Erwartungen an bekannte Kinderbuchfiguren

Manchmal ist es mit Büchern, Erwartungen und Kindern schon merkwürdig. So gibt es Bücher, denen man, bevor man sie überhaupt kennt, eher skeptisch gegenüber steht. Wenn man sie dann kennen lernt, gefallen sie einem dann doch besser als man gedacht hätte und man wundert sich, warum das Kind dieses Buch nicht häufiger hervor nimmt. Genauso gibt es aber auch Bücher, auf die man neugierig ist, von denen man dann beim genaueren Hinschauen eher enttäuscht ist, während das Kind das Buch liebt. Beide Phänomene habe ich in letzter Zeit erlebt. In beiden Büchern, von denen ich spreche, geht es um bekannte Charaktere und zwar einmal um Käpt’n Sharky und einmal um den Bären Paddington.

Bei Käpt’n Sharky traf das erste Phänomen zu und bei Paddington das zweite, aber der Reihe nach…

Den Namen Käpt’n Sharky kenne ich schon seit Jahren – kein Wunder bei den vielen Merchandise Artikeln, die es überall zu kaufen gibt. Die Sachen waren ganz niedlich, aber dieser Hype um Käpt’n Sharky machte mich eher misstrauisch. Man hatte ein bisschen das Gefühl, dass es hier mehr um große Verkaufszahlen als um gute Geschichten ging. Irgendwann kannte sogar Bücherwürmchen Käpt’n Sharky aus dem Kindergarten und er erzählte uns wissend: „Der hat doch eine Ratte und einen Papagei, oder?“ So spielte er auch ganz gerne Käpt’n Sharky, während wir natürlich die Rollen der Ratte und des Papageis erhielten. Als ich dann auch noch Käpt’n Sharky im Stickeralbum „Meine Kinderbuchhelden“ entdeckt habe, wurde ich so langsam doch ein wenig neugierig auf diesen Piraten. Jetzt wollte ich mir doch mal gerne ein Buch von ihm anschauen und so zog „Käpt’n Sharky bei den Wikingern“ bei uns ein. Und ich musste feststellen, dass es wirklich ein schönes Bilderbuch ist. Klar, es gibt nun einige Menschen, die meinen, dass durch solche Bücher Piraten verklärt und die heutigen Probleme mit Piraten verharmlost werden. Zu einem gewissen Teil stimmt das sicherlich auch, andererseits wollen Kinder Abenteuer in Gestalt von spannenden Figuren erleben (sie lieben ja auch Ritter und Räuber) und gerade in Geschichten und Büchern können sie dies ohne negative Konsequenzen voll und ganz tun. Ich finde, dass sollte man ihnen ruhig gönnen, auch wenn man vielleicht in einem Gespräch darauf hinweisen kann, dass Piraten Räuber und eigentlich gar nicht lieb sind. Aber gerade die „bösen“ Gestalten faszinieren Kinder ja nun einmal… Und es ist für sie, wenn sie diese Fantasien im Buch ungestraft ausleben können.

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Zurück zum Buch über Käpt’n Sharky. Käpt’n Sharky und seine Freunde sind sehr sympathisch und überhaupt nicht furchteinflößend. Natürlich sehen sie das selbst völlig anders und so nehmen sie es auch mutig mit den Wikingern auf, mit denen sie sich rasch anfreunden. Übrigens sind auch diese in dem Buch eher friedlich, obwohl gegen Olof und seine Mannschaft selbstverständlich Seite an Seite mit Sharky und seinen Freunden unerbittlich gekämpft wird. In dem Buch steckt also jede Menge, was nach Abenteuer schmeckt: Piraten, bärtige, zerzauste Wikinger und der Kampf gegen eine verfeindete Mannschaft. Außerdem gibt es noch etwas, was dieses Buch spannend macht und vielleicht liegt hier auch der Grund, warum sich Bücherwürmchen das Buch nicht so gerne anschaut: Es gibt bei den Wikingern auch Wölfe! Den Satz „Wölfe sind hier die gefährlichsten Tiere“ hat Bücherwürmchen sich direkt gemerkt und tatsächlich stehen eines Tages bei den Wikingern hungrige Wölfe vor der Tür. Wölfe sind Bücherwürmchen irgendwie unheimlich und seitdem wir das Buch geschaut haben, spricht er wieder oft von Wölfen und fragt mich, ob es bei uns auch Wölfe, also die gefährlichsten Tiere, gibt. Ich habe mich schon gewundert, warum Bücherwürmchen dieses Buch nicht ständig hervorholt, obwohl er weiterhin gerne Käpt’n Sharky spielt. Die Wölfe könnten allerdings zum Teil ein Grund dafür sein…

Die Bilder in dem Buch sind bunt und passend zur Geschichte voller Action. Käpt’n Sharky ist so dargestellt, dass Kinder sich schnell mit ihm identifizieren können, was zumindest bei Bücherwürmchen gut funktioniert hat.

Innenansicht aus dem Buch "Käpt'n Sharky bei den Wikingern"

Innenansicht aus dem Buch „Käpt’n Sharky bei den Wikingern“

Nun zu dem anderen Buch, zu Paddington. Ich kannte Paddington bisher nicht, aber natürlich hatte ich den Namen sowie das Bild von dem Bären mit dem roten Hut und dem blauen Mantel schon mal gehört bzw. gesehen. Und irgendwie habe ich damit immer etwas Positives verbunden – ohne zu wissen, woher ich meine Vorstellungen genommen habe. Jedenfalls war ich auf Paddington sehr neugierig und habe mich richtig auf das Buch gefreut. Und ja, den Bären an sich finde ich auch weiterhin äußerst sympathisch und ansprechend. Die Geschichte, die dazu gehört, fand ich dahingegen eher etwas lasch. Klar, es ist schön, dass Paddington von Mr. und Mrs. Brown am Bahnhof aufgegabelt und mit nach Hause genommen wird, wo er von allen herzlich aufgenommen wird: Er darf erst einmal ausgiebig baden, nachdem er sich beim Imbissstand mit einem Sahnetörtchen eingesaut hat, und anschließend wird er mit Toast in gemütlicher Atmosphäre verwöhnt. Alles schön und gut, aber irgendwie auch nichts sonderlich Außergewöhnliches. Auf den Bildern sticht der süße Bär heraus, der Rest sind normale, mittelmäßige Zeichnungen. Mir gefällt es für Kindergartenkinder auch nicht, dass Mr. und Mrs. Brown nicht in Herr und Frau Brown (Braun) geändert wurden. Mit Mr. und Mrs. können Kinder in dem Alter doch noch gar nichts anfangen.

Soweit meine Meinung und Kritik, aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe dieses Buches und diese sieht das Buch völlig anders. Bücherwürmchen mochte Paddington von Anfang an und schaut sich das Buch auch gerne mehrfach hintereinander an. Er findet es spannend, dass der Bär den Namen eines Bahnhofs trägt, er lacht darüber, dass Paddington mit dreckiger Tatze dem Taxifahrer auf die Schulter tippt und er stimmt Mrs. Brown am Ende zu, dass es verständlich ist, dass Paddington nach so vielen Erlebnissen müde auf dem Sessel einschläft.

Bücherwürmchen hat Paddington ins Herz geschlossen und auch ich mag „diese Art von Bär“ – nur mit dem Buch muss ich mich noch ein wenig anfreunden.

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Käpt’n Sharky bei den Wikingern von Jutta Langreuter und Silvio Neuendorf, ISBN: 978-3649614722, 12,95€

Paddington von Michael Bond und R. W. Alley, Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-771-4, 12,95 €

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Ein Kommentar zu “Erwartungen an bekannte Kinderbuchfiguren

  1. Captain Sharky kenne ich jetzt leider nicht.
    Bei Paddington Bär denke ich sind einfach die Texte und auch die „Erziehungsmethoden“ schon ein wenig veraltet und man müsste es vielleicht mal ein wenig modernisieren. Ich befürchte jedoch dadurch würde die Figur ihren Charme verlieren!

    Liebe Grüße

    fantasylife

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