Adventskalender 2015 auf Geschichtenwolke

Dieses Jahr gibt es einen besonderen Adventskalender bei mir. (Den Zitate-Adventskalender aus dem letzten Jahr findet ihr HIER). Tag für Tag dürft ihr hier ein Märchen lesen, welches ich vor vier Jahren selbst geschrieben habe. Ausnahmsweise ist es dieses Mal keine Geschichte für Kinder, sondern ein Märchen für alle Eltern: Das Märchen vom kleinen Mann Jasa und dem Familienglück

Lest dieses Märchen und macht euch noch einmal bewusst, wie schön dass Leben mit einer Familie ist. Es gibt unzählige wunderbare Momente, die bei jedem von euch sicherlich ganz individuell ausfallen. Falls euch mein Märchen gefallen sollte, empfehlt es gerne auch an andere Eltern weiter, die vielleicht im Stress des Alltags das Familienglück ein wenig aus den Augen verloren haben.

Heute, am 1. Advent, dürft ihr schon einmal in die Geschichte hineinschnuppern. Weiter geht es dann am 1. Dezember.

Hauptbild

Im Lande Rovalonien lebte einmal der kleine Mann Jasa zusammen mit seiner kleinen Frau Lele und seinem Kind Klein-Jasa. Sie lebten dort glücklich und zufrieden, denn sie hatten sich alle sehr lieb. Der kleine Mann Jasa war so froh, dass er die kleine Frau Lele gefunden hatte. Sie war sein großes Glück. Und die kleine Frau Lele liebte ihren Mann Jasa über alles. Vor kurzer Zeit bekamen sie dann das Kind Klein-Jasa. Klein-Jasa war wunderschön und machte seinen Eltern viel Freude.

Eigentlich hatten sie nun das Leben, welches sie sich immer gewünscht hatten. Sie waren eine glückliche Familie. Allerdings lebten im Lande Rovalonien auch die großen dunklen Männer. Sie sahen in ihren dunklen Umhängen nicht nur furchterregend aus, sie waren auch tatsächlich böse. Nichts war ihnen lieber als Unheil, Sorgen und Nöte in die Welt zu bringen. So streiften sie tagtäglich durch das Land auf der Suche nach Menschen, denen sie Kummer bereiten konnten. Eines Tages trafen sie dabei auf den kleinen Mann Jasa. Er war alleine und sah müde aus, denn er hatte nun mit Kind und Frau jede Menge zu tun und kaum noch Ruhe. Als die dunklen Männer ihn sahen, wussten sie sofort, dass sie bei ihm mit ihren gemeinen Ideen Erfolg haben würden und so sprachen sie ihn an: „Guten Tag, junger Mann. Geht es Ihnen nicht gut? Sie sehen so müde aus.“

„Ach, danke der Nachfrage. Ich bin tatsächlich ziemlich müde“, antwortete der kleine Mann Jasa und schaute die dunklen Männer überrascht an.

„Dann arbeiten Sie sicher zu hart. Gönnen Sie sich doch eine Pause.“

„Nein, nein, ich arbeite nicht zu viel. Ich habe nur ein kleines Kind. Da habe ich kaum noch für irgendetwas Zeit.“

„Oje, Sie Armer. Das hört sich schlimm an. Welch anstrengendes Leben!“

„Nicht das Sie mich falsch verstehen. Mir geht es nicht schlecht. Ich bin sogar sehr glücklich.“ Der kleine Mann Jasa wollte nicht, dass jemand dachte, er beschwere sich über sein Leben, denn er hatte ja genau so ein Leben, wie er es gerne haben wollte. Doch nun hatten die dunklen Männer genug gehört um zu wissen, wo sie ansetzen konnten um den kleinen Mann Jasa unglücklich zu machen:

„Sie denken, dass Sie glücklich sind, denn jeder erwartet es von Ihnen. Alle Menschen gehen davon aus, dass ein Baby Glück und Freude in eine junge Familie bringt. Deshalb glauben auch Sie, dass Sie glücklich sind. Aber dabei weiß doch eigentlich jeder, dass es so nicht ist. Es spricht nur niemand darüber, denn der Gedanke allein ist schrecklich genug.“

„Wie meinen Sie das?“ fragte der kleine Mann Jasa ein wenig verunsichert.

„Überlegen Sie doch einmal selber.“

Hilflos zuckte der kleine Mann Jasa mit den Schultern. So langsam wurde ihm das Gespräch unangenehm.

„Wie viel Zeit verbringen Sie denn noch alleine mit Ihrer Frau?“ fragte einer der dunklen Männer scheinheilig.

„Leider nicht mehr so viel. Es gibt immer so viel zu tun. Da bleibt keine Zeit mehr für meine Frau und mich“, bedauerte der kleine Mann Jasa.

„Aber das ist falsch! Das ist doch schrecklich! Und wie viel Zeit haben Sie noch für schöne Dinge, die Sie immer schon mal tun wollten?“ hakte der dunkle Mann unnachgiebig nach.

„Auch nur noch sehr wenig. Ich schaffe es kaum einmal ein ganzes Buch zu lesen.“

„Haben Sie sich ihr Leben so vorgestellt? Keine Zeit mehr für Ihre Frau, keine Zeit mehr für sich selbst, immer nur das tun, was andere von einem erwarten. Immer nur für das Kind da sein, den Haushalt machen, arbeiten. Das ist doch kein Leben. Das müssen Sie doch zugeben.“

„Ich wollte immer ein Kind haben und ich liebe es.“ Der kleine Mann Jasa fühlte sich immer unwohler.

„Ja, vielleicht wollten Sie ein Kind haben. Doch nun müssen Sie feststellen, dass das Leben mit Kind ganz anders ist, als Sie es sich vorgestellt haben.“

„Das schon“, stimmte der kleine Mann Jasa zu. „Aber….“ wollte er fortfahren, doch da wurde er bereits wieder von einem der dunklen Männer unterbrochen:

„Da sehen Sie es selbst! Es spricht nur niemand darüber. Ein Leben mit Familie stürzt einen ins Unglück. Denken Sie darüber nach. Überlegen Sie sich einfach mal in Ruhe, worauf Sie alles verzichten müssen und wie es nun mit Ihrer Freiheit aussieht und Sie werden schnell merken, dass wir Recht haben.“

Ohne dass der arme, verwirrte kleine Mann Jasa etwas sagen konnte, wandten sich die dunklen Männer nach diesen Worten ab und ließen ihn alleine auf der Straße stehen.

Der kleine Mann Jasa wusste gar nicht, wie ihm geschah. Er war völlig verunsichert und musste immer wieder an das denken, was die dunklen Männer gesagt hatten. Hatten sie tatsächlich Recht und es war ein großes Geheimnis, dass es Familienglück gar nicht gab? War es nur eine Illusion, dass man sich in einer Familie glücklich und geborgen fühlen konnte? Nachdenklich setzte er sich auf einen großen Stein. Die letzten Worte der dunklen Männer kamen ihm wieder in den Sinn. „Überlegen Sie sich einfach mal in Ruhe, worauf Sie alles verzichten müssen und wie es nun mit Ihrer Freiheit aussieht.“

Er brauchte gar nicht lange überlegen. Sofort fielen ihm viele Dinge ein, die er gerne mal wieder machen würde: Mit seiner Frau in die Saune gehen, gemütlich und schick Essen gehen, ins Kino gehen, in den Urlaub fliegen… Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Hatten die dunklen Männer also tatsächlich Recht? Sein Leben war momentan fremdbestimmt. Er konnte kaum über seine eigene Zeit bestimmen. Manchmal fühlte er sich tatsächlich ein wenig eingeengt.

Dem kleinen Mann Jasa ging es immer schlechter. Schließlich stand er traurig auf um nach Hause zu gehen. Nach Hause zu seinem Leben, welches ihm nun gar nicht mehr so schön vorkam. Zu seinem Leben, welches ihm auf einmal nur noch anstrengend, ermüdend, stressig und als ein großer Verzicht vorkam. Betrübt ließ er den Kopf hängen, so dass er den merkwürdigen Vogel, der über ihn hinweg flog zunächst gar nicht wahrnahm. Nach einer Weile hörte er dann aber das hohe und fröhliche Zirpen, welches gar nicht zu seiner Stimmung passte. Er schaute nach oben und erblickte einen wunderschönen bunten Vogel, der über ihn kreiste. Der Vogel war so schön, dass der kleine Mann Jasa trotz der trübsinnigen Gedanken seinen Blick nicht von ihm lassen konnte. Auf einmal hatte er das Gefühl, dass der Vogel ihn direkt anschaute. Verwirrt schüttelte der kleine Mann Jasa seinen Kopf. Warum sollte ihn ein Vogel ansehen? Aber da vernahm er eine hohe Stimme: „Komm mit!“ Fantasierte er nun schon? Ein Vogel konnte doch nicht sprechen! „Komm mit!“

„Ist hier jemand?“ rief der kleine Mann Jasa.

„Komm mit!“

Der kleine Mann Jasa rieb sich die Augen. Er war sich ganz sicher, dass er gesehen hatte, dass der Vogel seinen Schnabel bewegt hatte.

„Wer bist du? Was willst du von mir?“

„Ich bin Zisali. Komm mit!“ wiederholte der Vogel und deutete mit seinem Kopf Richtung Norden.

„Wohin? Warum sollte ich mit dir mitkommen?“

„Komm mit!“ Der Vogel Zisali flatterte los und der kleine Mann Jasa konnte nicht anders als ihm folgen. Er war neugierig, wohin ihn der komische Vogel bringen würde. Ohne den Weg richtig wahrzunehmen folgte er dem Vogel durch lauter kleine Gassen bis der Vogel auf einmal am Ende einer alten, engen Straße in der Luft über seinem Kopf stehen blieb.

„Was ist los? Was soll ich hier?“ rief der kleine Mann Jasa dem Vogel zu.

„Bleib hier stehen!“ forderte der Vogel Zisali den kleinen Mann Jasa auf und flog in großen Kreisen durch die Luft. So langsam wurde es dem kleinen Mann Jasa zu bunt und er wollte sich gerade umdrehen um wieder in dem ihm bekannten Teil der Stadt zurück zu kehren, als er auf einmal am Ende der Straße ein großes Haus wahrnahm. Es war kaum zu sehen, doch je mehr Kreise der Vogel drehte desto deutlicher wurden die Konturen und es zeichnete sich immer mehr vor dem hellblauen Himmel ab. Verwundert blieb der kleine Mann Jasa stehen. Was passierte hier nur? Und warum hatte der Vogel ihn hier hin mitgenommen?

Mittlerweile war das Haus gut zu sehen. Es war riesig und hatte viele Türen. Alle Türen sahen gleich aus und der kleine Mann Jasa überlegte, wie man sie erreichen konnte, denn sie waren nicht nur ebenerdig angebracht, sondern auch im zweiten, dritten, vierten und fünften Stock waren so wie an anderen Häusern Fenster Türen zu sehen.

Endlich kam der Vogel Zisali zu ihm zurück geflogen.

„Wo sind wir? Was ist das für ein Haus?“

„Das ist das Haus des Familienglücks! Hinter jeder Tür verbirgt sich ein Teil davon. Du kannst auf den Türen lesen, woraus sich das Familienglück zusammensetzt“, erklärte der Vogel.

„Aber auf den Türen ist doch gar nichts zu sehen. Sie sehen alle gleich aus“, merkte der kleine Mann Jasa an.

„Du bist zu sehr in deinen schlechten Gedanken verfangen, deswegen siehst du die Türen nicht richtig. Du kannst sie auch nur dann öffnen, wenn du die Schrift auf ihnen lesen kannst.“

„Aber wie schaffe ich es, die Aufschriften zu lesen und die Türen zu öffnen? Und wie gelange ich zu den Türen in den höheren Stockwerken?“ wollte der kleine Mann Jasa wissen.

„Du musst dich darauf einlassen. Du musst an das Familienglück glauben und es von ganzem Herzen finden wollen.“

„Das möchte ich ja, aber ich bin verunsichert. Ich weiß nicht mehr, was ich denken und glauben soll.“

„Das ist nicht schlimm. Der Wunsch nach einer glücklichen Familie kann bereits ausreichen, damit die Türen sich dir öffnen. Dem Suchenden werden sie sich öffnen. Aber die Türen zeigen sich niemals alle gleichzeitig, sondern stets nacheinander, damit der Besucher ihnen auch die gebotene Aufmerksamkeit schenkt“, sagte der Vogel Zisali und flog dem Haus ein Stück entgegen. „Möchtest du das Familienglück suchen? Möchtest du erfahren, wie man mit einer Familie ein glückliches und ausgefülltes Leben führen kann?“

„Ja, das möchte ich! Nichts lieber als das!“ rief der kleine Mann Jasa aufgeregt. Sollten die dunklen Männer vielleicht doch nicht Recht haben? Gab es das Familienglück? Konnte ihm das Haus auf seiner Suche hilfreich sein?

„Dann stell dich vor das Haus und denke an deine Familie!“

„Und wie kann ich zu den Türen gelangen?“

„Das wirst du dann sehen, wenn sich eine Tür dir zeigt.“

Neugierig ging der kleine Mann Jasa auf das Haus zu. Dabei starrte er gespannt auf die Türen, in der Erwartung, dass sich etwas tun würde. Doch noch passierte nichts. Ungeduldig trat der kleine Mann Jasa von einem Bein auf das andere und schaute den Vogel Zisali fragend an. Der Vogel sagte nichts, sondern flog weit in den Himmel hinein und ließ den kleinen Mann Jasa alleine vor dem Haus stehen.

Weiter geht es am 1. Dezember

HIER findet ihr die Übersicht aller Abschnnitte.

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