Joscha und Mischa lieben sich. Na und?

Kukuschkan steht Kopf. Das kann ja nun wirklich nicht sein. Zwei männliche Bären, die einander lieb haben und dies auch noch in der Öffentlichkeit zeigen. So etwas passt doch nicht zu Bären, oder vielleicht doch?

In dem Bilderbuch „Joscha & Mischa diese zwei – Die andere Bärengeschichte“ jedenfalls sind die alten Bären entsetzt. Sie zeigen nicht nur auf Joscha & Mischa, die ganz selbstverständlich tatzenhaltend herumlaufen und sich Küsse geben, sondern beschweren sich sogar beim Bürgermeister. Zu Glück kann dieser absolut gar nichts finden, womit Joscha & Mischa den anderen schaden. Die Vorurteile der Bären basieren auf keiner Grundlage.

Joscha & Mischa diese zwei“ ist ein Buch für Toleranz und eine bunte Gesellschaft, in der nicht alle gleich sein müssen. Hier geht es speziell um die gleichgeschlechtliche Liebe, aber letztendlich ist die Botschaft hier auch ganz allgemein aufzufassen.

Haben kleine Kinder schon Vorurteile?

Das Buch gefällt meinem 5 ½-Jährigen Bücherwürmchen sehr gut. Wir lesen es gerne gemeinsam. Ich frage mich allerdings, wie er die Geschichte aufnimmt. Kinder in diesem Alter sind noch sehr offen für alles und haben noch wenig Vorurteile, wenn sie nicht von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen anders geprägt wurden. Bücherwürmchen ist ganz klar von Anfang an auf der Seite von Joscha und Mischa. Er hält zu den Helden des Buches und hofft, dass für sie alles gut ausgeht. Für ihn ist die Antwort auf die Frage „Darf das sein?“ ganz eindeutig ja. Kindergartenkinder nennen auf die Frage, wen sie heiraten möchten, häufig noch spontan ihren besten Freund, während sie auf der anderen Seite so langsam wahrnehmen, dass ein Mann meistens eine Frau heiratet. Auch Bücherwürmchen ließ mal einen Satz wie „Ich weiß, dass ich ein Mädchen heiraten soll“ fallen, denn das ist ja das, was er im Alltag beobachtet. Ihm war bisher allerdings noch nicht bewusst, dass deswegen eine andere Variante von manchen Menschen als falsch angesehen wird. Auf dieses Verhalten wurde er erst durch das Buch aufmerksam und ich weiß nicht, inwiefern er überhaupt versteht, dass die Bären die Liebe zwischen Joscha und Mischa beispielsweise als „absonderlich“ betiteln. Ist das Buch dann vielleicht zu früh für ihn? Oder hilft das Buch dabei, ihm seine Toleranz zu bewahren, da am Ende ja auch alles gut ausgeht und die Bären mit den Vorurteilen, ziemlich blöd dastehen? Ich weiß es nicht. Er mag das Buch jedenfalls, hört es sich gerne an und kommentiert auch durchaus mal, dass doch jeder selbst entscheiden kann, mit wem er zusammen lebt.

Die Begriffe in dem Buch sind allerdings auch für kleinere Kinder nicht alle einfach zu verstehen. Ein Wort wie „sündig“ kennen Kinder in dem Alter in der Regel noch nicht. Insgesamt lässt sich der Text allerdings gut größeren Kindergartenkindern vorlesen.

Besondere Illustrationen

Ich muss zugeben, dass die Bilder ein wenig gewöhnungsbedürftig sind, sowohl für mich als auch für meinen Sohn. Es gibt häufig keine klaren Umrandungen, die Farben sind verwischt und wirken manchmal ein wenig unordentlich. Solche Bilder kennt man aus Bilderbüchern eher nicht. Nach dem ersten Anschauen des Buches meinte Bücherwürmchen, dass ihm der Text, aber nicht die Bilder gefallen haben. Als wir das Buch dann aber ein weiteres Mal angeschaut haben, hat sich seine Meinung allerdings schon ein wenig geändert. So nach und nach wurde er mit den Bildern vertrauter und konnte auf den Seiten auch Bilder entdecken, die ihm gefielen. Am schönsten fanden wir die Bilder, die Joscha und Mischa zeigten. Sie sind am fröhlichsten und wärmsten und sind auch ordentlicher und genauer gezeichnet als die engstirnigen Bären. Je länger wir die Bilder und ihren Stil nun kennen, desto mehr beschäftigen wir uns mit ihnen und lassen uns auf die Atmosphäre, die sie sehr gekonnt ausstrahlen, ein. Wir werden uns das Buch sicherlich noch oft anschauen, denn irgendwie hat es uns dieses Buch angetan und das liegt sicherlich auch an den ungewöhnlichen Bildern.

imagejoschamischa

Joscha & Mischa, diese zwei – Die andere Bärengeschichte von Hans Gärtner & Christel Kaspar, Edition Tingeltangel, ISBN: 978-3-944936-19-2, 16,90€

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