Interview mit Mo Anders

Vor einiger Zeit habe ich euch das Buch „Die Reise der blauen Perle nach Schweden“ vorgestellt. Heute nun könnt ihr ein wenig mehr über die Hintergründe der Buchreihe „Die Reise der blauen Perle“ sowie einiges über die Autorin Mo Anders erfahren, denn netterweise hat Mo Anders sich bereit erklärt mir meine vielen Fragen ausführlich zu beantworten.

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Unterwegs in Arnarstapi, Island (Foto: privat)

Hallo Frau Anders, schön, dass Sie zu einem Interview bereit sind. Vielleicht könnten Sie sich kurz den Leserinnen und Lesern vorstellen. 

Gerne: Mo Anders ist mein Pseudonym als Kinderbuchautorin. Ich schmuggle interessante, nützliche, lustige und manchmal auch unnütze Informationen über verschiedene Länder in Abenteuergeschichten für Kinder. Das ist ein bisschen wie Gemüse in einer Spaghetti-Bolognese-Soße zu verstecken. Wie es dazu kam? Ich liebe es zu reisen und andere Länder mit deren vielfältigen Besonderheiten kennenzulernen. Schuld daran, dass ich jetzt Kinderbuchautorin bin, ist ein Hawaiiurlaub. Wir hatten damals keine Kinderbücher im Reisegepäck, doch unsere drei Töchter forderten ihre tägliche Gute-Nacht-Geschichte ein. Während ich eine Geschichte mit einem Kind und einem Delfin erfand, in die ich Wissenswertes über unsere wunderschöne Urlaubsumgebung packte, fiel mir auf, dass die Kinder das viel spannender fanden, als das aus dem Reiseführer Vorgelesene. Für mich ist es nicht nur unterhaltsam, sondern auch wichtig, mehr über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Die Abenteuerreihe ‚Die Reise der blauen Perle’ ist ein Herzensprojekt und ich freue mich, dass die Bücher bei Mädchen und Jungen so gut ankommen – obwohl (oder vielleicht weil?) so viel Wissen drin steckt.

Sie schreiben Bücher, die in vielen verschiedenen Ländern spielen. Aus welchen Gründen entscheiden Sie sich für ein bestimmtes Land?

Das Rennen für meinen ersten Band machte Hawaii, der 50. Bundesstaat der USA, weil auf Maui die Idee zur Serie entstanden ist. Österreich habe ich als zweites Reiseziel der blauen Perle gewählt, weil ich als gebürtige Bayerin sehr oft dort unterwegs war. Die faszinierende Khmer-Kultur mit den geheimnisvollen Tempeln von Angkor war ausschlaggebend für die Wahl von Kambodscha als Schauplatz des dritten Bandes. Der vierte Band spielt in Tunesien, ist allerdings noch nicht veröffentlicht. Die Entscheidung für Schweden als fünfte Station der blauen Perle ist nicht zuletzt durch meine geliebte schwedische Kindheitslektüre beeinflusst. Den Italienband, der noch 2015 erscheinen wird, habe ich vorgezogen, weil mehrere Eltern danach gefragt haben. Die Entscheidung über die Reiseziele der blauen Perle ist beeinflusst durch persönliche Emotionen, rationale Überlegungen – oder auch puren Zufall.

Wie gestaltet sich die Recherche für ein Buch?

Manchmal fahre ich bereits mit der Idee für eine Geschichte in das Land, manchmal lasse ich mich erst vor Ort inspirieren und schreibe die Geschichten aus der Erinnerung an eine Umgebung. Wenn möglich besuche ich Museen, frage Landeskundige, lese Bücher von Autoren des Landes oder Bücher über das Land. Viel Zeit verbringe ich auch im Internet auf der Suche nach verlässlichen Quellen für Fakten, die Kinder interessieren können. Und jedes Mal stelle ich fest, dass die Recherche meist deutlich mehr Zeit verschlingt als geplant, weil ich immer wieder auf Informationen und Zusammenhänge stoße, über die ich unbedingt mehr erfahren möchte. Dann muss ich mich entscheiden: Was kommt ins Buch und wie verpacke ich es am geschicktesten?

Was, meinen Sie, können Kinder mit dieser Buchreihe alles lernen und erfahren?

‚Das Buch macht Spaß und öffnet die Augen für die Welt’, hat ein Journalist in einer Rezension zu Band 3 geschrieben. Die Abenteuerreihe will für kulturelle und geografische Besonderheiten sensibilisieren. Selbstverständlich erheben die Bücher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür ist ein Land zu facettenreich und dynamisch. Und natürlich werden Kinder sich nicht alle Fakten in einem Band merken. Aber durch die Vielfalt und Vielzahl an eingebundenen Informationen kann jedes Mädchen oder jeder Junge sich das herauspicken, was jeweils interessant erscheint. Die Welt bietet so viel Spannendes, was nicht immer im Schulunterricht Platz findet: Zum Beispiel gibt es in Kambodscha einen großen See, dessen Fläche sich in der Regenzeit mehr als verdreifacht und der gleichzeitig ein Fluss ist, der jährlich seine Fließrichtung ändert. Und es ist nützlich zu wissen, dass uns vertraute Gesten wie ‚Daumen hoch’ in manchen Ländern als Beleidigung aufgefasst werden oder dass Kopfschütteln woanders Zustimmung bedeuten kann. ‚Die Reise der blauen Perle’ soll einen unterhaltsamen und spannenden Mix aus länderspezifischen Informationen bieten und zum eigenen Recherchieren und Nachdenken anregen.

Bei dem Buch über Schweden haben Sie ein paar schwedische Begriffe mit eingebracht. Haben Sie auch in den anderen Büchern Begriffe in der Landessprache verwendet und wie kommen Sie an diese typischen Begriffe? Sprechen Sie selbst verschiedene Sprachen? 

In jedem Buch sind einige Ausdrücke in der Landessprache zu finden, beispielsweise „wikiwiki“ (hawaiianisch) für „schnell, eifrig“ oder „Saubartl“ (österreichisches Deutsch) für „Schmutzfink“. Es fließen sprachliche Besonderheiten ein: In Kambodscha verwenden beispielsweise Männer und Frauen unterschiedliche Worte für „ja“, je nach Geschlecht sagen die Khmer „bat“ oder „djah“. In den Büchern erfährt man auch, dass das hawaiianische Alphabet gegenüber unserem nur die Hälfte der Buchstaben hat, das Khmer Alphabet hingegen mehr als das Doppelte. Die ausgewählten Begriffe stammen aus diversen Quellen: Gespräche, Bücher und Internet. Im Studium hatte ich auch mal Indonesisch gelernt, aber davon ist leider nicht mehr viel übrig. Neben Englisch spreche ich Spanisch.

Da ich selbst ein großer Schweden-Fan bin, würde es mich interessieren, wie Sie ausgerechnet auf Schweden gekommen sind?

Grundsätzlich reizt es mich, zu jedem Land einen ‚Die Reise der blauen Perle’-Band zu schreiben, um zu zeigen, dass es überall etwas Besonderes zu entdecken gibt. Bei der Anzahl der Länder habe ich natürlich ein Zeitproblem. Vermutlich ist Astrid Lindgren schuld daran, dass Schweden in der Reihenfolge weit nach vorne gerückt ist. Ihre Bücher haben mich als Kind sehr geprägt und für wunderbare Stunden nach Småland und Saltkrokan, einer fiktiven Stockholmer Schäreninsel, entführt.

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Was gefällt Ihnen persönlich an Schweden besonders?

Da gibt es vieles: Die Natur Schwedens begeistert mich mit den endlosen Wäldern mit dem duftenden Moos, den klaren Seen und den unzähligen Schären vor der Küste. Ich mag die einsamen falunroten Holzhäuser. Aber auch die Mentalität der Schweden, das Duzen und den Umgang miteinander finde ich sehr sympathisch.

Welche Kinderbücher fallen Ihnen neben den Büchern von Astrid Lindgren ein, wenn Sie an Schweden denken?

Wenn es um Kinderbücher geht, dann ist Schweden ja ganz vorne mit dabei. Ich denke vor allem an ‚Trolle, Wichtel, Königskinder’ mit den wunderbar magischen Zeichnungen von John Bauer, ‚Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen’ der Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf und an die ‚Petterson und Findus’-Bücher von Sven Nordqvist. Und oft musste ich die Willi Wiberg-Geschichten von Gunilla Bergström vorlesen. Bei unserer Schwedenreise wurde ich im Junibacken, dem Stockholmer Kinderbuchmuseum, ein bisschen in meine eigene Kindheit gebeamt.

Welche Bücher haben Sie selbst als Kind gerne gelesen? Waren da auch Bücher über andere Länder dabei?

Ich habe so ziemlich alles verschlungen, was zwischen zwei Buchdeckeln gepresst wurde, angefangen von den Internats- und Pferdeserien, über Fantasygeschichten und Krimis. Ich habe ein Faible für außergewöhnliche und skurrile Geschichten entwickelt. Einige Schauplätze der Bücher meiner Kindheit lagen auch in anderen Ländern, vor allem Schweden und Italien.

Was macht Ihnen beim Schreiben besonders viel Spaß und was ist das Besondere, wenn man für Kinder schreibt?

Es ist einfach schön, Figuren und Geschichten zu kreieren, um Leser für eine gewisse Zeit in eine andere Welt zu entführen und sie zu inspirieren. Für Kinder zu schreiben ist eine große Herausforderung, da junge Leser schnell spüren, ob ein Autor sich in ihre Gedankenwelt hineinversetzen kann oder von oben herab schreibt. Ich finde, dass Bücher für Kinder respektvoll und gleichzeitig liebevoll sein sollten. Zu den Highlights eines Kinderbuchautors zählen natürlich auch Lesungen und Leserpost.

In welche Länder möchten Sie gerne noch reisen?

Hier könnten so ziemlich alle Länder stehen, weil es überall (und immer wieder) etwas Spannendes zu entdecken gibt. Ich war in mehr als 30 Ländern unterwegs und es gibt keines, in das ich nicht mehr reisen würde. Aus Rücksicht auf meine Familie würde ich allerdings einige Länder aus Sicherheitsgründen von der aktuellen Reisewunschliste streichen.

Welches ist Ihr Lieblingsland und warum ist es Ihr Lieblingsland?

Natürlich gibt es unterschiedliche emotionale Verbindungen zu den Ländern, in denen ich bisher unterwegs war, doch ich habe kein Lieblingsland. Ich entdecke lieber etwas Neues, als dass mich meine Reisen wieder an die „alten“ Orte führen. Manchmal mache ich aber natürlich auch Ausnahmen, wie beispielsweise jetzt in den Sommerferien in Island, wo wir das traumhafte Ausreiten am Strand von Snæfellsnes unbedingt wiederholen wollten.

Welche Klischees würden Sie bei einem Buch über Deutschland mit einbringen?

Mein Ziel ist nicht, Klischees zu einem Land zu verstärken, sondern durch länderspezifische Informationen oder Beobachtungen die Neugierde der Kinder zu wecken, oder ein bisschen über unsere Landesgrenzen hinaus zu lenken. Deshalb finden junge Leser im Anhang immer kindgerechte Internetlinks für die eigene Recherche. Was ich alles in den Band zu Deutschland einbringen werde, das ist noch geheim. Auf jeden Fall will ich nicht, dass die Kinder nach dem Lesen denken, dass alle Menschen in Deutschland immer in Lederhosen und Dirndl herumlaufen. Darüber haben wir uns damals als Teenager Gedanken gemacht, als wir mit der Deutschen Sportjugend in Japan einen „Geierwally“-Tanz im „Blau-Weiß“-Rautenlook aufführten. Die Welt ist bunt und vielfältig und das will ich mit ‚Die Reise der blauen Perle’ zeigen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Schreiben weiterer Bände über die Reise der blauen Perle.

Herzlichen Dank! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg mit der Geschichtenwolke.

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3 Kommentare zu “Interview mit Mo Anders

  1. Ein schönes, interessantes und sympathisches Interview! 🙂 Vielen Dank dafür! „Die Reise der blauen Perle nach Schweden“ haben mein Sohn und ich auch mit Begeisterung gelesen. Und wir freuen uns schon auf neuen Lesestoff von Mo Anders! 🙂

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  2. Ich finde es bei dieser Buchreihe besonders spannend zu beobachten, wie sich die Autorin und ihr Schreibstil weiterentwickeln, reifen. „Die Reise der blauen Perle“ ist ein Selfpublishing-Projekt. Mo Anders macht alles selbst bzw. koordiniert es selbst. Alle Achtung davor!

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