Mit Superaugen spannende Wesen entdecken: Die Gorgel

Mittlerweile lesen wir Bücherwürmchen vor allem abends als Gute-Nacht-Geschichte immer Kinderbücher vor. Abend für Abend gibt es dann ein weiteres Kapitel. Als letztes haben uns „Die Gorgel“ ins Bett begleitet.

Da die Kapitel in diesem Buch recht kurz sind, die Geschichte aber so spannend, wurden hier ausnahmsweise auch mal zwei Kapitel nacheinander gelesen. Wir wollten schließlich alle wissen, wie es weitergeht. Gemein ist nur, dass mein Mann und ich mich mit dem Zubettbringen abwechseln und man so leider immer einen Teil der Geschichte nicht mitbekommt, den man dann am liebsten noch schnell vor dem Vorlesen lesen möchte, aber da schimpft dann das Bücherwürmchen, wenn es nicht direkt losgeht.

Von Gorgeln und Scheußlingen

Ihr merkt also schon: „Die Gorgel“ haben uns gut gefallen. Wer aber sind denn nun die Gorgel? Es sind kleine Wesen mit haarigen, spitzen Ohren, die beinahe wie ein kleines Wollknäuel aussehen. Vielleicht klingt diese Beschreibung nach einem niedlichen Wesen, aber die Gorgel haben auch eine sehr wichtige Aufgabe, denn sie bewachen Kinder, die in Gefahr sind und beschützen sie im Schlaf. Von wem Gefahr droht? Na, von den Scheußlingen, denn diese pusten den Kindern in den Monaten mit „R“ in den Mund, so dass sie krank werden. Eigentlich kann niemand Gorgel und Scheußlinge sehen, doch Melle, der Junge aus dem Buch, hat Superaugen, genauso wie sein Opa früher und so entdeckt er Bobba, einen Gorgel, in seinem Zimmer. Es dauert nicht lange und Melle erlebt mit, wie ein Scheußling ihn angreift und wie Bobba ihn verteidigt, doch leider wird Bobba dabei verletzt. Nun beginnt das Abenteuer so richtig, denn Bobba muss gerettet und die Scheußlinge müssen vertrieben werden.

Warmherzige Abenteuergeschichte

Die Gorgel“ ist eine tolle Abenteuergeschichte für Kinder. Es geht spannend zu und man möchte gerne wissen, wie alles weitergeht und wer genau die Gorgel und die Scheußlinge sind, aber es wird nie zu aufregend und gruselig. Die Geschichte beinhaltet Fantasie, eine sympathische Hauptfigur und ein Abenteuer, welches bestanden werden muss. Außerdem ist das Buch bunt und ansprechend in weichen Farben illustriert. Auf fast jeder Doppelseite befindet sich mindestens ein kleines Bildchen. Es gibt aber auch Bilder, die eine ganze Seite einnehmen. Die Kapitel sind, wie bereits geschrieben, recht kurz. Sie lassen sich prima vorlesen, aber etwas geübtere Leseanfänger können sich durchaus auch schon  mal selber an ein solches Kapitel heranwagen.

Die Gorgel von Jochem Myjer, illustriert von Rick de Haas, übersetzt von Rolf Erdorf, Verlag Freies Geistesleben, ISBN: 978-3-7725-2789-0, 17,90€

Ein Buch voller Teekesselchen

Spätestens seit den Horst & Helga-Geschichten in der Gecko-Zeitschrift, bei denen es stets um Missverständnisse rund um ein Wort geht, haben wir Spaß an Teekesselchen. Als ich nun das Buch „Zwei Bilder – ein Wort“ gesehen habe, wusste ich direkt, dass dies genau das richtige Buch für Bücherwürmchen ist.

Auf einer Doppelseite befinden sich zwei Bilder, wobei sich das linke und das rechte Bild jeweils mit demselben Begriff bezeichnen lassen. Dieser Begriff steht jedoch nicht dabei, sondern soll von den Betrachtern herausgefunden werden. Wenn man wirklich mal gar nicht drauf kommen sollte, kann man aber am Ende in den Lösungen nachschauen.

Es macht sehr viel Spaß sich dieses Buch anzuschauen und zu rätseln. Dabei erlebt man so manchen Aha-Effekt.

Förderung des Wortschatzes

Zunächst habe ich in dem Buch nur ein tolles Buch rund um Spiele mit der Sprache gesehen, aber ich habe festgestellt, dass es auch klasse zur Förderung des Wortschatzes ist. Zum einen können sich Kinder manche Begriffe durch das bekannte Bild erschließen und zum anderen nehmen sie die neuen Wörter, die sie hier lernen ganz rasch auf. Durch die Verbindung der zwei unterschiedlichen Bedeutungen können sie sich die für sie neuen Bezeichnungen sehr schnell merken, denn die Wörter an sich sind für sie ja nicht neu. Nachdem wir das Buch angeschaut haben, hat Bücherwürmchen in einem Wimmelbuch zum ersten Mal Nonnen als „Schwestern“ bezeichnet und auf der Straße entdeckte er auf einmal ein Fahrzeug namens „Raupe“.

Die Bilder selber haben uns nicht so sehr angesprochen, denn sie wirken wenig lebendig und kraftvoll, aber letztendlich blieb auch dadurch der Spaß an den Rätseln ungetrübt.

Zwei Bilder – ein Wort von Mirja Winkelmann, Prestel, ISBN: 978-3-7913-7290-7, 12,99€

Das Rap-Huhn rappt nun im Bilderbuch

Kennt ihr das Lied „Das Rap-Huhn“? Für mich wird es wohl immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Zum einen habe ich es gemeinsam mit Freunden und viel alberner Freude im Referendariat kennen gelernt und zum anderen haben es genau diese Freunde für unsere Hochzeit umgedichtet. Kein Wunder also, dass ich das gleichnamige Buch aus dem Carlsen Verlag unbedingt haben musste.

Das Rap-Huhn“ ist ein Bilderbuch mit Liedern und so wundert es nicht, dass es auch als Musical  bei www.eres-musik.de erhältlich ist. Und wie wir es von dem Autoren-Duo Jörg Hilbert und Felix Janosa bereits von den Ritter Rost-Büchern kennen, wird natürlich auch das Bilderbuch vom Rap-Huhn mit CD, auf der sich sowohl die Geschichte als auch die Lieder befinden, geliefert.

Hühnern auf dem Land begegnet das Rap-Huhn aus der Stadt

Die Geschichte ist nicht sonderlich lang: Auf dem Land leben die drei Hühner Hennrike, Hennriette und Huhnigunde mit dem Küken Eggbert. Sie fühlen sich hier wohl, doch eines Tages kommt das Rap-Huhn bei ihnen vorbei und schwärmt davon, wieviel cooler es doch in der Stadt sei. Während die Hühner staunen, ist Eggbert skeptisch und lässt sich nicht so leicht etwas vormachen. Aber das Rap-Huhn möchte den Tieren auf dem Land beweisen, dass es cool ist und kommt zunächst mit einem aufblasbaren Krokodil zurück, welches schnell enttarnt ist. Als das Rap-Huhn dann jedoch mit einem Riesenei ankommt, lassen es sich die Hühner nicht nehmen, dieses auszubrüten und auf einmal haben sie es mit einem Brontosaurus zu tun und das Rap-Huhn muss gestehen, dass es das Ei im Eier-Museum gemopst hat. Es hat sich so sehr gewünscht, dass die Landhühner es cool finden, aber diese sind auch so bereit, mit dem Rap-Huhn mal einen Ausflug in die Stadt zu machen.

Die Lieder, bei denen im Buch nur der Text ohne Noten abgedruckt ist, sind flott und machen viel Spaß und man hat nach dem Hören schnell den einen oder anderen Ohrwurm.

Auch die Bilder sind fröhlich, aber nicht zu kindlich. Besonders gut gefallen mir die Bilderstreifen, die teilweise an den Seitenrändern abgedruckt sind und die in einer Abfolge von einzelnen Bildern die Liedtexte humorvoll darstellen.

Tolle Lieder und Bilder, aber…

Die einzelnen Komponenten sind nicht schlecht, vor allem die Lieder und Bilder können überzeugen, aber dennoch bin ich insgesamt von dem Bilderbuch eher enttäuscht. Einige Lieder existierten bereits bevor diese Geschichte erschienen ist und so wirkt alles auch irgendwie etwas zusammengeschustert und nicht zwingend logisch zusammenhängend, teilweise erscheint das eine oder andere Lied sogar etwas fehl am Platz. Die Geschichte ist recht dünn und man fragt sich am Ende auch, was denn nun aus dem Dinosaurier geworden ist. Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, dass das Ganze als aufgeführtes Musical sehr gut wirkt und dann ist dieses Bilderbuch natürlich eine schöne Erinnerung für die Kinder an ihre Aufführung. Außerdem muss ich zugeben, dass mein Sohn sich die CD gerne im Auto angehört hat. Ein Fehlkauf ist dieses Buch sicherlich nicht, aber ich hätte von dem Bilderbuch mehr erwartet.

Das Rap-Huhn – Mit Liedern und Geschichte auf CD von Jörg Hilbert und Felix Janosa,  Carlsen Verlag, ISBN: 978-3-551-51896-5, 16,99€

Buch-Tipps des Monats (April)

Seit diesem Monat hänge ich nun im Kindergarten Buchtipps aus. Dazu wähle ich drei Bücher für Kinder verschiedenen Alters aus und nenne dazu ein paar kurze Stichworte. Auf längere Texte verzichte ich in diesem Zusammenhang, denn ich weiß, dass viele Eltern kaum Zeit haben einen Blick beim Bringen oder Abholen der Kinder auf die Pinnwand zu werfen.

Hier seht ihr meine Empfehlungen vom April:

Ab 2 Jahren

  • Wiederkehrende Struktur
  • Witzige Überraschung
  • Lautmalerische Elemente wie „pitsch patsch“
  • Tolle Gesichtsausdrücke der Tiere

So müde und hellwach von Susanne Straßer, Peter Hammer Verlag, ISBN: 978-3-7795-0564-8, 14,90€

Ab 3 Jahren

  • Viel zu entdecken
  • Reime, die selbst ergänzt werden können
  • Abenteuer und Freundschaft
  • Wenig Text

Antonia war schon mal da von Max Fiedler und Patrick Wirbeleit, Reprodukt, ISBN: 978-3-95640-108-4, 16€

Ab 5 Jahren

  • Thema: Angst vor der unbekannten Schule
  • Fehler machen, ist nicht schlimm
  • Wunderschöne Gestaltung
  • Lässt sich toll vorlesen

Myka und die Versteckschule von Asja Bonitz, illustriert von Mele Brink, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3-943833-13-3, 17,50€

 

 

Spannende Zeitreise in die Zeit von Goethe

Nach den Büchern „Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit“ und „Mit der Saubohne zu den Wikingern“ gibt es nun endlich ein neues Abenteuer von Mette und Theo mit dem magischen Tulpenbaum: Mit dem Schinkenwurz zu Goethe

Mette und Theo helfen wieder die Samen alter Gemüsesorten für Almas geheimen Garten zu finden. Dieses Mal reisen sie nach Weimar um dort die Samen der Nachtkerze zu finden. Dabei laufen sie nicht nur Gustel über den Weg, sondern begegnen auch seinem Vater Goethe. Es geht auch in diesem Abenteuer wieder spannend zu. In der heutigen Zeit begegnet ihnen ein unheimlicher Mann, der scheinbar etwas über das Geheimnis des Tulpenbaums weiß und in der Goethezeit haben Mette und Theo nicht nur Schwierigkeiten die Samen, die sie zur Rückreise benötigen, zu finden, sondern müssen auch um den Tulpenbaum bangen, der von der Esplanade entfernt werden soll um die Herzogin nicht zu stören…

Eine seltene Epoche im Kinderbuch

Auf den ersten Blick scheinen die Rahmenbedingungen der Geschichte vielleicht nicht sonderlich spannend zu sein, aber ich finde es gerade toll, dass hier mal nicht ein übliches geschichtliches Thema für Kinder verwendet wird. Klar, erst einmal werden Kinder zu Themen wie Steinzeit und Wikinger und ähnliches greifen. Goethe und seine Zeit wird ihnen nicht unbedingt etwas sagen. Aber wenn Kinder bereits die ersten zwei Bücher aus der Reihe „Almas geheimer Garten“ gelesen haben, werden sie auch neugierig sein, wie es mit Mette und Theo weitergeht und wohin sie der Tulpenbaum beim nächsten Mal bringt und schwupps befinden sie sich im Weimar der Goethezeit. Hier können Kinder mal eine andere Epoche als sonst kennen lernen. Und gerade weil es zu dieser Thematik kaum vergleichbare Bücher gibt, war ich auf den Inhalt sehr gespannt. Das Buch hat knapp 80 Seiten – was kann man da überhaupt verständlich hineinpacken?

Viele historische Hintergründe eingebaut

An dieser Stelle muss ich ein großes Lob an die Autorin Birgit Hedemann aussprechen. In diesem Buch steckt unglaublich viel drin, was man zunächst vielleicht gar nicht so annehmen würde. Natürlich kann alles nur kurz angerissen werden, aber man bekommt beim Lesen dennoch einen Eindruck der Zeit und man wird neugierig auf die Hintergründe, die man im besten Falle gemeinsam mit den Eltern oder in der Schulklasse ein wenig ergründet. Selbst ich als erwachsene Leserin habe mir zu dem einen oder anderen angesprochenen Punkt in diesem Buch noch einmal ein paar weitere Informationen geholt. In dem Buch ist einfach nichts dem Zufall überlassen worden. Hier steckt unheimlich viel Wissen drin, welches einen aber nicht überfordert, sondern in kindgerechter Form passgenau in die Geschichte mit eingebunden wird. Das ist wurde wieder einmal richtig gut gemacht.

Allein die Reise zu Goethe ist genial ausgewählt. Sie führt uns nicht nur nach Weimar, sondern auch zu einem echten Pflanzenkenner, denn Goethe hat sich in seinem Leben intensiv mit Botanik beschäftigt. Er kommt also nicht nur als wichtige geschichtliche Persönlichkeit in diesem Buch vor, sondern er passt auch hervorragend zu dieser Bücherreihe, in der es neben den Reisen in die Vergangenheit ja auch um alte Pflanzen geht.

Der Leser erfährt in dem Buch direkt ein wenig aus dem Leben Goethes. So treffen Mette und Theo hier auf seinen Sohn Gustel (August) und sie dürfen auch das Gartenhaus im Weimarer Ilmpark besuchen.

Alte Berufe wie der Putzmacher sowie der Verkauf des Fleischs in einer Fleischbank werden genannt, wir begegnen der Herzogin Anna Amalia, erleben wie beschwerlich und gefährlich das Reisen in Postkutschen war und hören alte Worte wie „schlampampen“ (schlemmen) oder „Eisenkuchen“ (Waffeln). Natürlich tragen Mette und Theo auch bei diesem Abenteuer die übliche Kleidung der Zeit.

All dies sind Dinge, die neugierig auf mehr machen. Auch die Pflanze (Nachtkerze oder Schinkenwurz), um die es in diesem Buch geht, regt zu eigenen Nachforschungen an, denn sie hat spannende Eigenschaften und ist vermutlich den meisten Lesern erst einmal nicht bekannt. Sie hat aber auf jeden Fall wieder einen interessanten Namen.

Ein Buch zum Vorlesen und Selberlesen

Das Buch gehört zur Reihe „Die Bücher für geübte Erstleser“. Das Wort „geübte“ sollte man hier keinesfalls überlesen, denn für die allerersten eigenen Bucherfahrungen beim Lesen ist der Text noch zu umfangreich. Ansonsten bietet das Buch aber eine tolle Lektüre für Kinder, die dabei sind die Welt der Bücher lesend zu entdecken. Es gibt hier schon eine Geschichte mit mehreren Kapiteln in ordentlicher Länge, aber auf jeder Doppelseite befindet sich auch noch eine (schwarz-weiß) Illustration, was Kindern in diesem Alter noch sehr wichtig ist. Interessant sind hier die lebendigen Gesichtsausdrücke der Figuren, die die Gefühle und Gedanken sehr gut widerspiegeln.

Jüngeren Kindern ab circa fünf Jahren kann man das Buch auch schon prima vorlesen.

Insgesamt kann ich auch dieses Buch der Reihe wieder vollständig empfehlen: Spannend, interessant und gut zu lesen, einfach eine fesselnde und informative Lektüre, die die Neugier weckt!

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Almas geheimer Garten: Mit dem Schinkenwurz zu Goethe von Birgit Hedemann, illustriert von Maria Ernicke, Südpol Verlag, ISBN: 978-3-943086-39-3, 8,99€

Mottotag: Detektive

Schon seit langer Zeit hatte ich mir vorgenommen, endlich mal wieder einen Mottotag mit Bücherwürmchen zu veranstalten, aber irgendwie war ich abends dann immer zu müde, um mir etwas zu überlegen und außerdem ist ein solcher Tag mit dem kleinen Büchermäuschen, das ja nun auch immer mit dabei ist, nicht mehr ganz so einfach. Dann habe ich neulich durch die Zeitschrift „Vorhang auf – Detektive“ geblättert und beschlossen einen Detektiv-Tag durchzuführen, wobei ich dafür gleich ein paar Ideen aus der Zeitschrift übernehmen wollte. Ein paar Überlegungen später habe ich mich entschieden, dass dieser Tag direkt am nächsten Tag stattfinden soll, damit ich das Ganze nicht wieder aufschiebe und es in einem halben Jahr nicht wieder heißt, „eigentlich müsste ich mal…“

Bücher für den Mottotag

Der Detektiv-Tag ist also ein Tag ohne großen Vorbereitungsaufwand, so dass ich mir auch keine Geschichte rund um den Tag ausgedacht habe. Eine Sache musste aber natürlich erledigt werden, denn der Büchertisch gehört bei uns ganz dringend zu einem Mottotag dazu. Ich habe also ein wenig in den Regalen gestöbert und konnte tatsächlich einige Bücher zusammentragen, wobei man dabei schon merkt, dass dies eher ein Thema für Kinder Richtung Grundschulalter ist. Neben ein paar Bilderbücher, habe ich einige Erstlesebücher sowie Kinderbücher gefunden. Da muss man dann an dem Mottotag natürlich schauen, was man liest, denn mehrere ganze Kinderbücher würden wohl den Rahmen sprengen.

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Als ich den Tisch für den nächsten Tag bestückte, habe ich mich schon richtig auf diesen Tag gefreut und ganz besonders freute ich mich darauf zu sehen, wie mein Sohn auf den Büchertisch reagiert. Es war dann auch genauso, wie ich es mir vorgestellt habe: Er schlich begeistert um den Tisch herum, blätterte in dem einen oder anderen Buch und hätte sich am liebsten direkt zum Lesen aufs Sofa gesetzt.

Beobachtungen auf der Straße

Aber erst einmal mussten wir noch eine kleine Vorbereitung treffen. Wir fuhren gemeinsam zum Baumarkt um eine Tüte Gips zu kaufen und da bei unserer Rückkehr gerade das Wetter ganz gut war, blieben wir erst einmal draußen. Wir holten unsere Notizbücher raus, die wir vorher schon beschriftet hatten. Dann setzten wir uns auf unseren Beobachtungsposten um festzuhalten, wie viele Autos, Fußgänger, Fahrradfahrer etc. in einer Viertelstunde an uns vorbei kommen. Hm, in unserer Straße war um diese Uhrzeit nicht sonderlich viel los, also haben wir noch vorbeifliegende Vögel in unserer Liste mit aufgenommen um ein paar Striche verzeichnen zu können.

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Gipsabdrücke

Detektive sind ständig auf der Suche nach Spuren. Und diese müssen natürlich festgehalten werden. Das wollten wir auch mal ausprobieren und haben Handabdrücke im Sand hinterlassen, in die wir Gips hineingegossen haben. Da konnte dann sogar das kleine Büchermäuschen prima mitmachen. Schöner wäre es, wenn man eine runde Form oder ähnliches dafür genutzt hätte, welche dann vollständig mit Gips ausgegossen wird, so dass man ein ordentliches Ergebnis erhält, aber wie gesagt, das Ganze wurde ohne Vorbereitung durchgeführt und uns ging es letztendlich ja auch um die Aktion selbst.

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Lesen, lesen, lesen

Da uns einerseits draußen mittlerweile etwas kalt wurde und andererseits die Akkus von den Funkgeräten leider leer waren und erst einmal aufgeladen werden mussten, sind wir erst einmal rein gegangen. Und da konnte Bücherwürmchen nichts mehr von den Büchern abhalten. Das fand ich überhaupt sehr erstaunlich. Wir lesen ihm ja täglich mehrfach vor und ich habe nun an diesem Tag lauter spannende Sachen mit ihm gemacht, die wir sonst nicht unbedingt machen, aber dennoch freute er sich am meisten auf die Bücher.

Wir haben erst einmal ein Bilderbuch geguckt und uns in dem Pixi-Wissen-Buch „Ermittler und Detektive“ schlau gemacht. Aber dann wollte Bücherwürmchen unbedingt „Kalle Blomquist“ lesen, von dem er neulich bereits ein Hörbuch gehört hat. An dem Tag haben wir die ersten Geschichten gelesen und das Buch bzw. den ersten Band (von drei Bänden) dann in den nächsten Tagen zu Ende gelesen.

Detektiv-Ausrüstung

Nach der Lektüreeinheit mussten wir uns dann aber erst einmal um unsere Detektiv-Ausrüstung kümmern. Wir haben uns Detektiv-Ausweise erstellt, die ich einlaminiert habe. Dann wurden aus der Zeitschrift die Tarn-Schnurbärte ausgeschnitten, auf ein Pflaster geklebt und ins Gesicht geklebt. Die Idee mit dem Pflaster fand ich richtig klasse. Außerdem befand sich in der Zeitschrift eine Chiffrier-Scheibe, mit der wir unsere Namen codiert haben und danach gab es dann auch schon Mittagessen, um das sich mein Mann gekümmert hat.

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Basteln und Spielen

Nach dem Mittagessen hat Büchermäuschen Mittagsschlaf gemacht, so dass wir die Zeit zum Basteln und Spielen genutzt haben, was mit dem Kleinen immer ein wenig schwierig ist. Aus einer Klopapierrolle haben wir Kalle Blomquist gebastelt, wo bei wir uns an dem Cover des Buches/der CD orientiert haben. Gespielt haben wir „Spuren im Wald“, genau das richtige Spiel für Detektive, denn hier muss man Spuren erkennen, sie Tieren zuordnen und sich die Verstecke von Tieren merken.

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Die restliche Zeit des Mittagsschlafes haben wir zum Lesen genutzt. Nun wollte Bücherwürmchen Fälle lösen. Wir haben ein paar Ratekrimis aus „Die Spur führt zum Wikingerschiff“ gelesen sowie zwei Fälle aus „Finde den Täter“, bei dem die Lösung jeweils in einem Bild zu finden ist.

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Verstecken spielen mit Funkgerät und Kreide

Nachmittags ging es dann mit Kreide und den aufgeladenen Funkgeräten noch einmal nach draußen. Einer ist vorgelaufen, hat seinen Weg mit Pfeilen gekennzeichnet, sich versteckt und dem anderen durch das Funkgerät Bescheid gesagt, dass er nun los gehen darf. Später haben wir dann die Pfeile weggelassen und durch das Funkgerät nur ein paar Hinweise zum Versteck durchgegeben. Das hat viel Spaß gemacht, auch wenn eigentlich die Wege und Verstecke relativ klar waren, da die möglichen Wege etwas eingeschränkt waren.

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Fingerabdrücke

Nach dem Kaffeetrinken (mein Mann hatte leckere Zimtschnecken gebacken) haben wir uns dem Thema Fingerabdrücke gewidmet. Einerseits haben wir von jedem Finger einen Stempelabdruck gemacht und andererseits haben wir Fingerabdrücke von einer Glasschale genommen. Dafür haben wir uns mit Schmiergelpapier aus einer Bleistiftmine Puder hergestellt, welches auf dem Fingerabdruck mit einem Pinsel verteilt wurde. Darüber haben wir einen Tesafilmstreifen geklebt und schwuppdiwupp war der Fingerabdruck in unserem Notizbuch.  Ich habe ehrlich gesagt gestaunt, wie gut das geklappt hat.

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Leider hat die Zitronen-Geheimschrift, die ich damals schon im Chemieunterricht kennengelernt habe, nicht so gut funktioniert. Man konnte die Abdrücke der Schrift bereits ohne etwas zu tun sehen, die sichere Variante mit dem Föhn funktioniert überhaupt nicht und beim ersten Mal über dem Feuer ging das Papier in Flammen auf… Naja, beim zweiten Versuch kamen die Buchstaben dann doch noch dunkel heraus, aber der Effekt war jetzt nicht so berauschend.

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Spiele

Wir haben noch das Spiel „Figurengaudi“ herausgesucht, bei dem es von verschiedenen Figuren Karten mit Kopfbedeckungen, Köpfen, der Körpermitte und Beinen gibt. Wir haben es allerdings nicht nach den üblichen Regeln gespielt, sondern es für Personenbeschreibungen genutzt. Einer hat eine Figur beschrieben und der andere hat diese dann aus den vorhandenen Karten zusammengesetzt.

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Ansonsten haben wir noch ein paar kleinere Spiele gespielt, die die Aufmerksamkeit schulen. Wir haben eine aufgedrehte Eieruhr im Zimmer versteckt und uns durch das Ticken auf ihre Spur bringen lassen und Bücherwürmchen hat sich vor ihm aufgestellte Spielsachen gut gemerkt, so dass er dann den Gegenstand benennen konnte, den ich heimlich entfernt habe.

Leider verging die  Zeit an diesem Tag sehr schnell. Es war ein sehr schöner Tag und wir haben die Bücher auch an den darauffolgenden Tagen noch auf dem Tisch liegen lassen, so dass wir auch noch „Nick Nase“ sowie weitere Ratekrimis gelesen haben.

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Joscha und Mischa lieben sich. Na und?

Kukuschkan steht Kopf. Das kann ja nun wirklich nicht sein. Zwei männliche Bären, die einander lieb haben und dies auch noch in der Öffentlichkeit zeigen. So etwas passt doch nicht zu Bären, oder vielleicht doch?

In dem Bilderbuch „Joscha & Mischa diese zwei – Die andere Bärengeschichte“ jedenfalls sind die alten Bären entsetzt. Sie zeigen nicht nur auf Joscha & Mischa, die ganz selbstverständlich tatzenhaltend herumlaufen und sich Küsse geben, sondern beschweren sich sogar beim Bürgermeister. Zu Glück kann dieser absolut gar nichts finden, womit Joscha & Mischa den anderen schaden. Die Vorurteile der Bären basieren auf keiner Grundlage.

Joscha & Mischa diese zwei“ ist ein Buch für Toleranz und eine bunte Gesellschaft, in der nicht alle gleich sein müssen. Hier geht es speziell um die gleichgeschlechtliche Liebe, aber letztendlich ist die Botschaft hier auch ganz allgemein aufzufassen.

Haben kleine Kinder schon Vorurteile?

Das Buch gefällt meinem 5 ½-Jährigen Bücherwürmchen sehr gut. Wir lesen es gerne gemeinsam. Ich frage mich allerdings, wie er die Geschichte aufnimmt. Kinder in diesem Alter sind noch sehr offen für alles und haben noch wenig Vorurteile, wenn sie nicht von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen anders geprägt wurden. Bücherwürmchen ist ganz klar von Anfang an auf der Seite von Joscha und Mischa. Er hält zu den Helden des Buches und hofft, dass für sie alles gut ausgeht. Für ihn ist die Antwort auf die Frage „Darf das sein?“ ganz eindeutig ja. Kindergartenkinder nennen auf die Frage, wen sie heiraten möchten, häufig noch spontan ihren besten Freund, während sie auf der anderen Seite so langsam wahrnehmen, dass ein Mann meistens eine Frau heiratet. Auch Bücherwürmchen ließ mal einen Satz wie „Ich weiß, dass ich ein Mädchen heiraten soll“ fallen, denn das ist ja das, was er im Alltag beobachtet. Ihm war bisher allerdings noch nicht bewusst, dass deswegen eine andere Variante von manchen Menschen als falsch angesehen wird. Auf dieses Verhalten wurde er erst durch das Buch aufmerksam und ich weiß nicht, inwiefern er überhaupt versteht, dass die Bären die Liebe zwischen Joscha und Mischa beispielsweise als „absonderlich“ betiteln. Ist das Buch dann vielleicht zu früh für ihn? Oder hilft das Buch dabei, ihm seine Toleranz zu bewahren, da am Ende ja auch alles gut ausgeht und die Bären mit den Vorurteilen, ziemlich blöd dastehen? Ich weiß es nicht. Er mag das Buch jedenfalls, hört es sich gerne an und kommentiert auch durchaus mal, dass doch jeder selbst entscheiden kann, mit wem er zusammen lebt.

Die Begriffe in dem Buch sind allerdings auch für kleinere Kinder nicht alle einfach zu verstehen. Ein Wort wie „sündig“ kennen Kinder in dem Alter in der Regel noch nicht. Insgesamt lässt sich der Text allerdings gut größeren Kindergartenkindern vorlesen.

Besondere Illustrationen

Ich muss zugeben, dass die Bilder ein wenig gewöhnungsbedürftig sind, sowohl für mich als auch für meinen Sohn. Es gibt häufig keine klaren Umrandungen, die Farben sind verwischt und wirken manchmal ein wenig unordentlich. Solche Bilder kennt man aus Bilderbüchern eher nicht. Nach dem ersten Anschauen des Buches meinte Bücherwürmchen, dass ihm der Text, aber nicht die Bilder gefallen haben. Als wir das Buch dann aber ein weiteres Mal angeschaut haben, hat sich seine Meinung allerdings schon ein wenig geändert. So nach und nach wurde er mit den Bildern vertrauter und konnte auf den Seiten auch Bilder entdecken, die ihm gefielen. Am schönsten fanden wir die Bilder, die Joscha und Mischa zeigten. Sie sind am fröhlichsten und wärmsten und sind auch ordentlicher und genauer gezeichnet als die engstirnigen Bären. Je länger wir die Bilder und ihren Stil nun kennen, desto mehr beschäftigen wir uns mit ihnen und lassen uns auf die Atmosphäre, die sie sehr gekonnt ausstrahlen, ein. Wir werden uns das Buch sicherlich noch oft anschauen, denn irgendwie hat es uns dieses Buch angetan und das liegt sicherlich auch an den ungewöhnlichen Bildern.

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Joscha & Mischa, diese zwei – Die andere Bärengeschichte von Hans Gärtner & Christel Kaspar, Edition Tingeltangel, ISBN: 978-3-944936-19-2, 16,90€

Bildliche Reise in die Metropolen dieser Welt

Überall auf der Welt gibt es große, spannende Städte. Städte, die es sich lohnen, entdeckt zu werden. Klar, eine Reise um die Welt wäre da natürlich toll, aber vielleicht reicht ja auch erst einmal das Bilderbuch „Metropolen“. Hier kann man auf je einer Doppelseite die Besonderheiten und Attraktionen von insgesamt 32 Städten aus der ganzen Welt (Amsterdam, Berlin, Krakau, Istanbul, Nairobi, Mumbai, Sydney, New York, Buenos Aires und viele andere) in Bildern entdecken. Und das macht jede Menge Spaß.

Eigentlich bekommt man nur eine kleine Auswahl an Bildern pro Stadt geliefert, aber es ist dennoch sehr spannend und das Gesamtbild, welches sich einem präsentiert, vermittelt einem schon einen guten Eindruck.

Plakative Bilder

Die Städte werden in etwa 12 Einzelbildern präsentiert. Der Text besteht einzig aus beschriftenden Bildunterschriften. Es geht also wirklich in erster Linie um die Bilder, welche einem auch direkt ins Auge stechen. Jedes Bild hat einen bunten, einfarbigen Hintergrund. Davor sieht man dann zum Beispiel das Gebäude, um welches es geht, welches recht einfach dargestellt wird. Kleinere Details, Landschaften oder auch Bausteine bei Häusern oder ähnliches fehlen vollständig. Alles wird plakativ, klar und naiv dargestellt, was aber für Kinder gut greifbar ist. Sie brauchen bei einem Auto keine Türen zu sehen, um zu verstehen, dass dies ein Auto ist. Ihnen reicht die Form eines Autos, zwei schwarze Flächen für die Fenster und unten zwei Halbkreise für die Reifen aus, um ein Auto auf dem Bild zu sehen. Sie können sich durch die klaren Strukturen und Formen schnell auf den Bildern orientieren und greifen sich die Bilder heraus, die sie interessieren.

Der naive Zeichenstil fällt vor allem bei den Menschen auf. Hält jemand z.B. eine Gabel am Tisch in der Hand, so ist der Arm, übermäßig lang im Übrigen, einfach in einem halbkreisförmigen Bogen vom Körper aus gemalt. Eine Haltung, die einfach so anatomisch gar nicht nachzumachen ist, aber Kinder stören sich daran überhaupt nicht.

Durch die einzelnen Bilder und vor allem durch die unterschiedlich farbigen Hintergründe wirken die Bilder sehr farbenprächtig, doch auf den einzelnen Bildern werden nur wenige unterschiedliche Farben benutzt. Dies trägt wiederum zur Übersicht auf den Bildern bei.

Ich mag die Bilder. Sie haben etwas Besonderes. Auch wenn Menschen, Gebäude etc. vereinfacht dargestellt werden, ist alles immer gut wiederzuerkennen und man wird direkt an das Original erinnert. Das wurde hier wirklich gut gemacht.

Dinge, die ein Kind interessieren

Ich muss zugeben, dass ich mich gewundert habe, wie interessiert sich Bücherwürmchen das Buch angeschaut hat. Bisher hielt sich sein Interesse bei diesen Themen zu meinem Leidwesen zurück, aber vielleicht ist meine Begeisterung nun doch ein wenig übergesprungen.

Besonders interessant fand Bücherwürmchen, was man in der jeweiligen Stadt gerne isst. Dass es in Bangkok frittierte Insekten gibt, musste er dann auch gleich dem Papa erzählen. Aber auch die Schlangensuppe in Hongkong fand er spannend. Die möchte er zwar nicht unbedingt essen, aber trotzdem möchte er gerne nach China reisen und zum Vogelmarkt gehen.

Den Londoner Wolkenkratzer 30 St Mary Axe („Die Gurke“) hat er am Tag nach der Lektüre sogar auf seine Zaubertafel gemalt und beim Anschauen des Buches wunderte er sich darüber, warum nicht der Torre Agbar in Barcelona mit ähnlicher Form „Die Gurke“ genannt wird.

In Wien entdeckte er Sissi wieder, über die wir gerade gelesen hatten, in Stockholm konnte er sich an meine Erzählung zu dem Kriegsschiff Vasa erinnern, Eiffelturm und Louvre in Paris sagten ihm  ebenso wie das Kolosseum in Rom etwas, die russischen Matrjoschka-Puppen kennt er aus dem Kindergarten und aus Kairo waren ihm die Pyramiden bekannt. Und darüber hinaus gab es natürlich noch jede Menge Neues zu entdecken. Zu manch einem Bild konnte ich ihm etwas sagen, aber es gibt auch viele Bilder, bei denen ich auch nicht viel mehr als die Bildbezeichnung vorlesen kann. Mehr Informationen bekommt man in dem Buch nicht. Ja, man bekommt auf den Doppelseiten einen ersten Eindruck von den Städten und Ländern, aber in die Tiefe geht es erst, wenn man im Anschluss an die Lektüre anfängt zu recherchieren. Und dazu bekommt man beim Anblick der Bilder und der unbekannten Tempel, Türme, Gebäude etc. Lust.

Kreativer Umgang mit dem Buch

Ich weiß nicht, inwiefern Kinder Lust haben sich nur diese gemalten Bilder zu verschiedenen Städten anzuschauen. Bei meinem Sohn hat es dieses Mal erstaunlich gut funktioniert, aber manchmal muss man ihm bei einem solchen Buch auch locken. Es gibt aber viele Möglichkeiten, mit denen man ein solches Buch spannender machen kann. Zum einen kann man gemeinsam versuchen mit dem Kind noch mehr über bestimmte Städte herausfinden, man kann das jeweilige Land auf einem Globus suchen und sich beim Tiptoi-Globus sogar noch ein paar Infos dazu sagen lassen, und man könnte sich eine Stadt/ein Land heraussuchen und dazu eine bunte Collage gestalten. Ebenfalls eine schöne Idee wäre, wenn man alle Türme in dem Buch heraussuchen würde und sie der Größe nach sortiert nebeneinander auf ein Blatt malen würde. Sportliche Menschen könnten eine beliebte Sportart aus einem anderen Land mal ausprobieren. Vielleicht hat man ja auch ein Bilderbuch zu Hause, das in einer der Städte spielt, so dass einem die Stadt und ihre Menschen noch ein bisschen näher kommt. Und selbstverständlich könnte man das eine oder andere Essen mal nachkochen. Es muss ja nicht gleich die Schlangensuppe sein.

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Metropolen von Benoit Tardif, übersetzt von Christoph Schuler, NordSüd Verlag, ISBN: 978-3-314-10365-0, 18 €

Sisi für Kinder

Große Persönlichkeiten sind auch schon für Kinder interessant, denn ihr Leben verlief oft spannend. Nicht immer gibt es aber passende Bücher und Erzählungen in kindgerechter Sprache. Aber nun gibt es ja die neugierige Julie, die mit ihrer Mama ins Museum geht und dort ganz viel erfährt, was auch wir nun alles lesen dürfen und zwar in dem Buch „SISI – erzählt für Kinder, Das Leben der Kaiserin Elisabeth von Österreich“.

Das Buch beginnt etwas unvermittelt. Auf der linken Seite findet man noch die ISBN und ähnliche Angaben und rechts oben fängt ohne Überschrift dann der Text an. Es ist zwar noch nicht das erste Kapitel, aber es wird uns hier bereits erzählt, dass Julie mit ihrer Mama ins Museum geht um etwas über Sisi zu erfahren. Vom ersten Kapitel an erzählt dann die Mutter ihrer Tochter jede Menge über Sisi, von ihrer Kindheit bis hin zu ihrem Tod.

Zwischendurch werden immer mal wieder Fragen von Julie mit eingestreut. Das Ganze ist im Prinzip ein Dialog zwischen Mutter und Tochter, wobei der Großteil der Redeanteile an die Mutter fällt, die viel erzählt. Durch das Gespräch lassen sich viele schwierige Wörter, wie z.B. „Revolution“ durch die kindliche Frage geschickt erklären.

Das Museum selbst tritt völlig in den Hintergrund. Das Gespräch hätte sich genauso gut zu Hause ereignen können. Vielleicht hätte man die Rahmenhandlung sogar weglassen können. Man hätte auch einfach ein Buch in kindgerechter Sprache über Sisi herausbringen können, aber durch das Gespräch wirkt alles ein bisschen lebendiger und aufgelockerter. Außerdem gefällt es mir gut, dass hier Sachinformationen über eine Geschichte und nicht in einem typischen Sachbuch vermittelt werden.

Die Erzählung über Sisi ist insgesamt gut gelungen. Sie ist interessant und spannend erzählt und für Kinder gut verständlich. Sisi wird hier nicht verklärt, aber dennoch menschlich dargestellt. Auch die Ansichten und Erwartungen der Menschen aus dieser Zeit finden in dem Buch Berücksichtigung, so dass man Sisis Emotionen und Handlungen besser nachvollziehen kann. Kinder können bei diesem Buch ohne es zu merken und mit viel Freude einiges lernen und neugierig auf andere Menschen und Ereignisse in der Weltgeschichte werden. Darüber hinaus ist das Buch auch für Erwachsene durchaus interessant und kurzweilig zu lesen.

Die Illustrationen sind recht verträumt, passen aber sehr gut zu diesem Buch. Schön ist, dass man noch einen Suchauftrag für alle Bilder bekommen hat, so dass man sie wirklich intensiv betrachtet.

Als kleines Extra findet man am Ende des Buches Aufkleber, die teilweise Zeichnungen aus dem Buch zeigen.

Das Buch hat einen Einband aus weicher Pappe und wird innen mit einer Ringbindung zusammengehalten. Man könnte meinen, dass es dadurch nicht ganz so hochwertig wirkt, aber es lässt sich gut in der Hand halten und die Seiten lassen sich durch die Ringbindung gut blättern.

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Sisi – erzählt für Kinder von Nora Rath-Hodann und Anemone Kloos, JGIM Verlag, ISBN: 978-3-9504065-1-1, 14,90€

Norwegischer Wintertag im Bilderbuch

Was fällt euch zum norwegischen Winter ein? Vielleicht nur Schnee, Kälte und Dunkelheit? Dann schaut doch mal in das Bilderbuch „Winterspaß im Slapsefjell“. Hier kann man viele Aktivitäten sehen, die man an einem winterlichen Tag in den norwegischen Bergen, im Slapsefjell, erleben kann. Dazu gehört natürlich das Skifahren, Snowboarden, die Fahrt in der Seilbahn auf den Berg, Eisangeln, Schneemann bauen und vieles mehr. Die Schüler müssen drinnen in der Klasse etwas über den Wettlauf zum Südpol lernen, während draußen auf der Skisprungschanze ein neuer Rekord aufgestellt wird. Witzig finde ich, die Angebergeschichten, die beim Apès-Ski von den kühnen Skifahrern verbreitet werden, aber auch die Skipolizei, die die rücksichtslosen Raser auf der Piste stoppt, gefällt mir gut. Überhaupt wird hier die Realität mit viel Humor vorgestellt. Man kann in dem Buch in einen norwegischen Schneetag mit allem drum und dran eintauchen, aber dennoch darf man gleichzeitig das Ganze nicht zu ernst nehmen, was man auch schon an den Figuren feststellen kann. Menschliche und tierische Gesichter existieren hier ohne irgendeinen Kommentar ganz natürlich nebeneinander und fahren gemeinsam die Pisten hinab.

Leider gefallen die Bilder in dem Buch meinem Sohn so gar nicht. Als er das Buch bei unseren Winterbüchern entdeckt hat, meinte er, dass ich das ruhig wegstellen könne, da er es nicht möge. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns das Buch allerdings noch gar nicht angeschaut.  Bücherwürmchen ließ sich natürlich darauf ein, dass wir uns das Buch mal gemeinsam anschaute, denn Bücherlesen ist ja immer toll, dennoch meinte er auch danach, dass er die Bilder nicht mögen würde. Er konnte mir nicht sagen, woran es liegt, aber er fand sie einfach nicht schön.

Die Bilder sind tatsächlich speziell. Die Figuren haben unnatürliche Proportionen. Die Köpfe sind auffällig groß, während z.B. die Arme sehr dünn gezeichnet sind. Hintergründe und Landschaften wirken auf den ersten Blick recht realistisch. Man sieht eine Winterlandschaft vor sich, die man sofort mit dem in Zusammenhang bringt, was man kennt, so dass man sich gefühlt im norwegischen Winter wieder findet. Betrachtet man die Bilder jedoch genauer, so sieht man, dass auch hier künstlerisch gearbeitet wurde. Die Bäume wurden teils aus verschiedenen Formen zusammengesetzt bzw. wurden die Tannenbäume teilweise so naiv mit Dreiecken gezeichnet, wie auch ein Kind dies tun würde. Das Besondere ist aber, dass dies in der Gesamtheit gar nicht auffällt und man im Gegenteil das Gefühl hat, eine realistische Winterszene vor sich zu sehen.

Sehr schön finde ich ja das Vorsatzpapier, auf dem man ein paar Accessoires für einen Wintertag im Slapsefjell findet.

Winterspaß im Slapsefjell“ ist ein Buch, welches man mehrfach angucken muss, um alle Feinheiten, sowohl im Text als auch in den Bildern, zu entdecken. Hier steckt jede Menge drin. Es ist kein ganz einfaches Buch. Der Text lässt sich nicht sonderlich einfach lesen, denn es werden einige Adjektive und Formulierungen eingestreut, die man nicht automatisch erwartet, so dass man sich auf alle Wörter gut konzentrieren muss. Wenn man sich aber auf das Buch einlässt, dann hat man viel Freude damit und man wird es immer wieder anschauen wollen.

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Winterspaß im Slapsefjell von Bjørn R. Lie, übersetzt von Maike Dörries, Kunstanstifter Verlag, ISBN: 978-3-942795-35-7, 19,00€