Adventskalender 2015: 22. Dezember

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Fortsetzung von „Das Märchen vom kleinen Mann Jasa und dem Familienglück

Vorsichtig bewegte sich der kleine Mann Jasa über den Steg. Bei jeder Tür, an der er vorbei kam, blieb er kurz stehen um nach der goldenen Schrift zu sehen. Er hatte sich nicht merken können, welche Türen sich bereits für ihn geöffnet hatten, so dass er genau hinschauen musste. Endlich hatte er die Tür gefunden. Die goldenen Buchstaben funkelten und gaben das Wort „Babysitter“ preis. „Ah, jetzt geht es endlich darum, dass man sich gemeinsame Zeit holt, die einem ansonsten durch eine Familie gestohlen wird.“ Der kleine Mann Jasa musste an die Worte der dunklen Männer denken. „Jetzt muss also auf Hilfsmittel zurückgegriffen werden, damit das Familienglück bestehen bleibt.“ Er öffnete die Tür und hielt inne: „Aber warum sollte das falsch sein?“

Zügig trat er über die Türschwelle und platzte mitten in ein Gespräch zwischen einem Mann, einer Frau und einem jungen Mädchen.

 

„Wenn etwas sein sollte, ruf uns direkt an. Wir haben das Handy dabei. Unsere Nummer hast du doch, oder?“ vergewisserte sich der Mann.

„Ja, die hast du mir doch ganz groß auf den Zettel hier geschrieben.“ Das junge Mädchen wedelte mit einem beschriebenen Blatt vor der Nase des Mannes herum. „Jetzt geht schon, sonst kommt ihr noch zu spät. Es wird schon alles gut gehen.“

„Okay, ich habe dir ja auch alles aufgeschrieben, was wichtig ist. Wenn er aufwacht, nimmst du ihn am besten auf den Arm und…“ erklärte der Mann noch einmal, wurde aber von seiner Frau unterbrochen, die ihn bestimmt aus dem Haus schob. „Das hast du doch alles schon fünf Mal gesagt. Wir müssen jetzt wirklich los.“

„Ich weiß. Ich weiß ja auch, dass alles gut gehen wird, aber es ist einfach noch so ungewohnt, den Kleinen mit einem Babysitter alleine zu lassen.“

„Für mich doch auch. Trotzdem freue ich mich darauf, mit dir mal wieder ins Kino zu gehen. Das haben wir schon so lange nicht mehr gemacht“, meinte die Frau.

„Du hast ja Recht. Ich finde es ja auch schön, mal etwas mit dir alleine zu unternehmen.“ Der Mann gab der Frau einen Kuss und schloss dann das Auto auf.

 

Mit leiser Bewunderung verließ der kleine Mann Jasa die Szene. Der Mann und die Frau gingen alleine aus und vertrauten das Kind einem Babysitter an. Soweit waren der kleine Mann Jasa und seine kleine Frau Lele noch nicht. Der kleine Mann Jasa nahm sich fest vor, seiner kleinen Frau Lele den Vorschlag zu machen, es einmal auszuprobieren. Er würde so gerne mal wieder mit ihr alleine in die Sauna gehen. Es war wichtig, ab und zu etwas zu zweit zu unternehmen. Das hatten sowohl die dunklen Männer als nun auch dieses Haus deutlich gemacht.

„Hm, komisch. Auf der einen Seite ist dies ein Thema der dunklen Männer, die sagen, dass man keine gemeinsame Zeit mehr hat, so dass das Glück gefährdet oder sogar gar nicht existent ist und auf der anderen Seite ist es ein Thema dieses Hauses, also ein Aspekt des Familienglücks.“ Der kleine Mann schüttelte sich als würde er hoffen, dass sich dadurch seine Gedanken ordnen ließen. „Das Haus gibt also zu, dass es schwierig ist, zu zweit etwas zu machen, aber dabei soll man es nicht belassen. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, mal ins Kino zu gehen. Man muss es nur organisieren. Aber wenn es dann klappt, freut man sich umso mehr über diese kostbare Zeit und nimmt sie viel bewusster wahr“, fasste der kleine Mann Jasa noch einmal zusammen und meinte dann: „So schlecht ist das gar nicht.“

In der Ferne sah er den Vogel Zisali, der sich ihm langsam nährte. Der kleine Mann Jasa freute sich. Er hatte das Gefühl, dass der Vogel ihm ein guter Freund geworden war.

Als der Vogel bei ihm war, setzte er sich still neben den kleinen Mann Jasa, der ihn begrüßte: „Schön, dass du wieder da bist. Du hast mir schon gefehlt. Keiner hat mir gute Anregungen gegeben. Ich musste mir alles selbst zurechtlegen und erklären.“

„Das hast du doch gut gemacht.“ Der Vogel Zisali schaute ihn lobend an und fragte dann in seiner etwas wortkargen Art: „Soll ich dich zur nächsten Tür bringen?“

„Gerne! Ist es denn schon die Letzte?“

„Nein! Zwei unbekannte Türen hat das Haus noch.“

„Dann nähern wir uns wohl dem großen Geheimnis. Es ist sicherlich hinter der letzten Tür versteckt.“

Der Vogel sagte nichts dazu. Er wartete bis der kleine Mann Jasa auf seinen Rücken geklettert war und flog dann los.

Weiter geht es am 23. Dezember

Zu allen bisher erschienenen Teilen gelangt ihr über diese ÜBERSICHT.

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