Wenn der Schiet auf einmal mehr ist als ein gewöhnlicher Haufen…

Mein letztes Buch aus dem Willegoos Verlag wurde mir mit folgenden Worten zugesagt: „Den Schiet bekommen Sie natürlich.“ Und was bekam ich? Schiet im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich das Buch „Der Schiet und das Frühjahr“, welches das Wort und eine entsprechende Geschichte zwar in sich stecken hat, aber ansonsten alles andere als Schiet ist.

Nachdem ich im Internet immer wieder lesen durfte, dass dieses Buch für Begeisterung sorgte, war ich nun auch neugierig auf das Buch. Treffen die kuriosen Geschichten tatsächlich den Humor von Kindern? Haben auch Erwachsene Spaß an ihnen? Inwiefern sind sie überhaupt skurril und besonders?

Mittlerweile habe ich die Geschichten alle mehr als einmal gelesen und weiß nun: Ja, sie machen Spaß und zwar sowohl großen als auch kleinen Lesern. Dabei sind es eigentlich ganz einfache Geschichten, in denen gar nicht so viel passiert, aber es geschieht etwas ungewöhnliches, denn alltägliche Dinge, an denen man sonst einfach vorbeigeht und denen man keine besondere Beachtung schenkt, stehen auf einmal im Mittelpunkt einer Geschichte und erwachen zu Leben.

Der Schiet, eigentlich ein gewöhnlicher Hundehaufen, verliebt sich in eine Löwenzahndame, die Socken unter dem Bett brüten ein Ei aus, eine Jacke kann es nicht verschmerzen im Sommer im Schrank zu verschwinden, ein Hund passt sich mit seinem Fell farblich den Jahreszeiten an und die einsame, unter der Erde vergessene Kartoffel findet in einem alten Kessel und einem Bärenschädel tolle Musikanten für eine Band.

Die Geschichten an sich werden recht unaufgeregt erzählt. Sie leben in erster Linie von den kuriosen Ideen und den dazu passenden, ausdrucksstarken Illustrationen, die die Geschichten gut in ihrer Komik unterstützen.

Nicht jede Geschichte spricht mich gleichermaßen an. Manche finde ich einfach nur nett, aber nicht besonders, andere dahingegen machen mir viel Spaß. Insgesamt finde ich aber die Idee Dingen ein Leben anzudichten klasse, denn dies setzt bei der Fantasie der Kinder an. Genau solche Geschichten würden sie sich auch selber ausdenken. Das Buch regt die Fantasie von Kindern an und zeugt von kindlichem Humor.

Ich habe im Bücherregal das Buch „Unglaubliche Geschichten für kleine Leute“ von Marte und Ulrich Hopp (Thienemann) stehen und als ich es neulich Bücherwürmchen vorgelesen habe, habe ich dabei sofort an „Der Schiet und das Frühjahr“ gedacht. Bei dem Buch „Unglaubliche Geschichten für kleine Leute“ gibt es eine Besonderheit: Die Geschichten hat sich ein Kind ausgedacht und sie wurden vom Vater aufgeschrieben. Es sind, wie der Titel es bereits verrät, ebenfalls skurrile Geschichten, in denen grundsätzlich alles möglich ist. Dies zeigt, dass Kinder Spaß an Kuriositäten haben. Bei ihnen darf die Fantasie in einer Geschichte gerne in alle Richtungen führen.

Der Autor Andrus Kivirähk hat somit ein Buch geschrieben, welches nicht am Humor der Kinder vorbei geht, sondern welches es schafft, genau den Geschmack und die Kreativität der Zielgruppe zu treffen. Und ich als Erwachsene finde es einfach faszinierend, wo man überall kleine, witzige Geschichten entdecken und erspinnen kann. Kinder haben häufig diese Fantasie noch und so wird aus dem Laufrad mal ein Cowoboypferd und mal ein Polizeimotorrad, aber wir Erwachsene haben es leider meist verlernt unsere Fantasie sprudeln zu lassen. Schön, wenn einem ein Kinderbuch zeigt, wohin einen kreative Gedanken führen können.

Zunächst war ich etwas enttäuscht wie neutral Bücherwürmchen auf das Buch reagierte. Okay, er hat auch gerade erst das Alter der empfohlenen Altersangabe, aber eigentlich hätte ich gedacht, dass er solche Geschichten lustig finden würde. Das Wort „Schiet“ sagt ihm, glaube ich, nichts, doch was ein Hundehaufen ist, weiß er natürlich und in dem Buch gibt es schließlich mehrere Geschichten mit witzigen Aspekten. Ist der Witz für kleine Kinder vielleicht doch noch nicht fassbar? Zwar wollte Bücherwürmchen sich das Buch komplett vorlesen lassen, aber mehr sagte er zunächst nicht dazu. Nach und nach stellte ich dann allerdings fest, dass er doch mehr Spaß an den Geschichten hatte als gedacht! Immer wieder kommt er nun nämlich auf das Buch zurück. Beim Malen mit Straßenkreide lachte er über den Kreidefresser aus dem Buch, den es früher an jeder Schule gab, und den Opa warnte er vor dem Seeräuberlöffel, der auf dem Mittagsteller sein Unwesen treibt. Bei einem zweiten Vorlesen merkte ich dann auch, dass er auf bestimmte Stellen wartete, auf die er sich besonders freute.

Ich persönlich mag die Geschichte von den eierlegenden Socken und die von dem Sandkrokodil im Eimer besonders gerne. Für jeden Leser ist sicherlich eine Lieblingsgeschichte in diesem kuriosen Buch, in dem sich der Witz besonders aus Kinderaugen betrachtet entfaltet.

Übrigens wurde das Buch klimaneutral hergestellt. Toll, dass der Willegoos Verlag nicht nur Bücher herausbringt, die Kinder in besonderer Weise ansprechen, sondern dass ihm auch eine umweltfreundliche Herstellung am Herzen liegt.

 DerSchiet

Der Schiet und das Frühjahr von Andrus Kivirähk und Meike Teichmann, Willegoos Verlag, ISBN: 978-3-944445-08-3, 14,95€

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4 Kommentare zu “Wenn der Schiet auf einmal mehr ist als ein gewöhnlicher Haufen…

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