Großer Zählspaß mit Charlie und Pia

Endlich lerne ich Charlie und Pia kennen. Das wurde aber auch wirklich höchste Zeit. Die beiden machen einfach unglaublich viel Spaß! Ich habe sie gerade in dem Bilderbuch „Eine Sache“ kennen gelernt und war direkt von ihnen und dem Buch begeistert.

Wenn man etwas mit Charlies kleiner Schwester Pia machen möchte, dann sollte man viel Zeit einplanen, denn Pia muss überall alles mögliche zählen. Das fängt bei den Punkten auf ihrem Kleid an, geht über die Marienkäferauf den Pflastersteinen und endet noch lange nicht bei den Enten und Vögeln auf der Feuchtwiese. Wie gut, dass Charlie ihr beim Zählen helfen kann, denn Pia weiß  noch nicht, welche Zahl nach zwölf kommt und sie verwendet auch gerne mal Eigenkreationen wie „siebzehnzwanzig“. Als Leser amüsiert man sich köstlich über Pias Zählversuche und fühlt sich an die vielen Spaziergänge erinnert, bei denen man selbst mit Kindern nicht so recht vorwärts kommen wollte, weil es überall etwas zu entdecken gibt. Darüber hinaus ist Pia aber auch ein pfiffiges, aufgewecktes Mädchen, das nichts unversucht lässt. Wenn Mama großzügigerweise verkündet, dass es beim Einkaufen für beide Kinder je „eine Sache“ gibt, hält Pia „drei Sachen“ dagegen. Doch bevor es dann heißt, dass es keine Sache gibt, schlägt sie dann lieber selber vor: „Wie wär’s mit einer Sache?“. Auch Charlie wickelt sie um den Finger. Nachdem sie sich im Geschäft zwölf Sticker ausgesucht hat, welche sie unterwegs an die verschiedensten Stellen klebt, so dass zu Hause null Stück davon übrig sind, bekommt sie einen von Charlies ausgesuchten Buttons. Ja, so läuft das unter Geschwistern eben ab. Aber Charlie ist auch wirklich ein sehr netter großer Bruder!

Meines Erachtens ist dieses Bilderbuch bestens für Vorschulkinder und Kinder im ersten Schuljahr geeignet, denn natürlich kann man in dem Buch herrlich mitzählen. Zählen Charlie und Pia immer richtig und was könnte man vielleicht zusätzlich noch zählen (z.B. die Pflastersteine)? Auch beim Addieren und Subtrahieren kann man die Kinder sehr gut mit ein beziehen. Und wenn das noch nicht auf Anhieb klappt, dann zählt man eben einfach noch mal nach. Aber Achtung, es ist gut möglich, dass die Kinder auf dem nächsten Weg zum Kindergarten anfangen Zaunlatten, parkende Autos, Blätter an einer Blume etc. zählen – wenn sie es nicht längst schon tun.

Neben der Geschichte an sich, sind aber auch die Bilder in dem Buch herrlich! Eigentlich sind sie ganz einfach gestaltet und man könnte fast meinen, dass die Figuren mit den großen Köpfen und den hingekritzelten Nasen nicht gut gezeichnet sind, aber gerade dieser Stil kommt unheimlich locker daher. Er macht Spaß und gute Laune. Man schaut sich das Buch einfach sehr gerne an. Es ist erstaunlich wie toll, solche einfachen Bilder wirken können. Das ist ganz große Kunst!

Ich kann für das Buch „Eine Sache“ nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Allerdings wäre es gut, wenn die Kinder schon ein wenig zählen können oder zumindest gerade Lust dazu haben. Bücherwürmchen jedenfalls war gerade nicht in Zähllaune und sein kurzer Kommentar zu dem Buch lautete deshalb leider: „Schlecht.“ Hm, naja, aber das ist ja häufig auch nur eine Momentaufnahme… Und ich finde das Buch trotzdem klasse!

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Eine Sache mit Charlie und Pia von Lauren Child, übersetzt von Sophie Birkenstädt, Aladin Verlag, ISBN: 978-3-8489-0113-5, 15,95€

Sportliche Wimmelbücher

Die olympischen Spiele 2016 sind zwar beendet, aber die Paralympics stehen noch an und eigentlich ist Sport was so dazugehört ja immer interessant. Vielleicht hat das eine oder andere Kind ja schon etwas von Olympia mitbekommen und interessiert sich nun für das Thema oder es geht selber gerne in den Sportverein.

Natürlich gibt es auch zu diesen Themen meine geliebten Wimmelbücher. Zwei davon, die sehr unterschiedlich sind, möchte ich euch heute vorstellen: „Meine Deutsche Olympiamannschaft – Bachems Wimmelbilder“ und „Kicken, Kopfstehn, Klettern – Das große Sportwimmelbuch“.

Da dieses Jahr olympische Spiele stattfanden, liegt es nahe einen Blick in das Buch „Meine Deutsche Olympiamannschaft“ zu werfen. Aber Achtung, wie es der Titel sagt, geht es nicht um die olympischen Spiele an sich, sondern um die deutsche Mannschaft, was durchaus einen großen Unterschied macht, was mir allerdings vorher nicht so bewusst war und worunter das Buch meines Erachtens u.a. auch leidet. Woran denkt man und was interessiert einen, wenn man an Olympia denkt? An die Sportarten und die Wettkämpfe natürlich und vielleicht an die Eröffnungsfeier. Leider liegt hierauf aber nicht der Schwerpunkt des Buches. Lediglich das Leichtathletik-Stadion mit verschiedenen Wettkämpfen ist in typischer Wimmelbildmanier zu sehen. Ansonsten sieht man auf einer Doppelseite einige der Sportarten (Sommer- und Winterspiele) in einzelnen Bildern, was nicht so ganz zu den sonstigen Wimmelbildern, auf denen häufig vielerlei Szenen zu sehen sind, passt. Außerdem sind Doppelseiten mit dem olympischen Dorf, dem Deutschen Haus und der Willkommensfeier zu sehen. Hm, okay, vielleicht interessant zu wissen, dass das eben auch alles dazugehört, aber gerade das Deutsche Haus und die Willkommensfeier sind auch nicht so wahnsinnig spannend.

Mir persönlich gefällt am besten die Leichtathletikseite, auf der verschiedene Wettbewerbe parallel laufen, eine Siegerehrung stattfindet, man das Publikum sieht und auf der man ein paar witzige Szenen entdecken kann.

In dem Buch gibt es ein paar bekannte Sportler zu sehen. Die Idee finde ich nett. Allerdings wirken ihre markanten Gesichtszüge stilistisch völlig anders als die vielen anonymen Gesichter. Das passt einfach nicht zusammen. Außerdem wäre es schön, wenn man irgendwo lesen könnte, wen es denn so zu entdecken gibt. Den Trikot zerreißenden Robert Harting habe ich zwar auch so erkannt, aber bei anderen Persönlichkeiten bin ich mir da deutlich weniger sicher.

Schön sind die Informationen auf der Rückseite des Buches zum olympischen Feuer, den olympischen Ringen etc.

Ich weiß, dass der Herausgeber der Deutsche Olympische Sportbund ist und auch die Partner der deutschen Olympiamannschaft das Projekt unterstützt haben, aber dennoch finde ich Werbung in einem Bilderbuch deplatziert. Mir gefallen die Logo der Marken im Deutschen Haus und bei der Willkommensfeier überhaupt nicht. Das gibt dem  Buch einen unschönen Beigeschmack.

Leider kann mich dieses Buch aus genannten Gründen nicht überzeugen. Schade!

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Meine Deutsche Olympiamannschaft – Bachems Wimmelbilder, Hrsg: Deutscher Olympischer Sportbund, illustriert von Heiko Wrusch, J.P. Bachem Verlag, ISBN: 978-3-7616-2943-7, 14,95€

 

Bei dem Buch „Kicken, Kopfstehn, Klettern“ geht es nicht um ein sportliches Großereignis. Im Gegenteil – hier betätigen sich Kinder spielerisch und völlig natürlich sportlich. Es wird auf Parkbänken balanciert, gerutscht, Skateboard gefahren, Seil gesprungen, verstecken gespielt, jongliert, geschwommen, Floß gefahren, geritten und vieles mehr. In vielen der Szenen werden sich aktive Kinder wiederfinden können. Neben den vielen Möglichkeiten, die der Alltag zu Bewegungen bietet, ist aber auch auf dem Sportplatz oder auf der Eisbahn in dem Buch jede Menge los und auch in der Turnhalle gibt es viele verschiedene, spannende Stationen. In diesem Buch steckt jede Meine Leben. Es macht richtig viel Spaß! Vor allem gefällt mir gut, dass das Buch aufzeigt, wie einfach tolle Sportmöglichkeiten gefunden werden können: Egal, ob man im Wald, im Park, am Meer/im Schwimmbad oder an einem Schneehügel ist – überall kann aktiv gespielt und sich bewegt werden. Um Sport zu treiben muss man nicht unbedingt in einen Verein gehen, sondern man kann z.B. auch mal mit Hilfe von großen Steinen einen Bach überqueren. Gerade für kleinere Kinder, an die sich Wimmelbücher ja wenden, gefällt mir diese spielerische Sicht auf Sport sehr gut.

Wer nicht einfach schon so genug Spaß am erforschen der wimmeligen Bilder hat, kann auch auf jeder Seite noch nach sieben Kindern mit Nummern-T-Shirts suchen oder den Weg von Hund Hugo, der immer dünner wird, verfolgen.

Dieses Sportwimmelbuch gefällt mir wirklich gut, aber hier werden natürlich nicht so deutlich spezifische Sportarten vorgestellt, sondern es geht hier bunt, spielerisch und lebendig zu.

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Kicken, Kopfstehn, Klettern – Das große Sportwimmelbuch von Marc Locatelli, Orell füssli, ISBN: 978-3-280-03492-7, 12,95€

 

 

Der Hit bei den Kleinen: Pappbilderbuch mit Kugel

Heute möchte ich euch eine weitere Buchart für die ganz Kleinen vorstellen und zwar die Kullerbücher. Diese Pappbilderbücher haben in der Mitte eine Kugel aus Plastik, die sich drehen lässt und welche z.B. im Bild die Nase oder den Bauch ersetzt. Durch diese Kugel haben die Bücher einen unglaublich hohen Aufforderungscharakter. Selbst größere Kinder blättern ein solches Buch gerne mal durch und drehen an der Kugel. Ich habe mittlerweile schon häufig mitbekommen, dass Kinder diese Bücher einfach richtig toll finden. Es gibt sie von verschieden Kinderbuchverlagen. Uns liegt ein solches Buch aus dem Coppenrath Verlag vor und es lässt nichts zu wünschen übrig: „Kleiner Kuller-Bär“. Okay, ein kleiner Kritikpunkt könnte vielleicht der Titel sein, denn den kleinen Kuller-Bären, bei dem eben, wie oben angesprochen die Nase durch eine orange-rote Plastikkugel ersetzt wird, ist nur auf dem Titelblatt zu sehen. Aber ansonsten kann das Buch wirklich überzeugen. Es ist stabil verarbeitet, was allein daran zu erkennen ist, dass es bisher kaum Gebrauchsspuren aufweist, obwohl mein Kleiner nicht gerade besonders vorsichtig mit Büchern (und anderen Dingen) umgeht. Die Kugel lässt sich problemlos drehen. Beim Drehen rasselt sie zusätzlich. In dem Buch kommen mehrere Tiere vor, die hier dann eben eine Kullernase haben. Das Büchermäuschen findet die Robbe auf der letzten Seite am besten. (Im Buch heißt es zwar „Seehund“, aber ich ersetze es immer mit Robbe, da Büchermäuschen dieses Wort schon kennt.) Bei den anderen Tieren blättert es meist schnell weiter. Es ist leider auch noch nicht so weit, dass man ihm in Ruhe die gereimten Zweizeiler pro Doppelseite vorlesen kann. Wir begnügen uns noch damit die Tiere zu benennen. Aber wenn die Kinder dann etwas weiter sind, kann man auch gut die Texte lesen, denn sie reimen sich sehr angenehm.

Auf den Bildern dominieren die Tiere bzw. deren Köpfe, was ich aber bei einem Buch für Kinder ab 6 Monaten gut finde. Sie sind nicht unbedingt realistisch gezeichnet, aber sie sind niedlich und schön anzusehen.

Kleiner Kuller-Bär“ ist wirklich ein schönes Buch, welches bei uns häufig angeschaut wird.

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Kleiner Kuller-Bär, illustriert von Christine Kugler, Coppenrath Verlag, ISBN: 978-3-649-67027-8, 7,99€

 

Erste schriftstellerische Versuche

Habt ihr auch mal davon geträumt, Autorin/Autor zu werden? Ich glaube, dass ich diesen Wunsch seit ich schreiben und lesen kann, in mir trage. Und ich habe auch tatsächlich aktiv versucht diesem Ziel näher zu kommen. Zunächst schrieb ich verschiedene Geschichten mit der Schreibmaschine und per Hand in schöne Kladden und später, mit etwa 15 Jahren, durfte ich bei der Axel Andersson Akademie, der Schule des Schreibens, einen Fernkurs in Belletristik belegen. Das alles habe ich sehr gerne gemacht, aber leider bin ich nicht richtig dran geblieben. Vielleicht hätte ich den Kurs auch erst zu einem späteren Zeitpunkt absolvieren sollen. Ich weiß es nicht. Jedenfalls möchte ich euch heute gerne eine meiner damaligen Aufgaben vorstellen, die ich mal hervorgekramt habe.

Die Aufgabe war, eine Geschichte zu dem Bild zu schreiben.

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Diese Geschichte habe ich, damals noch per Post, abgeschickt. Viel Spaß beim Lesen! Vielleicht lese ich die Geschichte demnächst mal meinen Kindern vor…

Alleine in den Bergen

Stundenlang lag Peter wach in seinem Bett. Der Entschluss war gefasst. Er würde genauso, wie Papa als kleiner Junge, die Berge erobern. Um sechs Uhr morgens würde der Wecker klingeln.

Endlich war es soweit. Leise stand Peter auf. Die Eltern durften auf keinen Fall etwas merken. Schnell schlüpfte er in seine Lieblingsjeans, zog sich das gelbe T-Shirt und den roten Pullover mit den zwei aufgenähten Bären an und setzte als letztes sein schickes, blaues Käppi auf. Stolz betrachtete er sich im Spiegel. Ach ja, der Rucksack fehlte noch. Er hatte ihn gestern doch extra hinter seinem Bett versteckt. Nun musste er noch den Kühlschrank plündern, dann konnte es los gehen.

Als Peter das Haus verlassen wollte, stolperte er über seinen Hund Bruno, der ihn lieb ansah und mit dem Schwanz wedelte. Doch Peter strich ihm nur kurz über den braunen Kopf und meinte: „Du musst hier bleiben und auf Mama und Papa aufpassen. Ich komme bald wieder.“ Traurig sah Bruno zu, wie Peter das Haus verließ, aber Peter bekam davon nichts mehr mit. Munter ging er los. Nach wenigen Metern fand er einen schönen, langen Wanderstock, den er begeistert an sich nahm.

Allmählich ging es höher in die Berge. Immer öfter musste Peter eine Pause machen. Schon bald war der Rucksack fast leer, doch das störte Peter wenig. Noch machte ihm die Wanderung Spaß. Das war mal etwas anderes. Montag würde er den Jungen aus der Schule davon erzählen, die würden staunen. Nachdem er schon ein paar Kilometer gewandert war, fingen seine Beine an zu schmerzen, aber er ging tapfer weiter. Er war genauso kräftig wie Papa!

Als der Abend begann, wollte Peter wieder zurück gehen. Nun war er hoch genug gegangen. Doch wo war er hergekommen? Er musste die Wiese mit den gelben Blumen herunterspazieren, das wusste er noch. Aber wie ging es weiter? Peter hatte Angst. Eine große Träne rollte über seine Wange. Hilflos schaute er sich um. „Hallo?“ Er bekam keine Antwort, trotzdem versuchte er es noch einmal. „Hallo, ist hier jemand?“ Nein, Peter war ganz alleine. „Mama, Papa!“ Hier wollte er nicht bleiben. Peter wollte nach Hause, zu seinen Eltern. Nun ließen sich die Tränen nicht mehr zurück halten. Kraftlos setzte er sich auf die Wiese. Mit seiner kleinen Hand strich er sich über das Gesicht. So ein großer Junge wie er durfte doch nicht weinen.

Schließlich legte er sich erschöpft hin und schlief rasch ein. Plötzlich spürte er etwas Feuchtes an seiner Nase. Erschocken schlug er die Augen auf. Da sah er zu seiner Freude, dass es sein Hund war, der ihn wach leckte.

Glücklich schlang Peter seine Arme um ihn: „Oh Bruno, wie bist du hierher gekommen?“ In dem Moment erblickte er seine Eltern, die winkend den Berg hoch kamen. So schnell er konnte, lief er ihnen entgegen. Die Eltern waren viel zu froh, ihren Sohn wieder gefunden zu haben, so dass sie ganz vergaßen mit ihm zu schimpfen.

Lesen ist langweilig? Auf keinen Fall!

Was macht ihr lieber am Strand, Bücher lesen oder surfen? Keine leichte Frage? Für Bill aus dem Buch „Ab aufs Brett!“ ist alles klar: Wenn es an den Strand geht, dann wird gesurft. Aber was ist nur mit seinem Freund Fred los? Der möchte unbedingt lesen. Das ist doch soooo langweilig. Bill kann Fred gar nicht verstehen, aber da Fred beim Lesen immer wieder einzelne Kommentare fallen lässt, wird Bill am Ende doch neugierig auf diese spannende und abenteuerliche Geschichte… Als Fred das Buch zur Seite legt und nun Zeit zum Surfen hat – auch daran hat er im Übrigen Spaß, denn Fred ist überhaupt kein Langweiler – schnappt sich Bill das Buch und taucht sofort tief ein in die Geschichte um den Wal, der von einem ganzen Schiff voll Männer gesucht wird…
Ja, Lesen kann unglaublich spannend sein! Das macht diese Geschichte deutlich. Auch dieses Buch selbst hat nichts mit langweiligem Lesen gemein. Hier wird nicht endlos lang etwas erzählt oder beschrieben, sondern es wird ausschließlich der Dialog zwischen Bill und Fred, übrigens zwei Frösche, einer orange und einer grün, wiedergegeben. Umgangssprachlich und in kurzen Sätzen unterhalten sich die beiden, dabei malt sich Fred die Geschichte aus seinem Buch in den wildesten Bildern aus. Dem Dialog merkt man prima an, wie Bill so nach und nach neugierig gemacht wird. Erst hat er fürs Lesen gar nichts übrig. Er möchte Surfen, warum soll man seine Zeit mit so etwas langweiligem wie Lesen vergeuden? Aber was erzählt Fred denn da? Das muss er doch genauer wissen. Das klingt ja richtig spannend. Och Menno, Fred möchte nicht verraten, ob sie den Wal erwischt haben. Na gut, dann wird jetzt selbst gelesen!
Allerdings ist der Dialog, der im Übrigen auch nicht langweilig und in geraden Linien gesetzt ist, sondern durch Schriftgröße, gerundete Schriftzüge etc. die Aussagen unterstreicht, gar nicht so einfach vorzulesen. Da muss man sich ein bisschen reinfuchsen, aber dann geht es. Hilfreich für das Verständnis ist, dass die Sprechanteile vom grünen Frosch in grün geschrieben sind, während der orange Frosch dementsprechend mit oranger Schrift dargestellt wird.
Die Bilder zeigen auf, wie sehr man in einer Geschichte aufgehen kann. Man fiebert mit, man erlebt das Gelesene selber und bekommt nichts anderes mehr mit. Im und mit dem Buch entsteht eine neue Welt, von der man nur Teil werden kann, wenn man selber zum Buch greift. Schön auch zu sehen, wie begeistert Bill am Ende hinter dem Buch sitzt.
Ein schönes Buch, welches im rasanten Tempo vom erfüllenden Gefühl des Lesens erzählt. Ein Plädoyer fürs Buch und fürs Lesen.
Und was macht ihr das nächste Mal am Strand? Also für mich gilt auch: Erst muss das Buch beendet sein und dann können gerne andere spaßige Aktionen gestartet werden. Naja, zumindest galt dieses Motto bevor die Kinder da waren…

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Ab aufs Brett! Von Kwame Alexander und Daniel Miyares, übersetzt von Anna Schaub, NordSüd Verlag, ISBN: 978-3-314-10329-2, 14,99€

Ferdinand reist wieder

Vor einiger Zeit machte sich die Maus Ferdinand auf den Weg um Abenteuer zu erleben. Und dank eines besonderen Zugs war die Fahrt allein bereits ein großes und abwechslungsreiches Abenteuer. Zu dieser Reise in dem Buch „Ferdinand auf großer Fahrt“ habe ich bereits etwas geschrieben. Nun möchte Ferdinand in fernen Ländern Abenteuer erleben und so besteigt er in dem neuen Buch „Ferdinand auf hoher See“ ein großes Schiff. Vieles in dem Buch ist ähnlich wie in dem Vorgängerbuch: Das Format ist wieder auffällig länglich und natürlich erlebt Ferdinand seine Abenteuer auch dieses Mal auf der Fahrt. Hm, diese Idee war im ersten Buch noch überraschend und ist nun schon etwas abgenutzt. Im Prinzip weiß man direkt, was einen erwartet, aber wenn man dann in dem Buch blättert, ist das gar nicht so schlimm, denn die Illustrationen sind einfach klasse: Lebendig, bunt, wimmelig, voller witziger Details. Außerdem kann man auch in diesem Buch auf vielen Seiten den Magellan-Wal entdecken, was uns besonders große Freude bereitet.

Eine schöne Idee sind die Souvenirs, die Ferdinand in einer Flasche sammelt. Hier kann man z.B. auch überlegen, was man selbst mitnehmen würde oder was man eventuell aus eigenen Urlauben mitgebracht hat.

Auf dem Schiff erlebt Ferdinand jedenfalls wieder tolle Abenteuer: Er landet sowohl in einer Unterwasserwelt als auch in einer Schneelandschaft, ihm scheinen Piraten zu begegnen, er schaut sich ein Theaterstück an und lehnt das Angebot des Katers gemeinsam in einer Kabine zu übernachten ab.

Ja, vielleicht erinnert dieses Buch sehr an „Ferdinand auf großer Fahrt“, aber letztendlich ist das egal, denn das Buch selbst ist toll. Es ist so ein positives und fröhliches Buch, welches einfach Spaß macht und bei dem man auch beim wiederholten Anschauen immer wieder etwas neues entdeckt.

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Ferdinand auf hoher See von Anna Weber, Christian und Fabian Jeremies, Magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-2017-5, 12,95€

Traurig und berührend: Ein Comic zum Thema Holocaust

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Wieder einmal wandert ein Buch durch den Campus Libris, wieder einmal ist es ein wichtiges Buch und wieder einmal ist es ein Buch für alle (so wie bereits „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar„): „Das versteckte Kind“. Auch wenn die eigentliche Zielgruppe dieses Buches ältere Kinder und Jugendliche sind, so vermag es genauso Erwachsene zu berühren. Mich jedenfalls hat dieses Buch tief bewegt und sein Inhalt und seine Bilder bleiben auch weit nach dem Lesen noch in meinen Gedanken.

Ich kann nur jedem raten: Lest dieses Buch und schaut es euch mit Jugendlichen an. Es könnte dazu beitragen, dass junge Menschen alles dafür tun möchten, damit nie wieder Menschen unter den Schrecken und den ideologischen Wahnsinn wie in der Zeit des Nationalsozialismus im Dritten Reich.

Das versteckte Kind“ ist ein Comic zum Thema Holocaust und gerade weil hier ein Kind im Vordergrund steht, macht dieses Buch so betroffen. Man fühlt und leidet mit, man spürt die Ungerechtigkeit beinahe körperlich, man wird traurig und bekommt vielleicht sogar Angst, wenn man sich so manch eine Entwicklung in der Gesellschaft anschaut, aber aus diesem Gefühl der Betroffenheit kann auch der Wunsch und der Mut entstehen, sich stark zu machen, für Menschen, die unterdrückt und ausgegrenzt werden, sich stark für ein gleichberechtigtes Menschenbild zu machen, Nächstenliebe zu leben und ideologischem Wahnsinn entschieden entgegen zu treten.

Ob die Geschichte von Dounia Cohen, dem versteckten Kind, dazu beitragen kann? Ich denke schon, denn Dounia Cohen lässt in dem Buch ihre Enkelin Elsa sowie alle Leser sehr nah an die Geschehnisse damals herankommen. Es bleibt nicht bei einer bloßen Geschichtsstunde, nein, es geht um das Erleben eines Kindes, um die Gefühle und vor allem die Ängste, die ein kleines jüdisches Mädchen, ausstehen musste.

Elsa merkt, dass ihre Großmutter Dounia Cohen traurig ist und möchte gerne den Grund erfahren. Die Großmutter, die sich an ihre Vergangenheit erinnert hat, lässt die Enkelin an ihren Gedanken und ihrer Geschichte teilhaben. Sie erzählt. Ja, es handelt sich hier wirklich um die Erzählung einer Großmutter, auch wenn die erlebten Szenen wie in einer Geschichte dargestellt werden. Aber stets hört man die Stimme der Großmutter, ihre Überlegungen, ihre Erklärungen, ihre Gefühle. Eigentlich hatte Dounia eine schöne Kindheit. Sie hatte liebevolle Eltern, sie ging gerne zur Schule und sie hatte Freunde. Doch dann kam der Tag, an dem der Vater erklärte, dass jeder in der Familie von nun an einen Stern zu tragen habe. Der Papa nannte den Stern einen Sheriff-Stern, aber als Dounia mit ihm stolz in die Schule ging, wurde sie auf einmal von allen anders behandelt. Sie wurde ausgegrenzt und gar nicht mehr nett behandelt. In der Schule musste sie sich in die letzte Reihe setzen und zum Unterricht beisteuern durfte sie auch nichts mehr.

Irgendwann wagte sich die Familie kaum noch nach draußen und die Lage wurde immer schlimmer. Ja, auch Dounias Familie blieb das Schicksal der Deportation und des Konzentrationslager nicht erspart. Nur ein kleines Mädchen konnte dem entgehen: Dounia. Ihre Eltern konnten sie gerade noch rechtzeitig im Schrank verstecken. Zum Glück gab es auch in dieser schlimmen Zeit gute Menschen und davon brauchte es einige, um Dounia, die nun ihren Namen verändern musste, an einen sicheren Ort zu bringen. Dounia wurde gerettet, aber Angst und die Sehnsucht nach ihren Eltern begleiteten sie stets auf ihrem Weg. Auch als der Krieg beendet war, war das Leiden noch nicht vorbei, denn nun gingen Dounias Helfer und Dounia auf die Suche nach den Eltern, aber die Opferlisten sind sehr lang. Dounias Mama stand auf keiner. Sie hatte überlebt, aber bei ihrem Anblick zieht sich nicht nur Dounia das Herz zusammen. Und auch wenn man dann liest, dass Dounia nie aufgehört hat, auf die Rückkehr ihres Vaters zu warten, muss man noch einmal schlucken.

Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich kein Comic-Fan bin, aber dieses Buch, welches einem so nah geht, belehrt mich mal wieder eines besseren. Eigentlich sind auf den Bildern nicht viel mehr als die Figuren zu sehen, welche ebenfalls keine großen Details aufweisen. Aber die Gesichtsausdrücke sowie die Körperhaltungen in Kombination mit der Erzählung der Großmutter vermögen es auf unglaubliche Art und Weise einen zu berühren. Besonders die Momente der Ausgrenzung in der Schule und das Unverständnis bei dem kleinen Mädchen haben mich unglaublich traurig gemacht. Wie kann man Menschen, wie kann man Kindern so etwas nur antun? Lest dieses Buch, stellt euch diese unausweichliche Frage, weint mit Dounia und tretet dafür ein, dass dies nie wieder jemandem angetan wird.

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Das versteckte Kind von Loic Dauvillier, Marc Lizano, Greg Salsedo, übersetzt von Monja Reichert, Panini Comics, ISBN: 978-3-86201-774-4, 16,99€

Lust und Frust am Bloggen: Rezensionen schreiben

Wenn man einen Bücher-Blog betreibt, dann ist die Hauptarbeit wohl das Schreiben der Buchvorstellungen und somit sollte es einem durchaus Freude bereiten, diese Texte zu schreiben. Auf mich trifft dies auf jeden Fall zu. Ich schreibe gerne, ich mache gerne etwas mit Worten und ich verfasse gerne Texte. Schon immer habe ich gerne geschrieben und das hat sich auch nie geändert. Es macht mir Freude über Bücher zu schreiben und meine Meinung zu verschriftlichen, vor allem wenn man dabei noch ein wenig kreativ sein kann. Ich glaube auch, dass ich grundsätzlich ganz gut mit Worten umgehen kann und dass recht lesbare Texte am Ende heraus kommen. Das Problem ist immer das „Muss“. Wenn ich einen guten Lauf habe, dann fließen die Sätze nur so aus mir heraus. Ich schreibe locker und nicht nach einem bestimmten Muster. Es fallen mir ein paar gute Überleitungen ein und alles wird ansprechend gestaltet. Aber nicht immer hat man Lust zum Schreiben, nicht immer hat man eine ausgeprägte Meinung zu einem Buch und dann wird es schwierig. Die Texte werden standardmäßiger und somit auch langweiliger. Die Buchbesprechungen bleiben recht nüchtern und ich selbst bleibe außen vor und das möchte ich eigentlich nicht. Manchmal kann ich dann noch die Meinung von Bücherwümchen nett mit einbringen, aber manchmal findet er auch einfach ein Buch „gut, weil alles toll ist“. Hm, daraus kann man nicht besonders viel machen. Und wenn man dann selbst nicht so recht einen Zugang zu einem Buch gefunden hat, was natürlich nicht gleichbedeutend mit einem schlechten Buch ist, dann bleibt alles irgendwie wenig aussagekräftig. Das mag ich nicht, aber manchmal bekommt man keine bessere Besprechung auf die Reihe und dann müssen sowohl meine Leser als auch ich mit einer einfachen Buchvorstellung leben. Ich glaube, manchmal muss man dann eine kleine Pause einlegen, um wieder zur richtigen Kreativität zu gelangen. Zumindest geht es mir so. Auch wenn zu viele Rezensionen anstehen, merke ich schnell, dass ich immer mehr nach dem gleichen Muster schreibe. Das kann dann durchaus auch in Zeiten sein, in denen das Schreiben mir recht leicht fällt, aber macht man zu viel auf einmal, dann bleibt auch in solchen Momenten manchmal das Besondere auf der Strecke.

Bei mir ist es auch wichtig, dass ich die Rezensionen so schnell wie möglich nach den ersten Eindrücken verfasse. Dann ist alles noch lebendig und bestimmte Dinge liegen mir am Herzen, auf die ich eingehen möchte. Dennoch verschiebe ich beispielsweisen aus Zeitgründen das Schreiben leider viel zu oft auf einen späteren Zeitpunkt, was mich dann selbstverständlich wieder ärgert. Andererseits ist es auch nicht immer gut die Texte so schnell zu verfassen, denn manchmal ändern sich die Lesegewohnheiten von Bücherwürmchen über einen gewissen Zeitraum. Und ob ein Buch ihm wirklich gut gefällt, merkt man natürlich erst, wenn er es auch nach ein paar Wochen immer noch zum Lesen wieder hervor holt.

Ich finde es sehr wichtig, dass man sich selbst und seinen Blog immer wieder mal reflektiert. Schreibe ich überhaupt noch so, wie ich es eigentlich möchte? Beachte ich in den Buchbesprechungen noch meine eigenen Kriterien? Muss ich vielleicht mal eine Pause einlegen? Kann ich auch mal mit etwas zufrieden sein, was nicht ganz meinen eigenen Kriterien entspricht? Ich stelle mir solche Fragen immer wieder in unregelmäßigen Abständen. Manchmal lassen mich meine Antworten fast verzweifeln und manchmal brauche ich diese Fragen, um wieder in meinen Augen zufriedenstellende Artikel zu schreiben.

Sieben kleine Hasenkinder im Versteck

Die sieben kleinen Hasen sind so unglaublich knuddelig und haben in dem Buch „Wenn sieben müde kleine Hasen abends in ihr Bettchen rasen“ direkt mein Herz erobert. Natürlich ist mit diesen quirligen Hasenkindern nicht nur das Zu-Bett-Gehen eine große Aufgabe. Nein, auch wenn man gemeinsam Kuchen essen möchte, muss man die Bande erst einmal zusammen kriegen. In dem Buch „Wenn sieben freche kleine Hasen schnell in die Verstecke rasen“ sind auf einmal alle Häschen – schwuppdiwupp – verschwunden, aber natürlich findet Hasenpapa eins nach dem anderen im Schuppen, in der Hängematte, unter einer Holzkiste, hinter der Wäsche und schlafend auf dem Kartoffelsack wieder.

Der Text ist wieder flott gereimt und somit strahlen sowohl der Text als auch die Bilder eine fröhliche Lebendigkeit aus. Und süß sind die Häschen ja sowieso.

Schön, dass es ein weiteres, gelungenes Pappbilderbuch von der Hasenfamilie gibt.

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Wenn sieben freche kleine Hasen schnell in die Verstecke rasen von Sabine Praml und Christiane Hansen, Oetinger Verlag, ISBN: 978-3-7891-7010-2, 7,99€

Informatives Sachbuch über die Steinzeit

WAS IST WAS“ – Diese Bücher kennen wir alle wohl noch aus unserer eigenen Kindheit. Die Bücher sind wirklich informativ, allerdings wirken die alten „Was ist was“ – Bücher schon reichlich altmodisch. Wie gut also, dass diese Bücher neu herausgebracht werden. Allein die farbkräftigen Foto-Cover machen schon Lust auf die Bücher. Wir durften uns den 138. Band über die Steinzeit näher angucken. Selbst Bücherwürmchen hat hier schon gerne reingeschaut, obwohl sich die Bücher natürlich an größere Grundschulkinder richten, aber manches ist auch schon für kleinere Kinder interessant – insbesondere natürlich die Bilder, wobei Bücherwürmchen dazu auch die entsprechenden Infos bekommen möchte.

Das Buch enthält viele informative Texte, aber dennoch wirkt es überhaupt nicht textlastig. Die Seiten werden durch viele Bilder (Zeichnungen und Fotos) aufgelockert und die Bilder sind wirklich gut eingebunden. Sie  machen neugierig, wirken spannend und interessant und vermitteln natürlich ebenfalls wissen (z.B. wie Instrumente aussahen oder welche Kunstwerke an Höhlenwänden zu finden sind). Überhaupt gefällt mir der Aufbau des Buches sehr gut. Es lädt geradezu zum Blättern, Schauen und Lesen ein. Hilfreich ist auch die Übersicht am Zeitstrahl, denn immerhin erstreckt sich die Steinzeit über einen langen Zeitraum.

Im Buch werden fünf Oberthemen behandelt: Wie alles anfing, Leben in der Steinzeit, Kunst, Musik und Erfindungen, Rituale und magische Orte und das Ende der Steinzeit. Außerdem findet man am Ende auch ein Glossar.

Natürlich wird in den Kapiteln über die ersten Menschen, über die Beherrschung des Feuers, über die Jagd und über das Leben in Höhlen gesprochen. Meines Erachtens fehlt nichts Entscheidendes in diesem Buch.

Gerade Jungen können hier ihr Interesse an der Steinzeit umfassend befriedigen und durch die gute Übersichtlichkeit werden auch Kinder, die keine Leseratten sind, nicht direkt abgeschreckt. Die Texte halten zwar viele Informationen bereit und bleiben nicht an der Oberfläche, aber sie sind für Kinder durchaus gut zu verstehen.

Mich kann die neue „Was ist was“-Reihe und insbesondere das Buch „Steinzeit – Die Zähmung des Feuers“ auf jeden Fall überzeugen

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Was ist was Band 138: Steinzeit – Die Zähmung des Feuers von Andrea Schaller, Tessloff Verlag, ISBN: 978-3-7886-2095-0, 9,95€