Auf und ab einer Freundschaft

Zebra, Elefant und Vogel sind beste Freund, die drei allerbesten Freunde, und so verbringen sie natürlich jede Menge Zeit miteinander. Dabei kommt ihnen zu Gute, dass jeder von ihnen andere Eigenschaften hat: Elefant weiß viel, Vogel ist witzig und das fröhliche Zebra kennt die besten Spiele. Aber eines Tages treibt es Zebra all zu bunt. Er möchte gar nicht mehr aufhören zu rennen. Kein Zurufen der Freunde kann ihn stoppen und so steht er auf einmal alleine da. Elefant und Vogel wollen nicht mehr mit ihm spielen, dabei sind sie doch eigentlich seine besten Freunde. Kein Wunder, dass Zebra nun ganz traurig ist. Zum Glück lernt es Giraffe kennen, die gerne mit ihm fangen spielt. Sie werden gute Freunde, aber da sind ja auch noch Elefant und Vogel, die sich bei einem Sturm auf die Suche nach Zebra machen. Was nun? Alles kein Problem, niemand ist nachtragend, es gibt Entschuldigungen und am Ende gibt es nun vier allerbeste Freunde!

Zunächst wusste ich ehrlich gesagt nicht so recht, was ich von dem Bilderbuch „Das Zebra, das zu schnell rannte“ halten soll. Das Buch zeigt schön, wie wichtig es ist, dass man in einer Freundschaft aufeinander eingehen muss und dass man sich streiten und wieder vertragen kann. Die minimalistischen Bilder, die die Gefühle und die Aktionen toll darstellen, gefallen mir gut. Man spürt das aufgedrehte Zebra förmlich an sich vorbei rennen und man fühlt mit ihm mit, als es mit gebeugtem Hals alleine herum steht, während Elefant und Vogel in der Ferne sichtlich viel Spaß miteinander haben.

Nicht so gut gefällt mir allerdings die Stelle, an der Elefant und Vogel zu Zebra zurück kehren. Sie suchen Zebra nicht, weil er ein guter Freund von ihnen war und sie ihm noch einmal eine Chance geben wollen, sondern weil sie beim Sturm Angst haben. Sie wollen sich von Zebra aufmuntern lassen. Erst in diesem Moment vermissen sie Zebra und irgendwie kommt es mir so eigennützig vor, dass sie nur zu ihm zurück gehen, weil sie Angst haben. Da brauchen sie Zebra auf einmal wieder. Hätten sie ihn nicht auch einfach beim Spielen vermissen können? Schade, dass sie erst eine extreme Situation dazu bringt, sich an ihren Freund zu erinnern. Schön ist dann wiederum, dass sie sich bei Zebra dafür entschuldigen, ihn alleine gelassen haben, denn auch ihr Verhalten war nicht so ganz korrekt. Auch Zebra geht auf sie zu und verspricht ihnen, nicht mehr so schnell zu rennen. Von beiden Seiten wird aufeinander zu gegangen und so wird auch deutlich, dass an einem Streit nicht nur einer beteiligt ist und es auf jeden in einer Freundschaft ankommt. Selten handelt nur einer gut und der andere falsch, meist liegt es an allen Beteiligten wie eine Sache ausgeht. Zebra hätte auf seine Freunde und ihren Wunsch nicht so schnell zu rennen, hören sollen, aber Elefant und Vogel waren auch nicht sonderlich nett. Sie haben Zebra einfach ganz alleine gelassen und ihm die kalte Schulter gezeigt. Am Ende versuchen aber alle ihr Verhalten wieder gut zu machen und vermutlich geht die Freundschaft aus dieser kleinen Krise gestärkt hervor.

Das Buch regt sicherlich dazu an über Freundschaften zu sprechen und vielleicht auch mal zu reflektieren wie man sich selbst gegenüber seinen Freunden verhält. Was ist wichtig in einer Freundschaft? Was mag ich an meinen Freunden besonders? Wie ergänzen meine Freunde und ich uns? Kinder können anhand dieses Buches erfahren, dass Freundschaft nicht immer ganz einfach ist, dass sich Freundschaften ändern können und dass man an einer Freundschaft arbeiten muss. Es ist ein Thema, welches Kinder sehr bewegt. Auch sie sind immer wieder mal einem Auf und Ab bei ihren Beziehungen zu anderen Kindern ausgesetzt, was sie emotional sehr mitnimmt. Es ist wichtig mit Kindern über solche Themen zu sprechen und Bücher wie „Das Zebra, das zu schnell rannte“ können dabei helfen. Vor allem, wenn sie erst einmal so frisch und einfach wirken wie dieses Buch, aber letztendlich doch ziemlich in die Tiefe gehen.

Die Sätze in dem Buch sind kurz und auf das Wichtigste reduziert. Texte und Bilder passen somit auch stilistisch sehr gut zusammen. Gefühle und die Atmosphäre in dem Buch werden dennoch sehr intensiv vermittelt, aber trotzdem bliebt noch sehr viel Platz für eigene Gedanken und Interpretationen. In dem Buch wird das Verhalten der einzelnen Tiere nicht bewertet, der Ablauf wird nur kurz dargestellt, alles andere bleibt den Lesern überlassen, was mir gut gefällt, einem bei einem schnellen Durchblättern jedoch nicht direkt auffällt. Ich kann also nur raten, das Buch ein paar Mal anzuschauen und sich ein wenig damit auseinander zu setzen, denn dann ist es sicherlich ein wertvolles Bilderbuch, insbesondere auch für Kindergärten, in denen Freundschaften und Sätze wie „Du bist nicht mehr mein Freund“ oder die Androhung „Ich lade dich nicht zu meinem Geburtstag ein“ ja tagtäglich Thema sind.

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Das Zebra, das zu schnell rannte von Jenni Desmond, übersetzt von Anne Brauner, Magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-2018-2, 13,95€

 

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