Ganz normal: Menschen und Pilzolotten haben Angst vor Neuem

Kommt euer Kind vielleicht dieses Jahr nach den Sommerferien in die Schule und ist deswegen ein wenig aufgeregt oder hat sogar vor der einen oder anderen Situation ein kleines bisschen Angst? Das ist natürlich ganz normal. So geht es wohl den meisten Kindern und tatsächlich geht es nicht nur den Menschenkindern so, sondern auch den Pilzolottenkindern und zwar ganz besonders der kleinen Myka, die im Wald Eikibufi lebt – so erzählt es das Buch „Myka und die Versteckschule„. Im Herbst, wenn die Pilzolotten nach drei verschlafenen Jahreszeiten wieder aufwachen, wird sie zur Versteckschule kommen. Dort gibt es für Pilzolotten viel zu lernen, denn sie müssen genau wissen, wie sie sich im Wald verhalten und verstecken müssen um nicht von Pilzsammlern oder Tieren mit Pilzen verwechselt zu werden. Auf den ersten Blick könnte man sie tatsächlich für Pilze halten, aber Pilzolotten bleiben nicht so wie die „Stillpilze“ einfach still und stumm auf ihrem Platz stehen, denn sie können sich mit ihren Beinfäden (zusätzlich haben sie übrigens auch Armfäden) bewegen. Es gibt also einiges für Pilzolotten zu lernen und dafür gibt es in der Versteckschule Unterrichtsfächer wie Weglaufologie oder Tarnmalerei. Myka weiß natürlich noch nicht, wie es in der Versteckschule so zu geht und genau das bereitet ihr Unbehagen. Ja, sie bekommt davon sogar so starke Bauchschmerzen, dass sie vor allen anderen Pilzolotten noch vor dem Herbst aufwacht und sich schließlich auf den Weg macht um die Versteckschule zu finden. Die Versteckschule findet sie zwar nicht, aber dafür erlebt sie so einige Abenteuer. Sie trifft auf Frau Steinkauz, auf die hungrige Spinne Aranja und auf den grummeligen Fliegenpilz Venedict. Und ihr könnt euch schon mal merken, dass Fliegenpilze keine Kappe, sondern einen Hut tragen. Aber Bücherwürmchen wies mich daraufhin, dass ich, wenn wir draußen mal einen Fliegenpilz sehen sollten, ruhig „Kappe“ sagen dürfe, denn ein Fliegenpilz könne ja nicht wirklich sprechen. Das ginge ja nur in Geschichten… Egal, die Geschichte wirkt auch nach dem Vorlesen noch in uns weiter und immer wenn wir nun Pilze aus dem Gras sprießen sehen, überlegen wir gemeinsam, ob es nicht vielleicht doch Pilzolotten sind…

Die Namen der Figuren passen irgendwie so richtig zu Pilzolotten, aber beim Vorlesen wusste ich nie so richtig, ob man das „y“ eher wie ein „i“ oder wie ein „ü“ lesen soll. Bei der „i“-Aussprache erinnert der Name zu sehr an den Jungennamen Mika und Myka hat sich doch in der Geschichte dazu entschieden ein Mädchen zu sein, so dass das für Kinder dann schwer verständlich ist, aber wenn ich es mit der „y“-Aussprache probierte, kam ich mir irgendwie komisch vor. Hm, nun ja, das ist alles natürlich nicht so schlimm und man muss sich einfach für eine Variante entscheiden oder eben das ganze ein wenig verschwommen aussprechen. Das ist wahrscheinlich das beste und sicherlich einer Pilzolotte würdig. Immerhin können sich die Pilzolotten irgendwann selber für ein Geschlecht entscheiden, da ist es doch auch wahrscheinlich, dass der Name nicht ganz so klar und eindeutig ausgesprochen wird. Trotz meiner Ausspracheprobleme war mir Myka, auch auf Grund des Namens, von Anfang an sympathisch. Der Name klingt interessant und wirkt durch das „y“ ein wenig geheimnisvoll. Myka selbst stellt sich dann als neugierig, freundlich, etwas ängstlich, aber auch mutig dar. Sie ist eben ein ganz normales, aufgewecktes Pilozolottenkind, welches ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Bruder Myrko hat und sich über neue Freunde freut.

Die Geschichte hat ein recht ruhiges Tempo. Sie liest sich fließend, man ist gespannt, was Myka so alles erlebt, aber man fürchtet sich nicht groß vor gefährlichen Erlebnissen – genau das richtige also für eine Gute-Nacht-Geschichte. Bücherwürmchen hat sich das Buch sehr gerne vorlesen lassen, obwohl ich anfangs befürchtete, dass er es vielleicht ein wenig langweilig finden würde, aber er hat sich gerne in die Geschichte im Eikibufi-Wald führen lassen. Und je länger ich vorgelesen habe, desto mehr hat auch mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und mich begeistert, denn es ist eine einfache, klare Geschichte mit sympathischen und interessanten Figuren. Das Wichtigste ist aber, dass sie ein Thema beinhaltet, welches für viele Kinder wichtig ist. Angst vor etwas Neuem, Angst vor Fehlern, Angst davor etwas nicht gut zu können, Angst vor der Schule – das ist vielen Kindern überhaupt nicht fremd. Und in dem Buch werden zu diesem Thema viele wichtige Aussagen getroffen, die sich bei den Kindern hoffentlich festsetzen: „Es sind gerade die Fehler, aus denen man lernt. Und das Gute an der Schule ist, dass alle Fehler machen.“ Besonders gut gefällt mir, dass diese Geschichte zwar ein Thema aus der Welt der Kinder behandelt, dass sie aber in einer anderen Welt spielt. So können die Kinder sich zwar einerseits mit Myka identifizieren, das Ganze aber auch von einer etwas distanzierteren Außenposition betrachten. Die Identifikation wird ihnen nicht direkt übergestülpt, so dass sie die Möglichkeit haben, vor sich selbst nicht direkt zugeben zu müssen, dass es eben auch ein Thema für sie selbst ist, sich aber dennoch einfach mal anhören können, wie es denn Myka so ergeht. Ausgehend von dem Buch kann man dann natürlich dennoch gemeinsam mit dem Kind überlegen, was denn wohl in der Menschenschule alles auf einen zukommt, was man dort so lernen wird, wen man dort alles kennen lernt, was einen vielleicht ein wenig beunruhigt, worauf man sich freut etc.

Nun möchte ich aber natürlich auch noch erwähnen, was das Buch neben der Geschichte so besonders macht: Das Buch ist wunderschön gestaltet. Das Format ist größer als ein normales Kinderbuch und es enthält tolle, liebevolle bunte Zeichnungen, die sich auf jeder Seite finden. Teilweise zieht sich der Hintergrund der Bilder über die ganze Seite und verbreitet so wunderbar die passende Stimmung. Aber auch beim Text wurde sich viel Mühe gegeben, so dass die wörtliche Rede stets rot hervor gehoben wird. Das ganze Buch fühlt sich von vorne bis hinten einfach sehr wertig an, was meines Erachtens das Leseerlebnis noch mal steigert.

Myka und die Versteckschule“ ist ein sehr schönes Vorlesebuch, insbesondere für Kinder, die im letzten Kindergartenjahr sind. Uns hat es gut gefallen und wie gesagt, wir schauen nun sehr genau, ob wir nicht vielleicht doch mal einer Pilzolotte begegnen…

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Myka und die Versteckschule von Asja Bonitz, illustriert von Mele Brink, Edition Pastorplatz, ISBN: 978-3-943833-13-3, 17,50€

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3 Kommentare zu “Ganz normal: Menschen und Pilzolotten haben Angst vor Neuem

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