empfehlen. Ja, für uns hat dieses Buch durch die Waldführung von Peter Wohlleben eine besondere Bedeutung, aber ich denke, dass dieses Buch durch seine unheimlich gute Aufmachung auch alle anderen begeistern wird.

Hörst du, wie die Bäume sprechen? – Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald von Peter Wohlleben, illustriert von Stefanie Reich, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-0822-8, 16,99€ (Erscheinungstermin: 25.9.2017)

 

Rezension: Dinostarke Ferien in Franken

Ich bin immer begeisterter von der Lilly und Nikolas-Reihe aus dem Biber & Butzemann Verlag. Diese Kombination aus Familienreiseführer und Ferienroman ist einfach genial und ich hoffe, dass es davon noch viele weitere Bücher geben wird. Sie sind in zweierlei Hinsicht spannend: Zum einen erhält man hier tolle Ausflugstipps für Familien in einer bestimmten Region und zum anderen macht es auch unheimlich viel Spaß mit diesem Buch noch einmal eigene Ausflüge nachzuvollziehen. Es ist einfach toll, wenn in dem Buch genau die gleichen Dinge erlebt werden, die man im Urlaub unternommen hat, vor allem wenn dann, wie bei diesen guten recherchierten Büchern, einfach alles genauso in dem Buch steht, wie es auch in Wirklichkeit ist. So werden zum Beispiel in dem Buch „Dinostarke Ferien in Franken – Lilly, Nikolas und die Fossiliensuche“ selbst die Armbänder für Kinder im Playmobil FunPark erwähnt, die eine Suche erleichtern sollen, falls die Kinder mal verloren gehen sollten.

Urlaub auf dem Bauernhof in einer tollen Gegend

Dieses Buch habe ich gerade mit großem Interesse gelesen und Bücherwürmchen ist auch schon ganz neugierig darauf und hat bereits darin geblättert. Wir waren nämlich gerade selber für 2 ½ Tage im Playmobil Park, dem in dem Buch ein langes Kapitel gewidmet wird. Aber die Region (Mittelfranken), in der Lilly und Nikolas in diesem Buch ihre Herbstferien auf einem Bauernhof verbringen, hat natürlich noch viel mehr zu bieten, als den Playmobil Park. Und auch die anderen Kapitel sind für uns sehr spannend, denn nächstes Jahr geht es Ostern genau in diese Region und Ausflüge zu den alten Römern und den Dinosauriern stehen auch bei uns bereits jetzt fest auf dem Programm. Ich finde es sehr passend, dass Lilly und Nikolas ihren Urlaub in Franken auf einem Bauernhof verbringen, denn in dieser Gegend gibt es tatsächlich jede Menge sehr schöner Ferienbauernhöfe für Familien. Wir haben bereits auf einigen unseren Urlaub verbracht. Man bekommt in diesem Lilly und Nikolas-Buch auch wieder viele Ausflugstipps, aber mir gefällt es auch sehr gut, dass der Urlaub auf dem Bauernhof mit Eier einsammeln, den großen Kettcars, Pony reiten und Stockbrot machen hier an mehreren Stellen behandelt wird.

Viele spannende Ausflüge

Im Eichstätter Jura-Museum begegnet die Familie Dinosauriern, aber auch bei der Fossiliensuche im Hobbysteinbruch Mühlheim und im Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen geht es ganz weit zurück in die Vergangenheit. In Wolframs-Eschenbach begeben sie sich auf die Spuren eines Minnesängers, in Pappenheim geht es hoch hinauf auf eine Burg aus dem Mittelalter und von den Römern können sie in Weißenburg einiges besichtigen. Es geht aber nicht nur in Museen, sondern auch in den Nürnberger Zoo, und ganz aktiv wird die Familie beim Radfahren und paddeln. Es passiert also wieder so einiges in den Ferien von Lilly und Nikolas. Und Nikolas scheint in Franken ganz besonders großes Glück zu haben, denn ein bestimmter Traum wird tatsächlich wahr…

Etwas schade ist es, dass am Anfang des Buches nicht kurz erwähnt wird, wie alt die Kinder bei diesem Abenteuer sind. In den letzten Büchern, die ich gelesen habe, waren beide Kinder auf jeden Fall in der Schule, vielleicht sogar so um die zehn Jahre alt. Beim Lesen habe ich anfangs angenommen, dass die Kinder auch hier in diesem Alter sind und war dann am Ende sehr überrascht, dass Lilly noch in den Kindergarten geht. Letztendlich passen die Unternehmungen der Familie und auch der Urlaub auf dem Bauernhof zu diesem Alter und die Kinder verhalten sich insgesamt auch dem Alter entsprechend, wobei sie natürlich sehr interessiert und wissbegierig sind. Die Frage nach dem Alter der Kinder hat mich in diesem Buch nur ein wenig verwirrt, so dass es schön wäre, wenn man dies von Anfang an klar hätte.

Das Buch ist farbig illustriert und man erkennt Gebäude und Einrichtungen gut wider. Bücherwürmchen war ganz begeistert, dass der Playmobil Park hier genauso aussieht, wie wir ihn vor wenigen Tagen gesehen haben: „Wie in echt!“

Wir freuen uns nun schon auf unseren Urlaub nächstes Jahr in Franken auf einem FamilyFarm-Bauernhof und werden ganz bestimmt das Buch mit ins Gepäck stecken.

Dinostarke Ferien in Franken – Lilly, Nikolas und die Fossiliensuche von Silvia Zerbe und Michaela Frech, Biber & Butzemann Verlag, ISBN: 978-3-942428-30-9, 9,95€

 

 

Bald geht’s in den Wald mit Peter Wohlleben

Geht ihr mit euren Kindern gerne in den Wald? Ich finde es toll mit Kindern im Wald, aber leider machen wir es aus eigenem Antrieb viel zu selten, obwohl es ja eigentlich überhaupt kein Aufwand ist. Ab und zu nehmen wir aber an Kinder-Waldführungen teil, was immer wieder viel Spaß macht, aber auch lehrreich ist – sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen.

Nun freue ich mich schon darauf, dass wir bald an einer Führung von Peter Wohlleben teilnehmen dürfen. Ich bin sehr gespannt darauf, was uns da erwarten wird, vor allem da im September im Oetinger Verlag auch ein Buch für Kinder von ihm herauskommt: „Hörst du, wie die Bäume sprechen? Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald“. Das Ganze wird sicherlich eine spannende und besondere Erfahrung. Ich werde dann natürlich davon berichten.

Hier könnt ihr aber auch schon mal einen ersten Blick auf das Buch werfen:

Informationen zu dem Buch von Oetinger:

Den Wald erleben, staunen und Spaß haben mit Peter Wohlleben! Haben Bäume eine eigene Sprache? Müssen Baumkinder in die Schule gehen? Warum haben Waldtiere Angst vor Menschen? Peter Wohlleben beantwortet Fragen, die ungewöhnlich, originell und oft sehr lustig sind. Seine leicht verständlichen und fast immer überraschenden Antworten lassen Kinder das Leben im Wald mit ganz anderen Augen sehen. Der begnadete Erzähler schöpft dabei aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Förster und Naturschützer und stützt sich darüber hinaus auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.

Ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit, Naturschutz und Nachhaltigkeit von Bestsellerautor Peter Wohlleben, bekannt aus Funk, TV und Printmedien.

Ab 6 Jahren, ISBN: 978-3-7891-0822-8, 16,99€

Auf Oetinger.de gibt es auch ein interessantes, kleines Video zu der Idee des Buches.

Emil und die Detektive – heute noch angesagt?

Kinderbuchklassiker aus der eigenen Kindheit oder neue Kinderbücher? Möchten Kinder Bücher mit modernen Illustrationen und Helden aus der heutigen Zeit und sind daher viele Bücher, die man selbst geliebt hat, überholt?

Ich hänge sehr an manchen alten Büchern und hatte mir immer vorgenommen, sie man an meine eigenen Kinder weiter zu geben. Mittlerweile bin ich mir aber gar nicht mehr sicher, ob diese Bücher bei den Kindern heute noch ankommen. Dennoch habe ich meinem Sohn „Emil und die Detektive“ vorgelesen, denn das Wort „Detektive“ klang für ihn schon mal spannend.

Der Inhalt

Ich glaube zur Geschichte selbst muss ich hier nicht mehr viel sagen: Emil Tischbein, der bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt, fährt mit dem Zug zu seiner Oma nach Berlin. Im Zug wird er von einem Mann mit steifem Hut beklaut. Emil verfolgt den Mann und bekommt in Berlin Unterstützung von einigen Jungs, die sofort begeistert die Verfolgungsjagd mit aufnehmen.

Beim Vorlesen habe ich oft gedacht, dass meinem Sohn einiges fremd vorkommen muss. Die Geschichte spielt immerhin vor fast 100 Jahren und da war doch noch so einiges anders. Allein der Telefondienst vom kleinen Dienstag wäre heute in Zeiten von Smartphone und Co nicht mehr nötig.

Coole Jungs

Mein Sohn war dennoch von dem Buch begeistert und wollte immer wissen, wie es weitergeht, so dass wir das Buch ruck-zuck durchgelesen hatten. Bücherwürmchen fand es cool, was die Kinder in dem Buch machen und das zeigt auch, warum dieses Buch trotz mancher Merkwürdigkeiten für heutige Kinder auch heute noch funktioniert. Es enthält nämlich viele Dinge, die ein gutes Kinderbuch ausmachen: Freundschaft und Zusammenhalt, ein Abenteuer und eine sympathische Hauptfigur. Detektive und Diebe finden auch die Jungs heute spannend. Und Erich Kästner konnte darüber hinaus natürlich auch noch gut erzählen.

Jedenfalls macht mir das Vorleseerlebnis mit „Emil und die Detektive“ Hoffnung für „Das fliegende Klassenzimmer“. Möglich, dass auch dieses Buch meinem Sohn gefallen wird.

Emil und die Detektive von Erich Kästner, illustriert von Walter Trier, Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7915-3012-3, 12,99€

Ein Lese- und Schreibabenteuer für das Smartphone

Nun wo es bald bei uns mit der Schule für den Großen beginnt, spielen so langsam auch Apps auf dem Smartphone eine Rolle. Bisher hatte er zwar kaum ein Smartphone in der Hand, aber nun haben wir uns mal gemeinsam die App vom Löwen, der nicht schreiben konnte, angeschaut. Sie verspricht ein Lese- und Schreibabenteuer, bei dem Erstleser zum Lesen und Schreiben eingeladen werden sollen. Das klingt erst einmal ganz gut. Bücherwürmchen kann schon Lesen und ein wenig Schreiben, also sollte die App genau das richtige für ihn sein. Er war natürlich ganz begeistert, dass er mal etwas an meinem Smartphone spielen durfte, wobei ich erstaunt festgestellt habe, dass er zwar protestierte, wenn ich nach ein, zwei Spielen, das Handy erst einmal wieder weggelegt habe, dass er aber andererseits von selbst nicht danach gefragt hat. Er scheint die digitalen Medien also bislang nicht sonderlich zu vermissen. Dennoch hatte er natürlich Spaß an der App, auch wenn er mit der Bedienung dank seiner geringen Smartphone-Erfahrung ein wenig Probleme hatte. Die Spiele selbst fand er aber gut und hat sie alle gerne gemacht, besonders natürlich das, bei dem man Tier-Aa in Gefäße sortiert werden muss. Jaja, diese Pipi-Kacke-Aa-Phase endet wohl nie…

Spiele mit Buchstaben und Silben

Alle Spiele sind nett gemacht und kindgerecht. Allerdings handelt es sich meines Erachtens längst nicht bei allen Spielen um ein Lese- und Schreibabenteuer. Auch gibt es bei manchen Spielen nur eine geringe Steigerung im zweiten Level bzw. wiederholt sich einiges aus dem ersten Level. Manche Spiele, wie z.B. das Einsammeln des Alphabets, welches in der richtigen Reihenfolge an einem vorbeikommt, empfinde ich als recht langweilig. Hier müssen die Kinder eigentlich gar keine eigene Leistung erbringen, prägen sich aber vielleicht zumindest ein wenig das ABC ein. Beim Memory-Spiel sehe ich den Zusammenhang zum Lese- und Schreibabenteuer nicht. Dafür gibt es aber ein schönes Tiermist-Spiel. Aus Buchstaben soll hier der Tiername gebildet werden, von dem der Mist stammt. Auch das Affenspiel, bei dem aus Silben Wörter gebildet werden sollen, gefällt mir gut. Das Krokodil nennt in einem anderen Spiel jeweils einen Buchstaben und muss mit Dingen gefüttert werden, die mit diesem Buchstaben beginnen. Hier werden die Buchstabennamen und nicht die Laute genannt, was aber für Kinder, die auch schon lesen können, kein Problem mehr sein dürfte. Dennoch könnte es manche Kinder, die in der ersten Klasse häufig die Laute der Buchstaben benennen (also z.B. „s“ und nicht „ess“ für das „S“), ein wenig irritieren.

Postkarten zum Lesen

Besonders gut gefällt mir die Postkarte an die Löwin, die sich an jedes Spiel anschließt. Hier kann man sich den Text vorlesen lassen, wobei das vorgelesene Wort dabei markiert wird, so dass die Kinder selber mitlesen können. Im zweiten Level besteht die Postkarte aus einem Lückentext, bei dem einzelne Wörter eingesetzt werden müssen. Allerdings werden die Wörter nur angenommen, wenn sie auch komplett richtig geschrieben werden, was Erstlesern nicht unbedingt immer gelingt.

Alle Spiele werden von den Kindern gut verstanden und können direkt gespielt werden.

Die Bilder sowie die Animation sind wirklich ansprechend gemacht. Die Stimmen passen hervorragend zu den Tieren. Insgesamt eine sehr schöne App, die zwar nicht in allen Spielen die Lese- und Schreibfähigkeiten der Kinder gleichermaßen einfordert, die aber in der Gesamtheit und insbesondere auch durch die Postkarten dann doch ein Lese-und Schreibabenteuer darstellt.

App: Der Löwe – Ein Lese- und Schreibabenteuer mit Illustrationen von Martin Baltscheit, Beltz & Gelberg, ISBN 978-3-407-74925-3, 3,99€ (iOS und Android)

 

Die Kinder aus Bullerbü – heute und früher

Habt ihr auch auf manche Bücher aus der Kindheit als Erwachsene auf einmal eine ganz andere Sicht? Manches, was man früher geliebt hat, ist auf einmal gar nicht mehr so wunderbar oder man entdeckt auf einmal den Zauber eines Buches, der einem als Kind verwehrt blieb?

Ich habe diese Erfahrung ein wenig bei den Kindern aus Bullerbü gemacht. Ja, ausgerechnet bei Büchern meiner Lieblingsautorin Astrid Lindgren. Als junge Erwachsene habe ich von anderen Erwachsenen ab und zu gehört, dass sie auf einmal ganz verwundert festgestellt hätten, wie langweilig eigentlich die Kinder aus Bullerbü seien. Das hätten sie als Kind ganz anders wahrgenommen, aber jetzt könnten sie die Bücher kaum noch lesen. Ich habe nicht viel dazu gesagt, sondern mir nur gedacht, dass das doch gar nicht sein könne. Das sind doch ganz tolle Bücher, geschrieben von Astrid Lindgren. Allein ihre Art zu schreiben, macht die Bücher zu etwas Besonderem.

Erwachsene und Kinder erleben Bücher unterschiedlich

Nun habe ich vor einiger Zeit meinem Sohn die Kinder aus Bullerbü vorgelesen. Und wisst ihr, was ich beim Vorlesen gedacht habe? Hoffentlich langweilt er sich nicht. So wirklich viel passiert ja nicht gerade. Aber das erstaunliche und wunderbare ist, dass mein Sohn sich überhaupt nicht gelangweilt hat. Er mochte die Bücher gerne, fand manche Stellen sogar ziemlich aufregend und spannend. Und daran merkt man tatsächlich, dass Astrid Lindgren eine Schriftstellerin für die Kinder war. Sie wusste, was Kindern wichtig ist und was sie interessiert.

Das Leben auf Bullerbü im Laufe der Jahreszeiten

In den Büchern von den Kindern aus Bullerbü wird aus dem Alltag der Kinder dreier Höfe berichtet. Lisa und ihre Brüder Lasse und Bosse wohnen zwischen Inga und Britta auf der einen Seite und Ole und seiner kleinen Schwester Kerstin auf der anderen Seite. Sie leben sehr ländlich und zu einer anderen Zeit. Wann genau die Geschichten spielen, kann ich nicht sagen, aber die Schule und das Leben auf dem Land unterscheiden sich deutlich von dem Leben heute. Zwar müssen die Kinder ab und zu auf dem Feld leben, sie gehen zu Fuß einen langen Weg zur Schule, aber sie leben sehr unbeschwert und glücklich. Sie haben sich gegenseitig zum Spielen. Immer ist jemand da, mit dem man etwas unternehmen kann. In den Büchern wird von ihren Spielen und den Festen des Jahres erzählt. Mal werden Hummer gefangen, mal muss ein  Kind von seinem Wackelzahn erlöst werden, mal verstecken sich die Kinder im Heu und erschrecken sich gegenseitig und mal spielen sie der Lehrerin in der Schule einen Streich. Es geht alles recht harmonisch und unaufgeregt zu, aber es ist die fantasievolle und lebendige Welt der Kinder, was vermutlich auf die zuhörenden Kinder anziehend wirkt. Sie erkennen vielleicht das eine oder andere aus ihrem Alltag wieder. Sicherlich kann man ein heutiges Kinderleben nicht unbedingt mit dem Leben der Kinder aus Bullerbü vergleichen, aber die Lust am Spielen mit Freunden besteht auch heute noch. Freundschaft ist auch für heutige Kinder ein wichtiges Thema.

Mädchen und Jungen in Bullerbü

Mir ist es auch erst jetzt beim Vorlesen aufgefallen, dass die Kinder in dem Buch sich häufig aufteilen. Die Mädchen und die Jungen bleiben immer  mal wieder  unter sich und es fallen Sprüche a la „Das ist nichts für Mädchen“. Davon lassen sich die Mädchen zwar nicht unbedingt beeindrucken, aber diese Sichtweise herrscht in dem Buch dennoch immer wieder vor. Ich fand es gar nicht so gut, meinem Sohn solche Sätze vorzulesen, denn ich wusste nicht, ob er versteht, dass das nur Sprüche sind oder ob er so etwas ernst nimmt, aber lustigerweise waren das mal wieder nur so erwachsene Gedanken. Mein Sohn fand jedenfalls die Mädchen in dem Buch cooler und schlauer als die Jungen, wobei er auch von dem frechen Lasse fasziniert war.

Ja, die Kinder aus Bullerbü wirken auf Erwachsene längst nicht mehr so spannend und schön wie auf Kinder, aber davon sollte man sich nicht abhalten lassen, diese Bücher vorzulesen, denn die Kinder mögen sie. Und es ist doch schön, wenn man ihnen eine Welt voller Spiel und Spaß in der Kindheit präsentieren kann. Vielleicht werden die eigenen Kinder durch die Bücher ja auch zu dem einen oder anderen Spiel angeregt.

Da es in den Büchern einmal durch die ganzen Jahreszeiten geht, lassen sich die Bücher das ganze Jahr über lesen. Trotzdem habe ich gerade jetzt im Sommer an sie gedacht, da sich bei den Kindern aus Bullerbü so viel draußen abspielt. Hoffentlich nehmen sich die heutigen Kinder daran ein Beispiel (und die Eltern auch, denn diese müssen den Kindern dazu den Freiraum ermöglichen).

Die Kinder aus Bullerbü (Gesamtausgabe) von Astrid Lindgren, illustriert von Ilon Wikland, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-2945-2, 16,90€