Jugendrezension zu „Wunderworte“

Das Buch „Wunderworte“ von Abbey Cooper ist eines der Bücher, welches einen von Beginn an durch eine sanfte, aber zurückgezogene Heldin in seinen Bann schlägt.

Elyse ist im Grunde ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen, doch leidet sie unter der seltenen Krankheit CAV. Bei dieser Krankheit erscheinen all jene Wörter auf ihren Armen und Beinen, mit denen sie beschrieben wird. Die gemeinen Wörter werden immer noch einem starken Juckreiz begleitet. Normalerweise beschützt Jeq, Elyses beste Freundin, sie vor den Gemeinheiten der anderen Kinder. Doch Jeq orientiert sich immer mehr an den „coolen“ Mädchen, wodurch die schlimmen Wörter auf Elyses Armen und Beinen immer häufiger auftreten. Elyse sieht ihre einzige Chance wieder mehr nette Wörter zu bekommen, darin, Jugendreiseleiterin für die Klassenfahrt zu werden. Immer wieder tauchen kleine, blaue Zettel auf, die Elyse helfen zur Reiseleiterin zu werden. Doch wer hat diese Zettel geschrieben?

Diese Frage zieht sich beinahe durch das gesamte Buch. Doch ist sie nicht allein für die Spannung der Handlung verantwortlich. Vielmehr sind es die Themen wie Freundschaft und Selbstakzeptanz, die diesem Buch das gewisse Etwas geben. Dank einer leichten und einfachen Sprache kann man die Gefühle der Heldin gut nachvollziehen. An manchen Stellen erscheint mir jedoch Elyse etwas zu reflektiert für ein zwölfjähriges Mädchen, doch kann dies auch daran liegen, dass sie an der schwierigen Situation wächst.

Zusammengefasst kann ich dieses Buch ab zwölf Jahren empfehlen. Mir selbst hat es gut gefallen.

Anna, 17 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Wunderworte von Abbey Cooper, Einbandillustration von Suse Kopp, übersetzt von André Mumot, Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7915-0039-3, 16,99€

Jugendrezension zu „Animox – Das Auge der Schlange“

Animox sind Menschen, die sich im Untergrund halten, da sie sich in Tiere verwandeln können. Simon ist 12 Jahre alt und Erbe des Vogelclans sowie Nachkomme des Bestienkönigs, welche vor mehreren Jahren Diktator über die Animox war. Das macht Simon zu einer laufenden bzw. fliegenden Zielscheibe. Dazu kommt auch noch, dass er nach seiner verschollenen Mutter sucht.

Dieses Fantasy-Buch zog mich gleich von Beginn an in seinen Bann und ich hatte das Gefühl, dass ich mitten im Geschehen stehen würde. Das macht das Buch noch lebendiger. Ich konnte es nicht mehr aus meinen Händen legen, da ich wissen wollte, wie es weiter geht. Auch das Ende überzeugte mich. Also kann ich dieses Buch allen Jugendlichen über 12 Jahren empfehlen.

Richard, 12 Jahre, Teilnehmer der Schreibwerkstatt zu:

Animox – Das Auge der Schlange von Aimee Carter, übersetzt von Maren Illinger, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-4624-4, 14,99€

Jugendrezension zu „Was die Welle nahm“

Was die Welle nahm“ ist ein emotionales Buch, in dem es um den vierzehnjährigen Lukas geht. Lukas wohnt mit seiner Mutter Anja in Neukölln, einem Stadtteil von Berlin. Sein leiblicher Vater ist seit zehn Jahren tot. Angeblich soll er bei einem Tsunami in Thailand ums Leben gekommen sein. Doch niemand spricht über den Tod von Lukas Vater. Wenn er fragt, erhält er keine Antworten. Aber Lukas will mehr wissen. Er will wissen, für wen und warum sein Vater ihn und seine Mutter verlassen hat. Während Anja mit ihrem neuen Freund Hannes im Urlaub ist, sucht Lukas nach der Wahrheit und will das Geheimnis um den Tod oder auch das Verschwinden seines Vaters lüften. Dabei erfährt er von Dingen, die seine Welt verändern und ihn zu tiefst verletzen.

„Was die Welle nahm“ ist ein Buch, das die Geschichte von einem Jungen erzählt, der seinen Vater vermisst und den Tod von ihm verstehen und aufklären möchte. Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Lukas geschrieben, und hat daher auch oftmals ein paar komische Textstellen, wo sich z.B. der gleiche Satz öfters wiederholt. Ich fand es zwischendurch auch etwas langweilig. Aber für Leser, die gerne vollkommen reale Geschichten mögen und es nicht unspannend finden, dass es zwischendurch auch ein ganz normales Alltagskapitel gibt, empfehle ich das Buch ab 12 Jahren.

Annika, 12 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Was die Welle nahm von Vera Kissel, Dressler Verlag, ISBN: 978-3791511108, 14,99€

Rezension: Oh, ein Tier!

Ich bin begeistert von dem Bestimmungsbuch „Oh, ein Tier!“, auf dessen Cover die Ente einem „Guten Duck“ wünscht. Aber man sollte sich dieses Buch genau anschauen, um zu wissen, für wen es etwas ist. Es gibt in dem Buch tolle, sehr realistische Bilder verschiedener heimischer Tierarten und so könnte man dazu verleitet werden, dieses Buch kleinen Kindern in die Hand zu drücken um sie an die Tierwelt heranzuführen. Dieses Buch ist aber nichts für kleine Kinder, denn es ist nicht nur ein Buch, in welchem man tatsächlich viel über Tiere und die Natur lernen kann, sondern auch ein Buch mit einem besonderen Humor.

Das Buch zeigt viele schöne, bunte Bilder von Insekten, Spinnen, Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren. Diesen Tiergruppen wird am Ende des Buches noch das Kapitel „Vergessene Arten“ (z.B. Muscheln oder der Regenwurm) angehängt. Neben diesen schönen, ansprechenden Bildern, wirkt das Buch aber wie ein Notizbuch. Es gibt viele handschriftliche, umgangssprachliche Anmerkungen, kleine  Comicstripes und Skizzen bzw. Kritzeleien. Der Ton ist umgangssprachlich und derb. Pipi, Aa und Sex kommt hier viel drin vor. Aber irgendwie immer noch auf eine humorvolle Art und Weise und mit einem gewissen Augenzwinkern. Dieses Buch macht Spaß. Es ist witzig und lehrreich zugleich, aber es ist kein Buch für Kinder, sondern meines Erachtens erst für Jugendliche und Erwachsene, die auch gerne mal albern sind, geeignet. Aber für die Großen ist es ein tolles Buch, das immer wieder viel Freude macht und bei dem man gerne die ganze Zeit, jemandem anderen die witzigen Details, die man gerade gelesen hat, zeigen möchte. Und das Schöne ist, dass es eben nicht nur ein spaßiges Buch ist, sondern, dass man gleichzeitig auch noch etwas lernt. Eine seltene Kombination, die ich in dieser Art auch noch nie gesehen habe.

Wundert euch nicht über den Preis des Buches. Es ist ein richtiger Wälzer! Ein Buch, welches das Bücherregal gut füllt.

Oh, ein Tier! Bestimmungsbuch mit fast allen heimischen Arten von Felix Bork, Eichborn, ISBN: 978-3-8479-0633-9, 28€

Jugendrezension zu „Winterseele – Kissed by Fear“

Elizabeth Caldwell – ein eigentlich normales Mädchen. Naja, bis auf, dass sie sehr zurückgezogen ist, kommt sie so rüber. Doch eine entscheidende Sache unterscheidet sie von den anderen Sterblichen: Sie kann nichts fühlen, aber dafür die Gefühle anderer in Menschengestalt sehen und mit ihnen kommunizieren.

Die Gefühle haben längst aufgehört, zu versuchen, Elizabeth zu berühren. Bis auf Fear. Er ist gefährlich-schön und versetzt alle in Angst und Schrecken, doch bei Elizabeth wird er weich. Denn sie lässt sein Herz höher schlagen. Doch was ist, wenn Elizabeth‘ Leere sich regt? Etwas hervor dringt? Sie droht zu durchbrechen? Und dann auch noch eine höchstgefährliche Macht Elizabeth‘ Leben bedroht?

Das Buch „Winterseele – Kissed by Fear“ von Kelsey Sutton hat mich schon ab dem ersten Satz gefesselt. Es war spannend aus Elizabeth‘ Ich-Perspektive etwas über ihre innere Leere, ihr Leben, die Gefühle, über die gefährliche Macht und ihre spannende Vergangenheit zu erfahren. Man fühlt sich schnell als wäre man mitten im Geschehen und legt das Buch nur schwer aus den Händen. Das Ende und die Mitte gefallen mir am besten, denn dort passiert viel spannendes und viele interessante Dinge werden aufgeklärt.

Ich finde, es ist ein gutes Buch für Jugendliche (vor allem Mädchen) ab 12 Jahren. Das Buch beinhaltet Spannung, Action, aber auch Romantik – dies allerdings nicht viel. Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen!

Mara, 12 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Winterseele – Kissed by Fear von Kelsey Sutton, übersetzt von Ursula Held, Ravensburger Verlag, ISBN: 978-3-473-58508-3, 12,99€

Jugendrezension zu „Einzig“

Sicherlich hat sich jeder schon einmal gefragt, wer man eigentlich wirklich ist. Diese Frage bekommt eine besondere Bedeutung im Buch „Einzig“. Die sechzehnjährige Teva erscheint zunächst wie ein normales Mädchen: Sie geht zur Schule, hat einen Freund ihrer besten Freundin erzählt sie alles. Nun ja, fast alles, denn zu Hause darf sie niemand besuchen. Das liegt an ihren jüngeren „Geschwistern“. Doch im eigentlichen Sinne sind es nicht ihre Geschwister, sondern jüngere Versionen ihrer selbst. Genau 365 Tage hat eine Version Zeit bis die nächste ihren Platz einnimmt und die alte Version für immer ins Haus eingeschlossen wird. Davon darf unter keinen Umständen jemand erfahren; die Gefahr, dass sie dann verfolgt und verstoßen werden, ist zu groß.

Dieses Buch besticht mit einer mutigen und gedankenvollen Heldin, die weder überdreht noch stumpfsinnig ist. Die Konflikte zwischen ihrem geheimen Leben zu Hause und dem zur Schau gestellten, werden schon früh in der Handlung deutlich. Die Situation spitzt sich weiter zu, als Teva die neue Version in sich spürt. Zudem gerät Teva immer öfter mit ihrer fünfzehnjährigen Version um ihren Freund Ollie in Streit, denn die fünfzehnjährige Version hatte sich zu ihrer Zeit in Ollie verliebt und sieht die jetzige Teva als Eindringling. Auch muss sich Teva über ihre Gefühle für Tommo klar werden.

Dieses Buch ist trotz des ernsten Themas lebendig und humorvoll geschrieben, so dass man leicht in das Leben der Heldin eintauchen kann. Neben den persönlichen Problemen Tevas werden auch Themen wie Selbstbestimmung und Akzeptanz von „andersartigen“ Menschen behandelt.

Als schließlich die Frage aufkommt, ob sie sich vielleicht ihren Teilungsprozess und ihre jüngeren Versionen nur einbildet, nimmt die Handlung noch einmal Fahrt auf. Etwas enttäuschend ist jedoch das Ende. Zu schnell lösen sich alle Konflikte in Wohlgefallen auf. Ansonsten kann ich dieses Buch für alle ab zwölf Jahren nur empfehlen. Mir selbst hat es sehr gut gefallen.

Anna, 17 Jahre Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Einzig von Kathryn Evans, übersetzt von Sabine Reinhardus, FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, ISBN: 978-3-7335-0297-3, 12,99€

Jugendrezension zu „Sommernachtsfunkeln“

Copyright: Arena Verlag

Der Roman „Sommernachtsfunkeln“ ist etwas für alle Leser, die gerne Liebesgeschichten mit mysteriösen Geheimnissen mögen.

In dem Buch geht es um die europäische Kati, die wegen eines Unfalls eine große Narbe auf der rechten Wange hat. Diese Narbe verändert ihr Leben und ihren großen Traum an die Royal Skakespeare Academy zu gehen. Kati geht als Aupair nach Los Angeles um dort neu zu starten und sie will ihren Vater finden, der laut ihrer Mutter ein Kriegsheld ist. Durch Jeff und Lucy, die Inhaber einer beliebten Bar, bekommt Kati ihr Selbstbewusstsein zurück und traut sich im Lived, der Bar von Lucy und Jeff, einen Shakespeare-Auftritt. Doch es scheint alles anders zu sein, als es aussieht. Das zeigt Luke Kati. Er ist ihr Ex-Freund und plötzlich in Los Angeles um Kati seine Liebe zu ihr zu gestehen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es gibt romantische Szenen, aber auch spannende Aufklärungsteile mit denen die Wahrheit ein Stück näher ans Licht kommt. Ebenfalls fand ich es gut, dass das Buch in der Perspektive von Kati und von Luke geschrieben wurde. So kann man wissen, was in Europa und was in Los Angeles gerade in diesem Moment geschieht. Außerdem erfährt man dadurch Katis und auch Lukes Gefühle, so dass man einen anderen Blick auf die Geschichte hat.

Ich kann das Buch „Sommernachtsfunkeln“ weiterempfehlen. Es war fesselnd bis zur letzten Seite.

Annika, 12 Jahre, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt zu:

Sommernachtsfunkeln von Beatrix Gurian, Arena, ISBN: 978-3-401-60322-3, 16,99€

Jugendrezension zu „Kuromori – Das Schwert des Schicksals“

Interessierst du dich für die japanischen Götter, für epische Kämpfe oder sonderbare Fabelwesen? Dann kann ich dir das Fantasy-Action-Buch „Kuromori – Das Schwert des Schicksals“ nur empfehlen.

In diesem Buch geht es um Kenny, welcher eigentlich nur zu seinem Vater in die Metropole Tokio flog, von dem jedoch plötzlich das Leben von 50 Millionen Menschen abhängt. Um diese aus der Gefahrenzone herauszubringen, muss er sich Göttern stellen und einen riesigen Drachen bekämpfen.

Meiner Meinung nach ist dieses sehr gut geschriebene, witzige und abenteuerreiche Buch eine Pflichtlektüre für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, welche einen Geschmack für Action besitzen. Mich selbst fesselte das Buch so sehr, dass ich es innerhalb 4 Tagen gänzlich las. Das Ende rundete die Geschichte gut ab und übertraf meine Erwartungen haushoch.

Richard, 12 Jahre, Teilnehmer der Schreibwerkstatt zu:

Kuromori – Das Schwert des Schicksals von Jason Rohan, Ravensburger Verlag, ISBN: 978-3-473-36953-9, 14,99€

Klassiker Weltreise: Tom Sawyer

Schon seit Juli kann man auf verschiedenen Blogs mit tollen Klassikern um die Welt reisen. Leider hatte ich bisher wenig Zeit dazu, die einzelnen Stationen zu besuchen, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Einen guten Überblick der Klassiker Weltreise findet ihr auf Bücherstöberecke und Stöberkiste.

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Sehr gerne mache ich hier mit, denn ich mag nicht nur viele Klassiker gerne lesen, sondern viele Buchklassiker richten oder richteten sich ja auch an Kinder bzw. Jugendliche und passen somit gut auf die Geschichtenwolke.

Mein Mann und ich lesen uns abends immer gegenseitig ein Buch vor und dabei haben wir festgestellt, dass sich dazu Kinderbuchklassiker besonders gut eignen. Sie lassen sich häufig gut lesen und letztendlich wollten wir einige der Bücher sowieso immer schon mal lesen und ich bin froh, dass ich auf diese Weise ein paar tolle Klassiker kennen gelernt habe.

Besonders ins Herz geschlossen habe ich „Tom Sawyers Abenteuer“.

Wohin führt uns dieses Buch? Nach Amerika an den Mississippi. Und da dieser Fluss und die Abenteuer, die man an und auf ihm erleben kann, eine große Rolle spielen, kam mir, als ich nun an dieses Buch dachte, auch als erstes ein Floß in den Sinn, aber dann hatte ich noch ein anderes Bild im Kopf: Einen Zaun.

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Und dieser Zaun kann euch so einiges erzählen:

Eigentlich müsste ich mich ja ziemlich über diesen ungezogenen Bengel namens Tom ärgern. Immerhin hat er keinen liebevollen Blick für mich übrig. Im Gegenteil. Ich stehe hier stolz und schützend vor dem Haus der guten Tante Polly und hätte somit ein Anrecht darauf gut behandelt zu werden. Aber für Tom ist es eine große Strafe sich mit der lästigen Malerei zu beschäftigen. Ich verstehe das gar nicht. Mit mir kommt man doch gut aus und ich halte beim Anstreichen auch bestimmt ganz still. Doch dieser Tom hat einfach Hummeln im Hintern und ja, ich muss es leider so sagen, faul ist er oben drein. Wie gesagt, eigentlich gibt es keinen Grund, warum ich diesen Jungen mögen sollte, aber trotz seiner Streiche und seiner Unlust nützliche Arbeiten zu verrichten, hat er ein gutes Herz. Außerdem finde ich ihn geradezu pfiffig und aufgeweckt und ab und zu muss ich sogar über seine Ungezogenheiten schmunzeln. Aber verratet das bloß nicht Tante Polly, denn das würde nur ihr Herz betrüben. Die gute Frau wünscht sich so sehr, dass aus dem Kind ihrer verstorbenen Schwester ein guter Mensch wird und hat so ihre Mühen mit dem Lausbuben. Ach und dabei stecken so viele gute Eigenschaften in Tom. Ich jedenfalls hätte gerne einen so guten Freund, wie Tom es ist. Oh ja, mit einem wie Tom kann man richtige Abenteuer erleben und dabei kann man sich ganz und gar auf ihn verlassen. Ein Zaun wie ich kommt ja leider nicht weit. Da hat es das Holz, welches zu einem Floß gebaut wird, schon besser. Ich habe die Leute davon sprechen hören, dass Tom mit seinen Freunden Joe Harper und Huckleberry Finn auf einem Floß unterwegs ist. Was sie da wohl alles erleben? Aber ich freue mich für Tom, wenn er nun wieder viel Spaß hat. Ich hatte das Gefühl, dass er in letzter Zeit etwas betrübt herumlief. So als drücke ihn irgendetwas. Mir als Zaun hätte er sich ja mal anvertrauen können. Ich hätte auch nichts weiter gesagt, aber es scheint ein sehr großes Geheimnis zu sein. Hoffentlich steckt er da mal nicht ordentlich in der Patsche. Aber ich bin mir sicher, dass Tom schon seinen Weg gehen wird. Er hatte bisher doch für alles eine Lösung und wenn es nur darum ging, sich davor zu drücken mich streichen zu müssen…

 

Ja, dieser Tom Sawyer ist ein Lausbub und genau deshalb mag ich ihn und das Buch über ihn so gerne. Hier werden noch richtige Abenteuer erlebt, die ein Kinderherz höher schlagen lassen. Es geht spannend, freundschaftlich, gewitzt und wild zu, aber auch tiefergehende Dinge wie die Behandlung beispielsweise dunkelhäutiger Menschen werden kritisch angesprochen ohne dass der Charme dieser Geschichte darunter leidet. Es macht Spaß von Tom und seinen Freunden zu lesen und natürlich muss dem Buch von Tom Sawyers Abenteuern auch das Buch von Huckleberry Finns Abenteuern folgen.

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Tom Sawyers Abenteuer, Arena Kinderbuch-Klassiker, ISBN: 978-3-401-06524-3, 7,99€

Huckleberry Finns Abenteuer, Arena Kinderbuch-Klassiker, ISBN: 978-3-401-06620-2, 7,99€

Samia Yusuf Omar – Eine besondere Geschichte in einer Graphic Novel

Geht es euch auch so, dass euch schlimme Schicksale andere Menschen sehr nahe gehen, seitdem ihr eigene Kinder habt? Natürlich fand ich es schon immer schlimm und traurig, wenn Menschen, insbesondere Kinder, Krieg, Gewalt, Hunger o.ä. erleiden mussten, aber seit mein erster Sohn auf der Welt ist, kann ich solche Meldungen nur sehr schwer ertragen und ich lese auch keine Bücher mehr, die solche Schicksale thematisieren. Viele solcher Bücher sind aber wichtig, um die Menschen aufzurütteln und um die Augen und Herzen zu öffnen. Dies trifft umso mehr zu, wenn es um aktuelle Themen geht und man den Blick auf gewisse Dinge schärfen kann.

Auf AstroLibrium werden sehr viele wichtige Bücher vorgestellt. Hier denke ich vor allem an Bücher „Gegen das Vergessen“, zu denen auch Bücher gehören, die sich z.B. mit den Schicksalen von Flüchtlingen beschäftigen. Ja, oftmals werden in den vorgestellten Büchern Einzelschicksale vorgestellt, aber genau diese Bücher sind so unglaublich wichtig, denn durch sie blickt man nicht nur auf eine anonyme Masse von Menschen, sondern man sieht die einzelnen Menschen. Dann geht es nicht mehr um irgendwelche Zahlen, um „die Flüchtlinge“ oder „die Syrer“, nein, es geht um einzelne Menschenleben. Und so wird einem wieder bewusst, wie wertvoll jedes einzelne Leben ist und was für individuelle Geschichten hinter einer Flucht stehen. Empathie und Menschlichkeit können durch Bücher geweckt werden und unser Blick für die einzelnen Menschen wird geschärft. Nie dürfen wir vergessen, dass es in den Booten oder in den LKWs um Menschen geht, um Menschen, die alle ihre eigene Geschichte haben.

Erst von Arndt habe ich über AstroLibrium vom Schicksal Samias erfahren, die ihren Traum bei den Olympischen Spielen in London mit ihrem Leben bezahlen musste. Diese wahre Geschichte hat mich unglaublich betroffen gemacht. Wie bereits geschrieben, berühren mich solche Schicksale sehr und eigentlich mache ich zur Zeit einen Bogen um entsprechende Bücher, aber Arndt hat mich neugierig auf diese spezielle Geschichte gemacht. Außerdem ist es mir wichtig, den Blick auf die Menschen zu lenken, auf die die Menschen, die ihr Leben auf der Flucht und in den Booten riskieren, denn ich habe das Gefühl, dass sie viel zu oft nicht als einzelne Individuen wahrgenommen werden. Die Empathie geht zunehmend verloren. Man hört nur noch die Zahlen von den Menschen, die es nicht geschafft haben, und macht sich gar keine Gedanken mehr darüber, wer diese Menschen sind und was sie antreibt. Ich möchte aufmerksam machen auf das Schicksal von Samia Yusuf Omar, die den Traum bei Olympia 2012 zu starten nicht aus den Augen verlor und dafür ihr Leben lassen musste.

Bei AstroLibrium wurde ich aufmerksam auf das Jugendbuch „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“, welches Arndt nun auf die Wanderschaft geschickt hat. Verschiedene Bewohner des Campus Libris nähern sich in den nächsten Wochen dem Leben von Samia.

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2008 darf Samia für ihr Land Somalia bei den Olympischen Spielen in Peking starten. Sie strebt eine erneute Teilnahme bei den Olympischen Spielen in London an, doch in ihrem Heimatland kann sie im Prinzip nicht trainieren. Die radikalislamistische Miliz Al Shabaab verbietet es Frauen zu laufen. Samia sieht sich vielen Bedrohungen ausgesetzt. Um ihren Traum dennoch zu verwirklichen, muss sie ihr Zuhause verlassen, doch auch in Äthopien lässt man sie nicht trainieren. Ihr bleibt nur der Weg nach Europa, doch dieser ist schwierig und gefährlich. Samia wagt diesen Schritt trotz großer Angst dennoch. Ihre Flucht ist nicht einfach, immer wieder gilt es Gefahren zu überwinden. Doch dann sitzt sie in einem viel zu kleinem Schlauchboot, auf dem Weg zu ihrem Ziel, auf dem Weg nach Europa. Diese Überfahrt überlebt sie nicht. Sie ertrinkt im Mittelmeer.

Gerade hat das Buch „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“, eine Graphic Novel, bei mir Station gemacht. Ich muss zugeben, dass ich kein großer Comic-Fan bin und ich mich mit dem Genre der Graphic Novel bisher noch nicht auseinandergesetzt habe. Aber vielleicht war das in diesem Fall auch von Vorteil, denn dadurch konnte ich eine gewisse Distanz zu der Geschichte bewahren. Zunächst fiel es mir durch den Comic schwer, mich in die Geschichte Samias hineinzufühlen, aber am Ende des Buches hatte ich dennoch einen dicken Kloß im Hals. Das Buch drückt nicht auf die Tränendrüse, es agiert nicht nach dem Motto „schaut euch mal die armen Flüchtlinge an“, aber es zeigt in einer Abfolge verschiedener Szenen ganz klar auf, wie die Welt Samias aussieht. Und dabei kommt im ganzen Buch die Gefahr und das Bedrückende und Beklemmende ganz klar herüber, denn überall lauern Männer mit Waffen, die Strecke der Flucht ist unerträglich lang und die Angst spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen. Mir fällt es oft sehr schwer etwas aus Bildern heraus zu lesen, aber man bekommt in diesem Buch doch erstaunlich viel mit, insbesondere von den Gefühlen und der Atmosphäre.

Je länger man sich mit dem Buch beschäftigt, desto mehr fällt einem auf, wie viel in dem Buch und in der Geschichte steckt. Geradezu symbolisch wirkt die dünne Samia in dem weiten T-Shirt, in dem sie den Lauf bei den Olympischen Spielen absolviert. Sie hat nicht die gleichen Startbedingungen wie die anderen Athletinnen, nicht im Sport und nicht im Leben.

Nach der Lektüre des Buches möchte man mehr wissen und man würde die Welt so gerne ein bisschen besser machen. Beim Lesen des Buches kamen bei mir letztendlich recht wenige Emotionen auf, weniger als ich gedacht hätte, aber dafür bleibt das Buch bei einem hängen. Es lässt einen nicht los und auch im Nachhinein drängen sich einem die Bilder aus dem Buch immer wieder auf.

Der Traum von Olympia“ ist ein wichtiges Buch, auch dafür um sich selbst stark zu machen für Menschen die Hilfe brauchen und um auch andere davon zu überzeugen. Die gewählte Form macht es auch Jugendlichen möglich sich der Geschichte Samias zu nähern. In Begleitung mit einem Erwachsenen können auch ältere Kinder ab etwa 10/12 Jahren die Geschichte von Samia verarbeiten. Ich hoffe, dass sich viele Eltern mit ihren Kindern dieses Buch gemeinsam anschauen. Kinder bekommen schon viel von der Flüchtlingsthematik mit, sei es über die Nachrichten oder in der Schule. Aber um das Ganze emotional besser erfassen zu können, ist es für sie wichtig, das Thema nicht bei abstrakten Nachrichten zu belassen, sondern es mit konkreten Geschichten zu verbinden. Nur so haben sie die Möglichkeit sich mit den Menschen, die ehrlich Hilfe suchen, verbunden  zu fühlen, menschlich und auch im Gebot der Nächstenliebe zu handeln, dem neuen Flüchtlingskind in der Klasse die Hand zu reichen und sich Fragen wie „Was wäre, wenn mir so etwas passieren würde?“ zu stellen.

Man könnte nun natürlich sagen, dass es sich bei Samia, einer Sportlerin, um eine besondere Geschichte mit einem besonderen Ziel handelt. Ja, sicher, aber dennoch steht Samia letztendlich für die vielen hilfesuchenden Menschen mit ihren Hoffnungen, Träumen und Zielen, für die sie ihr eigenes Leben riskieren. Hinter jedem Menschen auf einem Boot steckt eine Geschichte voller Gefahren einerseits und Hoffnungen andererseits. So sitzen auch neben Samia viele weitere Menschen in dem Boot, Kinder, Frauen und Männer. Es sind kostbare Menschenleben, die es wert sind gerettet zu werden!

Das Buch „Der Traum von Olympia“ wird nun zur nächsten Bewohnerin des Campus Libris reisen, doch Samia und ihre Geschichte wird mich dennoch weiterhin begleiten.

Der Traum von Olympia

Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar von Reinhard Kleist, Carlsen, ISBN: 978-3-551-73639-0, 17,90€

HIER findet ihr den Artikel zu dem Buch auf AstroLibrium.

Anja schreibt in Zwiebelchens Plauderecke ebenfalls über ihre Eindrücke zu dem Buch.