Adventskalender: 3. Dezember

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„Aber die weggeworfenen Wörter sind meist wertlos: Man findet nur Hundekacka und Hasenpipi.“

aus „Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo, Mixtvision

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Für uns gibt es sicherlich ganz andere wertvolle und schöne Wörter, aber ich könnte mir vorstellen, dass das eine oder andere Kind im Alter von vier-fünf Jahren genau diese Wörter sehr spannend findet und sie in jedem Satz unterbringen könnte…

Hummel Bommel: Worauf kommt es an Weihnachten an?

Ja, ich gebe es zu: Ich habe bis vor wenigen Tagen noch keinen Blick in ein „Hummel Bommel“-Buch geworfen. Warum? Hm, irgendwie war mir um das Buch zu viel Rummel und ich dachte, dass es für mein Bücherwürmchen eher nichts ist. Nun hat aber das Büchermäuschen das Buch „Die kleine Hummel Bommel“ zur Taufe bekommen und „Die kleine Hummel Bommel feiert Weihnachten“ ist hier ebenfalls eingezogen. Und was soll ich sagen? Ich finde die kleine Hummel Bommel einfach bezaubernd! Bücherwürmchen hat die Bücher bisher tatsächlich noch nicht in die Hand genommen, aber „Die kleine Hummel Bommel feiert Weihnachten“ steht in unserer Weihnachtsbuchkiste und wird ganz bestimmt in der nächsten Zeit noch ein paar Mal vorgelesen werden. Die Bilder der Hummel Bommel und ihren Insektenfreunden sind einfach unglaublich niedlich. Im Prinzip sehen die Insekten alle wie Menschen aus, nur eben mit Flügeln und Fühlern versehen. Und sie sind sooo knuffig! Schön ist es für Hummel-Bommel-Freunde, dass man in dem Weihnachtsbuch viele Bekannte wiedertrifft, aber man kann dieses Buch auch unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Hummel Bommel geht es so wie allen Kindern. Sie freut sich unglaublich aufs Weihnachtsfest und kann es gar nicht erwarten bis es soweit ist. Aber was soll man nur tun, damit die Zeit ein wenig schneller vorbei geht? Nachdem Hummel Bommel mit Ricardo und Fina einen Schneemann gebaut hat, besucht sie ihre Nachbarn. Aber o weh, was muss sie da alles erleben? Gisela Grille hustet nur und kann keine Weihnachtslieder singen, Marie Marienkäfer sind die Kekse verbrannt und Doktor Weberknecht ist noch nicht einmal dazu gekommen, Geschenke zu besorgen. Was soll das nur für en Weihnachtsfest werden? Hummel Bommel ist tief traurig, aber dann erlebt sie doch noch ein wunderschönes Weihnachtsfest mit ihrer Familie und all ihren Freunden. Wie es doch noch schön wurde? Ganz einfach: Alle sind gekommen und haben gemeinsam gefeiert und das ist schließlich das Wichtigste!

Das Buch erzählt eine schöne weihnachtliche Geschichte. Kinder können Hummel Bommels Traurigkeit gut nachvollziehen, denn auch für sie gehören Geschenke, Weihnachtsbaum, Plätzchen etc. zu Weihnachten dazu. Aber dieses Buch regt eben auch dazu an, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist und ich denke, dass auch diese Botschaft bei Kindern ankommen wird – auch wenn sie vielleicht eine halbe Stunde nach der Lektüre schon wieder an ihrem Wunschzettel herumbasteln. Sie werden aber verstehen, dass die Menschen, mit denen man gemeinsam feiert, das Wichtigste sind, denn auch dies ist ihnen ein Bedürfnis: Geborgen, geliebt und in friedlicher Atmosphäre feiern. Ja, auch wenn das Buch im Alltag nicht viel ändern wird, ist es schön, diese Geschichte zu lesen, innezuhalten und sich beim Lesen daran zu erfreuen, dass man gemeinsam gemütlich im Wohnzimmer sitzt.

Und damit es Weihnachten vielleicht auch ein paar leckere Kekse zu essen gibt, befindet sich am Ende des Buches sogar das Rezept für die Honigkekse von Marie Marienkäfer. Aber gut aufpassen, dass sie nicht verbrennen! Und falls es doch passieren sollte, gemeinsam darüber lachen!

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Die kleine Hummel Bommel feiert Weihnachten von Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias, arsEdition, ISBN: 978-3-8458-1645-6, 12,99€

Adventskalender: 2. Dezember

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„Und rufen macht nur Spaß, wenn dann jemand kommt, findet Willi.“

 aus “Gute Nacht, Willi Wiberg“ von Gunilla Bergström, Oetinger Verlag

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Stimmt, oder? Ich jedenfalls frage mich öfter, ob mein Mann auch so flucht und stöhnt, wenn er sich weh tut, wenn er alleine ist. Und bei Kindern sieht man ja auch häufig, dass sie erst anfangen zu weinen, wenn sie sich sicher sind, dass es auch jemand mitbekommt.

Eddi und Dän machen tolle moderne und spaßige Kinderlieder – a cappella

Als Fan der A-Capella Band Wise Guys (die es ja leider bald nicht mehr gibt), habe ich mir natürlich auch alle Kinderlieder-CDs von Eddi und Dän, zwei Wise Guys-Mitgliedern, gekauft. Mittlerweile gibt es bereits drei CDs, von denen mir die aktuellste tatsächlich am besten gefällt. Auf der ersten CD waren noch hauptsächlich traditionelle Kinderlieder zu hören. Es gibt nur einen kleinen Anteil selbst geschriebener Lieder, bei der zweiten CD ist es dann genau umgekehrt und auf der dritten CD gibt es nur noch Lieder von Dän und Eddi – alles wie immer a-capella gesungen.

Auch die zweite CD hat mir gut gefallen, allerdings waren dort noch einige Lieder drauf, die mir zu sehr erwachsene Lebenseinstellungen vermitteln wollten. Zum Beispiel gibt es hier einen Vampir, der sich vegan ernährt, der Ritter Dando verlangsamt sein Leben und auch ein Fallschirmsprung kommt nicht unbedingt aus der Lebenswelt eines Kindes. Dennoch konnte mich die CD überzeugen. „Die Piraten“ ist ein fröhliches, spaßiges Lied und besonders gerne mag ich die Lieder „Erdmännchen“ und „Die Flamingos“. Beide haben einfach klasse Melodien und machen viel Freude.

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Die aktuelle CD (Vol.3) wendet sich meines Erachtens noch mehr an Kinder. Hier geht man wirklich von den Erfahrungen und dem Humor der Kinder aus. Oft erzählen die Lieder kleine Geschichten, was man daran merkt, dass Bücherwürmchen sich diese CD ganz still auf dem Sofa sitzend anhört, so wie er sich sonst eben Hörbücher anhört. Er wollte wirklich die Texte der Lieder hören. Das war allerdings erst der zweite Schritt beim Hören. Am Anfang hörte er sich immer nur zwei Lieder an, die er direkt klasse fand: „Die Arche Noah“ und „Fußball im Weltall“. Seit der Fußball-EM in diesem Jahr hat er seine Liebe zum Fußball entdeckt und so freute er sich riesig über dieses Fußball-Lied, auch wenn es ein Szenarium im Weltall darstellt. Beim „Nonsens-Lied“, in dem Quatsch-Wörter gesungen werden, hörte er natürlich direkt die Silben „Kaka“ heraus und so wurde dieses Lied schließlich immer und immer wieder gesungen, zumindest die Zeile mit „Kaka“. Tja, aus dieser Phase sind wir leider noch immer nicht heraus… Das Lied „Kissenschlacht“ animierte ihn dazu, das Gesungene direkt im Wohnzimmer umzusetzen, wovon die Mama nicht so begeistert war, auch wenn sie selbst die CD in den CD-Player gelegt hat. In weiteren Liedern geht es unter anderem um einen schmelzenden Schneemann, die Piraten haben einen zweiten Auftritt, es wird klar gemacht, wie wichtig das „SCH“ ist, denn was würde sonst aus Wörtern wie Schmetterling oder Schokolade (Metterling und Okolade, klingt doch ziemlich „eiße“!) und der Zauberer Calamitas kann zwar zaubern, aber meist nicht das, was er gerade zaubern möchte.  Ich finde wirklich, dass hier viele tolle Lieder drauf sind. Es sind einfach Lieder, die Spaß machen, die humorvoll sind, die man sich gerne anhört und auch mitsingt.

Insgesamt wenden sich die Texte der Lieder eher an Grundschulkinder als an kleinere Kinder. Kinder ab 4/5 Jahren werden aber auch schon Spaß an den CDs haben. Sie verstehen dann aber noch nicht jeden Witz.

Im Übrigen kann ich auch die erste CD empfehlen, wenn man eine CD mit klassischen Kinderliedern haben möchte. CDs mit diesen Liedern findet man natürlich zu Hauf, aber die A-Capella-Variante ist mal etwas anderes und lässt sich auf jeden Fall auch von den Eltern gut anhören.

Die CDs und weitere Informationen zu Konzerten und ähnlichem findet ihr unter KinderMusikwelt.de

Vol 1 – Eddi und Dän singen Kinderlieder a capella

Vol 2 – Eddi und Dän singen neue Kinderlieder a capella

Vol 3 – Eddi und Dän singen noch mehr Kinderlieder a capella

 

 

Adventskalender: 1. Dezember

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„Da bin ich gleich nach unten und habe einen Schneemann gebaut. Das macht einen Riesenspaß! Ich habe das Gefühl wieder zum Kind zu werden.“

aus: „Tolle Nachbarn“ von Hélène Lasserre und Gilles Bonotaux,  Jacoby & Stuart Verlag

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Ja, im erwachsenen Leben ist nicht immer Platz für Sachen, die man einfach nur macht, weil sie unglaublich viel Spaß machen, aber manchmal muss man sich einfach diese Zeit nehmen. Mal wieder zum Kind werden, Schneemänner bauen, mit dem Schlitten den Berg hinunter sausen, durch Pfützen laufen, über Baumstämme balancieren und vieles mehr – einfach nur weil es Spaß macht und man so viel Lebensfreude in sich verspürt. Und was ist, wenn andere blöd gucken und sich darüber lustig machen, wie albern man sein kann? Sollen sie doch! Es gibt nichts schöneres als kindliche Freude und jeden Moment, in dem man sie noch einmal erleben kann, sollte man auskosten.

Eine Wundertüte oder alles inklusive – Das Leben mit einem behinderten Kind

Wenn jemand ein Kind erwartet und man beispielsweise nach Geschlechtswünschen fragt, heißt es oft „Hauptsache, gesund“. Klar, dieser Satz kommt einem ganz logisch vor und entspricht wohl erst einmal den Wünschen aller Eltern, aber müsste es nicht dennoch eigentlich „Hauptsache, geliebt“ heißen wie Sandra Roth in dem Buch „Lotta Wundertüte“ schreibt? Auf jeden Fall kommt man immer mehr zu der Überzeugung, dass dieser Satz der passendere ist, wenn man die Bücher „Lotta Wundertüte – Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl“ sowie „Alles inklusive – Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter“ von Mareice Kaiser liest.

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Alles inklusive“ ist gerade erst heraus gekommen und ich habe es in einem Rutsch gelesen. In dem Buch schreibt Mareice Kaiser über ihr Leben als Mutter, als Mutter eines mehrfach behinderten Kindes und einer weiteren Tochter. Mareice Kaiser sieht ihre Tochter Greta das erste Mal auf der Intensivstation. Erst nach der Geburt erfahren die Eltern von dem seltenen Chromosomenfehler ihrer Tochter. Eine Diagnose gibt es natürlich noch längst nicht und für die Eltern beginnt eine schwierige Zeit. Keiner sagt ihnen, was los ist, alles ist anders, als man es erwartet hat und es wird auch so schnell nicht besser. Ständig geht es zu Ärzten, man bekommt verschiedene, auch falsche, Diagnosen. Viele verschiedene Emotionen sind in dem Buch spürbar: Ängste, Hoffnungen, Traurigkeit, aber immer wieder auch Freude und vor allem Liebe. Ja, es gibt Zweifel. Greta ist behindert, sie ist nicht wie andere Kinder. Man will es nicht wahrhaben, hat sich ein solches Leben nicht vorgestellt.

Es ist schwierig, sich von seinen Vorstellungen vom perfekten Familienleben zu lösen, andere Wege einzuschlagen, ein anderes Leben zu akzeptieren. Natürlich möchte man nicht seine Ideen und Wünsche vom Leben auf die Kinder projizieren, aber schön wäre es ja schon, wenn sie manche Interessen teilen. So liebe ich es mich mit meinen Kindern mit Büchern zu beschäftigen und Mareice Kaiser hätte gerne ihre Musikleidenschaft mit ihrer erstgeborenen Tochter geteilt, ihr die Liebe zur Musik gerne weitergegeben, aber all diese Vorstellungen und Wünsche brechen in dem Moment zusammen, in dem klar wird, dass Greta gehörlos ist. Es ist nur ein Teil dessen, was die Eltern lernen müssen zu akzeptieren und als Leser kann man sich nur ansatzweise vorstellen, wie dies sein muss.

Man liest von vielen Gefühlen und Erlebnissen und man wird sehr stark von diesem Buch berührt, aber letztendlich kann man die Situation in der Mareice Kaiser und ihre Familie sich befindet nur erahnen. Mittlerweile hat mich das Leben gelehrt, dass man alles, was man nicht selbst erlebt hat, nur in den Grundzügen verstehen kann, aber wie es den Menschen in der Situation wirklich geht, erfährt man erst, wenn man selbst in eine solche Situation kommt. Dennoch ist es wichtig, dass es diese Bücher gibt, dass man etwas von den Emotionen Betroffener erfährt, die einen sensibler werden lassen und uns offener und achtsamer für andere Menschen machen.

Vor allem kann es aber auch Mut machen. Mareice Kaiser oder auch Sandra Roth sind keine Heiligen. Sie haben Zweifel und Ängste. Sie haben sich kein behindertes Kind gewünscht, aber sie nehmen es an, denn sie lieben ihr Kind.

Mir gefällt sehr gut, wie ehrlich und schonungslos in den Büchern erzählt wird. Mareice Kaiser spricht beispielsweise auch von ihrem Wunsch nach einem zweiten Kind, einem gesunden Kind. Vielleicht stolpert man erst kurz über diesen Wunsch, aber dann wird einem sofort klar, dass dies absolut nicht verwerflich ist. Warum auch? Gibt es nicht auch genügend Menschen, die sich voller Liebe zu ihren Söhnen noch eine Tochter wünschen oder umgekehrt? Dass man sich ein weiteres, ein gesundes Kind wünscht, wenn man bereits ein Kind mit Behinderungen hat, heißt also keineswegs, dass man dieses Kind nicht annimmt und liebt.

Hat man ein mehrfach behindertes Kind, so sorgt man sich nicht nur darum, wie es in Zukunft weiter geht, sondern es geht auch oft schlichtweg ums Leben des Kindes. Krankenhausbesuche, Ärzte und Therapeuten gehören schon beinahe zum Alltag, genauso wie die vielen Sorgen, die man sich natürlich macht. Besonders schlimm finde ich es, dass Familien, die Hilfe benötigen (z.B. in Form von Hilfsmitteln im Alltag oder Begleitern im Kindergarten o.ä.), so viele Hindernisse in den Weg gelegt werden. Die Familien leisten unglaublich viel. Sie wurden nicht gefragt, ob sie sich dieser Herausforderung gewachsen fühlen, aber wenn es sein muss, dann schafft man vieles, doch vieles würde noch besser klappen, wenn man nicht ständig Kämpfe mit Krankenkassen etc. ausfechten müsste, wenn man Tipps und Hilfen ohne großen Aufwand erhalten würde. Das Buch macht darauf aufmerksam, dass in Deutschland in diesem Punkt einiges falsch läuft.

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Vieles in dem Buch „Alles inklusive“ hat mich an das Buch „Lotta Wundertüte“ erinnert, welches ich vor einiger Zeit bereits gelesen habe und welches ich mir nun noch einmal zur Hand genommen habe. Sandra Roth hat ebenfalls eine schwerbehinderte Tochter, Lotta, und sie erzählt genauso von ihrem Alltag. Auch wenn es natürlich um ein anderes Schicksal geht, so deckt sich vieles mit Mareice Kaisers Erfahrungen. So dauert es beispielsweise etwa ein Jahr bis es einen Integrationshelfer für den Kindergarten gibt. Niemand fühlt sich zuständig, erst einmal wird alles abgewiesen. Immer müssen die Eltern für ihr Recht und das Recht der Kinder kämpfen.

Richtig ärgerlich bin ich in beiden Büchern an den Stellen geworden, in denen sich die Eltern Kommentare wie „Muss das heute noch sein?“ o.ä. anhören müssen, aber das scheint bei den heutigen medizinischen Möglichkeiten eine gängige Frage zu sein. Für mich einfach nur unmöglich. Jeder muss selber wissen, wie er zu Tests in der Schwangerschaft und Abtreibungen steht, aber jeder Mensch hat erst einmal das Recht aufs Leben. Kämpft sich ein Kind mit schlechten Voraussetzungen ins Leben, dann ist es erst einmal natürlich, dass es lebt. In der Gesellschaft scheint aber vom Gegenteil ausgegangen zu werden. Es ist eine Ausnahme, wenn ein behindertes Kind leben darf. Man wundert sich darüber, dass ein solches Kind auf der Welt ist. Das ist doch verrückt! Ist da nicht irgendetwas in Schieflage geraten? Ist das wirklich unser Menschenbild?

Mich haben beide Bücher auf jeden Fall sehr berührt und sie beschäftigen mich auch über das Lesen hinaus. Man spürt, dass dies wichtige Bücher sind, aber warum sind sie es? Sie geben einen sehr guten Einblick in den Alltag mit einem behinderten Kind, es werden sowohl Schwierigkeiten, als auch Glücksmomente benannt. Die Bücher können Mut machen, wenn man sich aus verschiedenen Gründen ähnlichen Fragen (z.B. in Bezug auf Tests in der Schwangerschaft) stellen muss.

Die Bücher regen dazu an, sich dem Thema Inklusion zu widmen. Ich weiß selbst noch nicht genau, wie ich zu diesem Thema in einzelnen Bereichen bzw. zur Umsetzung der Inklusion stehe, aber die Bücher machen klar, dass es wichtig ist, dass Behinderte sichtbarer werden und es natürlich sein sollte, dass sie überall dabei sind. Die meisten Menschen kennen kaum Menschen mit Behinderungen und so wie die Gesellschaft mit ihnen und ihren Familien umgeht, wundert es einen auch nicht sonderlich, dass man kaum Begegnungen mit ihnen hat. Andererseits entstehen auf diese Weise auch falsche Vorstellungen und Hemmungen. Und genau hier sehe ich auch ein ganz starkes Argument für diese beiden Bücher. Sie können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Hemmungen und Vorurteile abgebaut werden. Durch die Bücher wird das Thema konkreter und greifbarer und man lernt nicht nur die Behinderung, sondern vor allem den Menschen zu sehen. Ja, Greta und Lotta sind schwerbehindert, aber dies ist nur eine von vielen Eigenschaften. Sie sind noch so viel mehr und vor allem sind sie in erster Linie einfach Kinder. Diese Blickrichtung können wir von ihren liebenden Müttern lernen.

Wie schafft man es als erstes den Menschen zu sehen? Dies funktioniert über Beziehungen und Geschichten. In diesem Fall bauen wir über die Bücher eine Art Beziehung zu Greta und Lotta auf. Als aufgeschlossener Mensch möchte man offen und tolerant sein, aber ist es nicht dennoch so, dass man in seinen Gedanken immer wieder diskriminierende Elemente entdecken kann oder dass man Vorurteile hat? Diese können in direkten Begegnungen (oder auch indirekten Begegnungen, also z.B. über das Medium Buch) abgebaut werden. Ständig hat man beispielsweise etwas über Flüchtlinge gehört, aber sie bekommen erst durch Reportagen über einzelne Schicksale ein Gesicht. Oder der eine oder andere weiß nicht, was er über gleichgeschlechtliche Paare denken soll, sobald man dann aber ein solches Paar kennen gelernt hat und dieses als humorvoll, nett, interessant u.ä.  wahrnimmt, sieht man als erstes die Menschen mit ihren vielen verschiedenen Eigenschaften und nicht mehr diese eine Eigenschaft, mit der man noch nicht groß in Berührung gekommen ist.

Die Bücher schaffen es, dass Hemmungen und Vorurteile abgebaut werden. Greta und Lotta sind in erster Linie Menschen, die eben eine besonders außergewöhnliche Eigenschaft haben. Man interessiert sich für Greta und Lotta und man möchte einfach wissen, wie es ihnen geht. Es ist spannend etwas über ihr Leben zu erfahren und gleichzeitig fängt man bei der Lektüre dieser Bücher an ganz viel nachzudenken. Muss jemand etwas leisten können um ein Teil der Gesellschaft zu sein? Warum reicht es nicht einfach zu sein und andere mit seinem Sein und seiner Anwesenheit glücklich zu machen? Ich muss zugeben, dass ich mir nie groß Gedanken über unsere Leistungsgesellschaft gemacht habe, aber seitdem ich Kinder habe, merke ich langsam, dass es im Leben immer auf Leistung ankommt. Zwar habe ich zu Bücherwürmchen gesagt „das Leben ist kein Wettbewerb“, woraufhin er ergänzte, dass das wichtigste sei, dass man fröhlich sei, aber stimmt das? Je mehr es Richtung Schule geht, desto mehr geht es um Leistung. Vor Kurzem hat Bücherwürmchen sein Seepferdchen gemacht. Es war das erste Mal, dass eine Leistung in einer Art Test gemessen wurde, und das erste Mal, dass er bewusst mitbekam, dass andere etwas schaffen, man selbst aber (noch) nicht. Und so wird es immer wieder sein. Irgendwann machen Kinder immer weniger das, was ihnen Spaß macht, sondern das, was sie gut können und wo sie Anerkennung bekommen. Wo bleiben die Kinder, die da nicht mithalten können? Richten wir unseren Blick wirklich auf das Richtige? Übersehen wir das, worauf es eigentlich ankommen sollte?

Beide Bücher bieten so viele Themen, über die man nachdenken und reflektieren sollte. Sie werfen Fragen des Lebens auf und zwar längst nicht nur für Familien mit behinderten Kindern. Es sind Fragen, die alle etwas angehen, Fragen, die unsere Gesellschaft ausmachen.

Ich hoffe sehr, dass ich es in Zukunft schaffen werde, mit Menschen mit Behinderung natürlich umzugehen, und vor allem, dass es normal sein wird, wenn ich ihnen in allen Bereichen des Lebens begegnen werde.

Alles inklusive – Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter von Mareice Kaiser, FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-29606-4, 14,99

Lotta Wundertüte – Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl von Sandra Roth, Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04566-6, 18,99€ (es gibt aber auch eine Taschenbuchausgabe mit zusätzlichem Kapitel)

 

Zitate-Adventskalender 2016

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Dieses Jahr wird es (sowie bereits 2014) auf der Geschichtenwolke wieder einen Zitate-Adventskalender geben. Ich habe aus verschiedenen Kinder- und Bilderbüchern kleine Zitate zusammengesucht, die ich euch ab dem 1. Dezember hier präsentieren werde. Lustige, fröhliche, nachdenkliche, besinnliche, nostalgische Zitate – es ist alles dabei. Manche Zitate werden einfach für sich wirken, andere werden vielleicht von ein paar Worten meinerseits begleitet. Lasst euch überraschen und vielleicht werdet ihr staunen, was in Kinderbüchern alles drin steckt!

Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit! Macht es euch gemütlich und lest ein paar gute Bücher!

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Schnee – für die Kleinen besonders faszinierend!

Eigentlich ist es ein ganz einfaches Pappbilderbuch für die Kleinsten, aber durch die effektvollen Ausstanzungen in der Mitte des Buches wird es schnell zu einem Lieblingsbuch: „Hurra, es schneit!“ Auf den Seiten ist an sich tatsächlich nichts besonderes zu sehen: Schneeflocken und Schneemann, Schal und Pudelmütze, Fäustlinge und Schneebälle, Schlitten und Schlittschuhe sowie Tannen und eine Holzhütte. Alles ist sehr klar und plakativ dargestellt und kann von den Kindern gut erkannt werden. Gemeinsam mit den Kindern kann man die Bilder benennen und die Kinder werden sicherlich einiges aus ihrem eigenen Umfeld wiedererkennen. Selbst wenn sie vielleicht noch keinen Schnee kennengelernt haben, so dürften Mütze und Schal so langsam zur Standardausrüstung gehören, wenn es nach draußen gehen soll. Und auch wenn die Kleinen selbst noch keinen Schneemann gebaut haben, so ist der Schneemann mit seiner großen, dicken Bauchkugel sehr eindrucksvoll. Bücherwürmchen tippt auch gerne auf die ganzen Schneeflocken oder auf die Lichter der Lichterkette, die an der Holzhütte hängt. Allerdings meint er, dass dort Bälle zu sehen seien… Nun ja, sein Wortschatz beschränkt sich eben noch auf die typischen ersten Worte. Aber auch ohne selbst viel ausdrücken zu können, versteht er natürlich schon einiges und so deutet er beim Anblick der Mütze beispielsweise auf seinen Kopf und er kommentiert den Schlitten mit einem „Hui“. Ja, und dann sind da noch die Ausstanzungen, die das Buch rein äußerlich bereits hervorheben. Von außen sieht man eine große Schneeflocke, in deren Mitte – zunächst sechseckig und am Ende dann rund – weitere kleinere Ausstanzungen zu sehen sind. Die Wirkung ist toll und die Kinder haben viel Spaß daran, die Ränder nachzufahren oder in die Löcher hinein zu pieken.

Hurra, es schneit!“ ist wirklich ein Buch, welches gut ankommt. Der Inhalt ist überschaubar, aber es wird von kleinen Kindern sehr gerne angeschaut.

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Hurra, es schneit! von Virginie Graire, arsEdition, ISBN: 978-3-8458-1728-6, 5,99€

Wie aus einem langweiligen Haus, ein Haus voller Leben wird

Tolle Nachbarn“ – das ist scheinbar Interpretationssache. In Bezug auf das Buch mit diesem Titel würde ich dem Ich-Erzähler allerdings zustimmen, aber scheinbar gibt es auch Bewohner, denen das graue Mietshaus, welches man zu Beginn des Wimmelbuches sieht, besser gefällt, als ein Haus mit lauter verschiedenen, interessanten Bewohnern.

Zu Beginn des Buches wohnen ausschließlich Schafe in dem Haus. Eigentlich passiert nichts besonderes. Das einzige Erwähnenswerte ist das Geschimpfe von Frau Schopf über das Teppichausklopfen über ihrem Fenster. Das war es im Großen und Ganzen auch schon. Dass Frau Spätzle vor der Haustür fegt oder dass das eine Schaf ganz oben mal wieder Fernsehen guckt, ist nun wirklich eigentlich nicht aufregend genug, um es zu erzählen. Es geht also stinklangweilig zu in diesem Haus. Doch eines Tages passiert dann doch etwas. Die Wölfe kommen und ziehen ein. Der Erzähler ist begeistert, aber diese Begeisterung können nicht alle teilen. Manche Schafe sind sogar so verärgert, dass sie ausziehen. So  nach und nach kommen immer mehr neue Bewohner, während einige der alten das Haus verlassen. Das Haus leidet nicht darunter. Im Gegenteil – endlich ist hier mal Leben in der Bude, denn die neuen Bewohner sind alles andere als langweilig: Die Krokodile eröffnen eine Bar, die Wölfe machen Musik und fahren Motorrad, die Schweine greifen zu Pinsel und Maltopf und verändern die Fassade, die Störche bauen auf dem Dach ein Nest und alle machen mit bei Schneeballschlachten und Spielen auf der Straße. Im und um das Haus herum passiert etwas: Es wird bunt und fröhlich!  Und für  uns als Leser gibt es jede Menge zu entdecken: Was gibt es auf den Seiten alles zu sehen? Was hat sich getan  und verändert? Wo ist die Mütze des Polizisten? Wer wohnt jetzt alles in dem Haus? – Ein herrlicher Spaß!

Tolle Nachbarn“ ist ein tolles Wimmelbuch, welches bereits durch sein längliches Format auffällt. Die Bilder sind klasse und laden zum Anschauen ein.

Kurze Texte vom Ich-Erzähler leiten uns durch die Geschichte. Es ist also kein Wimmelbuch, welches ganz auf Text verzichtet, was manche Eltern zu schätzen wissen. Die Geschichte selbst erzählt sich aber auch recht gut durch die Bilder, wobei man dann vielleicht auf manche Dinge weniger achten würde.

Was sind also tolle Nachbarn? Schafe, die kaum Ideen haben, aber meckern, wenn ihnen etwas nicht passt, und die nur ihre täglichen, langweiligen Aufgaben vor Augen haben? Oder lauter verschiedene Tiere, die Spaß am Leben haben, etwas verändern und gemeinsam feiern? Die Antwort liegt wohl auf der Hand. Und natürlich lässt sich das ganze auch auf uns Menschen übertragen. Etwas schade finde ich es, dass kaum Schafe im Haus geblieben sind. Noch schöner wäre eine größere Akzeptanz, aber ganz am Ende sieht man dann doch wieder einige Schafe, die sogar aus den Fenstern des Hauses schauen. Sind sie vielleicht sogar zurück gekommen und haben eingesehen, dass das Leben im Haus zwar abwechslungsreicher, aber auch fröhlicher geworden ist? Es könnte sein…

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Tolle Nachbarn von Hélène Lasserre und Gilles Bonotaux, übersetzt von Edmund Jacoby, Jacoby & Stuart Verlag, ISBN: 978-3-946593-00-3, 14,95€

 

Wer ist Michel aus Lönneberga?

Na, diesen Lausbub aus Schweden kennt wohl jeder, und wenn nicht, dann stelle ich ihn dir nun vor. Michel Svensson muss man kennen, denn wenn man der Magd Lina Glauben schenken möchte, gibt es keinen schlimmeren Jungen als eben diesen Michel!

Michel ist fünf Jahre alt und lebt mit seiner Schwester Klein-Ida, den Eltern Alma und Anton, der Magd Lina, dem Knecht Alfred und einigen Tieren auf dem Hof Katthult in Lönneberga, welches wiederum in Småland (Schweden) liegt. Äußerlich sieht Michel aus wie ein kleiner Engel: Rote Backen, wollendes, blondes Haar und blaue Augen. Aber vom Verhalten her ist er wohl eher ein Bengel. Fast täglich macht er Unfug, den seine Mutter in einem blauen Schreibheft festhält, und für den er immer wieder im Tischlerschuppen landet, wo er Holzmännchen schnitzt.

Michel hat ein gutes Händchen für Tiere, er ist neugierig und macht alles, was ihm gerade in den Sinn kommt, doch er ist auch herzensgut und sehr hilfsbereit. Im Knecht Alfred hat er einen guten Freund gefunden, während die Magd Lind nicht gut mit Michel zurecht kommt und mehr Freude an der lieben Ida hat.

Bei Michel ist immer etwas los: Was, das kann man in mehreren Büchern nachlesen!

Auf dem Blog vorgestellt ist der Sammelband „Immer dieser Michel“.

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