Poetischer Jugendroman: Wir beide wussten, es war was passiert

Drei völlig unterschiedliche Personen und doch finden sie auf wundersame Wege zusammen. Billy, ein Junge, der von seinem alkoholkranken und gewalttätigen Vater davon gelaufen ist, Caitlin, ein Mädchen, das von seinen reichen Eltern auf eine Privatschule geschickt wird und Old Bill, ein scheinbar obdachloser Mann, der in seinem Leben viel Leid ertragen musste.

In dem Buch „Wir beide wussten, es war was passiert“ wird die Geschichte bzw. das Zusammentreffen dieser drei Figuren erzählt. Im Mittelpunkt steht Billy, der anfängt seine Geschichte zu erzählen, doch im Verlauf des Buches übernehmen auch Caitlin und Old Bill die Erzählerrolle. Auf seiner Flucht von zu Hause kommt Billy nach Bendarat, wo er in einem stillgelegten Eisenbahnwaggon Unterschlupf findet und so zum Nachbarn von Old Bill wird, der ebenfalls in einem alten Waggon untergekommen ist. Seinen Hunger stillt Billy mit den Resten, die andere Gäste bei McDonald’s liegen gelassen haben. Auf diese Weise lernt er Caitlin kennen, die sein Verhalten beobachtet hat, es aber beim Wischen des Bodens – und einem freundlichen Lächeln – belässt. Und obwohl alle drei Personen aus ganz anderen Welten kommen, so ist zwischen ihnen sofort eine Verbindung da, zwischen Billy und Old Bill und zwischen Billy und Caitlin. Verbindungen, die zu besonderen Beziehungen heranwachsen.

Außergewöhnliche Form eines Romans

Das Buch „Wir beide wussten, es war was passiert“ ist ein leises Buch. Die Geschehnisse werden von verschiedenen Personen in sehr kurzen Kapiteln erzählt, so dass kaum wörtliche Rede vorkommt. Jedes Kapitel ist in der Form eines Gedichtes niedergeschrieben, so dass alles eine poetische Form mit schönem Sprachklang annimmt, aber dennoch wird in aller Knappheit eine fortlaufende Geschichte erzählt. Die gewählte Form, die für den Text an sich nicht zwingend notwendig ist, macht das Buch zu etwas Besonderem. Es ist keine Geschichte, die einen direkt überwältigt, dafür ist alles zu knapp und ruhig geschrieben, aber dennoch beschäftigt man sich mit ihr auch über das Lesen hinaus.

Kommt es bei der Zielgruppe an?

Mir hat das Buch insgesamt gefallen, aber ich befürchte, dass die Versform der Erzählung ein Problem sein könnte. Das Cover des Buches, das nichts verrät, macht in Zusammenhang mit dem Titel „Wir beide wussten, es war was passiert“ neugierig und lässt Jugendliche nach diesem Buch greifen. Auch der Klappentext klingt verheißungsvoll. Er ist genau in der gleichen Form abgedruckt, wie er auch im Buch erscheint, aber diese besondere Form nimmt man an dieser Stelle nicht wahr. Dann aber schaut man in das Buch und sieht nur kurze Texte in Versform. Hm! Nicht unbedingt das, worauf man sich beim Lesen eines Buches freut. Und schon wird das Buch wieder zur Seite gelegt. Schade! Trotzdem hoffe ich, dass dieses Buch bei dem einen oder anderen Jugendlichen ab 13 Jahren eine Chance bekommt. Es ist eine schöne, kleine Geschichte über Liebe, Freundschaft und das Überwinden von Grenzen.

Und mein Wunsch erfüllt sich tatsächlich, denn eine Teilnehmerin der Schreibwerkstatt hat sich für dieses Buch entschieden. Morgen dürft ihr von ihren Eindrücken dazu lesen.

Wir beide wussten, es war was passiert von Steven Herrick, übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, Thienemann Verlag, ISBN: 978-3-522-20219-0, 14,99€

 

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