Vorlesen ist Leseförderung

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Der Blog Kinderbibliothek hat zu einer Themenwoche zur Leseförderung aufgerufen. Klar, da bin ich dabei, denn dieses Thema liegt mir natürlich auch sehr am Herzen. Vielleicht denkt man bei dem Begriff Leseförderung zunächst an Grundschulkinder, die man zum Lesen bringen möchte, aber für mich ist auch das Vorlesen für kleine Kinder eine ganz große Stütze der Leseförderung. Im Prinzip kann man also gar nicht früh genug mit der Leseförderung anfangen. Wem als kleines Kind viel vorgelesen wurde, der hat die besten Voraussetzungen um selbst ein begeisterter Leser zu werden. An dieser Stelle möchte ich allerdings klar stellen, dass es nicht automatisch heißt, dass ein Kind, welches es liebt tagtäglich Bilderbücher vorgelesen zu bekommen, später ein Vielleser wird, aber es hat die besten Möglichkeiten dies zu werden.

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Warum aber ist das Vorlesen so wichtig, um Kindern den eigenen Leseeinstieg zu erleichtern?

Das hat mehrere Gründe, denn das Vorlesen fördert verschiedene Fähigkeiten.

Zum einen ist Vorlesen natürlich immer auch Sprachförderung. Das fängt schon bei den Pappbilderbüchern ohne Text und mit klaren, einfachen Bildern an, bei denen man lediglich die Dinge benennt. Auf diese Weise wird der Wortschatz eines Kindes nach und nach immer größer und auch Kinder, die vielleicht selbst noch wenig Wörter sprechen, können einem Tiere, nach denen man fragt, auf den Bildern zielsicher zeigen. Je älter das Kind dann wird, desto mehr kommt man ins Erzählen hinein. Es entwickeln sich Gespräche zu den Bildern. In vielen Bilderbüchern ist der Text gereimt, so dass die Kinder auch hier für ein Gespür bekommen. Sind ihnen solche Bücher gut bekannt, können sie die Reime schnell selber ergänzen. Beim Vorlesen entwickelt sich ein Gefühl für die  Sprache, Satzstrukturen werden verinnerlicht und die Kinder werden empfänglicher für das Spiel mit der Sprache.

All diese Dinge kann ich sehr gut an meinen eigenen Kindern beobachten. Mein Kleiner (1 ½) spricht bisher kaum, aber man kann sich mit ihm sehr gut Bücher anschauen und er erfüllt die Suchaufträge sehr gut. Ich staune manchmal, welche Wörter, die wir im Alltag kaum benutzen, er aus den Büchern passiv schon gut versteht.

Mein Großer (5 ½) war sprachlich immer sehr fit. Mit 1 ½ konnte er bereits ganze Sätze sprechen. Damals fiel er damit im Vergleich zu anderen Kindern in seinem Alter deutlich auf. Mittlerweile sind diese Unterschiede auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar, denn fast alle Vorschulkinder können nun natürlich in sinnvollen, zusammenhängenden Sätzen sprechen, doch wenn man genau hinhört, dann merkt man auch jetzt noch einen Unterschied. Mein Sohn hat einen sehr großen Wortschatz und benutzt diesen differenziert. Er drückt sich manchmal sehr schön aus und ich muss sogar zugeben, dass er manchmal speziellere und treffendere Wörter benutzt als ich. Dies sind Wörter, die er nicht aus dem alltäglichen Gespräch, bei dem sie kaum verwendet werden, kennt, sondern Wörter oder Satzteile, die er aus den verschiedensten Büchern kennt und in seinem Wortschatz aufgenommen hat.

Kindern, die ein gutes Sprachgefühl haben, gelingt es einfacher den Sinn aus Gelesenem zu entnehmen. Aus ihren Erfahrungen mit Texten haben sie Erwartungen wie ein angefangener Satz beendet wird, was ihnen das Erfassen von Worten erleichtert. In diesem Zusammenhang ist auch das Wissen, welches sie durchs Vorlesen erworben haben, zu nennen. Beim Vorlesen lernen Kinder eine Menge. Je nach Interesse lernen sie etwas über Tiere, Länder, Städte, über die Natur, Fahrzeuge oder über die Geschichte. Ihr Weltwissen vergrößert sich. Und dies ist beim Lesen lernen nicht zu unterschätzen. Hat man ein Wort entziffert, von dem man weiß, worum es sich handelt, ergibt der gelesene Text viel schneller einen Sinn, man kann das Gelesene besser einordnen und behält es besser.

Natürlich werden beim Vorlesen auch Konzentration und Merkfähigkeit geschult. Dies kann man noch durch ergänzende Fragen unterstützen, in dem man z.B. bei einer Frage auf den Beginn der Geschichte Bezug nimmt. Auch dies sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in das Abenteuer selber Lesen, denn gerade am Anfang erfordert es von den Kindern sehr viel Konzentration die Buchstaben in Laute umzusetzen, diese zusammenzuziehen und dann auch noch das Wort zu verstehen. Geht es dann um ganze Sätze, ist es für die Kinder zunächst gar nicht so einfach sich am Ende noch daran zu erinnern, was sie am Anfang gelesen haben.

Ganz wichtig ist aber vor allem auch das positive Erlebnis. Wie wird das Vorlesen empfunden? Hoffentlich als etwas sehr Schönes und Gemütliches. Vielleicht sitzt man beim Vorlesen immer gemeinsam mit Mama oder Papa auf dem Sofa und kuschelt sich ein wenig an. Ganz schnell verbindet man das Vorlesen mit einem Gefühl der Geborgenheit und Nähe. Bücher werden mit einem positiven Gefühl besetzt. Außerdem hat man die Erfahrung gemacht, dass Geschichten spannend und aufregend sein können. In Büchern verbirgt sich etwas, was sich lohnt entdeckt zu werden. Diese Erfahrung kann eine Motivation sein, die erste anstrengende Zeit des Lesenlernens zu überstehen.

Aus all diesen Gründen finde ich Vorlesen sehr wichtig, aber auch wenn es diese Gründe nicht geben würde, so würde ich meinen Kindern dennoch tagtäglich vorlesen, denn diese Momente gehören zu den schönsten des Tages und ich möchte sie keinesfalls missen.

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5 Kommentare zu “Vorlesen ist Leseförderung

  1. Ein toller Beitrag – der auch super zu deiner Pixi-Challenge passt. Ich variiere beim Vorlesen – jetzt sind meine 3 und lasse jetzt auch sie schon erzählen – was sie sehen – was passiert (sie kennen ja die Bücher bzw. die Handlung ja schon). Beim uns gibt es so eine tolle Buchhandlung am Weg vom und zum Kindergarten – mind. 1x die Woche wird dort ein neues Buch gekauft – die haben so ausgefallene – liebe Bücher und auch einen Pixi stehen 🙂 …. Die Sprachentwicklung ist halt immer sehr unterschiedlich – wie du selbst schreibst – der eine Sohn sprach schon mit 1,5 ganze Sätze, der andere bisher kaum. Das schönste am Vorlesen ist aber das gemeinsame, auch wenn es am Abend für mich nach einem langen Arbeitstag sehr anstrengend ist, wir wollen es aber auch nicht missen.

    LG
    Alexandra

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