Blogparade: Kultur ist für mich…

Tanja ruft auf ihrem Blog zu einer Blogparade auf, bei der man den Begriff Kultur definieren soll. In einem Artikel soll der Satz „Kultur ist für mich…“ beendet werden. Ist das etwas für meinen Blog? Ja klar, denn für mich hat sich nach einigen Gedankengängen herauskristallisiert, dass Kinderbücher ein wichtiger Teil der Kultur sind. Hier könnt ihr ein wenig mehr von meinen Überlegungen lesen:

Kultur ist für mich… – erst einmal ein recht abstrakter Begriff, der gar nicht so leicht zu fassen ist.

Was ist Kultur? Wie definiert man Kultur? Ganz ungeordnet und überhaupt nicht wissenschaftlich abgesichert, purzeln dazu folgende Gedankenfetzen aus mir heraus:

  • Kultur versus Natur: Das vom Menschen Geschaffene
  • Ein Teil der Allgemeinbildung
  • Manchmal kann der Begriff abschreckend wirken, da man dahinter etwas hochtrabendes vermutet, das nichts mit einem selbst zu tun hat
  • Musik, Kunst, Literatur, Architektur, Theater
  • Museen
  • Ein Teil dessen, was uns als Mensch ausmacht
  • Es gibt verschiedene Kulturen, abhängig von der Geschichte eines Landes oder Volkes
  • Schreiben, Lesen und Rechnen sind Kulturgüter

In erster Linie gehört Kultur für mich ganz eng mit Bildung zusammen und ich finde es wichtig, dass man sich damit beschäftigt. Mir ist es wichtig, dass Bücherwürmchen immer wieder mit Kultur in Berührung kommt, dass er ein Verständnis dafür entwickelt. Durch Kultur kann man viel über die Menschheit und ihre Geschichte lernen und man bekommt aufgezeigt, wie man sich auf vielfältige Art und Weise ausdrücken kann.

Auch wenn ich vorhin den Begriff „Literatur“ aufgezählt habe, so habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass auch Kinderliteratur selbstverständlich ein Teil unserer Kultur ist. Kultur war eher etwas, was mich zwar interessiert, von dem ich aber annahm, mich selbst nicht so gut mit auszukennen, etwas, für das man ins Museum oder Theater geht und eben nichts, mit dem man sich im Alltag beschäftigt. Aber auch Kinderbücher sind etwas vom Menschen Geschaffenes und sie hängen auch ganz eng mit der Kultur eines Landes zusammen, was man feststellen kann, wenn man Bücher aus verschiedenen Kulturen miteinander vergleichen würde. So kann man durch Bilderbücher Kindern andere Kulturen gut näher bringen, aber Kinder lernen durch sie ebenfalls ihre eigene Kultur kennen und wachsen in sie hinein. Somit sind Kinderbücher ein ganz wichtiger Kulturvermittler, den man keinesfalls unterschätzen sollte. Es wäre sicherlich mal interessant, Kinderbücher unter diesem Aspekt zu betrachten. Vermutlich wäre man überrascht, wie viele Seiten der eigenen Kultur in einem Kinderbuch angesprochen werden bzw. mitklingen.

Bei diesen Überlegungen merke ich, dass mein persönlicher Kulturbegriff in zwei verschiedene Richtungen geht, die natürlich in gewisser Weise etwas miteinander zu tun haben: Zum einen ist da die Kultur, in der wir leben, zu der u.a. auch erwartetes Benehmen und Verhalten sowie Rollenbilder gehören und zum anderen die Bildungskultur im Sinne von Kunst, Musik etc. In beiden Bereichen können Kinder- und Bilderbücher eine wichtige Rolle einnehmen, während sie zusätzlich selbst ein Teil der Kultur sind. Kultur im ersteren Sinne schwingt in jedem Buch mit, aber es gibt auch Bücher, die einen Teil der Kultur bewusst thematisieren und Kinder beispielsweise an klassische Musik oder an die Kunstwerke berühmter Maler heranführen. Oftmals zeigen sich Kinder sehr interessiert und offen für solche Bücher und ich persönlich schaue sie mir auch sehr gerne mit Bücherwürmchen an. Überhaupt habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder einerseits nicht ungerne kulturelle Veranstaltungen besuchen und dass man sich andererseits auch vermehrt um Kinder als Zielgruppe bemüht. Zwar erlebt man, dass Kultur von einigen als langweilig und unwichtig abgetan wird und einige Familien lieber Action und Animation suchen, so dass es auf einmal überall Indoor-Spielplätze gibt, aber ich entdecke auch immer häufiger in Museen liebevoll erstellte Programme und Angebote, die sich speziell an Kinder richten, was mir gut gefällt. Kinder sind an so vielen Dingen interessiert. Man sollte nicht den Fehler machen und annehmen, dass Kultur nichts für Kinder sei und sie sich in Museen langweilen würden. Natürlich darf man es auch nicht übertreiben und sie in jedes Museum zerren, in dem man sich dann stundenlang aufhält. Aber wenn man sich ein bisschen auf die Kinder einlässt, ihnen kindgerechte Informationen gibt und man den Besuch beendet, wenn man merkt, dass es genug ist, kann man gemeinsam viel Spaß in Museen haben und zudem einen Grundstein für das Interesse an Kultur legen. Vielleicht ist Kultur dann etwas, was für Kinder selbstverständlich dazugehört, mit dem sie sich identifizieren können und nicht etwas, was nichts mit ihnen zu tun hat, für das sie sich zu klein und unbedeutend fühlen und über das sie lieber andere Leute reden lassen. Ich habe mich an den Begriff Kultur kaum herangewagt, da ich z.B. oft keinen Zugang zur Kunst habe oder nicht sagen kann, zu welcher Epoche ein Musikstück oder ein Bauwerk gehört. Gefühlt ist Kultur für mich etwas für gut Gebildete, für diejenigen, die sich mit Opern und ähnlichem auskennen, dabei ist Kultur etwas für jeden, der etwas mit ihr zu tun haben möchte – egal, ob man ein Werk interpretieren kann.

Hoffentlich können wir Bücherwürmchen einen ungezwungenen Umgang mit Kultur vermitteln, so dass er sich vielleicht irgendwann an den Satz „Kultur ist für mich…“ ohne Bedenken heranwagen kann.

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5 Kommentare zu “Blogparade: Kultur ist für mich…

  1. Oh, wie schön, schön, schön!!! Da schlägt mein Mutterherz Purzelbäume – unterschreib sofort!

    Ja, bieten wir den Kindern keinen Zugang zur Kultur über Bücher, Museen, Theater, Urlaub, dann haben sie es später schwer oder auch nicht, da sie ja nicht wissen, dass sie etwas verpassen. Kultur hängt für mich auch stark mit Bildung zusammen, das kann die spielerisch vermittelte Wissensbildung, aber vor allem auch die emotionale Bildung sein, die über Geschichten hervorragend funktioniert!

    Zurzeit lese ich mit Bücherwürmchen die Geschichten des kleinen Vampirs, hell auf begeistert ist sie. Moderat gehe ich mit ihr ins Museum und zwar so lange, wie sie es zulässt. Mit dem 13-jährigen ist das leider kaum noch möglich, es sei denn, ich trickse ihn aus und sage, du darfst ruhig Freund XYZ mitnehmen – dann funktioniert es auch. Ob das etwas bringt, wird sich wohl erst im Erwachsenenalter zeitgen. Mein Vater hat mich als Pupertierende auch immer zu meinem Leidwesen ins Museum geschleppt und was ist dann später passiert: Ich studierte Kunstgeschichte, so viel dazu, wie prägend Eltern sein können.

    Herzlichen Dank für deinen sehr schönen Beitrag!!!

    Sonnige Grüße,
    Tanja

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  2. Pingback: Blogparade: "Kultur ist für mich ..." - Aufruf #KultDef

  3. Liebe Miri,
    du sprichst mir so aus dem Herzen!

    Und dank Blogparade bin ich jetzt auch auf deinen Blog aufmerksam geworden, auf dem ich zukünftig sicher öfters vorbeischauen werde. Immerhin habe ich ja auch zwei Bücherwürmchen zu Hause.

    Liebe Grüße Carmen

    Und wenn du mal umgekehrt Anregungen für einen Museumsbesuch suchst, dann schau doch mal bei mir vorbei 😉

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Definition von Kultur - warum? #KultDef 2

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