Adventskalender 2015: 24. Dezember

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Fortsetzung von „Das Märchen vom kleinen Mann Jasa und dem Familienglück

Noch einmal ließ sich der kleine Mann Jasa vom Vogel Zisali zu einer Tür fliegen. Die letzte Tür, die sich noch vor ihm verbarg, befand sich im zweiten Stock. Aufgeregt kletterte der kleine Mann Jasa vom Rücken des Vogels. Hier versteckte sich also das große Geheimnis. Bis zum Schluss hatte es sich nicht gezeigt. Fast vergaß er die Aufschrift zu lesen, so ungeduldig war er. Ohne sich viel Zeit zu nehmen, flogen seine Augen über die goldene Schrift. „Zukunft“. Der kleine Mann Jasa dachte nicht weiter darüber nach, sondern öffnete neugierig die Tür. Vorsichtig lukte er hinein, aber er konnte nichts sehen. Alles war dunkel. Funktionierte die Tür nicht oder hatten sich seine Augen noch nicht an das Licht in dem Raum gewöhnt? Der kleine Mann Jasa blinzelte und rieb sich die Augen, doch es blieb weiterhin dunkel. Ein wenig unsicher drehte er sich zu allen Seiten, aber egal, wohin er sich wendete, er konnte nichts sehen. Was sollte er nun machen? Eine Weile blieb er in dem Raum stehen. Als er jedoch merkte, dass sich an der Lage partout nichts änderte, stieg er wieder durch die Tür hinaus. Verwirrt kratzte sich der kleine Mann Jasa am Kopf. Er sah den Vogel Zisali fragend an: „Was sollte denn das jetzt? Warum konnte ich nichts sehen? Ich dachte, hier würde ich DIE Antwort finden.“

„Wie kannst du erwarten, dass du hier etwas zu sehen bekommst?“

„Häh?!“ Jetzt war der kleine Mann Jasa völlig durcheinander. „Ich dachte, darum ging es hier die ganze Zeit. Die Türen öffnen sich und zeigen mir einen Teil des Familienglücks.“

„Denk doch mal nach!“ Forderte der Vogel Zisali ihn auf. „Was stand denn auf der Tür?“

„Zukunft“, antwortete der kleine Mann Jasa ohne irgendetwas zu verstehen.

„Genau“ lobte der Vogel, der nicht Willens schien mehr zu erklären. Erst als der kleine Mann Jasa hilflos die Schultern hochzog, fragte er mit hoher Stimme: „Was weißt du denn über die Zukunft?“

„Nicht so viel.“ Der kleine Mann Jasa zögerte. „Hm…vielleicht konnte ich nichts sehen, weil die Zukunft ungewiss ist? Oder was meinst du?“ Der Vogel nickte eifrig. „Also, ich konnte nichts sehen, weil man noch nicht weiß, was noch kommen wird“, wiederholte der kleine Mann Jasa und überlegte dann weiter: „Was heißt das nun für das Familienglück? Denn darum geht es hier ja. Irgendeine Bedeutung muss diese Tür ja haben, sonst würde es sie hier nicht geben.“ Wieder nickte der Vogel begeistert. Der kleine Mann Jasa biss sich nachdenklich auf die Lippe. „Ich glaube, ich bin gar nicht so weit entfernt von der Lösung, aber ich komme nicht drauf. Bring mich bitte erst einmal wieder auf die Erde.“

Der Vogel tat ihm schweigend den Gefallen. Als sie unten ankamen, sprang der kleine Mann Jasa aufgeregt vom Rücken des Vogels. „Jetzt weiß ich es! Mir wurden ganz viele Dinge gezeigt, die zum Familienglück gehören, aber diese Tür musste es auch geben, da es noch einiges gibt, was das Leben in einer Familie verschönert, von dem man jetzt aber noch nichts weiß. Es werden noch Erlebnisse, Rituale oder sonstiges kommen, die momentan noch kein Teil des Familienglücks sind, es aber eines Tages werden.“ Nun hüpfte der Vogel Zisali mit den Flügeln flatternd vor dem kleinen Mann Jasa auf und ab. Der kleine Mann Jasa fühlte sich dazu aufgemuntert weiter zu sprechen: „Es gibt noch so viele Aspekte des Familienglücks, aber einiges wird man erst so nach und nach erfahren. Ich soll mich überraschen lassen, was das Familienleben noch so alles hergibt.“

„Ja, ja, ja!“ stimmte ihm der Vogel Zisali begeistert zu.

Der kleine Mann Jasa war stolz, dass er verstanden hatte, worum es ging, doch dann merkte er enttäuscht an: „Und was war jetzt das große Geheimnis?“

„Welches große Geheimnis?“

„Na, ich dachte, dass sich hinter der letzten Tür ein besonderes Geheimnis verbergen würde. Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet. Alles andere war ja mehr oder weniger selbstverständlich.“

„Ist es denn so schlimm, dass du nun kein Geheimnis entdeckt hast?“ wollte der Vogel Zisali vom kleinen Mann Jasa wissen.

„Ja!“ Er machte eine Pause. „Ich wollte doch das Geheimnis des Familienglücks herausfinden. Ich wollte wissen, ob es das Familienglück wirklich gibt und woraus es besteht.“

„Und hast du es herausgefunden?“

„Nein, ich habe die ganze Zeit auf das Geheimnis gewartet und es kam und kam nicht.“ Der kleine Mann Jasa klang traurig. Er dachte daran, dass seine Suche gescheitert war. „Die dunklen Männer hatten wohl leider doch Recht. Danke, dass du mir das Haus gezeigt hast. Das war alles sehr interessant und ich bin froh, dass ich dich kennengelernt habe, aber leider hat es mich nicht weiter gebracht.“

„Schade.“ Der Vogel setzte sich schweigend vor dem kleinen Mann Jasa auf den Boden.

Bevor der kleine Mann Jasa sich vom Vogel verabschiedete, dachte er noch einmal über das gerade erlebte nach. Im Kopf ging er alle Türen und die dort gesehenen Szenen durch. Auf einmal hielt er inne. Was war es, was er da alles gesehen hatte? „Aspekte des Familienglücks“, murmelte er leise vor sich hin.

Berührungen, Ausflüge, gemeinsam lachen, mit dem Baby spielen, Fernsehen gucken, ein schönes Zuhause haben – das alles und noch viel mehr machte das Familienleben aus. Das alles und noch viel mehr machte ein glückliches Familienleben aus. Der kleine Mann Jasa erinnerte sich an seine Gefühle und Gedanken, die er während der einzelnen Szenen hatte. Immer wieder hatte er glücklich an seine eigene Familie gedacht, war immer wieder überzeugt vom Familienglück, aber konnte nie ganz daran glauben, weil er weiter blind nach dem großen Geheimnis gesucht hatte. Wie wild purzelten nun seine Gedanken durch den Kopf. Der kleine Mann Jasa war ganz aufgeregt von seiner neuen Erkenntnis. Natürlich gab es das Familienglück! In jeder einzelnen Tür hatte er es gesehen. Es gab kein großes Geheimnis, denn das Familienglück bestand aus vielen kleinen alltäglichen Geheimnissen. Er blickte auf um den Vogel Zisali dankbar zu umarmen, doch da musste er enttäuscht feststellen, dass der Vogel nicht länger neben ihm saß. Als er aufschaute, sah er, dass der Vogel in großen Kreisen um das Haus flog, so dass dieses immer mehr verblasste und nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen war. Der Vogel winkte dem kleinen Mann Jasa noch einmal mit einem seiner bunten Flügel zu und verschwand dann im Himmel.

Der kleine Mann Jasa rieb sich durch die Augen. Ihm kam es vor, als hätte er das alles nur geträumt. Aber das war nun auch egal, wichtig war nur, dass die dunklen Männer nicht Recht hatten. Das Familienglück gab es! Und viele Aspekte waren dem kleinen Mann Jasa bekannt. Er erkannte, dass er selbst in einer glücklichen Familie lebte. Er hatte sich nur von den dunklen Männern verunsichern lassen und somit all die schönen Momente, die er mit seiner kleinen Frau Lele und dem Kind Klein-Jasa hatte, für eine Weile vergessen. Es war ihm unangenehm, dass er die Hilfe des Vogels Zisali und des Hauses benötigte, um wieder klar sehen zu können, aber er war auch froh, dass ihm noch einmal bewusst gemacht wurde, wie gut er es hatte und wie viele schöne Aspekte das ganz normale Familienleben hatte. Man musste sie nur wahrnehmen und genießen. Das Haus hatte ihm wenig Neues gezeigt, sondern ihm sein eigenes schönes Leben vor Augen geführt. DIE Antwort auf die Frage nach dem Familienglück konnte er allein bei sich selber und bei seiner Familie finden.

Zufrieden ging der kleine Mann Jasa zurück in die Stadt. Mit einer Familie konnte man glücklich sein, sehr glücklich sogar. Manches war mit einer Familie vielleicht nicht ganz einfach, aber nichts konnte einem das geben, was einem eine Familie an schönen Augenblicken, an Geborgenheit, an Emotionen und an Liebe geben konnte. Eine Familie bedeute das Glück auf Erden.

Frohe Weihnachten

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HIER bekommt ihr noch einmal eine Übersicht aller Abschnitte.

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3 Kommentare zu “Adventskalender 2015: 24. Dezember

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