Für Hundeliebhaber und Adleraugen

Mein Verhältnis zu Hunden ist ein wenig gespalten. Als Kind hatte ich vor dem Rauhaardackel meines Großvaters Angst. Trotzdem habe ich meinen Steif-Hund nach diesem Dackel Fussel genannt und wenn ich meinen braunen Nicki-Pullover anhatte, hatte ich immer gerne Hund gespielt. Den alten Hofhund Bruno, der auf demselben Hof lebte wie mein Pflegepony, mochte ich irgendwie auch. Er war zwar groß, aber immer lieb. Ein richtiger Hundeliebhaber wurde ich dennoch nie. Liegt vielleicht auch daran, dass wir zu Hause eine Katze hatten… Naja, jedenfalls finde ich trotzdem manche Hunde, zumindest auf Bildern ;-), ganz süß. Und auf jeden Fall trifft dies auf den Border Collie Momo zu, der Hauptfigur in dem Buch „Findet Momo“. Momo ist ein hübscher, freundlicher Hund, der es liebt sich zu verstecken und man sucht gerne seinen sympathischen, leicht schiefgelegten Kopf, der auf den Bildern hinter Steinen, Gras, Hausecken, Schnee und vielem mehr hervorlukt. Andrew Knapp hat Momos Versteckspiel auf Fotos festgehalten und wir dürfen nun auf sage und schreibe 85 Bildern Momo suchen. Manchmal sieht man ihn sofort, aber in anderen Fällen verschmilzt er geradezu mit der Landschaft und man muss schon ganz genau hinschauen um ihn zu entdecken. Aber Momo ist tatsächlich irgendwo auf jedem Bild zu finden (im Gegensatz wohl zu dem Wal bei „Ferdinand auf großer Fahrt“).

Findet Momo“ ist ein Buch für die ganze Familie. Das wird allein an den Reaktionen bei der ersten Begegnung mit diesem Werk deutlich:

Abends auf dem Sofa, ich: „Ich habe ein neues Buch.

Mein Mann wie immer bei dieser Mitteilung wenig interessiert: „Hm mh.“ (Oder alternativ: Leicht genervt und mit Sorge um unseren Kontostand: „Schon wieder???“)

Ich: „Da muss man überall den Hund suchen.

Nun schaut mein Mann doch mal zu mir rüber, schnappt sich das Buch und sucht auf jeder Seite und in jedem Bild Momo.

Auch Bücherwürmchen war direkt begeistert bei der Sache. Er meinte, niemand würde so gut den Hund entdecken wie er selbst und natürlich habe ich mitgespielt und jedes Mal ganz erstaunt reagiert, wenn er ihn mir gezeigt hat: „Oh ja, da ist er ja tatsächlich!

Im Übrigen hat unser Sohn, der tatsächlich in der Lage ist, einen Gegenstand, der direkt vor seiner Nase liegt und auf den man ihn hinweist, nicht zu finden und dabei orientierungslos in eine andere Richtung zu starren, Momo meist wirklich recht gut gefunden und bei jeder Entdeckung des Hundes ging ein Strahlen über sein Gesicht. Es war jedes Mal wieder ein Aha-Erlebnis. So macht Bücher gucken viel Spaß. Außerdem kann man sich bei diesem Buch auch sehr gut unterhalten, z.B. sprechen wir darüber, wo Momo sich versteckt, geben uns Tipps oder überlege, was Momo an einer bestimmten Stelle gerade macht. Besonders unser Sohn interpretiert gerne etwas in die Bilder hinein. Wenn Momo sich oben auf einer Treppe befindet, meint Bücherwürmchen, dass er dort runter springen möchte oder bei einem anderen Bild ist Bücherwürmchen davon überzeugt, dass Momo bellt, weil ein Mann mit seinem Akkordeon Musik macht.

Neben einer Menge Spaß bietet dieses Buch also auch einige Gesprächsanlässe und zwar sowohl auf der kreativen Fantasieebene als auch auf der sachlich beschreibenden Ebene. Die Sprachförderung bekommt man bei diesem Buch, wie auch bei Wimmelbüchern, also direkt ohne es zu merken mit dazu!

Findet Momo

Ich habe übrigens festgestellt, dass man aufpassen muss, dass man dieses Buch nicht zu lange anschaut. Nach den ersten positiven Reaktionen von Bücherwürmchen am Vormittag bot ich ihm das Buch am Nachmittag noch mal an. Da lehnte er es jedoch ab und zog „Findet Momo“ andere Bücher (mit einer Geschichte) vor. Die Luft war erst einmal raus. Dafür eignet sich das Buch aber gut für „zwischendurch“. Sehr gut kann man Momo auf zwei, drei Bildern suchen, während man z.B. darauf wartet, dass das Essen fertig wird.

Es gibt auch ein paar Texte in dem Buch, die uns Momo und die Arbeit mit ihm näher vorstellen. Ein paar Zusatzinfos zu dem Hund, den man Seite für Seite sucht, sind sicherlich ganz nett, aber ansonsten sprechen mich die Texte stilistisch nicht sonderlich an, da sie mir zu sehr im „Plauderton“ geschrieben sind. Aber das ist nicht weiter schlimm, da es in diesem Buch sowieso in erster Linie um die Bilder geht.

Hilfreich für einen ungeduldigen Blindfisch wie ich es manchmal bin, sind die Auflösungen am Ende des Buches. Außerdem gibt es zu manchen Bildern hilfreiche Tipps zum Suchen. Allerdings linse ich dann meist schon bevor ich mit dem Suchen angefangen habe, auf den Tipp… Aber wenn ich mir auf diese Weise den Aha-Effekt verderbe, bin ich ja selbst Schuld daran… Ja, das weiß ich, aber trotzdem kann ich es auch beim nächsten Mal nicht lassen und meine Augen werden wieder automatisch von dem Tipp angezogen. Egal, auch wenn man schon weiß, wo Momo ist, guckt man sich die Bilder trotzdem irgendwie gerne an und bewundert die Bildkompositionen. Nur zu oft darf man das nicht machen, denn dann ist, wie bereits gesagt, die Luft schnell raus…

 

Findet Momo von Andrew Knapp, FISCHER, ISBN: 978-3596030859, 14,99 €

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