Gelungenes Konzept: Kinderbuch mit Kinderillustrationen

Ich finde es immer wieder äußerst spannend, die Entstehungsgeschichte eines Buches zu erfahren, denn oft verbirgt sich dahinter eine eigene kleine Geschichte. So auch bei dem Buch „Ich bin doch gar nicht müde!“ Eigentlich war gar nicht geplant, dieses Buch öffentlich herauszubringen. Das Ganze war zunächst ein Projekt im Ganztagsangebot einer Grundschule: „Wir illustrieren ein Kinderbuch“. Das Ergebnis sollte dann jeder Teilnehmer erhalten, aber die Schaffensfreude der Kinder war so groß, dass es sich einfach aufdrängte mehr daraus zu machen und so können auch wir nun dieses Buch in den Händen halten. Ich finde es richtig klasse, dass dies ein Buch mit Kinderzeichnungen ist. Natürlich sind die Bilder vielleicht aus künstlerischer Sicht nicht so perfekt wie man es von einem erwachsenen Illustrator gewohnt ist, aber es ist dennoch ein Buch, welches sehr gelungen ist. Ja, auch als Leserin, die die Kinder nicht persönlich kennt, gefallen mir die Bilder wirklich gut. Sie drücken den Inhalt perfekt aus. Der einsame, weinende Spatz tut einem sofort leid, die Bäume wirken furchterregend und auch die Lebensfreude der flatternden Spatzen spürt man sofort. Die Collagentechnik, die teilweise verschiedene Malstile miteinandervereint, wirkt hier sehr gut. Sehr schön wurden auch die Farben des Tages und der Nacht eingesetzt, so dass man sich gut in die Geschichte hineinversetzen kann und mit dem kleinen Spatz Max mitfühlt.

Max ist ein kleiner Abenteurer. Er möchte unbedingt auch mal die Nacht erleben, aber so dunkel und einsam und auch gruselig hat er sich das alles nicht vorgestellt. Er passt einfach nicht zu den Tieren der Nacht und die bunten Blumen fehlen ihm. Unruhig fliegt Max umher. Sein Abenteuer ist ihm schon gar nicht mehr so geheuer und am liebsten möchte er zurück zu seiner Familie. Zum Glück kann er sich noch erinnern, woran er vorbei gekommen ist, so dass er den Weg nach Hause findet. Max stellt fest, dass es am Tag mit den anderen Spatzen viel lustiger ist. Außerdem leuchten nun auch die Blumen wieder.

Im Anhang des Buches kann man noch einiges über die Tiere aus dem Buch erfahren. Die Informationen sind verständlich und kindgerecht aufbereitet.

Die Geschichte in dem Buch gefällt mir gut. Sie kommt dem Wunsch der Kinder, die geheimnisvolle Nacht kennen lernen zu wollen, entgegen, aber sie zeigt eben auch, dass nicht jeder für die Nacht geschaffen ist und es durchaus Sinn macht am Abend ins Bett zu gehen. Max ist mutig, aber in der Nacht gibt es dann doch auch Gefahren, denen er auf einmal ausgesetzt ist. Er meistert aber letztendlich seine Aufgabe gut und kommt wieder in seinem geborgenen Nest, seinem Zuhause an. Dies alles sind Eigenschaften, mit denen Kinder sich gerne identifizieren werden. Sie sind selber noch kleine Kinder, möchten aber groß und mutig sein und etwas wagen und sie freuen sich darüber, wenn es jemand kleines schafft, eine (gefährliche) Aufgabe zu bewältigen.

Das Buch gewinnt für mich aber vor allem durch die Bilder. Auch sie sprechen die Kinder an und sie zeigen ihnen vor allem auch: „Hey, auch du kannst Bilder zu einer Geschichte malen. Probier es einfach mal aus!“

Etwas irritiert war mein Sohn nur von den Bäumen, die in der Nacht so gruselig aussehen. Er war sich nicht ganz sicher, ob sich die Bäume nun tatsächlich, wie es auch der kleine Spatz befürchtet, in Ungeheuer verwandelt haben. Für ihn war nicht klar, dass die Bäume nachts durch die Umrisse nur so aussehen. Hier wäre es vielleicht ganz gut gewesen, wenn man diese Täuschung durch die Dunkelheit ein wenig verdeutlicht hätte um keine Ängste zu schüren.

Auf der Homepage der Autorin (www.lekowa.de) findet man als Extra ein paar Ausmalbilder zu dem Buch. Allerdings gefallen sie meinem Sohn nicht so gut, da die Bilder, die hier zur Auswahl stehen in dem Buch ja schwarz-weiß sind. Warum sollte er sie dann anmalen? Er möchte gerne immer alles so haben, wie im Original. Da legt er immer großen Wert drauf…

Außerdem gibt es noch eine kleine Handreichung für Lehrer und Erzieher, die ein paar Fragen zu dem Buch beinhaltet. Diese sind ganz nett, aber ich gehe davon aus, dass Lehrer und Erzieher selbst auf Ideen kommen, wie sie sich mit Kindern nach der Lektüre noch mit dem Buch beschäftigen können. Schön wäre, wenn man hier vielleicht noch ein wenig mehr über das Projekt und die Herangehensweise an die Illustrationen erfahren würde. Denn das fände ich wirklich spannend und es wäre sicherlich auch eine tolle Anregung selbst mit Kindern auf ähnliche Weise kreativ zu werden.

Insgesamt kann mich das Buch und vor allem das Konzept des Buches überzeugen. Es macht Spaß sich mit dem Spatz Max in die Nacht hinein zu wagen, aber vor allem auch mit ihm wieder sicher und geborgen im Nest/Bett zu landen. Die gelungen Bilder der Grundschulkinder tragen toll zur Atmosphäre des Buches bei und sie lassen uns mit Max mitfühlen. Wie schön, dass dieses Buch den Weg auch aus der Frankfurter Grundschule hinaus gefunden hat!

ich bin doch gar nicht müde

Ich bin doch gar nicht müde! erzählt von Birgit Gröger, illustriert von Grundschulkindern, Edition Winterwork, ISBN: 978-3-86468-939-0, 12,90€

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