Kinderbuchklassiker als Comic – Das doppelte Lottchen

Irgendwie sind Zwillings-Geschichten ja immer wieder reizvoll. Neben den Hanni und Nanni-Büchern habe ich besonders ein Buch geleibt: Das doppelte Lottchen! Ich finde Erich Kästners Geschichte von Luise und Lotte, die sich völlig ahnungslos in den Ferien im Kinderheim in Seebühl am Bühlsee treffen und herausfinden, dass sie Zwillinge sind, herrlich.

Die Zwillinge tauschen ihre Rollen. Luise fährt als Lotte zur Mutter nach München und Lotte als Luise zum Vater, dem Herrn Kapellmeister, nach Wien. Nun ist es natürlich spannend und witzig zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Aber es steckt auch ganz viel Zuneigung, Sehnsucht und der kindliche Wunsch nach einer heilen Familie in dieser Geschichte, was viel von ihrem Charme ausmacht.

Klar, dass am Ende das Täuschungsmanöver auffliegt und Mutter und Luise eilen besorgt nach Wien, wo Lotte, getarnt als Luise, krank im Bett liegt, so dass die Familie nach vielen Jahren das erste Mal wieder komplett zusammentrifft. Nun muss nur noch Irene Gerlach, die zu viel Interesse am Vater zeigt, gestoppt werden und die Eltern müssen einsehen, dass sie es zusammen doch viel schöner haben…

Diese Geschichte geht einem zu Herzen. Allerdings bestehen durchaus Zweifel, ob sich heutige Kinder von diesem „alten Kram“ noch begeistern lassen, wobei es zu schade wäre, wenn „Das doppelte Lottchen“ nicht mehr vorgelesen würde.

Vielleicht ist es also eine gute Idee, dass der Dressler Verlag das Buch als Comic von Isabel Kreitz heraus gebracht hat, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder sehr gerne zu Comics greifen. Ein guter Schachzug also? Ich gebe zu, dass ich im ersten Moment etwas schlucken musste und es mir merkwürdig vorkam, dass ein solcher Klassiker auf einmal als Comic daherkommt. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich persönlich Comics nie so reizvoll fand.

Aber dieses Buch kann mich tatsächlich überzeugen. Dies liegt vor allem an folgenden Sachen: Zwar wurde die auch heute beliebte Form des Comics gewählt, was den Griff zum Buch sicherlich erleichtert, andererseits wurde der Inhalt selbst nicht modernisiert. Die Bilder selbst lassen es zu, dass man sich schnell in der alten Geschichte wiederfindet, denn beispielsweise wurden Kleidung und Figuren altmodisch gezeichnet. Alles ist farbig, aber auch die Farbgebung passt zu dieser älteren Geschichte. Die Gesichter fand ich auf den ersten Blick teilweise etwas hässlich, aber nach ein paar Seiten hat man sich daran gewöhnt und irgendwie sind genau diese Bilder „Das doppelte Lottchen“. Es passt alles perfekt zueinander. Die Gesichtsausdrücke spiegeln im Übrigen klar das Geschehen wider. Auch der Text wird originalgetreu wiedergegeben. Kenner des doppelten Lottchens werden viele Ausrufe und Dialoge wiedererkennen. Letztendlich fragt man sich beinahe, was denn in dem Roman noch, neben den Dialogen, an zusätzlichem Text steht, denn hier liegt eine rundum gelungene Adaption vor. Die Geschichte wird in Bildern und mit Dialogen erzählt und man vermisst nichts. Im Gegenteil, man hat das Gefühl, dass man die alte, oft gelesene Geschichte ein weiteres Mal liest.

Hoffentlich haben nun viele Kinder Spaß an diesem Comic, so dass sie sich ebenfalls an der Geschichte von Lotte und Luise erfreuen können. Es wäre dem Buch sehr zu wünschen und ich glaube, dass auch heutige Kinder die Geschichte mögen werden, wenn sie sich einmal auf sie einlassen.

9783791511719

Das doppelte Lottchen – Ein Comic von Isabel Kreitz von Erich Kästner, Dressler Verlag, ISBN: 978-3-7915-1171-9, 19,99€

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2 Kommentare zu “Kinderbuchklassiker als Comic – Das doppelte Lottchen

  1. Das Buch ist mir unter den Neuerscheinungen auch schon aufgefallen. Mich würde sehr interessieren, wie es bei Kindern ankommt, da ich eigentlich kein Kind kenne, dass heute noch Erich Kästner liest. Vielleicht ändert sich das mit einem Comic?

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    • Da meine Kinder noch zu klein sind um Erich Kästner zu lesen, kann ich es nicht sagen. Andererseits gibt es ja auch immer wieder Theateraufführungen von z.B „Emil und die Detektive“. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Geschichten an sich noch ankommen.

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