Einfühlsames Bilderbuch zum Thema Tod

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Was soll man ihnen über den Tod und was danach kommt erzählen? Kein einfaches Thema, vor allem da man selbst häufig keine Antworten auf all die Fragen hat.

Sehr feinfühlig und kindgerecht wird dieses Thema in dem Bilderbuch „Wo gehst du hin, Opa?“ behandelt.

Emmas Opa liegt schwer krank im Krankenhaus. Die Mutter erklärt ihrer Tochter, dass der Opa vielleicht von ihnen gehen wird. Das versteht Emma nicht. Wohin will er denn gehen? Das weiß niemand so genau, auch der Opa nicht, er weiß nur, dass es ein Geheimnis und ein Abenteuer ist und nun malt er Emma in den buntesten Farben aus, wohin seine Reise vielleicht geht. Vielleicht wird er durch einen langen Tunnel zu einem hellen Licht gelangen, vielleicht trifft er liebe Menschen wieder, die bereits gestorben sind, vielleicht wird er in einem paradiesischen Garten auf einem Löwen reiten oder als Stern am Himmel leuchten. Das alles klingt nun sehr fröhlich und gar nicht passend zum Tod, aber auch die traurige Seite wird angesprochen, denn schön findet Emma es natürlich überhaupt nicht, dass der Opa nicht bei ihr bleiben kann und sie ihn nicht mal besuchen kann. Der Abschied vom Opa ist traurig, doch anschließend gibt es wieder einen hoffnungsvollen Moment, denn der Opa ist Emma tatsächlich ganz nah, wenn sie an ihn denkt – genauso wie er es versprochen hat.

In dem Buch wird mit dem Tod zuversichtlich umgegangen, aber auch traurige Emotionen werden zugelassen, was ich sehr wichtig finde. Trauer gehört dazu, wenn jemand stirbt. Gut gefällt mir aber, dass in dem Buch keine düstere Stimmung vorherrscht. Der Angst vor dem Tod kann Kindern mit diesem Buch genommen werden, wobei ich es sehr gut finde, dass auch die Erwachsenen hier keine allgemeingültigen Antworten, die ja nun mal keiner hat, geben. Somit werden die Kinder in diesem Buch ernst genommen, was eben gerade auch beim Thema Tod sehr wichtig ist. Emmas Frage wird vom Opa aufgenommen. Er blockt nicht ab (was für Kinder eher beängstigend ist) und gibt seine Überlegungen für die Zeit nach dem Tod an Emma kindgerecht weiter.

Die Bilder sind überwiegend bunt und fröhlich gestaltet und bilden die Fantasie des Opas gut ab, aber auch die traurigen Momente am Bett des Opas und die unglücklichen Gesichter der Mutter und Emma werden passend eingefangen.

Den einzigen Vorwurf, den man diesem Buch machen könnte, ist, dass das Thema an sich eigentlich gar nicht zur Sprache kommt. Nirgendwo wird ganz klar gesagt, dass der Opa sterben wird und am Ende auch tatsächlich gestorben wird. Erwachsenen ist dies von Anfang an klar und der Gang zum Grab auf dem Friedhof macht natürlich auch deutlich, dass der Opa nicht mehr am Leben ist, aber für Kinder ist dies alles nicht so eindeutig. Bücherwürmchen hat nicht direkt verstanden, von welcher Reise der Opa spricht. Für ihn waren das eher witzige Fantasieideen. Erst nach der letzten Seite hat er mich irgendwann gefragt, ob der Opa gestorben sei. Hier hätte man vielleicht noch etwas deutlicher sein können. Dadurch, dass hier das Wort „Tod“ nicht verwendet wird, wird das Thema letztendlich doch ein wenig tabuisiert, was sehr schade ist, denn ansonsten wird es hier ja so wunderbar offen aufgegriffen.

Dennoch gefällt mir dieses Buch insgesamt gut, wobei selbstverständlich wichtig ist, dass man Kinder bei der Lektüre begleitet. Das soll heißen, dass man Kindern eben nicht nur das Buch vorliest, sondern auch als Gesprächspartner zur Verfügung steht. So können dann auch Unstimmigkeiten, worum es in dem Buch genau geht, geklärt werden.

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Wo gehst du hin, Opa? Ein Bilderbuch über das letzte Geheimnis von Brigitte Endres und Marc-Alexander Schulze, Aracari Verlag, ISBN: 978-3-905945-46-1,

 

 

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