Mit Kindern Bücher herstellen

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Die Artikel zur Themenwoche Leseförderung werden mit dem Hashtag Lesefreude verbreitet und genau darum geht es bei der Leseförderung auch. Damit Kinder zum Buch greifen und Lesen, müssen sie Spaß am Lesen haben, sie müssen erfahren, wieviel Freude es macht sich mit einem Buch und mit Geschichten auseinander zu setzen. Lesen lernen selber ist zum Teil mit Mühe und Anstrengung verbunden, aber Leseförderung im Allgemeinen sollte den Spaß am Buch vermitteln. Dazu gibt es ganz unterschiedliche Wege und Veranstaltungen. Eine Möglichkeit ist sicherlich auch, eigene Bücher herzustellen. Daran haben viele Kinder großen Spaß und man kann damit auch schon im Kindergartenalter beginnen, denn Bücher müssen ja nicht zwangsläufig etwas mit Text zu tun haben bzw. können die Erwachsenen den Text ja auch ergänzen.

Bücherwürmchen und ich basteln immer wieder Bücher. Dabei macht uns alleine die Herstellung schon großen Spaß und wir gucken uns diese Bücher natürlich auch besonders gerne immer wieder an.

Es gibt viele verschiedene Ideen, wie man ein Buch basteln kann und auch aus welchem Anlass man eines erstellt. Ein paar dieser Ideen sowie ein Buch zu diesem Thema möchte ich euch heute vorstellen.

Ganz regelmäßig erstellen wir Ferientagebücher. Dazu nutzen wir ein einfaches Schreibheft. Fast täglich malt Bücherwürmchen dann etwas über den jeweiligen Tag in das Heft. Besonders schön ist es natürlich, wenn man vielleicht von einem Ausflug einen Flyer oder eine Postkarte einkleben kann.

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Hefte kann man natürlich sowieso immer als Grundlage für ein Buch benutzen.

Sehr gut eignen sich aber auch kleine Faltbüchlein, die man aus einem einzigen Blattpapier herstellt. Die kann man dann ganz nach Lust und Laune füllen. Der Papa bekam zum Beispiel vor 1 ½ Jahren mal ein Büchlein mit dem Titel „Menschen von früher“ geschenkt.

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Hier eine Bildanleitung für die Faltbüchlein:

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Als Anlass für ein kleines Büchlein kann man gelesene Bücher nehmen. Bücherwürmchen und ich haben mal einen Tag zu dem Buch „Der rote Regenschirm“ gemacht und dabei ein eigenes Büchlein erstellt. Das Buch „Das Beste von Allem“ hat uns ebenfalls dazu angeregt unsere eigenen Bilder zu verschiedenen Kategorien zu malen.

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Ein ganz besonderes Buch war unser Tier-ABC mit gebastelten Tieren. Hier nahmen wir uns „1,2,3,4 Lieblingstier“ von Sabine Lohf zum Vorbild. Wir haben es tatsächlich geschafft 26 Tiere (passend zum Alphabet) zu basteln und schön zu fotografieren. Dieses Buch haben wir als Fotobüchlein herstellen lassen.

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Auf der Seite zaubereinmaleins.de habe ich Lapbooks kennengelernt. Das ist im Prinzip eine Doppelseite mit lauter Klappen zu einem Thema. Bücherwürmchen und ich haben mit dem Material von Lapbooks ein Buch zum Winter gestaltet und am nächsten Tag hatte Bücherwürmchen eine eigene Idee. Er wollte ein Lapbook über das ganze Jahr machen. Also haben wir Klappen zu den 12 Monaten angefertigt unter die er dann immer etwas passendes gemalt hat, z.B. im Juli Strand und Meer oder im Februar ein Bonbon für Karneval. Außerdem wollte er eine Jahresuhr mit Zeiger aufkleben. Dort sollten jedoch nicht die Monate, sondern Feste im Jahr vermerkt werden. Da noch etwas Platz war, hat er dann noch Klappen für Advent, Weihnachten, Silvester und Karneval angefertigt. Lapbooks sind eine tolle Möglichkeit etwas zu Sachthemen herzustellen, was insbesondere Jungen viel Spaß macht.

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Auch mit selbstgemachten Fotos hat Bücherwürmchen bereits ein Album erstellt. Am Anfang hat er noch zu den Bildern etwas geschrieben und gemalt, später hatte er dann mehr Spaß daran, die Bildern in einander geschachtelt auf die Seiten zu kleben.

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Vor Kurzem bin ich dann auf das Buch „Mach dein eigenes Buch! – Ideen finden – Zeichnen – Schreiben – Basteln“ gestoßen und finde es absolut klasse. Es richtet sich zwar direkt an Kinder und somit eher an lesende Grundschulkinder, aber dennoch kann man sich hier viele Ideen rausholen. Neben schriftlichen Anleitungen wird eigentlich auch alles in Bildern festgehalten, so dass auch Bücherwürmchen bei einem Blick ins Buch direkt weiß, wie man ein bestimmtes Buch anfertigt und worum es überhaupt geht. Im Buch gibt es zunächst Tipps für eine Geschichte und die Bilder an sich. Anschließend werden verschiedene Buchformen und besondere Bücher mit Anleitung vorgestellt. Hier gibt es wirklich viele kreative und schöne Ideen. Zwei Sachen haben wir uns auch schon heraus gepickt.

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Mach dein eigenes Buch! Ideen finden – Zeichnen – Schreiben – Basteln von Tonia Wiatrowski, EMF, ISBN: 978-3-86355-224-4, 16,99€

Bücherwürmchen hat ein Leporello in einer Streichholzschachtel gebastelt, auf das er eine Räuber Grapsch-Bildergeschichte gemalt hat, und er hat für den kleinen Bruder ein Tier-Fühl-Buch hergestellt und zwar mit ganz eigenen Ideen. Eigentlich sollen die Fühlelemente auf die Tiere geklebt werden, aber Bücherwürmchen war es um seine Zeichnung zu schade, so dass wir das Fühlelement einfach auf eine Extraseite geklebt haben: Eine Seite zum Gucken und eine Seite zum Fühlen. Den Fisch wollte er dann komplett aus dem Schwamm ausschneiden und beim Bär sollte die gelbe Wolle in die Pfoten geklebt werden, damit sie wie Honig aussieht.

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Mal gucken, was wir demnächst noch so für Büchlein erstellen. Wenn Kinder einmal die Möglichkeit selber Bücher herzustellen kennen gelernt haben, dann werden sie sicherlich auch von selber damit anfangen und eigene Ideen entwickeln. Allerdings kann dann auch ein normales gefaltetes DIN-A4-Blatt ein Buch darstellen. So etwas macht Bücherwürmchen immer mal wieder. Er faltete ein Blatt Papier, schreibt ein paar Sätze hinein („Bücherwürmchen erzählt über den Osterhasen – Eier bringt der Osterhase, sagt dir Bücherwürmchen.“) und fertig ist dann sein Buch.

Habt ihr auch schon Bücher mit euren Kindern vorgestellt? Erzählt doch mal davon!

 

Lesen und Malen – Materialien für Leseanfänger

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Heute soll es also nun um Materialien gehen, mit denen Kinder auch zu Hause lesen lernen können, denn natürlich stellt sich die Frage, wie kann mein Kind lesen lernen, wenn es diesen Wunsch geäußert hat. Bücher für Erstleser kommen am Anfang noch nicht in Frage, aber was nimmt man dann?

Eigene Leseaufgaben

Selbstverständlich kann man selber kleine Leseaufgaben herstellen. So schreibt man beispielsweise am Anfang ein paar Wörter auf und malt die entsprechenden Bilder. Nun kann das Kind die Wörter erlesen und mit den richtigen Bildern verbinden. Wenn die Kinder eine Idee haben, was sich hinter den Wörtern verbirgt, fällt es ihnen leichter, den Sinn des zu erlesenden Wortes zu erfassen. Später kann man dann die Kinder nur die Wörter lesen und anschließend die passenden Bilder malen lassen. So verarbeiten sie das gerade Gelesene und wir können sehen, ob es die Wörter richtig gelesen und verstanden hat. Wichtig ist natürlich, dass man mit einfachen Wörtern beginnt. Das heißt, dass die Wörter zunächst nicht länger als zwei Silben sein sollten und dass keine Laute darin vorkommen, die aus mehreren Buchstaben gebildet werden (sch, au, ei, eu, ch etc.). Auch Doppelkonsonanten können die Kinder anfangs verwirren. Das kommt dann später nach und nach hinzu. Einfache Wörter sind zum Beispiel Lama, Sofa, Rose, Palme oder Dino.

Lies mal-Hefte

Wer nicht selber kleine Leseaufgaben erstellen möchte, der kann prima auf die „Lies mal“-Hefte aus dem Jandorf Verlag zurückgreifen. Hier geht es ebenfalls mit dem Verbinden von Wörtern und Bildern und dem Malen von einfachen Bildern (Limo, Bus, Ufo etc.) los. Dann muss man aus drei Wörtern das passende Wort zum Bild herausfinden, es gibt Aufgaben, bei denen man ankreuzen soll, ob ein Wort in einer Bilderreihe abgebildet ist oder nicht, Silben müssen miteinander verbunden werden etc. Die Aufgaben werden im Laufe der Zeit immer etwas länger. Während am Anfang nur „Limo“ gemalt werden soll, werden es dann später „fünf Pilze“ oder „ein blaues Hemd“ und zu den Bildern gibt es dann ganze Sätze, aus denen der richtige herausgesucht werden soll. Sehr schön sind am Ende des Heftes die Aufgaben, bei denen man im Bild etwas ergänzen muss. Man sieht zum Beispiel einen Dino und im Text steht, dass er einen Hut trägt. Das Kind soll dem Dino nun also einen Hut auf den Kopf malen. Das alles macht den meisten Kindern große Freude. Sie üben die Lesetechnik, aber sie müssen gleichzeitig auch den Sinn des Textes erfassen um die Aufgaben lösen zu können. Manchmal haben die Kinder nicht mehr so viel Spaß am Malen. Dann sollte man, gerade wenn das Lesen in der Freizeit geschieht, auch nicht all zu viel Wert auf Genauigkeit legen, denn sonst setzt sich das Kind vielleicht nicht mehr gerne an das Heft, obwohl es eigentlich Spaß am Lesen hat.

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Mittlerweile gibt es sogar ein Heft „Von der Silbe zum Wort“. Hier geht es zunächst nur mit Silben, die man Bildern zuordnen soll, los. Dieses Heft kenne ich allerdings nicht. Wir haben mit dem Entenheft begonnen.

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Lies mal-Hefte, Jandorf Verlag, 3,30 € pro Heft

Ähnliche Hefte gibt es auch vom Verlag an der Ruhr. Allerdings habe ich diese Hefte erst vor Kurzem entdeckt, so dass ich sie euch erst in den nächsten Wochen vorstellen kann.

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Die Stars-Hefte vom Oldenbourg-Verlag finde ich ebenfalls sehr gut. Sie sind allerdings insgesamt schon ein bisschen anspruchsvoller als die „Lies mal“-Hefte. Für Leseanfänger eignen sich die Hefte Silbentraining 1 und Lesetraining 1. Das Schöne an diesen Heften ist, dass es für jede bearbeitete Doppelseite einen Stern als Belohnung gibt, den man auf der letzten Seite aufkleben darf. Das ist für die Kinder sehr motivierend und zeigt ihnen immer, wieviel sie bereits geschafft haben. Außerdem gibt es auch ein Lösungsheftchen, so dass man bei eigenen Unsicherheiten, wie eine Aufgabe gelöst werden soll, dort selber nachgucken kann. Man kann die Kinder mit dem Lösungsheftchen auch selber ihre Aufgaben kontrollieren lassen, aber das habe ich jetzt für den Gebrauch zu Hause anders gehandhabt. Mein Sohn genießt es ja gerade, wenn er solche Sachen mit  mir zusammen machen kann.

Die Stars-Hefte beginnen beide auch recht einfach, sie steigern sich aber schnell und am Ende lesen die Kinder schon Texte, im „Lesetraining“-Heft sogar Texte, die über eine ganze Seite gehen sowie ein Lese-Logical, bei dem man herausfinden muss, welches Auto, welche Farbe hat. Da müssen die Kinder beim Lesen schon eine gute Übersicht haben und schon so gut lesen können, dass sie beim Lesen auch noch nachdenken können.

Im „Silbentraining“-Heft sind die einzelnen Silben in unterschiedlichen Farben geschrieben, was Kindern das Lesen erleichtern kann. Auf den ersten Seiten sollen die Kinder Silben zu Wörtern zusammenfügen. Dann gibt es Wörterlisten, bei denen die Kinder die Wörter in einem Bild wiederfinden und nummerieren sollen, richtige Sätze zu Bildern sollen gefunden werden, es gibt ebenfalls Aufgaben, bei denen die Kinder etwas malen sollen und aus einer Wörtergruppe soll ein Wort gefunden werden, welches nicht zu den anderen passt. Am Ende des Buches beantworten die Kinder Fragen zu einem Text. Das alles ist aber durchaus nach und nach zu bewältigen.

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Deutsch-Stars, Oldenbourg Verlag, pro Heft 6,25€

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Beim „Lesetraining“-Heft ändert sich das Tempo meines Erachtens schneller. Auf den ersten Seiten sollen nur gleiche Buchstabenfolgen verglichen und Groß- und Kleinbuchstaben miteinander verbunden werden. Anschließend geht es um Silben, wobei man es hier direkt mit drei- oder sogar viersilbigen Wörtern zu tun hat und die Silben teilweise wild durcheinander gewürfelt wurden. Sehr schwer ist auch die Seite, auf der man in Buchstabenreihen zwei Wörter finden soll. Recht einfach dahingegen die darauffolgenden Seiten: Aussagen wie „zwei Katzen“ und „zwei Kerzen“ mit den richtigen Bildern verbinden und passende Bilder malen (z.B. „ein Igel im Gras“). Insgesamt müssen die Kinder hier bei den einzelnen Aufgaben recht viele Wörter lesen, was manche Kinder abschrecken könnte. So gibt es z.B. eine Seite mit 65 Kästchen, in denen je ein Wort steht und das Kind soll herausfinden, in welchen Feldern Kleidungsstücke stehen. Um diese an sich einfache Aufgabe zu lösen, muss es eine ganze Menge lesen. Das Heft beinhaltet aber insgesamt nette und abwechslungsreiche Aufgaben, die allerdings ein wenig Knobelei und Nachdenken erfordern. Als einziges Heft würde ich es für den Anfang nicht unbedingt empfehlen, als Ergänzung aber durchaus.

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Diese Materialien werden natürlich auch oder sogar in erster Linie in Schulen eingesetzt. Ist das nun also ein Problem, wenn man sie für den Hausgebrauch nimmt und die Schule dann mit den gleichen Sachen arbeitet? Meines Erachtens ist das überhaupt kein Problem. Dies sind Materialien, mit denen die Kinder eigenständig arbeiten, das heißt, dass sie in der Regel mit der Zeit auf unterschiedlichen Seiten arbeiten. Da kann ein Kind auch genauso gut, beispielsweise im zweiten „Lies mal“-Heft arbeiten, während der Großteil noch mit dem ersten beschäftigt ist.

Erst ich ein Stück, dann du

Sobald die Kinder die ersten kleineren Texte lesen können, wünschen sie sich häufig, ein ganzes Buch lesen zu können. Allerdings fürchten sie sich gleichzeitig manchmal noch vor dem ganzen Text auf einer Seite. Bei den einfachsten Erstlesebüchern ist der Text sicherlich für sie bereits zu bewältigen, allerdings muss man auch zugeben, dass gerade die einfachen Erstlesebücher häufig nicht so sonderlich spannend sind. Für den Anfang sind dahingegen Bücher wie „Erst ich ein Stück, dann du“ (so der Name der Reihe aus dem cbj-Verlag, bei anderen Verlagen gibt es solche Bücher unter anderem Namen, z.B. „Ich für dich, du für mich“ (Loewe Verlag) oder „Der Bücherbär: Wir lesen zusammen“ (Arena Verlag)) sehr gut geeignet. Hier wird eine längere, spannende Geschichte erzählt, aber die Kinder müssen nicht alles selber lesen, denn sie wechseln sich mit einem Erwachsenen ab. Der Erwachsene liest die langen Textstücke und das Kind die kurzen, größer geschriebenen Abschnitte. Das klappt dann meist schon prima und macht allen viel Spaß. Allerdings sind auch in den  Abschnitten für die Kinder teilweise sehr schwierige Wörter für Leseanfänger drin, was ich nicht so gut finde. Wir lesen z.B. gerade „Der kleine Drache Kokosnuss und das Geheimnis der Mumie“, weil Bücherwürmchen Drache Kokosnuss und Ägypten gerne mag. Er schafft die Abschnitte für die Kinder auch schon ziemlich gut, aber auf einmal stehen dann dort Wörter wie „Champignon“ oder „wow“. Da helfe ich ihm dann aber auch direkt. Ich finde als Lesestarter muss man diese Wörter noch nicht lesen können.

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Erst ich ein Stueck dann du – Der kleine Drache Kokosnuss und das Geheimnis der Mumie von Ingo Siegner, cbj Verlag

Darf man seinem Kind vor der Schule das Lesen beibringen?

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Ich weiß, dass diese Frage immer sehr kontrovers diskutiert wird: Soll ein Kind schon vor Schuleintritt lesen lernen? Meines Erachtens ist die Antwort darauf ganz einfach: Nein, ein Kind soll und muss vor der Schule nicht lesen lernen, aber es darf es. Viele Eltern möchten dies aber nicht und lehnen auch den Wunsch des Kindes ab: „Nein, lesen lernt man in der Schule. Jetzt spielst du besser noch.“  Einerseits möchten sie, dass ihr Kind noch viel Zeit hat um frei spielen zu können und andererseits haben sie Angst, dass sich ihr Kind ansonsten in der Schule langweilen könnte. Ja, das kann passieren, aber das kann genauso passieren, wenn das Kind in der Schule ist, und ihm der Prozess des Lesenlernens deutlich leichter fällt als den anderen Kindern. Alle Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule und lernen auch dort in ihrem eigenen Tempo. Es wird so oder so so sein, dass die Kinder unterschiedlich weit sind. Wenn Kinder, die bereit sind lesen zu lernen, dies nicht vor der Schule tun dürfen, dann lernen sie es eben in der Schule schnell und dann könnten sie sich genauso langweilen. Aber eigentlich dürfte es heute sowieso nicht mehr so sein, dass ein Kind sich aus diesem Grund langweilt, denn normalerweise wird in den Schulen differenziert. Es ist überhaupt kein Problem einem Kind, das schon lesen kann anderes Lesematerial zu geben, als Kindern, die dies gerade erst lernen.

Und nur weil ein Kind zu Hause lesen lernt, wird ihm nicht seine ganze Freizeit genommen. Man beschäftigt sich vielleicht mal 15 Minuten mit diesem Thema und der Rest des Tages wird dann für andere Aktivitäten genutzt.

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Mein Sohn wollte auch lesen lernen. Letztes Jahr im Herbst. Da war er gut 5 Jahre alt. Die Buchstaben kannte er schon, allerdings meist nur die Großdruckbuchstaben. Ich war bereit ihm das Lesen beizubringen, allerdings habe ich ihm auch ein paar Sachen dazu gesagt: Lesen lernen bedeutet Anstrengung und Übung. Man kann nicht direkt ein ganzes Buch lesen, sondern muss immer wieder üben. Außerdem musste er die kleinen Buchstaben kennen lernen, da Texte ja gewöhnlich nicht in Großdruckbuchstaben geschrieben sind. Für mich war ganz klar, ich helfe meinem Sohn dabei, das Lesen zu erlernen, aber immer nur dann, wenn er es auch möchte. Das heißt, ich habe ihn in diesem Prozess zwar ab und zu gefragt, ob er noch einmal lesen üben möchte, aber wenn er dies nicht wollte, dann habe ich ihn auch gelassen. Manchmal hat er auch gesagt, dass er nach dem Mittagessen lesen üben möchte, ist dann aber doch oben in seinem Zimmer geblieben und hat dort gespielt. Auch dann habe ich ihn einfach gelassen. Noch kann er es sich aussuchen, ob er üben will oder nicht. Es ist seine Freizeit und es ist eben nicht Schule. Wenn er aber üben möchte, dann bin ich für ihn da und unterstütze ihn.

Ganz wichtig ist mir der Grund, warum man seinen Kindern lesen bei bringt:

Es sollte ein Wunsch des Kindes sein.

Es sollte nicht um die Leistung gehen, die man gerne sehen würde.

Wir üben gemeinsam lesen, weil mein Sohn sich das gewünscht hat und vor allem, weil es uns beiden viel Spaß macht. Klar, für meinen Sohn ist das Ziel des Lesenkönnens wichtig, aber dies ist es zu diesem Zeitpunkt nicht für mich. Ich übe nicht mit ihm lesen, damit er es dann schon mal vor der Schule kann, sondern weil es mir einfach unglaublich viel Freude bereitet.

Nun muss ich natürlich zugeben, dass ich vom Beruf Grundschullehrerin bin und somit auch das entsprechende Material zu Hause habe und eben weiß, wie man vorgeht. Es gibt aber jede Menge Übungshefte, die man auch problemlos als Laie mit seinen Kindern verwenden kann. Ein paar davon, werde ich morgen vorstellen.

Vorlesen ist Leseförderung

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Der Blog Kinderbibliothek hat zu einer Themenwoche zur Leseförderung aufgerufen. Klar, da bin ich dabei, denn dieses Thema liegt mir natürlich auch sehr am Herzen. Vielleicht denkt man bei dem Begriff Leseförderung zunächst an Grundschulkinder, die man zum Lesen bringen möchte, aber für mich ist auch das Vorlesen für kleine Kinder eine ganz große Stütze der Leseförderung. Im Prinzip kann man also gar nicht früh genug mit der Leseförderung anfangen. Wem als kleines Kind viel vorgelesen wurde, der hat die besten Voraussetzungen um selbst ein begeisterter Leser zu werden. An dieser Stelle möchte ich allerdings klar stellen, dass es nicht automatisch heißt, dass ein Kind, welches es liebt tagtäglich Bilderbücher vorgelesen zu bekommen, später ein Vielleser wird, aber es hat die besten Möglichkeiten dies zu werden.

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Warum aber ist das Vorlesen so wichtig, um Kindern den eigenen Leseeinstieg zu erleichtern?

Das hat mehrere Gründe, denn das Vorlesen fördert verschiedene Fähigkeiten.

Zum einen ist Vorlesen natürlich immer auch Sprachförderung. Das fängt schon bei den Pappbilderbüchern ohne Text und mit klaren, einfachen Bildern an, bei denen man lediglich die Dinge benennt. Auf diese Weise wird der Wortschatz eines Kindes nach und nach immer größer und auch Kinder, die vielleicht selbst noch wenig Wörter sprechen, können einem Tiere, nach denen man fragt, auf den Bildern zielsicher zeigen. Je älter das Kind dann wird, desto mehr kommt man ins Erzählen hinein. Es entwickeln sich Gespräche zu den Bildern. In vielen Bilderbüchern ist der Text gereimt, so dass die Kinder auch hier für ein Gespür bekommen. Sind ihnen solche Bücher gut bekannt, können sie die Reime schnell selber ergänzen. Beim Vorlesen entwickelt sich ein Gefühl für die  Sprache, Satzstrukturen werden verinnerlicht und die Kinder werden empfänglicher für das Spiel mit der Sprache.

All diese Dinge kann ich sehr gut an meinen eigenen Kindern beobachten. Mein Kleiner (1 ½) spricht bisher kaum, aber man kann sich mit ihm sehr gut Bücher anschauen und er erfüllt die Suchaufträge sehr gut. Ich staune manchmal, welche Wörter, die wir im Alltag kaum benutzen, er aus den Büchern passiv schon gut versteht.

Mein Großer (5 ½) war sprachlich immer sehr fit. Mit 1 ½ konnte er bereits ganze Sätze sprechen. Damals fiel er damit im Vergleich zu anderen Kindern in seinem Alter deutlich auf. Mittlerweile sind diese Unterschiede auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar, denn fast alle Vorschulkinder können nun natürlich in sinnvollen, zusammenhängenden Sätzen sprechen, doch wenn man genau hinhört, dann merkt man auch jetzt noch einen Unterschied. Mein Sohn hat einen sehr großen Wortschatz und benutzt diesen differenziert. Er drückt sich manchmal sehr schön aus und ich muss sogar zugeben, dass er manchmal speziellere und treffendere Wörter benutzt als ich. Dies sind Wörter, die er nicht aus dem alltäglichen Gespräch, bei dem sie kaum verwendet werden, kennt, sondern Wörter oder Satzteile, die er aus den verschiedensten Büchern kennt und in seinem Wortschatz aufgenommen hat.

Kindern, die ein gutes Sprachgefühl haben, gelingt es einfacher den Sinn aus Gelesenem zu entnehmen. Aus ihren Erfahrungen mit Texten haben sie Erwartungen wie ein angefangener Satz beendet wird, was ihnen das Erfassen von Worten erleichtert. In diesem Zusammenhang ist auch das Wissen, welches sie durchs Vorlesen erworben haben, zu nennen. Beim Vorlesen lernen Kinder eine Menge. Je nach Interesse lernen sie etwas über Tiere, Länder, Städte, über die Natur, Fahrzeuge oder über die Geschichte. Ihr Weltwissen vergrößert sich. Und dies ist beim Lesen lernen nicht zu unterschätzen. Hat man ein Wort entziffert, von dem man weiß, worum es sich handelt, ergibt der gelesene Text viel schneller einen Sinn, man kann das Gelesene besser einordnen und behält es besser.

Natürlich werden beim Vorlesen auch Konzentration und Merkfähigkeit geschult. Dies kann man noch durch ergänzende Fragen unterstützen, in dem man z.B. bei einer Frage auf den Beginn der Geschichte Bezug nimmt. Auch dies sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in das Abenteuer selber Lesen, denn gerade am Anfang erfordert es von den Kindern sehr viel Konzentration die Buchstaben in Laute umzusetzen, diese zusammenzuziehen und dann auch noch das Wort zu verstehen. Geht es dann um ganze Sätze, ist es für die Kinder zunächst gar nicht so einfach sich am Ende noch daran zu erinnern, was sie am Anfang gelesen haben.

Ganz wichtig ist aber vor allem auch das positive Erlebnis. Wie wird das Vorlesen empfunden? Hoffentlich als etwas sehr Schönes und Gemütliches. Vielleicht sitzt man beim Vorlesen immer gemeinsam mit Mama oder Papa auf dem Sofa und kuschelt sich ein wenig an. Ganz schnell verbindet man das Vorlesen mit einem Gefühl der Geborgenheit und Nähe. Bücher werden mit einem positiven Gefühl besetzt. Außerdem hat man die Erfahrung gemacht, dass Geschichten spannend und aufregend sein können. In Büchern verbirgt sich etwas, was sich lohnt entdeckt zu werden. Diese Erfahrung kann eine Motivation sein, die erste anstrengende Zeit des Lesenlernens zu überstehen.

Aus all diesen Gründen finde ich Vorlesen sehr wichtig, aber auch wenn es diese Gründe nicht geben würde, so würde ich meinen Kindern dennoch tagtäglich vorlesen, denn diese Momente gehören zu den schönsten des Tages und ich möchte sie keinesfalls missen.

25 Jahre Regenbogenfisch und ein neues Abenteuer

Ich glaube, jeder der Kinder hat oder mit ihnen zu tun hat, kennt ihn, den Regenbogenfisch. Und mittlerweile können viele sogar sagen, dass sie ihn noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, denn der Regenbogenfisch ist schon 25 Jahre alt. Eine Erfolgsgeschichte, die sich auch in einigen Folgebänden niederschlägt. Ganz aktuell ist das Buch „Der Regenbogenfisch lernt verlieren“ herausgekommen.

Ich muss sagen, dass ich dem Regenbogenfisch ein wenig skeptisch gegenüber stehe, da mir das Buch ein wenig zu lehrhaft herüber kommt. Ja, die Botschaften, die er vermittelt sind richtig und wichtig, aber diese Absicht kommt mir zu stark herüber. Dennoch wird der Regenbogenfisch gerade in Einrichtungen gerne eingesetzt und er hat dort sicherlich auch seinen berechtigten Platz. Kinder mögen den Regenbogenfisch, was sicherlich auch am Glitzer liegt. So etwas macht in einem Buch schon etwas her. Außerdem erlebt der Regenbogenfisch Situationen, die Kindern bekannt vorkommen.

Thema: Verlieren

Nun möchte ich mal einen Blick auf das neue Buch werfen: „Der Regenbogenfisch lernt verlieren“ Der Titel zeigt bereits, dass hier wieder eine Botschaft vermittelt werden soll, aber das kennt man ja vom Regenbogenfisch. Das Thema ist spannend. Es gibt viele Kinder (und auch Erwachsene, zu denen ich leider auch gehöre), die nicht gut verlieren können. Wie geht man damit um? Vielleicht präsentiert uns ja das Buch eine gute Lösung.

Die Fische spielen verstecken. Zuerst sucht der Regenbogenfisch, aber alle drei Fische haben sich so geschickt versteckt, dass er sie nicht finden kann, obwohl er doch die meisten Verstecke gut kennt. Und als dann der kleine Blaue mit suchen an der Reihe ist, findet er sofort den Regenbogenfisch. Das ist zu viel für ihn. Ärgerlich und schimpfend schwimmt er davon, was den kleinen Blauen traurig macht. Rotflosse schwimmt dem Regenbogenfisch hinterher und spricht mit ihm. Er zeigt Verständnis und erklärt dem Regenbogenfisch wie unfair er sich verhalten hat. Der Regenbogenfisch sieht das ein, entschuldigt sich und spielt wieder mit.

Auf den Bildern sieht man vor allem die Fische, umrahmt von ein paar Algen. Der Hintergrund ist mal weiß, mal farbig, wobei hier mehr Wert auf die Gefühle als auf Realität gelegt wurde. So ist der Hintergrund auf der Seite, auf der der Regenbogenfisch wütend wegschwimmt, in einem Rotton gehalten, was die Atmosphäre gut unterstreicht. Auch an den Gesichtsausdrücken der Fische kann man meistens gut ihre Gefühle ablesen. Ich finde allerdings, dass der Regenbogenfisch Rotflosse etwas sehr aufgeschlossen zuhört.

Realistisch gelöst?

Überhaupt muss ich sagen, dass mir die Lösung in dem Buch etwas zu einfach ist. Wenn mein Sohn sich ärgert, weil er verliert oder ein Spielzug nicht zu seinen Gunsten ausfällt, dann ist er längst nicht so einsichtig. Er bekommt dann seine Wut wieder in den Griff, da er gerne weiterspielen möchte, ich aber keine Lust habe nach seinen eigenen Regeln zu spielen, aber seine Mimik spiegelt dann weiterhin seinen Ärger wider. Ja klar, man kann mit ihm reden, ihm das alles erklären und vielleicht sieht er es sogar ein, aber es ändert nichts daran, dass er sich beim nächsten Mal wieder genauso ärgern wird. Die Lösung in dem Buch ist vernünftig, aber sie ist mir persönlich zu realitätsfern. Auch kommt sie ein wenig langweilig daher.

Schade, die Idee das Verlieren zu einem Regenbogenfisch-Thema zu machen, gefällt mir gut. Der Anfang des Buches ist vielversprechend, doch das Ende ist mir zu schwach.

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Der Regenbogenfisch lernt verlieren von Marcus Pfister, NordSüd Verlag, ISBN: 978-3-314-10381-0, 16€

Vom Einzelkind zum großen Bruder – nicht einfach!

Es ist für Kinder gar nicht so einfach, wenn auf einmal ein Geschwisterkind kommt, denn als Einzelkind kann man ja schon ein paar Privilegien genießen. Und so ist die Frage, die als Titel eines neuen Bilderbuchs herhält, „Bleibt der jetzt für immer?“ ganz normal.

In dem Bilderbuch ist es Elmore, der diese Frage stellt. Ihm ging es als Einzelkind einfach prächtig. Er hat ein eigenes Zimmer mit Fernseher, seine Spielsachen, die er selbst ordnen kann und Süßigkeiten, die er mit niemandem teilen muss. Und natürlich ist ihm die ganze Liebe und Aufmerksamkeit seiner Eltern gewiss. Aber dann kommt dieses kleine Wesen, welches Mama und Papa auch lieb haben. Vielleicht sogar lieber als Elmore?

Anfangen kann  man mit diesem Wesen überhaupt nichts. Das Einzige was es tut, ist, dass es Elmores Sachen durcheinander wirft und sogar seine Jelly Beans anlutscht. Und Elmore darf noch nicht mal böse mit ihm sein, weil es ja noch so klein ist. Als das Wesen dann größer wird, wird es auch nicht besser. Jetzt will es überall hin, wo Elmore auch ist und irgendwann zieht es sogar in seinem Zimmer ein. Darüber ist Elmore natürlich gar nicht begeistert, doch dann ändert sich alles. Bei einem schlechten Traum ist nun jemand da, der ihn in den Arm nimmt, beim Spielen ergänzen sich die Spielsachen der Kinder und es gibt jemanden, der mit ihm zusammen lacht. Aus dem kleinen Wesen ist Elmores Bruder Albert geworden.

Einfache Bilder und klarer Text

Das Bilderbuch thematisiert das Geschwisterkriegen auf tolle und humorvolle Art und Weise. Das Buch macht einfach Spaß und zwar sowohl durch den Text als auch die eigenwilligen Bilder von Lauren Child. Die Figuren mit den großen Gesichtern, bei denen die Proportionen nicht passen, sind eigentlich nicht als hübsch zu bezeichnen, aber sie haben etwas und sie drücken jede Menge aus. Die Hintergründe sind meist weiß und Räumlichkeiten fehlen. Man sieht hauptsächlich die Figuren, teilweise von ein paar ergänzenden Accessoires, um die es in dem Text geht.

Der Stil der Bilder passt zu dem Text. Auch dieser ist recht kurz und verzichtet auf besondere Schnörkeleien. Alles wird klar und direkt ausgedrückt.

Besonders gut gefällt mir, dass sich die Situation nicht direkt entschärft, wie dies in vielen Büchern der Fall ist. Nein, das Geschwisterkind bleibt erst einmal ein Störfaktor, was sicherlich durchaus realistisch ist, denn ein größeres Kind kann ja mit einem Baby wirklich noch nicht viel anfangen und erlebt zunächst erst einmal die negativen Auswirkungen. Die Eltern haben nicht mehr so viel Zeit für einen, man hört das Kleine ständig weinen, später macht es dann erst einmal alles kaputt und bringt alles durcheinander. Und es ist ja wohl auch nur all zu verständlich, dass es ziemlich nervt, wenn man ständig von einem Kleinkind, das noch nichts so richtig versteht, verfolgt wird. Schön, dass diese normalen, kindlichen Gefühle in diesem Bilderbuch thematisiert werden, aber es ist auch richtig und natürlich ebenfalls schön, dass Elmore am Ende eben dann doch noch erlebt, dass es toll ist, wenn man Geschwister hat.

Bücherwürmchen – ein stolzer großer Bruder

Ich hatte beim Vorlesen auch ein sehr schönes Erlebnis. Ich sprach Bücherwürmchen auf Elmores Situation an und erwartete, dass er aus der eigenen Erfahrung heraus, Verständnis für Elmore haben würde. Im Buch heißt es „Er wollte NICHT, dass ihm ein Kleinkind hinterherläuft“ und Bücherwürmchen sagte daraufhin: „Ich will, dass mir ein Kleinkind hinterherläuft und zwar genau dieses hier.“ Dabei zeigte er auf Büchermäuschen. Oh ja, Geschwisterliebe ist schon etwas sehr Schönes und die Mamaliebe blüht auf, wenn sie diese Geschwisterliebe erleben darf.

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Bleibt der jetzt für immer? von Lauren Child, Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-25297-4, 14,00€

Tolle Spiele rund um den Spracherwerb

Neben vielen Bilderbüchern kommt auch ein anderes Buch bei uns zur Zeit täglich zum Einsatz: „Und vorne geht der Elefant – 101 Mitmachideen für die Sprachbildung in Krippe, Kindergarten, Tagespflege, Praxis und Elternhaus“. Beide Kinder finden es toll mit mir zusammen daraus die Sprachspiele zu machen. Der Große wünscht sich konkrete Spiele, während der Kleine mir das Buch auffordernd hinhält.

In erster Linie richtet sich dieses Buch an pädagogische Fachkräfte, die mit Kindern bis zum Grundschulalter arbeiten, aber auch für Eltern ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Versen, Spielen und Liedern. Der Autorin Elisabeth Schmitz legt in diesem Buch Wert darauf, dass Sprache am besten im Zusammenhang mit rhythmischer Bewegung gelernt wird.

Für Kinder von 0-6 Jahren

In dem Buch findet man sowohl traditionelle Verse, als auch eigene Verse und Spiele der Autorin. Bei allen Ideen wird eine Altersempfehlung angegeben, welche natürlich nicht all zu eng zu sehen ist. Sie bezieht sich vor allem aber auf den Übungsschwerpunkt, der teilweise ebenfalls genannt wird, z.B. „Beweglichkeit der Zunge“. An den Versen selbst haben Kinder oft auch in einem anderen Alter Spaß. Manchmal muss man dann eben die Aktivitäten dazu umändern. Gerade für die älteren Kinder eigenen sich somit die meisten Ideen in diesem Buch, insbesondere wenn man sie gemeinsam mit jüngeren Kindern durchführt. Sie alle haben auch noch Spaß an Fingerspielen für die Kleineren und können nun auch noch ganz aktiv daran teilnehmen. Mein Bücherwürmchen hat jedenfalls an den ganzen Spielen sehr viel Freude, egal für welches Alter sie sind. Aber auch Büchermäusen macht schon gerne überall mit. Es gibt in dem Buch ein Spiel, welches „Ich wand’re durch den Winterwald“ heißt. Dieses ist eigentlich ab 4 ½ Jahren, denn die Kinder sollen den Text auch schon mitsprechen. Das kann Büchermäuschen natürlich noch nicht, aber es läuft dennoch begeistert mit uns im Kreis herum und klatscht, stampft und klopft gerne mit. Man kann mit den Spielen und Versen also sehr gut Kinder verschiedener Altersklassen erreichen, auch wenn die Förderung dann vielleicht unterschiedlich intensiv ausfällt.

Sprachförderung, die Spaß macht

Ich bin ein Fan von Fingerspielen, Reimen, Lieder und ähnlichen und mir ist dabei auch sehr bewusst, dass so etwas die Sprachentwicklung fördert. Und es ist auch logisch, dass je nach Vers oder Spiel andere Kompetenzen besonders gefördert werden, z.B. rhythmisch-melodische Fähigkeiten, die Sprechfähigkeit und die Beweglichkeit der Zunge, der Wortschatz etc. In dem Buch werden die Ideen somit auch nach diesen Fähigkeiten sortiert, so dass man gegebenenfalls auch schnell ein passendes Spiel finden kann. Das macht insbesondere für den Gebrauch in einer pädagogischen Einrichtung Sinn, wer das Buch zu Hause einsetzen kann, der kann sich die Spiele aber auch einfach nach Lust und Laune aussuchen. So mache ich es jedenfalls. Es ist schön, dass die Spiele die Sprachentwicklung fördern, aber ich mache sie in erster Linie, weil sie den Kindern und mir viel Freude machen und genau aus diesem Grund freue ich mich auch über diese tolle Sammlung an schönen Ideen.

Abwechslungsreiche Ideen

Denn tolle Ideen hält dieses Buch auf jeden Fall bereit. Hier gibt es viele unterschiedliche Gedichte, die zu verschiedenen Bewegungen einladen. Die Aktivitäten dazu erklären sich entweder von selbst oder werden gut beschrieben. Gut gefallen mir auch die besonderen Hinweise, in welchem Takt der Text gesprochen werden sollte.

Teilweise wurden bekannte Lieder umgetextet. So singt man hier auf die Melodie von „Wer wird fleißige Handwerker seh’n“ „Willst du fröhliche Kinder seh’n“. Und die fröhlichen Kinder stampfen, klatschen und drehen sich dann. Viel Spaß machen auch die Gedichte zur Beweglichkeit der Zunge. Hier kann man mit der Zunge rollen, kreisen, schnalzen und vieles mehr. Es gibt Verse, bei denen Tierlaute nachgemacht werden, es gibt Fingerspiele, Abzählreime, es gibt Verse für die ganz Kleinen unter einem Jahr, es gibt Kreisspiele und viele andere Ideen.

Ein paar Seiten zur Theorie runden das Buch ab.

Toll ist auch die Ringbindung, denn so kann man das Buch sehr gut aufgeschlagen vor sich liegen lassen, während man die Ideen durchführt.

Die Illustrationen, die von Kindern angefertigt wurden, haben in diesem Buch durchaus ihren Reiz. Ich mag es nicht immer, wenn ein Buch mit solchen Bildern illustriert wird, aber hier wirken sie wirklich gut.

Insgesamt ist das Buch ein wahrer Schatz an tollen rhythmischen Versen und Liedern. Es wird sicherlich auch in nächster Zeit noch häufig zum Einsatz kommen, denn es macht uns allen einfach sehr viel Spaß.

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Und vorne geht der Elefant – 101 Mitmachideen für die Sprachbildung in Krippe, Kindergarten, Tagespflege, Praxis und Elternhaus von Elisabeth Schmitz, ISBN: 978-3-00-050565-2; Das Buch kann zur Zeit für 10 € (+1,50 € Versand) bei der Autorin erworben werden: http://www.sprachbildung-foerderung.de/

Kuschelflosse und seine Freunde erleben ein neues Abenteuer

Bei Kuschelflosse und seinen Freunden ist immer etwas los. Im dritten Band „Der knifflige Schlürfofanten-Fall“ steht auf einmal ein eingepacktes Geschenk vor Kuschelflosses Tür und da drin ist ein Schlürfofant eingepackt. Wo kommt er nur her und was sollen Kuschelflosse und seine Freunde nun tun? Erst einmal müssen sie aufpassen, dass Schlürfi ihnen nicht alles wegsaugt, denn der kleine Schlürfofant hat großen Hunger und saugt einfach alles ein, was sich so in seiner Nähe befindet, und dann geht es auf eine abenteuerliche Reise. Kuschelflosse und seine Freunde machen sich mit Schlürfi auf den Weg ins Wuchertal, dem Zuhause des Schlürfofanten. Klar, dass sie da das eine oder andere Abenteuer erwartet.

Die Kuschelflosse-Bücher lassen sich prima vorlesen und machen einfach viel Spaß. Okay, ich gebe zu, dass mir in dem Buch ein paar zu viele Adjektive vorkommen. Alles ist besonders und wird groß und bunt ausgeschmückt. Aber dadurch nimmt die Geschichte auch an Fahrt auf und Kindern macht das alles große Freude. Die kleinen Abenteuer, die die Freunde erleben sind spannend. Ich dachte erst, dass die schwarzen Hintergründe im Kapitel „Die gruselige Abkürzung“ für Kinder vielleicht etwas zu aufregend für Kindernerven sind, aber beim dem Erzähltempo und dem Witz, der doch irgendwie immer wieder durchschimmert, ist dann doch alles gut auszuhalten.

Bücherwürmchen hat besonders viel Spaß an Herrn Kofferfisch. Über seine Bemerkungen musste er immer wieder lachen, aber das kann ich durchaus verstehen. Herr Kofferfisch macht wirklich Spaß und hier wird der kindliche Humor toll angesprochen.

Die Illustrationen sind niedlich, fröhlich und humorvoll. Alle Figuren wirken durch ihre großen Augen und den freundlichen Gesichtsausdrücken sehr sympathisch. Die Kinder haben auf jeder Seite etwas zu gucken, wobei die Bilder manchmal eindeutig in den Hintergrund treten und auf manchen Seiten eher schmückendes Beiwerk sind. Es gibt aber auch Bilder, die eine ganze Seite einnehmen. Insgesamt gibt es hier sicherlich ein gutes Text-Bild-Verhältnis.

Uns hat das Buch gut gefallen. Schade nur, dass es schon wieder so schnell durchgelesen ist.

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Kuschelflosse – Der knifflige Schlürfofanten-Fall von Nina Müller, Magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-2806-5, 12,95€

HIER geht es zur Besprechung der ersten beiden Teile.

Babys und Kinder gekonnt fotografieren

Neben den Büchern habe ich noch eine andere große Leidenschaft: Fotos und Fotografieren. Allerdings mache ich in diesem Bereich alles ohne besondere Kenntnisse, aber es macht mir viel Spaß zu fotografieren und die Bilder in Fotobüchern zusammenzustellen. Am allerliebsten fotografiere ich natürlich meine Kinder, wobei ich immer auf der Suche nach besonderen Motiven bin, was gar nicht so einfach ist. Nun habe ich aber zumindest schon ein Mal ein tolles Buch entdeckt, welches mir vielleicht ein wenig weiterhilft: „Baby- und Kinderfotografie“ von Judy Hohmann.

Ich finde das Buch einfach toll und ich hoffe, dass ich demnächst mal einiges davon umsetzen kann. Auf dem Titelbild wird mit der Aufschrift „Leicht erklärt – perfekt für Anfänger“ geworben. Dies trifft auf jeden Fall zu. Das Buch ist in vier Bereiche aufgeteilt: „Die Kamera verstehen“, „Die Session vorbereiten“, „Altersstufen“ und „Fotoworkshop“.

Der erste, theoretische Bereich wird recht kurz gehalten, was mir persönlich sehr recht ist. Aber was hier zu lesen ist, ist alles gut verständlich und wird an Beispielen verdeutlicht. Im Kapitel „Die Session vorbereiten“ geht es dann, ebenfalls kurz, um vorteilhafte Tageszeiten zum Fotografieren, Ausrüstung, Kleidung und Bildaufteilung. Hier wird nun kein großes neues Wissen offenbart, aber es macht dennoch Sinn sich diese Punkte ins Bewusstsein zu rufen und darüber nachzudenken.

Und nun wird es langsam richtig spannend. Wie setzt man Neugeborene am Besten gut in Szene, welche Momente sollte man unbedingt im zweiten Lebenshalbjahr festhalten und wie bekommt man lachende Kinder vor die Kamera?

Der größte Teil des Buches nimmt allerdings der Fotoworkshop ein und das finde ich klasse, denn hier wird es richtig praktisch. Hier werden etwa 70 Motive mit genauen Kameraeinstellungen präsentiert, aber es bleibt längst nicht nur bei den technischen Daten. Die linke Seite einer Doppelseite wird komplett für eine Anleitung zu dem Foto genutzt. Es gibt eine Liste mit Materialien, wie bereitet man den Ort für das Foto vor und wie setzt man das Bild mit dem Kind und eventuell einer weiteren Person letztendlich um. Alles ist sehr verständlich geschrieben. Hier bekommt man wirklich sehr schöne Fotos zu sehen und man bekommt direkt Lust darauf eine ganze Menge davon umzusetzen. Sicherlich kommt man in der Praxis nicht unbedingt dazu, alles nachzumachen, was man gerne machen würde, aber man bekommt auf jeden Fall neue Idee, Inspirationen und ein paar Tricks fürs Fotografieren. Das gefällt mir sehr gut.

Ich kann dieses Buch nur allen empfehlen, die gerne schöne Fotos von Babys und Kindern machen und dazu noch ein paar Tipps suchen.

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Baby- und Kinderfotografie – Faszinierende Fotos mit natürlichem Licht; Grundlagen, Bildideen und Anleitungen von Judy Hohmann, Humboldt Verlag, ISBN: 978-3-86910-227-6, 24,99€

Joscha und Mischa lieben sich. Na und?

Kukuschkan steht Kopf. Das kann ja nun wirklich nicht sein. Zwei männliche Bären, die einander lieb haben und dies auch noch in der Öffentlichkeit zeigen. So etwas passt doch nicht zu Bären, oder vielleicht doch?

In dem Bilderbuch „Joscha & Mischa diese zwei – Die andere Bärengeschichte“ jedenfalls sind die alten Bären entsetzt. Sie zeigen nicht nur auf Joscha & Mischa, die ganz selbstverständlich tatzenhaltend herumlaufen und sich Küsse geben, sondern beschweren sich sogar beim Bürgermeister. Zu Glück kann dieser absolut gar nichts finden, womit Joscha & Mischa den anderen schaden. Die Vorurteile der Bären basieren auf keiner Grundlage.

Joscha & Mischa diese zwei“ ist ein Buch für Toleranz und eine bunte Gesellschaft, in der nicht alle gleich sein müssen. Hier geht es speziell um die gleichgeschlechtliche Liebe, aber letztendlich ist die Botschaft hier auch ganz allgemein aufzufassen.

Haben kleine Kinder schon Vorurteile?

Das Buch gefällt meinem 5 ½-Jährigen Bücherwürmchen sehr gut. Wir lesen es gerne gemeinsam. Ich frage mich allerdings, wie er die Geschichte aufnimmt. Kinder in diesem Alter sind noch sehr offen für alles und haben noch wenig Vorurteile, wenn sie nicht von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen anders geprägt wurden. Bücherwürmchen ist ganz klar von Anfang an auf der Seite von Joscha und Mischa. Er hält zu den Helden des Buches und hofft, dass für sie alles gut ausgeht. Für ihn ist die Antwort auf die Frage „Darf das sein?“ ganz eindeutig ja. Kindergartenkinder nennen auf die Frage, wen sie heiraten möchten, häufig noch spontan ihren besten Freund, während sie auf der anderen Seite so langsam wahrnehmen, dass ein Mann meistens eine Frau heiratet. Auch Bücherwürmchen ließ mal einen Satz wie „Ich weiß, dass ich ein Mädchen heiraten soll“ fallen, denn das ist ja das, was er im Alltag beobachtet. Ihm war bisher allerdings noch nicht bewusst, dass deswegen eine andere Variante von manchen Menschen als falsch angesehen wird. Auf dieses Verhalten wurde er erst durch das Buch aufmerksam und ich weiß nicht, inwiefern er überhaupt versteht, dass die Bären die Liebe zwischen Joscha und Mischa beispielsweise als „absonderlich“ betiteln. Ist das Buch dann vielleicht zu früh für ihn? Oder hilft das Buch dabei, ihm seine Toleranz zu bewahren, da am Ende ja auch alles gut ausgeht und die Bären mit den Vorurteilen, ziemlich blöd dastehen? Ich weiß es nicht. Er mag das Buch jedenfalls, hört es sich gerne an und kommentiert auch durchaus mal, dass doch jeder selbst entscheiden kann, mit wem er zusammen lebt.

Die Begriffe in dem Buch sind allerdings auch für kleinere Kinder nicht alle einfach zu verstehen. Ein Wort wie „sündig“ kennen Kinder in dem Alter in der Regel noch nicht. Insgesamt lässt sich der Text allerdings gut größeren Kindergartenkindern vorlesen.

Besondere Illustrationen

Ich muss zugeben, dass die Bilder ein wenig gewöhnungsbedürftig sind, sowohl für mich als auch für meinen Sohn. Es gibt häufig keine klaren Umrandungen, die Farben sind verwischt und wirken manchmal ein wenig unordentlich. Solche Bilder kennt man aus Bilderbüchern eher nicht. Nach dem ersten Anschauen des Buches meinte Bücherwürmchen, dass ihm der Text, aber nicht die Bilder gefallen haben. Als wir das Buch dann aber ein weiteres Mal angeschaut haben, hat sich seine Meinung allerdings schon ein wenig geändert. So nach und nach wurde er mit den Bildern vertrauter und konnte auf den Seiten auch Bilder entdecken, die ihm gefielen. Am schönsten fanden wir die Bilder, die Joscha und Mischa zeigten. Sie sind am fröhlichsten und wärmsten und sind auch ordentlicher und genauer gezeichnet als die engstirnigen Bären. Je länger wir die Bilder und ihren Stil nun kennen, desto mehr beschäftigen wir uns mit ihnen und lassen uns auf die Atmosphäre, die sie sehr gekonnt ausstrahlen, ein. Wir werden uns das Buch sicherlich noch oft anschauen, denn irgendwie hat es uns dieses Buch angetan und das liegt sicherlich auch an den ungewöhnlichen Bildern.

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Joscha & Mischa, diese zwei – Die andere Bärengeschichte von Hans Gärtner & Christel Kaspar, Edition Tingeltangel, ISBN: 978-3-944936-19-2, 16,90€