Adventskalender 2015: 23. Dezember

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Fortsetzung von „Das Märchen vom kleinen Mann Jasa und dem Familienglück

Ohne zu zögern steuerte der Vogel eine Tür im dritten Stock an.

„Geh nur hinein. Ich warte hier auf dich.“

Der kleine Mann Jasa hatte bereits seine Hand auf der Klinke liegen, als ihm einfiel, dass er die Aufschrift noch gar nicht gelesen hatte. Rasch holte er dies nach: „Erinnerungen“ „Woran?“ fragte er sich unwillkürlich. „An die Zeit vor der Familie?“ Er drückte die Klinke herunter, öffnete die Tür und betrat ein Wohnzimmer. Noch bevor er sich orientiert hatte, hörte er die Stimmen von einem Mann und einer Frau.

 

Der Mann und die Frau saßen auf einem Sofa. Auf den Knien der Frau lag ein aufgeschlagenes Fotoalbum, in dem sie blätterte. Auf einmal hielt sie inne und lachte auf. „Guck mal, was du da anhast!“

„Oje, blätter schnell weiter. Das ist ja furchtbar.“ Der Mann schüttelte sich, musste aber ebenfalls lachen.

„Ich weiß noch genau, wie du diese Jacke unbedingt haben wolltest. Wir sind dafür extra in mehrere Städte gefahren, da sie überall ausverkauft war.“

„Stimmt. Und du hast dir bei der Gelegenheit gleich mehrere Mützen zugelegt. Die kannst du heute auch keinem mehr zeigen.“

Die Frau kicherte und schlug dann eine andere Seite im Fotoalbum auf. „Der Urlaub in Kroatien“, stellte sie fest. „Das ist aber ein schönes Bild von dir.“ Sie zeigte auf ein Bild unten rechts.

„Das war ein Urlaub. Weißt du noch, was wir für ein Pech mit dem Auto hatten? Erst hatten wir die Reifenpanne mitten auf dem Land und dann wurde es uns auch noch aufgebrochen.“

„Natürlich erinnere ich mich. Ich hätte heulen können. Da war der Urlaub erst einmal für mich gelaufen. Im Nachhinein war es aber doch eigentlich ganz schön. Wir hatten jedenfalls super Wetter.“

Jede Seite des Albums weckte neue Erinnerungen in ihnen. Gemeinsam lachten sie über Vergangenes, erzählten sich kleine Anekdoten zu verschiedenen Urlauben und rätselten neben welchen Leuten sie auf der Geburtstagsparty von einer guten Freundin abgebildet waren.

 

Jetzt verstand der kleine Mann Jasa. Es ging um gemeinsame Erinnerungen. Erinnerungen, die einen zusammen schweißten und die eine gemeinsame Geschichte erzählten. Auch der kleine Mann Jasa und die kleine Frau Lele besaßen einige Fotoalben, in denen sie gelegentlich gerne blätterten. Der kleine Mann Jasa nickte. Sich zusammen an erlebtes zu erinnern, war schön und emotionsreich und somit sicherlich ein Teil des Familienglücks, aber nun wollte er unbedingt die letzte Tür sehen und das große Geheimnis herausfinden.

„Gut, dass du noch hier bist, Zisali. Bring mich bitte zur letzten Tür“, bat er ungeduldig.

Der Vogel erfüllte ihm wortlos seinen Wunsch.

Weiter geht es am 24. Dezember

Zu allen bisher erschienenen Teilen gelangt ihr über diese ÜBERSICHT.

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